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64 Min.
Wem gehört unsere Lebenszeit? Warum fühlen wir uns schuldig, wenn wir nicht sofort antworten? Darf man als Großeltern auch mal „Nein“ sagen? Hilft ein Münzwurf bei schweren Zeitfragen?
Es ist 21:30 Uhr, der Arbeitstag eigentlich vorbei, doch das Handy auf dem Tisch blinkt unaufhörlich. Kennst du das Gefühl, dass deine Zeit gar nicht dir selbst zu gehören scheint?
Lebensgestaltung

In dieser Folge widmen wir uns der radikalen Frage: Wem gehört meine Lebenszeit? Wir sprechen über den modernen „Sofortismus“ und warum wir oft aus Angst vor Konflikten antworten, statt aus Lust.
Brigitte und Stephan diskutieren darüber, ob man im Alter das Recht hat, gegenüber Enkelkindern und Familie „Nein“ zu sagen, um die eigene Würde und Eigenzeit zu wahren. Wir teilen persönliche Strategien gegen den Zeitdiebstahl – von der Münzwurf-Methode bis zum befreienden Blick aus der Zukunft. Außerdem erfährst du, warum Stephan keine Türklinken mehr anfasst und welche Pflanzenzüchtung aus ihrer Jugend Brigitte heute unangenehm ist.
Eine Folge über die Kunst, genauer „Ja“ zu sagen, wenn die Jahre kostbarer werden.
Kapitelmarken
00:00 Seneca und die Kunst, Zeit nicht zu verschwenden
03:26 Erreichbarkeit um 21:30 Uhr: Ein moderner Fluch?
06:11 Warum „Work-Life-Balance“ ein schwieriger Begriff ist
13:23 Der „Sofortismus“: Druck durch kurze Reiz-Reaktions-Intervalle
20:29 Abgrenzung: Müssen Großeltern immer verfügbar sein?
24:34 Die Blue Zones und das Geheimnis des Gebrauchtwerdens
35:57 Entscheidungshilfe: Kopf oder Zahl?
38:29 Große Fragen: Zeitreisen in die Steinzeit und die Zukunft
44:51 Jugendsünden: Von Bronchialtee und Türklinken-Neurosen
51:24 Geburtstagsplanung: Feier-Queen vs. Kneipen-Abend
55:49 Unsere Premieren: Einschlafrituale und Schimmelentfernung
59:57 Ausblick: Treffen mit der „Gedächtnispäpstin“ Hannah Monyer
Transkript zur Folge
Stephan Seiler 0:00
Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen. Hallo Brigitte.
Brigitte Huber 0:08
Hallo Stephan.
Stephan Seiler 0:10
Was macht dieses alte Zitat von dem guten alten Seneca aus dem alten Rom heute mit dir? Ich wiederhole Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.
Brigitte Huber 0:25
Ich finde interessant an diesem Zitat, das ich immer schon faszinierend fand, dass anscheinend das Thema, das wir heute glauben zu haben, mit viel Digital und so weiter und so fort, unabhängig von Generationen und Zeitaltern ist, weil Seneca Das ist roundabout 2000 Jahre alt, das Zitat. Und das finde ich zum einen beruhigend und irgendwie beunruhigend zugleich beruhigend. Es scheint ein Klassiker der Menschheit zu sein, dass wir unsere Zeit nicht immer so einsetzen, wie wir es im Nachhinein vielleicht für gut halten, aber auch ein bisschen beunruhigend, weil wir es als Menschen gar nicht gewuppt kriegen. Wie geht's dir?
Stephan Seiler 1:09
Das hat bei mir zwei unterschiedliche Assoziationen ausgelöst. Als ich den Satz zum ersten Mal gehört habe, zugegebenermaßen erst vor ein paar Wochen, als wir unseren Zeitforscher Marc Wittmann in Folge 7 interviewt haben, da ging mir das Zitat nicht mehr aus dem Kopf. Seitdem beschäftigt mich das und zuerst dachte Klare Ansage, noch mehr tun, noch effizienter sein, noch wacher, noch verfügbarer. Heute mittlerweile lese ich das Zitat ein bisschen anders, nicht als Aufforderung zur Verdichtung, sondern eher so als Warnung nach dem Verschwende deine Zeit nicht. Lass nicht zu, dass andere selbstverständlich über sie verfügen. Beides steckt für mich in diesem Satz. Und dieser Widerspruch beschäftigt mich zunehmend, gerade jetzt auch mit dem Älterwerden. Und damit sind wir eigentlich schon beim Thema der heutigen Folge. Liebe Brigitte, ich bin Stephan Seiler, ich.
Brigitte Huber 2:04
Bin Brigitte Huber und das ist die Sache mit dem Älterwerden.
Stephan Seiler 2:16
Liebe Brigitte, stell dir mal vor, es ist Der Arbeitstag ist offiziell vorbei, das Handy liegt auf dem Tisch, eine neue Nachricht, dann noch jemand will etwas von dir und plötzlich stellt sich die Frage, die mich immer häufiger beschäftigt in den vergangenen Wem gehört eigentlich meine Zeit? Gehört sie mir, weil ich sie mir erarbeitet habe, oder gehört sie dem, die sie gerade brauchen? Gehört sie meinem Beruf, weil er für mich mehr ist als nur ein Job? Gehört sie meiner Familie, meinen Freunden, meinen Kindern? Ja, weil ja Nähe auch sowas wie eine Verpflichtung bedeutet. Und was passiert, wenn ich älter werde und merke, diese Zeit wird ja nicht mehr, sie wird weniger. Darf ich dann Nein sagen? Muss ich sogar Nein sagen? Oder ist das der Moment, in dem ich dann lerne, sehr genau Ja zu sagen? Brigitte, du fährst ja bald in Urlaub und du im Urlaub arbeitest du nicht. Punkt. Ich merke, allein dieser Satz macht mich nervös. Was aber mehr mit mir selbst zu tun hat, weil eigentlich meinst du ja genau das Richtige. Warum eigentlich? Was glaubst du?
Brigitte Huber 3:26
Also zum einen würde mich interessieren, was machst du, wenn um Uhr dein Handy piept? Guckst du es an?
Stephan Seiler 3:34
Ich schaue meistens drauf. Es gibt auch Situationen, wenn ich jetzt einen Film gucke oder im Theater bin oder Dschungelcamp, dann gucke ich jetzt nicht sofort drauf. Es kommt ein bisschen auf die Situation an, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich drauf gucke, ist wesentlich höher, als dass ich nicht drauf gucke. Wie geht es dir damit?
Brigitte Huber 3:55
Also ich würde auch ganz klar sagen, es gibt ja auch Abende, da wartet man sogar auf eine Antwort von jemandem, weil man vorher eine SMS losgeschickt hat oder so was. Bei mir ist es schon so, ich versuche nicht ständig aufs Handy zu gucken, aber es gelingt mir nicht so optimal. Ich finde sogar, ich fand das ganz spannend. Ich kann das sogar von meinem jüngeren Sohn oder auch seiner Freundin ganz gut lernen. Die gucken meines Erachtens oft fünf, sechs Stunden nicht aufs Handy, da kriege ich auch nicht gleich eine Antwort. Und das finde ich auch sehr gesund und gut. Also wir reden da auch drüber und das finde ich gut. Und da wäre ich schon beim ersten Punkt mit Freunden oder Familie. So eine gewisse Transparenz, wie gehe ich mit diesen Themen um, hilft mir schon, um zu okay, soll ich da jetzt gleich antworten oder nicht? Zum Thema Urlaub, weil du das angesprochen hast. Ich habe in meinem Leben sehr häufig und sehr viel auch im Urlaub gearbeitet, auch weil man manchmal das Gefühl hat, man kann ein Team nicht allein lassen und manche Entscheidungen sind zu groß. Ich habe letztes Jahr sehr, sehr viel im Urlaub gearbeitet. Ich arbeite sehr, sehr gerne. Das heißt, ich kann es oft gar nicht so sehr trennen und ich werde wahrscheinlich auch diesen Urlaub jeden Tag in meine Mails gucken. Es wird mir nicht gelingen, das nicht zu machen. Ich bin freiberufliche Journalistin und Coach, das geht eigentlich gar nicht anders. Nur was ich nicht mehr möchte, ist tatsächlich die Grenze zwischen Job und Privatleben völlig verwischen zu lassen. Das dazu und dann schon zu wissen, ja, okay, am dritten Tag mache ich das, da muss ich aber auch gucken, dass es da WLAN gibt und dann jetzt in dem Fall gibt es keine große Zeitverschiebung. Da musst du noch Zeitverschiebungen mit einplanen und so weiter. Ne, also aus dem Alter würde ich mal sagen, bin ich hoffentlich raus.
Stephan Seiler 5:37
Da sind wir jetzt mittendrin schon in der Analyse und auch in der Suche nach Lösungen auf die große Frage, die diese Folge überschreiben soll, nämlich wem gehört eigentlich meine Lebenszeit? Danke dir für den Einblick. Ich hätte gedacht, du bist noch, du bist da noch härter, gerade was die Urlauber angeht. Aber es entlastet mich tatsächlich zu hören, dass du auch in die E Mails guckst. Das ist mir, ist mir sehr sympathisch, denn das mache ich auch oft, fühle mich dabei aber auch manchmal dann auch schlecht mir selbst gegenüber, denn eigentlich ist ja Urlaub Urlaub und das sehen ja auch viele so.
Brigitte Huber 6:11
Es ist bei mir ein bisschen anders. Ich sehe Arbeit. Also ich finde dieses Thema Work Life Balance schwierig, wenn ich sage, die eine Seite ist die Arbeit und die andere ist das Leben und ich muss eine Balance haben, dann geht für mich die Rechnung nicht auf. Ich habe viel zu viel Zeit in meinem Leben in Arbeit investiert, als um nachher zu Das war für mich nur Geld verdienen oder sonst was. Es ist ein ganz großer Teil meiner Seele, meiner Begeisterung, meiner Leidenschaft da drin und insofern gehört beides in mein Leben. Also so würde ich es eher sehen und sagen. Und so habe ich es auch früher schon definiert. Da gibt es viel schwierigere Sachen von Selbstbestimmung. Ich finde es schwieriger, wenn morgen jetzt der Stromableser kommt und sagt, ich muss zwei Stunden vor Ort sein und irgendwann kommt er hoffentlich und vielleicht und so weiter. Oder ich sitze stundenlang in irgendeinem Amt und warte, dass ich mit meiner Nummer aufgerufen werde. Da fühle ich mich viel fremdbestimmter oder habe eher das Problem, wie grenze ich mich da ab oder vor Kontakten, die einem nicht so gut tun. Wobei das spielt jetzt bei mir ehrlicherweise auch gar keine Rolle mehr. Insofern ist tatsächlich für mich Arbeit nicht das, wo ich Da muss ich jetzt den großen Weg darum machen. Es geht eher darum, was du auch angesprochen Die Zeit wird kostbarer, je älter wir werden. Ich habe ein Buch geschrieben mit meiner Kollegin und Freundin Anne Bärbel Köhle zusammen. Das heißt Endlich ich liebe Grüße, liebe Grüße. Endlich ich bedeutet zum Es geht mehr um mich als früher. Wir Frauen, vor allem mit viel Familie und so, waren ja viel fremdbestimmt, auch selbst gewählt, auch selbst gewählt. Aber tatsächlich jetzt Dann so mit 60 plus kommt tatsächlich mal die Möglichkeit, sich ein bisschen mehr mit sich auseinanderzusetzen. Und zu dem Was möchte ich noch? Und endlich in dem Wort schwingt auch das Ende mit. Und insofern ist das für meine Betrachtung auf meinen Kalender schon so ein wesentlicher Kompass.
Stephan Seiler 8:19
Ich glaube, der Umgang mit Zeit ist für viele Menschen allen Generationen Thema. Ich denke da zum Beispiel an Freundinnen und Freunde, die irritiert und manchmal richtig beleidigt sind, wenn ich oder andere nicht innerhalb weniger Stunden antworten auf Nachrichten. Ich hab Kollegen kennengelernt, die sich beschwert haben, wenn sie mich abends nach 20 Uhr nicht erreicht haben. Hab aber auch das Umgekehrte erlebt, wenn ich dann abends um Mitternacht mal E Mails verschickt habe, wurde das auch von manchen kritisiert nach dem Motto Denkst du, dass ich das da lese? Also die haben sich richtig unter Druck gesetzt gefühlt. Und ich glaube, viele dieser Konflikte drehen sich nicht nur um Zeit, sondern auch um Erwartungen, um die unausgesprochene Norm, dass wir alle ständig verfügbar sein sollen. Ich denke da auch an Menschen, die vielleicht Enkelkinder haben, auch entsprechend schon ein bisschen älter sind, die dann vielleicht von ihren Kindern und Enkelkindern immer wieder gefragt werden, ob sie sich Zeit nehmen, für sie zu kümmern, auf sie aufzupassen, was auch immer. Und ich kenne auch einige Omis und Opis, wenn ich sie so nennen darf, die da ne, die Zeit gehört doch mir. Auch darüber möchte ich nachher noch mit dir reden. Gerne. Würde ich dir jetzt aber erstmal noch ein Beispiel nennen. Ich bin diese Woche in einer deutschen Hochschule, wo ich zufälligerweise war, laufe ich normalerweise nicht mehr so häufig rein, bin ich einem Dozenten begegnet, Gunnar, und der hat mir gesagt, dass er seit vier Jahren keine Mails mehr im Feierabend liest, eine Arbeit im Urlaub mitmacht und nur eine Ausnahme kennt, nämlich echter Notfall. Und dann darf sich auch nur der Chef bei ihm melden. Der hat die Handynummer, alles andere sei tabu. Und er hätte die Erfahrung gemacht, es hätte sich dadurch gar nichts verschlechtert für die Arbeit. Es hätten sich jetzt auch seine Studierenden daran gewöhnt, seine Kollegen sowieso. Seine Aussage war, sein Leben sei wirklich ruhiger und besser geworden. Ich bewundere diese Klarheit. Gleichzeitig zweifle ich wieder, ob sie in meinem oder unseren kreativen Berufen möglich wäre, auch noch als Freiberufler, Freiberuflerin vielleicht ist aber auch eine sehr bequeme Ausrede von mir. Deshalb die Frage an Ist ständige Verfügbarkeit wirklich in manchen Berufen eine Notwendigkeit oder ist das vielleicht auch Eitelkeit oder Angst vor Bedeutungsverlust im Sinne es könnte ja was unfassbar Wichtiges passieren, das nur mir und meiner Person gilt. Wie siehst du das?
Brigitte Huber 10:48
Also ich würde jetzt mal sagen, ständige Verfügbarkeit kann nicht im Normalfall das Mittel der Wahl sein. Außer du bist Ärztin und Arzt und hast gerade Schicht, dann solltest du ständig verfügbar sein oder als Feuerwehrmann oder wie auch immer. Aber wir mit unseren Berufen, da würde ich es wirklich auch so sehen. Such dir deine Grenzen, schau, was für dich in Ordnung ist und folge da deiner Stimme. Ich würde im Nachhinein sagen, dass ich mich da teilweise unverfügbarer gemacht habe, als es hätte sein müssen. Ich habe dann schon irgendwann mal geschnallt, so mit 40 oder so, dass man alles gar nicht unterbringt. Also das kommt ja dann auch noch dazu. Du kriegst ja gar nicht alle Anfragen von der Schule, von irgendwelchen anderen Eltern, von deinen Chefs, von Kolleginnen und so weiter und so fort auf einmal unter. Also du musst ja ohnehin so einen Ticken priorisieren und kannst auch nicht alle Dinge auf einmal machen. Und für mich war dann schon immer ganz gut immer der Blick nach vorne und zurückgucken. Also wenn ich in einem Jahr da zurückblick, bei großen Sachen, auch wenn ich in fünf Jahren zurückblicke, wie würde ich das gerne gemacht haben? Würde ich tatsächlich einen Urlaub unterbrechen, weil ich auf ein ganz, ganz tolles Seminar von meinem neuen Chef eingeladen bin oder würde ich es lassen? Ich habe es damals Gott sei Dank gelassen, aber es war nicht so easy, weil ich mir auch gedacht habe, wow, und so eine Chance und so weiter und so fort. Und das hat mir immer einen Ticken geholfen, einfach dieser Sprung nach vorne und zurückzublicken. Und im Hier und Jetzt, das kennen wir doch alle, wenn du einmal 12 Stunden raus bist aus dem Handy, es ist nicht so wahnsinnig viel passiert, wie du vorher gedacht hast. Das Thema hatten wir ja schon ein paar Mal, auch wenn du mal so Digital Detox machst oder so. Oder ich war letztes Mal in so einem Wellnessareal, da war Handyverbot. Am Anfang habe ich mir gedacht, oh Gott, muss ich jetzt alle drei Stunden zum Spind oder so. Aber das lässt du dann, weil es geht schon. Insofern würde ich da schon ganz ehrlich sagen, ein Stück weit machen wir uns vielleicht auch was vor mit der dauernden Verfügbarkeit. Und ansonsten würde ich es wirklich ganz genauso sehen, wie der Mann, den du getroffen hast. So habe ich es nämlich dann auch damals gelöst im Urlaub, wenn etwas wirklich Dringendes ist, ruft mich an, dann habe ich überhaupt nicht das Gefühl, ich muss ständig in die Mails gucken oder in irgendwelche WhatsApp Kanäle, sondern ich weiß, wenn irgendwas ist, was wirklich ganz, ganz wichtig ist, dann werde ich informiert. Das war für mich auf jeden Fall eine gute Möglichkeit. Da geht es jetzt aber wirklich nur um den Beruf. Kannst du damit was anfangen?
Stephan Seiler 13:23
Damit kann ich sehr, sehr viel anfangen. In der Theorie mit meinem Hinterkopf läuft gleichzeitig wieder das Programm ab. Einzelfall hier, Einzelfall da. Wie hätte ich da reagiert? Was hätte ich da gemacht? Das ist vielleicht aber wirklich das sehr persönliche Leid eines freien Journalisten. Der Medienbetrieb ist wie andere Arbeitsumfelder vielleicht noch, wie Marketing oder auch in manchen Werbeagenturen ja oftmals wahnsinnig hektisch bis hysterisch aufgeladen, aktualitätsgetrieben. Und in der Rückschau fragt man sich ja, warum? Warum haben wir uns eigentlich so getroffen? Warum? Das passiert ja auch ganz oft. Die Emotionalitäten, das gibt es in vielen anderen Shops wahrscheinlich sehr viel weniger, aber vielleicht kann der eine oder die andere dann trotzdem daran anknüpfen. Wir haben ja auch die Situation mit den Telefonen, die wir eben schon angedeutet haben, die wahrscheinlich ganz, ganz viele Menschen betrifft, die fremdbestimmte Freizeit und der Sofortismus. Ich habe 2024 im Zeitmagazin ein Essay veröffentlicht mit dem Titel Chat mich nicht so an. Darin beschreibe ich, wie jede Nachricht, die man so erhält, Druck erzeugt und wie wir uns gegenseitig manchmal auch vorschreiben, wie schnell, wie ausführlich und auf welchem Kanal wir zu reagieren haben. Nach dem Ich akzeptiere keine Sprachnachrichten oder ich akzeptiere nur SMS oder ich akzeptiere nur Trema oder signal, aber nicht WhatsApp und andere akzeptieren nur WhatsApp. Und das sich immer alles so zu merken und zu bedienen, verlangt einem ja auch schon einiges ab. Meine Erkenntnis war Das Problem ist oft gar nicht so die Menge der Kommunikation, sondern das extrem kurze Reiz Reaktions Verhältnis. Medienforscher nennen das Sofortismus.
Brigitte Huber 15:07
Heißt tatsächlich so.
Stephan Seiler 15:08
Ja, Sofortismus. Ja, tatsächlich und Name eigentlich sehr schön einprägsam. Aber das illustriert, glaube ich, sehr gut auch die heutige Zeit und auch die Erwartungshaltung von vielen Menschen. Ich merke bei mir selbst, ich antworte oft nicht aus Lust, sondern aus Angst vor Konflikten. Warum, Brigitte, fühlen wir uns schuldig, wenn wir nicht sofort reagieren? Und wie können wir da raus?
Brigitte Huber 15:35
Ganz im Ernst, ich fühle mich nicht schuldig, wenn ich nicht sofort reagiere. Also das tue ich nicht. Und ich glaube, im Großen und Ganzen kennt mich mein Umfeld auch so gut, dass ich fast nie vergesse, auf jemanden zu reagieren. Aber dass es manchmal ein bisschen dauert. Ich bin da nicht Weltmeisterin, gar nicht. Ich weiß, es gibt so Situationen, als ich zum Beispiel rausgegangen bin da bei der Brigitte, da habe ich, ich glaube, eher Tausende als Hunderte von Reaktionen gekriegt. Und dann habe ich mir Wann darf man denn jetzt noch als allerspätestens reagieren? Ist das nach einer Woche oder nach zwei Wochen? Und das fand ich total irre, weil mich mein Umfeld, Kolleginnen und so viel mehr beruhigt hat, als ich mich selber. Ich fand, du kriegst Wertschätzung und antwortest dann nicht. Also insofern, das war für mich schon richtig herausfordernd. Ich finde es auch bei Geburtstagen oder so oh, ich beneide. Also, aber da gucke ich mir von anderen Leuten was ab. Andere Leute machen dann einfach nur so ein Dankeschön auf eine Geburtstagsmail. Ich muss dann immer noch aufpassen, dass ich nicht so einen persönlichen Ansatz habe. Aber ich finde, das kann man sehr gut, sehr gut von anderen Leuten lernen. Weil in Wahrheit speicherst du das ab, wer dir wie geantwortet hat, auf welche Mail, also ich ehrlicherweise nicht so, oder auf welche SMS und finde das oft auch entlastend. Man kriegt ein Herzchen oder man kriegt ein Dankeschön und in Wahrheit, ja, Botschaft ist angekommen, alles gut.
Stephan Seiler 16:59
Ja, wobei ich muss schon sagen, da meldet sich auch gerade wieder mein Ego, glaube ich. Es gab schon Situationen, da war ich dann, wenn irgendwelche Leute, die mir besonders wichtig waren, wenn die einfach nur Danke Punkt geantwortet haben, dann habe ich schon OK. Und da scheint jemand gerade sehr wenig Zeit oder sehr wenig Aufmerksamkeit für mich zu haben und ich habe da jetzt kein Trauma davongetragen, aber ich glaube, gefreut hat es mich nicht und ich glaube auch, vielleicht mache ich es deshalb genauso wie du oder ähnlich wie du, dass ich dann gerne noch eine persönliche Note reinpacke oder darauf eingehe, was in der Gratulation drin stand oder du hast ja recht, das ist eigentlich auch nur am Ende Zeitverschwendung, am Ende hat ja vielleicht auch niemand was davon, aber ich fühle mich ein Stück weit besser.
Brigitte Huber 17:40
Ja, also natürlich umso besser ist, wenn man weiß, man sieht sich ohnehin bald und dann reicht ja wirklich ein Emoji oder was auch immer und es muss nicht so ausführlich sein. Aber wie gesagt, ich glaube, jeder muss da seinen eigenen Umgang damit finden, aber ich lasse mich da, ich versuche mich da nicht mehr irgendwie so ins Bockshorn jagen zu lassen. Ich habe einen sehr guten Berater an meiner Seite, mein Lebensgefährten, der sagt, ich hetze niemanden und ich lasse mich nicht hetzen. Und am Anfang ist das manchmal, wenn ich dann sage, hast du dies oder jenes schon gemacht und so, dann kann ich hundertprozentig sicher sein, dann kommt dieser Spruch. Und wenn man so jemanden immer wieder erlebt, der dann auch sagt, oh ja, stimmt, dem wollte ich ja noch antworten und man merkt, die Leute mögen den ganz genauso wie jetzt beispielsweise mich, die immer versucht dann doch in 24 7 oder sowas zu antworten, dann ist das schon auch ein gutes Beispiel. Oder auch, wie gesagt, mein Sohn oder seine Freundin, die dann einfach, ja, wo man sieht, okay, die gucken jetzt 5, 6 Stunden nicht mehr da drauf, was ich geschrieben habe. Kann ja vollkommen sein, dass sie es bei anderen Leuten machen, aber es ist nicht negativ und es entlastet auch ein Stück weit, weil man beim nächsten Mal auch ein bisschen längeren Atem haben kann. Und ich habe es auch manchmal unter Freundinnen, das hast du bestimmt auch. Es gibt Freundinnen, da weiß ich, das kann jetzt zwei, drei Tage dauern, bis sie mir antworten, aber sie werden mir antworten. Es ist überhaupt nicht irgendwie ein Alarmsignal oder so.
Stephan Seiler 19:08
Schreibst du denn dann, wenn du dann verspätet antwortest? Sorry für die späte Rückmeldung bei E Mails, auch bei geschäftlichen oder privaten Dingen?
Brigitte Huber 19:16
Ne, also wenn ich das Gefühl habe, es ist sehr lange, es ist sehr lange her, dann schreibe ich. Ich schreibe dann in der Regel nicht, sorry, aber momentan ganz schön intensiv. Das ist mein Signalwort, das auch fast immer stimmt.
Stephan Seiler 19:29
Das habe ich auch schon ein paar Mal gelesen.
Brigitte Huber 19:30
Ja, hast du bestimmt. Es ist so empfinde ich es dann auch. Und ja, insofern ist es ein bisschen intensiv und dann kommt die Antwort vielleicht etwas verspätet, aber es ist wirklich ganz selten, dass ich was vergesse. Und dann tut es mir auch wirklich ehrlich leid. Aber ich glaube, das ist tatsächlich so ein Learning für mich auch. Das bringt nichts, auch dann zu sagen, ja, ich muss jetzt auch noch unbedingt diesen drei Leuten antworten oder noch mal auf LinkedIn und da noch mal, weil diese Social Media Geschichten kommen ja dann auch noch oft dazu und zu ja komm, weniger ist mehr. Und man versteht das ja auch total, wenn Leute dann irgendwann mal sagen, ich nehme mich da jetzt mal für ein paar Wochen oder Monate ganz raus, jetzt zum Beispiel aus diesem Hamsterrad, wenn wir über Hamsterrad, Social Media oder so reden, wo ja auch immer dieses, oh Gott, man sollte möglichst schnell antworten und so weiter und so fort oder kommentieren. Also ist jetzt auch tatsächlich eher in unserer Blase ein Thema. Aber auch da, weniger ist mehr, würde.
Stephan Seiler 20:29
Ich sagen, ich bin bei meinen Recherchen, bei der Vorbereitung auf diese Folge, auf den deutschen Soziologen, Politikwissenschaftler ist glaube ich auch Hartmut Rosa gestoßen, der sagte, Beschleunigung ist keine Lösung für das Zeitproblem, sondern seine Ursache steckt auch was drin. Auch darüber habe ich dann ein bisschen nachgedacht. Also noch als Klugscheißer Zitat zwischendurch. Auch darüber kann man gerne nachdenken. Und Brigitte, wenn du erlaubst, würde ich dann jetzt langsam auch zu dieser, ich nenne sie jetzt mal Oma und Opa Frage kommen, die wir eben schon mal angerissen Wie ist das, wenn die eigene Familie, die Kinder, die Enkelkinder mehr Zeit mit Oma und Opa möchten? Und ganz kurzer Abstecher in die Elke Heidenreich hat in ihrem Buch Altern viele ältere Menschen ermutigt, im Alter nicht mehr alles mitzumachen, auch nicht alles, was Kinder oder Familie von ihnen erwarten. Einerseits finde ich das total entlastend, aber sehr irgendwie auch sperrig. Sie sagte oder schrieb sinngemäß, alte Menschen sollen nicht nur nach ihrer Nützlichkeit beurteilt werden, sondern nach ihrem Recht auf Würde, Eigenzeit, Selbstachtung. Ich stolpere darüber, wie gesagt, denn radikal gelesen klingt das für mich wie eine Erlaubnis zum Rückzug. Ich schulde niemandem mehr was, siehe Beispiel Omas und Opas, die ich persönlich kenne, die zu ihren Kindern Ne, ich muss mich nicht um die Enkel kümmern, ich bleibe jetzt lieber bei mir und zwar auch die nächste, ganze nächste Woche, egal wie schlimm es bei dir jetzt ist, nach dem Motto in meinem Alter muss ich nicht mehr jederzeit zur Verfügung stehen. Das klingt unfassbar hart, finde ich jetzt gar nicht.
Brigitte Huber 22:10
Nein, also ich habe mir da schon viele Gedanken drüber gemacht. Ich habe das ganz, ganz große Glück, dass meine Eltern mit gerade mal damals 37 und 42 37 meine Mutter oder 38 42 mein Vater, die ich in dem Alter zu Großeltern gemacht habe, mir irrsinnig geholfen haben, als ich meinen ersten Sohn bekommen hab. Mir war aber klar, dass das überhaupt keine Selbstverständlichkeit ist. Wenn du Kinder kriegst, dann bist du dafür verantwortlich, dass du die großziehst. Und ich habe die Diskussion auch manchmal mit Kolleginnen oder jüngeren Frauen gehabt, die das dann auch erwarten von den Eltern und dann sage ne, das ist keine Einbahnstraße. Du entscheidest dich für ein Kind und du ziehst das groß. Umgekehrt heißt das aber nicht, dass die Eltern da noch mal auch richtig einsteigen müssen. Und viele machen das sehr, sehr gerne. Ich habe zum Beispiel eine sehr gute Freundin, die ist mit 55 Großmutter geworden und die kümmert sich auch mindestens einen halben Tag in der Woche darum, ist aber selber noch berufstätig. Das heißt, sie hat sich erst mal auch da einen Freiraum geschaufelt an diesem einen Tag für Fortbildung und so und hat den jetzt auch wieder für ein Enkelkind in Teilen freigeräumt. Aber das ist nichts, was irgendjemand für selbstverständlich sehen würde. Ich glaube, das ist dann auch wichtig, dass man auch sagt, es ist vielleicht begrenzt. Und dann würde ich tatsächlich Es kann nicht sein, dass man davon ausgeht, dass ältere Menschen, wir reden jetzt von menschen dann Mitte 50, 60 oder sobald sie dann in Rente sind, das ist ja häufig dann der Trugschluss. Jetzt seid ihr ja in Rente, jetzt könnt ihr euch um die Enkelkinder kümmern. Also das finde ich, ist nicht die richtige Einstellung. Ich habe auch für das Buch mit Sonja Schiff gesprochen, Ruhestandscoach, mit der werden wir ja auch noch sprechen, Stephan und die sieht das auch ganz klar in ihren Coachings immer, dass es da teilweise Abgrenzungsprobleme gibt und dass die auch ganz klar geklärt werden müssen. Es kann nicht sein, dass man davon ausgeht, dass die ältere Generation jetzt, wo sie dann nicht mehr berufstätig ist, diese anderen Care Jobs übernimmt. Ich glaube, im Kleinen oder auch kann auch im mittleren Umfang kann es sein, dass es selbstverständlich die Leute sehr, sehr gerne machen. Sie möchten ja Verbindung haben, aber das, was du so angesprochen hast, man geht da so blind davon aus, das glaube ich, ist der falsche Weg.
Stephan Seiler 24:34
Darf ich dazu bewusst mal die Gegenposition einnehmen, einfach damit es spannender wird. Die Forschung zu den sogenannten Blue Zones hat ja gezeigt, wie wir auch schon mal hier besprochen haben und wie immer wieder zu hören ist, Menschen werden dort besonders alt, wo sie sozial eingebettet sind, also mit Familie, mit Nachbarn, mit mehreren Generationen, mit möglichst viel Verbindung und auch Verbundenheit mit in Beziehung sein mit anderen Menschen. Ich möchte diese Nähe nicht mit Dauerverfügbarkeit verwechseln, aber wir brauchen doch die anderen Menschen. Wenn wir quasi alleine sind zu Hause und sagen, ich führe jetzt, ich bin die Königin der König meiner Zeit, mache was ich will und dann am Ende aber jetzt mal ganz blöde gesagt, deshalb fünf Jahre früher sterbe, dann würde ich sagen, dann wäre es doch vielleicht die bessere Investition. Mal ganz zeitökonomisch gedacht, Ich verbringe jetzt Zeit mit meinen Enkeln und werde danach am Ende dann dafür belohnt, dass mein Leben länger geht. Brigitte Ich weiß es ein bisschen sehr, sehr einfach gedacht von mir.
Brigitte Huber 25:33
Genau, also es ist sehr schwarz heiß zusammengehämmert. Also zum einen nicht jeder Mensch bekommt Enkelkinder Ja, damit geht es ja schon mal los. Dann oft bei der Freundin, die ich jetzt gerade habe, die zwei Enkelkinder, also jetzt nicht eine andere, die zwei Enkelkinders im letzten Jahr bekommen hat, Die leben halt irgendwo in Deutschland in einer anderen Stadt als sie selber. Und das heißt, du kannst gar nicht so. Aber darauf will ich gar nicht raus. Was aber der wesentliche Gedanke ist von dir, Stephan, den ich auch aufgreifen möchte, ich spreche jetzt für die Generation auch 60 plus. Wir möchten gebraucht werden und wir werden gebraucht. Das ist ganz klar. Das würde ich jetzt aber nicht so eins zu eins auf allein schon deine beschönigende Omi und Opi oder verniedlichende. Also ich möchte nicht auf einmal durch ein Kind, das auf die Welt kommt, von dem, wie ich jetzt bin, zu einer Omi werden. Ich werde dann vielleicht gern Oma. Aber das finde ich schon. Muss man so ein bisschen aufpassen mit der Formulierung vom Wording her meinst du?
Stephan Seiler 26:36
Ja klar. Ja, habe ich jetzt bewusst so überspitzt.
Brigitte Huber 26:40
Ja, genau. Aber so wird es ja manchmal auch gesehen von der Gesellschaft. Und deswegen würde ich Ja, wir wollen gebraucht werden und wir werden gebraucht. Das ist auch tatsächlich etwas, was sich durchzieht. Das ist total wichtig, ist für unsere Gesellschaft total wichtig, dass sich Menschen im, ich sage jetzt mal 60 plus richtig noch mal engagieren oder irgendetwas tun. Und das muss aber nicht unbedingt die eigene Familie sein, sondern das kann ja auch jenseits dessen sein. Und da auch noch mal ein Punkt. Ich glaube, Blue Zone gesehen ist es dann egal, ob ich mich um Enkelkinder, um die Kinder der Nachbarn oder um irgendein ganz anderes Projekt oder noch einen Job, der mir vorschwebt, kümmere. Hauptsache ich fühle mich noch und ich werde tatsächlich noch gebraucht. Und dann ist es dann wahrscheinlich auch wieder spannend, weil wenn man dann eben ein neues Projekt hat, das einen dann auch irgendwie elektrisiert, dann findet man es vielleicht überhaupt nicht schlimm, wenn um zweimal das Handy einen Piep macht, weil man sich vielleicht gerade mit jemandem verabredet, wie man da weiter vorgeht und so weiter und so fort. Also diese Handyverfügbarkeit hat ja nicht nur ihr schlechtes.
Stephan Seiler 27:52
Genau, kann ja auch positiven Stress in Anführungszeichen auslösen. Das haben wir ja auch schon mal besprochen, dass es durchaus sinnvoll ist, weniger von dem Schlechten Stress zu haben, aber es gibt ja auch positive Störungen und Irritationen, um es mal so zu zu nennen, die mir dann vielleicht sogar ein Lächeln ins Gesicht zaubern, selbst wenn die E Mail oder die Nachricht Arbeitskontext hat oder wenn es darum geht, ob man am nächsten Tag noch mal auf die Enkel aufpassen kann. Vielleicht hat man ja genau in der Situation das Gefühl, ja, ist genau das Richtige. Ich freue mich drüber.
Brigitte Huber 28:25
Ja, und ich glaube, um bisschen auf die Metaebene noch mal zu kommen mit diesem Thema Verfügbarkeit oder nicht verfügbar, es ist, glaube ich, schon wichtig, wenn es in einem grummelt, und das merkt man ja immer wieder, einfach zu überlegen, warum grummelt es denn? Bei welchen Nachrichten habe ich das Gefühl, ich bin unter Druck? In welchen Situationen? Es geht ja nicht nur um Nachrichten, weil wir haben herausgefunden, auch Seneca hat diese Themen schon in seiner Generation irgendwie identifiziert. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass wir ab und zu unsere Zeit in Dinge investieren, die wir im Nachhinein vielleicht gar nicht so sinnvoll finden, gab es schon immer. Das heißt, es können ja auch Kontakte sein, die nicht so sinnvoll sind oder andere Verpflichtungen, die ich mich habe reinreden lassen und so weiter. Und wenn es da grummelt, finde ich schon immer ganz, ganz wichtig, diesem Grummeln nachzugehen. Erst mal vielleicht allein oder auch mit Freundinnen oder anderen Leuten darüber zu sprechen und zu überlegen, wie viel Distanz möchte ich denn zu dem jeweiligen Projekt oder zu dem jeweiligen Kontakt oder was auch immer Und wie stelle ich das an, dass ich das in Zukunft besser hinkriege und nicht nur damit im Dauerhader. Weißt du, was ich meine?
Stephan Seiler 29:36
Also meinst du mit der Person in Austausch zu treten darüber, wie die richtige Kommunikationsform ist?
Brigitte Huber 29:41
Achso, nein, nein. Ich dachte zum Beispiel, wenn ich das Gefühl habe, das läuft bei mir momentan nicht so rund, ich fühle mich manchmal unter Druck gesetzt, ich fühle mich fremdbestimmt oder sowas, dann würde ich mir das mal genauer anschauen. Wo fühle ich mich fremdbestimmt? Was belastet mich da? Und das würde ich vielleicht dann auch mit einer anderen Vertrauensperson besprechen. Nicht jetzt unbedingt gleich mit der, Das kann aber auch der Punkt sein. Und dann zu An welcher Stelle muss ich die Grenze vielleicht neu ziehen? An welcher Stelle muss ich die Grenze deutlicher ziehen? Wo muss ich mal Nein sagen und auf welcher Seite bedeutet das dann ein Ja für mich? Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen poetisch, aber in Wahrheit geht es da letztlich darum zu sagen, wie will ich leben? Wie fühlt sich das an und was muss ich dafür tun, dass ich da näher rankomme.
Stephan Seiler 30:30
Ich finde Poesie oft wunderbar, von daher total akzeptiert. Vielleicht geht es auch gar nicht um die totale Trennung oder totale Verfügbarkeit, wie du auch schon angedeutet hast, sondern genau darum, bewusster zu entscheiden, wem wir wann Zeit schenken und warum. Du hast gerade vom Grenzen ziehen gesprochen, kann zum Beispiel, Wo ziehst du heute Grenzen, die du früher nicht gezogen hättest?
Brigitte Huber 30:52
Ich glaube, ich habe ja schon einiges gesagt, dass tatsächlich früher für mich diese Verfügbarkeit rund um die Uhr wirklich krass war. Ich habe mir dann immer vorgenommen, dass ich wenigstens einen Tag in der Woche möglichst nicht arbeite oder so. Und das ist mir fast nie gelungen. Ich habe halt dann so viele Sachen ausgelagert am Wochenende und dann hast du eben Familie, möchtest denen auch gerecht werden, merkst dann, das war für mich ganz krass, als mein jüngerer Sohn dann in der Pubertät war, Dann haben wir uns verabredet, Keine Ahnung, um 11 Uhr, dass wir dies oder jenes machen und dann pennt der bis 12 oder so und dann kommst du schon mit deinem Zeitplan hinterher. Und dann hat mir irgendeine Psychologin mal am Rand so Naja, ganz ehrlich, ich wünsche ihrem Sohn, dass er nicht so ein Korsett im Kopf hat wie sie selber. Und das war für mich dann so ein Punkt, wo ich gedacht habe, okay, ab jetzt ist es für mich innerlich ab 11 und wenn es halt 3 Uhr nachmittags wird, wird es 3 Uhr nachmittags, weil ich dann schon gemerkt habe, wie das auch meine Umwelt mit belastet, wenn ich sage, okay, aber um zwei wollte ich jetzt dann noch mal zum Sport, weil man muss ja auch den Körper erhalten. Und um vier hat man dann vielleicht noch mal überlegt, was schreibe ich als Editorial oder sonst irgendwas. Das ist jetzt schon spezifisch meine Situation gewesen. Und ich habe mich da so allmählich rausgefrickelt. Und jetzt, wo ich definitiv mehr Zeit habe oder haben sollte, aber dann auch wieder merke, man lässt sich dann doch wieder auf Sachen ein, wo man okay, vielleicht früher Stopp oder eine Grenze setzen. Da versuche ich tatsächlich genau hinzugucken, wie selbstbestimmt oder wie fremdbestimmt bin ich gerade. Und wie gehst du vor?
Stephan Seiler 32:32
Ich gehe auch immer öfter so vor, dass ich kommuniziere, passt heute einfach nicht. Das geht einfach nicht. Ich frage mich dann aber auch immer wieder, wie soll ich das formulieren? Wenn ich nämlich sage, es passt nicht, kann das akzeptiert werden? Aber wenn ich ganz ehrlich wäre, kann ich auch manchmal Ich habe keine Lust. Ich habe einfach keine Lust oder keine Energie mehr. Sei mir nicht böse. Es gibt Menschen, die akzeptieren das auch, aber manchen Menschen tue ich mich da schwer mit der Formulierung. Wie formulierst du es? Wie offen sagst du, wenn du denkst, ich habe keine Lust, Klammer auf keine Zeit, aber eigentlich ist auch keine Lust.
Brigitte Huber 33:07
Also in Wahrheit nutze ich oft dieses Wort, was ich vorher schon benutzt habe, dieses intensiv. Und häufig ist es ja auch das, dass gerade irgendein Tag sehr intensiv war, führt dann dazu, dass man keine Kapazität oder keine Lust mehr hat auf ein weiteres Treffen. Und ich glaube, dann wird es in der Regel ganz gut verstanden, dass da einfach irgendwie der Akku alle ist und ich habe jetzt nicht das Gefühl, dass ich da jetzt irgendjemanden verletze auf die Art und Weise, weil ich finde, man merkt es ja umgekehrt. Jetzt im Winter hat man es ja häufig gemerkt und immer noch, dass Menschen dann absagen, weil sie krank sind ganz oft. Und dann tut einem das auch leid. Und ganz oft ist es so, dass man puh, aber eigentlich kann ich auch die Stunde ganz gut gebrauchen. Kennst du das?
Stephan Seiler 33:54
Ja, total. Das Gefühl kenne ich total. Und diese innere Verhandlung, die dann stattfindet, verschiedene Stimmen werden laut im Kopf und die eine ruft, mach's, die andere nein, bitte nicht und alles Mögliche und merkt diese Vielstimmigkeit, die bereitet einem ja den inneren Konflikt dann oder Stephan.
Brigitte Huber 34:12
Und deswegen, wenn wir das so erleben und ich kenne ganz viele, die das auch so erleben, die sagen, oh, ein Termin ist rausgefallen, ich hätte ihn gern getroffen, aber super, ein andermal. Wenn wir das mit Erleichterung konnotieren, dann können wir davon ausgehen, dass unser Gegenüber es auch manchmal erleichternd wahrnimmt, wenn wir keine Zeit haben und nicht jetzt den ganzen Tag oh, Stephan will mich nicht treffen oder hat keine Zeit, sondern auch ja, wer ist eh eng geworden und so weiter und so fort. Also insofern glaube ich, darf man sich das schon trauen. Und ich weiß, das war für mich eine total interessante Erfahrung. Eine Freundin von mir hat relativ kurzfristig bei einem Konzert, auf das wir zu zweit in Hamburg gehen wollten, zum kleineren Konzert gesagt, zwei Tage vorher, sie fährt jetzt da doch nicht mit, weil bei dem schönen Wetter fährt sie lieber an die Ostsee mit jemand anderem. Zuerst habe ich mir gedacht, what? Wir waren doch verabredet. Aber dann bin ich da allein hingegangen, weil ich so schnell keinen gefunden habe. Es war auch eine gute Erfahrung und im Nachhinein fällt es mir sehr viel leichter, wenn es mir mal eng wird, dann zu ihr zu Heute wird es mir mal eng. Es hat unsere Verbindung zueinander kein bisschen verschlechtert. Es hat sie eigentlich ein bisschen entspannter gemacht.
Stephan Seiler 35:21
Ja, gut, dass du das sagst. Ich denke gerade an einen Termin, den ich heute Abend habe. Heute Abend habe ich eigentlich eine Theaterplan gehabt mit einem sehr wichtigen Menschen in meinem Leben und es kam dann aber noch was Berufliches dazwischen, was auch sehr, sehr wichtig ist gerade. Und dieser wichtige Mensch in meinem Leben geh dahin, ich gehe allein ins Theater mit jemand anderem. Und das haben wir jetzt so verabredet und das volles Verständnis da. Dennoch denke ich seit Stunden und wahrscheinlich nächsten Stunden drüber nach, ob ich nicht doch den beruflichen Termin sausen lasse und mit den Menschen ins Theater gehe, bis es damit umgehst.
Brigitte Huber 35:57
Du weißt ja, wie du damit jetzt umgehst. Du würfelst, lässt den Würfel bestimmen oder nein, nicht Würfel, es ist die Münze, Du machst Kopf oder Zahl. Und wenn du dann merkst, dass du mit dem Votum der Münze nicht innerlich einverstanden bist, machst du es anders.
Stephan Seiler 36:17
Eigentlich eine gute Idee, werde ich gleich im Anschluss machen.
Brigitte Huber 36:20
Ja, weil das finde ich immer ganz gut. Also ich habe das schon ein paar Mal ausprobiert und da stimmt dann einiges. Wenn dann du und die Münze einer Meinung seid und es gibt so ein wohliges Gefühl, ist alles gut. Und wenn sich innerlich was aufbäumt, heißt es ah, vielleicht tendierst du innerlich doch ein bisschen stärker zu der anderen Richtung.
Stephan Seiler 36:41
Mir haben in letzter Zeit auch manchmal Fragen geholfen. Ich frage mich manchmal, wenn so eine Situation ist und Leute eine Zeitforderung quasi an mich richten, ist diese Zeitforderung wirklich notwendig oder einfach nur bequem für die andere Person sage ich ja aus Lust oder aus Schuldgefühl. Und würde ich diese Zeit auch geben, wenn ich wüsste, dass sie wirklich begrenzt ist bzw. Wenn ich mich in einen Zustand in der Zukunft versetze und dann zurückblicke? Wofür würde ich dann gerne die Zeit verwendet haben? Verstehst du, wie ich meine? Ja, und das jetzt am Ende dieses Themenblocks kann man dann vielleicht auch so abbinden. Blick aufs Älterwerden, auf unser großes Thema. Vielleicht ist das Besondere am Älterwerden auch, dass wir anders mit der Zeit umgehen, dass wir nicht weniger Zeit haben, sondern einfach genauer wissen, wofür wir sie dann ausgeben wollen und hergeben wollen und nicht immer reflexhaft nein sagen, aber auch nicht automatisch.
Brigitte Huber 37:44
Ja, absolut. Was meinst du die Zeit, Also das war immer auch der Untertitel der Zeitschrift Brigitte Wir, die sich an Menschen ab 60 gewandt hat. Damals war ich noch sehr, sehr viel jünger als diese Zielgruppe, aber ich fand den Satz schon immer total gut. Wir haben ja Zeit, aber die Zeit ist kostbarer geworden. Und dieses Wissen und ich denke mir das tatsächlich. Und das ist tatsächlich manchmal so, dass ich mir denke, wenn ich jetzt wüsste, ich habe nur mehr fünf Jahre, würde ich das dann jetzt so machen? Und das ist noch mal ein Stück härter, diese Frage, als dieses Ich gehe fünf Jahre nach vorne und guck zurück, sondern ich spiegel mir die eigene Endlichkeit noch mal deutlicher. Das macht nicht unbedingt gut drauf, aber schärft den Blick.
Stephan Seiler 38:29
Hast du diesen Themenblock Zeit, noch etwas hinzuzufügen oder wollen wir uns um die kleinen Fragen, großen Fragen kümmern?
Brigitte Huber 38:35
Genau, lass uns doch um die kleinen und großen Fragen kümmern. Kann ja sein, dass wir da wieder mit irgendeinem dieser Themen zu tun haben werden womöglich. Kleine Fragen, große Fragen.
Stephan Seiler 38:45
Liebe Brigitte, Frage Nummer eins. Angenommen, du könntest eine Zeitreise unternehmen, um ein großes Ereignis der Menschheitsgeschichte zu erleben. In welches Jahr würdest du reisen? Welches Ereignis hättest du gerne miterlebt Oder möchtest du in der Zukunft auch miterleben? Also es geht auch die Zukunft, Zukunft für die Vergangenheit.
Brigitte Huber 39:06
Also ich bin ja auch nicht so jemand, der so viel so Zeitreisefilme guckt. Machen ja auch viele Menschen sehr gerne. Aber ganz im Ernst, ich würde jetzt mal sagen, mich als Frau gibt es in der Vergangenheit nicht so viel supergeile Ereignisse. Also ich mein, weder möchte ich jetzt bei der letzten Hexenverbrennung vorbei sein, nur um zu wissen, das war es jetzt, das passiert nie wieder. Jeanne d' Arc ist, wie wir wissen, auch gar nicht gut ausgegangen. Dann so große, ich sage jetzt mal große Meilensteine der Emanzipation wie Frauenwahlrecht würde ich jetzt eher mal was für ein Glück, dass diese tollen, tapferen, mutigen, unbequemen Frauen das vor mehr als 100 Jahren erkämpft haben. Aber in Wahrheit würde ich dann lieber in die Zukunft galoppieren, weil mir wird das seit Jahrzehnten in meiner beruflichen Laufbahn klar, dass wir immer noch in diesem Immer noch hängen wir Frauen, immer noch verdienen wir weniger als die Männer, immer noch sind viel weniger weibliche Führungskräfte, immer noch werden alle medizinischen Versuche lieber an Männern gemacht. Das ändert sich auch nur ganz wenig. Immer noch werden auch Equipment und die Temperatur in Büroräumen Männern angepasst. Immer noch wird bei Frauen irgendwie Durchsetzungskraft als anstrengend, bei Männern als wunderbares Skill angesehen. Und du kannst dir vorstellen, dass ich diese Liste immer noch extrem weiterführen könnte. Und ich möchte gern in eine Zeit nach vorne reisen, wo ich sage, so dieses Immer noch ist jetzt von der Tageskarte verschwunden im Sinne ab heute verdienen Männer und Frauen gleich viel. Ich rede jetzt von bereinigtem Gender Pay Gap. Das heißt, es geht nicht darum, ob wir Frauen uns andere Berufe wählen, für die wir schlechter bezahlt werden, sondern tatsächlich für die wahre Gerechtigkeit, dass wir für die gleiche Arbeit heute immer noch in gewissen Prozentzahlen, und es sind immer noch, denke ich, sechs Prozent schlechter entlohnt werden. Diesen Moment, den würde ich schon ganz gerne in der Zukunft erleben. Also ich möchte die Reise nach vorne. Kannst du mir das Ticket besorgen?
Stephan Seiler 41:20
Ja, ja, ich ruf kurz im Reisebüro an. Welches Jahr hast du da im Sinn auf welches Jahr?
Brigitte Huber 41:26
Ich hätte natürlich gern. Ich bin sehr froh, dass ich, ich sage jetzt mal mit Anfang 20, als ich in diesem immer noch Kosmos angefangen habe zu denken, Kommentare von anderen Frauen gelesen habe oder selber etwas dazu geschrieben habe, niemals geahnt habe, dass das so lange dauern würde. Ich habe damals mit Anfang 20 gedauert, naja, mit dreiig oder so sind wir da durch. Jetzt bin ich anfang 60 und inzwischen muss ich schon hoffen, dass ich es noch erlebe. Also insofern nagel mich nicht auf ein Jahr fest, dann sage ich nächstes Jahr und dann werde ich bitter enttäuscht.
Stephan Seiler 41:57
Okay, aber Du möchtest auf jeden Fall in die Zukunft reisen, halte ich mal so fest.
Brigitte Huber 42:02
Und du?
Stephan Seiler 42:03
Ich würde vermutlich auch in die Zukunft reisen aus reiner Neugier. Ich finde es wahnsinnig spannend zu wissen, wie die Welt, die Menschheit sich im Jahr 2100, 2500, vielleicht auch 3000 entwickelt hat, vielleicht auf dem Jahr 4000, wer weiß, was da los ist, ob es die Menschheit überhaupt noch gibt. Aber ich muss auch sagen, es gibt noch zwei, drei historische Events, die mich auch reizen. Und zwar, dass es zum einen, das.
Brigitte Huber 42:30
Finde ich so lustig immer, Stephan, bei dir so köstlich, ich habe immer gleich, du fragst mich nach einem Event und du hast schon wieder zwei, drei im Kopf, aber feel free.
Stephan Seiler 42:39
Ich möchte mit dir gemeinsam die Auswahl treffen und dann kannst du dir eins aussuchen, wo ich hinreisen soll. Okay, das war die eine Option. Option 2 ist Jesus, Passion und Kreuzigung. Und ich möchte einfach mal wissen, ob das wirklich alles so stattgefunden hat. Vielleicht war es ja genauso, vielleicht war es auch ganz anders. Dann habe ich da einfach mal Gewissheit, weil da gibt es ja auch den einen oder anderen Krieg. Deshalb in den vergangenen Jahrhunderten kann man auch mit anderen Religionen einmal so durchspielen. Aber diese Geschichte ist mir einfach am vertrautesten. Und Möglichkeit 3, ganz weit zurück, die Erfindung des Feuers vor vielen, vielen, vielen tausend Jahren. Ich glaube, da ging es doch richtig ab. Stell dir mal vor, damals in der Steinzeit, bei der Erfindung des Feuers, was die Menschen da gemacht haben, als sie gemerkt haben, wir können jetzt Feuer machen einfach so. Die müssen doch ausgerastet sein vor Freude. Ich weiß nicht, wie sie sich da ausgedrückt haben, aber das würde mich auch reizen. Wo soll ich hin, Brigitte? Wo wirst du mich hinschicken?
Brigitte Huber 43:32
Also du wirktest mir gerade am lebendigsten bei der Feuermacherei. Also dann würde ich dich zum Feuermachen schicken.
Stephan Seiler 43:39
Das war auch das erste, was ich mir aufgeschrieben hatte.
Brigitte Huber 43:41
Soll dir eine Erleuchtung zuteil werden. Und ich finde es auch spannend, wahrscheinlich sehr oft bei solchen Sachen ist er nicht an einer Stelle erfunden worden oder gefunden worden, sondern wahrscheinlich unabhängig voneinander innerhalb von wenigen Jahren oder so Monaten an verschiedenen Stellen, weil die haben sich ja auch nicht per WhatsApp verständigt, sondern hey Bros, wir haben jetzt gerade das Feuer erfunden und ihr macht es jetzt folgendermaßen. Also sowas interessiert mich auch immer. Wie kommt sowas dann zu?
Stephan Seiler 44:10
Ich habe Google gerade noch mal parallel gegoogelt und gesucht. Es ist nicht, war nicht vor ein paar tausend Jahren, sondern schon vor 1,7 bis 2 Millionen Jahren. Keine Ahnung, welche Tiere da noch lebten. Vielleicht war es auch keine so gute Idee, aber vielleicht kann ich auch gleichzeitig ein paar seltsame Tiere mir dann angucken, wenn ich da zurückfahre.
Brigitte Huber 44:27
Wahrscheinlich wärst du da, Also bist du da mit 45 da auch Methusalem, oder?
Stephan Seiler 44:32
Wahrscheinlich, oder? Ja, wahrscheinlich, wahrscheinlich.
Brigitte Huber 44:35
Also es kann auch sein, wenn du die Kindersterblichkeit und so überlebt hättest und noch die eine oder andere Geschichte. Aber ja, so arg alt wurden die Leute da nicht.
Stephan Seiler 44:45
Mir fällt gerade noch eine Zeitreisefrage ein, die ich dir dann in einer der künftigen Folgen mal stelle.
Brigitte Huber 44:50
Ich bin gespannt.
Stephan Seiler 44:51
Aber jetzt Erstmal die Frage 2. Was ist das Dümmste, das du als Jugendliche gemacht hast?
Brigitte Huber 44:58
Das Dümmste, was ich als Jugendliche. Oh Gott. Oh. Also ich würde jetzt erst mal sagen, das kommt auf den Betrachter oder die Betrachterin an. Ich kann mir vorstellen, dass manche Lehrerinnen oder Lehrer durchaus irgendwas dumm fanden, was ich im Nachhinein gar nicht dumm fand. Aber tatsächlich gibt es eine Sache in meinem Leben, die sogar mit dem Betäubungsmittelgesetz zu tun hat. Aber ich glaube, das ist jetzt alles lang verjährt. Insofern kann ich darüber sprechen. Ich hatte als Kind ja einerseits tatsächlich hatte ich Asthma und es gab aber in dem Ort, in dem ich gewohnt hab, auch Haschisch. Also Menschen haben Joints geraucht und ich weiß, dass ein Junge aus dem Umfeld irgendwann Hanfsamen hatte und gesagt hat, dass man damit das anbauen könnte. Und wir fanden das ganz spannend. Und mein Vater, der war Schreiner, der hatte so ein Holzlager und da war auch ein großes Beet und so weiter und so fort. Und dann habe ich zu meinen Eltern gesagt, dass ich gerne diesen besonderen Bronchialt anbauen würde, der besonders gut für Asthma sein sollte. Und meine Eltern haben mir auch gut vertraut und ich habe dann die Hanfsamen da anscheinend ausgelegt und habe gegessen und so weiter. Und die wuchsen auch so, wie man sie heute auch kennt. Heute weiß ja jeder, wie Cannabis aussieht. Und tatsächlich habe ich immer gesagt, ja, das ist jetzt auch von einem speziellen Freund, der auch Asthma hat. Und der hat mir quasi diesen Bronchialtee empfohlen. Und tatsächlich war es dann so, dass ein Onkel von mir zu Besuch kam, der war Gärtner, noch dazu von einer Gefängnisgärtnerei. Und der hat dann meinen Eltern wohl schon gesagt, dass er nicht glauben würde, dass das Bronchialtee ist. Und ich habe inzwischen schon gejätet und geerntet und das Zeug getrocknet. Und dann kam eines Tages mein Vater und hat Ich finde es auch echt total doof, dass ihr jetzt da immer dass dir unterstellt wird, dass du da was ganz anderes angebaut hast. Gib mir doch einfach mal deinen Hustentee und ich fahre damit zum Gesundheitsamt nach Traunstein und dann schauen die sich das an und dann bist du für immer wieder, hast eine weiße Weste. Du kannst dir vorstellen, was ich gemacht habe. Ich habe das Zeug so schnell bei uns in den Kanal, der vor meinem Haus da rumfliesst, reingeworfen und hab wie schade, Papa, das wollte ich dir gern geben, aber wir haben es ausprobiert. Es wirkt auch nicht so gut, als jetzt gibt es das nicht und du glaubst es nicht. Stephan, mein Vater ist ja relativ früh gestorben und irgendwann erzähle ich das meiner Mutter und es tät mir so leid, dass ich euch da eigentlich angelogen habe und so weiter. Und dann sagt Ja, es war doch sonnenklar, dass du uns angelogen hast. Glaubst du wirklich, dass dein Vater gedacht hätte nach der Vorgeschichte auch mit dem Gefängnisgärtner und so weiter, Er wollte dir eine Möglichkeit geben, gesichtswahnd aus der Nummer rauszukommen Und was für eine tolle Erziehung wirklich erst erfahren. Da war ich schon eher 40, weil es mein Vater gestorben ist, War so dreiig, also Anfang dreiig. Und es war nach dem Tod meines Vaters, weil es mir noch im Herzen so ein bisschen gebrannt hat und mir gedacht oh Gott, ich habe die da echt so bitter belogen. Und in Wahrheit hat meine Mutter Ey, nee, es war uns sonnenklar. Aber ja, wir haben das so hingewuppt und das war eine schlimme kleine Kindheitsdummheit, die ich niemals vergessen werde. Also Kindheit, es war ja Kindheit bis Jugend. Also ich würde sagen, ich war jetzt eher fünfzehn als zehn.
Stephan Seiler 48:42
Ach, was für eine geile Erziehungsmethode. Das muss ich mir aufschreiben. Wenn ich mal irgendjemanden erziehen sollte, dann würde ich genau so vorgehen. Sehr großartig, gesichtswahrend eine Lösung.
Brigitte Huber 48:53
Aber wie schlimm, dass ich es nicht gecheckt habe so lange auch, oder? Ja, und deine Dummheit.
Stephan Seiler 49:00
Meine Dummheit ist jetzt in der Rückschau würde ich sagen, dass ich Türklinken mit den Händen angefasst habe. Ich habe mir immer überlegt, ich habe früher alles Mögliche mit den Fingern angefasst, wie ganz viele Menschen. Und irgendwann mit Mitte 20 kannst du auch Neurose nennen, aber habe ich mir gedacht, das ist doch nicht so gesund, einfach mit den Händen alles anzufassen, vor allem die Türklinken. Und seitdem versuche ich dann immer so durch Türen zu gehen, dass andere schon die Tür geöffnet haben. Oder aber ich benutze irgendwas zwischen Hand und Türgriff. Ist das schon ein Fall für einen Therapeuten? Vielleicht noch mal ein Thema für eine extra Folge. Aber das in der Rückschau würde ich sagen, ich war so gleichzeitig, was solche Sachen anging.
Brigitte Huber 49:40
Stephan, du meinst, es war deine größte Dummheit als Kind, die Klinken mit den Händen anzufassen?
Stephan Seiler 49:47
Ja, also in der heutigen Rückschau, weil ich würde natürlich sagen, klar, Kiffen, trinken, rauchen war auch alles bei mir ein Thema in der Jugend, aber ich aber Klinken putzen. Aber gehört das nicht irgendwie zur Sozialisierung dazu, dass man auch solche Dinge mal, oh Gott, jetzt höre ich mich bitte keine Drogen nehmen, da draußen ist kein Aufruf. Aber ich glaube zu einer gewissen, ich glaube zum Erwachsenwerden gehört es ein Stück weit dazu, auch da sich auszuprobieren und dann auch gerne wieder davon abzulassen. Aber ich kann jetzt nicht sagen, dass das wirklich ein riesiger dummer Fehler war. Vielleicht noch der Bungee Jump auf so einem wackeligen Kran in Spanien in Lorette Mar, ein Tag, da werde ich wahrscheinlich heute nicht mehr draufgehen. Aber andererseits, als ich unten war, runtergesprungen bin aus 70 Metern Höhe und dann diese VHS Kassette in Händen hier, die meinen Sprung dokumentiert hatte, da dachte ich ein paar Tage lang, ich bin wie Jesus und kann übers Wasser laufen und habe mich unfassbar gefühlt. Von daher kann ich das jetzt auch nicht sagen, dass es das Dümmste war. Also so rational das Dümmste war, glaube ich, wirklich so die finde ich so diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen abseits von Alkohol.
Brigitte Huber 51:00
Na gut, dann kann man aber auch. Nein, ich denke mir wirklich, wie lustig, wenn das das Dümmste ist, was du in deiner Kindheit gemacht hast, war da nicht viel Dummes anscheinend oder du hast einen anderen Blick darauf, weil ich meine auch ehrlicherweise, der Umgang mit Keimen ist ja auch nicht so verkehrt, stärkt ja auch immer wieder das Immunsystem. Aber ich glaube, das klären wir mal bei Gelegenheit mit einer Expertin.
Stephan Seiler 51:24
Ganz Hygienefolge der großen eine Hygienefolge. Dritte Frage, Brigitte. Wie verbringst du am liebsten deinen Geburtstag? Dem möchte ich noch kurz anschließen. Ich mache mir gerade Gedanken darum. Ich hatte nämlich eigentlich geplant, dass ich meine Geburtstage bis zum 50. Jedes Jahr feiere, in anderer Art, Mal auf einer Kegelbahn, mal im Zirkuszelt, mal wandernd, mal mit dem großen Galadinner, also ganz andere Arten ausprobiere. Aber ich merke jetzt im dritten Jahr, wo ich das machen will, ach Gott, jetzt fühle ich schon wieder so einen Druck und auch ein bisschen Stress. Deshalb viele verreisen ja auch oder manche bleiben auch einfach allein zu Hause. Deshalb ganz wichtig die Frage an dich, weil ich bald das Safete Date verschicken muss, auch an dich. Wie verbringst du am liebsten deinen Geburtstag?
Brigitte Huber 52:12
Also da gibt es nicht die eine Art und Weise und ich fürchte, ich bin da auch gar kein so tolles Role Model für dich. Ich bin ja kein so großer Geburtstagsfan. Ich habe tatsächlich die runden Geburtstage auch eher immer versucht außerhalb des Landes zu verbringen mit einer großen Reise. Ich habe ja im Winter Geburtstag und das heißt irgendwie so entspannt irgendwie draußen im Hier und Jetzt ist eh nicht so. Das heißt, du musst entweder hier was richtiges Leute einladen und so und da bin ich nicht so die Fire Queen und über so einen Brunch am Samstag bringst du mich, glaube ich, gar nicht hinaus. Also mehr habe ich noch nie gemacht. Früher als so in Single Phasen habe ich das dann mal gemacht, dass ich mit 5, 6 Freundinnen dann abends noch irgendwie am Wochenende irgendwie nachgefeiert habe. Und jetzt ist es wirklich extrem niedrigschwellig. Ich habe jetzt zum Beispiel meinen letzten Geburtstag, das war, was ich vorher schon angesprochen habe, in so einem Wellness Spa verbracht, wo es kein Handy gab. Und das fand ich dann auch irgendwie ganz entspannend und ganz lustig, weil da musst du auch nicht auf Geburtstagsgrüße reagieren. Also kannst du gar nicht Und es hilft dir dann auch dabei, weil du gewöhnst dich daran und dann denkst du, okay, mache ich jetzt morgen oder die Tage. Also insofern, ich habe da nicht so hohe Ansprüche dran, aber muss der Tag.
Stephan Seiler 53:28
Bei dir geplant sein oder fühlt sich auch wohl, wenn er gar nicht geplant ist.
Brigitte Huber 53:34
Ich habe beispielsweise, als ich gearbeitet habe, habe ich ganz oft an meinem Geburtstag gearbeitet. Ich mochte das sogar total gern. Da kriegst du schon so einen kleinen Geburtstag, Frühstücks mit Blumenstrauß, Tisch und jeder kommt vorbei und ist noch netter zu dir als sonst. Also ich fand wirklich, das mochte ich ganz gern. Und dann bin ich halt abends essen gegangen mit ein paar Leuten. Also so war das. Und das mochte ich eigentlich gern. Also ich muss mich da, wie gesagt, es ist auch Januar, ist jetzt eher ein bisschen dunkel, ich habe auch mal freigenommen, aber dann sitzt du halt da und sagst, was macht man jetzt am Dienstag bei Schneekrisel in Hamburg? Ist jetzt auch nicht so spannend.
Stephan Seiler 54:12
Ich habe auch jahrelang gearbeitet an meinem Geburtstag und habe das dann irgendwann als innere Verdrängung abgetan. Nein, ich möchte ja irgendwie auch mir selbst was Gutes tun und mir einen freien Tag schenken. Aber was dann anfangen mit dem freien Tag? Ich fand es dann immer ganz fürchterlich, wenn ich nichts geplant hatte und quasi allein zu Hause saß, wer kommt, der kommt. Das hat mir richtige Unruhe bereitet. Und ich habe dann irgendwann hektisch vorher dann doch irgendwie noch Leute eingeladen, hier und da irgendwas Programmatisches. Da war so geht es mir eigentlich auch bis heute. Es muss was geplant sein. Reisen ist okay, feiern ist okay, aber ich möchte vorher quasi oder auch arbeiten wäre auch okay. Ich möchte vorher wissen, was da auf mich quasi zukommt. Und hab jetzt während ich rede auch noch einen Gedanken gehabt. Als ich damals auch wie du ja im Verlag gearbeitet habe, habe ich manchmal dann Leute eingeladen in eine Kneipe und habe gesagt, stellt euch was wir wir trinken alle und ihr könnt Alle kommen von 18 bis zwischen 18 und 2 Uhr nachts. So an einem Dienstagabend ist das doch okay. Und das war wirklich eine der entspanntesten Situationen, weil ich hatte ja nicht den ganzen Stress und Aufwand. Ich saß da, konnte was zu trinken bestellen. Es kamen immer wieder neue Leute dazu und manche gingen dann natürlich auch irgendwann wieder. Und so war dann zwischen 18 und 2 Uhr nachts immer was los. Und ich hatte auch mein Ego, hatte dann auch offenbar dann die Aufmerksamkeit, nach der es ja manchmal schreit, ohne es alles zu verkomplizieren. Weil wenn du zu Hause bist und dann kommen am Ende nur drei Leute, fühlt sich's komisch an. Aber wenn du in einer vollen Kneipe sitzt und es kommen jetzt erst mal nur drei Leute, dann ist es ja eigentlich wie ein normaler Kneipenabend.
Brigitte Huber 55:45
Ja, scheint eine gute Lösung zu sein. Absolut, absolut.
Stephan Seiler 55:49
Also wie gesagt, also danke dir, Brigitte. Damit sind wir bei den Premieren.
Brigitte Huber 55:56
Meine Premiere, deine Premiere.
Stephan Seiler 55:59
Wir nehmen uns ja immer Premieren vor, neue erste Male, Dinge, die wir so noch nicht gemacht haben, die wir jetzt aber ausprobieren wollen. Lass uns über die Premieren sprechen. Was hast du in den letzten Wochen Neues ausprobiert? Was möchtest du als nächstes angehen?
Brigitte Huber 56:17
Also wir hatten ja zuletzt über die Routinen gesprochen, über die Rituale und mein Vorhaben war mir ein neues Ritual ins Leben zu holen, das mich aber jetzt nicht jetzt irgendwie einschränkt und einfach nur, keine Ahnung, mich irgendwie reglementiert. Und da wir auch darüber gesprochen hatten, wie wichtig es ist, welche Impulse man dem Gehirn zum Schluss gibt, bevor man einschläft. Also dass das durchaus ja was ausmachen kann, ob man mit positiven oder negativen Gedanken einschläft. Dass es zum Beispiel auch, es war analog zu den Morningpages, von denen du erzählt hast, dass es vielleicht Sinn machen kann, belastende Gedanken oder so wegzuschreiben, habe ich mir überlegt, dass ich vor dem Einschlafen mir immer etwas überlegen möchte, auf das ich mich am nächsten Tag freue. Und das ist jetzt quasi so mein kleines Einschlafritual.
Stephan Seiler 57:12
Und wo schreibst du es auf?
Brigitte Huber 57:14
Das schreibe ich jetzt gar nicht auf. Da liege ich schon im Bett, habe die Augen schon geschlossen und versuch meine letzten Gedanken auf den morgigen Tag und zwar auf das, worauf ich mich freue, zu lenken. Ich bin sehr gespannt. Also ich mache es jetzt erst seit Tagen und das gelingt ganz gut. Ich finde auch an jedem Tag etwas, worauf ich mich freue. Und wir wissen ja auch, Vorfreude wird ja immer noch unterschätzt, aber ich weiß jetzt zum Beispiel nicht, wie das sein wird, wenn man einen sehr belastenden Tag vor sich hat, wie ich mich dann da rausmäntel oder sowas. Aber das ist jetzt so mein Ritual und momentan fahre ich ganz gut damit. Was war es bei dir?
Stephan Seiler 57:49
Ja, bei mir war es wie angekündigt, die Schimmelentfernung hat geklappt. Das klingt, wie man Schimmel aus einer Wohnung rausbekommt und auch den Unterschied zwischen Schimmel und Dreck dabei kennengelernt. Manches, was wie Schimmel aussieht, war dann doch eher Dreck. Nicht so sexy, das Thema. Wir verlieren wahrscheinlich ganz viele Hörerinnen und Hörer. Ich mach's kurz und hab da auch von einer Frau, die da mehr Erfahrung hatte, mich anweisen lassen, einweisen lassen, einweisen, anweisen lassen und das hat richtig gut drauf. Blick nach vorne. Was ist die nächste Premiere in unserem Leben?
Brigitte Huber 58:24
Brigitte Da tue ich mich natürlich jetzt wahnsinnig leicht, weil ich ja, wie du schon erwähnt hast, in einer guten Woche in Urlaub fahre zu einem Ziel, bei dem ich noch, ja, wo ich noch nie war. Und das ist ja tatsächlich bei Premieren so. Ich sage jetzt mal, mit die einfachsten und niedrigschwelligsten Premieren sind solche Ereignisse. Ist jetzt einfach deutlich einfacher als eine Sprache oder ein Instrument zu lernen. Zieht sich auch nicht so, sondern du fliegst oder fährst irgendwohin und da freue ich mich schon richtig drauf.
Stephan Seiler 58:56
Magst du mit uns und unseren Hörerinnen und Hörern teilen, wo du hingehst oder wo es hingeht?
Brigitte Huber 59:01
Genau, ich fliege zum ersten Mal in meinem Leben auf die Kapverdischen Inseln. Ich war da schon mal fast und es hat sich wieder zerschlagen. Ich habe es vergessen und irgendwie hatte ich da Lust. Also ich finde es auch ganz schön. Jetzt kann ich mir das ja auch zeitlich so ein bisschen eher leisten und so, dass man den Winter so ein bisschen verkürzt um zwei Wochen und ja, das werde ich machen und ich war da noch nie.
Stephan Seiler 59:26
Wo sind die noch mal?
Brigitte Huber 59:28
Ja, die sind so auf der Höhe des Äquators, sind auf der Höhe des Äquators, haben auch eine portugiesische Historie und sind jetzt aber ein unabhängiges Land, was sich spätestens dadurch gezeigt hat, dass sie bei der Fußball-WM als eigene Nation. Antreten. Genau, also ich freue mich da sehr drauf. Es scheint, ich gucke immer auf die Wetter App und kann es kaum fassen. Es hat da irgendwie so permanent 26 Grad und ich werde berichten, wie ich es fand.
Stephan Seiler 59:57
Und du prima, ich werde derweil auch eine Premiere erleben. Ich arbeite an einem journalistischen TV Studio Talk, mit der jetzt in ein paar Tagen auf SAT laufen wird. Paul Ronsheimer ist da wieder unterwegs, der geschätzte Kollege. Liebe Grüße an dieser Stelle, darauf freue ich mich. So eine Doku Studio Kombi, die ganz neu ist. Zuerst eine Dokumentation und danach gibt es dann einen Talk mit einem verantwortlichen Politiker oder Politikerin zu Themen wie Bürgergeld oder auch Rechtsruck oder Jugendkriminalität. Und da ist ja das Besondere bei so einem Studio Talk, im Gegensatz zum Podcasten, da kommt es wirklich auf die Zeit an. Studio Talk fürs Fernsehen, fürs klassische Fernsehen, fürs lineare Fernsehen, da muss man ja wirklich on point sein. Ist nicht so flexibel wie im Podcast, wo man mal ein paar Minuten länger oder kürzer reden kann, sondern muss es wirklich in der vorgegebenen Zeit beendet sein. Und das wird bei mir einige kleine Premieren bringen und darauf freue ich mich.
Brigitte Huber 60:57
Klingt spannend. Gibst du noch genau die Daten durch in den Shownotes?
Stephan Seiler 61:01
Genau, die Daten kann ich gerne in den Shownotes teilen. Wird immer dienstags laufen, ab Ende Februar bis Ende März, fünf Wochen lang. Nächstes Mal, liebe Brigitte, an dieser Stelle haben wir einen besonderen Gast. Hannah Monier wird da sein. Ich nenne sie immer die Gedächtnispäpstin. Du kennst sie ja auch aus deinen Buchrecherchen. Es soll um das Gehirn und das Gedächtnis gehen, Richtig?
Brigitte Huber 61:27
Ja, eine phänomenale Frau. Ich glaube, sie sitzt inzwischen 68 und steckt so voll so wahnsinnig viel Wissen und Energie. Also man muss immer gleichzeitig eine kleine Triggerwarnung aussprechen, weil sie ist auch der Typ, der sagt, also 60 plus ist auch noch mal eine super Zeit, um was Neues anzufangen. Bei ihr war es die Besteigung des Kilimandscharo im letzten Jahr oder im vorletzten Jahr. Aber sie erzählt uns wahnsinnig viel spannende Sachen. Da bin ich mir ganz, ganz sicher, wie wir unser Gedächtnis möglichst lang fit halten, ob wir es verändern können, welche Erinnerungen in unserem Gedächtnis bleiben und welche nicht. Also ich glaube, das wird richtig spannend, Stephan.
Stephan Seiler 62:09
Ja, das glaube ich auch. Vor allem möchte ich herausfinden, welche Erinnerungen lohnen sich zu behalten und wie werde ich die anderen Erinnerungen wieder los, die ich nicht behalten will. Freue mich sehr auf das Gespräch nächste Woche auf diesem Kanal.
Brigitte Huber 62:23
Ja, und warum ist Vergessen so wichtig? Auch das wird sie uns sagen. Vergessen ist wahnsinnig wichtig und ein Glück, dass unser Gedächtnis das kann. Aber bitte nicht vergessen, unseren nächsten Podcast einzuschalten.
Stephan Seiler 62:37
Überleitung ever. Genau. Schaltet nächste Woche wieder ein und freue mich drauf. Liebe Brigitte, danke für den Austausch. Danke euch da draußen fürs Zuhören. Wir werden in den nächsten Tagen ein paar Umfragen starten auf unserem Social Media Kanal, auf Instagram. Schaut mal rein und auch auf Spotify. Guckt mal rein. Das betrifft die Ausgestaltung der Folgen. Welche Art von Folgen mit Gast, ohne Gast gefallen euch besser? Wie soll unsere Erscheinung künftig ausschauen? Da haben wir ein paar Fragen vorbereitet. Guck gerne mal rein. Liebe Brigitte, wir sehen uns nächste Woche wieder und bis dahin alles Liebe.
Brigitte Huber 63:18
Bis dahin.
Stephan Seiler 63:23
Das war die Sache mit dem Älterwerden, der Podcast mit Brigitte Huber und Stephan Seiler.
Brigitte Huber 63:28
Vielen Dank an Leo Ebert-Glang für die Titelmelodie, das Sounddesign und den Schnitt.
Stephan Seiler 63:33
Und an Alina Sawalis für die Covergestaltung.
Brigitte Huber 63:36
Die Sache mit dem Älterwerden erscheint mittwochs auf allen gängigen Podcast Plattformen.
Stephan Seiler 63:41
Folgt uns, abonniert uns, dann verpasst ihr.
Brigitte Huber 63:44
Keine Folge und empfehlt uns bitte weiter. Das würde uns sehr freuen.
Stephan Seiler 63:50
Wenn ihr uns Feedback schicken möchtet, egal ob positiv oder negativ oder wenn ihr Themenvorschläge für uns habt, schreibt uns eine E Mail, eine Textnachricht oder Sprachnachricht auf unserem Instagram oder Facebook Kanal.
Brigitte Huber 64:03
Alle Infos findet ihr auch schriftlich zu dieser Folge in der Zusammenfassung in eurem Podcast Player.
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Folge
28
·
86 Min.
Mit
Sonja Schiff
Wie gelingt der Weg in den Ruhestand? Wo lauern Fallen, wo warten Chancen?
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