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70 Min.

Wie kommen wir in Kontakt – mit anderen und mit uns selbst, Stefanie Stahl? Was hilft, gelassen älter zu werden?

In dieser Folge holen Brigitte und Stephan ein Gefühl ins Rampenlicht, das wir alle kennen – manche nur sonntags, andere jeden Tag: Einsamkeit.

Beziehungen

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Überall, wo es Podcasts gibt:

Ihr Gast, Deutschlands (nach Buchverkäufen) erfolgreichste Psychologin Stefanie Stahl, erzählt offen, dass sie dieses Gefühl bestens kennt. Früher vor allem als Single, wenn die Stille zu laut wurde und die Gedanken keinen Ausschaltknopf hatten. Was ihr half? Struktur, Ablenkung, Bewegung und Verbundenheit. Einsamkeit sei kein „Ich-bin-mal-allein“-Gefühl, sondern ein Mangel an Verbindung – zu anderen und zu sich selbst. Warum sich viele einsam fühlen, obwohl sie sozial eingebunden sind? Weil sie Rollen spielen, statt wirklich sie selbst zu sein. Ein echtes Stahl-Thema: Das Schattenkind, das sich versteckt, um bloß nicht abgelehnt zu werden. (Wie passend, dass ihr Mega-Bestseller “Das Kind in dir muss Heimat finden” Jubiläum feiert.)

Stefanie Stahl erzählt, dass sie schon mit 14 hochgerechnet hat, wie lang ihre Eltern noch leben – und sie selbst. Sie sagt: „Wenn ich morgen tot umfalle, war es trotzdem ein mega Leben.“

Stefanie Stahl erklärt, warum wir gesellschaftlich einsamer sind als früher, und spricht darüber, warum besonders Männer unter Einsamkeit leiden.

Wie man Einsamkeit erkennt und wie man verhindert, selbst ein granteliger alter Sack zu werden.

(Und wie Stephan den Kontakt zu seinen Mitspielern beim Handball verbessern kann.)

Stefanie Stahl hat auf alles eine klare Antwort – in dieser psychologischen Deep-Dive-Folge.

Kapitelmarken

  • 00:00 Was Stefanie Stahl macht, wenn sie sich einsam fühlt

  • 06:28 Sind wir heute einsamer als früher?

  • 08:50 Fühlt sich Einsamkeit mit 20 anders an als mit 60?

  • 14:42 Die Angst vor Ablehnung

  • 20:36 Warum besonders viele Männer einsam sind

  • 27:04 Wie man den eigenen Vater zum Reden bringt

  • 30:45 Alleinsein vs. Einsamkeit

  • 39:41 Vergänglichkeit versus Hier und Jetzt

  • 44:37 Warum die 60 ein anderer Marker ist als die 50

  • 52:22 Einsam in Beziehungen: Was tun, wenn man nicht sofort gehen kann?

  • 55:13 Prägungen vs. neue Wahlfreiheit

  • 1:02:48 Stefanie Stahls Premieren

Transkript zur Folge

Stefanie Stahl 0:00
Und das Wichtigste ist, und das ist auch das Kernstück einer jeden Psychotherapie, wenn man es mal wirklich auf einen Satz herunterbricht, ist, dass man lernt, die Vergangenheit von der Gegenwart zu unterscheiden. Das ist ja immer so ein Mangel an Verbundenheit. Es geht ja immer um die Verbundenheit. Die Verbundenheit ist für uns Menschen das Aller Allerwichtigste. Wir brauchen Verbundenheit wie die Luft zum Atmen. Und deswegen ist Einsamkeit auch mit eines der allerschlimmsten Gefühle überhaupt, die es gibt. Mit 14 habe ich angefangen hochzurechnen, wie lange meine Eltern vielleicht noch leben. Ich hatte auch ältere Eltern, muss ich sagen. Und mir ist die Vergänglichkeit sowas von bewusst. Das ist bei mir ein Lebensthema. Realistisch betrachtet bin ich heute viel glücklicher als vor 10 oder 20 oder 30 Jahren, weil ich viel gesettelter bin.

Stephan Seiler 0:50
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Huber Seiler - Die Sache mit dem Älterwerden. Heute zu Gast, die Psychologin und Bestsellerautorin Stefanie Stahl. Stefanie Stahl ist vielen bekannt durch ihr Buch ”Das Kind in dir muss Heimat finden”, das vor 10 Jahren erschienen ist. In dem Buch zeigt sie auf, wie früh kindliche Prägungen unser ganzes späteres Leben mitgestalten. Auch ihre weiteren Werke wie Jeder ist beziehungsfähig, indem sie die Nähe und Freiheit in Beziehungen thematisiert, zählen zu ganz, ganz großen Erfolgen. Millionenfach haben sie sich verkauft. Wir haben Stefanie Stahl in die Sache mit dem Älterwerden eingeladen, um mit ihr übers Älterwerden zu reden. Klar. Aber eben auch über ein Gefühl, das wohl alle die Einsamkeit. Brigitte, was haben wir heute gelernt?

Brigitte Huber 1:37
Ich habe gelernt, was Steffi Stahl als Psychologin macht, wenn sie sich einsam fühlt. Denn das kommt durchaus vor, warum sich Männer oft einsamer fühlen als Frauen. Und dass Haustiere niemals die einzige Lösung gegen Einsamkeit sein könnten und und warum sich der Blick in die Kindheit jetzt noch mal richtig lohnt, vor allem, wenn es auch darum geht, Einsamkeitsgefühle aufzulösen.

Stephan Seiler 2:04
Ich fand es total spannend anzuhören, was Stefanie Stahl hilft, wenn sie die Angst vor dem Alter packt. Was hilft, wenn man im Freundes oder Familienkreis einen lieben Menschen entdeckt, der offenbar von Einsamkeit geplagt wird. Wie man es am besten anstellt, die Person aus dieser Einsamkeit wieder rauszuholen. Ich bin Stephan Seiler.

Brigitte Huber 2:25
Ich bin Brigitte Huber und das ist die Sache mit dem Älterwerden.

Stephan Seiler 2:40
Steffi, fangen wir direkt mit der Einstiegsfrage an. Wann hast du dich zum letzten Mal einsam gefühlt?

Stefanie Stahl 2:47
Oh, also ich kenne das Gefühl ganz gut. Gott sei Dank habe ich mich schon länger nicht mehr einsam gefühlt. Ich habe mich öfter einsam gefühlt, als ich mal eine Zeit lang Single war. Da fand ich vor allem die Sonntage immer brandgefährlich. Also das waren oft so einsame Tage, wo ich mich einsam gefühlt habe. Und da habe ich auch immer geguckt, dass ich irgendeine Sonntagsstruktur habe, also dass ich eben auch was vorhab. Und jetzt bin ich aber schon lange ja auch wirklich verheiratet. Und jetzt fühle ich mich eigentlich sehr selten einsam, manchmal nach einem tollen Fest. Also auch, wenn wir selber eine tolle Party hatten und dann wir geben ja sehr gerne Partys oder ich vor allem. Und mein Mann macht halt mit.

Stephan Seiler 3:40
Der.

Stefanie Stahl 3:40
Verhindert es nicht, sagen wir mal so. Und wir dann wieder eine ganz tolle Party hatten und dann wir geben tatsächlich auch Hauspartys und das ist ein ganz schöner Aufwand, weil die dann auch relativ.

Stephan Seiler 3:50
Groß sind bei dir zu Hause.

Stefanie Stahl 3:52
Ja, ja. Und dann am nächsten Tag diese Wohnung und dann denkst, oh, jetzt ist alles vorbei und es sieht noch schlimm aus von der Party vorher. Und wenn dieses schöne Fest vorbei ist, dann kenne ich das auch ganz gut so mit Einsamkeit.

Brigitte Huber 4:07
Jetzt bist du ja Psychologin. Was macht eine Psychologin, wenn sie sich einsam fühlt? Du hast vorher schon gesagt, als du Single warst, dass du versucht hast, mit Struktur dagegen zu steuern. Was für Methoden hast du noch angewandt?

Stefanie Stahl 4:20
Ablenkung ist wirklich mit die beste Methode. Also weil ich ja, das muss ich dazu sagen, wenn ich es jetzt auf mich beziehe, ich war ja nicht grundsätzlich einsam in meinem Leben, sonst würde ich gucken, dass ich mir mehr Beziehungen suche, meine Beziehungen zu mir selber stabilisiere. Es gibt ja noch ganz andere Faktoren. Bei mir war es ja tatsächlich eher so eine gefühlte bisschen äußere Einsamkeit. Ich muss dazu sagen, wo ich Single war, meine Familie war auch weit weg. Ich habe jetzt nicht in der Nähe Eltern wohnen oder Geschwister oder ich habe keine Kinder, wollte ich ja auch nie haben. Also wenn ich dann Single bin, bin ich wirklich Single. Ich habe da natürlich Freunde, ich hatte immer gute Freunde, aber das macht schon nochmal einen Unterschied, wenn ihr wisst, was ich meine.

Brigitte Huber 5:04
Absolut.

Stefanie Stahl 5:05
Also es war jetzt keine strukturelle Einsamkeit, wie sie manche Menschen haben, die in sich selber so einsam sind, weil sie zu wenig Verbindung zu sich selbst haben oder auch in Verbindung mit anderen Menschen oft das Gefühl haben, sie spielen eine Rolle, weil sie sich nicht trauen, richtig authentisch zu sein. Also da sind die Maßnahmen natürlich andere. Aber wenn das so ein temporäres Ding ist, da hilft am meisten Arbeit, Bewegung, wahnsinnig, weil Einsamkeit hat auch immer einen depressiven Touch und da hilft immer Bewegung. Bewegung hilft sensationell gut, auch Kraftbewegung, weil das schüttet Festes zu aus und Testosteron ist gut für die Laune und Struktur. Deswegen sind ja auch viele eher am Wochenende einsam, weil sie in der Woche diese gute Tagesstruktur haben, die sie hält interessant war.

Brigitte Huber 5:52
Ich habe in einer unserer ersten Folgen, Stephan erzählt auch zum Thema Einsamkeit, dass ich das hatte, als ich nach Hamburg kam und die Ehe war auseinandergegangen und ich war an den Wochenenden allein, mein Kind beim Vater, also jedes zweite Wochenende. Und dass ich dieses Gefühl am Sonntagnachmittag, dass mir ohne Vorwarnung die Tränen kamen, vorher gar nicht so kannte. Und das war für mich auch die Einsamkeit. Und das sind dann diese Tage, wo du manchmal 24 Stunden mit niemand anderem mehr geredet hast und völlig auf dich zurückfällst. Aber das ist eine temporäre Geschichte in der Regel.

Stephan Seiler 6:28
Genau jetzt ist Einsamkeit momentan stark im Fokus. Im Sommer kam die Meldung, dass der Trigema Chef Krupp Probleme hatte mit Alterseinsamkeit. Gerade vor ein paar Tagen lief ein Film in der ARD von Carolin Kebekus und Peter Maffay, wo die beiden dafür sensibilisiert haben, übrigens in der Halbzeitpause eines Fußballspiels, dass man sich mehr mit der Einsamkeit beschäftigen soll, dass man auch Menschen um sich herum kontaktieren soll, die man vielleicht schon lange nicht mehr kontaktiert hat. Aus deiner Sicht, aus deinem Erleben, du hast ja Podcasts, die sehr viele Menschen erreichen. Du bist mit deinen Büchern erfolgreich, erreichst du unfassbar viele Menschen. Wie groß ist das Thema Einsamkeit aus deiner Sicht? Sind wir heute einsamer als früher?

Stefanie Stahl 7:08
Ich denke schon, dass wir einsamer als früher sind, weil einfach mehr Strukturen weggefallen sind, die das früher besser verhindert haben. Das zum einen Mal auch die Digitalisierung zu nennen, dass es eben viele Menschen gibt, die zwar digital sehr viel unterwegs sind, aber darüber hinaus echte Beziehungen vernachlässigen. Durch die vielen digitalen Strukturen sind auch Strukturen weggefallen, die es früher einfach gab, so was wie ein Stammcafé oder eine Stammkneipe, also einfach Treffpunkte. Ich bin ja jetzt schon 61 und ich bin damit aufgewachsen, dass man einfach viel mehr auch ausgegangen ist, da Leute kennengelernt hat, sich getroffen hat, dass man wirklich so was wie so ein Stammcafé hatte oder eine Stammkneipe. Kneipen gibt es ja in dem Sinne viel, viel weniger oder auch noch so richtig. Also man war dadurch, dass man nicht so digital unterwegs war, viel mehr im wirklichen Leben unterwegs. Und das hat natürlich Strukturen geschaffen und wir haben auch immer höhere Anforderungen und die machen auch einsam so Leistungsdruck. Viele, die so sich unter Druck fühlen und so gestresst fühlen und auch damit einhergehend unter Versagensängsten leiden, die erleben oft auch eine gewisse Einsamkeit, weil sich dieses Gefühl auch nicht immer so gut teilen lässt. Und so die Gefühle so Einsamkeit, Angst und Depression, die sind wahnsinnig eng miteinander verbunden und das löst solche Gefühle eben auch aus. Also es ist so einiges passiert in unserer Gesellschaft. Da sind auch noch weitere Faktoren zu nennen, aber die eben das tatsächlich etwas stärker befördern als früher.

Brigitte Huber 8:50
JULIA ROTHERBL Würdest du sagen, das betrifft alle Altersgruppen, was du da gesagt hast, mit dem Leistungsdruck auch oder ist es speziell für die Jüngeren?

Stefanie Stahl 8:59
Der Leistungsdruck ist natürlich für die Jüngeren und das mittlere Erwachsenenalter. Die Einsamkeit im Alter ist mir dadurch gekennzeichnet, dass wirklich Menschen sterben, dass man real tatsächlich immer einsamer wird. Die Einsamkeit in der Jugend ist mehr dadurch gekennzeichnet, dass man so ringt mit der eigenen Identität und nicht richtig weiß, wo man sich einordnen soll und zu welcher Gruppe man wirklich gehört. Also so ein bisschen damit ringt mit dem Gefühl der Zugehörigkeit. Und in mittleren Jahren ist sie oft damit verbunden mit dem Gefühl der Überforderung, aber eben auch, dass man eigentlich äußerlich sozial integriert ist, aber innerlich nicht immer so das Gefühl hat, dass man wirklich mit anderen Menschen verbunden ist, weil man zu sehr im Außen funktioniert und dadurch den Kontakt mit sich etwas verloren hat.

Stephan Seiler 9:51
Also Einsamkeit findet in allen Altersgruppen statt. Das stützen, glaube ich, auch einige Studien, die jüngst herausgekommen sind, dass auch sehr viele jüngere Menschen betroffen sind, genauso wie ältere oder auch im mittleren Alter, wie du sagst. Aber es fühlt sich etwas ist dann doch, hat dann andere Ursachen und fühlt es sich dann auch anders an? Würdest du sagen, das Gefühl ist ein anderes, das Einsamkeitsgefühl vielleicht auch, kannst du es auch von dir aus bestätigen? Fühlt sich deine, wenn du es heute mal punktuell spürst, dann doch anders an, als damals, als du Single warst, einsam zu sein?

Stefanie Stahl 10:20
Also ich glaube eigentlich nicht. Ich bin, ich kann es jetzt auch nicht sicher sagen, weil ich ehrlich gesagt mich mit dieser Frage jetzt auch noch nicht so sehr beschäftigt habe. Aber aus meiner Erfahrung heraus fühlen sich ja Gefühle doch immer sehr ähnlich an. Und dieses einsame Gefühl ist ja so ein leicht depressives, verlorenes Gefühl und damit einher, und das ist ja aber immer so, das hat auch dieses leicht Depressive damit zu tun, geht ja in allen Altersgruppen auch oft so eine gewisse Hoffnungslosigkeit. Also ich mein, im Alter ist die natürlich realistischer zu sagen, das wird jetzt schwierig, noch viele neue Menschen kennenzulernen. Vielleicht ist man einfach auch gesundheitlich enorm eingeschränkt und kann auch gar nicht mehr so. Aber auch junge Leute, die sich akut einsam fühlen über einen längeren Zeitraum, haben ja in dem Moment nicht die Hoffnung, dass es so viel besser wird. Das ist immer so. Die Depression erschlägt immer die Hoffnung.

Brigitte Huber 11:18
Wenn wir uns jetzt vorstellen, uns hören Menschen zu, die Ja, ich kenne dieses Gefühl der Einsamkeit. Welche Wege siehst du damit umzugehen? Was würdest du sagen, was sind die ersten Schritte?

Stefanie Stahl 11:32
Ich würde immer auf zwei Ebenen arbeiten, und zwar einmal die äußere. Wie komme ich in Kontakt? Also was kann ich aktiv tun, um mehr, also mehr Freunde zu finden oder mehr in Kontakt zu kommen mit anderen Menschen? Und die andere Ebene ist die innere Ebene. Wie komme ich besser in Kontakt mit mir selbst? Was ist denn in mir drin vielleicht, was zu meiner Einsamkeit beiträgt? Bei vielen sind es ja so negative Glaubenssätze, also so ein grundsätzliches Gefühl zum Beispiel nicht zu genügen oder nicht okay zu sein, was dann dazu führt, dass sie sich in Kontakt mit anderen Menschen immer so ein kleines bisschen verstellen oder nicht ganz sie selbst sind. Und dadurch sind sie zwar in Verbindung, fühlen sich aber nicht wirklich verbunden, weil sie grundsätzlich das Gefühl haben, einen Teil von sich verstecken zu müssen oder weil sie sich nicht trauen zu öffnen und über die Themen zu reden, die sie wirklich beschäftigen. Und und das macht einen ja sehr einsam, wenn man Probleme hat und hat keinen, mit dem man drüber reden kann, sondern das Gefühl hat, ich muss das immer mit mir alleine ausmachen. Also diese innere Reise, Was sind meine Themen? Was sind meine Glaubenssätze? Was macht es mir vielleicht schwer, auf andere Menschen zuzugehen? Welche inneren Annahmen habe ich denn, wenn ich auf andere Menschen zugehe? Viele rechnen ja viel mehr mit Ablehnung, als dass sie damit rechnen, dass sie gemocht werden und willkommen sind. Das sind alles so innere Themen und damit lohnt es sich auf jeden Fall zu beschäftigen und gleichzeitig auf der äußeren Ebene dafür zu sorgen, dass man mehr in Kontakt kommt mit anderen Menschen.

Brigitte Huber 13:20
Noch mal zu den Glaubenssätzen, Wie mache ich mich da auf die Reise? Nehme ich mir einfach die Zeit und denke, was fallen mir für Sätze ein, die mir von meinen Eltern gesagt wurden, die mir vom Umfeld gesagt wurden? Oder wie würdest, also eine Alternative wäre auch dein Buch zu lesen, da kommen wir später noch mal drauf.

Stefanie Stahl 13:37
Eine super Alternative.

Brigitte Huber 13:40
Ja, das wäre die Abkürzung. Genau. Aber was würdest du raten?

Stefanie Stahl 13:45
Ich würde raten, sich einfach mal im Moment Zeit zu nehmen und sich mal in Ruhe hinzusetzen und mal darüber nachzudenken, wie war das eigentlich bei mir daheim? Also waren meine Eltern liebevoll zugewandt? Habe ich mich verstanden gefühlt? Und mich dann mal so zu fragen im tiefsten, was glaube ich eigentlich? Was bin ich wert, So ganz tief im Inneren? Und was glaube ich, muss ich tun, um geliebt zu werden? Das sind eigentlich so die zentralen Fragen. Und bei den meisten Menschen kommen da sehr schnell Antworten. Dafür muss jetzt die Kindheit noch nicht mal besonders dramatisch gewesen sein oder das Umfeld. Aber viele Menschen haben doch einen relativ hohen Anpassungsdruck. Also dieses Gefühl, dass sie so wie sie wirklich sind, eben nicht liebenswert sind, sondern in irgendeiner Form irgendetwas dafür tun müssen oder leisten müssen.

Stephan Seiler 14:42
Ich erlebe auch immer wieder in meiner Umgebung von gewissen Menschen, die auch einsam wirken, dass sie solche Sätze auch sagen, Ja, ich war schon immer ein Einzelgänger oder ich stamme aus einer melancholischen Familie, habe ich gehört. Oder aber auch den Satz, der macht mich wahnsinnig, wenn ich das höre, ja, am liebsten habe ich eigentlich nur meine Tiere um mich rum, weil meine Tiere sind so viel lieber als die Menschen. Und da steckt dann immer so viel Schmerz in diesen Sätzen. Und zugleich höre ich die aber von ganz, ganz vielen Personen aus ganz verschiedenen Altersgruppen auch. Und ich frage mich immer, was könnte ich jetzt dieser Person mitgeben, was könnte ich dir zurufen, damit sie das Verhalten vielleicht reflektiert? Oder würdest du, dann ist es halt so, dann soll die Person halt besser mit ihrem Hund klarkommen als mit allen anderen Menschen.

Stefanie Stahl 15:26
Also es ist ja, wie du sagst, Stephan, dahinter steckt ja eine ganz, ganz tiefe Frustration, die ja auch eine Erwartungshaltung ausdrückt, nämlich ich erwarte eigentlich, dass ich abgelehnt werde. Und das hängt immer mit alten Lernerfahrungen zusammen, die normalerweise bis in die Kindheit zurückreichen. Und jetzt passiert ja eben das Folgende. Nehmen wir mal an, um es mal konkret zu machen, nehmen wir mal an, ich habe als Kind relativ viel Ablehnung erfahren oder ich habe mich einfach nicht wirklich gut verstanden gefühlt und habe dadurch so gemerkt, irgendwie so wie ich bin, bin ich irgendwie verkehrt. Also irgendwie bin ich ein Fehler. Ganz viele Menschen haben ja das Gefühl, dass sie irgendwie ein Fehler sind. Und das war jetzt meine Lernerfahrung, weil meine Eltern, mein Umfeld selber ihre Probleme hatten, also nicht fähig genug waren, eine richtig gute Bindung zu haben, zu mir herzustellen. Das ist ja in der Verantwortung der Eltern, nicht in der Verantwortung des Kindes, eine gute Bindung herzustellen. Und jetzt hat das so mein Gehirn geprägt und mit diesem geprägten Gehirn wachse ich auf und mein Gehirn berechnet immer seine Erwartungen für die Zukunft aufgrund der Erfahrungen in der Vergangenheit. Das heißt, dieses Gehirn rechnet mit Ablehnung. Und das Wichtigste ist, und das ist auch das Kernstück einer jeden Psychotherapie, wenn man es mal wirklich auf einen Satz herunterbricht, ist, dass man lernt, die Vergangenheit von der Gegenwart zu unterscheiden. Dass das Gehirn lernt, pass mal auf, da draußen, die Welt ist nicht Mama und Papa, da draußen gibt es Menschen, mit denen du gut klarkommen würdest, die dich willkommen heißen würden, die dich mögen würden. Aber wenn ich aus Angst vor dieser Ablehnung, darum geht es ja, die Menschen haben Angst, abgelehnt zu werden und beschützen sich, indem sie sich gar nicht erst in die Situation bringen, abgelehnt zu werden. Das ist ja eine Selbstschutzstrategie, wenn ich die meiste Zeit mit meinen Tieren verbringe, weil die mögen mich immer, die sind auch immer zugewandt und der Hund wedelt immer, selbst wenn ich nur fünf Minuten aus der Tür raus war. Das ist auch ein wunderschönes Gefühl. Ich habe selber einen Hund. Ich weiß, wie eng da diese Bindung sein kann und wie bedingungslos sich diese Liebe anfühlt. Aber wenn ich aus Selbstschutz im Grunde nur noch Zeit mit meinem Hund verbringe und mit meinem Tierpark, dann bin ich natürlich schon einfach auch einsam, weil die Tiere können das nicht ersetzen oder Menschen, viele, die sich eben aus Selbstschutz freiwillig einsam machen, aber die gehen alle von falschen Voraussetzungen aus, nämlich der Voraussetzung, dass die Botschaft, die sie als Kinder erfahren haben, der Wahrheit entspricht.

Brigitte Huber 18:02
Und wenn ich jetzt aber in die Vergangenheit gereist bin, diese Glaubenssätze tatsächlich auch gefunden habe, ist das dann der erste Schritt schon? Und wie gehe ich dann weiter vor? Wie finde ich dann quasi den Weg raus aus der Einsamkeit?

Stefanie Stahl 18:16
Ja, also der erste Schritt wä Ich stelle fest, Mensch, ja stimmt, Ich habe wirklich echt, das war ein bisschen schräg oft daheim. Ich habe mich schon als Kind nie richtig verstanden gefühlt. Hat vielleicht auch dazu geführt, dass es in der Schule auch nicht immer so gut weiterging für mich, weil ich schon vielleicht in der Schule so gehemmt war, dass ich da schon oft so ein bisschen einzelgängerisch unterwegs war. Okay. Und ich habe da ganz blöde Glaubenssätze wie ich bin zum Beispiel nicht liebenswert und so zu verstehen. Hey, stell dir mal vor, du hättest wirklich Eltern gehabt oder deine eigenen Eltern wären wesentlich psychisch besser aufgestellt gewesen, die wären kindlich gesprochen heil gewesen. Dann hättest du ja jetzt ein ganz, ganz anderes Gefühl und ganz andere Botschaften. Das ist ja völlig willkürlich und du wärst ja immer noch dasselbe Kind gewesen. Das ist ja das Verrückte. Man muss sich erst mal die Willkür der ganzen Angelegenheit klarmachen und sich dann Welche inneren Glaubenssätze sind denn vielleicht viel realistischer und passen viel besser in meine heutige Zeit? Zum Beispiel Glaubenssätze wie ich darf dazugehören oder ich bin genauso viel wert wie andere. Und sich damit mal innerlich zu verbinden und auch mit sehr viel Selbstmitgefühl mit diesem inneren Teil umzugehen, der so verletzt ist, also mit diesem verletzten Schattenkind, so sage ich es ja immer, das so verletzt wurde, das Schattenkind, das mal so ein bisschen an die Hand zu nehmen und dem zu erklä Pass mal auf da draußen, die Welt ist nicht Mama und Papa, wir sind heute groß und es ist einfach so, wenn wir uns freundlich verhalten und einigermaßen gut zuhören und sagen wir mal so, nicht stinken, sondern einigermaßen gepflegt aussehen, gibt es überhaupt keinen Grund, dass wir abgelehnt werden. Also wir, ich, der innere Erwachsene, mein inneres Kind und ich nehme dich jetzt mal an die Hand. Also der innere Erwachsene nimmt das Kind an die Hand und jetzt fragen wir mal die nette Kollegin, die immer so nett ist, ob wir nicht mal zusammen die Mittagspause verbringen wollen oder ob man sich nicht mal abends nach dem Job einfach mal noch auf den Drink trifft oder so. Also ich sage immer, man kann auch mit Angst handeln. Also man darf die Angst auch nicht immer zum totalen Ratgeber für meine Handlungen machen. Man kann mit Angst jemanden ansprechen, einfach dann auch mal neue Erfahrungen machen.

Stephan Seiler 20:36
Mein Eindruck ist, und das lese ich auch immer wieder in Studien, dass vor allem Männer Opfer von Einsamkeit werden und sie offenbar aber auch anders verarbeiten als Frauen. Das tun offenbar nicht ganz so gut, sich dann vielleicht noch mehr verkapseln, so habe ich es gelesen. Auch viele junge Männer betrifft das angeblich gerade im Teenageralter, aber auch in den ERN. Ich kenne auch ein paar Männer in meinem erweiterten Bekanntenkreis, die überkamen dann die Einsamkeit mit Anfang Mitte 40 und dann auch die Flucht in so Echo Räume, also YouTube, soziale Medien, die einem dann recht geben, die einem vielleicht dann auch die eigene Einsamkeit verstärken oder vielleicht auch dann die Wut auf gewisse andere Gesellschaftsgruppen verstärken, von denen man sich dann nicht ganz so akzeptiert fühlt. Wie siehst du dieses Phänomen? Ist das ein Zeitgeist Ding? Ploppt das kurz auf, weil jetzt alle drüber reden oder hat das wirklich Substanz?

Stefanie Stahl 21:28
Ich vermute, dass das wirklich Substanz hat, weil es ist ja oft so, dass über Sachen mehr geredet wird und plötzlich verstehen auch viel mehr Menschen, dass sie selber betroffen sind. Das ist mit Depressionen genauso. Also wir haben eine erhöhte Rate, also diagnostizierte Rate von Depressionen, aber nicht, weil die Leute zwangsläufig depressiver werden, sondern weil eine viel bessere Bewusstheit über dieses Krankheitsbild in der Gesellschaft vorhanden ist und auch bei Ärzten. Und diese männliche Einsamkeit hat ja sehr viel damit zu tun, dass Männer bis heute, also es ist viel, viel, viel besser geworden in der Erziehung von Jungs, aber im Grunde es viel schwieriger haben, mit schwachen Gefühlen umzugehen. Also was Männer immer gut fühlen können, was auch legitime Männergefühle sind, gesellschaftlich, ist Freude und Wut. Also Wut ist akzeptiert und Freude ist auch akzeptiert und beides am besten auf dem Fußballplatz. Da kann man das alles mal so richtig rauslassen. Aber ansonsten haben ja Männer Schwierigkeiten, vor allem mit schwachen Gefühlen umzugehen, wie Angst, Ohnmachtsgefühle, Trauer. So und Schmerz. Schmerz. Und diese Gefühle haben Männer ja genauso wie Frauen. Aber wenn ich diese Gefühle immer wegsperre und mich gar nicht traue, darüber mal zu reden, dass ich gerade vielleicht eine Phase habe, wo ich mich oft hilflos fühle, wo ich mich überfordert fühle, wo ich mich, wo ich ängstlich bin, dann schafft das ja auch immer eine Art von Einsamkeit, weil ich mich dadurch nicht verbinde. Also Einsamkeit ist ja immer ein Mangel an Verbundenheit mit mir selber und oder mit der äußeren Welt. Und wenn ich einen Teil von mir, und zwar den wichtigsten Teil, nämlich mein Gefühlsleben, immer ausklammere, dann fehlt es an Verbindung sowohl zu mir selbst als auch im Außen.

Stephan Seiler 23:09
Angenommen, mir geht es jetzt so, angenommen, ich wäre einsam und würde viel Zeit zu Hause alleine verbringen und würde vielleicht auch Abrutschen in diese YouTube Rabbit Holz, so nennt man sie. Was würdest du mir mitgeben, welchen Tipp würdest du mir geben, damit ich da.

Stefanie Stahl 23:21
Rausfinde, die Gefühle innerlich mal zuzulassen? Also einfach mal zu sagen, guck mal, was geht eigentlich so in dir vor? Welche Gefühle sind da eigentlich? Also dir einfach mal die Erlaubnis zum Fühlen zu geben und dann mal zu gucken, ob es nicht vielleicht doch einen Menschen gibt in deinem Umfeld, sei es ein alter Freund, sei es ein Familienmitglied, was auch immer, wo du einfach mal dich trauen könntest, mal tatsächlich auch darüber zu sprechen und nicht nur über Sachthemen und Politik und was man im Job gerade macht, denn das ist ja auch was sehr Männliches, dass sie viel über Sachthemen reden oder viel ihre Freundschaften pflegen, indem man gemeinsam irgendetwas macht, gemeinsam zum Sport geht oder gemeinsam, was weiß ich, früher war es am Autoschrauben. Also irgendwie, dass man so dieses Nebeneinander hertun und dass man einfach sich traut, mal auch jemand anders, das kann ja auch eine Frau sein, das muss ja vielleicht auch nicht ein männlicher Freund sein, wenn es einem leichter fällt, bei einer Frau einfach mal über diese Themen auch tatsächlich zu sprechen, die einen wirklich beschäftigen.

Brigitte Huber 24:30
Man muss ja auch sagen, dass es die Generation über dir, Stephan, also unsere Generation, Steffi, bei den Männern eher noch stärker betrifft. Also ich finde das eine richtig tolle Nachricht, wenn man sich das anschaut, wie sich Jungs in den ERN heute austauschen, wenn alles gut läuft. Also dass die über Gefühle reden, offen. Also es gibt diese Tendenzen, da hast du vollkommen recht, Stephan, aber wenn man sich so den großen Querschnitt anschaut, dann haben Männer in ihren Ern Ern Ern immer noch deutlich. Mehr Probleme, über ihre Gefühle zu sprechen und schon gar über solche Dinge wie Einsamkeit, als das bei Jüngeren der Fall ist.

Stefanie Stahl 25:12
Absolut richtig.

Brigitte Huber 25:13
Da hat sich ein bisschen was, wirklich was getan, Da hat sich viel getan. Können wir uns auch irgendwie ein bisschen auf die Schulter klopfen?

Stephan Seiler 25:20
Ich glaube, es gibt beides parallel.

Brigitte Huber 25:22
Ja, ja, genau. Aber die Grosstendenz ist eben schon, glaube ich, kann man festhalten, dass ich, ich habe das auch in der Recherche für unser Buch von Psychologinnen und Psychologen gehört, wie schwer es jährigen Männern oder jährigen Männern eben fällt, über Gefühle zu sprechen, über Angst, über Einsamkeit, dass man fast schon überbrückende Vokabeln finden muss, um diese Themen anzu sprechen.

Stefanie Stahl 25:45
Ja, und das hängt natürlich auch damit zusammen, wenn man sich sein Leben lang von einem Großteil seines Gefühlslebens abtrennt, dann ist es ja nicht allein die Hürde, die Dinge auszusprechen, sondern die größte Hürde ist ja oft, die Dinge überhaupt zu benennen. Ja, das habe ich ja auch in der Psychotherapie mit Männern, dass sie ihnen das schwerfällt, selbst wenn sie wollen zu sagen, was da überhaupt in ihnen vorgeht und sie diese inneren Gefühle auch gar nicht so detektieren und auffinden können und dann beschreiben können, weil sie die ja immer abgespalten haben. Das heißt, viele Männer sind auch tatsächlich überfordert, auch wenn sie sich mit ihren Frauen unterhalten und die Frau dann immer ja, sag doch mal, sag doch mal, was in dir vorgeht. So jetzt erzähl doch mal. Und der Mann grummelt nur vor sich hin, weil es ihn total überfordert, weil es tatsächlich nicht formulieren kann. Also das ist nicht nur so, ich fühle mich schrecklich ängstlich und ohnmächtig und ich traue mich das nicht zu sagen, weil das ist unmännlich, sondern auch ich habe so ein Gefühl der Leere und weiß gar nicht, woher das kommt und kann dir gar nicht sagen, was da überhaupt in mir vorgeht. Also an diese Gefühle müssen die ja auch erst mal rankommen.

Stephan Seiler 27:04
Was empfiehlst du uns dann quasi vielleicht auch den Kindern dieser Väter? Wie können wir unsere Väter knacken, dass sie sich öffnen, dass sie bereit sind, über Dinge zu sprechen, von denen sie nicht mehr wussten, wie sie benannt werden.

Stefanie Stahl 27:19
Oh ja, das ist schwierig. Das ist ja im Grunde jetzt auch nicht so richtig der Job von den Kindern, aber vielleicht einfach mal die eine oder andere persönliche Frage zu stellen und dem einfach ein bisschen mehr Raum zu geben auch und dann mal vorsichtig nachzufragen oder so. Also man kann dann ja auch sagen, irgendeine Frage, die einen interessiert oder beim anderen und dann einfach mal sagen, sag mal, kann das sein? Vielleicht weißt du selber gar nicht manchmal so richtig, wie es dir geht oder so. Also dass man das genau das dann auch so freundlich spiegelt.

Brigitte Huber 27:55
Die Studie, von der ich vorher gesprochen habe, die besagt, von 237 Ländern wurden Menschen befragt zwischen 16 und 99 die zum einen auch belegt, dass Männer einsamer sind als Frauen, die belegt auch, dass wir in individualistisch angelegten Ländern einsamer sind als in solchen Ländern in Großfamilien und engere Gruppenbindungen eine größere Rolle spielen. Nachvollziehbar.

Stefanie Stahl 28:22
Das liegt doch auf der Hand. Ja, also es hat immer zwei Seiten einer Medaille. Zum einen hast du natürlich in Ländern, wo sehr viel auf Familie, auf Großfamilie und und und Wert gelegt wird, hast du natürlich mehr sozialen Druck. Also deine Freiheit ist oft kleiner, aber natürlich auch weniger Einsamkeit. Also je mehr Verhaltensfreiheit du hast und damit auch Loslösungen von engen Bindungen, desto höher wird die Gefahr der Einsamkeit, wenn.

Stephan Seiler 28:53
Ich da kurz anschließen darf. Ich habe selbst erlebt, aber auch viele andere Männer, die ich kenne, die s***** sind und das jahrelang vor ihrer Familie versteckt haben, dass die sich unfassbar einsam gefühlt haben in dieser Situation. Und das erlebe ich jetzt auch immer wieder bei Männern, die ungeoutet s***** sind oder ganz oder was auch immer und es nicht kommunizieren, gerade in Großfamilien. Sie sagen, dass es dann besonders erdrückend ist, wenn sie noch sehen, dass alle anderen ihr Leben super hinbekommen, sie selbst aber irgendwie so aus der Art schlagen. Also kommt es am Ende nicht nur auf die Anzahl der Mitmenschen um mich herum an, damit ich mich nicht einsam fühle, sondern auch um das Klima, das sie erschaffen, auf Ehrlichkeit, Toleranz, Offenheit. Ob sowas eine Rolle spielt, das spielt.

Stefanie Stahl 29:38
Eine enorme Rolle, weil es geht ja um den Wunsch dazuzugehören. Und wenn wir irgendwo dazugehören wollen, dann wollen wir nicht dazugehören für eine Rolle, die wir spielen, sondern wir wollen dazugehören, was wir wirklich sind. Denn erst wenn wir das Gefühl haben, wir werden wirklich als ganzer Mensch gesehen und angenommen, allem was zu mir gehört, also auch mein Schulsein oder was auch immer, fühlen wir uns ja wirklich angenommen und akzeptiert. Und in dem Moment, wo wir das Gefühl haben, wichtiger Teil, der wirklich zu mir gehört und der viel von mir ausmacht, den darf ich gar nicht zeigen und der wird auch nicht akzeptiert, dann fühle ich mich nicht angenommen. Und das führt zum Gefühl der Einsamkeit. Das ist ja immer so ein Mangel an Verbundenheit. Es geht ja immer um die Verbundenheit. Die Verbundenheit ist für uns Menschen das Allerwichtigste. Wir brauchen Verbundenheit wie die Luft zum Atmen. Und deswegen ist Einsamkeit auch mit eines der allerschlimmsten Gefühle überhaupt, die es gibt. Menschen, die unter Einsamkeit leiden, die leiden mehr und intensiver als Menschen, die jetzt einen Krebsleiden haben, aber dabei nicht einsam sind. Also Einsamkeit ist eines der unerträglichsten Gefühle überhaupt.

Brigitte Huber 30:45
Jetzt sehen sich ja viele Menschen, ich kenne das auch immer wieder nach Phasen des Alleinseins. Also ich merke, wenn man so ein volles Leben hat, dass es gut ist und für mich auch wichtig ist aufzutanken. Zwei, drei Abende für mich alleine sind Alleinsein und Einsamkeit nebeneinander. Kann ich aus einem einsamen Zustand einen Alleinsein Zustand machen oder ist da eine riesige Kluft dazwischen?

Stefanie Stahl 31:13
Also erstmal sind das zwei völlig verschiedene Zustände. Menschen die introvertiert sind, die tanken eben sehr gut im Alleinsein auf, die brauchen das. So Menschen, die extrovertiert sind wie ich, die tanken eher auf in netter Gesellschaft. Party muss gar nicht eine Party sein, kann einfach irgendwie einfach irgendjemand. Also wo man ein nettes Gespräch noch mal hat und so. Also wir Extrovertierten tun uns schwerer als die Introvertierten mit dem Alleinsein im Schnitt, weil wir auftanken in netter Gesellschaft. Aber man kann sich sehr, sehr wohl mit sich alleine fühlen, wenn man dabei ein Gefühl der inneren und auch äußeren Verbundenheit hat. Also wenn man innerlich gut mit sich selber verbunden ist und auch weiß innerlich, ich könnte den Zustand ja jederzeit beenden. Also Alleinsein ist ja oft freiwillig und Einsamkeit ist unfreiwillig. Einsamkeit hat auch immer einen Kontrollverlust, weil das ein Zustand ist, den man nicht möchte. Wenn du freiwillig mal zwei, drei Abende allein zu Hause bist, dann weißt du jederzeit kannst du eine Freundin anrufen oder kannst irgendwas unternehmen, um diesen Zustand zu beenden. Damit hast du Wahlfreiheit.

Brigitte Huber 32:23
Also es sind einfach zwei komplett unterschiedliche Dinge, weil es heißt ja auch immer, man soll auch lernen, allein zu sein. Und in Wahrheit fällt das je nach Typ entweder schwerer oder nicht so schwer.

Stefanie Stahl 32:35
Ja, ich habe immer so ein bisschen Zweifel an diesem man soll auch lernen allein zu sein. Natürlich ist das total cool, wenn man das gut kann, weil man dadurch natürlich auch wieder mehr Freiheitsgrade hat. Aber sagen wir mal so, die Evolution hat das gar nicht so vorgesehen. Evolutionsmässig sind wir totale Gruppenmenschen und brauchen den Anschluss. Insofern ist das jetzt nicht so etwas, was so ganz natürlich ist, das Alleinsein. Und es gibt viele Länder, gerade die in Großfamilien leben, da sind die Leute nie allein. Das ist auch so ein moderner westlicher Anspruch. Ich muss noch mal länger über den nachdenken. Ich bin mir immer so ein bisschen unsicher, was ich davon halten soll.

Stephan Seiler 33:18
Ja, ich meine, das wundert mich dann, dass manche ja richtig stolz sind auf das Alleinsein, dass sie Ich bin alleini und ich freue mich darüber, wenn ich jeden Abend allein auf der Couch sitze. Ist das dann am Ende auch nur ein stummer, also ein leiser Schrei nach Liebe und Aufmerksamkeit?

Stefanie Stahl 33:36
Also das kommt ganz drauf an. Also die sind natürlich stolz auf ihre Autonomie und Unabhängigkeit. Damit sagen sie pass mal auf, ich brauche euch alle nicht, Ich bin meine einsame Insel, ich bin komplett autark und Selbstversorger. Und das hat natürlich eine hohe Unabhängigkeit. Und wenn die geradezu so ein bisschen trotzig auch nach außen gezeigt und gefeiert wird, so seht mal her, was ich hier für ein cooler lonely Cowboy bin und komme super gut zurecht, dann steckt dahinter ja öfter eben auch eine psychische Prägung, eine psychologische Prägung, nämlich die, dass diese Menschen oft schon als Kinder früh begriffen haben oder begreifen mussten, eigentlich kann ich mich hier nur auf mich selbst verlassen, weil auf Mama und Papa ist kein Verlass. Und deswegen unbewusst diesen autonomen Weg einschlagen, wo sie Letztlich kann ich mich nur auf mich selbst verlassen. Und zum Selbstschutz ist es wichtig, keinen Menschen so nah an mich rankommen zu lassen, als dass er die Reichweite hätte, mich ernsthaft zu verletzen.

Stephan Seiler 34:42
Ich habe ja eine große Sorge, ich bin jetzt Mitte 40, eine große Sorge davor, eines Tages einsam und allein auf dieser Welt zu sein. Ich glaube, das Gefühl kennen viele andere auch. Ich frage mich aber was kann ich denn jetzt schon präventiv tun? Wie viele Freunde, Bekannte sollte ich jetzt schon um mich versammeln, damit ich später immer noch genügend habe? Kannst du mir eine Zahl nennen, mit der ich vorbeugen kann, eines Tages zu vereinsamen?

Stefanie Stahl 35:09
Also Freunde sollten auf jeden Fall gepflegt werden. Und es ist auch gut, wenn man mehr als einen Freund hat, weil der könnte ja wegbrechen oder sterben. Also wobei Freunde ja nichts sind, was man jetzt irgendwie sammelt wie Briefmarken, sondern Freundschaften müssen ja auch gepflegt werden. Und das fällt manchen Menschen schwer, also die keine guten Freundschaftspfleger sind, die zu unverbindlich sind, die sich von sich aus zu wenig melden oder von sich aus zu wenig interessieren. Und deswegen denke ich, ist immer ganz wichtig, dass man so in diesen Wert der Freundschaft investiert, gerade wenn man keine große Familie um sich herum hat, auf die man immer wieder zurückgreifen kann.

Stephan Seiler 35:50
Ich habe mal gehört, dass gerade Freundschaften ja durch gemeinsame Erlebnisse geformt werden, aber mit Mitte 40 habe ich vor allem so Gesprächsfreundschaften. Man trifft sich und redet über was. Gibt es da einen qualitativen Unterschied? Sind Gesprächsfreundschaften weniger wert als Erlebnisfreundschaften oder tue ich dem Unrecht?

Stefanie Stahl 36:07
Also ich bin keine explizite Freundschaftsforscherin. Insofern kann ich dir jetzt da keine wissenschaftlich fundierte Antwort geben, aber ich hatte schon immer sehr viele Gesprächsfreundschaften und ich finde, das sind auch tolle Freundschaften. Und trotzdem ist es ja so, dass wenn man so was weiß ich, gemeinsam eine Wanderung macht oder gemeinsam noch mal was erlebt, dass das auch noch mal auf eine gewisse Weise auch zusammenschweißt. Aber wenn du dich total wohlfühlst mit deinen Freunden, was weiß ich, abends was schönes essen zu gehen und ihr Quatsch, dann ist das auch ein Erlebnis.

Stephan Seiler 36:41
Sehr schön, danke.

Brigitte Huber 36:43
Beruhigend dann. Oder Stephan, bist du beruhigt?

Stephan Seiler 36:46
Kann ich mich weiter der Völlerei hingeben? Sehr gut dabei reden?

Brigitte Huber 36:50
Nein, ich denke, es ist ja auch sehr, sehr wichtig, wenn wir jetzt in unserem Podcast die zweite Lebenshälfte ansprechen, dann gibt es ja auch viele, die jetzt in den nächsten Jahren vielleicht in Ruhestand gehen oder sonst irgendwas. Und dass man tatsächlich davor gebeugt hat oder was ich auch schon von dir gehört habe und was auch naheliegend ist, sich neue Gruppen auch sucht. Also sei es Reisegruppen oder Vereine oder irgendwas, wo man ja vielleicht nicht gleich die ganz tiefen Freundschaften schließen muss, sondern einfach gleichgesinnte, interessante Menschen trifft, oder?

Stefanie Stahl 37:22
Ja, das ist eine super Sache. Also ich bin auch ein großer Freund von Gruppenreisen. Ich habe zwar erst zwei in meinem Leben gemacht, aber die fand ich beide richtig cool. Und ich sage immer, Leuten, die Single sind, mach einfach eine Gruppenreise. Gibt es auch zu Millionen von Themen kann man die machen, weil Leute, die in Gruppen reisen, sind keine Stinkstiefel, weil die sagen sofort, um Gottes willen, ich reiße nicht in der Gruppe. Also man hat da eigentlich eine positive Selektion. Und wenn du einen Stinkstiefel dabei hast, den kannst du durchschleifen, dann werden noch so und so viel Nette drumherum sein. Und das ist wirklich ein tolles Erlebnis. Man ist dann ja auch über einen längeren Zeitraum zusammen und daraus können sich zum Beispiel auch wieder wunderbare Freundschaften ergeben. Oder dass man sich wirklich, wenn man gerne wandert, mal so einem Wanderverein anschließt oder was es eben auch so Vereine gibt. Und man kann ja heute auch im Internet tatsächlich, jetzt habe ich zwar nicht die richtigen Apps, die ich jetzt nennen könnte, weil ich das jetzt selber machen muss, aber auch tatsächlich, hey, ich suche eine Freundin, also eine Freundin im Sinne einer Frau sucht eine Freundin sehr Freund, Freundlich im Sinne von Liebesbeziehung, weil da draußen gibt es viele, die dasselbe Problem haben. Und da kann man sich ja einfach mal verbinden. Also wichtig ist halt, ich muss selber gerade an eine Freundin denken, die mir erzählt, dass sie sich öfter einsam fühlt, die relativ früh Witwe geworden ist. Und ich sage immer zu Du mach ein bisschen mehr, um den Zustand zu verändern. Also geh mehr aus dir raus und trau dich auch ins Internet. Und da haben ja auch viele so eine Ablehnungsangst, stelle ich immer wieder fest. Dazu gehört meine Freundin auch, die war dann mal im Internet, auch um einen neuen Mann zu finden und dann wurde sie dreimal weggewischt oder so. Und dann entsteht so eine große Kränkung, diese Und dann sage ich Hey, nimm es sportlich, nimm es wie einen Job, mach es wie einen Job. Und je mehr Dates du hast, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass dann auch mal der Richtige dabei ist. Oder such aktiver noch mal ein, zwei Freundinnen, mit denen du einfach mehr unternehmen kannst. Also es ist wirklich wichtig, da in die Aktivität zu gehen. Und da ist es eben wieder sehr wichtig, wovon wir eben auch schon gesprochen haben, diese inneren Barrieren, die vielleicht da sind, diese Ablehnungsangst, dass man die innerlich bearbeitet.

Brigitte Huber 39:41
Absolut. Also ich kann das total Nachvollziehen mit dem Online Dating, als ich eine Single Phase hatte lang mit Anfang 40 habe ich die dann auch irgendwann auf die Art und Weise beendet. Und tatsächlich am Anfang habe ich mir auch manchmal gedacht, was tust du dir da an? Jetzt ist Sonntagnachmittag. Dann war man zwar nicht einsam, aber eigentlich hatte man auch nicht so richtig B***, dem Ganzen ausgesetzt, sich auszusetzen. Und dann habe ich mich dann auch immer damit gerettet, habe mir gedacht, na ja, okay, irgendwann bin ich später vielleicht in irgend so einem Altersheim, auf dem Seniorenheim, auf der Parkbank und kann an diese Anekdoten zurückdenken. Und vielleicht wird es ja besser und es wurde besser. Es wurde noch mal eine richtig gute Geschichte draus. Also insofern glaube ich, können wir da ermutigen. Und vielleicht kann man an der Stelle das Thema Einsamkeit mal ein bisschen auf die Seite stellen, weil wir hätten noch sehr gern über ein zweites Thema über dich gesprochen. Unser Podcast heißt ja die Sache mit dem Älterwerden. Und wir beide, Steffi, wir sind in etwa gleich alt und ich bin mit Ende 50 aus meinem langjährigen Verlagsverhältnis raus, also wo ich viele Jahre als Chefredakteurin gearbeitet habe und mir näherte sich die 6 und ich wusste, ich werde jetzt dann ganz, ganz bald 60 und das macht ja richtig was mit mir. Also das Ich habe es am Anfang versucht zu verdrängen und ich fand, verdrängen ist ja auch manchmal eine Lösung, aber so richtig verdrängen ließ sich's nicht. Also spätestens am Vorabend war klar, es wird passieren und es hat tatsächlich was mit mir gemacht. Also ich habe das Gefühl, es gab für mich dann so einen Schub, weil der gleichzeitig ja bedeutet, die Sex heißt dann irgendwann im Laufe dieser Zeit kommt vielleicht so etwas wie Rente bei vielen Menschen. Das konnte ich mir für mich jetzt auch noch gar nicht vorstellen. Ich will damit Es ist mir nicht leichtgefallen, die Sache mit dem Älterwerden. Wie war es bei dir? Wie ist das bei dir? Ist das ein Thema für dich?

Stefanie Stahl 41:40
Mir fällt das mein Leben lang schwer. Ich habe mit 14 schon hochgerechnet, wie lange ich noch zuleg. Oh Gott, mit 14, ne? Mit 14 habe ich angefangen hochzurechnen, wie lange meine Eltern vielleicht noch leben. Ich habe ja auch ältere Eltern, muss ich sagen. Und mir ist die Vergänglichkeit sowas von bewusst. Das ist bei mir ein Lebensthema. JULIA ROTHERBL Ach tatsächlich? Ja, ich lebe immer mit dieser Vergänglichkeit.

Brigitte Huber 42:08
Wie alt waren deine Eltern, als du auf die Welt kamst?

Stefanie Stahl 42:10
Mein Vater war 50 und meine Mutter 36.

Brigitte Huber 42:13
Ah, OK.

Stefanie Stahl 42:15
Und je älter man wird, desto schneller geht das oder desto größer wird die Angst vor der Vergänglichkeit. Also ich kann super damit Leben, dass ich 61 bin. Damit habe ich gar kein Problem. Ich würde es nur jetzt gerne aufhalten. Weißt du, wie schnell vergehen die nächsten zehn Jahre? Dann bin ich 71 und die nächsten zehhn sind auch noch mal schnell weg, dann bin ich 81 ich würde immer so wenn ich überhaupt so alt werde, noch nicht mal, das wissen wir ja. Und je älter man wird, desto wahrscheinlicher wird es auch, dass man krank wird oder so und dass das Leben vielleicht auch früher zu Ende ist, weil ich leider nicht diesen spirituellen Glauben hat und dass danach noch irgendwas Tolles kommt. Dann bleibt mir nur dieses eine Leben und das macht mir alles ganz schön Angst.

Brigitte Huber 42:58
Und wie gehst du damit um?

Stefanie Stahl 43:00
Verdrängen zum Teil, also beiseite schieben. Ich habe keine richtige Lösung. Ich meine, ich denke sowieso sehr viel drüber nach. Ich denke, ich kann es ja nur annehmen. Also mein Hauptumgang eigentlich ist Dankbarkeit, weil ich Steffi, du bist jetzt 61 und wenn du mal dein Leben vergleichst mit vielen Leben weltweit, hast du jetzt schon so ein mega, mega, mega schönes Leben gehabt. Und wenn du morgen tot umfällst, ist alles gut. Also mit Dankbarkeit ist für mich ein wahnsinnig Riesending. Und dann muss ich noch mehr daran arbeiten, das einfach zu akzeptieren. Da bin ich aber noch nicht so weit gekommen, weil in der Zeit, wo ich es nicht akzeptiere, verdränge ich es wieder ein bisschen und da müsste ich intensiver daran arbeiten.

Brigitte Huber 43:42
Mir ging das ganz ähnlich. Ich habe deswegen auch mit einer Kollegin, mit einer befreundeten Kollegin zusammen ein Buch darüber geschrieben, 60 zu werden und wie wir jetzt anfangen, unser bestes Leben zu leben. Und was mir eben auch total aufgefallen Die Zeit ist so wahnsinnig schnell vergangen. Also gerade hat man sich noch jung gefühlt oder zumindest in der Mitte des Lebens und auf einmal soll es schon so aufs letzte Drittel, wenn es gut läuft, rauslaufen. Und das hat mich irre erschreckt. Ich kämpfe jetzt sehr darum, viel mehr als früher im Jetzt und Hier zu sein, weil ich dann auch immer gemerkt habe, dass meine Gedanken und meine Ziele alle galoppieren nach vorne. Ist bei dir auch so?

Stefanie Stahl 44:20
Ja, ja, habe ich eben vergessen in der Aufzählung. Genau. Immer wieder hier und jetzt. Heute bist du gesund, heute geht es dir gut, du weißt sowieso nicht, was morgen ist.

Brigitte Huber 44:28
JULIA Rotherbl Sophia Rotherbl Treibt dieses Thema viele Menschen auch zu dir in die Praxis? Das Thema Endlichkeit und älter werden. Älter werden vor allem.

Stefanie Stahl 44:37
Also eigentlich nicht. Eigentlich nicht. Eigentlich kommen die Leute wegen anderer Themen. Aber wenn man so alt ist wie wir, Brigitte hat man auch viele Freunde, die im ähnlichen Alter sind. Und ich merke, dass für alle die 60 ein völlig anderer Marker ist als die 50.

Brigitte Huber 44:52
Ja, oder?

Stefanie Stahl 44:53
Ist so. Ist so. Die 60 hat eine ganz andere, weil du so Angst hast. Jetzt wird es echt 50, weißt du noch? Boah, du hast ja noch fett 10 Jahre bis 60, also die Zeit nach hinten wird immer kürzer und deswegen ist die 60 viel bedrohlicher.

Brigitte Huber 45:07
JULIA ROTHERBL Also ich weiß zum Beispiel, dass die Leute mich dann gefragt haben, ob ich überhaupt noch weiter arbeiten möchte. Und dann sagt, oh Gott, gefühlt hat man ja gerade erst angefangen und man wüsste auch nicht, was man sonst die ganze Zeit tut. Also insofern ist es schon eine Herausforderung. Aber im Jetzt und Hier, also meditierst du auch?

Stefanie Stahl 45:26
Ne, ist mir zu langweilig.

Brigitte Huber 45:29
Okay.

Stefanie Stahl 45:30
Ich gehe viel immer mit dem Hund. Ich gehe wahnsinnig viel mit dem Hund im Wald spazieren, wo ich dann mein nächstes Thema habe. Der Hund ist jetzt sechs geworden, da werde ich dann auch total traurig. Und dann stelle ich mir vor, dass der Hund ja auch irgendwann stirbt. Da muss ich mich sofort ins Hier und Jetzt katapultieren, sonst lande ich im tiefen Brunnen voller Depression. Und dann sage ich, wenn du Glück hast, dann stirbst du ja vor dem Hund. Dann ist meine Angst vorm Sterben auch schon wieder ein bisschen verkürzt. Stephan, du kennst den Hund ja, ne?

Stephan Seiler 46:02
Ja, ich erinnere mich noch, als wir damals spazieren waren, für alle anderen, ich hab mal ein Porträt über dich geschrieben im Stern, kann man wahrscheinlich immer noch auf der Website lesen. Und damals war der Hund noch relativ klein, da sind wir durch den Trierer Forst gelaufen.

Stefanie Stahl 46:17
Ja, das war sehr schön.

Stephan Seiler 46:18
Ja, das fand ich auch. Darf ich da noch eine Anschlussfrage? Wie kann ich mich denn auf dem Ritt Richtung Sonnenuntergang vor Selbstmitleid schützen, vor dieser zur Schau gestellten Frustration, die ich bei vielen Menschen, die schon im gewissen Alter sind, feststelle, auch von so einer Abwertung gegenüber allem, was neu oder jung ist. Also die Klassiker, die Älteren wollen sich dann irgendwie abheben von Jüngeren und sagen, die Jungen haben eh nur Flausen im Kopf und sehen alles falsch. Ich weiß. Darum aber kann ich mich dagegen schützen. Gibt es irgendwelche Handreichungen, die du mir mitgeben kannst, damit ich nicht so ein granteliger alter Sack werde irgendwann?

Stefanie Stahl 46:54
Also ich finde, ein ganz, ganz wichtiger Gedanke ist, dass ja jeder seine Zeit hat. Also wir waren mal jung und die Jungen werden mal alt, dass uns das einfach komplett als Menschen verbindet. Also ich denke, es ist immer sehr wichtig, innerlich in dieser Verbindung mit der Menschlichkeit zu bleiben. Und wie ich eben auch schon sagte, mit einer gewissen Dankbarkeit. Also ich meine, man könnte ja auch schon tot sein oder todkrank. Und wir sind sogar eine Generation, die den absoluten Jackpot gezogen haben, ohne Kriege, mit sehr viel positiver Gegenwart. Wir hatten es in vielen Punkten sehr, sehr leicht. Also wir haben eine gute gute Existenz hier und sich dessen auch bewusst zu sein und dafür einfach auch dankbar zu sein. Und ich denke, das kann einem sehr helfen, da abzurutschen. Und was eben ganz wichtig ist, dass man aktiv bleibt und dass man Sinn hat im Leben. Also man braucht Sinn, man braucht ein paar Werte und man braucht einfach einen Lebenssinn, dass man weiß, wofür man was tut und wo die eigenen Werte sind. Also Werte beschützen auch sehr davor.

Brigitte Huber 48:02
Was ist es bei dir? Was gibt dir Sinn? Ist es deine Arbeit?

Stefanie Stahl 48:06
Ja, ich hatte das Riesenglück und das Privileg. Ich war mein Leben lang selbstständig. Das heißt, ich werde nicht in Ruhestand geschickt. Ich werde auch in dem Sinne nicht aussortiert, es sei denn, ich sortiere mich selber aus oder ich werde irgendwann ausgebuht und alle schreien, Steffi Stahl tritt endlich.

Brigitte Huber 48:22
Ab, aber nicht so wahrscheinlich.

Stefanie Stahl 48:27
Ich kann halt mein Leben weiter gestalten und das hält mich wahnsinnig jung und lebendig. Ich würde jetzt nie auf die Idee kommen, aufzuhören zu arbeiten. Ich will so lange arbeiten, wie es geht. Ich meine, ich arbeite mich nicht tot. Ich habe immer schon gerne auch meine Freizeit gehabt, aber ich möchte einfach dabei bleiben. Und wenn ich einen Job hätte, wo ich irgendwann aufhören muss, weil ich irgendwann in Rente geschickt werde, dann würde ich mir wahrscheinlich irgendwas anderes suchen, wo ich noch dazugehöre. Oder ich würde einfach meine Rente genießen, weil die Menschen kommen ja heute, müssen ja auch bis 67 arbeiten. Und da würde ich halt immer gucken, dass ich mir ein bisschen Tagesstruktur mache. Ich glaube, ich würde mir den Tag vertreiben mit Beauty Termin und ärztlicher Vorsorge oder so. Dann gehe ich mal zur Nagelschläge, dann gehe ich mal zur Massage, dann lese ich wieder ein schönes Buch und dann lasse ich mal schnell checken, ob die Blutwerte noch alle okay sind.

Brigitte Huber 49:17
Irgendwie so. Wir waren ja gerade beim Thema Dankbarkeit und man kann ja tatsächlich unbenommen sehen, das haben wir bei der Recherche auch immer wieder rausgefunden. Wir können sehr dankbar sein, dass wir jetzt an der Stelle des Zeitstrahls leben, weil wir mit etwas Glück und guter führung noch 30 40 gute jahre vor uns haben. Dreiig auf jeden Fall. Es gibt immer mehr Hundertjährige, haben Stephan und ich letztes Mal auch gelernt. Vor allem Frauen macht es vor diesem Hintergrund, dass wir ja auch noch unter Umständen in der zweiten Lebenshälfte viel Zeit vor uns haben, auch viel gute Zeit. Noch mal auch Sinn, sich, ich sage jetzt mal, mit unseren Dämonen von früher zu befassen, mit unseren Schattenkindern, ist vielleicht gerade jetzt eine Zeit, wo ich vielleicht mehr Zeit für mich habe.

Stefanie Stahl 50:04
Ja, also ich finde die Zeit ist immer gut dafür, weil was wäre denn jetzt die Alternative? Ja, immer die Alternative.

Brigitte Huber 50:14
Interessant fand ich zum Beispiel, ich habe mit Paartherapeutinnen gesprochen und die haben gesagt, dass ganz vermehrt Leute in den Ern und Ernährungs noch zu ihnen in Paartherapie kommen. Und früher hätte man das eher so stoisch dann ausgesessen. Also die Beziehung ist jetzt nicht mehr so richtig doll, jeder macht so sein Ding. Und heute wäre der Anspruch, zum einen weiß man, wenn es gut läuft, haben wir noch mal 20 Jahre miteinander und man möchte daran was machen. Und zum anderen hat man auch den Anspruch, dass es noch mal besser wird. Also es ist tatsächlich auch ein neues Denken oder das uns ergriffen hat auch.

Stefanie Stahl 50:53
Ja, ich meine, gerade wie ich arbeite mit meinen Ansätzen, ist es ja so, dass ich sage ja immer, man braucht den roten Faden. Wenn man den roten Faden hat, ist das auch kein Lebenswerk. Es ist jetzt nicht so, dass man 100 Jahre sich da durchreflektieren und durchtherapieren muss, um da endlich mal auf den grünen Zweig oder so zu kommen, sondern es ist einfach wichtig, sich ein paar grundlegende Fragen zu stellen und damit zu arbeiten. Insofern ist das jetzt auch nicht so ein großes Ding. Und natürlich, das lohnt sich immer. Das lohnt sich zu jedem Zeitalter, weil sonst bleibt man ja Sklave seines Gehirns, so sage ich das immer, wenn ich nicht reflektiere, was mich geprägt hat und was mich von morgens bis abends steuert, zum Beispiel, wenn mir gar nicht bewusst ist, dass ich eine ganz große Angst vor Ablehnung habe und mich deswegen hinter dieser Attitüde verstecke, wie cool es ist, Dauer Single zu sein und dass ich überhaupt die autonomste Sau unter der ganzen Sonne bin. Also wenn das immer meine Schutzstrategie ist, weil ich nicht reflektiere, dass ich im Grunde eine ganz gut verdrängte, große Angst vor persönlicher Ablehnung habe, dann bleibe ich immer Sklavin meines Gehirns. Das heißt, ich muss in dieser Selbstschutzstrategie weiter agieren, weil ich gar keine Wahlfreiheit habe. Und ich plädiere ja immer für die Wahlfreiheit und die Wahlfreiheit hat man ja nur, wenn man mal seine eigene Programmierung versteht, weil erst dann weiß man ja, welches Knöpfchen man vielleicht mal umstellen muss oder welche Schraube man noch mal festziehen muss, um noch mal zu neuen Entscheidungen zu kommen.

Stephan Seiler 52:22
Es gibt ja durchaus auch Konstellationen, in denen sich Menschen wiederfinden, die sie vielleicht freiwillig eingegangen sind, aber die Konsequenzen jetzt unfreiwillig ertragen müssen. Zum Beispiel, wenn eine Frau abhängig ist von ihrem Partner, die Beziehung aber kriselt, aber das jetzt auch nicht leicht fällt, sich zu trennen, vielleicht einfach aus finanziellen Gründen und sich vielleicht dann, ich sage es mal, die Frau einsam fühlt. Gibt es eine Möglichkeit für so eine, so ein Fallbeispiel für so eine Frau in diesem Falle, sich weniger einsam zu fühlen, ohne dass sie gleich die Scheidung einreicht im Sinne, ich kann die Grundsituation nicht ändern, aber mir wenigstens hier kleine Inseln schaffen, die mich mit Freude froh sind, was auch immer, Geselligkeit auf, damit ich mich nicht mehr so einsam fühle.

Stefanie Stahl 53:06
Ja, das gibt es ja für alle möglichen Lebenssituationen, dass man sagt, okay, die Situation ist jetzt gegeben, wie sie ist. Zum Beispiel können wir auch nichts daran ändern, dass wir immer älter werden. Wir haben überhaupt keine Kontrolle drüber. Also muss ich gucken, dass ich innerhalb meiner Möglichkeiten Handlungsspielräume eröffne. Insofern ist die Frage natürlich unbedingt zu bejahen. Sie muss halt gucken, welche Handlungsspielräume sie hat, um innerhalb dieser Bedingungen mehr in Kontakt zu kommen, entweder mit sich oder noch mal mit ihrem Ehemann oder mit anderen Menschen, also wie sie, ja, welche Schrauben, Stellschrauben zu drehen sind oder ob man sagt, pass mal auf, lass uns doch einfach, habe ich hier sogar in der in der Nachbarschaft, die haben auch immer gesagt, wir haben im Grunde eine Scheissehe, aber wir stehen beide schlecht da, wenn wir Singles sind. Die haben einfach eine Wohngemeinschaft draus gemacht. Seitdem verstehen sich wunderbar. Okay, so, also es gibt viele Gestaltungsmöglichkeiten.

Stephan Seiler 54:02
Also drüber zu reden hilft da schon, nehme ich mit, um dann eine Lösung zu finden.

Brigitte Huber 54:07
Wir haben uns jetzt damit auseinandergesetzt, dass es auf jeden Fall Sinn macht, sich nochmal mit sich selber auseinanderzusetzen. Und das finde ich, ist eine großartige Überleitung zu einem wunderbaren Jubiläum. Steffi, du hast vor zehn Jahren ein Buch geschrieben, das ein mega Bestseller wurde, das Kind in dir muss Heimat finden. Magst du ein bisschen erzählen? 3,2 Millionen mal hat es sich verkauft.

Stefanie Stahl 54:32
Also in Deutschland sind wir jetzt bei 3,4 Millionen und dann gibt es ja noch die weltweiten Verkäufe.

Stephan Seiler 54:38
Ja, unglaubliche Zahlen. Unglaubliche Zahlen sind aus dem Buchhandel, muss.

Stefanie Stahl 54:42
Man dazu sagen, weil das Buch ist halt eine ganz tolle Hilfe zur Selbsthilfe, weil ich hab mein Leben lang mich immer nur um die psychologischen Strukturen gekümmert, weil wir im Grunde von der Struktur alle gleich sind. Der Rest ist nur Thema und Variation. Und dadurch entdecken die Leute plö Ach Mensch, so kompliziert ist das ja alles gar nicht. Im Grunde sind es ja nur ein paar Dinge, über die ich mal nachdenken muss und die ich vielleicht verändern kann. Und deswegen hat sich ja das Buch auch so wahnsinnig durch Mund zu Mund Propaganda empfohlen eigentlich bis heute.

Brigitte Huber 55:13
Genau. Wir haben ja auch schon ganz kurz vom Schattenkind gesprochen. Vielleicht kannst du das noch mal ein bisschen erläutern.

Stefanie Stahl 55:20
Ja, also wir haben viel über Kindheitsprägungen ja hier gesprochen und die verdrahten sich ja im Gehirn. Also unser Gehirn verknüpft sich unheimlich schnell in den ersten Lebensjahren und das verknüpft sich natürlich gemäß der Erfahrung, die es macht da draußen in der Welt. Und dadurch entstehen halt sehr tiefe Prägungen. Und die Summe dieser Prägungen werden ja in der Psychologie als das innere Kind bezeichnet. Also das, was einen in der Kindheit so geprägt hat, im Guten wie im Schlechten. Also gar nicht nur im Schlechten, auch im Guten. Und ich habe halt das Schattenkind, diesen Begriff erfunden für die Prägungen, die eben belastend sind, also für die Prägungen, die dafür sorgen, dass wir uns später selber immer wieder im Wege stehen. Zum Beispiel, was wir eben auch hatten, wenn ich eben so einen tiefen Glaubenssatz entwickelt ich bin nicht liebenswert und dadurch eben immer mit Ablehnung rechne und um diesem Gefühl aus dem Weg zu gehen, mich lieber in die Einsamkeit zurückziehe, dann ist das in meinem Ansatz so dieses innere Schattenkind mit seinen Glaubenssätzen, mit den Gefühlen, die dazugehören, mit den Selbstschutzstrategien, also Selbstschutz zum Beispiel hier in dem Fall Einsamkeit, Rückzug, Flucht. Und je besser das Verständnis ist für die eigenen Prägungen, für das eigene Schattenkind, desto größer wird natürlich dann auch wieder die Wahlfreiheit und Entscheidungsfreiheit, dass ich eben dann nicht mehr wie ferngesteuert glaube, dass ich sowieso abgelehnt werde und deswegen meine, mich mit Einsamkeit beschützen zu müssen, sondern dass ich das hinterfragen kann und dann eben auch zu neuen Entscheidungen komme.

Stephan Seiler 56:54
Gab es in der Zeit seitdem einen besonderen berührenden Moment, der dir gezeigt hat, dass dein Buch einen echten Unterschied für viele macht, dass es Menschen wirklich geholfen hat, vielleicht auch aus der Einsamkeit.

Stefanie Stahl 57:06
Da gibt es nicht nur einen Moment, da gibt es irgendwie gefühlt Millionen von Momenten, weil ich wahnsinnig viel Rückmeldung bekomme, dass das Buch Leben verändert. Das höre ich sehr, sehr oft. Und ich war neulich auf einem großen Festival in Köln und da haben mir zwei Männer unabhängig voneinander gesagt, beide so erst mal so Ende dreiig würde ich sagen, dass das Buch ihr Leben gerettet hat. Also dass sie nicht mehr am Leben wären, wenn sie nicht im richtigen Moment das Buch in die Hand bekommen hätten. Das finde ich ultra krass. Also das berührt einen wirklich ultra krass. Ja, ja, absolut.

Brigitte Huber 57:40
Also insofern.

Stephan Seiler 57:41
Aber was hat das mit dir gemacht? Also wie fühlst du dann fühlst du dich ja manchmal als Psychokönigin Deutschlands oder wie ist dein Selbstbild in den letzten zehn Jahren geworden? Hat sich verändert.

Stefanie Stahl 57:52
Es hat sich irgendwie nicht verändert. Es ist ziemlich stabil, weil ja, das ist einfach irgendwie stabil. Meistens bleibt das Selbstbild ja ziemlich stabil, im Guten wie im Schlechten. Und das hat eigentlich nicht jetzt so viel mit mir gemacht. Das muss ich sagen. Ich freue mich darüber, aber ich fühle das ja nicht immer so. Man muss es ja fühlen. Verstehst du? Muss es ja fühlen. Aber ich lebe hier in Trier, ich lebe hier mein normales Leben. Da stehen nicht die Paparazzi auf der Straße, wenn ich rauskomme oder die Leute machen keinen Spalier, wenn ich durch die Stadt gehe. Weißt du, Ich lebe hier so ganz normal für mich hin. Und das heißt, diese vielen, vielen Menschen da draußen, die mir wirklich dankbar sind, das fühle ich halt nicht immer so. Das fühle ich vor allen Dingen dann, wenn ich auf so Festivals bin. Das ist dann tatsächlich auch mal g*** auf gut Deutsch. Ich bin da auch nicht so oft. Dann habe ich da so ein Riesenfestival, dann stehen da kilometerlange Schlangen gefühlt, die alle ein Foto mit mir wollen oder eine Unterschrift. Das ist ein mega Booster für diesen Tag. Dann schwebe ich da mal so durch, aber das baut sich dann auch wieder ab und dann ist wieder alles normal.

Brigitte Huber 58:57
Okay. Also man gewöhnt sich eben innerhalb kürzerer Zeit an jeden Zustand, wie es immer wieder heißt, oder innerhalb eines Jahres ist das Glückspegel wieder ähnlich hoch bei den meisten Menschen, wenn nicht was ganz, ganz Dramatisches oder so passiert. Okay. Also auch ein Bestseller lässt einen nicht für immer auf Wolken schweben, sondern nur vorübergehend.

Stefanie Stahl 59:17
Genau. Aber ich bin halt zufrieden mit meinem Leben. Ich meine, ich habe viel erreicht, wenn wir halt Mir geht es auch vielleicht.

Brigitte Huber 59:23
Nicht älter werden würden.

Stefanie Stahl 59:25
Ja, genau. Also ich habe vieles. Ich habe vieles so. Ich bin zufrieden mit meinem Leben. Das ist ja auch viel wert. Und ich muss dir sagen, Brigitte, weil wir gerade das Thema hatten, realistisch betrachtet bin ich heute viel glücklicher als vor 10 oder 20 oder 30 Jahren, weil ich viel gesettelter bin. Ich habe im Grunde viele Sorgen, die ich früher hatte, habe ich einfach ja gar nicht mehr. Also ich bin glücklich in einer Beziehung angekommen, ich habe keinen beruflichen oder finanziellen Struggle, Es ist eigentlich super, alles gut, ich bin gesund und so weiter und so fort. Meinetwegen könnte es jetzt immer so bleiben.

Brigitte Huber 59:59
Ich finde es ganz toll, dass du das noch mal sagst, weil wir haben für unser Buch so Fragebögen auch ausgeteilt an bekannte Freundinnen, Kolleginnen und so weiter. Und da war zum Beispiel auch eine Was kannst du heute, was du vor 20 Jahren nicht konntest? Das ist ein bisschen anders, aber. Und das war ganz, ganz toll, weil da haben die Leute drüber nachgedacht und haben Ich bin viel gelassener als früher, Ich kann dankbarer sein, ich muss nichts mehr beweisen. Also ich glaube, das ist auch etwas, was man an der Stelle noch mal setzen kann. Es kann Fügungen geben, warum es uns heute besser geht, weil wir in einer anderen Beziehung sind oder so. Aber es gibt auch allein von der Entwicklung her unter Umständen Fortschritte, über die wir uns freuen können und auf die wir weiter aufbauen können.

Stefanie Stahl 60:43
Absolut, absolut.

Stephan Seiler 60:46
Ich bin seit einigen Monaten wieder Mitglied in einem Handballverein und spiele Handball und hab aber den Eindruck, dass die Handballmannschaft mich noch nicht so richtig aufgenommen hat, noch nicht so richtig voll angenommen hat. Und ich frage mich immer, wie kann man in so etablierte Systeme reinkommen, ohne sich immer wieder seltsam zu fühlen. Also es werden da einem auch Woran.

Stefanie Stahl 61:09
Machst du das denn? Fest, dass das so ist.

Stephan Seiler 61:11
Die stellen keine Fragen, Die fragen mich gar nicht, wer ich bin, was mich sonst im Leben beschäftigt. Es geht eigentlich nur um Handball. Das ist die ganze Zeit.

Stefanie Stahl 61:17
Ja, aber ist das nicht so typisch im Männer Sportverein?

Brigitte Huber 61:19
Ich wollte gerade sagen, Steffi, das kommt mir vor.

Stefanie Stahl 61:23
Das ist doch typisch.

Brigitte Huber 61:24
Oder sollen die dich denn sagen, Stephan?

Stephan Seiler 61:26
Ich dachte so, wer bist.

Stefanie Stahl 61:29
Dann ist vielleicht besser, Oder Wähl dich bei den Damen ein.

Brigitte Huber 61:38
Besser.

Stefanie Stahl 61:40
Das ist typisch Männer.

Stephan Seiler 61:42
Das ist typisch Männer schon auch. Ja, aber was kann ich denn da? Wie kann ich denn da gewinnen? Wie kann ich denn da gewinnen? Muss ich einfach durch?

Stefanie Stahl 61:50
Stell doch einfach selber ein paar persönliche Fragen. Ja, die meisten Menschen reden ja gerne über sich selber.

Stephan Seiler 61:57
Und glaubst du, dann kommt auch was zurück?

Stefanie Stahl 61:58
Ja, bring einfach den Ball mal ins Rollen. Also ich meine, das wären ja Situationen nicht gerade wenn du Handball spielst, sondern was weiß ich, dass ihr danach noch oft gerne mal zusammensitzt und was trinkt oder so. Oder bei welchen Situationen kommt durchaus vor.

Brigitte Huber 62:10
Du musst wenn dann du machen. Peter, also mein Lebensgefährte, der ist 67, Junggebliebener, 67, Fußballspieler, Tennisspieler. Er ist der einzige, der persönliche Themen anspricht. Dann reden die anderen auch ein bisschen mit, aber das hat sich nach 20 Jahren noch nicht verändert. Die sind, also das ist noch mal eine andere Generation, da haben wir vorher drüber gesprochen. Da geht das gar nicht. Da kann es sein, dass die aufs Klo gehen, wenn es persönlich wird, weil es unangenehm wird insofern.

Stephan Seiler 62:38
Wirklich?

Brigitte Huber 62:40
Ja, also du musst noch viel lernen, Stephan.

Stephan Seiler 62:44
Ja, muss ich wohl wirklich. Ich muss noch viel lernen. Vielen Dank.

Brigitte Huber 62:48
Wir hätten jetzt noch zwei kleine Rubriken, die wir gern mit dir durchspielen würden. Die eine, da geht es um Premieren, um erste Male, weil es gibt einen Moment, das muss ich dir nicht erklären. Aber wie man die Zeit positiv dehnen kann, ist, dass man sich neue erste Male ins Leben reinholt. Als kleine Kinder erleben wir ja sehr viel zum ersten Mal. Dann wird vieles mal Wiederholung und Routine, was ja auch gut und wichtig ist, aber auch ein Ansatz. Und deswegen suchen wir auch immer, nachdem Stephan und ich in unserem Podcast, was kann ich gezielt Neues in mein Leben holen, um meinem Gedächtnis und letztlich auch meiner Seele wieder kleinen neuen Anker zu geben an der einen oder anderen Stelle. Welche Premiere hattest du in letzter Zeit, von der du uns erzählen kannst? Oder gibt es irgendetwas was du planst ein neues erstes Mal.

Stephan Seiler 63:38
Du hast doch, du hast ungefähr 10 Sekunden Zeit drüber nachzudenken, weil jetzt wird jetzt ein Jingle eingespielt.

Stefanie Stahl 63:48
Also ich habe jetzt nichts sehr Ungewöhnliches, mit dem ich aufwarten kann. Aber und ich glaube, das hängt damit zusammen, das habe ich jetzt zum ersten Mal gerade eben auch reflektiert, wo du mir die Frage gestellt hast. Ich reise sehr viel, ich liebe es zu reisen und da gibt es ständig erste Male, weil ich eben auch an Ziele gehe, wo ich noch nie war. Und ich glaube, das lässt mich sehr jung fühlen, dieses Reisen. Ich liebe es einfach, mich in der Welt zu bewegen und das heißt Länder, Städte oder auch wenn ich wiederholt irgendwo hingehe, auch da gibt es immer wieder erste Male Sachen, die ich noch gar nicht gesehen habe und glaube mich hält das Reisen sehr auf diesem ersten Mal Modus.

Stephan Seiler 64:28
Kannst du Beispiele nennen aus diesem Jahr.

Stefanie Stahl 64:31
Wir haben jetzt zum Beispiel im November fliegen mein Mann und ich nach London, da war ich schon richtig, richtig lang nicht mehr. Und da gehen wir in dieses Avatar Musical von ABBA, also wo Konzert von ABBA als Avatare, das muss sensationell sein, da freue ich mich tierisch drauf und über Silvester und so sind wir in Daab Ägypten. Ich war noch nie in Ägypten und Daab muss auch echt ein cooler Ort sein. Der ist eben nicht so ein Touri Ort wie Sharm al Sheikh oder so. Und dann könnte man sogar überlegen, spontan noch mal ein paar Tage rüber nach Kairo zu machen. Und das finde ich halt aufregend. Da war ich überall noch nicht toll.

Brigitte Huber 65:06
Klasse. Magst du die zweite Rubrik anmoderieren, Stephan, oder kommt erst noch ein Jingle?

Stephan Seiler 65:12
Genau, jetzt kommt ein Jingle in 3, 2, 1, entweder oder Liebe Steffi, heißt das Spiel, was wir mit dir spielen möchten. Brigitte und ich werden dir jetzt immer abwechselnd ein griffliches Gegensatzpaar vorstellen. Du kannst dich entscheiden mit einer kurzen Begründung, welcher Begriff dir lieber ist.

Brigitte Huber 65:32
Brigitte Beginnst du reden oder schweigen?

Stefanie Stahl 65:36
Reden, obwohl ich mundfaul bin?

Stephan Seiler 65:38
Du bist mundfaul.

Stefanie Stahl 65:39
Ich bin mundfaul.

Stephan Seiler 65:40
Das ist ganz schlimm bei den großen Bühnenshows merkt man das, ne?

Stefanie Stahl 65:43
Da muss ich ja, da muss ich ja, da habe ich auch ein bisschen Adrenalin in der Birne, da muss ich ja die Klappe aufkriegen. Aber ich kann auch ziemlich mundfaul sein. Das ist ehrlich gesagt auch der Grund, warum ich gerne, wenn ich mit Leuten zusammen bin, einen schönen Wein dazu trinke. Das gibt mir so eine Geselligkeit. Dann rede ich mehr, dann bin ich besser im Redefluss.

Stephan Seiler 66:01
Zweites Verdrängen oder verarbeiten?

Stefanie Stahl 66:05
Verarbeiten immer meistens.

Stephan Seiler 66:07
Eben kam es auch schon mal zur Sprache so ein bisschen, dass Verdrängen ja manchmal auch durchaus einen Nutzen haben soll. Mitglieder meiner Familie sagen Ist das jetzt.

Stefanie Stahl 66:14
Eine Diskussionsrunde oder ein Fragespiel? Stephan Ja, danke. Kann jetzt dein Wunsch nach verdrängen, dass du jetzt da Stephan verdrängen mit gutem Gewissen, Aber jetzt stell die nächsten Fragen.

Brigitte Huber 66:29
Ich mache es dir leichter. Steffi konfrontieren oder runterschlucken?

Stefanie Stahl 66:34
Konfrontieren.

Brigitte Huber 66:35
Du bist dran.

Stephan Seiler 66:36
Stephan Ich dachte, da kommt noch was. Vielleicht eine Begründung, aber ich trau mich kaum mehr nachzufragen, deshalb fahre ich fort. Sonne oder Schatten?

Stefanie Stahl 66:45
Das kommt wirklich auf die Jahreszeit drauf an. Also beides hat seine existenzielle Berechtigung. Sowohl die Sonne als auch der Schatten. Das ist ein absolutes Unentschieden.

Brigitte Huber 66:55
Dann haben wir zum Schluss noch zwei Zitate. Du sagst, welches dich mehr anspricht.

Stephan Seiler 67:00
Wenn der Mensch mehr weiß als andere, wird er einsam. Zitat Nummer eins.

Brigitte Huber 67:06
Zitat Nummer Das Alleinsein ist nichts, wovor man fliehen muss. Es ist der Ort, an dem man sich selbst findet. Hermann Hesse übrigens.

Stephan Seiler 67:17
Das erste ist von C. G. Jung, Psychiater.

Stefanie Stahl 67:20
Ich glaube, mich spricht das von Hesse mehr an. Das ist der Ort, wo man sich selbst findet, weil es natürlich schon so ist, dass wenn man sich zurückzieht und mit sich selber beschäftigt, sich natürlich auch sehr auf die Schliche kommen kann oder sehr tief innerlich auch tauchen kann.

Brigitte Huber 67:36
Passt, finde ich, sehr, sehr gut als Abschluss für diese Folge. Und das wird uns auch durch diese dunkle Jahreszeit ein bisschen begleiten. Ist das tatsächlich auch jahreszeitenabhängig, das Thema Einsamkeit oder würdest du sagen, das ist Overseason auch?

Stefanie Stahl 67:52
Also viele beklagen ja, dass sie dieses Wetter als sehr bedrückend empfinde ich. Ich hasse es auch. Ich bin aber biorhythmisch ein Typ, der im Herbst besonders schon immer besonders lebendig ist und besonders gut drauf ist. Und was natürlich tatsächlich so ist, bei dem Wetter gibt es viel, viel weniger spontan Begegnungen und die frühe Dunkelheit, die zerrt auch vielen am Gemüt und wo man im Sommer rausgeht und dann begegnet man auch mal zufällig Leuten, die man kennt oder geht auf irgendwelche Open Air Konzerte und Veranstaltungen. Das ist natürlich schon sehr antidepressiv. Klar, das stimmt. Wenn man es sich leisten kann. Kamin. Ich sitze wahnsinnig gut gerne am Kamin. Und wenn nicht, man ja, Kerzen aufstellen, das ist so gemütlich und so geborgen.

Brigitte Huber 68:37
Und Podcast hören vielleicht.

Stefanie Stahl 68:39
Ja, genau.

Stephan Seiler 68:41
Mit Kerzen und Podcast gegen die Einsamkeit. Das gefällt mir. In diesem Sinne vielen Dank, liebe Steffi.

Stefanie Stahl 68:47
Sehr, sehr gerne für deinen Besuch.

Brigitte Huber 68:49
Vielen Dank, Steffi. Wir haben für euch genommen und wir.

Stephan Seiler 68:53
Wünschen dir einen wunderschönen Urlaub.

Stefanie Stahl 68:55
Dann Dankeschön. Euch auch eine ganz gute Zeit.

Stephan Seiler 68:58
Liebe Grüße nach Trier. Danke, Tschüss. Das war die Sache mit dem Älterwerden, der Podcast mit Brigitte Huber und Stephan Seiler.

Brigitte Huber 69:09
Vielen Dank an Leo Ebert-Glang für die Titelmelodie, das Sounddesign und den Schnitt.

Stephan Seiler 69:14
Und an Alina Sawalisch für die Covergestaltung.

Brigitte Huber 69:17
Die Sache mit dem Älterwerden erscheint mittwochs auf allen gängigen Podcast Plattformen.

Stephan Seiler 69:22
Folgt uns, abonniert uns, dann verpasst ihr.

Brigitte Huber 69:25
Ihr keine Folge und empfehlt uns bitte weiter. Das würde uns sehr freuen.

Stephan Seiler 69:31
Wenn ihr uns Feedback schicken möchtet, egal ob positiv oder negativ oder wenn ihr Themenvorschläge für uns habt, schreibt uns eine E Mail, eine Textnachricht oder Sprachnachricht auf unserem Instagram oder Facebook Kanal.

Brigitte Huber 69:44
Alle Infos findet ihr auch schriftlich zu dieser Folge in der Zusammenfassung in eurem Podcast Player.

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Folge

12

·

60 Min.

Mit

Brigitte & Stephan

Das Xmas-Special: Wie überstehen wir Weihnachten (in jedem Alter)?

Impulse aus dieser Folge

💡

Zum Mitnehmen

Alleinsein ist freiwillig und lässt uns die Wahl. Einsamkeit ist unfreiwillig und nimmt uns die Kontrolle. Stefanie Stahl trennt beides scharf, und an dieser Grenze lässt sich die eigene Lage einordnen.

💡

Zum Ausprobieren

Alleinsein und Einsamkeit auseinanderhalten: Alleinsein ist freiwillig und wählbar, Einsamkeit ist unfreiwillig.

💡

Zum Ausprobieren

Hinter demonstrativer Unabhängigkeit steckt oft eine frühe Lernerfahrung: Ich kann mich nur auf mich selbst verlassen. Das ist Selbstschutz, keine Stärke.

💡

Zum Mitnehmen

Echte Verbundenheit entsteht für Stefanie Stahl erst da, wo wir uns als ganzer Mensch gesehen fühlen, jenseits der Rolle, die wir gerade spielen. Ein brauchbarer Maßstab für das eigene Umfeld.

💡

Zum Ausprobieren

Um im Alter nicht zu verbittern, braucht es vier Dinge: Verbindung mit der Menschlichkeit, Dankbarkeit, Sinn und Werte, Aktivität.

💡

Zum Ausprobieren

Das Gehirn rechnet aus der Vergangenheit die Erwartung an die Zukunft. Zu lernen, beides zu unterscheiden, ist das Kernstück jeder Psychotherapie.

💡

Zum Ausprobieren

Echte Verbundenheit entsteht nur, wenn man sich als ganzer Mensch gesehen fühlt, nicht für eine Rolle, die man spielt.

💡

Zum Mitnehmen

Alleinsein ist freiwillig und lässt uns die Wahl. Einsamkeit ist unfreiwillig und nimmt uns die Kontrolle. Stefanie Stahl trennt beides scharf, und an dieser Grenze lässt sich die eigene Lage einordnen.

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Zum Ausprobieren

Das Gehirn rechnet aus der Vergangenheit die Erwartung an die Zukunft. Zu lernen, beides zu unterscheiden, ist das Kernstück jeder Psychotherapie.

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Um im Alter nicht zu verbittern, braucht es vier Dinge: Verbindung mit der Menschlichkeit, Dankbarkeit, Sinn und Werte, Aktivität.

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Hinter demonstrativer Unabhängigkeit steckt oft eine frühe Lernerfahrung: Ich kann mich nur auf mich selbst verlassen. Das ist Selbstschutz, keine Stärke.

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Zum Mitnehmen

Echte Verbundenheit entsteht für Stefanie Stahl erst da, wo wir uns als ganzer Mensch gesehen fühlen, jenseits der Rolle, die wir gerade spielen. Ein brauchbarer Maßstab für das eigene Umfeld.

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Alleinsein und Einsamkeit auseinanderhalten: Alleinsein ist freiwillig und wählbar, Einsamkeit ist unfreiwillig.

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Echte Verbundenheit entsteht nur, wenn man sich als ganzer Mensch gesehen fühlt, nicht für eine Rolle, die man spielt.

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Alleinsein ist freiwillig und lässt uns die Wahl. Einsamkeit ist unfreiwillig und nimmt uns die Kontrolle. Stefanie Stahl trennt beides scharf, und an dieser Grenze lässt sich die eigene Lage einordnen.

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Echte Verbundenheit entsteht für Stefanie Stahl erst da, wo wir uns als ganzer Mensch gesehen fühlen, jenseits der Rolle, die wir gerade spielen. Ein brauchbarer Maßstab für das eigene Umfeld.

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Um im Alter nicht zu verbittern, braucht es vier Dinge: Verbindung mit der Menschlichkeit, Dankbarkeit, Sinn und Werte, Aktivität.

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Echte Verbundenheit entsteht nur, wenn man sich als ganzer Mensch gesehen fühlt, nicht für eine Rolle, die man spielt.

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Von Stephan Seiler, auf der Website nachlesbar

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Zitate aus dieser Folge

Ich habe mich öfter einsam gefühlt, als ich mal eine Zeit lang Single war. Da fand ich vor allem die Sonntage immer brandgefährlich.

Stefanie Stahl

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Mit 14 habe ich angefangen hochzurechnen, wie lange meine Eltern vielleicht noch leben.

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Stefanie Stahl

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Die Verbundenheit ist für uns Menschen das Allerwichtigste. Wir brauchen Verbundenheit wie die Luft zum Atmen.

Stefanie Stahl

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Ich lebe hier in Trier, ich lebe hier mein normales Leben. Da stehen nicht die Paparazzi auf der Straße, wenn ich rauskomme oder die Leute machen keinen Spalier, wenn ich durch die Stadt gehe.

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Huber & Seiler

Die Sache mit dem Älterwerden.

Klüger älter werden, ohne sich jünger machen zu müssen.

Ein unabhängiger Podcast von Brigitte Huber & Stephan Seiler.

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