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54

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50 Min.

Knacken Brigitte und Stephan die Formel für ewig junges Denken? Was lässt sich von Dolly Partons Weisheiten übers Älterwerden lernen? Und: Falten wegspritzen oder ertragen?

„Ich habe keine Zeit, alt zu werden!“ – Mit diesem legendären Motto eröffnen Brigitte und Stephan eine humorvolle und berührende Folge über Country-Ikonin Dolly Parton. In dieser Folge nehmen sich Brigitte und Stephan die besten Sprüche von Dolly Parton übers Älterwerden vor.

Lebensgestaltung

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Davon gibt es einige! (Siehe unten.) Warum kostet es ein Vermögen, künstlich auszusehen, und wie kann man trotzdem durch und durch authentisch bleiben? Brigitte und Stephan sprechen darüber, ob Älterwerden reine Einstellungssache ist, was wohl alle von Dolly Partons Sicht aufs Älterwerden lernen können (und was nicht) und die beiden spielen das große Spiel: Will das ich mit 80 noch oder kann das weg? Von Arbeiten über Ausgehen und Flirten über Botox und Schönheits-OPs bis hin zu neuen Freundschaften und Sex im Alter. Eine feurige Dosis Lebenslust und Selbstakzeptanz.

Inklusive Ausblick auf das große Interview mit Hubertus Meyer-Burckhardt in Folge 55.

Kapitelmarken

  • 00:00 „Ich habe keine Zeit, alt zu werden“

  • 02:36 Passiert uns das Älterwerden, oder machen wir es selbst?

  • 04:18 Wer Dolly Parton war

  • 05:49 Vollkommen echt und vollkommen künstlich

  • 08:34 Kleidung, Frisur, Sprache: wie viel davon ist Inszenierung

  • 14:10 Derselbe Geburtstag, und was die Studienlage zu Sternzeichen sagt

  • 16:45 Vom Sternzeichen zur Haltung: wer sich erlaubt, alt zu werden

  • 19:08 Niemand muss jung bleiben

  • 21:28 Was wir vom Jungsein behalten wollen

  • 24:53 Wofür wir zu alt sind, und was das Gehirn ab 60 anders macht

  • 26:29 Das Spiel: Will ich das mit 80 noch?

  • 32:47 Gestrafft, abgesaugt, gezupft

  • 38:18 Botox, und ob wir unsere Falten lieben müssen

  • 42:15 Nächste Woche: Hubertus Meyer-Burckhardt

  • 45:06 Was mit dem Alter stärker wird, was schwächer

Transkript zur Folge

Stephan Seiler 0:01
I ain't got time to get old. Ich habe keine Zeit, alt zu werden.

Brigitte Huber 0:06
Du hast keine Zeit, alt zu werden.

Stephan Seiler 0:08
Ich habe keine Zeit. Und Dolly Parton hat sie auch nicht gehabt. Damit herzlich willkommen. Hallo Brigitte.

Brigitte Huber 0:13
Hallo Stephan. Ach, das war jetzt aber Dolly Parton und nicht du.

Stephan Seiler 0:17
Das war nicht ich, das war Dolly Parton. Und ich muss gestehen, ich bin in den vergangenen Wochen in ein Dolly-Parton-Rabbit-Hole gefallen. Ich habe mich so stark mit ihr beschäftigt. Sie ist ja gestorben vor ein paar Wochen.

Brigitte Huber 0:27
Schon im August, oder?

Stephan Seiler 0:28
Richtig im August. Und da ist mir aufgefallen, das passt perfekt zu uns. Und auch wenn ein paar Wochen jetzt vergangen sind, ich möchte heute mit dir über ihre Lebensweisheiten, vor allem ihre Lebensweisheiten im Hinblick aufs Älterwerden sprechen, liebe Brigitte, hier in der Sache mit dem Älterwerden. Hallo Brigitte.

Brigitte Huber 0:46
Hallo Stephan.

Stephan Seiler 0:48
Ganz kurz bevor wir zum Musiklogo kommen, noch ganz kurz mit dir so ein, zwei Fragen streifen, die mit diesem Zitat verbunden sind. Und zwar: Was macht der Satz mit dir? Er ist der erste.

Brigitte Huber 0:59
Er spiegelt mir eine Frau wider, die sehr lebenslustig, lebenshungrig ist, vielleicht auch ein Stück weit die Vergänglichkeit verdrängen will. Das wäre so der erste Moment und meine erste Reaktion.

Stephan Seiler 1:17
Vielleicht auch gut beschäftigt ist. Wenn man sagt, ich habe keine Zeit für etwas, dann scheint sie ja gut ausgelastet gewesen zu sein. Mit rund 80 war sie ja immer noch sehr, sehr geschäftstätig. Und da habe ich auch mal wieder an uns gedacht und an die eine oder andere Weisheit, die wir hier schon eingesammelt haben auf unserer Reise Richtung Älterwerden. Wir möchten ja gemeinsam hier älter werden in diesem wunderbaren Podcast. Wenn man keine Zeit hat, alt zu werden, dann muss man gut abgelenkt sein.

Brigitte Huber 1:48
Genau, abgelenkt sein ist ein gutes Stichwort, weil die Psychologin in mir würde natürlich sagen, es steckt ein Stück weit vielleicht auch— ich habe Dolly Parton leider nie persönlich kennengelernt— auch das dahinter, dass man sich mit dem anderen nicht beschäftigen möchte. Weißt du, was ich meine?

Stephan Seiler 2:05
Dass man sich bewusst davor abschirmt, vor dem Älterwerden in diesem Falle.

Brigitte Huber 2:09
Ja, genau. Ich habe mich letztes Mal mit dem Thema Stress ein bisschen beruflich auch noch mal auseinandergesetzt. Und es gibt tatsächlich auch Menschen, die sich so viel in ihren Terminkalender reinholen, dass das fast schon Stress ist. Das kann aber jetzt bei ihr sein, dass sie noch voll im Genuss war, dass es Stress ist, aber dass sie damit auch irgendwas zudecken. Aber ich will das überhaupt nicht madig machen. Es ist auch irgendwie, es ist ja auch ein schöner Satz und ein vielleicht sehr positiver Zustand.

Stephan Seiler 2:36
Ist Altwerden denn etwas, das uns passiert oder etwas, das wir zum Teil selbst machen? Auch das steckt da drin. Kann ich darüber entscheiden, ob ich alt werden will und wie ich damit umgehe? Kennst du Menschen, Brigitte, die mit 55 alt sind und andere mit 80 überhaupt nicht?

Brigitte Huber 2:50
Es ist sowohl als auch. Es passiert uns aber auch. Also es ist einfach der Lauf der Dinge ist, dass wir, hat es nicht Sonja Schiff gesagt, Ruhestandscoach, vom ersten Tag an älter werden, oder? Ja, das Älterwerden beginnt mit dem ersten Lebenstag und das ist ja auch ganz normal. Und dann muss man auch irgendwann konstatieren, okay, gefühlt und vermutlich auch tatsächlich ist jetzt schon 70%, 80% oder was auch immer meines Lebens verstrichen. Und dann, das finde ich auch sehr, sehr wichtig, ob wir uns alt fühlen, ob wir alt denken, ob wir alt handeln, das hat wiederum sehr viel mit uns selber zu tun.

Stephan Seiler 3:33
Ich habe, wie gesagt, in den vergangenen Wochen mich so viel mit Dolly Parton beschäftigt und ständig neue Fragen mir aufgeschrieben, Zitate gesammelt von ihr. Und diese Fragen möchte ich heute gerne mit dir und mit euch da draußen, ihr lieben Zuhörenden, Zuhörerinnen und Zuhörer, besprechen und diskutieren. Und ich glaube, egal ob man Dolly Parton kennt oder nicht kennt, egal ob man sie mag oder nicht mag, wobei jeder hat sie eigentlich gemocht, kann man heute mit der heutigen Folge etwas anfangen. So meine These zumindest. Wollen wir loslegen, liebe Brigitte?

Brigitte Huber 4:01
Fänd ich gut. Wir sind doch schon mittendrin.

Stephan Seiler 4:03
Mittendrin.

Brigitte Huber 4:04
Mein Name ist Brigitte Huber.

Stephan Seiler 4:05
Ich bin Stephan Seiler. Und das ist die Sache mit dem Älterwerden.

Brigitte Huber 4:18
Brigitte, vielleicht musst du erst mal Dolly Parton doch ein bisschen vorstellen.

Stephan Seiler 4:22
Definitiv. Herzlich willkommen noch mal an alle. Wir sprechen heute über eine Frau, die vor wenigen Wochen gestorben ist und die wie kaum eine andere dafür geeignet ist, über das Älterwerden zu sprechen. Dolly Rebecca Parton wurde 1946 in Tennessee geboren, als Viertes von 12 Kindern. 12 Kinder, irre. Die Familie war sehr arm. Sie lebten in einem kleinen Haus mit einem Schlafzimmer. In den Smoky Mountains, in den sogenannten Smoky Mountains. Ihr Vater war Analphabet, das wird später noch eine Rolle spielen. Und daraus wurde auch eine der erfolgreichsten Songwriterinnen und Entertainerinnen der Welt. Also aus dieser Kindheit. Dolly Parton hat unter anderem geschrieben: Jolene, 9 to 5 und vielleicht der größte Hit: I Will Always Love You. Muss man kaum mehr erklären. Der Song später wurde noch mal von Whitney Houston gecovert. Es gehört zu den erfolgreichsten Songs aller Zeiten. Sie ist Sängerin, Songwriterin, Schauspielerin, Unternehmerin, hat einen Freizeitpark gegründet, Dollywood, damit arme Menschen auch eine Möglichkeit haben, Spaß zu haben. Und sie ist eine Frau, die aus ihrer eigenen Person eine der wiedererkennbarsten Kunstfiguren der Popgeschichte gemacht hat. Ganz zu schweigen davon, dass sie auch noch feministisch aktiv war und ein großes Herz für die LGBT-Community hatte. Trotzdem ist ein Satz über Dolly besonders interessant: Sie sah vollkommen künstlich aus und wirkte vollkommen echt.

Brigitte Huber 5:47
Brigitte! Das hat sie selber, glaube ich, gesagt, oder war das so?

Stephan Seiler 5:49
Sie hat selbst so einen ähnlichen Satz gesagt. Sie hat gesagt: Hoffentlich wissen die Leute, dass ich vollkommen echt bin. Ich sehe nur vollkommen künstlich aus. Das hat sie gesagt. Und das finde ich schon großartig.

Brigitte Huber 5:59
Und das habe ich gelesen, aber es wird natürlich dann viel geschrieben: So künstlich wie ich auszusehen kostet ein Vermögen. Weil sie hat tatsächlich ja schon in ihren Zwanzigern angefangen mit Schönheitsoperationen und ist aber anscheinend sehr frank und frei damit umgegangen.

Stephan Seiler 6:16
Richtig, sie trug ja auch Zeit ihres künstlerischen Auftretens Perücke, diverse Perücken und hat wirklich an ihrer eigenen Kunstfigur gearbeitet. Also dieser Satz von ihr, von Dolly Parton: Hoffentlich wissen die Leute, dass ich vollkommen echt bin. Ich sehe nur vollkommen künstlich aus. Ich finde, das ist fast eine Definition von Authentizität. Kann man sich eine Kunstfigur erschaffen und dadurch sogar mehr man selbst werden, Brigitte? Was meinst du?

Brigitte Huber 6:42
Also das ist ein interessanter Gedanke, weil in Wahrheit verbinden wir ja Natürlichkeit und Authentizität. Nee, das stimmt, das sind zwei Paar Stiefel. Natürlichkeit heißt, ich verändere eher wenig an mir und Authentizität heißt, ich bin, wie ich bin. Ich verstell mich nicht als Persönlichkeit. Und dann muss man sagen, war sie wahrscheinlich höchst authentisch und hat es geschafft, als auch als künstlich mitgeformte Person. Aber das hat sie ja selber gemacht, ihrer Version von sich selber so nah wie möglich zu kommen, von dem, wie sie sich gern gesehen hat.

Stephan Seiler 7:22
Ja, ja, total. Und das finde ich wirklich beeindruckend. Das braucht ja ein bisschen Mut.

Brigitte Huber 7:26
Ja, absolut. Das glaube ich, braucht viel Mut.

Stephan Seiler 7:28
Gibt es denn bei dir auch eine Brigitte, die du irgendwann bewusst erfunden hast?

Brigitte Huber 7:32
Ob ich mich irgendwann bewusst erfunden habe? Nein, also das würde ich sagen, das ist ganz klar ein Prozess. Und ich würde auch nicht sagen, dass ich mich erfunden habe. Nee, das ist schon so ein Punkt, dass ich jetzt mehr als früher versuche, mich zu einer Version meiner selbst zu entwickeln, die mir am meisten entspricht. Also mit vielleicht Persönlichkeitszügen, die bis jetzt nicht so viel Platz hatten, die vielleicht jetzt einfach noch mal anders zum Schildern kommen, aber ohne dass ich im Entferntesten so schildernd sein möchte wie Dolly Parton und gleichzeitig vielleicht ein paar Dinge hinter sich zu lassen. Aber nein, es gab nicht den Moment, wo ich gesagt habe, ich erfinde mich jetzt als Brigitte Huber. Schon allein bei diesem sehr gewöhnlichen Namen müsste ich da mir wahrscheinlich schon einen Künstlernamen zulegen, oder?

Stephan Seiler 8:25
Brigitte Bardot. Also ich habe über die Frage viel nachgedacht in den letzten Tagen.

Brigitte Huber 8:30
Hubert. Brigitte Hubert. In Frankreich hätte ich am meisten machen können daraus.

Stephan Seiler 8:34
Ja, stimmt. Diverse Rollen im Showbusiness wahrscheinlich auch möglich gewesen. Ich habe mich gefragt: Kleidung, Frisur, Auftreten, Sprache. Wie viel von unserer, von meiner Persönlichkeit ist eigentlich eher auch Inszenierung? Und ich glaube, Kleidung, ein Stück weit auch die Frisur und Sprache sind ja auch Modezyklen unterworfen. Wir Menschen möchten gerne auch wahrgenommen werden, wir möchten dazugehören, deshalb reden wir, eventuell auch mit den gleichen Codewörtern wie unsere Gleichaltrigen oder Menschen in unserer Umgebung. Vielleicht ziehen wir uns auch so an wie unsere Umgebung. Das geht vielen so, und das habe ich auch lange Zeit gemacht. Gerade in meiner Jugend und in den 20er Jahren habe ich vermutlich auch versucht, mit meiner Kleidung, Frisur und Sprache irgendwo so reinzupassen. Egal ob das die Journalistenzirkel waren, da habe ich dann so geredet, wie man da redet. Wenn ich mit meinen Hip-Hop-Freunden am Start war, habe ich ein bisschen so geredet, wie man da redet. Und wenn ich mit meiner Familie geredet habe, da habe ich natürlich ganz andere Worte gesprochen. Und mittlerweile, in den letzten Jahren erst, habe ich bewusst, immer bewusster versucht, mich davon frei zu machen. Ich trage zum Beispiel momentan eine goldene Tasche, die hätte ich früher niemals getragen. Warum trage ich sie? Weil sie mir gefällt, weil ich glaube, die passt gut zu meinem Style. Aber früher hätte ich gedacht, damit falle ich in gewisse, rutsche ich in gewisse Schubladen, da werde ich vielleicht hier und so wahrgenommen. Raus aus der Konformität ist aber unterm Strich auch eine bewusste Abgrenzung. Von dort aus ist es ja nicht so weit zur Inszenierung seiner selbst. Was meinst du dazu?

Brigitte Huber 10:11
Ja, aber ich glaube, eines muss man vorher vielleicht schon einmal festlegen. Dolly Parton ist ein Teil von, ich sage jetzt mal ganz vereinfacht gesagt, Hollywood. Es ist eine per se künstlichere Welt als die, in der wir normalerweise so leben. Inszenierung, auffällig sein, sich von anderen unterscheiden, gehört noch viel, viel stärker dazu. Du brauchst einen USP. Einen Unique Selling Point, also etwas, womit du dich einfach unterscheidest. Das glaube ich, ist schon bei uns ein bisschen anders. Ich habe jetzt gerade, als du das gesagt hast, so nachgedacht.

Stephan Seiler 10:44
Wir müssen uns doch auch jetzt alle überall immer zeigen.

Brigitte Huber 10:47
Ja, natürlich, das haben wir an der einen oder anderen Stelle auch. Ja, gebe ich dir recht, gebe ich dir recht. Trotzdem ist es noch mal, glaube ich, was anderes, wenn du seit ich weiß nicht wann auf der Bühne stehst, singst und so weiter und so fort. Ich glaube, ich hoffe, ich inszeniere mich eher weniger. Ich habe eher immer daran gedacht, dass mir das schon aufgefallen ist. Ich hatte das früher, was du sagst, dass man in unterschiedlichen Rollen unterschiedlich redet. Das war bei mir aber vor allem die Sprache. Wenn ich mit meiner, ich sage jetzt mal, mit meiner Familie, mit den Leuten, da wo ich herkomme, gesprochen habe, habe ich Bayrisch gesprochen und das klang in meinen Ohren dann auf einmal ganz schlimm, wenn jemand aus meinem neuen Bekanntenkreis in München oder erst recht in Hamburg dabei.

Stephan Seiler 11:34
Ach geh!

Brigitte Huber 11:35
Da verstehst du kein Wort mehr. Ja, und so weiter. Also da war das eher so, aber du weißt, was ich meine. Und trotzdem glaube ich, wenn das alles immer ins Hochdeutsche übersetzt worden wäre, hätte ich das Gefühl, dass jeder bei jedem mithört. Nicht jeder bei allem mithören können, aber schon ein bisschen.

Stephan Seiler 11:51
Hattest du auch, apropos Sprache, hattest du auch so eine Phase, wie ich in den 20er Jahren? In der ich zumindest so versucht habe, erwachsen zu reden, auch so geschliffene Wörter zu wählen, Fremdwörter zu benutzen. Das habe ich ja offenbar auch gemacht, aus irgendeinem Grund heraus.

Brigitte Huber 12:07
Also ich weiß, dass ich, ich habe ja in meinen Zwanzigern mal ein Buch geschrieben, da ging es um ein ganz anderes Thema, ein psychologisches Thema. Und da kam ich zu dem Thema, was man eben tun kann, wenn man sich verändern möchte und als etwas wahrgenommen wird, was man gar nicht sein möchte. Und dann hat die Psychologin gesagt: Na ja, man kann ja sich da so ein Treibhaus für seine Gefühle quasi erstellen und sich da rein entwickeln, indem man sich irgendwie einen Satz oder so immer sagt. Und bei mir war es der Punkt, weil ich irgendwie das Gefühl hatte, diese, wie soll man sagen, diese Dörflichkeit immer mit mir zu tragen noch, dass ich gerne eine Frau von Welt sein wollte.

Stephan Seiler 12:49
Ja, das ging mir auch so.

Brigitte Huber 12:50
Die ernst genommen wird, egal wo sie gerade ist. Und das kann ich mich tatsächlich noch mehr erinnern. Ich bin ja auch sehr spät zum ersten Mal geflogen, also für heutige Verhältnisse mit 23 oder 24, damals mit der Journalistenschule. Und dann habe ich versucht, an diesen Schalter zu gehen mit diesem Gefühl, ich bin eine Frau von Welt und nicht ich bin ein Mädel vom Dorf, so ungefähr. Und das war dann schon so, ich glaube jetzt nicht, dass ich andere Wörter verwendet habe, aber natürlich, dass ich versucht habe, meinen Dialekt zu zähmen und ja, so ein bisschen erwachsen schlau rüberzukommen.

Stephan Seiler 13:26
Ja, ich glaube, es geht so vielen Landeiern, ich darf das gleich sagen, weil ich bin ja selbst ein Landei. Ich bin lange Zeit noch mit diesem Gedanken rumgelaufen, man kriegt den Jungen aus dem Dorf, aber das Dorf nicht aus dem Jungen raus. Und manchmal ist es ja wirklich noch so, dass ich auch wirklich womöglich immer noch mich zu erkennen gebe. Aber mittlerweile bin ich auch viel stolzer. Früher hatte ich das, habe ich manchmal in meiner Heimat, mein Heimatort, verschwiegen. Im Gegensatz zu Dolly Parton, die hat immer gesagt, dass sie aus Tennessee kommt. Und mittlerweile sage ich das gerne. Das gehört zu meiner Geschichte dazu. Und warum daraus irgendeine Form Geheimnis machen oder das übertünchen? Man ist so, wie man ist, und man kommt daher, wo man herkommt.

Brigitte Huber 14:10
Ja, also ich würde mal sagen, die Parallelen zu Dolly Parton jetzt bei mir, die sind überschaubar. Wobei Ich bin über eines gestolpert bei der Vorbereitung, als ich mir das angeschaut habe. Wir haben am gleichen Tag Geburtstag, und zwar am 19. Januar. Und das heißt ja, sie war auch Steinbock wie ich. Und da musste ich gleich grinsen, weil da dann bei ganz vielen Menschen sofort so dieses: Ja, und so zielstrebig. Und ja, ich habe da auch schlimme Sprüche gehört. Also in Wahrheit, dass es den Leuten einfach nur um Ziele geht und nicht weniger um Gefühle. Und ich habe mich damit natürlich auch auseinandergesetzt. Dann ab Mitte des Lebens heißt es ja, dass der Aszendent das Ruder übernimmt. Dann wäre ich Schütze, dann ist wieder alles anders. Selbstverständlich. Aber dann deswegen jetzt meine Frage an dich: Glaubst du an Sternzeichen?

Stephan Seiler 15:00
Ich glaube nicht an die Horoskope. Sorry, ich weiß, früher war in deiner Zeitschrift jede Menge Horoskope drin. Daran habe ich nie so richtig geglaubt, auch wenn ich es mir trotzdem gerne durchgelesen habe. Aber woran ich, also was ich einfach feststellen muss, ist, dass es offenbar Wesensähnlichkeiten gibt bei Menschen, die in einem gleichen ähnlichen Zeitraum geboren worden sind. Und mein ehemaliger Mitbewohner ist totaler Astrologie-Fan gewesen und er hat dann quasi jeden neuen Gast, der in die Wohnung kam, mit Hilfe von 2 Fragen perfekt analysieren können, sagen können, du bist Schütze, Aszendent Löwe und so. Und das hat in 90% der Fälle gestimmt. Das habe ich beobachtet. Und deshalb bin ich jetzt, ich möchte mir jetzt nicht anmaßen zu beurteilen, sagen, das ist alles Käse. Wenn es da offenbar Parallelen gibt. Du scheinst da kritischer zu sein.

Brigitte Huber 15:49
Nein, die Studienlage gibt das aber gar nicht her. Nein, die Studienlage gibt das gar nicht her und die erklärt, also es gibt keinen Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und dem Geburtsdatum, an dem du geboren bist, sprich Sternzeichen mit Aszendent. Und in Wahrheit ist es auch so, ich habe zum Beispiel eine gute Freundin, die ist Löwe, die ist das Gegenteil von Löwe. Ja, die Studienlage erklärt das auch so, dass wir alles, was das bestätigt, ah ja, Brigitte ist ja ganz erfolgreich geworden, dann heißt es, es ist Steinbock. Wenn Brigitte aber weint bei der ersten Emotion, die auch nur in einem Spielfilm auftaucht, was bei mir durchaus passieren kann, dann heißt es ja, das ist der Aszendent oder keine Ahnung, wen es da noch alles gibt. Und insofern, und so erklären wir Menschen dann diese Muster. Aber egal, was bist du für ein Sternzeichen? Bist du nicht Waage?

Stephan Seiler 16:40
Jungfrau, Sternzeichen Jungfrau, Aszendent Skorpion.

Brigitte Huber 16:42
Da würde ich auch sagen Jungfrau, du bist Jungfrau.

Stephan Seiler 16:45
Ja, Jungfrau, Aszendent Skorpion. Jungfrau ist ja sehr harmoniebedürftig und der Skorpion hat einen kleinen Giftstachel. Es ist nicht leicht, ich zu sein mit dieser Konstellation. Aber wie gesagt, ich möchte mich gar nicht so sehr von dieser Zuschreibung durch die Astrologen dieser Welt so prägen lassen. Ich möchte eher so wie Dolly Parton halten, ein Stück weit. Vielleicht bedeutet Authentizität nämlich gar nicht, ich bin genauso, wie die Natur mich gemacht hat, oder die Sterne, sondern ich entscheide selbst, wer ich sein möchte. Und Dolly Parton hat diese Entscheidung ziemlich konsequent getroffen. Und das finde ich wunderbar. Das hat mich einfach fasziniert die letzten Wochen, als ich mir die ganzen Videos angeschaut hatte. Denn die Frage ist ja, wie viel Alter ist Haltung? Kurz vor dem 80. Geburtstag hast du dieses wurde sie auf diese Zahl angesprochen und sie sagte: „So what? Na und? Schaut euch an, was ich in 80 Jahren gemacht habe. Ich habe das Gefühl, ich fange gerade erst an." Und dann hat sie diesen Satz gesagt: „If you allow yourself to get old, you will." Wenn du dir selbst erlaubst, alt zu werden, wirst du alt. Und das wollen wir doch nicht, oder? Oder doch?

Brigitte Huber 17:54
Ja, ich glaube aber trotzdem, dass sich jeder Mensch da selber irgendwie nicht unter Druck setzen sollte und auch nicht unter Druck setzen lassen sollte. Weil ich bin ja auch jemand, der sich immer vehement wehrt, wenn irgendeine Freundin zu mir sagt: Ja Mensch, und wir alte Weiber machen noch dies oder jenes, wo ich sage: Moment, ich habe letztes Mal meine Freundin auch überführt zu sagen: Du hast schon mit 30, mit Anfang 30 das Gefühl gehabt, wir sind zu alt, um in irgendeinen Kidsclub zu gehen, wenn sie mich mal besucht hat in Hamburg. Ja, das ist quasi bei dir schon fast in die Wiege gelegt. Und wir kennen ja auch so Menschen, die tatsächlich auch schon in den Zwanzigern sagen: Dafür bin ich zu alt, dafür bin ich zu alt, dafür bin ich zu alt. Und dagegen wehre ich mich ja vehement. Nur ich glaube, es ist auch nicht wirklich schlau, dass wir die Augen vor der Realität dahingehend verschließen können, dass etwas mit uns und unserem Körper und unserer Seele passiert.

Stephan Seiler 18:50
Ja, wir werden ja nicht alt werden.

Brigitte Huber 18:54
Wir können es ja auch Weiterentwicklung, genau Weiterentwicklung können wir es nennen. Wir können es Reifung nennen. Und klar, beim Körper müssen wir muss man jetzt manchmal nicht vertun. Da gibt es dann einfach auch Verschleißmöglichkeiten.

Stephan Seiler 19:08
Fair. Ich habe auch drüber nachgedacht. Es ist natürlich auch ein bisschen alter Coaching-Kalenderspruch, was die liebe Dolly Parton da gesagt hat, im Sinne von: Wenn du dir selbst erlaubst, alt zu werden, wirst du alt. Ist schon richtig. Und am Ende kann man ja auch nicht sagen, 80-Jährige haben kein Recht darauf, einfach alt zu sein. Natürlich. Jeder darf so leben, wie er sich fühlt und wie es nach seinem Gusto ist. Es darf daraus jetzt nicht eine Forderung entstehen, jung bleiben zu müssen. Brigitte, du guckst mich mit ernstem Blick an.

Brigitte Huber 19:44
Nein, nein, nein. Das hat eben auch was Krampfhaftes. Ich glaube, dass wir da den richtigen Weg finden, uns immer wieder auch auseinandersetzen mit dem Vergänglichkeitsthema, aber eben auch sagen: Mensch, es kann noch so viel Gutes vor uns liegen mit 80, mit 85, mit 90. Also ich finde es ja dann momentan auch wieder wahnsinnig oft ermutigend, dass man eben Menschen, heute sagt man Hochbetagte, sieht, wie wahnsinnig fit die noch sind in der Birne, aber auch wenn es gut läuft im Körper und gleichzeitig aber nicht zu sagen, die Sache wird endlos sein, nur weil ich das jetzt nicht möchte. Ich fand da ganz interessant, weißt du, das Gespräch, das wir hatten mit Ingo Froböse, dem Sportwissenschaftler, den wir auch gefragt haben oder den ich auch gefragt habe, wie er mit dem Thema Älterwerden umgeht. Ich meine, dann sagst du auch, muss denn ein fast 70-Jähriger noch jeden Tag trainieren und so weiter? Und ich habe das, fand ich schon, ich habe da schon länger drüber nachgedacht, was er gesagt hat. Er hat gesagt, dieses Älterwerden ist eigentlich eine gesunde Sache, die einfach die Natur so eingerichtet hat. Und daran muss ich mich noch gewöhnen. Er sagte auch, ein bisschen ist es halt so, Wir kommen auf die Welt und sind erst mal die ersten 1, 2 Jahre pflegebedürftig. Und so kann das halt am Ende des Lebens auch noch mal sein. Obwohl er auch gesagt hat, er wünscht sich einfach, gesund zu sterben. Und das meine ich damit. Also ich glaube, dieses Thema Vergänglichkeit und Sterben, das kriegen wir nicht wegdiskutiert, egal wie voll wir unseren Terminkalender packen. Und es ist aber schön, wenn wir immer wieder das Gefühl haben, noch mitten im Leben zu stehen.

Stephan Seiler 21:28
Brigitte, was vom Jungsein möchten wir denn unbedingt behalten? Hast du darauf eine Antwort?

Brigitte Huber 21:33
Was vom Jungsein möchte ich behalten? Ich möchte meine Neugierde behalten und die glaube ich, die bleibt mir auch. Und ehrlicherweise sind es schon so diese körperlichen Geschichten. Ich möchte nicht angewiesen sein, zu stark auf Hilfe von außen, wenn es irgendwie geht.

Stephan Seiler 21:49
Unabhängig zu sein, oder?

Brigitte Huber 21:51
Da hat mir auch das Interview mit dem Froböses sehr gut gefallen, als er gesagt hat, dass es quasi nie zu spät ist, noch was für seinen Körper zu tun. Und das Beispiel genannt hat von den über 90-Jährigen, die ein paar Monate Muskeltraining gemacht haben und sich dann wieder selbst versorgen konnten. Das glaube ich, ist bei mir ein starker Punkt. Bei dir?

Stephan Seiler 22:10
Ja, bei mir ist es die Offenheit neuen Dingen gegenüber. Beweglichkeit im motorischen Sinne, aber auch im inneren Sinne, dass ich immer noch mich beweglich genug fühle, einen anderen Lebensort zum Beispiel zu bewohnen oder auch beweglich genug bin, neu zu denken, mit früheren Glaubenssätzen aufzuräumen und nicht so aus reiner Sturheit oder Bequemlichkeit an alten Formen festzuhalten. Ich hoffe, dass ich dazu die Kraft haben werde. Bei einem anderen Bedürfnis habe ich fast schon aufgegeben. Das ist diese Leichtigkeit, das Gefühl, dass man dieses jugendliche Gefühl von Unsterblichkeit, das glaube ich ist bei mir, ich weiß nicht, wie ich das wiederherstellen kann, dieses unbedingte Leichtigkeit. Weißt du, bei jedem Glas Alkohol, wenn ich das jetzt trinke, denke ich viel mehr drüber nach. Und früher habe ich einfach mal ein Gläschen getrunken und heute denke ich drüber nach. Ach ja, mittlerweile weiß ich, was das alles mit dem Körper macht. Und diese ganzen Gedanken kriege ich natürlich erstmal nicht aus mir raus. Ich kann sagen, raus aus dem Gedankenbahnhof mit diesen Gedanken, ich genieße trotzdem, mache ich dann auch. Nach dem dritten Glas gelingt es mir auch noch besser, aber diese Zweifel, diese kleinen Dämonen im Kopf, die sind dann trotzdem da. Die Leichtigkeit, die ist wohl weg.

Brigitte Huber 23:28
Ja, ich glaube, irgendwann setzt das ein. Ich würde sagen, eher so in den 30ern, oder dass man das Gefühl hat, oje, ich bin vielleicht doch nicht unsterblich. Also ich kann mich ja immer noch erinnern, als ich ein Kind war und ich bin ja in katholischen Verhältnissen aufgewachsen und da war ja irgendwie klar, irgendwann gibt es das Jüngste Gericht und da ruft der liebe Gott alle zusammen und dann guckt man wie es ausschaut. Und da war ich mir immer ganz sicher, oder ich habe das vor meinem kindlichen Auge so gehabt, da war ich jetzt aber wahrscheinlich noch einstellig, gedacht, ah ja, dann kommen dann, keine Ahnung, meine Oma und Opa, die vielleicht dann schon tot sind, die kommen dann wieder und ich komme halt dann auch dazu. Aber ich habe mich als lebende Person dann noch gesehen und dass man dann vielleicht auch am Tag X, falls es den jemals gibt, dann quasi auch aus dem Jenseits dazu gerufen wird. Das habe ich dann erst irgendwie in meinen 30ern gesehen.

Stephan Seiler 24:22
Ja, das fand ich auch so interessant, eine interessante Wegmarke. Auch mal mit den 30ern, irgendwann merkt man, ach, das Leben ist ja doch irgendwann vorbei und es kann ganz, ganz schnell vorbei sein. Und der Gedanke gefiel mir natürlich dann nicht ganz so gut. Wir sind ja hier im Podcast auch immer wieder mit der Frage beschäftigt, wofür bin ich eigentlich zu alt? Und wenn ich für etwas zu alt bin, ist das wirklich wahr oder ist das eine Ausrede? Und die Paten haben mich daran erinnert, mit dieser Frage kritischer zu stellen, wenn ich sie mir stelle. Wie siehst du das?

Brigitte Huber 24:53
Also ich finde schon, dass man natürlich, also allein biologisch, ich bin zu alt, um Mutter zu werden. Punkt. Das ist dann so, das sagt die Natur so. Und gleichzeitig muss ich ja sagen, hat es auch Vorteile, dass mich die Evolution nicht mehr fortpflanzungstechnisch auf dem Radar hat, weil, wie wir wissen, schaltet sich dann irgendwann mal rund um die 60 der sogenannte Positivitätseffekt ein. Das heißt, unser Gefühlszentrum im Gehirn, die Amygdala, die muss nicht mehr negative Reize so hoch bewerten, weil sie uns nicht mehr warnen muss. Und so weiter und so fort. Wie gesagt, ist ja jetzt egal, die kann eh keine Kinder mehr kriegen, sondern sie kann tatsächlich die positiven Reize mehr und besser stehen lassen. Und ein Tick weit warte ich immer noch darauf, dass das so vollumfänglich bei mir einsetzt. Aber das ist das etwas, wo ich dir vielleicht schon etwas Leichtigkeit versprechen kann. Dann Stephan.

Stephan Seiler 25:52
Ja, ich freue mich drauf. Ich würde aber auch doll die Patensätze von eben dann ein Stück weit umformulieren. Ich habe einfach keine Zeit, mein Leben immer kleiner werden zu lassen. Das gefällt mir wesentlich besser, denn vielleicht ist die entscheidende Frage gar nicht: Wie bleibe ich jung? Sondern: Wie bleibe ich in Bewegung? Und da kann man von Dolly einiges lernen, aber auch schon von dem einen oder anderen Interviewgast, den wir jetzt hier begrüßt haben in den vergangenen Wochen. Wie bleibe ich in Bewegung? Brigitte, wollen wir ein kleines Spiel spielen?

Brigitte Huber 26:24
Ich bin nicht sicher, aber angeblich bin ich ja neugierig.

Stephan Seiler 26:29
Ich nenne dir und mir jetzt Dinge und du und ich sagen dann ganz spontan: Will ich mit 80 noch oder kann weg?

Brigitte Huber 26:36
Okay.

Stephan Seiler 26:36
Okay. Arbeiten. Ja, auf jeden Fall, will ich noch flirten, wenn es sich positiv ergibt. Was heißt das denn, wenn es sich positiv ergibt?

Brigitte Huber 26:45
Also ich überlege gerade, ich bin ohnehin nicht jetzt jemand, der permanent viel flirtet, muss ich ganz ehrlich sagen. Aber vielleicht mag das ja.

Stephan Seiler 26:54
Ich will auf jeden Fall immer weiter flirten. Ja, Nachtclubs.

Brigitte Huber 26:59
Ja, ich glaube, erst mal musst du mich irgendwann in dieses Berghain mitnehmen. Ich bin viel zu selten in Nachtclubs.

Stephan Seiler 27:06
Ja, wird Zeit. Also ich will das mit 80 noch.

Brigitte Huber 27:08
Ja, ich auch. Na ja, immerhin, ich war ja immerhin schon letztes Jahr einmal nachts um 12 bei DJ Hell an der Tanzfläche. Da muss man mich loben.

Stephan Seiler 27:22
Für wie viele Minuten noch mal?

Brigitte Huber 27:23
Nee, nee, nee, nee, schon eher für 2 Stunden. Aber ich musste am nächsten Tag arbeiten.

Stephan Seiler 27:28
Nächster Punkt: Neue Freundschaften schließen. Will ich mit 80 noch oder kann das nicht?

Brigitte Huber 27:32
Ja, gern, immer. Ja, immer. Ich glaube, das wird ja dann mit 80 plus erst recht wichtig, oder? Weil vielleicht fallen andere weg.

Stephan Seiler 27:40
Ja, denke ich auch. Also umso mehr möchte ich dann, genau, allein aus dem Grund sollte man dann vielleicht noch mal ein paar rekrutieren. Neue Freunde rekrutieren, liebe Alter, finde ich. Nächster Punkt: Instagram. Will ich mit 80 noch oder kann das weg?

Brigitte Huber 27:55
Kann ich gut ohne leben. Du?

Stephan Seiler 27:57
Oh ja, kann auf jeden Fall weg.

Brigitte Huber 28:00
Ich brauch das jetzt schon kaum.

Stephan Seiler 28:02
Ja, also ist ja auch gut zur Kommunikation, auch mit euch da draußen, ihr Lieben. Schreibt uns da gerne, das schauen wir uns immer gerne an. Aber eigentlich, wenn ich sie nicht beruflich bräuchte, dann könnte ich auch drauf verzichten.

Brigitte Huber 28:14
Na ja, und wenn man immer wieder auch hört und sich selbst, ja, wenn man sich immer wieder hört, wie viel Stunden wir jeden Tag mit Internet, Social Media und so was verbringen, dann würde ich, wenn ich jetzt Dolly Parton wäre es sagen: Hey, es gibt da Sinnvolleres zu tun.

Stephan Seiler 28:33
Ja, finde ich auch. Zum Beispiel nächster Punkt: Sex. Will ich haben mit 80 oder kann das weg? Ja, ja, bin ich auch bei dir. Bitte melde dich die Person, die das anders sieht.

Brigitte Huber 28:44
Allerdings meine ich auch immer bei solchen Dingen, ich weiß ja nicht, wie ich mich fühle. Das ist ja auch noch ziemlich lang hin. Ja, ich kann jetzt meine Libido da befragen, aber rein theoretisch und alles, was wir bis jetzt auch recherchiert haben in die Richtung, Da ist kein Ende abzusehen.

Stephan Seiler 29:02
Beim nächsten Punkt bin ich mir selbst nicht ganz sicher. Alleine reisen, will ich mit 80 noch oder kann das weg?

Brigitte Huber 29:09
Alleine reisen, das wäre bei mir wirklich so etwas, wo ich sage ein Wochenende oder 2, 3 Tage ja, aber, und das sage ich auch ganz ehrlich, ich habe es jetzt auch noch nie lang gemacht alleine. Ich bin nicht sicher, dass ich die optimale Alleinreisende bin. Städteurlaub oder so was gerne oder irgendetwas Neues erfahren. Ja, mit einem Thema oder sonst irgendwas. Aber allein reisen, ich merke, je älter ich werde, ich brauche so eine Balance zwischen Alleinsein, mit mir sein und Kontakt zu anderen Menschen. Und wenn eines zu lange fortdauert, wird es irgendwie schwierig. Dann aus dem Alleinsein, das kann dann kippen in so ein einsames Gefühl und zu viel Kontakte wird mir dann auch zu viel. Also da bin ich glaube ich eher schon ein bisschen anspruchsvoller geworden.

Stephan Seiler 30:02
Ja, diese Mischung, es wird immer wichtiger, finde ich, mit dem Älterwerden, dass diese Mischung richtig ist. Früher bin ich auch, ich bin jetzt 3 Wochen alleine durch Australien gereist und auch wochenlang durch die USA und fand das richtig toll. Hab natürlich unterwegs auch immer wieder Leute kennengelernt. Mittlerweile habe ich ein anderes Bedürfnis. Ich brauche mehr Verbindung und dann am liebsten mit einem Reisepartner. Partnerin als früher. Nächste Kategorie: Neue Sportarten ausprobieren. Will ich mit 80 noch oder kann das weg?

Brigitte Huber 30:32
Nein, das kommt einfach auf die Sportart an.

Stephan Seiler 30:34
Ich will ja auf jeden Fall noch was Neues machen. Ich will dann so Boule anfangen. Boule anfangen und irgendwie so Tontaubenschießen. Sowas will ich machen.

Brigitte Huber 30:42
Oder Schach. Ist Schach eine Sportart?

Stephan Seiler 30:45
Nee. Ja, manche sagen so, andere so. Vorletzte Kategorie: Mich verlieben. Mit 80?

Brigitte Huber 30:53
Kann ich mir jetzt im Moment nicht vorstellen, weil ich in einer sehr guten Verbindung bin. Müsste sich da ja geändert haben. Aber auch da, da bin ich jetzt ganz dabei.

Stephan Seiler 31:01
Aber jetzt mal so rein theoretisch, so rein theoretisch.

Brigitte Huber 31:04
Bin ich bei Helma Sick. Ich glaube, das kann man, also der Finanzpionierin, das kann man auch sein ganzes Leben.

Stephan Seiler 31:10
Oder? Finde ich auch. Du? Auf jeden Fall. Ja, will ich auf jeden Fall dann noch können. Zumindest in der Theorie. Wenn ich natürlich verpartnert bin, dann muss es nicht sein, aber sonst gerne. Und letzter Punkt: beruflich noch einmal ganz von vorne anfangen. Also noch mal ein Startup gründen mit 80. Will ich das oder kann das weg?

Brigitte Huber 31:30
Also das würde ich im Moment, aber im Moment nicht wollen, weil ich ja schon seit 2, zweieinhalb Jahren mich beruflich neu aufstelle und da eigentlich schon Abwechslung genug habe. Und du?

Stephan Seiler 31:45
Ja, geht mir ähnlich. Ich glaube, da wir beide jetzt auch ein bisschen umreißen können, wie aufwendig das ist und auch wie kräftezehrend es ist, das ist in mit ganz, ganz unangenehmen Tätigkeiten, die ja nicht viel damit zu tun haben mit dem eigentlichen Geschäft. Oder bei uns ist es mit dem eigentlichen Podcast, über Toddy Parton zu sprechen, das macht Spaß. Aber irgendwie dann mit dem Steuerberater zu reden über irgendwelche Sachen macht dann weniger Spaß. Also darauf, da würde ich sagen, weiß ich nicht, das muss ich dann vielleicht wahrscheinlich nicht haben mit 80.

Brigitte Huber 32:15
Nee, absolut, glaube ich auch nicht. Mitreißen lassen bei so was, das kann ich mir gut vorstellen. Weißt du, sich von anderen mitreißen zu lassen.

Stephan Seiler 32:23
So als Elder Statesman dabei zu sitzen.

Brigitte Huber 32:26
Ja, auch. Ich würde mich auch von 5 gleichaltrigen 80- bis 90-Jährigen vielleicht mitreißen lassen, wenn sie sagen: „Brigitte, du kannst das machen, was du gern machst und gut machst. Aber nicht jetzt, weil du Start-ups sagst." Da stellen sich bei mir schon ein paar Nackenhaare hoch, weil das klingt nach viel Pflicht und ich mag halt lieber die Kür.

Stephan Seiler 32:44
Apropos Pflicht.

Brigitte Huber 32:45
Pflicht hatten wir ja schon viel dann.

Stephan Seiler 32:47
Jede Menge Pflichten hatten wir schon. Sind wir auch im Bereich, bei dem Dolly Parton definitiv nicht gesagt hat, das Alter darf einfach machen, was es will, nämlich bei ihrem Aussehen. Dolly Parton hat nie behauptet, ihre Optik sei ausschließlich ein Geschenk der Mutter Natur. Im Gegenteil, einer ihrer berühmtesten Sätze lautet: If something is bagging, sagging or dragging, I'll tuck it, suck it or pluck it. Also sehr frei übersetzt: Wenn etwas hängt, was hängt, sackt oder schleift, wird eben gestrafft, abgesaugt oder gezupft. Ist das befreiend, Brigitte, oder nur traurig?

Brigitte Huber 33:23
Ich finde das völlig, völlig in Ordnung. Also ich kann da nur sagen, das war meine Meinung schon. Ich habe da meinen Kommentar geschrieben vor mehr als 20 Jahren damals für die Brigitte in einem Dossier über Schönheitsoperationen und der begann mit: Jede Frau, das gilt auch für jeden Mann, hat das Recht, sich zu verändern. Er soll nur wissen, was er tut und warum er es tut. Vielleicht, das macht Sinn. Aber wenn man sich dann auch immer wieder die Studien anschaut, zu Schönheitsoperationen, jetzt egal, ob es darum geht, ich weiß es nicht, Hängelider zu korrigieren oder eben die Haut mehr zu straffen, ist es so, dass die meisten Menschen danach ganz zufrieden damit sind. Und ich finde, das nimmt einem dann schon so ein bisschen den Wind aus den Segeln. Und ich erinnere mich da dann doch immer wieder an diese Diskussion. Das war eher so 80er, 90er. Es kommt auf die inneren Werte an und die äußeren Werte, die sind doch nicht so wichtig. Und ich finde, das lässt sich einfach auch nicht unterscheiden. Ich muss ganz ehrlich sagen, diese Haare sind gefärbt. Yes. Ansonsten wären die vermutlich grau oder weiß. Man weiß es nicht. Aber ich möchte es auch gar nicht rausfinden. Gleichzeitig finde ich es komplett in Ordnung, wenn meine Freundin sagt, Haare färben finde ich eine Zeitverschwendung und will ich nicht und brauche ich nicht. Und ich finde, das ist tatsächlich so der Punkt, der Korridor, ist breit. Wir haben uns ja schon mal darüber unterhalten. Problematisch finde ich für die Youngsters oft, weil die unter so einem Beauty-Druck wirklich stehen, wo man irgendwie das Gefühl hat, man muss ständig anders aussehen und weil es einfach zu viele Bilder im Internet gibt. Und da habe ich mich natürlich leicht getan. In meiner Jugend gab es halt einmal im halben Jahr irgendwie so einen Film voll mit 24 Aufnahmen. Dann hast du 2 Aufnahmen weggeworfen nach dem Urlaub, weil du fandest, du sahst einfach fürchterlich aus und der Rest Es hat Bestand gehabt, aber wir hatten einfach dieses Thema nicht. Und insofern würde ich sagen, da ist es fast schon die Gnade der späteren Geburt, obwohl ich das ansonsten für mich selten so sehen möchte, ist, dass ich nie in diesen Schönheitsdruck reingeraten bin, in diesen Tsunami, der jetzt da ist. Und Dolly Parton anscheinend dann doch schon sehr früh und vielleicht auch so genau habe ich ihre Vita jetzt nicht vor Augen, weil sie sehr früh auch im Showbiz war, Ja, sie sah es aber auch quasi als Self-Empowerment.

Stephan Seiler 35:47
Sie sagte, sie will so aussehen. Deshalb auch die Perücken, deshalb dieses Aussehen. Sie meinte, wie du eben schon sagtest, es kostet so viel Geld, so billig auszusehen wie ich. Aber sie wollte es genauso. Das war für sie quasi, nach all dem, was ich von ihr in den Biografien gelesen habe und auch in den Filmen gesehen habe, für sie ein Akt der Selbstbehauptung und Selbstdefinition. Und da muss ich sagen, Respekt, wenn das wirklich so ist und sie das so wollte. Dann hat sie wahrscheinlich auch die eine oder andere Kritik kritische Frage sich gefallen lassen müssen. Man kann ja wirklich auch mal kritisch fragen: Warum finden wir einen künstlichen Zahn selbstverständlich, aber ein künstlich geglättetes Gesicht problematisch? Wer bin ich eigentlich?

Brigitte Huber 36:25
Also da würde ich auch sagen, wandelt sich viel. Ja, es ist ja auch so, inzwischen 2/3 aller Deutschen finden Schönheitseingriffe völlig in Ordnung. Auch diese Ressentiments, die da früher waren, das darf man nicht, das hat sich schon stark verändert. Und die Zahl der Eingriffe hat sich auch in den letzten 10 Jahren verdoppelt. Also jeder nimmt das für sich selber wahr und da bin ich völlig bei dir. Wo ist der Unterschied zwischen— was hatten wir letztes Mal? 75% der Kinder lassen sich— nein, der Kinder lassen sich nicht, aber bei 75% der Kindern werden die Zähne irgendwie korrigiert mit Zahnspangen. Genau. Aber wir sagen, Schönheitsoperationen sind nicht in Ordnung. Und das jetzt durch dieses Minimalinvasive, durch Botox und Hyaluron auch immer einfacher wird und niedrigschwelliger, sage ich. Du bist da nicht jetzt 4 Wochen raus wie vermutlich Dolly Parton nach so einem Eingriff erst mal. Und das können sich auch die wenigsten leisten. Jetzt muss man ganz ehrlich sagen, also allein von dem, wie viel Urlaub habe ich und wie viel Kohle habe ich auf dem Konto? Also insofern hat sich da einiges verändert und ich sage mal demokratisiert. Aber das war bei Dolly. Vor 60 Jahren anders.

Stephan Seiler 37:36
Andere Zeiten. Würdest du Botox nehmen, Facelift, Augenlider machen lassen?

Brigitte Huber 37:41
Also ich würde immer vor Operationen zurückschrecken.

Stephan Seiler 37:45
Aber das Botox, so eine kleine Spritze wäre ja nicht so viel. Facelift geht doch auch.

Brigitte Huber 37:49
Ja, oder ich habe auch schon mal so Microneedling oder so was machen lassen. Ich habe dann den, das ist so mit so ganz kleinen minimal Verletzungen der Haut und das soll dann das Kollagen wieder anregen. Ich habe dann die Wirkung nicht so gesehen. Aber wie gesagt, ich bin da, wir sprechen noch, wir haben noch immer so ein gewisses Tabu beim Sprechen drüber. Aber ich habe da schon das Gefühl, dass dann der andere offen ist. Und wir haben ja auch schon drüber gesprochen. Stephan, du hast ja auch schon was machen lassen.

Stephan Seiler 38:18
Richtig, ich habe einmal Botox machen lassen. Jetzt gerade ist nichts mehr in meiner Stirn drin. Könnt ihr noch, für alle, die mich aktuell sehen, die werden das bestätigen können. Und ich frage mich aber tatsächlich auch, wenn ich in den Spiegel gucke, Muss ich meine Falten lieben, um mein Alter zu lieben? Sollte ich da auch mal bald mal wieder eine Spritze ansetzen lassen?

Brigitte Huber 38:40
Wie gesagt, ich finde, das ist irre individuell und das finde ich auch gut so. Wir sollten weder sagen, du musst deine Falten lieben, noch musst du sagen, hey, jetzt mach endlich mal was. Wir sind ja, finde ich, innerlich, das merke ich schon manchmal auch, manchmal streng mit anderen Leuten, dass man sagt, Mensch, Mensch, die sollte jetzt auch nicht mehr so viel in die Sonne gehen, die Haut ist schon schrumpelig. Weißt du, was ich meine? So diese innere Oberlehrerin. Ja, genau. Und da muss ich ganz ehrlich sagen—

Stephan Seiler 39:09
Frauen müssen in Würde altern, Männer auch, aber vor allem Frauen trifft das auch. Genau.

Brigitte Huber 39:13
Diesen Scheiß. Ja, ja, das ist totaler Quatsch.

Stephan Seiler 39:17
Natürlich, Altern ist so eine Erwartung, die wir hauptsächlich an andere Menschen stellen, ist so mein Eindruck. Und jetzt andersrum. Kann ein Gesicht irgendwann auch so stark bearbeitet sein, dass es etwas erzählt, was gar nicht stimmt? Also man kann es ja auch übertreiben. Wenn ein 75-jähriger Mensch aussieht wie 48, verliert man dann vielleicht auch was Sichtbares von seinem eigenen Leben. Braucht es also gewissermaßen die Falten, um zu zeigen: So sah mein Leben aus. Der Getreidebauer sieht dann vielleicht anders aus als der Versicherungsangestellte. Und das Gesicht erzählt dann vielleicht auch etwas, dann im einen Fall von der Feldarbeit, im anderen Fall von zu wenig Sonne. Was weiß ich. Weißt du, wie ich meine?

Brigitte Huber 39:57
Ja, aber wenn das Gesicht dann nicht so viel erzählt, dann bin ich gespannt drauf, was der Mensch mir zu erzählen hat. Und dann sage ich okay, der hat zwar das Gesicht eines 45-Jährigen, aber er hat die Altersweisheit eines 70-Jährigen. Auch schön. Also wie gesagt, da finde ich anything goes. Und ich glaube wirklich, also tatsächlich, ich habe mich mit dem Thema auch immer wieder auseinandergesetzt, auch beruflich. Solange es nicht zu einer Obsession wird, dass du einfach so unzufrieden bist, und dann kommst du gerade mal raus, wieder irgendwo vom Botoxen oder vom Schönheitschirurgen und denkst dir, oh nee, und hier ist es auch schwierig und so weiter. Dann finde ich es völlig in Ordnung. Soll jeder machen. Wie gesagt, ich mache mir eher um die jungen Leute Gedanken, weil da ist es ja schon noch mal, noch mal einen Ticken anders. Da haben wir schon fast, muss ich sagen, Glück, dass wir in anderen Generationen groß geworden sind. Ohne dieses Internet, das uns schon als Teenager die ganze Zeit sagt: Oh, du musst eigentlich aussehen wie die und du musst eigentlich aussehen wie der.

Stephan Seiler 41:04
Aber auch mit mehr Pflegeprodukten, als den Menschen im 18. Jahrhundert zur Verfügung gestanden haben. Auch dafür bin ich sehr, sehr dankbar.

Brigitte Huber 41:10
Ja, absolut. Aber wir wissen ja, unser Pflegeprodukt ist doch ein Esslöffel Tomatenmark am Tag. Mark, vergiss es nicht.

Stephan Seiler 41:17
Richtig, das und dieser Podcast.

Brigitte Huber 41:19
Hautcreme von innen.

Stephan Seiler 41:21
Vielleicht wollte Dolly gar nicht jung aussehen, vielleicht wollte Dolly einfach wie Dolly aussehen. Und das finde ich, macht einen großen Unterschied. Dolly hat ja diesen wunderbaren Satz gesagt, den ich für einen der erwachsensten Sätze über Selbstakzeptanz überhaupt halte: Ich weiß, wer ich bin, und ich mag, wer ich bin. Was ich an mir nicht mag, daran versuche ich zu arbeiten. Bäm! Was will man mehr?

Brigitte Huber 41:43
Ja, ich finde, dem ist nichts hinzuzufügen.

Stephan Seiler 41:47
Ja, und allein dieses Zitat verrät aber auch mehr über unsere möglichen Prioritäten als diese klassischen Bucket Lists und diese Frage: Was möchte ich alles noch erleben? Das ist ja Käse. Sondern wichtiger ist, sich zu überlegen: Womit verschwende ich gerade Zeit, obwohl ich längst weiß, dass sie begrenzt ist? Und ziemlich genau darüber habe ich auch mit einem Mann gesprochen, den du, Brigitte, sehr gut kennst, zumindest aus dem Fernsehen. Hast du eine Idee, wen ich meine?

Brigitte Huber 42:15
Ja, du meinst Hubertus Meyer-Burckhardt. Moderator, oft Co-Moderator von Barbara Schöneberger bei der NDR Talkshow.

Stephan Seiler 42:25
Den habe ich interviewt. In der kommenden Woche werden wir das Interview hier uns anhören und auch besprechen. Und mit ihm habe ich das Interview begonnen mit der vielleicht denkbar kurzen Frage: Was macht 70 mit allem, was 69 noch nicht gemacht hat? Und dann sind wir durchgaloppiert durch sein Leben und aber auch uns mit vielen Fragen beschäftigt, die größer sind, als nur mit einer gewissen Zahl verbunden zu sein. Was verbindest du denn mit Hubertus Meyer-Burckhardt außer das Biografische?

Brigitte Huber 42:57
Also ich finde, dass Hubertus Meyer-Burckhardt einfach schon ein sehr souveräner, sich zurücknehmender und kluger Fragesteller ist und ich den Eindruck habe, ohne dass ich ihn jetzt persönlich kenne, dass da einiges unter der Oberfläche im positiven Sinne auch verborgen liegt. Kannst du das bestätigen?

Stephan Seiler 43:21
Ja, ich kann das bestätigen. Seine Biografie ist ja auch total interessant und da gibt es auch gewisse Ähnlichkeiten zu Dolly Parton. Auch er kommt aus einer schwierigen, aus schwierigen Familienverhältnissen. Wir haben auch darüber gesprochen über seine Kindheit, über seinen alkoholkranken Vater, über Gewalt und auch darüber, warum Hubertus schon relativ jung entschieden hat, therapeutische Hilfe anzunehmen und sein Leben auch selbst in die Hand zu nehmen. Welche Kraft er daraus auch gewonnen hat und die ihn dann vielleicht auch bis zu dem getragen hat, wo man ihn heute eben so erlebt. Im Fernsehen als Moderator der NDR Talkshow, aber eben auch als super erfolgreicher Filmproduzent. Als Weltreisenden und als neugierigen Menschen. Und da gibt es auch eine Frage, die mich ja sehr stark beschäftigt hat, die ich auch mit ihm besprochen habe: Werden die Verletzungen unserer Kindheit mit zunehmendem Alter eigentlich kleiner oder verstehen wir sie dann irgendwann einfach nur besser? Hast du darauf eine Antwort, wenn ich dich jetzt quasi so aus der Hüfte das fragen würde?

Brigitte Huber 44:20
Ich würde jetzt ganz klar sagen, das kommt darauf an, wie ich mich damit auseinandergesetzt habe. Ich meine, das haben wir auch bei Verena König gemerkt, der Traumaexpertin. Das haben wir auch bei Helma Sick mitgekriegt, die ja zwei Therapien in ihrem Leben gemacht hat, wie wirkungsvoll Therapie sein kann, dass es aber auch sein kann, dass wir ein Thema ganz, ganz lange Jahre wegschieben, nicht an uns heranlassen und dass es uns dann einholt. Und insofern, wenn ich das natürlich zu stark mache, kann es sein, dass es sich irgendwann mal rächt. Wenn ich das zulasse, kann es sein, dass es noch mal eine ganz, ganz tolle Wandlung gibt. Also würde würde ich jetzt nicht sagen, es gibt da den einen Weg. Alles wird mit der Zeit blasser, alles oder alles wird noch mal schmerzhafter und virulenter. Bist du einverstanden mit meiner Antwort?

Stephan Seiler 45:06
Ich bin total einverstanden. Ich möchte noch kurz allen da draußen zurufen, die sagen: Hä, wie? Helma Sick und Verena König, das waren Interviewgäste von uns. Wir werden noch mal in die Shownotes, in die Folgenbeschreibung reinschreiben, wo ihr die Folgen finden könnt. Verena König hatten wir ja gerade in den letzten beiden Wochen zu Gast. Was mir an Hubertus Meyer-Burckhardt auch so imponiert hat, war seine Haltung zum Optimismus. Dass bei ihm mit zunehmendem Alter der Optimismus stärker und der Zorn schwächer geworden ist. Und das fand ich eine wahnsinnig schöne Definition von Reife. Das hat mich richtig energiegeladen zurückgelassen. Fragst du dich das auch manchmal, was bei uns stärker geworden ist, was schwächer geworden ist?

Brigitte Huber 45:51
Na, ich finde, das passt auch, was wir vorher besprochen haben mit diesem Positivitätseffekt. Tatsächlich scheint ja sogar unser Gehirn uns dabei zu unterstützen. Und vielleicht, wenn das allein nicht reicht, und das kann durchaus sein, dann wird es unsere Lebenserfahrung sein, dass natürlich auch uns Pessimismus nicht wirklich weiterbringt. Natürlich können wir pessimistisch sein und sagen: Ja, hm, ja, aber— Also wir können pessimistisch sein und sagen: Es ist eh alles vergänglich, wir können eh nichts ändern. Und so weiter und so fort.

Stephan Seiler 46:22
Bringt doch nix, ne?

Brigitte Huber 46:22
Bringt nur nichts.

Stephan Seiler 46:24
Genau.

Brigitte Huber 46:25
Und Optimismus macht das Leben mehr Spaß.

Stephan Seiler 46:30
Ja, aber diesen Satz, das klingt so trivial, Brigitte, aber ich muss mir das auch immer wieder vor Augen halten, weil der natürliche Impuls ist, glaube ich, bei vielen Menschen, da bin ich gar nicht allein, oftmals erstmal so ins Negative zu verfallen, nach dem Motto: Ah ja, war doch gleich klar, dass das nicht klappt. Oder: Ach ja, Mensch, daraus konnte doch eh nichts werden. Und das kostet auch ein bisschen Energie, Okay, dann wieder quasi einen Schritt zur Seite zu gehen. Und ich bin wahnsinnig froh, dass Hubertus da den einen oder anderen Impuls gegeben hat. Du machst das ja auch ständig und das wirkt. Also ich brauche das. Ich brauche auch immer wieder von außen so einen Anstupser. Also danke, Brigitte, wenn du das tust.

Brigitte Huber 47:04
Ja, und Pessimismus ist natürlich auch immer die bequeme Ausrede, überhaupt nichts zu tun. Da bin ich wieder bei Dirk Steffens, dem Wissenschaftsjournalisten, den wir vor ein paar Monaten hatten und der gesagt hat, Pessimismus ist auch ein Privileg für reiche Leute, weil jemand, der in einer ganz, ganz schwierigen Lebenssituation irgendwo auf einem Kontinent oder in einem Land ist, wo er ums Überleben kämpft, kann sich Pessimismus überhaupt nicht leisten, weil ansonsten geht er unter und verhungert mit all seinen Kindern oder ihren.

Stephan Seiler 47:32
Ja.

Brigitte Huber 47:33
Insofern bei uns natürlich ist die Gefahr, dass wir uns irgendwie so ein bisschen frustriert auf die Couch setzen und uns vielleicht ein paar Serien reinknallen. Und danach sind wir noch schlechter gelaunt, ist die Gefahr größer. Und um umso wichtiger ist es, dass wir uns da schon immer wieder selber mobilisieren. Und Hubertus kann das anscheinend.

Stephan Seiler 47:52
Definitiv, das kann er. Also ihr seid alle eingeladen, nächste Woche hier wieder einzuschalten und zuzuhören. Wir sprechen auch über Freundschaft, über Männer, die lieber über ihre Funktion als über Gefühle sprechen, über die Frage, warum ein guter Fragesteller vor allem zuhören muss, über den Unterschied zwischen Zuhören und Hinhören. Das kann er auch.

Brigitte Huber 48:07
Oh, hast du dir was abgehört? Hast du ihn gefragt? Okay, ich bin gespannt.

Stephan Seiler 48:11
Ich habe es versucht. Ich habe es versucht. Ich habe aber auch in dem Interview einmal vorgeführt, wie man es nicht macht. Also wenn ihr mich mal in einer hochnotpeinlichen Situation erleben möchtet, dann schaltet unbedingt nächste Woche wieder ein, ihr Lieben, auf diesem Kanal. Dann könnt ihr dabei sein.

Brigitte Huber 48:27
Also ich verspreche, ich bin dabei. Nächste Woche wieder.

Stephan Seiler 48:29
Ausgezeichnet. Ich bin auch dabei.

Brigitte Huber 48:32
Und du musst dabei sein, wenn du der Fragesteller bist.

Stephan Seiler 48:35
Definitiv. Ich werde dabei sein. Vielleicht noch ganz am Ende, um diese Folge gut abzubinden, die mit Dolly Parton begann und mit Hubertus Meyer-Burckhardt endet. Vielleicht haben ja die beiden, Dolly Parton und Hubertus Meyer-Burckhardt, bei aller Unterschiedlichkeit etwas gemeinsam. Beide sagen nicht: Wie kann ich verhindern, dass ich alt werde? Sondern eher: Was mache ich mit der Zeit, die ich habe?

Brigitte Huber 49:00
Ja, dann würde ich an der Stelle sagen, wir freuen uns auf nächste Woche. Auf geballte Lebensweisheiten von Hubertus Meyer-Burckhardt und Stephan Seiler. Herzlichen Dank fürs Zuhören und herzlichen Dank an Leo Ebert Klang für das Sounddesign, an Bennett Polenz, der sich um unsere Social-Media-Kanäle kümmert: Instagram, YouTube, Facebook.

Stephan Seiler 49:24
Da könnt ihr uns natürlich auch immer erreichen.

Brigitte Huber 49:26
An Ali Nazar Wallisch, die unsere Kachel immer so schön gestaltet und umgestaltet.

Stephan Seiler 49:31
Und natürlich an Luisa Abraham und ihr fantastisches Vermarktungsteam von Zebra Lucian. Wenn ihr bei uns werben möchtet, dann freuen wir uns drauf. Schreibt ihnen eine Nachricht, den Kontakt packen wir auch in die Folgenbeschreibung, in die Shownotes. Wir hören uns wieder nächste Woche Mittwoch.

Brigitte Huber 49:48
Macht's gut, bis dann, tschüss!

Stephan Seiler 49:48
Und weiterhin fröhliches Älterwerden.

Brigitte Huber 49:50
Tschüss!

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Folge

7

·

66 Min.

Mit

Marc Wittmann

Warum sind wir alle Zeitoptimisten? Weshalb warten wir so ungern, selbst wenn wir genügend Zeit haben?

Impulse aus dieser Folge

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Sätze wie „wir alte Weiber“ muss sich niemand gefallen lassen, auch nicht von sich selbst. Brigitte Huber wehrt sich dagegen, sich vom Alter etwas vorschreiben zu lassen, und rät, sich weder selbst unter Druck zu setzen noch unter Druck setzen zu lassen.

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Zum Mitnehmen

Wichtiger als eine Bucket List mit allem, was man noch erleben möchte, ist für Stephan Seiler eine andere Frage: Womit verschwende ich gerade Zeit, obwohl ich längst weiß, dass sie begrenzt ist?

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Weder „du musst deine Falten lieben“ noch „jetzt mach endlich mal was“: Brigitte Huber hält beide Sätze für Vorschriften. Streng seien wir dabei vor allem mit anderen, sagt sie, und nennt das die innere Oberlehrerin.

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Will ich das mit 80 noch, oder kann das weg? Eine Person nennt Dinge, beide antworten ganz spontan. Bei Brigitte Huber und Stephan Seiler waren es etwa arbeiten, flirten, Nachtclubs, neue Freundschaften, Instagram, allein reisen und sich verlieben. Instagram kann bei beiden weg. Neue Freundschaften bleiben, und mit 80 würden sie erst recht wichtig, findet Brigitte Huber, weil vielleicht andere wegfallen.

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Natürlichkeit und Authentizität sind für Brigitte Huber zwei Paar Stiefel, auch wenn wir beides im Alltag gern gleichsetzen: Natürlich ist, wer wenig an sich verändert; authentisch, wer sich als Persönlichkeit nicht verstellt. Ein Maßstab für sich selbst: Wo verändere ich etwas an mir, und wo verstelle ich mich?

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Die entscheidende Frage sei vielleicht nicht, wie man jung bleibt, sondern wie man in Bewegung bleibt, sagt Stephan Seiler: Er habe einfach keine Zeit, sein Leben immer kleiner werden zu lassen. Behalten will er die Beweglichkeit, körperlich wie innerlich, um woanders wohnen, neu denken und mit früheren Glaubenssätzen aufräumen zu können, statt aus Sturheit oder Bequemlichkeit an alten Formen festzuhalten.

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Huber & Seiler

Die Sache mit dem Älterwerden.

Klüger älter werden, ohne sich jünger machen zu müssen.

Ein unabhängiger Podcast von Brigitte Huber & Stephan Seiler.