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65 Min.

Warum tragen wir noch Opas Kriegsschmerz in uns? Wann sollten wir die Tür zu vergangenen Verletzungen geschlossen halten? Ist „Ich brauche niemanden mehr“ ein Schutzschild oder echte Freiheit? Mit Verena König (2/2)

Kann eine neue Beziehung alte Wunden überschreiben und was passiert eigentlich nach der magischen Drei-Jahre-Grenze?

Beziehungen

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In der zweiten Folge unseres Gesprächs mit Traumatherapeutin Verena König gehen wir der Heilkraft einer sicheren Bindung auf den Grund. Brigitte Huber und Stephan Seiler sprechen mit Verena darüber, warum Sätze wie „Ich brauche niemanden mehr“ oft ein kluger Schutzschild sind, weshalb Meditation bei einem übererregten Nervensystem manchmal überfordert und wie uns ein schwanzwedelnder Hund im Alltag eine heilsame korrigierende Erfahrung schenken kann.

Zudem beleuchten wir das Thema transgenerationale Traumata – also den Kriegsschmerz, den wir über Generationen in unseren Zellen tragen – und erfahren, warum Verena beim Kunstflug in der Luft die reine Schwerelosigkeit sucht.

Eine Folge voller Aha-Momente und echter Ermutigung!

Kapitelmarken

  • 03:13 „Ich brauche niemanden mehr“ - Freiheit oder Schutz?

  • 06:25 Sichere Bindung jenseits der Paarbeziehung

  • 08:41 Was verändert sich nach drei Jahren Beziehung?

  • 12:37 Kann ein Partner bei der Heilung helfen?

  • 14:36 Wo liegen die Grenzen für den Partner?

  • 17:40 Reicht ein Buch, um ein Trauma zu bearbeiten?

  • 18:50 Wann sollte ich mir Hilfe holen?

  • 20:39 Muss ich für die Heilung zurück in die Kindheit?

  • 21:50 Wie verlässlich sind wiederkehrende Erinnerungen?

  • 23:30 Wie finde ich fachliche Unterstützung?

  • 25:23 Wann ist es besser, alte Verletzungen ruhen zu lassen?

  • 29:39 Kann man ein Trauma verhindern?

  • 32:30 Woran erkenne ich einen sicheren Menschen?

  • 34:34 Wie wirken Kriegserfahrungen über Generationen nach?

  • 39:25 Kleine Schritte zur Bewältigung

  • 42:05 Übungen für Körper und Nervensystem

  • 43:50 Wann kann Meditation belastend sein?

  • 44:46 Warum Verena König mit Trauma arbeitet

  • 46:37 Schnellfragerunde und Zitate

  • 49:11 Verenas Premiere

  • 51:26 Das Buch ihres Herzens

  • 53:09 Was sie am Älterwerden schätzt

  • 54:28 Verena über vegane Ernährung

  • 56:44 Was Brigitte und Stephan aus dem Gespräch mitnehmen

  • 62:20 Weitere Folgen zum Thema Beziehungen

Transkript zur Folge

Verena König 0:00
Also es gibt so verschiedene Untersuchungen dazu und einige, einiges an Literatur, wo beschrieben ist, dass sich die Paarbeziehung, da sind wir jetzt explizit bei der Paarbeziehung, und zwar egal ob hetero- oder homosexuell oder wie auch immer, also es kann, können alle Formen der Paarbeziehung sein, dass die sich in den ersten 3 Jahren noch anders strukturell verhält als danach. Also es ist natürlich nicht von einem Tag auf den anderen, aber in den ersten 3 Jahren erfüllt zum Beispiel die Sexualität eine andere Funktion. Es gibt weder den Prinz noch die Prinzessin, der rettet oder die rettet. Aber es gibt die unbeschreiblich große Heilkraft der sicheren Bindung. Das ist wirklich die größte Heilkraft, die wir kennen, wenn es um frühes Trauma geht, wenn es um Trauma geht, das durch zwischenmenschliche Erfahrungen entstanden ist, also zum Beispiel durch Eltern. Diese Anfangsfrage: Sind wir alle traumatisiert? Und wenn man die klassischen Diagnosen aus unseren Diagnosemanualen, die also in der Medizin verwendet werden, wenn man die hernimmt, dann muss man sagen: Nee, ist nicht jeder traumatisiert. Und wenn man jetzt transgenerationales Trauma in den Blick nimmt, dann könnte man sagen: Vielleicht aber ja doch, weil wie du sagst, es waren kollektive Traumatisierungen. Niemand war verschont.

Brigitte Huber 1:19
Weiter geht's in die Sache mit dem Älterwerden mit unserer Folge mit Traumatherapeutin Verena König. Das ist die zweite Folge. Die erste haben wir ja letzten Mittwoch schon ausgestrahlt und diesmal geht es ganz stark um Beziehungen und um so typische Beziehungsmuster, die uns zum Teil lebenslang begleiten und mit denen wir uns wirklich das Leben schwer machen. Was sind das für Muster und wie lassen die sich vielleicht noch mal lösen?

Stephan Seiler 1:47
Ja, davon kann ich ja bekanntlich ein Lied singen. Deshalb ist es sehr, sehr spannend, was wir heute zu hören bekommen. Also zumindest für alle Beziehungsopfer wie mich. Es geht aber auch um den Weg zur Heilung. Also wie wir da wieder rausfinden aus diesen kleinen und mittleren und auch vielleicht auch größeren Traumata. Wann es aber auch vielleicht Sinn macht, einfach mal abzuwarten und gar nichts zu tun.

Brigitte Huber 2:07
Sehr spannend und wichtig finde ich auch, ob und wie man Traumata verhindern kann. Also wie kann ich einen Menschen oder auch mich selber, aber auch Freunde, Freundinnen auffangen, wenn wir Zeugen werden, dass etwas Schlimmes passiert? Wie können wir ein Trauma verhindern?

Stephan Seiler 2:27
Und dann geht es auch noch um ein Thema, das mich völlig umhaut, nämlich das transgenerationale Trauma. Dass ein Trauma quasi vererbt, übergeben wird von einer Generation zur nächsten. Dass wir Traumata in uns drinstecken, die vielleicht von Kriegserfahrungen unserer Großeltern herrühren. Manche sagen sogar, dass manches noch viel, viel weiter zurückgeht. Und immer weiter vererbt wird, wie wir es kompensieren und dann quasi mit unserem Verhalten das kompensieren wollen, was unsere Eltern uns damit gegeben haben. Deren Verhalten war wiederum eine Antwort auf das, was ihre Eltern, die damals im Krieg waren, etc. etc. Das ist für mich ein Thema, das wir heute auch streifen werden und auf das ich mich sehr freue.

Brigitte Huber 3:10
Also es gibt viel zu besprechen. Mein Name ist Brigitte Huber.

Stephan Seiler 3:13
Ich bin Stephan Seiler und das ist Die Sache mit dem Älterwerden. Ist da auch so ein Satz, bei dem man stutzig werden sollte, wenn man den Satz sagt: Ich brauche keinen Mann mehr, ich bin auch so glücklich. Ich brauche keine Frau mehr, ich bin auch so glücklich. Mein Hund reicht mir. Das sind Sätze, die höre ich so oft in meiner Alterskohorte, sage ich ja gerne, also Mitte 40 genauso wie bei Menschen über 60, über 70 und in einer Dosierung, die mich immer wieder erschreckt. Wann habe ich von dir die Erlaubnis dazu sagen: Stopp, halt, ab zum Therapeuten, ab zu Verena. Hier liegt ein Trauma vor, das muss bitte jetzt therapiert werden.

Verena König 4:08
Also davon würde ich generell abraten, jemandem zuzurufen: Ab geht die Therapie, los geht's. Aber ich verstehe total deine Frage nach der Erlaubnis sozusagen. Also wann ergibt es Sinn und wann kann es vielleicht vielleicht auch ein hilfreicher Hinweis sein und wann ist es einfach nur eine Grenzüberschreitung und eigentlich das Absprechen von Autonomie und einem selbst gewählten, gesunden Lebensentwurf. Also ich glaube, man kommt dem ganz gut bei, wenn man gewisse Fragen stellt. Also wenn man zum Beispiel die Frage stellt: Du glaubst, du brauchst keinen Mann oder keine Frau mehr. Was bedeutet denn brauchen für dich? So, und dann kommt man so ein bisschen dahinter, was, also das Bild von Beziehung ist eigentlich immer nur in Abhängigkeit oder Machtgefälle irgendwie repräsentiert. Oder wenn ich die Frage stelle, was für einen Mann oder was für eine Frau müsste denn um die Ecke kommen, dass du sagst, ach, auch wenn ich sie nicht brauche, das will ich wirklich so richtig gerne erleben. Und das sind dann oft so eher die Türöffner für eine kleine Selbstreflexion und vielleicht auch für das wahrnehmen von Verschlossenheit oder eben Mustern.

Stephan Seiler 5:17
Wenn jetzt die Person sagen würde, ich will keinen Mann mehr oder keine Frau mehr, das wäre was anderes. Also Brauchen und Wollen macht da den Riesenunterschied. Oder ist das genauso?

Verena König 5:26
Ich würde da genauso fragen. Ich würde da auch fragen: Warum denn eigentlich nicht? Also warum willst du nicht? Was hat es denn für einen Preis, wenn du einen hast? Und was gäbe es denn für Gewinne? Oder man kann auch fragen: Aufgrund welcher Erfahrung? Warum sagst du das? Also welche Lebenserfahrungen haben denn dazu geführt, dass du sagst, ich will nicht mehr? Und dann kriegen wir die Geschichte.

Brigitte Huber 5:48
Wobei ich sagen muss, ich kenne durchaus jetzt in meiner Altersgruppe eine Reihe von Freundinnen, die Single sind und wo ich wirklich das Gefühl habe, das ist eine selbst gewählte Zeit, die sie auch gut finden. Du nickst schon. Also die haben Familie hinter sich, sie haben dieses oder jenes. Und dann wissen wir auch, durch die hormonelle Umstellung kommt auch oft bei uns Frauen noch mal eine andere Klarheit und Entschiedenheit. Insofern, es muss nicht irgendwie eine ganz, ganz schlimme Prägung oder gar Schlimmeres dahinterstecken. Es kann auch eine selbstbestimmte Entscheidung sein, zumindest auf Zeit, oder?

Verena König 6:25
Ja, also das ist jetzt wieder auch eine super spannende Thematik, in die wir da so reinschwenken, ein bisserl, weil wir ja aufgrund deiner Frage jetzt davon ausgehen könnten, wir sprechen eigentlich nur von Paarbeziehungen, wenn wir so von Beziehung sprechen und von sicherer Bindung. Und das ist ein ziemlich ja, ein eingeschränktes Bild oder ein eingeschränkter Blick auf unsere menschliche Natur, weil wir in der Lage sind, uns auf ganz vielen Ebenen sicher zu binden und mit Bindung als Ressource zu versorgen. Also es gibt Menschen, die keine Paarbeziehung leben und keinerlei Mangel in Form von sicherer Bindung, sozialem Kontakt, Eingebundensein, Dazugehörigkeit usw. erleben. Und da gibt es dann auch überhaupt keine Veranlassung zu fragen: Warum ist sie denn so? Warum hat sie denn keinen Partner, wenn sie glücklich körperlich und in ihren Bedürfnissen gut versorgt und sozial eingebunden ist. Und wir neigen auch, glaube ich, aufgrund unserer Gesellschaftsstruktur und der Huldigung zum Beispiel der Ehe, strukturell gesehen huldigen wir auch immer so die Paarbeziehung und heben sie über alles. Und das ist unter Umständen gefährlich, weil man auch beobachten kann, dass manche Menschen, die in einer festen Beziehung sind, aufgrund ihrer festen Beziehung nach und nach sozial vereinsamen. Also dann gibt es irgendwann nur noch den Partner oder die Partnerin und irgendwie aufgrund von Beruf, Familie und so weiter pflegt man nichts anderes mehr. Und dann ist man irgendwann 70 und merkt, boah, ich kann mit niemandem drüber reden, was hier gerade bei uns passiert, oder?

Brigitte Huber 7:59
Ganz interessant einfach, dass man auch mal festhält an der Stelle, wir sprechen über Beziehungen und das heißt nicht nur die klassische Liebesbeziehung, sondern die Bindungen, die wir in unserem Leben haben. Freundschaften, enge Bekannte, und so weiter und so fort. Und selbstverständlich auch gern mal die Liebesbeziehung. Aber das klang nur vorher, wenn wir über toxische Beziehungen oder ich gerate immer an den Falschen reden, dann hat man natürlich sofort dieses klassische Zweiermuster im Kopf. Und deswegen habe ich noch mal nachgefragt. Aber genau Bindungen, wir sind Bindungswesen und wo wir uns die Bindungen holen, gucken wir einfach.

Verena König 8:37
Wo wir sie leben und wo sie, wo sie ressourcenreich sind, kann sehr vielschichtig sein, vielfältig.

Brigitte Huber 8:41
Ich hätte noch eine Frage abschließend zu diesem Komplex. Du hast auch in deinem Buch geschrieben, dass in manchen Beziehungen 3 Jahre so eine magische Grenze sind und dann verabschiedet man sich oder jemand sich von den anderen. Was passiert da? Was ist mit diesen 3 Jahren los?

Stephan Seiler 9:01
Zwangstrennung nach 3 Jahren.

Brigitte Huber 9:03
Ja, so ungefähr.

Verena König 9:04
Also es gibt so verschiedene Untersuchungen dazu und einiges an Literatur, wo beschrieben ist, dass sich die Paarbeziehung, da sind wir jetzt explizit bei der Paarbeziehung, und zwar egal, ob hetero oder homosexuell oder wie auch immer. Also es kann, können alle Formen der Paarbeziehung sein, dass die sich in den ersten 3 Jahren noch anders strukturell verhält als danach. Also es ist natürlich nicht von einem Tag auf den anderen, aber in den ersten 3 Jahren erfüllt zum Beispiel die Sexualität eine andere Funktion. Da ist, da sind andere, oder ist eine, ja, ich sag's mal ganz einfach, es sind andere Hormone im Spiel als bei der Sexualität steht bei Langzeitpaaren. Und das hat sehr viel mit Bindungsaufbau und Bindungsfestigung zu tun und auch mit so was wie Bindungsvertiefung. Und gerade in den ersten Jahren ist ganz viel so auf der Ebene der Basis los, dass man sich eben aneinander bindet, weil man auch viel so was wie Intensität und Spannung erlebt und einfach das Erleben, die ganze Erlebensintensität höher ist. Und das ist dann auch Wahrscheinlich mutmaßt man evolutionär so bedingt, dass das eben auch die Zeit ist, in der man den Nachwuchs produziert. Ja, also das ist irgendwie schon auch biologisch so eingerichtet. Und nach dieser Zeit ist vieles, stellt sich vieles nach und nach um auf eher Vertiefung der Bindung im Sinne von Gemeinschaft und gemeinschaftlichem Leben und nicht mehr so sehr aufeinander explizit fokussiert, sondern auf ein gemeinsames Leben. Also ganz krass ausgedrückt, Fürsorge der Brut sozusagen, dass man zum Team wird und dass man dann eher Zärtlichkeit als nährend braucht und weniger die aufregende Sexualität. Also das ist total interessant, ein ganz spannendes Feld. Und da gibt es noch viel zu lesen, wo ich auch noch gar nicht so eingetaucht bin. Aber das ist wohl bekannt, dass also die ersten 3 Jahre anders sind als die, die folgen. Und deswegen ist es auch nach meinem Dafürhalten sinnvoll, mal gut dreieinhalb Jahre zu warten, bis man den Bund der Ehe zum Beispiel schließt. Oder auch sich wirklich so intensiv bindet.

Stephan Seiler 11:19
Aber heißt das auch umgekehrt, wenn ich jetzt quasi sagen würde, ich bin jetzt zwei Jahre mit meiner Partnerin oder meinem Partner zusammen und bin mir gar nicht so sicher, ob das jetzt für immer hält, soll ich dann sagen, vielleicht ist der Sex auch schon nicht mehr so gut wie in den ersten Monaten. Würdest du dann empfehlen zu raten, warte mal noch bis nach drei Jahren, weil dann wird sich sowieso alles verändern. Warte auf jeden Fall mal vier Jahre ab und dann kannst du es richtig bilanzieren, weil sonst siehst du ja den den Partner oder Partnerin in einem anderen Modus gar nicht. Ja, ist das, oder ist das von mir zu naiv gedacht?

Verena König 11:49
Ich weiß es nicht so recht, weil ich glaube, Warten ist dann ohnehin nicht so das passende Element, weil das eine gewisse Passivität mit reinbringt. Ich würde eher Beobachten und Erkunden und Erforschen empfehlen, also nicht passiv werden und mal gucken, was passiert, sondern auch schon zu schauen, was passiert denn da in mir, wenn ich das jetzt nicht mehr so aufregend finde? Oder was für eine Dynamik entwickelt sich zwischen uns und Wie kann ich die denn so ein bisschen mitgestalten und was löst es in mir aus? Weil man könnte sonst, man müsste sonst davon ausgehen, man kann sagen, wenn es nach 3 Jahren noch gut ist, bleibt es für immer gut. Und das wäre natürlich auch ein zu einfacher Schluss.

Stephan Seiler 12:30
Ja, genau.

Brigitte Huber 12:31
Da kriegen wir auch Probleme, wenn die Leute jetzt alle nach 3,5 Jahren heiraten und dann geht es nach 5 Jahren auseinander.

Stephan Seiler 12:37
Aber das ist auch eine gute Brücke jetzt zum Themenblock Heilung überzuleiten. Kann denn auch auch der Partner, der richtige Partner und die richtige Partnerin den Weg aus dem Trauma zeigen? Gibt es so was wie den weißen Ritter? Oder muss ich alles selbst machen?

Brigitte Huber 12:52
Oder die rettende Prinzessin? Oder die rettende Prinzessin. Um alle Klischees auf einmal zu bedienen.

Verena König 12:59
Genau. Ja, also man muss tatsächlich sagen, wenn man es metaphorisch ausdrücken will, dann könnte man sagen ja, aber man muss das natürlich differenzierter sehen. Es gibt weder den Prinzen noch die Prinzessin, der rettet oder die rettet. Aber es gibt die unbeschreiblich große Heilkraft der sicheren Bindung. Das ist wirklich die größte Heilkraft, die wir kennen, wenn es um frühes Trauma geht, wenn es um Trauma geht, das durch zwischenmenschliche Erfahrungen entstanden ist, also zum Beispiel durch Eltern, die entsprechend nicht fürsorglich genug sein konnten. Das heißt, Wenn Menschen in eine sichere Bindung hineinfinden, beispielsweise einen Partner, sich an einen Partner, eine Partnerin binden, die gut geerdet ist in einer stabilen, sicheren Bindungsqualität, dann ist das mehr, dann leistet das oft mehr als die beste Therapie, weil es einfach erlebbar macht, in dieser Welt sicher zu sein. Und das ist einfach Gold wert und kann sehr viel Heilung bewirken. Und dann kommt es ein bisschen auf die Symptomatik an und auf die Tiefe der Traumatisierung. Ob das genügt, zum Beispiel. Und oft ist es so, dass eben sich manche Symptome dann auch in speziellen Lebensbereichen weiter manifest zeigen. Also dass jemand vielleicht dann in der Beziehung merkt, ich entwickle mich total und ich bin wirklich, ich bin glücklich. Aber wenn ich vor Menschen sprechen soll, dann geht es mir eine Woche vorher mega schlecht und die Woche danach habe ich wieder meine alten Panikattacken. Also dass man Belastung in anderen sozialen Kontexten nach wie vor erlebt. Und dann ist natürlich toll, wenn man sich eine Therapie oder eine Begleitung gönnt.

Stephan Seiler 14:36
Kann ja auch überfordernd werden für den Partner oder die Partnerin sonst auch, wenn man so viel rein projiziert vermutlich, oder?

Verena König 14:42
Ja, das ist natürlich auch ein wichtiger Punkt, dass ein Partner, eine Partnerin nie in die Therapeutenrolle rutschen sollte. Und das differenziere ich auch ganz deutlich in meinem Buch, wo man da so Grenzen quasi sehen kann. Also dass man zwar der sichere Mensch und das integre Gegenüber sein sollte, das ist ohnehin das Schönste, was wir in Beziehungen erleben können, aber dass man dafür nicht so Projektionsfläche wird für irgendwas oder dass man sich endlos tolerant zeigt, beispielsweise für das Ausagieren von Emotionen oder so. Da muss man schon aufpassen.

Stephan Seiler 15:18
Was heißt Ausagieren von Emotionen?

Brigitte Huber 15:19
Ja, so ein Freifahrtschein für alle möglichen.

Stephan Seiler 15:22
Also für Wutanfälle oder wenn ich, keine Ahnung, ich werfe einen Stuhl an die Wand, so was.

Verena König 15:27
Zum Beispiel so was wie Aggression, dass man gemein wird, dass man auch verletzend wird oder Stühle fliegen, dass Gewalt zum Beispiel ausagiert wird. Das ist natürlich, dass dadurch durch nichts zu entschuldigen und nichts zu tolerieren. Das ist destruktiv und führt auch in eine Spirale, die dann nichts mit Heilung zu tun hat. Genau. Und dass man aber auch zum Beispiel die eigenen Grenzen wahrt im Sinne von: Wie viel habe ich denn wirklich auch? Wie viel kann ich denn geben und wie viel brauche ich auch eigene Autonomie und Freiheit? Also beispielsweise wenn jetzt ein traumatisierter Mensch ein hohes Kontrollbedürfnis hat aufgrund seines überaktivierten Bindungssystems und zum Beispiel sagt: Ich will nicht, dass du dreimal die Woche zum Sport gehst, weil ich fühle mich dann so allein. Dann wäre es nicht der Weg zu sagen, okay, ich hänge mein Hobby an den Nagel und bleibe immer bei dir, mit dir händchenhaltend auf dem Sofa sitzen, sondern dann wäre eher die Frage, wie kriegen wir es denn hin, dass es dir in der Zeit gut geht? Hilft es dir, wenn ich dir ein Foto schicke vom Spielfeld oder was auch immer oder vom Gym? Oder wenn wir dann danach einfach zusammen essen? Oder dass man sich nicht in seiner eigenen Freiheit, sofern sie nicht bindungsschädigend ist, einschränken lässt.

Brigitte Huber 16:37
Wir sind jetzt schon mitten im Thema Heilung, was ja auch wahnsinnig wichtig ist. Habe ich richtig mitgenommen? Unser Unterbewusstsein möchte die Heilung, oder?

Verena König 16:46
Also das ist so eine Menschenbildfrage, die kann ich nur aufgrund von Meinung und Erfahrung beantworten. Ich weiß nicht, ob man das verallgemeinern kann. Es ist auf jeden Fall jetzt nicht wissenschaftlich. Aber sagen wir mal so, ich formuliere es gerne so: Unsere Werkseinstellung als Mensch biologisch ist auf sichere Bindung gepolt. Also das ist das, wo wir von Natur aus hinstreben. Und dementsprechend streben wir sozusagen auf einer ganz tiefen Ebene unseres Seins nach dem Gesunden. Und dieses Streben ist oft überlagert von unseren Mustern und von unseren Kompensationsstrategien. Und dann sieht es oft anders aus, zum Beispiel wie Stephan vorhin sagte, wie Selbstsabotage oder so was. Aber im Grunde unseres Wesens streben und suchen wir nach dem, was uns schützt, was uns heilt, was uns was dem Leben zugewandt ist. Ja, so würde ich es vielleicht formulieren.

Brigitte Huber 17:40
Gut. Und wenn ich jetzt beschlossen habe, dass ich wahrscheinlich an einem Trauma leide und an dem arbeiten möchte, ist denn das vielleicht ein erster guter Schritt, einfach nur jetzt ein Buch zu lesen? Oder brauche ich dazu zwangsläufig andere Menschen dazu?

Verena König 17:59
Ja, es kommt auf die Schwere der Ausprägung an und natürlich auch viele andere Faktoren, Umstände, Privilegien, Privilegien, Kapazitäten, die man hat. Und ich rate immer gerne dazu, dass es grundlegend gut tut, in der Regel sich Wissen anzueignen als einen ersten Schritt, weil das uns auch ein bisschen Stabilität gibt. Es gibt uns die Möglichkeit, Dinge zu reflektieren und auch so eine Art Beobachterinstanz zu entwickeln und mit diesem Wissen dann zu beobachten, ja, wo würde ich mich denn da jetzt mit meinem Wissen am ehesten einordnen? Und Unterstützung ist in jedem Falle dann nötig, wenn der Leidensdruck hoch ist und wenn man das Gefühl hat, also so habe ich eigentlich nicht das Gefühl, noch Jahre weiterleben und weitermachen zu wollen. Und mir fehlen ganz wesentliche Dinge.

Stephan Seiler 18:50
Aber ist das denn quasi auch eskalierend? Also ist es so, dass es mir immer schlechter, schlechter, schlechter geht? Oder ich habe es auch erlebt, auch bei Freunden erlebt, dass das ja auch so wie so pendelmäßig kommt. Es kommt eine Phase, dann denkt man, man hat es im Griff, da hat man Phasen, da kann man vielleicht noch mal besser kompensieren. Und dann kommt irgendwann der Hammer und dann steht dann keine Ahnung was irgendwo im Wald und denkt: Ich kann gar nichts mehr und morgen ist alles vorbei und ich krieg das alles nicht mehr hin. Also wie massiv muss es sein, dass ich weiß, jetzt ist wirklich die Zeit reif für eine Therapie?

Verena König 19:22
Also die Frage, die berührt mich wieder ganz wirklich tief im Herzen, weil es ist so im Grunde die Frage, wenn ich sie mir erlaube, mal umzuformulieren: ohne dass du sie so gemeint haben musst. Aber es klingt so was darin wie: Wie schlimm muss es sein, dass ich Unterstützung holen muss bzw. darf? Und darin steckt so was wie: Nur ein Leiden rechtfertigt auch, Unterstützung zu haben. Und meine Lieblingsvorstellung wäre die, dass jeder, der es kennt, dass es ihm schlecht geht oder dass er irgendwo drinsteckt und dass er so die Erfahrung gemacht hat, Es gibt so Phasen im Leben oder Zustände in mir, die sind wirklich unangenehm und die machen mir ein bisschen Angst, dass man, sobald man das kennt, sagt: Da will ich mal mit jemand zusammen draufschauen. Warum sollte ich damit länger alleine bleiben? Und einer der heilsamsten Sätze, wirklich einer der wirksamsten Sätze in unserem menschlichen Inneren ist: Du bist nicht mehr allein. Das ist so ein Knaller-Satz. Ja, oder? Was der innerlich für eine Entspannung auslöst und für Ankommen ermöglicht. Und den möchte ich einfach so gerne öfter, also dass die Menschen öfter hören: Du bist nicht mehr allein.

Stephan Seiler 20:39
Was ist denn ein erster Schritt dann zur Heilung? Muss ich dazu zurück in die Kindheit, also quasi alles noch mal erleben? Oder gibt es dafür andere erste Schritte?

Verena König 20:49
Gott sei Dank muss man nicht immer alles noch mal erleben. Also der Wissenserwerb ist, wie gesagt, so ein ganz wichtiger Faktor. Und dann, wenn es darum geht, Trauma zu integrieren, also verarbeitete Erfahrung zu integrieren, dann muss man manchmal in die Vergangenheit zurück. Das ist dann die Traumatherapie, wo man auch dann aufdeckend und mit Exposition arbeitet, also traumakonfrontativ. Das sind dann spezielle Techniken, die sind aber nicht immer nötig, sondern es ist in der Trauma-Integration ganz wichtig, dass man lernt, mit dem zu arbeiten bzw. mit dem zu sein, was jetzt da ist. Also die Unruhe, die jetzt da ist, der Stress, den ich jetzt spüre, die Angst, die jetzt da ist. Die inneren Überzeugungen, mit denen ich heute, hier und jetzt konfrontiert bin. Und das kann man dann auch mit vielerlei Techniken in der traumasensiblen Begleitung anschauen, ohne dass man immer explizit in alte Erfahrungen eintauchen muss und vor allem ohne dass man so was wie ein Wiedererleben kreieren muss.

Brigitte Huber 21:50
Jetzt ist es ja so, man weiß das zum Teil aus Missbrauchsfällen, wo das unter Umständen sehr früh in der Kindheit war, dass man vielleicht viele Jahre gar keine so klare Erinnerung hat. Und dass das jetzt hochkommt. Wie gehe ich mit so Erinnerungen um? Wie verlässlich sind solche Erinnerungen auch?

Verena König 22:12
Ja, ja, auch das ist wieder ein ganz riesengroßes Thema. Also Erinnerung und Gedächtnis ist ein Riesenthema, ein Riesenfeld, was auch Gegenstand, ständiger Gegenstand der Forschung ist und wo es ganz viel Kontroverse gibt. Also die Frage, wie verlässlich eine Erinnerung ist, die kann man nicht wirklich beantworten. Und besonders auch deswegen, weil in unseren frühen Jahren unser Gehirn noch anders funktioniert, weil es in der Reifung ist und wir ganz anders Erinnerungen bilden als jetzt zum Beispiel im erwachsenen gereiften Zustand. Und ich würde aber auf deine Frage, was mache ich dann oder was brauche ich dann, wenn Erinnerungen hochkommen oder wenn man das Gefühl hat, wow, ich bin mit einer Erinnerung konfrontiert, die wirklich die mich umhaut oder die mich ängstigt, dann ist es wirklich sinnvoll, sich direkt eine fachliche Unterstützung zu suchen, weil dann auch innerlich wirklich was im Gange ist. Das ist dann nicht nur so wie ein Schluckauf, der vergeht, sondern da ist wirklich dann was am Rumoren innerlich. Und da sollte man sich Begleitung an die Seite holen, auch wenn man dann vielleicht feststellt, ah nee, das war jetzt eher nur so ein Aufbranden von irgendwas und es brandet wieder ab. Aber es ist auf jeden Fall dann absolut angezeigt, sich Unterstützung zu holen und gemeinsam drauf zu schauen.

Brigitte Huber 23:30
Wie finde ich so jemanden? Können wir da vielleicht dann später für die Shownotes oder Zusammenfassung irgendwie vielleicht eine Adresse oder irgendwie kannst du deine Handynummer geben? Nein, weil ich glaube, das ist ja auch noch immer der Punkt. Dann ist man vielleicht mal so weit, dass man sich Hilfe suchen würde, aber dann weiß man gar nicht, an wen man sich wendet.

Verena König 23:51
Ja, genau. Leider haben wir eine ganz bekackte Versorgungslage. Entschuldigung für das Wort, aber man kann es nicht anders sagen. Und die Signale aus der Politik sind auch wirklich komplett irre, was das angeht. Gekürzt, gespart, Honorare gekürzt. Ganz schlimm. Und genau, also es wird ein Mangel noch vergrößert und die Arbeitsbedingungen werden erschwert. Und wir haben ohnehin zu wenige Therapeuten und Therapeutinnen und zu wenige auch Kassensitze und so weiter. Die Versorgungslage ist nicht so gut und noch dazu sind wenige relativ wenige spezifisch ausgebildet für den Umgang mit Trauma. Und das bedeutet, wenn man also Hilfe sucht, dann kann es Sinn ergeben, sich zum Beispiel an Dachverbände zu wenden oder an Traumahilfezentren. Da kann man dann mal eine Google-Suche bemühen und dann kommt man auch an therapeutische Kontakte. Und wenn man jetzt zum Beispiel traumasensible Begleitung mal ausprobieren möchte, ohne dass jemand einen Kassensitz hat oder eine Approbation und eher so im Coaching- und Persönlichkeitsentwicklungsrahmen das machen möchte, Dann kann man zum Beispiel auch mal bei uns auf der Webseite vorbeischauen, weil die Leute, die ich ausgebildet habe und die bei uns zertifiziert sind, die führen wir auch in der Liste. Und generell kann man das Wort traumasensibel auch für die Google-Suche verwenden, weil das in der Regel bedeutet, und darauf muss man dann achten, dass die Leute eine traumaspezifische Weiterbildung haben, also dass sie Traumakompetenz haben. Das ist dann das Wesentliche.

Brigitte Huber 25:19
Und da ist das Stichwort dann traumasensibel.

Verena König 25:21
Ja, genau.

Stephan Seiler 25:23
Wir haben jetzt ja schon gelernt, warum es sinnvoll ist, die Tür zum Trauma zu öffnen. In vielen Fällen habe ich zumindest mitgenommen, vielleicht nicht in allen Fällen. Kannst du vielleicht auch beschreiben, in welchen Fällen nicht? Und danach würde ich gerne dir einen Beispielfall erzählen. Da würde ich gerne wissen, Reaktionsarten, die ich festgestellt habe. Da würde ich gerne von dir wissen, wie du die einordnest. Aber bleiben wir vielleicht erst mal dabei. Bei welchen Traumata lohnt es sich nicht, die Tür zu öffnen?

Verena König 25:48
Mhm. Also ich glaube, das ist eine Frage, die sehr viel auch wieder mit Privilegien zu tun hat und mit Kapazität. Wenn jetzt jemand zu mir in die Praxis kommt und er sagt, ich habe da eine Vermutung und ich habe da irgendwie was, was in mir gärt und ich assoziiere das auch mit meinen Beziehungsmustern, aber ich habe gerade zwei kleine Kinder, ich bin alleinerziehend, ich habe finanziell eine ziemlich enge— ich kann mir eigentlich keine privat bezahlte Therapie leisten und ich komme irgendwie klar. Dann sage ich eher: Warte mal noch ein paar Jahre und stärke dich. Nimm das, was du zur Verfügung hast, um Ressourcen zu bilden, dich zu entlasten, dich unterstützen zu lassen oder Unterstützung zu finden im Alltag, statt dass du jetzt in die Tiefe deiner Innenwelt eintauchst, wo wir nicht genau wissen, worauf wir treffen. Ja, also es braucht, anders gesagt, einfacher gesagt, um Trauma aufzuarbeiten, braucht es Kapazität. Das ist in der Regel kein Spaziergang. Das ist keine Massagetherapie, sondern das ist tiefe, tiefe innere Arbeit und da braucht man Kraft dafür und da braucht man ein bisschen Raum und Zeit für sich. Und deswegen würde ich nicht dazu raten, in gewissen Lebenssituationen tief einzutauchen. Andererseits, wenn die Symptomatik hoch ist und dysregulierte Zustände zunehmen, wenn man also immer weniger im Alltag sich stabilisieren und regulieren kann, dann ist es super wichtig, sich Unterstützung zu holen. Und dann muss man ja auch nicht aufdeckend arbeiten, sondern dann kann man auch stabilisierend arbeiten und kann sich auch in der traumasensiblen Arbeit Gutes tun. Also nie alleine bleiben ist auf jeden Fall ein gutes Motto, wo immer es geht. Aber nicht immer ist eine Traumatherapie indiziert oder passend.

Stephan Seiler 27:33
Okay, darf ich nur ganz kurz diesen Fall skizzieren? Vater prügelt, Mutter lässt das geschehen. 5 Kinder. Beruht auf einem wahren Fall, den ich kenne, aber es ist ein bisschen vereinfacht wiedergegeben. Ein Kind antwortet damit: mit Verdrängung, redet nie drüber und sagt auch bis heute: Der liebe Gott hat dem Menschen nicht umsonst die Fähigkeit zur Verdrängung gegeben, also nutze ich sie. Ein Kind sieht sich als dauerhaftes Opfer, sagt: Ich bin ja sowieso und alles läuft gegen mich und kommt auch nicht mehr raus aus dieser Opferrolle. Ein anderes Kind wird Achtsamkeitscoach und versucht nun, anderen Menschen Stabilität zu vermitteln. Bleiben wir bei diesen dreien. Da gibt es noch ein paar mehr, auch Mischformen, aber bleiben wir bei diesen dreien. Das sind jetzt drei quasi Arten, damit umzugehen. Welche siehst du am problematischsten? Wo muss auf jeden Fall— muss ist ein großes Wort— aber wo würdest du sagen, hier würde es sich wirklich lohnen, im Sinne von allen Beteiligten, doch dem mal nachzugehen? Und wo würdest du sagen, kann so bleiben?

Verena König 28:30
Also den größten Bedarf akut sozusagen sehe ich bei der zweitgenannten Person, die sich so, wie du sagtest, als permanentes Opfer sieht, also die einen Leidensdruck hat, die wahrnimmt, mir ist Schmerz widerfahren und ich krieg den nicht los und ich leide. Da ist irgendwie so sehr offenkundig und offensichtlich, dass es schwer ist zu leben. Und da nehme ich den Hilfebedarf sozusagen am deutlichsten und am lautesten wahr. Die dritte Person, die Achtsamkeitscoach geworden ist, die hat vielleicht einen Weg gefunden, auch ein bisschen sich zu entwickeln und an sich zu arbeiten. Weil um Achtsamkeit zu vermitteln, muss man auch gewisse Dinge selbst mal probiert haben und sich ein bisschen mit sich auseinandersetzen. Und da hätte ich so am ehesten das Gefühl, lass laufen, wenn es keine großen Belastungen, Probleme gibt. Und die erstgenannte Person, die einfach sagt, Sagt: „Verdrängung steht mir zur Verfügung, die nutze ich." Da würde ich sagen, kann man auch lassen, kann einem aber um die Ohren fliegen, weil das wäre so der quasi klassische Fall für die Dekompensation irgendwann später im Leben, wenn Belastungen steigen und Kraft schwindet.

Stephan Seiler 29:38
Ja, danke dir dafür.

Brigitte Huber 29:39
Ich habe auch mitgenommen bei der Beschäftigung mit deinen Büchern und so, man kann auch durch das richtige Verhalten in Anführungsstrichen ein Trauma verhindern. Und dann ist mir aufgefallen, wir reden ja immer quasi das Kind Falle schon im Brunnen und was machen wir? Wir holen es wieder raus. Aber jetzt gesetzt den Fall, ich erlebe gerade eine sehr schwierige Phase oder ich habe ein sehr schwieriges Erlebnis gehabt oder jemand in meiner unmittelbaren Nähe. Wie lassen sich da vielleicht schon mal die Weichen richtig stellen?

Verena König 30:14
Ja, das ist eine ganz schöne Frage. Ja, also Traumaprävention kann natürlich auf verschiedenen Ebenen oder in verschiedenen Momenten geschehen. Zum einen ist natürlich, wie schon beschrieben vorhin, Der wichtigste Präventionsfaktor, dass man sicher gebunden ist, dass man also Menschen hat, bei denen man sich zu Hause und wohl und gesehen und angenommen fühlt. Das ist so ein Resilienzfaktor tatsächlich, der auch traumapräventiv wirkt. Und wenn wir jetzt aber richtigen Mist erleben, wenn uns also Dinge widerfahren, die uns wirklich umhauen, dann können wir auch da präventiv damit umgehen, wenn wir darauf achten, jetzt super nüchtern gesagt, dass ein Nervensystem, das auf diesen Stress reagiert, dass das einfach begleitet wird. Begleitet wird, dass also der ganze Stress sein darf, die Mobilisierung von Energie oder die Starre, die entsteht, es darf sein, aber man ist damit nicht allein, sondern man ist damit gehalten. Man nennt das dann Co-Regulation in der Fachsprache. Also die Person ist dysreguliert auf natürliche Art und Weise, weil es ist was Schlimmes gerade passiert oder es ist eine superschwere Situation. Ja, gibt ja 1000 Möglichkeiten dafür und dann dem Raum zu geben, aber sicherheitsspendend da zu sein. Der wichtigste Faktor, um Trauma zu verhindern, wenn Stress oder potenzielles Trauma geschieht. Also wenn jetzt beispielsweise, nehmen wir mal an, jemand hört, das Kind studiert im Ausland und jemand hört, die Mutter hört oder der Vater hört, das Kind liegt im Krankenhaus, es ist irgendwas passiert und man kann da jetzt nicht hin und es ist irgendwie weit weg und man kriegt nicht gescheit Informationen und das ist natürlich alles komplett im Alarm. Und dann nicht zu sagen „Beruhig dich, es wird schon alles gut sein und jetzt erst mal abwarten", sondern zu sagen Ich verstehe so sehr, wie du dich fühlst. Wir versuchen jetzt erst mal rauszufinden, was los ist. Ich helfe dir, ich bin bei dir. Ich komme zu dir, wenn ich nicht eh schon da bin. Und später, vielleicht einen Tag später, ich besorge dir auch einen Termin beim Arzt, damit du ein Schlafmittel bekommst, weil du jetzt schon eine Nacht wach geblieben bist und das wird nicht funktionieren. Also dass wir da sind, dass wir begleiten und beruhigen, ohne dass wir bagatellisieren, zum Beispiel. Das ist ganz wichtig.

Brigitte Huber 32:30
Du schreibst von sicheren Menschen, die wir brauchen. Ist das ein sicherer Mensch dann?

Verena König 32:35
Oder das wäre ein sicherer Mensch.

Brigitte Huber 32:37
Also wie lässt sich der kennzeichnen? Durch Verlässlichkeit?

Verena König 32:41
Also der sichere Mensch, genau, auch jenseits von der akuten Stresssituation ist ein sicherer Mensch in meiner Definition. Und ich schmücke das oder ich breite das schön aus in meinem Buch, ist einer, der, bei dem wir uns grundlegend sicher sind, dass er es gut mit uns meint. Kind und dass er zu uns steht und zwar auch wirklich zuverlässig und sozusagen priorisiert. Also er zieht auch unser Wohlergehen zum Beispiel einem beruflichen Thema vor oder irgendeiner Verpflichtung vor. Also wenn es dir schlecht geht, bin ich da, auch wenn ich dafür 23 anderen Menschen absagen muss oder so. Also diese bedingungslose Verfügbarkeit im Sinne von, wenn es wirklich um die Wurst geht, kannst du dich auf mich verlassen. Das ist ist keine endlose Verfügbarkeit, aber eben die, wenn es um die Wurst geht. Also wenn es brennt, dann hole ich Wasser zum Löschen und hole dich aus den Flammen, wenn du es nicht selber kannst. Verlässlichkeit, Transparenz, so was wie das bedingungslose Gutmeinen, so was wie Geborgenheit und Sicherheit spenden können, aber eben auch die Würde und die Unversehrtheit im anderen zu sehen. Also nicht zu so was zu werden wie einer Übermutter oder einem Therapeuten. Das wäre jetzt nicht der explizit sichere Mensch, sondern der, der auch sieht, ich überschreite nicht deine Grenzen, indem ich dich kleinmache. Ja, das, das eben nicht zum Beispiel.

Brigitte Huber 34:08
Ja, also dieses sprichwörtliche nachts um 3 anrufen können, wenn etwas ist. Also ich immer in meinem Ganzen. Also ich habe ein paar richtige Klopper in meinem Leben schon erlebt und ich hatte zum Glück immer genügend sichere Menschen. Und im Nachhinein würde ich auch immer sagen, dass die mich durch diese Täler getragen haben. Ja, also ich glaube auch, auch, dass wir das brauchen. Stephan, wollen wir uns noch in die letzte Runde der Heilung begeben?

Stephan Seiler 34:34
Ja, Riesenthema für viele, viele Menschen: vererbte Traumata. Klassiker ist ja, korrigiere mich bitte, aber so wie ich es wahrgenommen habe: Großvater war im Krieg, kommt nach Hause, ist emotional ein bisschen entkoppelt, findet keinen Zugang zu seinen eigenen Emotionen. Er zieht die Kinder dann in den 50er, 60er Jahren mit einer gewissen Kälte, emotionalen Kälte. Die Kinder kompensieren das in einer Form, versuchen dem Vater zu gefallen, wie auch immer, behüten dann ihre eigenen Kinder vielleicht etwas zu viel. Die wiederum kompensieren das damit, dass sie dann ihre eigenen Kinder dann helikoptern und jetzt mit dem Porsche Cayenne 10 Meter zur Schule fahren. Sehr vereinfacht dargestellt von mir.

Verena König 35:15
Aber so treffend.

Stephan Seiler 35:16
Es scheint ja so zu sein, oder? Also kann es sein, dass ich mit meinen kleinen Neurosen quasi noch das verarbeite, was mein Opa im Krieg nicht verarbeitet hat? Als er irgendwo in Russland gekämpft hat.

Verena König 35:26
Ja, das ist ein sehr gutes Beispiel und eine wichtige Frage, die auch super anschließt. Da werden wir gleich einen Full-Circle-Moment haben an unsere erste Frage mit „Ist jeder traumatisiert?" Da kann ich dann noch mal super schön anknüpfen. Also man spricht von transgenerationellem Trauma und intergenerationellem Trauma genauso, wie du es gerade beschrieben hast, dass zum Beispiel über Verhaltensmuster, die traumabedingt sind, letztlich Trauma weitergegeben wird. Das ist dann die Definition aktuell von trans- und intergenerationellem Trauma, dass man also zum Beispiel verhaltensbedingt einfach die Folgen von Trauma über nächste Generationen weiter verteilt. Und es gibt da auch noch eine andere Dimension beim trans- und intergenerationellen Trauma, wo es auch um Genetik geht, tatsächlich, und zwar um Epigenetik. Und da gibt es einiges an Forschung inzwischen dazu. Dazu, die meiste ist am Tiermodell, weil man so was sehr schwer beim Menschen forschen kann. Und es gibt aber auch etwas Forschung mit Holocaustüberlebenden oder mit Kriegsüberlebenden von Hungerwintern. Also da kann man, findet man auch gut, wenn man da ein bisschen nachlesen will, gute Berichte und Aufarbeitungen im Internet. Aber man geht also davon aus, dass zum Beispiel die Resilienz, die Toleranz für Stress Stress durch traumatische Erfahrungen aus vorangegangenen Generationen beeinflusst wird. Dass also beispielsweise die Enkelgeneration von traumatisierten Großvätern genauso ein übererregtes und sogenannt hypervigilantes Nervensystem hat wie der Großvater selbst. Also dass sozusagen auf einer epigenetischen Ebene eine Stress— eine Stressprägung weitergegeben wird, die sich dann im im Erleben und dann entsprechend auch im Verhalten auswirken kann. Und das nennt man dann die epigenetische Weitergabe von Trauma.

Stephan Seiler 37:27
Das betrifft doch quasi alle Menschen in Deutschland. Ich meine, wir alle hatten Vorfahren, die irgendeine Rolle, also irgendwie das Dritte Reich mit den ganzen Schrecken miterlebt haben, also die N***-Herrschaft miterlebt haben und dann auch die Bomben oder andere Kriegserlebnisse. Das steckt also in allen Warum?

Verena König 37:47
Also da sind wir bei dieser Anfangsfrage: Sind wir alle traumatisiert? Und wenn man die klassischen Diagnosen aus unseren Diagnosemanualen, die also in der Medizin verwendet werden, wenn man die hernimmt, dann muss man sagen: Nee, ist nicht jeder traumatisiert. Und wenn man jetzt transgenerationales Trauma in den Blick nimmt, dann könnte man sagen: Vielleicht aber ja doch. Weil wie du sagst, es waren kollektive Traumatisierungen. Niemand war verschont. Es gab in jeder Familie Verluste und Hunger und Verderben waren überall. Und und Stress und Vertreibung und so weiter. Und hier müsste man also sagen, Trauma steckt uns allen sozusagen in den Klamotten oder auch in den Zellen. Und es ist aber gleichzeitig ganz, ganz unterschiedlich, ob jemand Symptome entwickelt oder nicht. Also es kann sein, dass Menschen, die transgenerationelles Trauma erfahren haben, das supergut sozusagen integrieren oder inaktiv halten können, wenn sie zum Beispiel genügend Ressourcen haben und wenn es ihnen einfach auch umstandsmäßig ganz gut geht. Und andere wiederum, die leiden darunter sehr und niemand identifiziert es, weil auch das einfach nicht— das wird nicht oft gesehen. Das begreifen— also ist auch in der Medizin noch sehr unterrepräsentiert. Also auch da würde ich immer noch sagen, nein, es sind nicht alle traumatisiert, aber das Potenzial für Traumatisierung ist einfach in unserer heutigen Zeit mit den mit den neueren und moderneren Sichtweisen auf Trauma durchaus für alle gegeben.

Brigitte Huber 39:19
Ja, ich glaube, das ist ein Riesenthema, wo wir wahrscheinlich schon alleine eine Stunde drüber reden könnten.

Verena König 39:24
Auf jeden Fall.

Brigitte Huber 39:25
Das vertiefen wir mal an einer anderen Stelle. Noch mal ganz kurz zurück zum Individualtrauma, nenne ich es jetzt.

Stephan Seiler 39:33
Zum kleinen Trauma.

Brigitte Huber 39:34
Und zur konkreten Bewältigung. Ja, nein, das ist kein— ja, wieder anders. Also wir haben es schon ein bisschen angesprochen, aber welche kleinen Schritte können helfen, um ein Trauma zu bewältigen? Bewältigen? Also du sprichst ja zum Beispiel auch von korrigierenden Erfahrungen. Was verstehe ich darunter?

Verena König 39:51
Ja, also die kleinen Schritte, kleineren Schritte sind eben, wie schon gesagt, Wissensaneignung und dann die daraus entstehenden neuen Ideen, auf die man kommt, den neuen Blickwinkel werden helfen. Und dann haben wir es im Grunde auch schon angesprochen und das ist, klingt oft wie ein Riesenschritt, aber im Grunde ist ja die Die Sicherheitserfahrung im Kontakt, also Sicherheit im Kontakt zu erleben, sich wohlzufühlen mit einem anderen Menschen, das ist etwas ganz Wesentliches. Und das gehört zu dem großen Bereich der korrigierenden Erfahrungen. Und korrigierende Erfahrung ist ein Begriff, der ist auch, der wird häufig verwendet und der ist extrem wichtig und wertvoll, weil der uns ermöglicht, Lernerfahrungen, die wir gemacht haben in unserer Kindheit, in Phasen unseres Lebens, wo wir sehr geprägt wurden, zu korrigieren. Also wir haben vielleicht gelernt, wir sind nicht erwünscht, wir sind nicht wertvoll, wir sind irgendwie schamhaft. Also überhaupt, dass wir da sind, ist eigentlich schon ein Problem. Und das haben wir vielleicht gelernt. Und das ist dann natürlich eine intensive Lernerfahrung. Und die muss, damit wir heilen können, ganz einfach gesagt, korrigiert werden. Also die braucht eine Art Mismatch. Diese Lernerfahrung braucht Enttäuschung, die braucht die braucht Widerstand und die braucht Widerlegung. Und das ist die korrigierende Erfahrung. Und wenn ich dann zum Beispiel in einer sicheren Bindung ankomme oder wenn ich in eine Therapie oder eine Begleitung gehe, wo jemand mich bedingungslos akzeptiert und mich gerne verstehen möchte, statt mich zu verurteilen, dann ist das eine korrigierende Erfahrung. Wenn ich einen Hund habe, der mit dem S****** wedelt, wenn ich nach Hause komme, weil der sich einfach freut, dass ich da bin, dann ist das eine korrigierende Erfahrung.

Brigitte Huber 41:38
Ach so, es geht auch ganz klein.

Verena König 41:39
Ja, Geht ganz klein. Wenn ich zum Bäcker gehe und die, die oder der Verkäufer sagt: „Ah, schön, Sie zu sehen", dann ist das eine korrigierende Erfahrung für „Du bist nicht willkommen und schlimm, dass du atmest." Ja, also, und solche Kontexte aufzusuchen und die auch bewusst wahrzunehmen, also wahrzunehmen: „Oh, hat sich gefreut, dass ich da bin." Und auch guck, wie der Hund mit dem S****** wedelt. Das ist so, so heilsam. Und das nennen wir die korrigierende Erfahrung.

Stephan Seiler 42:05
Hast du auch Übungen für uns? Der Körper spielt ja offenbar eine große Rolle. Gibt es Übungen, mit denen ich mich ein bisschen enttraumatisieren kann?

Verena König 42:13
Enttraumatisieren ist auch ein tolles Wort. Ja, also da sind wir, wenn wir auch wieder ein bisschen zurückschauen auf unser Gespräch, schnell auch wieder beim, wie du sagst, Körper und bei unserem Nervensystem, was ja, wie ich vorhin beschrieben habe, wenn wir Trauma erlitten haben und Traumafolgen erleiden, dauerhaft gestresst ist, dauerhaft unter Spannung oder dauerhaft in Unterspannung ist. Und was dann fehlt, ist das, was wir Regulation nennen. Also es ist dysreguliert, unser Nervensystem, und wir wollen es regulieren, damit wir mehr Regeneration, Entspannung, Lebendigkeit erleben können. Und da kann man mit gewissen Übungen gewisses erreichen. Wobei man hier unbedingt beachten muss, dass alleine eine Übung zu machen keine große Veränderung bringen wird, sondern es muss eine spürbare Interaktion sein. Also alleine nur nur eine Atemübung zu machen oder zum Beispiel sein Gesicht in Eiswasser zu tunken, um beispielsweise den Vagusnerv zu stimulieren. Das sind quasi Stimulationen des Nervensystems. Die können regulierend wirken, aber die sind dann wie ein Reiz, den man setzt. Das ist dann keine Erfahrung, die einen Durchbruch bringt oder die wirklich wie eine Lernerfahrung ist, die sich langsam zu einem Netzwerk, einem neuronalen Netzwerk bildet. Sondern damit Übungen wirken, wie zum Beispiel Atemübungen, ist es wichtig, dass wir wir die bewusst machen, dass wir sie wirklich spürend machen und dass wir uns dabei beobachten, dabei in Kontakt sind mit der Welt und dass wir sie also nicht missbrauchen, in Anführungszeichen, als weitere Kompensation, als weitere Strategie.

Stephan Seiler 43:50
Aber Meditation, wenn man sie ernst nimmt, wäre so was. Da muss ich ja, da spüre ich auch mich rein und fühle, wie ich mich gerade fühle.

Verena König 43:58
Ja, wenn Meditation sich hilfreich anfühlt, kann es eine sehr, sehr hilfreiche Sache sein. Für viele Menschen mit einem dysregulierten Nervensystem durch Trauma ist Meditation überfordernd, weil sie zum Beispiel verlangt, also je nach Form, weil sie zum Beispiel verlangt, still zu sitzen. Und das dann, wenn zum Beispiel ein alter Fluchtimpuls aufkommt oder wenn man das Gefühl hat, still zu sitzen erinnert mich an, ich muss was, mich unterwerfen, dann kann das Stress steigern, statt ihn zu lindern. Das heißt, das ist ein gutes Beispiel dafür, dass nicht jede Übung jedem hilft, sondern dass man wirklich schauen muss, was ist die die passende Übung für deinen aktuellen Zustand, für dein aktuelles Symptom oder dein aktuelles Phänomen, was du spürst in deinem Nervensystem. Ja.

Brigitte Huber 44:46
Traumaarbeit, Verena, ist so sehr dein Thema. Warum? Gab es einen besonderen Moment oder eine Erfahrung, die dich dahingeleitet hat?

Verena König 44:55
Nee, also keinen besonderen, so einen Knickknack-Moment, wo ich dachte, ich muss unbedingt mich mit Trauma beschäftigen, sonst geht man auch weg.

Brigitte Huber 45:03
Und auch keine eigene Lebenserfahrung, die gesagt hat, Jetzt helfe ich erst mal anderen und dann mir. Also es ist—

Verena König 45:09
Also ich bin schon ganz früh im Leben sehr tief an Menschen interessiert gewesen. Es war immer für mich eine der leitenden Fragen: Warum sind Menschen so und wieso verhalten die sich so? Und wieso ist der eine so und wieso der andere so? Und was hat das mit mir zu tun? Oder was spiele ich da drin für eine Rolle? Und so weiter. Und habe mich also ganz früh für Psychologie interessiert, habe dann viel systemisch gemacht, Aufstellungsarbeit und so weiter. Und habe mich dann auch früh therapeutisch weitergebildet und bin aber immer an so Stellen gestoßen, wo ich gemerkt habe, da ist eine Tür, die ist zu, oder da ist wie so eine Glaskuppel drüber und da kommt man nicht dran. Man kann da zwar reinschauen, aber man kommt nicht hin. Und das hat mich immer so rätselhaft berührt. Ich habe immer gespürt, da ist was, aber ich wusste nicht, wie da hin und wie da rankommen. Und dann saß ich in meiner ersten, also mehr oder weniger, zufällig in meinem Weiterbildungs-Wahn gewissermaßen saß ich in einer Weiterbildung zu Trauma. Und da saß ich drin und habe gedacht: Ja, bingo, Ding dong, Kronleuchter-Erleuchtung. Es sind mir Kronleuchter aufgegangen und ich hatte so das Gefühl, da sind die Antworten. Das ist das, was hinter dieser Glaskuppel oder hinter dieser Tür ist. Und dann war ich Feuer und Flamme. Und das ist jetzt, das ist über 15 Jahre her, dass ich das erste Mal mit Trauma in Kontakt kam. Und seitdem bin ich davon nicht mehr losgekommen. Ja, ist einfach zu spannend.

Brigitte Huber 46:37
Ja, wirkst auch voller Lebensfreude und Energie bei dem Thema. Und wie versprochen kommen wir jetzt aber auf unsere Rubriken. Stephan, möchtest du anfangen?

Stephan Seiler 46:49
Entweder oder. Unsere Schnellfragerunde. Bitte einfach nur entscheiden, nicht groß erklären. Funktionieren oder Fühlen.

Brigitte Huber 46:59
Vergangenheit verstehen oder Zukunft gestalten?

Verena König 47:02
Beides.

Stephan Seiler 47:04
Verzeihen oder Grenzen ziehen?

Verena König 47:07
Grenzen ziehen.

Brigitte Huber 47:08
Kopf oder Körper?

Verena König 47:10
Beides.

Stephan Seiler 47:12
Das machst du dir sehr einfach mit diesem Beides. Sicherheit oder Wachstum?

Verena König 47:18
Sicherheit.

Brigitte Huber 47:19
Dann lasse ich das nächste auch gleich, weil dann sagt Verena ohnehin beides. Und deswegen sage ich jetzt gleich Yoga oder Powerlifting? Power Plate.

Verena König 47:27
Für mich Power Plate.

Stephan Seiler 47:32
Geduld oder Mut?

Verena König 47:33
Geduld.

Brigitte Huber 47:35
Perfektionismus oder Chaos?

Verena König 47:38
Chaos.

Stephan Seiler 47:39
Stille oder Gespräch?

Verena König 47:42
Gespräch.

Brigitte Huber 47:43
Buch oder Podcast?

Verena König 47:45
Beides.

Brigitte Huber 47:46
Jetzt haben wir noch zwei Zitate. Möchtest du anfangen, Steffi?

Stephan Seiler 47:52
Stephan? Sehr gerne.

Brigitte Huber 47:54
Wir sagen nicht, von wem was ist.

Stephan Seiler 47:56
Wird erst später verraten, richtig? Ich beginne mit folgendem Zitat und da darfst du dich jetzt auch entscheiden, welches dir besser gefällt. Ob du Brigitte oder ob du mich damit glücklich machen möchtest und wen du jetzt hier traumatisieren möchtest. Entschuldige bitte. Vielleicht, also Zitat beginnt: Entschuldige dich bitte. Vielleicht sind alle Drachen unseres Lebens Prinzessinnen, die nur darauf warten, uns einmal schön und mutig handeln zu zu sehen.

Brigitte Huber 48:22
Oder: Verletzlichkeit ist keine Schwäche, sondern unser größter Mut.

Verena König 48:26
Da bin ich bei Brigitte.

Brigitte Huber 48:28
Ja, das ist von Brené Brown. Jetzt sei nicht traurig. Professorin, die sich auch ganz stark mit Themen wie eben Scham, Verletzlichkeit, Empfindsamkeit auseinandersetzt. Und woher hast du denn dein Drachen-Zitat?

Stephan Seiler 48:45
Na, von Rainer Maria natürlich. Rainer Maria Rilke.

Verena König 48:47
Ja, und es ist auch, ich finde es auch wunderschön und gleichzeitig können da so Missverständnisse reinrutschen. Also so was wie, ja, wenn dich Leute scheiße behandeln, kann es sein, dass das eigentlich ein Geschenk ist. Und das ist halt oft nicht so. Da sind oft wirklich nur Drachen, obwohl ich Drachen ganz fantastisch finde und ganz toll finde.

Stephan Seiler 49:10
Meine Premiere.

Brigitte Huber 49:11
Deine Premiere. Wir haben noch eine weitere Rubrik, und zwar unser Podcast geht ja ums Älterwerden und es geht um Premieren, um Erstes. Erste Male. Denn normalerweise erfahren wir als junge Menschen sehr viel zum ersten Mal, machen sehr viel zum ersten Mal. Je älter wir werden, umso seltener passiert das. Oder es sind eher so bisschen Negativklassiker wie Scheidung, Bandscheibenvorfall oder was auch immer. Deswegen versuchen wir auch immer, den Menschen positive Premieren wieder ins Leben zu bringen. Magst du uns an einer deiner letzten Premieren teilhaben lassen oder planst du Irgendwas, wo du sagst: Oh ja, das steht bei mir vor der Tür?

Verena König 49:50
Was eine gute Frage. Ja, ich hatte eine ganz tolle Premiere vor 3 Monaten ungefähr. Und zwar habe ich einen Kunstflug mitgemacht.

Brigitte Huber 49:59
Einen Kunstflug?

Verena König 50:01
Ja, ich bin in ein Flugzeug gestiegen mit einem Piloten und habe Loopings und über Kopf und kreuz und quer durch den Luftraum Fliegeübungen, oder Übungen waren es keine, sondern Figuren geflogen. Und ich hatte darauf tatsächlich so eine richtig unbändige Lust. Und ich bin eigentlich kein so ein Adrenalinmensch. Also ich habe zum Beispiel nichts übrig für Schussfahren auf der Piste, als ich noch Ski gefahren bin oder Snowboard, sondern ich bin dann eher freestylemäßig unterwegs und habe Lust eher am Tanzen als am Rasen oder auch auf der Autobahn oder überhaupt. Bin also kein Adrenalinmensch. Dieses Erkunden von Elementen, also in der Luft sein oder unter Wasser sein, das finde ich so faszinierend. Und das sind so intensive, sinnliche, körperliche Erfahrungen, dass ich das einfach genieße. Und ich bin da raus und habe gedacht: Schade, dass es vorbei ist. Das würde ich gerne gleich, ich würde gerne gleich wieder, gleich noch mal machen.

Brigitte Huber 51:02
Ja, super.

Stephan Seiler 51:03
Sehr, sehr schön.

Verena König 51:03
Das war also eine meiner Premieren.

Stephan Seiler 51:05
Ihr habt ja richtig solche Loopings geflogen, also so Überkopfgeschichten und so was.

Verena König 51:08
Überkopf, ja. Und Schrauben gemacht und so was.

Brigitte Huber 51:09
Voll Loopings, Schrauben.

Verena König 51:10
Schrauben, ich weiß nicht, wie die alle heißen, Fassrolle und so ganz krasse Nahanflüge auf den Boden. Und also ich habe G-Kräfte gespürt und bin schwerelos gewesen und alles. Und das war eine Gaudi. Also ich habe es geliebt.

Brigitte Huber 51:26
Eine Gaudi. Herrlich. So, jetzt haben wir 3 neue kurze Rubriken und das sagen wir auch ganz ehrlich. Du bist die erste, mit denen wir das machen und wir gucken einfach mal, wie es läuft. Du bist unsere ideale Versuchsperson. Katharina, das Buch deines Herzens. Hast du ein Buch, das dein Herz besonders bewegt, das du uns ans Herz legen möchtest?

Verena König 51:48
Süß. Mir fällt ein, ich habe— ich möchte es euch nicht ans Herz legen, aber ich habe vor ein paar Wochen ein altes Tagebuch von mir gefunden. Ja, da war ich so, da war ich in der 5. Klasse und dieses Buch ist so süß. Also es ist, es kann ich schlecht teilen, so als weil es ein Tagebuch ist, aber da sind so süße Geschichten drin und ich habe so ein paar Stellen extrem geliebt. Zum Beispiel als ich beschrieben habe, wie wir in Hamburg ins Musical gegangen sind und in so einen riesigen Konzertsaal gegangen sind. Und ich habe so beschrieben, wie fasziniert ich war von den Sängern und Tänzern und der Größe der Bühne. Und ich habe geschrieben: „Da merkt man, wie groß die Welt ist." Ich habe es noch viel schöner formuliert, aber da merkt man einmal, wie groß die Welt ist. Und das hat mich ganz berührt. Also das ist gerade das Buch meines Herzens.

Stephan Seiler 52:36
Schreibst du immer noch Tagebuch? Hast du immer Tagebuch geschrieben?

Verena König 52:39
Ich habe lange Tagebuch geschrieben, aber jetzt seit ein paar Jahren nicht mehr.

Stephan Seiler 52:44
Ich beneide ja mittlerweile Menschen, die das wirklich jeden Tag schreiben. Ich habe vor kurzem jemanden kennengelernt, der war Ende 60, der meinte, seit seinem 12., 13. Lebensjahr führt er Tagebuch, und zwar jeden Tag bis heute. Und er freut sich darauf, alles sich durchzulesen.

Brigitte Huber 52:58
Ja, man soll das ja dann immer wieder durchlesen. Also ich schreib schon ab und zu, aber nicht im Alltag. Ansatz, jeden Tag um Himmels willen. So, du kommst mit der nächsten Rubrik, Stephan.

Stephan Seiler 53:09
Nächste Rubrik, nächste Frage: Ein Gedanke, der dich positiv durch dein Älterwerden begleitet.

Verena König 53:15
Ein Gedanke ist, also ich genieße es tatsächlich zu reifen. Das ist etwas, was ich merke. Also das zeigt sich in ganz vielen Dingen, in mehr Mut und mehr Gelassenheit. In mehr, ja, vor allem Gelassenheit, also auch in der, in dem Abwägen, was ist wirklich wichtig. Und das genieße ich. Also ja, ich genieße zu reifen.

Brigitte Huber 53:42
Apropos Gelassenheit, hast du so einen Schnelltipp für dich und auch für andere, um gelassen zu werden oder gelassener zu werden, wenn du merkst, dass irgendwie eine Stresssituation in dir auftaucht?

Verena König 53:54
Ja, also ich frage mich dann, oft, also wenn es wirklich so ist, dass ich irgendwie nicht damit klarkomme, dann frage ich mich, wie wichtig ist das in einem Jahr noch?

Brigitte Huber 54:05
Ja, das hilft ganz gut. Das teile ich komplett. Also ich bin manchmal auch bei 5 Jahren, wenn es nicht ganz— und dann denke ich mir, stopp, 5 Jahre ist viel zu lang. Die meisten Sachen sind ja sogar nach 3 Monaten lang nicht mehr so groß wie an dem Tag, an dem sie passiert sind.

Stephan Seiler 54:22
Manche Sachen auch nach 10 Minuten schon nicht mehr so.

Brigitte Huber 54:26
Ja, in diesem Sinne.

Stephan Seiler 54:28
Noch eine Sache. Hast du noch einen Ernährungstipp? Dein liebster Ernährungstipp in Sachen Älterwerden?

Verena König 54:33
Oh, in Sachen Älterwerden. Also da bin ich, ich bin beherzte und leidenschaftliche Veganerin und finde tatsächlich, die vegane Ernährungsweise oder die vegane Lebensweise ist durch ihre Nachhaltigkeit in Sachen Älterwerden auch einfach etwas, was womit wir unseren nachfolgenden Generationen einen riesigen Gefallen tun, weil sie die ressourcenschonendste und umweltfreundlichste Form ist, sich zu ernähren. Und das ist also quasi in Bezug aufs Älterwerden jetzt nicht unbedingt nur in Bezug auf den eigenen Körper, obwohl man weiß, auch wenn man es richtig macht, dass diese Ernährungsweise viele Vorzüge hat. Aber es ist auch in Bezug aufs Älterwerden gut für die eigene Moral und fürs Gewissen.

Stephan Seiler 55:17
Das werden jetzt womöglich so So werden jetzt einige, die hier Kreatin gepredigt haben, womöglich anders sehen. Aber lassen wir es dabei.

Verena König 55:26
Kann man auch pflanzlich machen, geht auch pflanzlich.

Brigitte Huber 55:31
Und natürlich, wir schreiben niemandem vor, was er isst. Aber ich kann sagen, seit ich 18 bin, esse ich kein Fleisch mehr. Also ich bin keine Veganerin, aber ich esse kein Fleisch mehr und ich habe noch nie was vermisst. Also insofern, genau, können andere für uns erledigen. Ja, Verena, ganz, ganz herzlichen Dank. Gibt es irgendwie eine Frage, wo du sagst: Oh Gott, warum haben sie mich das nicht gefragt? Oder hast du das Gefühl, wir haben das Wichtigste?

Verena König 55:59
Auf jeden Fall. Also ich habe das Gefühl, wir könnten natürlich noch stundenlang weiterreden, weil man merkt, dass ihr auch wirklich schön an der Tiefe interessiert seid. Und das habe ich sehr genossen. Und auch die, ja, die persönlichen Aspekte, die du eingebracht hast, Stephan, fand ich super hilfreich und Ja, und die Lebendigkeit, die hier in eurem schönen Podcast drinsteckt, finde ich ganz toll. Habe ich sehr genossen.

Brigitte Huber 56:22
Ja, herzlichen Dank, dass du mit uns so tief getaucht bist. Es hat uns auch ganz, ganz viel Freude gemacht, soweit einem dieses Thema Freude macht. Aber es wird uns und hoffentlich ganz vielen Hörerinnen und Hörern ja auch etwas mehr Licht bringen. Vielleicht, hoffentlich.

Verena König 56:37
Das würde mich sehr freuen. Absolut.

Stephan Seiler 56:40
Vielen Dank, Verena.

Brigitte Huber 56:42
Ich danke euch, ihr Lieben.

Stephan Seiler 56:44
Das war unser Interview mit Verena König, der Traumaexpertin. Vielen Dank an Sie natürlich, aber vielen Dank auch an euch da draußen fürs Zuhören. War jetzt ja ganz schön harter Stoff. Wir haben versucht, immer wieder ein bisschen heitere Momente einzubauen. Ich hoffe, das ist uns auch einigermaßen gelungen. Brigitte, was ist bei dir hängen geblieben nach diesem Deep Dive in Sachen Trauma heute?

Brigitte Huber 57:07
Ich finde auch, es ging sehr tief. Tief. Aber, und das finde ich, verkörpert Verena ganz gut: Heilung ist immer möglich. Das klingt jetzt erst wie eine Plattitüde, aber ich finde, bei ihr ist es total greifbar. Und auch diese Message finde ich so berührend, wenn du dann diese Erfahrung machst: Ich bin nicht allein. Ich fand zum Beispiel auch das, was sie erzählt hat über einen sicheren Menschen, fand ich sehr, sehr schön. Und ich habe mir gedacht, ich möchte auch gern für manche Menschen so ein sicherer Mensch sein. Und ja, dass eben dann doch eine Beziehung, ein Mensch, und das muss nicht der Partner oder die Partnerin sein, das Leben verändern kann und nach vorne bewegen kann. Und bei dir, Stephan, was ist bei dir hängen geblieben?

Stephan Seiler 57:52
Das hat auch bei mir total gut resoniert, denn die Erfahrung habe ich auch gemacht, dass ich meine früheren verkorksten Beziehungsmuster überschreiben konnte, verlassen konnte, dadurch, dass ich dann eine einen anderen Partner gefunden habe, der mir diese Sicherheit bietet und die früheren Erfahrungen, Erlebnisse und auch Erinnerungen ein Stück weit überpinselt hat, in ganz dicken, großen Pinselstrichen. Das hat mich sehr gefreut, das heute zu hören, dass das möglich ist, also dass es jetzt nicht nur quasi sich momentan punktuell so anfühlt, sondern dass sich das wirklich auch dauerhaft zeigen kann mit dem richtigen Menschen an seiner oder an ihrer Seite in die Zukunft zu reiten, dem Sonnenuntergang entgegen.

Brigitte Huber 58:36
Auch nach den magischen 3 Jahren noch.

Stephan Seiler 58:39
Genau, das habe ich natürlich ein bisschen, das habe ich natürlich auch kurz stutzen lassen. Wenn man nämlich noch innerhalb der ersten 3 Jahre ist, nur rein theoretisch, da kann das natürlich auch eine kleine Unruhe hervorrufen, weil man denkt: Oh nein, was kommt denn dann jetzt bald? Worauf müssen wir uns denn jetzt einstellen?

Brigitte Huber 58:56
Müssen wir wieder komplett alles neu machen?

Stephan Seiler 58:58
Thailand.

Brigitte Huber 58:59
Ja, aber jetzt, wenn man sich dann die Statistiken auch wieder anschaut mit Ehe und so was, ich glaube, so im Durchschnitt werden die deutlich später dann geschieden. Na ja, aber gut, wie auch immer. Ich fand es sehr, sehr interessant. Auch noch mal das Thema transgenerationales Trauma, Traumata dann. Was tragen wir Generationen nach dem Krieg noch immer in unseren Genen, in unseren Herzen, unseren Seelen mit uns Das ist schon auch ein spannendes Thema.

Stephan Seiler 59:27
Ja, definitiv. Das ist mir wirklich nahegegangen, weil ich das auch feststelle bei meiner eigenen Familie, wie da quasi mit gewissen Verhaltensmustern das kompensiert wird, was der Vater, mein Großvater, im Krieg so erlebt hat und danach auch quasi mit einer gewissen emotionalen Verschlossenheit, um es mal so zu sagen, durch die Welt gelaufen ist. Das wirkt sich eben aus, bis auf wahrscheinlich, wahrscheinlich wird sich das auch auf die nächste Generation auswirken. Generation von mir aus gesehen auswirken. Und das mal auseinandergenommen zu bekommen, das fand ich heute sehr, sehr erhellend.

Brigitte Huber 60:01
Und dass eben auch sehr lange sehr wenig darüber gesprochen wurde in den Familien, aber auch außerhalb. Also ich finde, da merkt man schon auch wieder, es verändert sich was. Ja, Veränderung ist, glaube ich, ein starkes Thema, das sich durch die Doppelfolge da zieht. Und zwar auch durchaus, ja, dass wir die Macht der Veränderung nicht immer in unserer Hand haben, aber doch einiges dazu beitragen können. Und auch tatsächlich noch mal, wie sich das mit dem Körper auch verbindet, also dass die Traumata, die die Menschen haben, nicht nur in deren Gehirn oder was auch immer, sondern in jeder Körperzelle tatsächlich dann zu finden sind.

Stephan Seiler 60:44
Ja, das habe ich sogar selbst mal erlebt. Habe ich eben im Interview gar nicht so erzählt, aber ich habe es auch selbst mal erlebt. In einer Session, wo es genau darum ging, alten kleinen Traumata nachzuspüren, mit einer körperlichen Übung am Ende dazu kam, dass wirklich wie eine Explosion in meinem Bauch zu spüren war, ein Knall. Es hat sich wie so ein Knoten gelöst, also der sprichwörtliche Knoten, von dem ich immer dachte, das sei halt so eine blöde Metapher, so ein komisches Bild. Den gibt es wirklich in uns. Manche Dinge verkapseln so richtig, und wenn man sie dann mit therapeutischer Unterstützung Überspritzung oder in dem Fall mit irgendwelchen Tänzen oder anderen Sachen dann ganz gezielt adressiert, dann können die explodieren in einem. Und dieses Gefühl ist einfach unfassbar mächtig. Da merkt man so, welche Macht diese bösen Gedanken haben, aber wie toll auch die Befreiung davon sein kann.

Brigitte Huber 61:36
Ja, aber das fand ich eben auch total spannend und das kenne ich auch, dass der Körper eine eine komplett überzogene Reaktion auf eigentlich eine Kleinigkeit, die passiert. Das kann eine SMS sein, die man glaubt, von jemandem zu kriegen, und die erinnert einen an irgendetwas anderes. Und der Körper, der ist komplett hypernervös und es hat einfach nichts mit der Situation zu tun, sondern mit der Situation von früher. Und solche Dinge so mosaikmäßig dann wieder zusammenzubasteln, Das ist herausfordernd, aber ich glaube, das kann sehr, sehr heilsam sein. Ja. Gibt es eine Folge, an die du gedacht hast, wenn man jetzt einfach Lust hat, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen?

Stephan Seiler 62:20
Als es darum ging, dass man sich von toxischen Partnerinnen und Partnern besser trennt und von denen Abstand hält, habe ich natürlich an unsere Trennungscoachin Dorothea Bährmann gedacht.

Brigitte Huber 62:28
Ja.

Stephan Seiler 62:28
Das war Folge Nummer 15. Folge 15 erschien, glaube ich, Anfang Januar 2026. 20. Für alle, die das noch mal nachhören möchten, beziehungsweise die jetzt vielleicht umso beherzter über eine Trennung nachdenken. Aber nur für die.

Brigitte Huber 62:43
Ja, genau. Und was natürlich auch absolut Sinn macht, wenn es um das Thema Beziehungen geht, ist die Folge mit Stefanie Stahl, der Psychologin, wie wir in Kontakt mit anderen treten. Da geht es auch um das Thema Einsamkeit, aber eben auch, wie wir das verhindern können oder welche Schritte wir unternehmen können. Und das finde ich auch sehr spannend.

Stephan Seiler 63:04
Und das ist Folge 9. Sehr ans Herz legen möchte ich euch aber auch noch den Podcast von Verena König, die sich darin sehr gezielt und noch mal viel tiefgründiger mit dem Thema Trauma auseinandersetzt. Eventuell wird das Thema auch hier noch mal eine Rolle spielen in Zukunft. Ich glaube, das schimmert ja immer mal wieder so durch, auch wenn wir über ganz andere Dinge sprechen. Hinter der ein oder anderen, ich sag es mal, Sportmanie oder anderen extremen Freizeitverhalten steckt ja auch manchmal das Kompensieren von frühkindlichen oder anderen Traumata und anderen Erlebnissen. Sage ich jetzt mal so hobby-psychologisch. Korrigiere mich, du als Coach.

Brigitte Huber 63:48
In diesem Fall würde ich sagen, ich glaube, das ist ein gutes Schlusswort für so ein Hobby-Psychotherapeut. Ich hoffe, ihr habt viel mitgenommen. Ich möchte mich, wir möchten uns ganz herzlich bedanken bei euch fürs Zuhören, bei Verena für die ganzen Inputs, die sie uns gegeben hat, und natürlich auch für die Menschen, die uns Folge für Folge unterstützen.

Stephan Seiler 64:10
Richtig. Vielen Dank an Leo Ebert-Klang für den Sound und den Schnitt. Vielen Dank an Berit Polenz, der unseren Instagram-, Facebook- und YouTube-Kanal betreut. Die kennt ihr bestimmt schon, habt ihr alle schon abonnieren und an Luisa Abraham von Zipra Lucian, die sich mit ihrem wunderbaren Team um die Vermarktung kümmert. Wenn ihr Werbung bei uns schalten möchtet, dann bringt die Geldsäcke gerne direkt zu Luisa und dann kriegen wir vielleicht auch ein, zwei Cent davon ab.

Brigitte Huber 64:36
Ja, aber sie können auch überweisen.

Stephan Seiler 64:40
Wir hören uns wieder nächste Woche Mittwoch. Macht's gut, ihr Lieben, und abonniert doch bis dahin alle unsere Kanäle. Freut uns wirklich sehr, und hilft uns auch wirklich beim Algorithmus, damit noch mehr Menschen von uns hören und was mitbekommen, was wir hier so von uns geben.

Brigitte Huber 64:59
Ja, vielen Dank euch allen, und ich freue mich schon, wenn wir uns wieder hören nächsten Mittwoch.

Stephan Seiler 65:04
Fröhliches Älterwerden!

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Folge

55

·

100 Min.

Mit

Hubertus Meyer-Burckhardt

Was würdest Du gerne Deinen Vater fragen? Was aus der Kindheit wird mit dem Alter blasser?

Impulse aus dieser Folge

💡

Zum Ausprobieren

Die eigenen Grenzen, Autonomie und Freiheit wahren: Hat ein traumatisierter Partner wegen eines überaktivierten Bindungssystems ein hohes Kontrollbedürfnis, geht es laut Verena König darum, wie es ihm in dieser Zeit gut gehen kann, statt um Verzicht. Ein Foto vom Sport oder ein gemeinsames Essen danach kann das schon sein.

💡

Zum Ausprobieren

Meditation kann sehr hilfreich sein, aber bei einem dysregulierten Nervensystem auch überfordern: Stillsitzen weckt dann Fluchtimpulse statt Ruhe.

💡

Zum Ausprobieren

Statt zu sagen, jemand solle sich beruhigen und abwarten: Verständnis zeigen, gemeinsam herausfinden, was los ist, da sein und später praktisch helfen, etwa einen Arzttermin besorgen. Begleiten und beruhigen, ohne zu bagatellisieren.

💡

Zum Ausprobieren

Wer Hilfe sucht, wendet sich an Dachverbände oder Traumahilfezentren. Der Suchbegriff traumasensibel führt zu Menschen mit entsprechender Weiterbildung.

💡

Zum Ausprobieren

Wenn die Symptome zunehmen und es im Alltag immer weniger gelingt, sich zu stabilisieren, ist Unterstützung wichtig. Es geht dann um Stabilisieren, nicht um Aufdecken.

💡

Zum Ausprobieren

Verdrängung kann man lassen, sie kann einem aber um die Ohren fliegen: der klassische Fall für eine Dekompensation später im Leben, wenn Belastungen steigen und Kraft schwindet.

💡

Zum Ausprobieren

Die eigenen Grenzen, Autonomie und Freiheit wahren: Hat ein traumatisierter Partner wegen eines überaktivierten Bindungssystems ein hohes Kontrollbedürfnis, geht es laut Verena König darum, wie es ihm in dieser Zeit gut gehen kann, statt um Verzicht. Ein Foto vom Sport oder ein gemeinsames Essen danach kann das schon sein.

💡

Zum Ausprobieren

Wenn die Symptome zunehmen und es im Alltag immer weniger gelingt, sich zu stabilisieren, ist Unterstützung wichtig. Es geht dann um Stabilisieren, nicht um Aufdecken.

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Wer Hilfe sucht, wendet sich an Dachverbände oder Traumahilfezentren. Der Suchbegriff traumasensibel führt zu Menschen mit entsprechender Weiterbildung.

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Zum Ausprobieren

Statt zu sagen, jemand solle sich beruhigen und abwarten: Verständnis zeigen, gemeinsam herausfinden, was los ist, da sein und später praktisch helfen, etwa einen Arzttermin besorgen. Begleiten und beruhigen, ohne zu bagatellisieren.

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Zum Ausprobieren

Meditation kann sehr hilfreich sein, aber bei einem dysregulierten Nervensystem auch überfordern: Stillsitzen weckt dann Fluchtimpulse statt Ruhe.

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Verdrängung kann man lassen, sie kann einem aber um die Ohren fliegen: der klassische Fall für eine Dekompensation später im Leben, wenn Belastungen steigen und Kraft schwindet.

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Die eigenen Grenzen, Autonomie und Freiheit wahren: Hat ein traumatisierter Partner wegen eines überaktivierten Bindungssystems ein hohes Kontrollbedürfnis, geht es laut Verena König darum, wie es ihm in dieser Zeit gut gehen kann, statt um Verzicht. Ein Foto vom Sport oder ein gemeinsames Essen danach kann das schon sein.

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Statt zu sagen, jemand solle sich beruhigen und abwarten: Verständnis zeigen, gemeinsam herausfinden, was los ist, da sein und später praktisch helfen, etwa einen Arzttermin besorgen. Begleiten und beruhigen, ohne zu bagatellisieren.

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Wenn die Symptome zunehmen und es im Alltag immer weniger gelingt, sich zu stabilisieren, ist Unterstützung wichtig. Es geht dann um Stabilisieren, nicht um Aufdecken.

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Zum Ausprobieren

Meditation kann sehr hilfreich sein, aber bei einem dysregulierten Nervensystem auch überfordern: Stillsitzen weckt dann Fluchtimpulse statt Ruhe.

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Wer Hilfe sucht, wendet sich an Dachverbände oder Traumahilfezentren. Der Suchbegriff traumasensibel führt zu Menschen mit entsprechender Weiterbildung.

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Verdrängung kann man lassen, sie kann einem aber um die Ohren fliegen: der klassische Fall für eine Dekompensation später im Leben, wenn Belastungen steigen und Kraft schwindet.

Empfohlen in dieser Folge

📕

buch

Brigitte Huber & Anne-Bärbel Köhle, 2025

📕

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Brigitte Huber & Anne-Bärbel Köhle, 2025

📕

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Brigitte Huber & Anne-Bärbel Köhle, 2025

Antworten auf kleine Fragen, große Fragen

Welche Premiere hast du zuletzt erlebt oder planst du?

Ich hatte eine ganz tolle Premiere vor drei Monaten ungefähr. Und zwar habe ich einen Kunstflug mitgemacht. […] ich habe G-Kräfte gespürt und bin schwerelos gewesen und alles. Und das war eine Gaudi. Also ich habe es geliebt.

Welches Buch liegt dir besonders am Herzen?

Ich habe vor ein paar Wochen ein altes Tagebuch von mir gefunden. […] da war ich in der 5. Klasse […] Ich habe geschrieben: „Da merkt man, wie groß die Welt ist.“ […] Das ist gerade das Buch meines Herzens.

Welcher Gedanke begleitet dich positiv beim Älterwerden?

Ich genieße es tatsächlich zu reifen. […] Das zeigt sich in ganz vielen Dingen, in mehr Mut und mehr Gelassenheit. […] Also ja, ich genieße zu reifen.

Dein liebster Ernährungstipp fürs Älterwerden?

Ich bin beherzte und leidenschaftliche Veganerin und finde tatsächlich, die vegane Ernährungsweise […] ist durch ihre Nachhaltigkeit in Sachen Älterwerden auch einfach etwas, […] womit wir unseren nachfolgenden Generationen einen riesigen Gefallen tun.

Zitate aus dieser Folge

Vielleicht sind alle Drachen unseres Lebens Prinzessinnen, die nur darauf warten, uns einmal schön und mutig handeln zu sehen.

Rainer Maria Rilke

Folge

53

·

Und einer der heilsamsten Sätze, wirklich einer der wirksamsten Sätze in unserem menschlichen Inneren ist: Du bist nicht mehr allein.

Verena König

Folge

53

·

Also nie alleine bleiben ist auf jeden Fall ein gutes Motto, wo immer es geht.

Verena König

Folge

53

·

Also wenn es brennt, dann hole ich Wasser zum Löschen und hole dich aus den Flammen, wenn du es nicht selber kannst.

Verena König

Folge

53

·

Verletzlichkeit ist keine Schwäche, sondern unser größter Mut.

Brené Brown

Folge

53

·

Gott sei Dank muss man nicht immer alles noch mal erleben.

Verena König

Folge

53

·

dass ein Partner, eine Partnerin nie in die Therapeutenrolle rutschen sollte

Verena König

Folge

53

·

Es gibt weder den Prinzen noch die Prinzessin, der rettet oder die rettet. Aber es gibt die unbeschreiblich große Heilkraft der sicheren Bindung.

Verena König

Folge

53

·

um Trauma aufzuarbeiten, braucht es Kapazität. Das ist in der Regel kein Spaziergang.

Verena König

Folge

53

·

Also dass wir da sind, dass wir begleiten und beruhigen, ohne dass wir bagatellisieren, zum Beispiel.

Verena König

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53

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Vielleicht sind alle Drachen unseres Lebens Prinzessinnen, die nur darauf warten, uns einmal schön und mutig handeln zu sehen.

Rainer Maria Rilke

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um Trauma aufzuarbeiten, braucht es Kapazität. Das ist in der Regel kein Spaziergang.

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Also wenn es brennt, dann hole ich Wasser zum Löschen und hole dich aus den Flammen, wenn du es nicht selber kannst.

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Huber & Seiler

Die Sache mit dem Älterwerden.

Klüger älter werden, ohne sich jünger machen zu müssen.

Ein unabhängiger Podcast von Brigitte Huber & Stephan Seiler.

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