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Wie bleiben wir optimistisch? Warum ist Pessimismus ein Privileg der Reichen? Und sind wir wirklich die glücklichste Generation der Menschheitsgeschichte? Mit Dirk Steffens

Die Welt scheint im Krisenmodus zu verharren, doch einer lässt sich die Laune nicht verderben: Wissenschaftsjournalist, Dokumentarfilmer und Autor Dirk Steffens.

Psyche

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Überall, wo es Podcasts gibt:

Und: Brigitte und Stephan sprechen mit Dirk darüber, wie jeder den persönlichen Optimismus-Muskel trainieren kann.

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  • 00:00 Eine Folge Optimismus, bitte!

  • 04:20 Eine bittere Wahrheit über Alkohol und die Macht der Lebensfreude

  • 07:18 Der Optimismus-Check

  • 08:59 Das Paradox des Fortschritts oder: Warum viele arme Menschen optimistischer sind

  • 11:50 Optimismus als Haltung: „Aufgeben ist keine Option.“

  • 16:36 Die Fakten auf unserer Seite: Lösungen für Klimawandel und Artensterben

  • 18:14 Die „Ökodiktatur“ der Naturgesetze: Warum wir nicht verhandeln können

  • 21:45 Kapitalismus fit machen: Das Verursacherprinzip als Umwelt-Retter

  • 27:02 Die Seife von Jane Goodall: Die Superkraft kleiner Taten

  • 39:19 Vom Gefühl der Ermächtigung

  • 50:49 Meine Premiere, Deine Premiere: Surfen, Skitouren und andere Neuanfänge

  • 54:06 Entweder/Oder: Zwischen Korallenriff und Fliegenklatsche

  • 56:03 Zwei Zitate, eine Meinung

  • 59:24 Dirks täglicher Kniff: Der schöne Moment vor dem Einschlafen

Transkript zur Folge

Dirk Steffens 0:00
Das ist das Gefühl der Ermächtigung. Also ich glaube, jeder von uns kennt dieses Gefühl. Wir haben vorhin schon kurz darüber gesprochen. Ich kann doch nichts ausrichten, ich bin machtlos. Ja, du darfst dich vor allem nicht verheddern in dem Versuch, der perfekte Mensch zu sein. Dann bist du zum Scheitern verurteilt. Das kannst du nicht leisten. Du kannst auch nicht der perfekte ökologische Mensch sein. Also wie gesagt, ich habe gestern Bier getrunken und eine Bratwurst gegessen. Warum ist das so? Weil die ganze Welt schon immer eine Öko Diktatur war. Also du kannst nicht außerhalb der Natursysteme leben, weil du dann stirbst. Also wie wichtig Naturgesetze und Natursysteme sind. Versuch's mal. Halt dir mal die Nase und den Mund zu und versuch mal, 10 Minuten die Luft anzuhalten. Wenn du es schaffst, bist du tot.

Brigitte Huber 0:47
Heute zu Gast in Die Sache mit dem Ä. Dirk Steffens, TV Journalist, Weltreisender und Erklärer. Seine Dokus laufen und liefen auf ARD, ZDF und RTL. Jetzt lebt der Mann, der sich selbst als Hamburger bezeichnet, in einem kleinen Dorf in Bayern. Da kenne ich mich ein bisschen aus. Und er hat ein Buch über den Optimismus geschrieben, das erstaunlicherweise hoffnungslos optimistisch heißt.

Stephan Seiler 1:14
Und das in diesen Zeiten werden nun vermutlich manche Ja, trotz all dem Elend in der Welt und einer nicht gerade positiven Stimmung in Deutschland meint Dirk Steffens, dass er ein unverbesserlicher Optimist ist und bleiben will.

Brigitte Huber 1:30
Ja, da sind wir natürlich hellhörig geworden bei Die Sache mit dem Älterwerden und fragen Wie können wir unserem inneren Optimismus den roten Teppich ausrollen? Und sollen wir das überhaupt? Stephan, wie optimistisch bist du denn?

Stephan Seiler 1:46
Ich war mal wirklich genuin optimistisch. Das steckte mir in Haut und Haaren. Bin auch bei Rückschlägen selten lange betrübt. So geht es mir eigentlich auch immer noch. Merke aber, dass mich eine gewisse optimistische Sicht auf mich und mein Älterwerden, aber auch auf die Lage der Welt zuletzt viel mehr Kraft und Energie gekostet hat. Ich muss mich manchmal wirklich überwinden, positiv zu bleiben. Wie optimistisch bist du denn?

Brigitte Huber 2:11
Mir wurde schon auch immer wieder Wow, da ging es jetzt aber auch um so Dinge wie Frauenbewegung und so. Wie kann man so optimistisch immer noch sein, obwohl ja so vieles schwierig ist und dann sage Für mich gibt es eigentlich keine richtig zwingende Alternative zum Optimismus, auch wenn es mir manchmal schwerfällt.

Stephan Seiler 2:30
Also auch heute genauso wie früher.

Brigitte Huber 2:32
Ja, also und ich würde mal sagen, es fällt mir heute wahrscheinlich genauso schwer, wie es mir früher manchmal fiel. Und vielleicht aber auf Grundlage meiner Lebenserfahrung kenne ich diese Ups and Downs auch besser.

Stephan Seiler 2:47
Dirk Steffens, der Dokumentarfilmer, erklärt in seinem Buch jedenfalls, wie unser Gehirn uns austrickst. Immer wieder lassen wir uns vom Alltagsfrust in die Irre führen und nehmen so manch Positives gar nicht mehr wahr.

Brigitte Huber 3:01
Und er zeigt uns schon auch auf, welche Superkraft Kleinigkeiten haben und welche Kraft der Hoffnung letztlich in der Achtung der Deutschen Bahn und einer ägyptischen Knickpyramide lauern. Es wird spannend.

Stephan Seiler 3:18
Was uns sonst noch helfen kann, optimistisch auf die Welt und die eigene Zukunft zu blicken, das erfahren wir gleich gemeinsam hier im Gespräch mit uns. Los geht's. Ich bin Stephan Seiler.

Brigitte Huber 3:30
Ich bin Brigitte Huber und das ist die Sache mit dem Älterwerden.

Stephan Seiler 3:44
Dirk, herzlich willkommen in der Sache mit dem Älterwerden.

Brigitte Huber 3:48
Schön, dass du da bist, Dirk.

Dirk Steffens 3:49
Ja, man hört schon an deiner Stimme, Stephan, dass das Älterwerden tatsächlich jeden trifft.

Stephan Seiler 3:54
Ja, auch mit 45 ich hatte ein hartes Wochenende hinter mir. Ich bitte um Verzeihung, meine Stimme bricht etwas.

Dirk Steffens 4:01
Hast du Lebensjahre dran gegeben durch Spaß oder hast du Lebensjahre gewonnen durch schöne Dinge tun, also durch gesunde Dinge?

Stephan Seiler 4:09
Vielleicht auch beides. Meine Hoffnung ist, dass sich das am Ende so ausgleicht und ich einfach dann wieder bei Plus minus Null bin.

Brigitte Huber 4:15
Also ich sage mal, Feiern und Achtsamkeit, das klingt eventuell nach einer gesunden Balance.

Dirk Steffens 4:20
Ja, wobei man muss überlegen beim Feiern, das war ja eine der großen Enttäuschungen, die ich während meiner wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Langlebigkeit erfahren musste. Früher hieß es ja immer ab und zu mal so ein Rotwein ist wegen der entzündungshemmenden Stoffe darin und so ganz okay oder sogar gesund. Aber man muss sagen, da hat sich die Studienlage völlig gedreht und es gibt eine ganz bittere Wahrheit dazu. Wenn ich deine Stimme so höre, Stephan, jeder Tropfen Alkohol ist schädlich. Es gibt keine Schwelle, es gibt keine Grenze, es gibt keinen Schwellenwert, bis zu dem das okay ist. Ich trinke aber trotzdem auch ganz gerne mal ein Bier.

Stephan Seiler 4:56
Prima, lass uns bitte direkt zum Thema kommen.

Brigitte Huber 4:59
Ja genau. Und vielleicht, vielleicht ändert sich die Studienlage ja noch mal, aber da ist es schon sehr verhärtet an der Stelle, würde ich auch sagen. Gleichzeitig wissen wir ja nicht, wie stark Freude, Geselligkeit mit anderen und so weiter auf die Lebenserwartung eins zu eins einzahlen. Insofern habe ich da auch immer noch Hoffnung, dass wir auch da einen kleinen Balanceakt hinlegen können.

Dirk Steffens 5:23
Du sagst es so lässig, aber das ist tatsächlich eines der ganz großen Rätsel in dieser gesamten Longevity Langlebigkeitsforschung. Ein gutes, positives Lebensgefühl. Wie viel Effekt hat das auf deine Lebenserwartung und deine Gesundheit? Das kann man natürlich, wenn man naturwissenschaftlich denkt, erklären, warum wir das nicht beantworten können, weil sich das unheimlich schwer messen lässt. Wie willst du das tun? Das beginnt bei der Definition. Wann fühlst du dich gut oder nur mittel oder halb gut oder dreiviertel gut oder sieben Achtel gut. Das ist wissenschaftlich, naturwissenschaftlich unheimlich schwer zu fassen. Und hier ist Raum für Hoffnung und Glaube sozusagen, dass du eben, so wie ich es gestern Abend auch gemacht habe, unsere Kinder hatten gestern Geburtstag und da war die Familie da und Freunde und dann zische ich mir halt ein schönes Helles rein und auch eine Wurst auf dem Grill umgedreht und das ist alles nicht besonders gesund, naturwissenschaftlich betrachtet. Aber die Lebensfreude ist groß und lass uns ein wenig hoffen, dass da Raum für Spaß Freiheit ist und das vielleicht sogar der Gesundheit zuträglich ist.

Brigitte Huber 6:25
Ich will es ehrlich und das ist jetzt auch nicht geschummelt. Wir kennen die Studien alle und ich bin auch überzeugt, dass Lebensfreude sich positiv auswirkt und meine Lebensfreude wird in so einer Eiskammer, was die Longevity Leute ja jetzt propagieren, nicht so gedeihen können wie vielleicht bei einem geselligen Abend. Insofern, wir denken optimistisch, würde ich mal sagen, um Stephan jetzt den Ball zuzuwerfen.

Dirk Steffens 6:48
Wir müssen selbstkritisch bleiben und oft ist der Wunsch ja auch der Vater des Gedanken. Wir wollen ja auch, dass Spaß gesund ist. Also das ist ja etwas, was wir alle wollen. Ob es wirklich so ist, so ehrlich müssen wir sein, das wissen wir überhaupt nicht exakt.

Brigitte Huber 7:03
Aber da noch abschließend, wir wissen auch, wie stark der Placebo Effekt ist. Oh ja, also ich insofern. Aber gut, wir weichen ab. Stephan, du findest wieder zurück auf den Weg, auf den wir, auf dem wir

Dirk Steffens 7:15
noch auf den rechten Weg zurück. Stephan Wir finden zurück.

Stephan Seiler 7:18
Wir verlassen den hedonistischen Weg, den ich sehr, sehr gerne beschritten habe mit euch. Aber jetzt wird es ernst und vielleicht auch optimistisch. Dirk wir wollen heute über dein großes Thema momentan sprechen, den Optimismus. Wir haben uns ja schon mal getroffen vor zehn Jahren etwa. Damals wirktest du ähnlich energiegeladen wie heute. Aber heute erkenne ich zumindest, wenn ich dir in den Talkshows zugucke, wo du immer auftrittst, vor kurzem beim Walschberger und auch bei Lanz und immer wieder bist du überall zu sehen, da erkenne ich mehr Sorgenfalten auf deiner Stirn. Wie schwer oder leicht fällt es dir, in diesen Zeiten optimistisch zu bleiben? Bitte nur als Statusabfrage mit einer Zahl antworten. Über alles Weitere sprechen wir gleich. Wie optimistisch bist du im Allgemeinen auf einer Skala von eins bis zehn acht. Wie optimistisch bist du mit Blick auf die Welt? Auf einer Skala von 1 bis 10

Dirk Steffens 8:09
auch 8, weil das untrennbar miteinander verbunden ist.

Stephan Seiler 8:12
Okay. Und letzte Frage in diesem Trio. Wie optimistisch bist du mit Blick auf Deutschland? Die deutsche, deutsche, das deutsch Wesen momentan auf einer Skala von eins bis zehn sechs.

Dirk Steffens 8:28
Also etwas unterdurchschnittlich. Etwas unterdurchschnittlich. Und das, obwohl ich Das ist übrigens ein Wort, das ich mir sehr antrainieren musste in meiner Generation. Ich möchte hier eigentlich auch so einen patriotischen Optimismus fühlen. Also ich komme ja von hier, ich bin hier zu Hause, ich mag dieses Land unglaublich gern. Ich wünsche mir natürlich aus ganzem Herzen, dass es hier gut vorangeht. Aber im internationalen Vergleich schneiden wir Ich bin Wissenschaftsjournalist und die Zahlen und die Daten und die Fakten sind Die Zahlen und die Daten und die Fakten. Im internationalen Vergleich sehen wir gerade nicht

Brigitte Huber 8:59
so gut aus, wenn ich da schon mal gleich dazwischen grätschen darf. Ich bin in deinem Buch auf einen Satz auch gestolpert, der mir sehr zu denken gegeben Pessimismus ist ein Privileg der Reichen. Magst du das ein bisschen erklären und hat das auch mit Deutschland zu tun?

Dirk Steffens 9:19
Natürlich, meine Reisen, ich mache das seit über 30 Jahren, führen mich ja sehr oft in Entwicklungsländer, also wirklich arme Länder. Und weil ich in Naturregion unterwegs bin und nicht in irgendwelchen Business Hotels in den großen Städten, treffe ich Menschen, denen es wirklich schlecht geht, also Menschen, die sich überlegen müssen, was esse ich morgen, kann ich morgen meine Kinder ernähren? Wenn du in solchen Lebenssituationen bist, kannst du dir viele Sorgen, die wir uns so machen, überhaupt nicht vorstellen. Also dieser Pessimismus ist ein Privileg. Es geht uns ja objektiv gut. Also wenn du dir die Zahlen anguckst, sind wir und die auf uns folgenden, also unsere Kinder, das ist die reichste Generation in der Geschichte der Menschheit, die ist so gesund wie nie, sie lebt so lange wie nie, sie hat Zugang, freien Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung, lebt in einem superdemokratischen Land, kann sagen, was sie will und lebt in einer Zeit bisher nie gekannten Friedens. Also wenn du dir also die Fakten anguckst, müssten wir die glücklichste Generation sein, seit es H*** sapiens gibt. Tatsächlich sind wir aber enorm unglücklich und haben eine Riesenangst vor der Zukunft. Wie kann das sein? Das liegt an dem Paradox des Fortschrittsversprechens, also der Demokratie. Demokratie bedeutet, ich wirke mit, ich gehe zur Wahl, ich gründe eine Partei, ich sage meine Meinung, weil ich hoffe, dass die Welt, die Zukunft dadurch besser wird. Die Zukunft muss besser werden. Das ist Fortschrittsglaube. Nur dann sind wir optimistisch.

Stephan Seiler 10:49
Unseren Kindern soll es mal besser gehen.

Dirk Steffens 10:51
Ja genauso. Aber wir haben ein so hohes Niveau erreicht, ein so unfassbar hohes Niveau. Unser Lebensstandard ist so unglaublich hoch, dass weitere Steigerungen unheimlich schwer sind und nur dieses Gefühl, es wird nicht noch besser evoziert. Pessimismus im Vergleich zu einem Studenten in Indien oder zu einer Mutter in der Zentralafrikanischen Republik, die zehn Kinder hat und nicht weiß, wie sie die satt machen muss, sind all unsere Probleme Kinkerlitzchen. Diese Leute sind aber optimistischer, dass es irgendwann besser wird. Das liegt daran, dass es ihnen jetzt sehr schlecht geht. Also die Relation von gestern und morgen ist viel wichtiger als deine objektive Lebenssituation für das Gefühl von Optimismus oder Pessimismus. Und deshalb ist Pessimismus ein Privileg für Reiche. Wem es wirklich schlecht geht, der kann sich keine Sorgen über pünktliche Bahnen oder unpünktliche Bahnen machen und über die Sicherheit eines Rentensystems, weil er an beiden Systemen überhaupt gar nicht teilnehmen kann.

Stephan Seiler 11:50
Du sagst ja auch, dass Optimismus eine Lebenskraft sei. Wie genau Meinst du das lässt sich diese Kraft wirklich dann trainieren? Mein Eindruck ist ja manchmal auch, dass diese Lebenskraft bei vielen Menschen irgendwann mal abnimmt, glaube ich, anderer Meinung, weil es andere Studien gibt, aber die das auch noch mal anders einordnen. Aber gerade bei meinem alter, so Mitte 40, habe ich mit ganz vielen Leuten zu tun, die boah, das ist echt nicht mehr so schön, wie es mal war.

Dirk Steffens 12:15
Ja, das kann ja auch sein, dass es nicht mehr so schön ist, wie es mal war. Zumindest nicht so sorgenlos. Tatsächlich geht es uns ja, ich habe es ja gerade schon beschrieben, besser als jemals zuvor. Aber am Horizont sind dunkle Wolken und die kann man ja nicht wegdiskutieren. Und diese Wolken machen uns eben Sorgen. Und das ist gerade bei der Generation, die jetzt voll im S*** steht, also sagen wir mal bei den Leuten, die zwischen 30 und 50 sind, also das ist ja immer so ein bisschen so der Motor, der Kern einer hochentwickelten Gesellschaft. Die sehen diese Probleme. Die meisten dieser Menschen in Deutschland sind ja kluge Leute. Die sehen ja, was in der Welt passiert und das macht ihnen zu Recht Sorgen.

Brigitte Huber 12:56
Wie viel optimistisches Denken oder auch pessimistisches Denken hast du von zu Hause aus mitgekriegt? Wie würdest du sagen, wie bist du geprägt worden? Wie bist du aufgewachsen?

Dirk Steffens 13:06
Also mein Papa, der leider viel zu früh gestorben ist, war ein immer gut gelaunter Mensch. Sehr erstaunlich. Es hat mich auch genervt als Jugendlicher. Also in der Pubertät ging mir das total auf die Nerven, dass der immer aufwachte morgens und schon Lieder gesungen hat vor dem Frühstück und das fand ich ganz fürchterlich peinlich. Aber das war vielleicht auch eher gute Laune. Bei mir ist ja der Optimismus ist ja jetzt nicht so ein Lebensgefühl. Es geht nicht darum, ob du, ob du ein Lina Launebär bist und morgens gut gelaunt aufwachst. Das hat mit Optimismus nichts zu tun. Optimismus ist eine Haltung, die du gegenüber Herausforderungen und Problemen hast. Also du musst mal überlegen, wenn du ein wirklich großes Problem hast, dann hast du ja erstmal grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Entweder du gibst auf, das ist Pessimismus, oder du versuchst das Problem irgendwie zu lösen oder zumindest kleiner zu machen. Das ist Optimismus. Wenn du Möglichkeit 1 wählst, aufgeben, hast du immer verloren. Immer. Also das ist absolut alternativlos. Wer aufgibt hat verloren. Und deshalb ist gerade in der Krise, gerade wenn du ein Problem hast, ist Optimismus so viel wichtiger. Pessimismus kann man sich nur erlauben, wenn es einem nicht wirklich schlecht geht. Also noch mal, die Mama in Zentralafrika, wenn die sich denken würde okay, ich finde eh nichts zu essen, also lasse ich meine Kinder jetzt mal gleich verhungern. Das ist keine Option. Sie muss optimistisch sein, dass sie auch den nächsten Tag irgendwie schaffen wird. Das ist Optimismus. Und darum geht es mir.

Brigitte Huber 14:32
Und ist Pessimismus nicht auch eine Ausrede, um nicht handeln zu müssen?

Dirk Steffens 14:37
Natürlich. Und was für eine bequeme. Und vor allen Dingen ist Pessimismus auch ein bisschen denkfaul. Also der Optimist und der Pessimist analysieren ja gleichermaßen die Probleme. Und wenn du das Problem fertig analysiert hast, hört der Pessimist auf. Der bleibt an der Stelle einfach stehen und okay, das ist unser Problem. Schaffen wir nicht. Tschüss, verloren. Und der Optimist okay, ich sehe die Probleme genauso wie der Pessimist. Aber v******* noch mal, es kann doch nicht sein, dass wir hier aufgeben und untergehen, sondern wir müssen doch jetzt irgendwas tun. Und da ist eine Analogie zum Fußball vielleicht Wir haben ja gerade die Weltmeisterschaft erleben dürfen. Ganz gut. Ein Team, das sich schon vorm Anpfiff Wir haben keine Chance, die anderen sind viel besser, wir können das gar nicht. Der Trainer hat gestern schon so komisch geguckt, die Zuschauer mögen uns auch nicht. Ein Team, das so aufläuft, wird mit sehr, sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch tatsächlich verlieren. Eine self fulfilling prophecy, eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Aber ein Team, das Möglicherweise sind die Franzosen oder die Spanier gerade ein bisschen besser als wir. Aber heute ist unser Tag, Wir werden es versuchen. Wir denken uns diesen Trick aus und jene taktische Finesse. Wir versuchen es. Vielleicht klappt es.

Brigitte Huber 15:45
Ja.

Dirk Steffens 15:45
Das ist Optimismus.

Brigitte Huber 15:46
Das finde ich recht spannend, weil ich kürzlich bei einer Diskussion auch dabei war, weil anscheinend Leute aus der deutschen Mannschaft ja, wir wollen Weltmeister werden oder wir werden Weltmeister, ob das sehr vermessen ist und so weiter. Und dann habe ich mir auch gedacht, na ja, aber vielleicht ist es der Weg. Du gehst vom Bestmöglichen aus und dann holst du dir daraus die Kraft, um tatsächlich in jedem Spiel wieder so reinzugehen und zu Ja, OK, Brasilien mag sein, dass die besonders gut sind oder Spanien oder so, hat sich jetzt noch nicht so gezeigt. Aber in Wahrheit ist auch da der Optimismus der, der auch unwahrscheinlichere Szenarien möglich macht. Aber wir wollen ja nicht zu lange beim Fußball bleiben. Wie siehst du das? Unser Podcast dreht sich ja ums Älterwerden. Hat sich dein Verhältnis zum Optimismus im Laufe deines Lebens bis dato verändert?

Dirk Steffens 16:36
Ja, ich habe ja Optimismus gelernt. Ich bin ja nicht so auf die Welt gekommen. Also das ist tatsächlich eher ein Resultat der Beschäftigung mit Naturwissenschaft, vor allen Dingen, weil ich ja um die Welt reise und meinem Leben hunderte, ich weiß nicht, ob es nicht vielleicht sogar schon tausende Forschende auf der ganzen Welt sind, also die Leute, die sich in der Savanne, im ewigen Eis der Antarktis oder oben auf dem Mauna Kea oder so mit der Luftverschmutzung, also die sich mit den großen Themen beschäftigen. Und ich habe eigentlich noch nie eine Naturwissenschaftlerin oder Naturwissenschaftler getroffen, die Wir sind verloren. Es gibt keine Chance mehr. Also wir haben die Fakten jetzt erstmal auf unserer Seite. Wir können all die großen Probleme und die größten Probleme der Menschheit sind nicht Ich weiß, wie schlimm sich das anhört, aber die größten Probleme der Menschheit sind nicht das deutsche Rentensystem, der Ukraine Krieg oder Donald Trump, sondern die größten Probleme der Menschheit sind tatsächlich der Erhalt unserer Lebensgrundlagen, weil wir sonst einfach sterben. Wir könnten aussterben, wenn wir nichts mehr zu atmen, zu trinken und zu essen haben. Also die Lebensgrundlagen sind schlicht und einfach das größte und wichtigste Thema von allen, die es auf diesem Planeten gibt. Das ist die Herausforderung dieses Jahrhunderts, vor der wir als Menschheit stehen. Daran gibt es naturwissenschaftlich überhaupt keinen Zweifel. Alles andere ist Gerede. Für diese großen Probleme, also Klimawandel, Artensterben und so weiter, haben wir mehr als genug Lösungsansätze. Wir wissen als Menschheit ganz genau, wie wir das in den Griff kriegen können. Wir wissen es. Wir sind noch ganz schlecht in der Umsetzung dieser Lösung, aber wir haben sie alle parat. Und wenn das kein Grund zum Optimismus ist, na dann weiß ich auch nicht.

Brigitte Huber 18:14
Sag mal, Dirk, und jetzt, wenn du dir jetzt die letzten 5 oder 10 Jahre anschaust, ich hatte eine Diskussion beispielsweise als Greta Thunberg und Fridays for Future und alles kam mit meinem Sohn damals und hab Wow, was für ein Momentum. Warum glaubst du, dass das jetzt ist, dass die Welt so weit ist und dann sagte ja, weil die Wissenschaft jetzt weiß, wie gefährlich das ist. Dann sage ich ne, ich bin schon sehr lang relativ erwachsen und seit mindestens 30 Jahren oder als ich Teenager war, Baumsterben und so was begleitet uns diese Diskussion. Dann hat man das Gefühl, viele Menschen haben das begriffen, dass man am Klimawandel wirklich auch wirklich was tun muss. Im Moment verschwindet das ja wieder hinter der aktuellen Diskussion so ein bisschen. Nimmt dir das eine Zuversicht oder sagst Hey, entspannt ist alles ganz normal, das wird schon wiederkommen.

Dirk Steffens 19:04
Also die gesellschaftlichen Strömungen verhalten sich ja so ein bisschen wie Börsenkurse. Also das ist nie eine Linie, die gerade hoch oder gerade runter geht, sondern das ist eine sehr zackige Linie. Das heißt, man geht zwei Schritte vor und dann mal wieder einen zurück. Das ist der Lauf der Geschichte. Das war bei den anderen großen gesellschaftlichen Herausforderungen, bei der Gleichberechtigung der Frau, der Einführung der Demokratie, der Abschaffung der Sklaverei, name it, völlig egal, was du benennst. Das ist überall so. Das ist ganz normal, dass es nicht immer nur gerade nach oben geht. Und das ist natürlich auch beim Umweltschutz so. Es ist eine traurige Zeit, gerade weil wir in der einen Schritt zurück Phase sind. Aber die große Linie zeigt natürlich in die richtige Richtung mal zwei Zahlen dazu, die das illustrieren. Man hat ja so das Gefühl, man redet jetzt wieder dank Trump und vielen anderen vor allen Dingen über Ölförderung und Gaskraftwerke und Atomkraft. Aber wenn du dir die Fakten anguckst, im vergangenen Jahr waren weit über 90 Prozent aller neuen Stromkraftwerke auf der Welt, die gebaut werden, sind erneuerbare 90 Prozent. Über 90 Prozent. Und woran liegt das? Weil die Politik gar nicht so wichtig ist, wie sie sich fühlt. Es gibt inzwischen ökonomische und praktische Zwänge, die so groß sind, dass das Gerede von Drill, Baby, Drill für diese Entscheidung überhaupt keine Rolle mehr spielt. Strom aus Wind und Sonne ist so viel preiswerter, so unendlich viel preiswerter als Strom aus Kernenergie, dass man, wenn man das rein ökonomisch vernunftmäßig betrachtet, baut niemand mehr ein anderes Kraftwerk. Und überall da, wo die Wirtschaft freien Lauf hat, passiert genau das. Und nur in Ländern wie Frankreich oder Großbritannien, wo aus nationalen kleinen Interessen die Atomwirtschaft stark subventioniert wird mit Steuergeldern, ist enorm teuer, was Frankreich da treibt, Das ist wirklich enorm teuer. Da florieren diese Zweige noch. Aber ihr seht allein an dieser einen Zahl, dass die Welt zwangsläufig irgendwann in die richtige Richtung geht. Und warum ist das so? Weil die ganze Welt schon immer eine Ökodiktatur war. Also du kannst nicht außerhalb der Natursysteme leben, weil du dann stirbst. Also wie wichtig Naturgesetze und Natursysteme sind. Versuch's mal. Halt dir mal die Nase und den Mund zu und versuch mal 10 Minuten die Luft anzuhalten. Wenn du es schaffst, bist du tot. Also du kannst dich Naturgesetzen nicht entziehen. Diese Möglichkeit gibt es nicht. Man kann nicht verhandeln, man kann keine Deals machen, man kann das nicht relativieren, Man kann zwar blöd rumlabern, aber wenn du die Luft zehn Minuten anhältst, bist du tot. Und wenn sich das Klima entsprechend verändert und die Arten sterben, gehen wir unter.

Stephan Seiler 21:45
Ja, das ist ja alles richtig, lieber Dirk. Aber wenn ich da mal dazwischen funken darf, der Kapitalismus, dem können wir auch nicht entkommen. Und Kapitalismus impft uns ja, dass wir defizitäre Wesen sind, dass wir Mängelexemplare sind, dass wir mehr brauchen, mehr wollen, neue Dinge wünschen sollten, die wir uns dann auch wirklich wünschen. Dazu müssen wir nur den Dopaminausstoss angucken von uns allen, den Einkauf oder aber auch das Callen bei Social Media auswirken. Wie können wir denn dieser Kraft entkommen? Müssten wir es quasi mantraartig jedes Jahr, jeden Tag Ich werde wieder Optimist, wenn wir nicht die Möglichkeit haben, wie du um die Welt zu reisen.

Dirk Steffens 22:21
Ich hau mal eine steile these raus. Bei dir schwingt ja so ein bisschen Kapitalismuskritik mit. Ja doch, es klingt ein bisschen so. Ich hau mal die steile these raus. Wir müssten zum Schutz der Umwelt eigentlich mehr Kapitalismus wagen. Das wäre das Entscheidende. Eine Grundidee des Kapitalismus oder der Marktwirtschaft ist ja zum Beispiel eigentlich das Verursacherprinzip. Wenn wirklich diejenigen, die Produkte herstellen, die unsere Umwelt schädigen, dafür haften müssten, so wie du dafür haften musst, wenn du mit deinem Fahrrad einen Kratzer an irgendein Auto machst. Wenn dieses simple Verursacherprinzip gelten würde, würden wir für den Umweltschutz innerhalb von einem Tag mehr gewinnen als alle Umweltministerkonferenzen und Klimagipfel. Zusammengerechnet. Aber im Moment ist es eben so, dass wir so eine Art Kohlenstoffsozialismus haben. Also die Staaten schützen und subventionieren bestimmte Industrien, weil da Lobbyismusinteressen und so was dahinter stehen. Aber das ist kein Grundproblem der Marktwirtschaft, sondern es ist ein Grundproblem der verzerrten Marktwirtschaft. Da, wo es fair wäre, wo jemand, der Schaden anrichtet, dafür haften müsste, wäre das super. Nur da sind wir nicht. Das heißt für mich nicht, dass wir jetzt eine Gesellschaftsdebatte. Wir haben auch gar keine Zeit dafür. Also die Umweltprobleme sind so drängend. Wir haben nur noch wenige Jahrzehn, Jahrzehnte Zeit, bevor es richtig eng wird. Wir haben keine Zeit für solche Gesellschaftsdebatten, sondern wir müssen den Kapitalismus fit machen für die Umweltzukunft.

Stephan Seiler 23:44
Auf der Makroebene, auf der großen Ebene verstehe ich, aber verstehe ich das total. Nur für mich als Privatperson, ich werde ja auch zugebombt mit den ganzen neuen Kaufanreizen etc. Also ich habe in dem Buch sehr, sehr viel gelernt und auf der kognitiven Ebene und rationalen Ebene verstehe ich das alles total. Aber die Frage ist ja auch, ob das Herz mitkommt, ob man dann nicht dann doch sich verführen lässt und das Falsche tue am Ende. Wie kommen wir da weg? Du schreibst auch von diesen ganzen Fehlannahmen, die typisch menschlich seien. Vielleicht kannst du dazu was sagen.

Dirk Steffens 24:16
Ja, du darfst dich vor allen Dingen nicht verheddern in dem Versuch, der perfekte Mensch zu sein. Dann bist du zum Scheitern verurteilt. Das kannst du nicht leisten. Du kannst auch nicht der perfekte ökologische Mensch sein. Also wie gesagt, ich habe es vorhin schon erzählt, ich habe gestern Bier getrunken und eine Bratwurst gegessen und eine Bratwurst ist sicherlich. Und ich weiß noch nicht mal, weil Tante sowieso das mitgebracht hatte, ob das eine Öko Bratwurst war. Also ich habe noch nicht mal nachgefragt. Also das war ökologisch sicherlich fragwürdig. Man kann kein perfekter Mensch sein. Und wenn du das willst, verhedderst du dich und wirst handlungsunfähig. Aber du hast ja viele Möglichkeiten, viele kleine Stellschrauben, jeder Einkauf, fast jede Handlung, die du machst, wie du deinen Urlaub planst, was für Klamotten du dir kaufst, wie du deine Wohnung heizt was du isst, wie oft du Fleisch isst, welches Fleisch du isst, ob du überhaupt Fleisch isst, was für eine Milch du trinkst. Du hast jeden Tag hundertmal die Möglichkeit, irgendwas zu entscheiden und ich erwarte von niemandem, dass er hundertmal das Richtige tut. Aber wenn du 51 mal das richtige tust, dann bist du doch schon ein bisschen im grünen Bereich. Und stell dir mal vor, die ganze Menschheit würde überwiegend, zumindest überwiegend die besseren, die richtigen Entscheidungen treffen. Nur darum geht es. Und gerade in Deutschland haben wir oft diese Perfektionsdebatten. Wir finden Sachen erst gut, wenn sie perfekt sind. Dieser Wunsch, Sachen erst dann zu implementieren, wenn sie wirklich super perfekt sind, führt dazu, dass wir ganz langsam geworden sind, dass wir in Bürokratie ersticken, in Regeln, in Anforderungen, denen wir selbst nicht gerecht werden können. Da kann man sich ruhig mal ein bisschen locker machen und ich versuche ein guter Mensch zu sein. Aber wenn ich v******* noch mal beim Fußball B*** habe auf eine Stadionwurst, dann esse ich eben auch eine.

Brigitte Huber 25:54
Was mich noch mal interessieren würde, du sagst, du glaubst, dass die Kurve oder du siehst, dass die Kurve in die richtige Richtung geht. Wir haben jetzt vielleicht momentan so eine kleine Abwärtsbewegung, sie geht in die richtige Richtung. Gleichzeitig sagst du ja in Wahrheit, es ist fünf vor zwölf oder drei vor zwölf. Glaubst du denn, dass wir die Kurve kriegen rechtzeitig?

Dirk Steffens 26:15
Naja, komm, wir nehmen mal ein drastisches Beispiel. Der Ausguck auf der Titanic hat den Eisberg gesehen und dann wird das Steuerrad herumgerissen und dann beginnt so ein Schiff ganz, ganz langsam den Kurs zu ändern. Im Falle der Titanic wissen wir, es war zu langsam. Also wir haben bereits an diesem Steuerrad gedreht, wir haben den Kurs als Menschheit verändert. Diese Zahl der 90 Prozent erneuerbaren Energien, die ich vorhin genannt habe, ist das schönste Beispiel vielleicht dafür, ob wir rechtzeitig vorbeikommen, wie die Titanic das nicht geschafft hat an dem Eisberg. Das ist offen. So ehrlich müssen wir sein. Also dass wir umsteuern und immer mehr in die richtige Richtung gehen, heißt noch nicht, dass wir es geschafft haben. So muss man das einfach wissenschaftlich korrekt darstellen. Es ist offen.

Brigitte Huber 27:02
Also wenn du Menschen anschaust, ich sehe das schon immer wieder, ich sehe es sogar in Teilen an mir selber, dass ich manchmal mehr kleine positive Entscheidungen für die Umwelt gemacht habe. Also sowieso Mülltrennung, aber jetzt ganz, ganz irgendwelche Boxen mit in den Supermarkt mitnehmen, damit man da nichts zusätzlich an Behältern braucht und so weiter und so fort. Ich kriege das schon manchmal mit, dass dieser Muskel erlahmt bei manchen Menschen, weil dann kommt dieses es macht ja eh keinen Sinn. Und wenn, dann müssen sich ja die großen Systeme ändern. Und auch wenn Deutschland sich ändert, wir sind ja nur, ich weiß es nicht, für drei Prozent des Co Ausstoßes und so weiter und so fort zuständig oder verantwortlich. Was sagst du den Menschen, dass sie wieder optimistisch die kleinen Taten tun, die zu was Großem werden können?

Dirk Steffens 27:50
Das ist eine Haltungsfrage. Ich war mit der leider ja kürzlich verstorbenen Schimpansenforscherin Jane Goodall gut befreundet. Und ich habe die mal, als wir mal, wir haben öfter mal zusammen Vorträge gehalten und so was, ich habe die mal abgeholt aus dem Hotel und da habe ich diese feine Dame, diese berühmte Naturforscherin gesehen, wie sie im Hotelzimmer diese kleine Seife, ihr kennt diese kleinen Seifenstücke, die immer einzeln verpackt sind, wie sie gerade dieses Ding genommen hat und eingewickelt und in den Koffer getan. Und da habe ich sie gefragt, was soll das denn? Ey Jane, ich bitte dich, du bist morgen in einem anderen Hotel, da liegt wieder ein Stück Seife, warum schleppst du dieses durch die Gegend? Sagt naja, stell dir mal vor, ich verbringe über 300 Tage im Jahr in Hotels, wenn ich jeden Tag ein neues Stück Seife anbreche mit der Verpackung, jeden einzelnen Tag, was das für eine Menge von Zeug ist. Und jetzt stell dir mal vor, jeder einzelne Mensch würde bei jeder kleinen Handlung so vorgehen, was wir erreichen könnten. Und das ist genau der Punkt. Also ja, man fühlt sich machtlos, wenn man mit seinem Jutebeutel an den Obststand im Supermarkt geht und okay, China hat diese Woche wieder drei Kohlekraftwerke ans Netz geschaltet und ich stehe hier mit meinem Jutebeutel. Wie albern ist das denn? Dieses Gefühl kenne ich natürlich auch. Aber du kannst entweder sagen, ich bin nur einer von acht Milliarden und habe deshalb keinen Einfluss oder du kannst Ich bin eine von acht Milliarden und zusammen können wir alles verändern. Und das ist tatsächlich eine Haltungsfrage. Also das kannst du jetzt nicht wissenschaftlich herleiten, sondern das ist eine Haltungsfrage.

Brigitte Huber 29:20
Ist Optimismus auch eine Haltungsfrage?

Dirk Steffens 29:23
Ja, natürlich. Pessimismus ist denkfaul, hedonistisch und zerstörerisch. Und du musst es trainieren durch Nachdenken, also durch vernünftiges Nachdenken.

Brigitte Huber 29:32
Also du würdest im Trainieren durch Nachdenken.

Dirk Steffens 29:34
Ja. Denn du musst dich immer wenn es wirklich hoffnungslos ist, was Leute ja behaupten, was bedeutet denn das dann? Das bedeutet, dass deine Kinder sterben werden. Mach dir das mal klar. Und wenn du das in dieser drastischen Logik ausformulierst, hörst du sofort auf, hoffnungslos sein zu wollen. Du willst dann unbedingt Lösung finden, weil die beiden Jährigen, mit denen ich gestern hier Geburtstag gefeiert habe, v******* noch mal eine Zukunft verdienen. Jemand, der aufgibt und pessimistisch ist, handelt komplett verantwortungslos. Und ich muss ganz ehrlich sagen, ich benutze hier mal das ganz große gemeine Wort. Ich verachte diese Haltung, weil sie wirklich verantwortungslos ist.

Brigitte Huber 30:13
Du kennst bestimmt auch den berühmten Fragebogen von Max Frisch, wo er diese Frage ja auch Interessiert es Sie wirklich, wenn alle ihre Nachbarn, so in etwa ist sie ja gestorben sind, was mit der Welt weiter passiert? Wir haben die einmal auch sogar schon diskutiert, Stephan, nicht wahr?

Stephan Seiler 30:29
Ja, richtig.

Brigitte Huber 30:30
Und in Wahrheit ja klar. Also dieses für die nachfolgenden Generationen, wenn sie natürlich 13 sind und in der eigenen Wohnung noch rumlaufen, ist das fassbarer, als wenn du beispielsweise keine Kinder hast. Aber nichtsdestotrotz, also das ist deine Wurzel, wodurch du deinen Optimismus speist. Habe ich das richtig verstanden?

Dirk Steffens 30:51
Ja, aber auch durch die Vernunft. Ich fühle mich schon auch mit der Welt und der ganzen Menschheit irgendwie verbunden. Natürlich sind mir ganz objektiv betrachtet meine Urenkel scheißegal. Natürlich. Also ich werde ja nicht mehr auf der Welt sein und sagen wir mal Urenkel. Vielleicht habe ich ja ganz viel Glück.

Brigitte Huber 31:06
Ururenkel. Genau. Wir werden jetzt alle 120 insofern, da

Dirk Steffens 31:10
sind wir sicherer bei Ururenkel. Natürlich werden meine Ururkel mir völlig scheißegal sein. Das muss auch so sein, denn ich werde ja nicht mehr leben, wenn die geboren werden. Das heißt, ich kann zu denen überhaupt keine emotionale Bindung aufbauen. Und das ist völlig abstrakt. Also forget my Urenkel, mit denen habe ich nichts zu tun. Aber Es geht mir um die Kinder, mit denen ich heute hier mein Leben verbringe. Und es geht mir Ich bin mein Leben lang um die Welt gereist, auch um die vielen Menschen, die ich getroffen habe auf der Welt. Und die meisten davon sind echt ganz anständig. Natürlich gibt es überall auch A**********, aber die meisten Menschen, die ich auf der ganzen Welt in 30 Jahren getroffen habe, sind es wert, eine Zukunft zu haben. Und ich möchte nicht, dass wir irgendwann das Schicksal der Dinosaurier erleiden und als Art verschwinden. Ich finde, dass H*** sapiens, ich fühle mich der ganzen Menschheit dann schon verbunden und ich möchte, dass diese Art auch die aktuellen Krisen übersteht und eine Zukunft hat. Ich finde, das ist ein tröstlicher und schöner und großer Gedanke. Und ich möchte da irgendwie versuchen, Teil der Lösung zu sein und nicht Teil des Problems.

Stephan Seiler 32:10
Lasst uns doch gerne mal auf die alltäglichere Ebene schauen, die große Öko und Klimaebene ein Stück weit verlassen, wenn wir umgeben sind von all den schlechten Nachrichten in den News, die wir angucken oder hören. Aber auch wenn wir in der Bahn sitzen, das ja auch immer wieder eine Rolle spielt bei deinen Erzählungen als Negativbeispiel, wenn man über die Straße läuft, wir erinnern uns an Debatten rund um Straßenzüge, die Sicherheit draußen, dann kriegt man ja immer wieder es ist wirklich viel im Argen und es ist nicht mehr so schön, wie es mal war oder ähnliches. Was sagst du da? Wie soll man da quasi die Synapse im Kopf umstöpseln, damit man das anders wahrnimmt, vernünftig sein?

Dirk Steffens 32:54
Und das hat zwei Aspekte. Das eine ist, dass du dir mal anguckst, wie schlecht ist es wirklich? Also zum Beispiel sind noch nie so viele Menschen mit der Bahn gefahren in Deutschland wie gerade jetzt. Das ist wirklich verrückt. Übrigens, der Handyempfang ist inzwischen auch besser geworden, weil die neue Fenster einbauen. Die haben früher Fenster in die Bahn eingebaut, die Handystrahlen abblocken. Also ich meine, wie blöd kann man sein? Da kann man ja seine Verspätung noch nicht mal per Handy ankündigen. Das ist natürlich doppelt frustrierend. Also die Dinge werden langsam wieder besser und wir müssen doch auch mal auf unser eigenes Leben schauen. Es ist nicht möglich, dass Dinge ununterbrochen immer besser werden. Es gibt auch mal Krisen, aber dann muss man sich Ist eine Krise gleich der Untergang? Also ist es ein Untergang, wenn ein Land, das über Jahrzehnte ein riesen Wirtschaftswachstum hatte. Wenn wir dann mal 3, 4 Jahre eine Stagnation haben, dann ist das frustrierend und dann gibt es Probleme und dann muss man auch handeln, damit aus diesen Null Prozent Wachstum nicht irgendwie irgendwann der Verfall wird. Aber ist das wirklich schon der Untergang? Ist es Armageddon, wenn ich statt zwei Schnitzeln am Tag nur noch eins bestellen kann, bin ich dann schon direkt tot? Und sich das einfach mal klarmachen, dass eine Krise eben genau das ist eine Krise und kein Untergang. Und da verwechseln wir in der hysterischen öffentlichen Debatte manchmal das Kleine mit dem Großen. Also ja, hier liegt ganz viel im Argen. Ich habe erst gestern wieder im Schienenersatzverkehr gesessen. Also don't tell me about it, zweieinhalb Stunden zu spät. Mir muss niemand erklären, was in diesem Land alles schief läuft. Das sehe ich genauso und ich ärgere mich darüber genauso wie jede und jeder andere. Aber das heißt doch nicht, dass wir die Probleme der Zentralafrikanischen Republik haben, wo Leute hungern und marodierende Horden Leute auf der Straße umbringen. Also da sind wir doch auch nicht Wir sind immer noch in einem der leistungsfähigsten, wohlhabendsten, sichersten und besten Länder auf diesem ganzen Planeten. Also lasst uns doch mal aufhören mit diesem Rumgeheule, dass wir auf dem Abstiegsgleis sind, sondern okay, wir gewinnen in diesem Jahr vielleicht nicht die Weltmeisterschaft, aber lass uns mal trainieren. Wir haben die Ressourcen, damit wir beim nächsten Mal wieder vorne mit dabei sind. Das ist doch die Haltung, die wir brauchen.

Brigitte Huber 35:02
Dirk As spricht auch der Vielreisende. Das merke ich auch. Mir ging das auch immer. Ich habe jetzt erst die letzten 20 Jahre mehr reisen. Machen können als früher. Und zum einen fand ich es wahnsinnig faszinierend, wie ähnlich wir Menschen uns sind, auch wenn wir auf der anderen Seite uns verbindet einfach so viel mehr, als man vielleicht denkt aus der Entfernung. Und zum anderen auch die Demut, die man entwickelt, wenn man sieht, unter welchen Bedingungen andere Menschen versuchen, ein glückliches Leben zu führen. Und ich glaube, das ist schon so der Punkt. Und vielleicht ist das auch schon Also wir versuchen ja bei uns selber und unseren Zuhörern auch immer zu okay, wie kann ich diesen Optimismus, der uns alle weiterbringt, trainieren? Du sagst vernünftig sein und nachdenken oder fällt uns noch Ja, du kommst da

Dirk Steffens 35:51
nicht anders raus, du kriegst das emotional nicht hin. Weißt du, so gestern hat mich die Sachbearbeiterin vom Finanzamt angerufen und das ist wirklich ein Albtraum. Ich bin Freiberufler und so, das mit der Steuer, es ist alles ein verdammter Albtraum. Und während so eines Gespräches mit der Frau vom Finanzamt hilft mir auch der Gedanke an die existenzielle Armut in Zentralafrika nicht weiter. Also du kannst nicht alles, was du erlebst und was du fühlst, immer gleich in Relation zur großen ganzen Welt setzen und dann sagen, okay, hier ist aber noch ganz gut und deshalb fühle ich mich okay. Das funktioniert im Alltag nicht. Stephan hat es ja gerade richtig gesagt, das ist die große globale Betrachtung und die ist auch korrekt, aber im Alltag funktioniert das nicht. Also deine Probleme fühlen sich nicht kleiner an, nur weil irgendwo am anderen Ende der Welt es Menschen gibt, denen es noch schlechter geht. Also da musst du eine andere entwickeln,

Brigitte Huber 36:45
dann geht es einem noch schlechter, finde ich, weil man spürt dann natürlich, ich bin nicht im Krieg, aber ich bin es trotzdem so dermaßen bescheuert, jetzt noch mal drei Stunden Stau zu stehen in der Bahn oder keine Ahnung, sich mit dem Finanzamt rumzuschlagen, das macht es dann irgendwie ist es doppelt blöd.

Dirk Steffens 37:01
Wir haben jetzt aber auch die härtesten Themen, die Bahn fehlt bloß noch der Zahnarzt. Dann haben wir wirklich die schlimmsten Dinge,

Brigitte Huber 37:09
die einem wieder, weil wir übers Älterwerden sprechen. Also du hast gesagt, du hast den Optimismus auch gelernt. Ich habe letztes Jahr mit einer Kollegin ein Buch geschrieben, da ging es darum, wie man 60 wird und so. Und was mich sehr gefreut hat bei der Recherche ist, dass es einen sogenannten Positivitätseffekt gibt, den uns die Natur eingebaut hat und dass wir eigentlich dann positiver auf die Welt gucken können. Das heißt, Amygdala in unserem Gehirn einfach negativ reize nicht mehr so stark ihre Spuren hinterlassen wie positive. Und das fand ich zum Beispiel sehr, sehr schön. Ist dieser Effekt bei dir schon eingetreten oder bist du da mit 58 zu jung?

Dirk Steffens 37:48
Ja, natürlich, weil du, das ist natürlich sowas wie Lernen. Man hat schon so viele Krisen kommen und gehen sehen, dass allein das dich ab einem gewissen Alter gelassener macht. Also ich weiß noch sehr gut, also als ich jung war und die Themen wie die Hochrüstung, der Kalte Krieg, der saure Regen, das waren wirklich Debatten, die haben, weil das meine ersten großen gesellschaftlichen politischen Erfahrungen waren, waren die sehr existenziell. Das ist ja das Privileg der Jugend. Die denken immer, dass ihre Probleme die größten seien und das vorher noch nie so gewesen sei, was natürlich völliger Bullshit ist, objektiv betrachtet. Also das war für jede Generation bisher gleich. Und wenn man älter wird, dann hat man eben schon ein Dutzend existenzielle Krisen persönlicher und gesellschaftlicher Art miterlebt. Und naja, wahrscheinlich schaffen wir das dieses Mal auch wieder einfach aus der Erfahrung heraus. Und ja, das ist ein Privileg des Alters, während die Jugend das Privileg der Arroganz hat. Sie darf und muss arrogant sein und denken, dass sie es besser checkt, dass ihre Probleme die größten sind und dass nur sie die Zukunft sind. Stimmt ja. Der letzte Punkt stimmt ja auch. Aber dafür haben wir Älteren das Privileg zu Ja, ja, wir waren wie ihr regt euch mal schön auf, Auch das wird wieder. Und das ist nicht das erste Mal, dass so was passiert. Und genau diese Wechselwirkung zwischen der aufgeregten Arroganz der Jugend und der manchmal etwas bräsigen Gelassenheit des Alters dazwischen liegt wahrscheinlich der richtige Weg. Also bei Stephan, der mit 45 genau da ist,

Stephan Seiler 39:19
ich stecke so zwischen zwei Welten, ich versuche auch ab, ist nicht unbedingt aus dem Optimism begabtesten Landstrich Deutschlands, nämlich aus dem Hunsrück. Liebe Grüße an mein altes Zuhause. Aber da ist jetzt nicht die gute Laune zu Hause, muss man so sagen. Da waren die Nachbarinnen und Nachbarn im Saarland schon wesentlich lebenslustiger und sind es bis heute mal ganz neidisch. Aber du sagst ja eben, Pessimismus ist was für Denkfaule. Manche Leute sind halt gerne faul, wenn du jetzt mal sie überzeugen solltest. Wozu denn am Ende überhaupt Optimismus? Jetzt mal abgesehen von dem Punkt, den du eben schon nanntest auf der globalen Ebene, dass wir es brauchen, um quasi eine bessere Welt zu erzeugen. Aber gibt es auf der ganz persönlichen Ebene einen richtigen Gewinn, den man davonzieht, wenn man optimistisch ist?

Dirk Steffens 40:00
Ja, das ist das Gefühl der, Das ist das Gefühl der Ermächtigung. Also ich glaube, jeder von uns kennt dieses Gefühl. Wir haben vorhin schon kurz drüber gesprochen, Ich kann doch nichts ausrichten, ich bin machtlos, ich bin ja nur sie, kleine Wurst, keiner hört auf mich, Die Politik macht, was sie will, Die Milliardäre und Milliardärinnen machen, was sie wollen. Also ich bin ein Spielball der großen Mächte. Dieses Gefühl der Machtlosigkeit. Und dann zwingen die mich auch noch dazu, eine Energiesparlampe einzudrehen oder ein Elektroauto zu kaufen, obwohl ich doch gerne das Brummen meines Verbrenners höre. Dann fühlt man sich auch noch ungerecht behandelt. Dieses Empfinden kennen wir alle in der einen oder anderen Form, jeder einzelne von uns. Und wenn du dich aber diesem Gefühl ergibst, dann bist du ein Opfer der Umstände. Und wir haben, meine Frau hat damit angefangen, muss ich leider zugeben, ich würde das gerne für mich in Anspruch nehmen, aber es stimmt nicht. Sabine hat damit angefangen. Wir hatten, nachdem wir eine traumatische Müllstrand Erfahrung auf Bali hatten, also wo der Traumstrand der Surfer schlimmer aussah als jede deutsche Müllkippe. Also da möchte man lieber im Hambacher Tagebau irgendwie Urlaub machen als an dem Strand und Sabine wirklich am Strand heulen musste, weil das so schrecklich war. Danach hat sie angefangen, jeden Tag ein Stück Müll aufzusammeln, was wissenschaftlich betrachtet völlig wirkungslos ist. Also bei Millionen und Millionen Tonnen pro Jahr ist das eine Stück, das Sabine pro Tag aufhebt, natürlich völlig bedeutungslos. Aber ich habe dann auch irgendwann damit angefangen. Und wenn du anfängst zu handeln, fühlst du dich nicht mehr als Opfer, sondern du fühlst dich als Mensch, der die Zukunft mitgestalten kann. Und jetzt stell dir einfach mal vor, 8 Milliarden Menschen würden jeden Tag, jeder und jede ein Stück Müll aufheben. Dann würde sich die Welt tatsächlich verändern. Also du kannst wirklich durch bewusste Entscheidungen deine Haltung zur Welt verändern. Und dieses Gefühl der Ermächtigung ist großartig und das hilft dir, optimistisch zu sein. Du bist nicht mehr der Spielball der Welt, sondern du bist ein Teil der Gestaltung der Welt. Und es ist ja immer die Mehrheit der Menschen, die langfristig vorgibt, wo es langgeht. Weißt du, die Helden oder die großen Politikerinnen oder oder Befreiungskämpfer oder so, die verehren wir in den Geschichtsbüchern Aber Nelson Mandela ist nicht der Mann, der die Apartheid abgeschafft hat. Nelson Mandela war nur die Ikone der Anti Apartheids Bewegung. Also er war das Gesicht dieser Bewegung, aber er hat es natürlich nicht alleine gemacht. Das wäre auch völlig unmöglich gewesen. Und solche Helden wie Mandela entstehen nur, wenn es einen Zeitgeist gibt, wenn es eine große Strömung gibt, die solche Helden trägt, mit Heraklit gesprochen, Pantarei, alles fließt. Also wir sind der Fluss. Und Helden wie Mandela oder John F. Kennedy oder Winston Churchill oder Jesus, name it, was immer man als persönlichen Helden ansieht, sind sozusagen nur die Flöße, die auf diesem Fluss treiben. Aber der Fluss sind wir. Wir geben die Fließgeschwindigkeit vor und wir geben auch die Fließrichtung vor. Und das ist großartig. Wir alle sind Teil dieser großen menschlichen gesellschaftlichen Bewegung. Und deshalb hat jeder und jede von uns auch Einfluss. Keiner kann alleine die Welt retten, aber zusammen können wir alles tun.

Brigitte Huber 43:18
Du machst jetzt nächstes Jahr eine Bühnenshow. Du hast ja das Buch geschrieben, hoffnungslos optimistisch und eine Bühnenschau. Was dürfen wir, was dürfen die Menschen dort erwarten?

Dirk Steffens 43:31
Erstmal hoffe ich, dass sie ein bisschen Spaß haben an dem Abend. Wir haben ja in diesem jahr schon in 20 städten sozusagen die Vorlauftour gemacht. Nächstes Jahr wird sie dann größer. Das ist dann alles ein bisschen, naja, nicht gigantisch, aber größer. Die Hallen sind doppelt so groß und so. Sabine und ich, also meine Frau und ich, stehen gemeinsam auf der Bühne und erzählen so ein bisschen, warum die Welt nicht untergehen wird aus naturwissenschaftlicher Perspektive und berichten natürlich auch von unseren Reisen und den vielen guten Erfahrungen, die wir gemacht haben. Also im Grunde ist es ähnlich wie unser Gespräch heute. Und wir versuchen natürlich auch, das so ein bisschen unterhaltsam zu machen. Also das Wichtigste ist, man soll dahin kommen, so wie man sich fühlt und man soll sich etwas besser fühlend abends dann wieder verabschieden. Also ein bisschen uplifting. Nicht im Sinne eines Coaches, so eines Business Coaches oder so, Das ist meistens Unsinn, sondern dass wir einfach mal uns zurücklehnen und entspannt auf die tatsächliche Lage der Welt gucken und dabei Wir Menschen haben mehr Lösungen als Probleme. Und das ist eine Tatsache.

Stephan Seiler 44:31
Was lässt dich denn anhand der Ticketverkäufe für deine Bühnenshow über den Optimismus und Pessimismus im Land lernen?

Dirk Steffens 44:37
Ich habe ja dieses Buch geschrieben und sowohl Buch und Ticketverkäufe geben. Mir das Gefü Ja, das ist etwas, was jetzt gerade gebraucht wird. Also dass wir Probleme haben und es nicht gut läuft, haben glaube ich alle verstanden. Jetzt kann man natürlich das Buch schreiben, das Systemversagen mit Deutschland geht es bergab, was alles schief läuft oder so heißt es. Also man kann jetzt Kassandra Mäßig immer weiter den Untergang besingen, aber das brauchen wir nicht mehr. Alle haben verstanden, also jeder, zumindest jeder Mensch, der mehr als zwei Gehirnzellen hat, hat verstanden, dass es eine schwierige Situation ist und etwas passieren muss. So, das ist abgeschlossen. Jetzt müssen wir halt, müssen wir ans Handeln kommen und wir müssen gucken, was geht denn wirklich. Und ich glaube, ich meine, dieses Buch war über ein halbes Jahr lang in der Bestsellerliste. Das ist ja irrsinnig, wenn du so einen abstrakten Titel wie hoffnungslos optimistisch hast. Also und das zeigt mir, es gibt offenbar viele Menschen in diesem Land, das ist ja nur auf Deutsch erschienen bisher das Buch, Viele Menschen in diesem Land, die auch OK, genug geklagt, jetzt geht es mal wieder los.

Brigitte Huber 45:42
Wie wichtig ist dir bei deiner Arbeit, dass du auch was veränderst? Also dass du die Probleme oder Themen nicht nur beschreibst, sondern auch, ich sage jetzt mal, zum Teil der Lösung werden könntest.

Dirk Steffens 45:52
Das ist die Motivation, die die mich trägt. Also wenn ich das Gefühl hätte, wir können Klimawandel, Artenstämme und so, wir können das alles nicht mehr aufhalten, die Menschheit wird wirklich untergehen, dann würde ich mir wirklich nur einen größeren Champagnervorrat anlegen und versuchen mit meiner Frau die letzten Tage der Menschheit hedonistisch zu verbringen. Aber da sind wir eben nicht. Und das kann wirklich noch alles gut werden. Und insbesondere übrigens in diesem Land. Wenige Länder verfügen über diese wertvollste aller Ressourcen. Wir sind ja ein Land ohne große Rohstoffe und ohne große, im Vergleich zu anderen Ländern ohne große Naturressourcen. Was uns ausmacht, sind wir die Fähigkeiten, die Bildung, die Visionen, die Ideen, der Fleiß All dieser Menschen, 84 Millionen Leute, klar, auch ein gewisser Prozentsatz A**********. Das muss man auch in Deutschland feststellen. Nicht jeder Mensch ist jemand, den ich mag, aber die meisten Leute in diesem Land mag ich wirklich gern und die haben auch was drauf und die sind auch bereit, was zu machen und das ein bisschen mit voranzutreiben. Hey, wenn das gelingt, dann muss ich gar nicht alt werden, dann kann ich glücklich sterben.

Stephan Seiler 47:01
Zurück auf die alltägliche Ebene. Kannst du unseren Zuhörenden und uns ein paar Tipps und Tricks mitgeben. Wie viel Nachrichtensendungen am Tag kann ich mir antun, wenn ich noch optimistisch bleiben will? Gibt es irgendwelche anderen Kniffe, mit denen ich meinen Alltag optimistischer werden lassen kann? So easy wins quasi.

Brigitte Huber 47:21
Was sagt der Psychologe in dir dann auch?

Dirk Steffens 47:24
Jetzt habe ich v******* wenig Ahnung. Aber was ich halt aus meiner eigenen Lebenserfahrung nur so zum Besten geben kann, das mit dem Müll aufsammeln ist eine super Sache. Jetzt kann jemand anders ja was anderes machen, dann wirklich daran glauben. Die Macht des guten Beispiels. Also wir haben beim Müllaufsammeln, standen wir neulich in Hamburg in so einer noblen Isestrasse. Wer aus Hamburg kommt, weiß, das ist eher so ein bisschen wohlstandsverwahrlost.

Stephan Seiler 47:46
Tolle Isemarkt.

Dirk Steffens 47:47
Genau. Und Sabine bückte sich gerade und hob ein Stück Müll aus dem Matsch auf und hinter uns stand dann so eine Pelzmantel Tussi, so eine asiatische Pelzmantel TussI und guckte uns so an. Und ich dachte schon, was will die denn? Aber die sagte, ach, das ist aber verdienstvoll. Und dann, als ich mich umgedreht habe, habe ich tatsächlich gesehen, dass die Frau sich bückt und auch was aufhebt. Die Macht des guten Beispiels sollte man nie unterstützen. Das ist zum Beispiel jetzt ein ganz konkreter Tipp in deiner Familie, in deinem Freundeskreis. Versuch das gute Beispiel zu sein. Damit kannst du mehr zur Weltrettung tun, als mit vielen, vielen anderen dramatischen Aktionen Müll aufsammeln. Oder du kannst natürlich auch versuchen, deinen Mitmenschen mit ein bisschen Toleranz und Freundlichkeit zu begegnen. Das hilft auch sehr. Also wenn man immer um die Ecke kommt, natürlich geht es mir wie jedem. Ich bin in der Bahn, der eine hört zu laut Musik, der andere isst so ein stinkiges Leberwurstbrötchen, der dritte sitzt mit gespreizten Beinen oder die vierten albern zu laut rum, der fünfte trinkt ein Bier, obwohl das verboten ist. Und ich könnte das alles im Ruheabteil, ja, und das alles. Und ich könnte da jetzt sitzen und sagen, ihr seid alles A**********. Die Welt verdient, die Menschheit verdient unterzugehen. Das ist eine Möglichkeit. Man könnte Aber auch ist das nicht lustig? Guck sie dir an. Keiner hält sich an die Regeln, jeder macht, was er will und wir sitzen hier trotzdem alle zusammen und fahren in diesem Zug in eine Richtung. Ist doch auch schön. Also man kann die gleichen Dinge sehr unterschiedlich bewerten und man kann sich wirklich auch, indem man sich ein bisschen anstrengt, dahin pushen, so ein bisschen nudschen in die richtige Richtung, damit die Welt ein sonnigerer Ort ist und nicht immer nur grau und voller Regen. Also und diese Möglichkeiten, deine Einkaufsentscheidung, über die wir gesprochen haben, Geh in den Supermarkt und sag so, ich bin nicht hier, um einzukaufen, Ich bin hier, um über die Welt abzustimmen. Und mein Einkauf wird heute einen Beitrag dazu leisten, dass die Welt ein bisschen mehr in die Richtung geht, die ich will. Und so kannst du den ganzen Tag durchlaufen und du kommst, gehst abends ins Bett und sagst, wow, heute habe ich mal wieder richtig was gemacht.

Stephan Seiler 49:47
Wie oft darf ich Nachrichten gucken Vorher Nachrichten.

Dirk Steffens 49:50
Ja genau, das hast du konkret gefragt. Guck so viele Nachrichten, wie du willst, aber guck nicht nur die, die die Welt schlecht machen. Ein ganz interessantes Phänomen. Ich habe vor einiger Zeit mal angefangen in den sozialen Medien, die ja mit ihren Algorithmen immer gleich arbeiten. Du kriegst mehr von dem, was du anschaust. Ganz simple Mechanik, ab und zu mal Good News an, zum Beispiel aus dem Bereich Umwelt. Plötzlich, wenn ich hier mein Handy aufmache, mein Insta Account, kriege ich jeden Tag Dutzende und hunderte Meldungen von irgendwelchen Dingen, die auf der Welt gerade besser werden. Also das funktioniert in die positive Richtung mit genau der gleichen Mechanik, mit der es uns in die negative treibt. Also einmal ein bewusster Vorgang, klickt, liked, followed gute Nachrichten und ihr werdet sehen, die Welt sieht in euren Social Media Accounts plötzlich ganz anders aus. Und so blöd es ist, so sehr es ein Beweis für meine eigene intellektuelle Armseligkeit ist, wenn ich mein Handy aufmache und kriege so viele gute Nachrichten, fühle ich mich tatsächlich besser.

Brigitte Huber 50:49
Super, Das ist eine ganz, ganz tolle Anregung für eine Premiere. Da kommen wir nämlich jetzt gleich. Wir haben noch zwei Rubriken für dich, Dirk. Meine Premiere, deine Premiere, unsere erste Premieren. Premieren haben wir gelernt, ist etwas, was im Laufe unseres Lebens immer weniger passiert, zumindest die positiven. Also Kinder und junge Erwachsene haben noch ganz viele Dinge, die sie zum ersten Mal machen. Je älter wir werden, umso weniger Premieren haben wir meistens oder sie sind eben nicht so toll. Bandscheibenvorfall, Scheidung oder was auch immer. Wir wissen aber, dass unsere Seele und unser Gehirn auch tatsächlich bereichert, wenn wir immer wieder aktiv neue positive Sachen ins Leben holen. Magst du uns verraten, was eine deiner letzten Premieren war? Also ein erstes Mal oder irgendwas, was du vorhast?

Dirk Steffens 51:43
Also ich habe im zarten Alter von 56 Jahren angefangen. Wellen. Zu reiten, also surfen. Ich bin völlig talentfrei, ich bin zu alt und egal. Es macht so einen verdammten Spaß. Es ist einfach nur g***. Ich habe mit auch Erst mit über 50 durch meine Frau, wir sind ja dann hier nach Oberbayern gezogen und meine Frau ist halt Bayerin und ist bergsüchtig und ich werde zu jeder Form von Bergsport gezwungen in großen, großen Einheiten. Und ich komme aber aus Hamburg. Mein Geburtsort liegt tatsächlich, kein Scherz, drei Meter unter dem Meeresspiegel.

Brigitte Huber 52:18
Wow.

Dirk Steffens 52:18
Also ich habe da überhaupt kein Talent. Aber ich habe in den letzten Seit ich 50 bin, habe ich locker ein halbes Dutzend neue Sportarten angefangen. Das tut manchmal weh. Halbes Dutzend, Ja. Vom Mountainbiken über Skitouren, Mountainbiken, Skitouren, Wellenreiten, Wingfäulen. Also name it. Da ist eine Menge und ich kann nichts davon besonders gut. Aber es ist wirklich großartig, neue Sachen anzufangen. Nur weil man sein ganzes Leben lang jetzt Jogger war, heißt das nicht, dass man jetzt nicht mit 60 sich mal das erste Surfbrett kaufen kann und glaubt mir, Leute, es fühlt sich g*** an.

Brigitte Huber 52:55
Okay, also das klingt schon mal sehr gut.

Dirk Steffens 52:57
Ja, mir tut auch jeden Tag beim Aufstehen seither was weh. Aber egal,

Brigitte Huber 53:03
wenn du jetzt in Bayern lebst, kannst du jetzt auch bayerisch?

Dirk Steffens 53:06
Nein, kann ich nicht. Aber zumindest mein Hörverständnis inzwischen bei 100 Prozent. Also selbst die härtesten Oberbayern schaffen es nicht, mich voll zu labern, ohne dass ich verstehe, was sie sagen.

Brigitte Huber 53:17
OK.

Dirk Steffens 53:18
Und neulich war ich Das war schlimm. Ich bin ja immer noch sehr regelmäßig. Ich habe ja noch eine Wohnung in Hamburg in meiner Heimat. Neulich gehe ich morgens zum Bäcker, nicht um Semmeln zu kaufen, sondern Brötchen natürlich und ich gehe beim Bäcker rein und Servus.

Brigitte Huber 53:33
Hervorragend.

Dirk Steffens 53:34
Servus statt Moin. Das war so schlimm. Ich habe mich selber geschämt.

Brigitte Huber 53:38
Ja, so wie ich mitten im Chiemgau, da wo ich herkomme, mal wo reingehe und Moin sage. Genau, das finde ich auch total lustig. Während mein Sohn, wenn ich ihn bitte zu fragen, ob man da jetzt Selbstbedienung hat in dem Café oder nicht, dann reingeht, wieder rauskommt und dann sage ich zu Und was haben Sie gesagt? Habe ich nicht verstanden. Dann denke ich, okay, dann habe ich als bayerischstämmige Mutter ihm nicht viel vom Hörverstehen mitgebracht.

Stephan Seiler 54:06
Unsere Schnellfragerunde Entweder oder. Einfach ganz kurz entscheiden zwischen einem der beiden Gegensätze bereits. Dann geht's los. Bei Entscheidungen auf dem Bauch oder Kopf

Brigitte Huber 54:21
hören, Bauch auf Reisen, alles fotografieren oder still genießen?

Dirk Steffens 54:27
Still genießen, Urlaub.

Stephan Seiler 54:29
Immer noch lieber Korallenriff oder mittlerweile deutscher

Brigitte Huber 54:32
Mischwald, Korallenriff, Fliegenklatsche oder Fliegen retten.

Dirk Steffens 54:37
Fliegenklatsche.

Brigitte Huber 54:39
Oh, dann doch.

Dirk Steffens 54:40
Ja doch, die können so nerven. Also ich bin wirklich, ich habe einen Geburtsfehler. Ich bin chronisch tierlieb. Das ist wirklich ein Geburtsfehler, fragt meine Mutter. Die war genervt, weil jedes Tier, das ich draußen gefunden habe, mit ins Bett genommen habe. Aber Mücken und Fliegen nerven mich sehr. Ich habe selber eine Klatsche.

Brigitte Huber 54:55
Ich verstehe das.

Stephan Seiler 54:57
Blick in die Zukunft mit 75 lieber Expedition ins Unbekannte oder im Garten. Expedition ins Unbekannte auch Nur, wenn du 75 sein wirst.

Dirk Steffens 55:05
Natürlich gerade dann. David Edmero ist 100 mit zunehmendem Alter

Brigitte Huber 55:11
radikaler oder versöhnlicher werden?

Dirk Steffens 55:14
Versöhnlicher werden, das ist das Privileg des Älterwerdens. Nicht mehr hassen, sondern umarmen und so

Stephan Seiler 55:20
ganz prinzipiell lieber Recht haben oder lieber Recht bekommen.

Dirk Steffens 55:24
Recht bekommen fühlt sich natürlich viel schöner an, weil es eine Belohnung ist.

Brigitte Huber 55:28
Dann würde ich noch sagen, Gewinn maximieren oder Bedeutung maximieren.

Dirk Steffens 55:32
Bedeutung maximieren, das kann man übrigens auch wissenschaftlich begründen. Geld ist weniger wichtig als Bedeutung für Menschen. Das kann man sogar messen. Und es ist viel schöner, wenn man zum Beispiel einen Vortrag hält, wenn da unten Menschen lächelnd anschauen und klatschen. So viel Geld gibt es gar nicht, um das aufzuwägen.

Stephan Seiler 55:51
Und einen letzten machen wir noch. Komm, Brigitte. Lieber als Realist oder als Optimist des Jahrhunderts in die Geschichte eingehen.

Dirk Steffens 55:58
Das ist das gleiche Ding.

Stephan Seiler 55:59
Oh oh, das ist ja OK.

Brigitte Huber 56:03
Jetzt haben wir noch zwei Zitate. Wir verraten erst mal noch nicht, von wem welches ist und du entscheidest dich, welches dir sympathischer ist. Ein Optimist, ich würde jetzt auch sagen, eine Optimistin bleibt bis Mitternacht auf, um das neue Jahr zu begrüßen. Ein Pessimist oder die Pessimistin bleibt auf, um sicherzugehen, dass das alte Jahr endet.

Stephan Seiler 56:23
Oder der Pessimist, Die Pessimistin sieht in jeder Gelegenheit die Schwierigkeit. Der Optimist oder Optimistin sieht in jeder Schwierigkeit die Gelegenheit.

Dirk Steffens 56:34
Das zweite ist doch viel schöner, auch wenn es sich ein bisschen nach Business Coach und FDP der vergangenen Jahrzehnte anhört. Also ist natürlich zu platt, aber trotzdem irgendwie einfach.

Stephan Seiler 56:45
Das zweite Stamm von Winston Churchill klingt

Brigitte Huber 56:47
ein bisschen nach Winston Churchill und ist auch von ihm. Genau.

Stephan Seiler 56:50
Und das erste erste ist von Bill

Brigitte Huber 56:54
Wie spricht man aus einem Kolumnisten, einem amerikanischen.

Dirk Steffens 56:58
Gut, also das Churchill Zitat zu mögen. Bei Churchill Zitaten ist es ja immer ganz wunderbar. Man weiß wahrscheinlich die Hälfte von den tollen Sachen, die man ihm zuschreibt, hat er nie gesagt, aber er ist ein eine unversiegbare Quelle toller Zitate.

Brigitte Huber 57:13
Absolut.

Stephan Seiler 57:14
Wir haben es geprüft. Es wird ihm tatsächlich zugeschrieben. Gibt keine eindeutige Prüfe mehr Quelle, aber es gibt einige historische Belege.

Dirk Steffens 57:22
Ja, mein Lieblingszitat von Churchill ist übrigens, er soll mal auf einem Empfang betrunken gewesen sein und eine britische Lady kam zu ihm und hat sich darüber mokiert und da hat er einfach ganz lässig geantwortet. Das stimmt. Lady ich bin betrunken, aber ich bin morgen wieder nüchtern und sie sind morgen immer noch hässlich. OK, das konnte er halt auch. Ein bösartiger, aber doch sehr erfrischender britischer Humor.

Brigitte Huber 57:48
Jetzt zum Abschluss vielleicht noch zwei, drei kurze Fragen, die aber relativ wichtig sind für die Welt. Was würdest du sagen zum Thema älter werden? Was können wir von der Natur lernen, um gut älter zu werden?

Dirk Steffens 58:00
Also man darf nicht gegen seine Natur anarbeiten, weil du dann scheitern wirst. Also die Naturgesetze und Kräfte sind das größte und stärkste und unverhandelbar. Und wer meint, er könne die Natur austricksen, ist ein Depp.

Stephan Seiler 58:17
Du schreibst ja stuttgart 21 was jetzt noch später fertig werden soll, dauere noch länger als der Bau der Cheops Pyramide, die alte ägyptische Pyramide, die ja immer noch steht. Warum machte dieses Beispiel dennoch Hoffnung und gerade mit Hoffnung auf auch Hoffnung auf Deutschland, für Deutschland.

Dirk Steffens 58:36
Also ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass dieses Beispiel mehr Hoffnung macht, dass es in Deutschland besser wird. Was mir Hoffnung macht, ist, dass dieses Beispiel Deutschland lehrt, es in Zukunft anders zu machen. Und auch da gibt es für die Cheops Pyramide das schöne Beispiel die Knickpyramide vom Pharao Snofru, die steht auch noch in der Wüste. Das war der Vorläufer der Cheops Pyramide, die ja ein Weltkulturdenkmal ist, also eine der großen Kulturstätten der der Erde. Aber vorher haben die Ägypter auch eine Pyramide gebaut, bei der nichts geklappt hat. Da sind die Wände, haben Risse, das Ding ist schief und krumm und die ist auch nie fertig geworden. Also Genau wie Stuttgart 21, also googelt mal bitte die Snofru Knick Pyramide, das ist Stuttgart 21 und die Kreops Pyramide ist dann das nächste große Projekt, das Deutschland angeht.

Brigitte Huber 59:24
Vielleicht ist das auch schon ganz gut für die letzte oder die nächste und letzte Frage. Du hast vorher schon gesagt, was du jeden Tag machst, mit einmal Müll sammeln oder generell mit gutem Beispiel da vorangehen. Hast du auch ein kleines Patentrezept am Ende eines Tages, der so gar nicht gut gelaufen ist?

Dirk Steffens 59:44
Ja, das machen wir dann die Knickpyramide.

Brigitte Huber 59:47
Oder hast du noch was anderes?

Dirk Steffens 59:48
Nein, manchmal, ob mit meiner Frau oder manchmal auch mit den Kindern, setzen wir es hin und was war heute dein schönster Moment? Egal wie scheiße der Tag war. Also selbst der scheissigste Scheißtag hat ja noch irgendwo einen guten Moment gehabt. Und wenn der erste Kaffee lecker war oder so eine Kleinigkeit und der letzte Gedanke vom Einschlafen, sollte der an den schönsten Moment des Tages sein, dann schläfst du anders ein.

Brigitte Huber 60:12
Super. Du hattest ja heute auf jeden Fall schon mal einen ganz tollen Podcast Auftritt, an den wir uns vom Einschlafen erinnern können. Wir gehen davon aus, du hast noch ein paar andere Highlights, die noch kommen. Aber ich wollte mich ganz, ganz herzlich bedanken für dieses tolle Gespräch und hast uns einiges mit auf den Weg gegeben. Danke, Dirk.

Dirk Steffens 60:32
Ich danke euch.

Stephan Seiler 60:33
Vielen Dank und bis ganz bald.

Dirk Steffens 60:36
Bis bald. Ciao.

Brigitte Huber 60:38
Das war unser Gespräch mit Dirk Steffens. Sehr spannend, finde ich Vielen Dank fürs Zuhören, ihr Lieben. Stephan, was ist bei dir hängen geblieben?

Stephan Seiler 60:46
Zum Beispiel, dass wir mit guten Nachrichten unseren Optimismus trainieren können. Einfach das Anklicken und Lesen und Konsumieren, was gute Nachrichten verströmt, das merkt sich dann der Algorithmus und dadurch bekommen wir immer mehr davon. Dadurch steigt unsere Laune und sind nicht mehr den ganzen Bad News ausgeliefert. Habe auch gelernt, dass wir den Muskel, diesen Optimismus Muskel wirklich trainieren können. Unter anderem ja auch mit freundlichen Worten, mit positiver Energie, die wir aussenden, dann zurückkommt und das im deutschsprachigen Raum echt nicht immer alles perfekt sein muss, so wie wir häufig annehmen, damit wir happy sein können. Ich lerne daraus, wir können das Neue ausprobieren, testen, ohne die ganze Zeit zu meckern. Fehler sind völlig OK. Reisen helfen auch. Brigitte das haben wir, glaube ich, mitnehmen können. Nicht nur um die Neugier zu befriedigen, sondern auch um optimistischer zu bleiben, hoffnungsvoller zu sein. Dieser neue Horizont, die andere Perspektive kann uns dabei helfen, hoffnungsvoller in die Zukunft zu blicken. Brigitte und bei dir?

Brigitte Huber 61:44
Zum einen hat mich die Folge tatsächlich ein bisschen optimistischer gestimmt, weil das, was er sagt, stimmt. Ja, es bewegt sich sehr vieles nach vorne und auch nach oben, auch wenn wir das im Moment dann oft nicht so sehen. Und allein dieses mehr als 90 Prozent aller Energien werden als erneuerbaren Energien gewonnen, finde ich schon irgendwie sowas, wo man sagt, okay, die Richtung stimmt und dann gar nichts Neues. Aber trotzdem finde ich immer wieder spannend, diese kleine Dinge, was können die bewegen? Und ich merke es ja an mir selber. Wir haben ja auch immer wieder diese Diskussion auch im Umfeld oder so, Deutschland ist viel kriegsgrämiger geworden und pessimistischer und so. Und immer wenn ich mich dann aufraffe und sage, ich will jetzt hier nicht Teil des Problems sein oder Teil der Problembeschreibung, sondern Teil der Lösung und rausgehe und freundlich und zuvorkommend mit Menschen umgehe, dann muss ich sagen, kriege ich zu 90 Prozent was positives zurück. Und insofern, das hat mir Spaß gemacht.

Stephan Seiler 62:45
Ja, es lohnt sich positiv zu sein. Falls euch das Thema heute gefallen hat und ihr noch mehr erfahren möchtet, haben wir noch ein paar Tipps für euch. Ich beginne gleich mit der gegenteiligen Meinung. Diese Dosis Optimismus von Dirk Steffens. Heute war ja schon eine tolle Dröhnung. Wer vielleicht noch mal eine andere Perspektive darauf haben möchte, dem empfehle ich die Folge mit der Buchautorin Ediko von Kürthi haben wir vor ein paar Wochen hier in unserem Huber Seiler Podcast Studio begrüßen dürfen. Sie meinte, dass Aufgeben sehr wohl eine Lösung ist und damit widerspricht sie ja Dirk Steffens, der meinte, Aufgeben ist keine Option für uns. Edico ist da anderer Meinung. Siehe Folge 31.

Brigitte Huber 63:27
Wir haben auch vorher kurz über den Fragebogen von Max Frisch gesprochen, der ja in einer seiner Fragen formuliert, ob es uns denn wirklich, wirklich noch interessieren würde, was mit der Menschheit passiert, wenn all unsere Nachrichten Nachfahren unter der Erde liegen. Das war die Folge 18, wenn ich es richtig sehe. Und so ein paar kleine Parallelprozesse hat es bei mir ausgelöst zur Folge mit Oliver Kalkhove, der eben ähnlich wie Dirk Steffens sagt, dieses Früher war alles besser denken führt uns zum einen nicht wirklich weiter und zum anderen, es stimmt halt nicht. Früher war auch vieles, vieles gar nicht so richtig g***.

Stephan Seiler 64:08
Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann folgt uns, abonniert uns bei Spotify, drückt bitte die Glocke, schreibt uns noch Nachrichten und Kommentare.

Brigitte Huber 64:16
Das ist möglich direkt auf Spotify oder YouTube unter der Folge. Oder ihr findet uns natürlich auch auf unserem Instagram Kanal Huber Seiler oder er

Stephan Seiler 64:26
schickt uns eine Mail postuberseiler de keine Scholl, schreibt uns, wir lesen alles.

Brigitte Huber 64:34
Ja, das war sie, die Sache mit dem Älterwerden, der Podcast von und mit Brigitte Huber und Stephan Seiler.

Stephan Seiler 64:42
Vielen Dank an Leobert Klang für Sound und Schnitt.

Brigitte Huber 64:44
Vielen Dank an Bennet Polenz für unsere exzellente Betreuung des YouTube und unsere sonstigen Social Media Kanäle.

Stephan Seiler 64:53
Und um die Vermarktung kümmert sich Luisa Abraham von Zebralution mit ihrem Team. Auch an Sie ein herzliches Dankeschön und

Brigitte Huber 65:01
danke an Alina Savalis für die schöne Kachelgestaltung. Wir hören uns wieder nächsten Mittwoch.

Stephan Seiler 65:08
Bis dahin, macht's gut, alles Liebe und weiterhin fröhliches Älterwerden.

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Folge

45

·

96 Min.

Mit

Micky Beisenherz

Wie behalten wir bei dieser Hitze die Nerven? Und wie gelingt Sport ab 50?

Impulse aus dieser Folge

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Zum Ausprobieren

Wer der perfekte Mensch sein will, verheddert sich darin und wird handlungsunfähig, sagt Dirk Steffens. Er selbst hatte am Vorabend Bier und Bratwurst, ökologisch fragwürdig. Entscheidend ist für ihn die Vielzahl kleiner Stellschrauben: Wer von hundert täglichen Entscheidungen 51 Mal das Richtige tut, ist im grünen Bereich.

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Zum Ausprobieren

Mit 56 hat Dirk Steffens angefangen zu surfen, talentfrei und eigentlich zu alt, egal, es macht Spaß. Seit seinem fünfzigsten sind ein halbes Dutzend Sportarten dazugekommen, Mountainbiken, Skitouren, Wellenreiten, Wingfoilen, keine davon kann er gut. Wer sein Leben lang Jogger war, darf sich mit 60 trotzdem ein Surfbrett kaufen.

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Das Gefühl der Machtlosigkeit kennt jeder, der mit dem Jutebeutel am Obststand steht. Es ist kein Grund, es zu lassen.

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Optimismus ist hier kein Zweckoptimismus, sondern Ermächtigung. Wer sich dem Gefühl ergibt, Spielball zu sein, wird es.

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Nicht gegen die eigene Natur anarbeiten, dabei scheitert man. Naturgesetze sind unverhandelbar, die eigenen auch.

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Zum Ausprobieren

So viele Nachrichten schauen, wie man will, aber nicht nur solche, die die Welt schlechtmachen. Dirk Steffens klickt in sozialen Medien gezielt gute Umweltnachrichten an und bekommt seither täglich Dutzende Meldungen über Dinge, die besser werden. Der Algorithmus arbeitet in die positive Richtung genauso wie in die negative.

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Zum Ausprobieren

An schlechten Tagen fragt Dirk Steffens abends gemeinsam mit Frau oder Kindern, was der schönste Moment des Tages war. Selbst der schlechteste Tag hat irgendwo einen guten Moment gehabt, und sei es der erste Kaffee. Diesem Moment soll der letzte Gedanke vor dem Einschlafen gelten.

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Vor dem Wort Untergang erst prüfen, wie schlecht es wirklich steht. Eine Stagnation nach Jahrzehnten des Wachstums ist noch keine Krise.

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Das gute Beispiel wirkt, auch wenn niemand etwas sagt. Wer Müll aufhebt, bringt manchmal die Vorübergehende dazu, sich ebenfalls zu bücken.

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Zum Ausprobieren

Dirk Steffens geht in den Supermarkt mit dem Satz: „Ich bin nicht hier, um einzukaufen, ich bin hier, um über die Welt abzustimmen.“ Der Einkauf leistet einen Beitrag dazu, dass die Welt ein Stück in die gewünschte Richtung geht.

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Zum Ausprobieren

Die Kleinigkeit zählt, auch wenn sie lächerlich wirkt: die eingewickelte Hotelseife im Koffer, damit sie nicht weggeworfen wird.

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Zum Ausprobieren

Die Relativierung hat eine Grenze: Beim Streit mit dem Finanzamt hilft der Gedanke an größeres Leid anderswo nicht weiter. Der eigene Ärger bleibt gültig.

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Freundlichkeit lässt sich üben: Zu laute Musik im Zug, fremdes Essen, gespreizte Beine. Dieselbe Situation lässt sich als Beleg für den Untergang lesen oder eben nicht.

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Wer der perfekte Mensch sein will, verheddert sich darin und wird handlungsunfähig, sagt Dirk Steffens. Er selbst hatte am Vorabend Bier und Bratwurst, ökologisch fragwürdig. Entscheidend ist für ihn die Vielzahl kleiner Stellschrauben: Wer von hundert täglichen Entscheidungen 51 Mal das Richtige tut, ist im grünen Bereich.

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Mit 56 hat Dirk Steffens angefangen zu surfen, talentfrei und eigentlich zu alt, egal, es macht Spaß. Seit seinem fünfzigsten sind ein halbes Dutzend Sportarten dazugekommen, Mountainbiken, Skitouren, Wellenreiten, Wingfoilen, keine davon kann er gut. Wer sein Leben lang Jogger war, darf sich mit 60 trotzdem ein Surfbrett kaufen.

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Huber & Seiler

Die Sache mit dem Älterwerden.

Klüger älter werden, ohne sich jünger machen zu müssen.

Ein unabhängiger Podcast von Brigitte Huber & Stephan Seiler.

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