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66 Min.
Altern Männer anders, Jonathan Apasu? Welche Blutwerte sollte jeder Mann ab 40 kennen? Und ist Testosteron tatsächlich das Wundermittel gegen alle Männerleiden?
Männer sterben im Schnitt fünf Jahre früher als Frauen. Ein Grund ist so simpel wie erschreckend: Viele gehen lieber zum TÜV als zum Arzt.
Gesundheit

Erfahrt, welche Blutwerte (von PSA bis Apo B) ab 40 auf Euren Zettel gehören und warum Omega-3 und Kreatin nicht nur für Bodybuilder sinnvoll sein können.
Eine Folge für alle Männer, die Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen wollen, und für alle Frauen, die ihre Männer besser verstehen (und eventuell einen dezenten Hinweis zu mehr Vorsorge geben) möchten.
Kapitelmarken
00:00 Intro: Warum wir heute über Männergesundheit sprechen
03:04 Biologisches Altern: Was passiert ab dem 30. Lebensjahr?
08:04 Eitelkeit & Rollenbilder: Warum Männer Schwäche verdrängen
18:28 Testosteron-Mythen: Zwischen Doping-Stigma und Lebenselixier
23:03 Die drei Säulen: Wie Testosteron Psyche, Körper und Sex beeinflusst
25:11 Labocheck: So bestimmt man den freien Testosteronwert richtig
32:45 Stress & Schlaf: Wenn Schlafmangel die Hormone killt
42:51 Vorsorge-Fahrplan: PSA, Cholesterin und HbA1c ab 40
44:54 Supplements: Omega-3, Proteine und die Kraft von Kreatin
51:05 Lifestyle-Check: Alkohol-Noxen und der Weg zur Gym-Routine
1:03:32 Ausblick auf Teil 2: Gesundheit in jedem Jahrzehnt
Transkript zur Folge
Jonathan Apasu 0:00
Also wenn man sich gerade auch mal anschaut gewisse Statistiken, Männer sterben beispielsweise 5 Jahre früher, Männer gehen nicht so häufig zu Vorsorgeuntersuchungen, Männer nehmen gewisse gesundheitliche Leistungen nicht zu dem Ausmaß an, wie es Frauen tun. Da wird es dann häufig so ein bisschen vereinfacht, dass ja Testosteron als Hormon so der, der Quick Fix, ja, die leichte Lösung für jegliches Problem der Männergesundheit darstellt. Und so, so ist das nicht, ja. Testosteron ist extrem wichtig für Männer und Testosteron ist auch wichtiger für, oder wichtig für Themen über Muskelmasse und über Libido hinweg. Ja, also Testosteron ist auch ganz wichtig für die mentale Gesundheit, für den mentalen Fokus, Konzentrationsfähigkeit, Knochengesundheit, Blutbildung, Hautgesundheit, Prostatagesundheit. Also das ist eine sehr, sehr lange Liste, wofür Testosteron gut ist. Aber es ist jetzt auch nicht so, dass jedes Problem, das ein Mann hat, aufgrund von einem Testosteronmangel zustande gekommen ist, und dass es reicht, diesen Mann einfach dann Testosteron zu geben und wieder alle Probleme gelöst sind. Aber ja, wer als Mann über einen langen Zeitraum nicht gut schläft, nicht ausreichend schläft und was man damit meint, ist meistens weniger als die empfohlenen 7 bis 9 Stunden über einen längeren Zeitraum, der gefährdet tatsächlich seine Gesundheit. Nicht nur die Hormonwerte werden dadurch beeinträchtigt, sondern wenn man sich da die Studienlage anschaut, Herz-Kreislauf-Risiko erhöht, Risiko für gewisse Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes erhöht.
Stephan Seiler 1:24
Heute zu Gast in Die Sache mit dem Älterwerden: Jonathan Apasu. Er ist Mediziner und bezeichnet sich selbst als Männerarzt. Er wird uns einiges darüber erzählen können, was es bedeutet, als Mann heutzutage älter zu werden.
Brigitte Huber 1:40
Vergangene Woche habe ich ja mit Susanne Liedtke gesprochen, der Gründerin der Plattform Nobody told me. Da ging es um die Wechseljahre, um die Zeit vor, Mitte und nach der Menopause. Ja, und heute bist du dran, Stephan.
Stephan Seiler 1:54
Ja, richtig, liebe Brigitte, nachdem du vergangene Woche das Interview geführt hast und ich ganz aufmerksam zugehört habe, tauschen wir heute. Ich stelle die Fragen, Jonathan Appaso, der Männerarzt, gibt die Antworten und du hörst zu.
Brigitte Huber 2:07
Ganz genau. Und danach reden wir noch mal. Bin schon gespannt, was ich alles mitnehme und was unsere Zuhörerinnen und Zuhörer, in diesem Fall müssten wir eigentlich viele Zuhörer haben, vor allem auch mitnehmen können.
Stephan Seiler 2:19
Wir werden heute darüber sprechen, warum Männer lieber zum TÜV gehen als zum Arzt. Welche Vorsorgeuntersuchungen dennoch total Sinn machen. Ab 40, ab Mitte 50, ab 60, ab 80. Wir sprechen auch über die Kraft von Testosteron, warum der Botenstoff so wichtig ist und was es für Konsequenzen haben kann, wenn er nicht mehr ausreichend zur Verfügung steht. Welches Training uns die Muskelkraft gibt, die wir brauchen, wenn wir fit, gesund alt werden möchten. Und darum geht es ja. Also los geht's. Ich bin Stephan Seiler.
Brigitte Huber 2:54
Ich bin Brigitte Huber. Und das ist Die Sache mit dem Älterwerden.
Stephan Seiler 3:04
Lieber Jonathan, bevor wir gleich zu Testosteron und all den anderen Dingen kommen, die viele von unseren männlichen Zuhörern wahrscheinlich jetzt besonders interessieren. Möchte ich gerne erst mal ganz vorne beginnen. Neben Hallo, herzlich willkommen. Wann beginnt Altern bei Männern wirklich biologisch und physiologisch?
Jonathan Apasu 3:23
Hey Stephan, erst mal vielen Dank, dass ich hier eingeladen bin und meine Perspektive auf die Männergesundheit mit der Hörerschaft teilen darf, insbesondere mit den Männern, die leider oft viel zu wenig zum Thema Gesundheit hören. Spannende erste Frage: Wann beginnt Altern wirklich? Also grundsätzlich, wenn man sich da mal auf die klinische Literatur, die wissenschaftliche Literatur beruft, uns zum Beispiel so zwei sehr spezifische Themen des Alterns anschaut, nämlich einmal: Wann fällt der Testosteronwert ab und wann beginnt die Muskelmasse abzubauen? Da sehen wir, dass typischerweise so ab dem 30. Lebensjahr beides um die 1% pro Lebensjahr absinkt. Also mit 30 hat man ungefähr seinen Testosteron-Höhepunkt erreicht, seinen Muskelmasse-Höhepunkt erreicht, und danach fällt der Testosteronwert sowie die Muskelmasse um ungefähr 1% pro Lebensjahr ab. So, das klingt jetzt erst mal nicht, nicht so gut. Was man aber gleichzeitig sagen muss, ist, dass beim Mann dieser Abfall des Testosteronwerts, aber auch diese abnehmende Muskelmasse nicht eine zwingende Folge des Älterwerdens ist, sondern häufig aufgrund des sich ändernden Lebensstils einhergeht. Es gibt tatsächlich auch Studien, die sich insbesondere beim Testosteronwert bei Männern anschauen, die mit 65 Jahren, mit 60 Jahren noch einen sehr guten Lebensstil haben. Und diese Männer können auch da noch einen hohen Testosteronwert wie ein junger 25-, 30-jähriger Mann haben, sodass zumindest aus der Perspektive das Altern da noch gar nicht einsetzen muss, sondern dass man mit dem richtigen Lebensstil sich auch lange Zeit noch jung und gesund halten kann.
Stephan Seiler 4:54
Bevor wir jetzt zu sehr reingehen schon in das Testosteron-Thema. Erst mal, woran merke ich das denn selbst an mir? Also merke ich, spüre ich, kann ich gewisse Symptome wahrnehmen, wenn ich morgens in den Spiegel gucke, wenn ich mich bewege, die Treppen steige? Woran merke ich, dass das Altern begonnen hat?
Jonathan Apasu 5:09
Ja, also das ist auch natürlich eine gute Frage. Ich denke, da macht sich jeder, hat da jeder eine andere Vorstellung von, wie sich das anfühlt und jeder erfährt das auch irgendwie anders. Wenn man das jetzt aber auf so ein paar klassische Sachen runterbricht, sei es jetzt Antrieb, Motivation, Leistungsfähigkeit, da wäre meine jetzt sehr subjektive Interpretation des Älterwerdens: Man hat eben nicht mehr so viel Motivation, nicht mehr so viel Antrieb. Man hat nicht mehr so viel Energie, Unternehmungen anzuleiten und auch durchzuführen. Oder einem fehlt auch möglicherweise die Kraft, das zu bestreiten, was man in jungen Jahren oder als man sich noch jugendlicher gefühlt hat, bestreiten konnte. Das vielleicht als so eine ganz subjektive Wahrnehmung aus meiner Sicht. Ich glaube, aus medizinischer Sicht könnte man da natürlich auch noch darauf hinweisen, dass natürlich Altern ein totaler Risikofaktor für viele unterschiedliche Erkrankungen ist. Darstellt und dass da möglicherweise als Altern wahrgenommen wird: Okay, es kommen gewisse Erkrankungen dazu, die man so in jungen Jahren noch nicht hatte. Es kommen gewisse Medikamente hinzu, die man einnehmen muss, um eben diesen Erkrankungen auch zu begegnen. Und ich glaube, dass das auch ein Punkt ist, wo viele dann merken: Okay, jetzt hat das Altern wirklich begonnen. Und das Interessante ist, dass das häufig auch nicht dann sehr graduell ist, sondern dass das dann auf einmal innerhalb von wenigen Jahren erfolgt.
Stephan Seiler 6:29
Meinst du so was wie Cholesterinhemmer oder Blutdrucksenker? Solche Tabletten, die Männer einnehmen müssen, ist das dann ein Zeichen?
Jonathan Apasu 6:36
Das können viele verschiedene Medikamente sein. Aber das sind jetzt mal ganz klassische Cholesterinsenker, zum Beispiel ein Statin. Ja, davon können natürlich sehr viele profitieren. Blutdrucksenker oder Medikation auch bei Typ-2-Diabetes, die ja auch in vielerlei Hinsicht sehr zielführend sind und auch sehr sinnhaft eingesetzt werden. Aber tatsächlich sind auch manche dieser Medikamente nicht mehr klassische Medikamente des älteren Mannes, sondern müssen aufgrund natürlich des Lebensstils auch schon bei vielen Männern und auch Frauen in jüngeren Jahren eingesetzt werden.
Stephan Seiler 7:09
Ich habe mal gehört, glaube ich sogar von Klaas Heufer-Umlauf, dem Philosophen der Neuzeit, dass die ersten Anzeichen bei ihm waren, als er gemerkt hat, dass er immer stöhnt, wenn er sich hinsetzt oder aufsteht. Dieses kleine Stöhnen, dieses Ächzen, wenn man hingeht, ist das auch so ein Anzeichen? Dafür, oder ist das auf einer ganz anderen Ebene zu verorten?
Jonathan Apasu 7:30
Aus meiner Sicht ist das natürlich extrem subjektiv, was jeder und jede selber als Älterwerden empfindet. Und wenn das bei ihm dieses Stöhnen, Ächzen beim Auf- und Absetzen ist oder auch mal ein Zwicken, dass man morgens aufwacht, irgendwie Rückenschmerzen hat. Also da ist ja für jeden Menschen das Gefühl ein sehr subjektives und jeder interpretiert dieses Älterwerden auch anders oder kennt oder nimmt auch unterschiedlichste Anzeichen als Zeichen des Älterwerdens wahr für sich selber. Aber ja, das kann es zum Beispiel auch sein.
Stephan Seiler 8:04
Viele meiner Freunde gehen ungern zum Arzt und versuchen auch, sich eher als noch jünger darzustellen, als sie es vielleicht laut Pass sind. Ich weiß jetzt auch aus den Interviews, die ich gemeinsam mit Brigitte hier auf diesem Kanal geführt habe in den letzten Monaten, wie wertvoll es ist, sich jünger zu fühlen, dass das auch positive Auswirkungen haben kann auf die eigene Lebenserwartung. Also Menschen, die sich jünger fühlen, leben länger. Im Schnitt, sagen zumindest Studien. Warum merken viele Männer ihren körperlichen Abbau erst sehr spät und sind auch nicht so richtig bereit, sich einzugestehen, dass es passiert?
Jonathan Apasu 8:43
Ja, also dieser Wunsch, besonders langsam zu altern oder möglichst lange jung zu bleiben, das ist ja auch kein Neuer, was jetzt zum Beispiel in dieser ganzen Longevity-Bubble passiert, sondern das ist ja schon seit jeher, möchten Menschen besonders langsam altern oder streben nach dem ewigen Leben. Bei Männern ist es, glaube ich, noch mal ein noch etwas stärkeres Phänomen. Wobei man natürlich auch sagen muss, bei Frauen ist das ganze Thema Langsam-Altern natürlich auch riesengroß. Die Anti-Aging-Bubble, die jetzt langsam in diese Longevity-Bubble überschwappt, war natürlich auch lange Zeit ein weiblich geprägtes Feld. Aber bei uns Männern insbesondere wird ja auch vieles, das man dem Älterwerden zuschreibt, als ein gewisses, als eine gewisse Schwäche auch gewertet. In gewissem Grad natürlich auch fälschlicherweise. Aber viele Männer möchten sich das auch selber nicht eingestehen, dass man ab einem gewissen Punkt nicht mehr der Provider ist, der Protector, also der, der für die Familie die Ressourcen zur Verfügung stellt oder der die Familie verteidigt. Was ja irgendwie so ein sehr männlicher Instinkt irgendwo auch ist. Und das dann zu akzeptieren, dass man jetzt vielleicht nicht mehr ganz in dieser Rolle ist oder sich auf einem Weg befindet, da zeitnah oder auch in 5 bis 10 Jahren nicht mehr dazu in der Lage zu sein. Ich bin da der Überzeugung, dass das natürlich auf gewisse Weise am Selbstbild dann doch kratzt.
Stephan Seiler 10:02
Gehen Männer deshalb lieber zum TÜV als zum Arzt?
Jonathan Apasu 10:05
Ja, also sicherlich spielen da so soziokulturelle Faktoren eine große Rolle. Was für Rollenbilder wir Männer haben, was für Rollenbilder wir anerzogen bekommen haben, also dass der Drang von Männern, gewisse Gesundheitsleistungen wahrzunehmen, nicht so stark gegeben ist. Aber auf der anderen Seite ist es auch so, dass das medizinische System nicht die Strukturen zur Verfügung stellt, die besonders die Gesundheitsvorsorge für einen Mann in den Mittelpunkt stellt. Sei es auf der einen Seite der klassische Männerarzt, den gibt es ja in dieser Form nicht, oder auch das ganze Terminsystem. Wann finde ich als Mann Zeit, zum Arzt zu gehen? Ist es jetzt im vollen Arbeitstag? Mache ich das? Auch das spielt sicherlich eine große Rolle, weswegen Männer da die Gesundheitsleistungen nicht nutzen, wie sie es eigentlich tun sollten.
Stephan Seiler 10:54
Stimmt, es gibt gar keinen Männerarzt. Das ist ja voll diskriminiert. Warum gibt es eigentlich keinen Männerarzt? Also würde es sich das nicht anbieten? Wäre das nicht sogar sinnvoll?
Jonathan Apasu 11:02
Also wäre absolut sinnvoll. Also wenn man sich gerade auch mal anschaut gewisse Statistiken: Männer sterben beispielsweise 5 Jahre früher. Männer gehen nicht so häufig zu Vorsorgeuntersuchungen. Männer nehmen gewisse gesundheitliche Leistungen nicht zu dem Ausmaß an, wie es Frauen tun. Natürlich gibt es auch im Bereich Frauengesundheit noch große Herausforderungen, denen auch begegnet werden muss. Aber insbesondere im Bereich Männergesundheit wäre da natürlich ein Männerarzt, der für den Mann der erste richtige Ansprechpartner ist, oder auch die Männerärztin als richtige Ansprechpartnerin, ein super Format. Warum es das in dem Format noch nicht gibt, da bin ich tatsächlich überfragt. Es gibt zwar den Urologen, der von vielen auch so ein bisschen als Männerarzt gesehen wird, aber der ist eigentlich faktisch ein Arzt für die ableitenden Harnsysteme, also auch für Frauen in vielerlei Hinsicht zuständig. Und sodass es diesen klassischen Männerarzt nicht gibt, wo der Mann jetzt regelmäßig einmal im Jahr oder alle paar Monate sich mal vorstellt.
Stephan Seiler 11:56
Was verdrängen Männer denn besonders gern? Welche Ausrede hörst du am häufigsten?
Jonathan Apasu 12:00
Also was Männer nicht gerne verdrängen und was Männer gerne adressieren, sind häufig Themen, die so ein bisschen an der an der Eitelkeit jetzt in Anführungszeichen der Männer kratzen. Also wenn es um körperliche Faktoren geht, sei es jetzt Thema Übergewicht, insbesondere wenn es scheinbar auch leichte Lösungen gibt, das zu beheben. Erektionsprobleme, Libidoverlust, das sind häufig Themen, wo Männer, die sich etwas damit auseinandersetzen, dann auch gerne adressieren, weil sie auch glauben, dass es eine gute Lösung dafür gibt. Wohingegen Themen, die Männer ungerne adressieren, sind Themen, die in erster Linie nicht sofort sichtbar sind oder auch nicht sofort gewisse Konsequenzen von sich tragen. Erhöhter Blutdruck, erhöhte Cholesterinwerte oder Vorsorgeuntersuchungen oder Prostatagesundheit. Das sind dann Themen, die sehr negativ konnotiert sind, wo Männer dann auch nicht das Gefühl haben, dass da sehr viel dabei zu gewinnen, sehr viel noch zu profitieren ist. Fälschlicherweise natürlich. Aber das sind Themen, über die dann häufig gerne oder um die dann häufig gerne ein großer Bogen gemacht wird.
Stephan Seiler 13:05
Und welche Ausreden hörst du dann so? Mit welchen Ausflüchten kommen dann die Männer zu dir, wenn du sie fragst, warum waren sie denn nicht früher hier?
Jonathan Apasu 13:12
Also um das vielleicht noch mal so ein bisschen mehr zu spezifizieren. Ich selber in meiner Rolle, ich bin Arzt, ich bin seit 2019 approbiert und beschäftige mich intensiv mit vielen medizinischen Themen. Und ich habe ein Unternehmen gegründet, das sich eben dem Thema Männergesundheit widmet. Und in diesem Unternehmen haben wir ein Netzwerk aus unabhängigen Kooperationsärzten, die dann aber mit den Patienten sprechen und die die Patienten dann selbstständig behandeln. Das heißt, ich bin vor allem mit unseren Kooperationsärzten im Austausch. Aber was wir häufig hören von den Männern, insbesondere gespiegelt bekommen von unseren Kooperationsärzten, ist, dass viele der Themen, die sie jetzt adressieren, dass sie schon seit vielen Jahren Bestand haben, dass sie teilweise schon seit 10, 15 Jahren gewisse Themen mit sich herumgetragen haben, aber einfach nicht wussten, dass a) ein Problem vorliegt, weil teilweise gewisse Symptome sehr langsam, sehr schleichend entstanden sind. Und auf der anderen Seite wussten sie lange Zeit auch nicht, dass selbst wenn dieses Problem erkannt wird, dass es grundsätzlich Lösungen gibt, um diesem Problem zu begegnen.
Stephan Seiler 14:15
Okay, und dazu kommt dann vielleicht auch noch der Stolz, den du ja eben schon so ein bisschen angerissen hattest. Wir leben ja tatsächlich immer noch in einer Gesellschaft, in der Männlichkeit bewiesen werden muss, was ja eigentlich auch eine absurde Vorstellung ist, weil wir Männer, wir müssen quasi jeden Tag beweisen, dass wir echte Männer sind. Nach der landläufigen Meinung von vielen Menschen, auch in gewissen Kulturen wird das ja, Kulturkreisen wird das ja auch besonders hervorgehoben, wohingegen Frauen jetzt selten ihre Weiblichkeit abgesprochen wird. Ich stelle das jetzt wahrscheinlich ein bisschen unterkomplex dar, aber es gibt da spannende Studien dazu. Ich habe bei meinen Recherchen als Journalist immer wieder über Männerthemen berichtet und da war das so ein roter Faden. Wir Männer sehen uns in der Pflicht, ständig zu beweisen, dass wir wirklich männlich sind, also stark und was auch immer man da immer noch in der alten der alten Lehrmeinung uns da zuschiebt an Attributen. Wie nimmst du das wahr? Wie groß ist das? Und kommen quasi am Ende auch zu euch nur die Männer, die dann schon weiter sind, die bereit sind, sich selbst zu reflektieren? Oder wie erreicht man auch noch die anderen?
Jonathan Apasu 15:15
Ja, also absolut. Du hast da total recht mit dem, was du gesagt hast. In unserer Gesellschaft wird dieses sich Hilfe holen, sich medizinische Hilfe holen, sich zu öffnen, gewisse Themen auch einzugestehen, noch irgendwo als Schwäche interpretiert. Und als Verletzlichkeit interpretiert. Wobei es eigentlich ein Zeichen auch ist, Verantwortung zu übernehmen für sich, für seine Gesundheit und damit auch natürlich für das Umfeld, für die Familie, für die Karriere, die man ja dann auch als Mann irgendwo schützen möchte.
Stephan Seiler 15:45
Kann es denn auch sein, dass Männer heute gesundheitlich überforderter sind als früher? Früher gab es vielleicht einen Hausarzt, den man besucht hat, der hatte seine Meinung und sein Buch und das war's. Heute kann man alles googeln. Man ist umgeben von Menschen, die sich auch überdurchschnittlich über Gesundheitsthemen unterhalten. Überall sieht man was. In sozialen Medien wird einem ja auch überall entgegengeschrien, was man alles tun und lassen soll, welche Hormone man essen soll, welche Nahrungsergänzungsmittel wir zu uns nehmen sollen, welche Fitnessübungen und so weiter. Also wir werden ja quasi überall gefordert mit neuen Lehrmeinungen. Ist das vielleicht auch eine Überforderung? Und sagen wir dann: Ich zieh mich einfach zurück und gehe gar nicht mehr zum Arzt?
Jonathan Apasu 16:24
Also Letzteres wird sicherlich auch bei einigen Männern die Folge sein, dadurch dass man die ganze Zeit beschallt wird mit den unterschiedlichsten Informationen, dass dann irgendwann man eine Abwehrhaltung einnimmt und sich damit nicht mehr auseinandersetzt. Grundsätzlich halte ich das Ganze, die Verfügbarkeit von Informationen, insbesondere auch zur Gesundheit, für ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite ist das natürlich super mehrwertstiftend, dass diese Informationen bei den Männern da landen, wo sie sind, auf Social Media, zu Hause auf der Couch, wenn sie sich ein Video anschauen auf YouTube, dass sie da Informationen zu bekommen und informiert werden. Das auf der einen Seite natürlich super gut, weil sie dann wissen, was grundsätzlich Themen sind, die adressiert werden können und was möglicherweise auch für Lösungen gibt. Auf der anderen Seite ist natürlich aber auch so, dass nicht jeder, der Informationen online verbreitet, unbedingt so die Gesundheit der Empfänger als oberstes Incentive hat, also dass das nicht das Ziel desjenigen ist, der diese Information verbreitet, sondern häufig da auch gewisse wirtschaftlichen Interessen mit reinspielen. Gewisse Interesse, besonders virale Videos zu erzeugen, also die besonders gut klicken, wo man besonders mit einfachen Sätzen reingeht, mit einfachen Lösungsvorschlägen und damit natürlich auch Fehlinformationen verbreitet, die auf der einen Seite irgendwo harmlos sein können, aber auf der anderen Seite natürlich auch sehr viel Schaden anrichten können, wenn man jetzt beispielsweise gewisse gesundheitliche Themen verteufelt oder auch gewisse Themen als Riesenlösung darstellt, obwohl da einfach die Evidenz fehlt. Das ist das, wo natürlich mit dieser Flut an Gesundheitsinformationen auch als negativ betrachtet werden muss. Auf der anderen Seite, oder dann als dritter Punkt in dem Sinne, ist es natürlich auch für Ärzte, Ärztinnen, die dann letztendlich die Patienten versorgen, teilweise auch eine Herausforderung, wenn scheinbar hoch informierte Patienten auftauchen und dann gewisse Sachen fordern, die teilweise auch nicht unbedingt sinnvoll sind und damit auch noch mal eine gewisse, ja, Mehrbelastung dieser Ärzte und Ärztinnen darstellt.
Stephan Seiler 18:28
Du hast es eben ja auch schon gesagt, dass Männer dann umso bereiter sind, sich darüber zu unterhalten, wenn es darum geht, ihre eigene Leistungsfähigkeit zu stärken oder zu erhalten. Hormone sind da ein großes Stichwort. Testosteron hast du eben selbst erwähnt. Wird Testosteron gemeinhin überschätzt, unterschätzt? Warum hat es das und warum ist das jetzt gerade so stark in Mode?
Jonathan Apasu 18:49
Ja, also es passiert gerade beides. Auf der einen Seite wird es überschätzt, auf der anderen Seite, und das würde ich sagen, betrifft die allermeisten noch, wird Testosteron massiv unterschätzt. Ich glaube gerade vieles, was passiert, vieles, was wir so mitbekommen, oder auch viele der Männer, die auf unser Angebot aufmerksam werden oder auf grundsätzlich die Themen Männergesundheit und Hormone aufmerksam werden jetzt übers Internet, die befinden sich irgendwo noch in so einer gewissen Bubble. Aber so der absolute Großteil der Männer, die haben sich da bis heute noch nicht wirklich mit auseinandergesetzt. Und ich würde sagen, in dieser Bubble, die sehr affin sind zu dem Thema und sich sehr damit beschäftigen, da wird es dann häufig so ein bisschen vereinfacht, dass ja Testosteron als Hormon so der, der Quick-Fix, die leichte Lösung für jegliches Problem der Männergesundheit darstellt. Und So, so ist das nicht. Ja, Testosteron ist extrem wichtig für Männer und Testosteron ist auch wichtiger für, wichtig für Themen über Muskelmasse und über Libido hinweg. Ja, also Testosteron ist auch ganz wichtig für die mentale Gesundheit, für den mentalen Fokus, Konzentrationsfähigkeit, Knochengesundheit, Blutbildung, Hautgesundheit, Prostatagesundheit. Also das ist eine sehr, sehr lange Liste, wofür Testosteron gut ist. Aber es ist jetzt auch nicht so, dass jedes Problem, das ein Mann hat, aufgrund von einem Testosteronmangel zustande gekommen ist und dass es reicht, diesem Mann einfach dann Testosteron zu geben und wieder alle Probleme gelöst sind.
Stephan Seiler 20:13
Brauchen Frauen auch Testosteron eigentlich?
Jonathan Apasu 20:16
Ja, Frauen haben Testosteron, haben ungefähr so ein Zehntel bis ein Zwanzigstel der Menge von Testosteron, die wir Männer haben. Aber auch für Frauen ist Testosteron sehr wichtig und auch bei Frauen kann es tatsächlich einen Testosteronmangel geben.
Stephan Seiler 20:30
Du sagtest gerade, Testosteron ist wichtig für alles Mögliche, damit wir als Mann besser funktionieren, als Frau gewissermaßen auch. Aber bei uns Männern scheint es dann offenbar eine noch essenziellere Bedeutung zu haben. Heißt das im Umkehrschluss, wenn mein Testosteronhaushalt nicht stimmt, dass ich dann leichter Krankheiten bekomme, die du eben aufgezählt hast, vom Herzinfarkt bis hin zu Diabetes und bis zur Impotenz? Und alles hängt am Ende dann mit diesem kleinen Testosteron zusammen?
Jonathan Apasu 20:59
Ja, also vereinfacht gesagt ja. Das haben auch viele Studien schon untersucht. Also Testosteron ist jetzt, auch wenn es jetzt gerade so ein Hype erfährt, auch zu gewisser Weise gerechtfertigt ist das jetzt nicht ein neu bekanntes Hormon, sondern das ist schon viele, viele Jahre bekannt. Und entsprechend gibt es da auch sehr viele, sehr gute Studien, die sich angeschaut haben, wofür ist Testosteron denn überhaupt zuständig im Körper und was passiert im Körper, wenn nicht genug Testosteron vorhanden ist. Und was ich da ganz gerne immer mache, ist, ich teile diese Effekte eines niedrigen Testosteronspiegels oder die ein zu niedriger Testosteronspiegel haben, kann in 3 Kategorien ein. Eins ist das ganze Mentale, das Zweite ist das Körperliche und das Dritte ist das Sexuelle. Ja, im mentalen Bereich, alles was das Thema Antrieb angeht, Motivation. Männer mit einem Testosteronmangel sind häufig deutlich weniger motiviert. Denen fällt es extrem schwierig, Unternehmungen zu machen, mit Freunden sich zu treffen. Die Partnerschaft leidet häufig darunter. Antrieb, ja, also auch bei der Arbeit zu performen, sich da richtig reinzuhängen, fällt ihnen extrem schwierig. Aber auch das ganze Thema Konzentrationsfähigkeit, mentale Schärfe. Viele berichten über das Thema Brain Fog, Schwierigkeiten, sich wirklich auf ein Thema zu fokussieren, zu konzentrieren. Aber auch das ganze Thema mentale Gesundheit, depressive Verstimmung, auch sehr gut beschrieben in Studien, dass ein Testosteronmangel zu einer gewissen depressiven Symptomatik führen kann. Und tatsächlich, als Anekdote am Rande, wir haben ja mittlerweile schon sehr, sehr viele Patienten gesehen über unser Kooperationsärztinnen-Netzwerk. Und da gab es wirklich auch viele, die ja davor mit einer Depression behandelt wurden oder aufgrund einer Depression behandelt wurden, die jetzt aber nach Aufheben dieses Testosteronmangels da auch ihre Medikation nicht mehr benötigen. Was jetzt natürlich im Umkehrschluss auch nicht heißt, dass jeder depressive Mann einfach Testosteron braucht. Und dass dem dann wieder gutgehen wird. Aber man muss da sehr differenziert das Ganze betrachten. Und auch natürlich Mediziner müssen bei gewissen Symptomen auch mal dran denken, den Hormonhaushalt anzuschauen.
Stephan Seiler 23:03
Das sind die mentalen Auswirkungen. Du sagtest, es gibt auch die körperlichen und sexuellen. Schauen wir uns die mal an.
Jonathan Apasu 23:08
Richtig. Die körperlichen, die haben mich als Arzt direkt am meisten begeistert, weil ich das extrem spannend fand, wie signifikant die Auswirkungen von Testosteron auf viele körperliche Themen ist und das meiste oder in erster Linie ist vieles getrieben durch den Einfluss von Testosteron auf die Körperkomposition. Körperkomposition bedeutet, wie ist mein Körper zusammengesetzt, wenn ich mir Muskelmasse und Fettmasse vereinfacht gesagt anschaue. Und Testosteron führt dazu, dass dieses Verhältnis in Richtung Muskelmasse und weniger, also mehr Muskelmasse, weniger Fettmasse verschoben wird. Und niedriger Testosteronwert führt dazu, dass es verschoben wird in Richtung mehr Fettmasse und weniger Muskelmasse. Und liegt unter anderem daran, dass es gewisse Vorläuferzellen gibt. Ja, gewisse mesenchymale Stammzellen heißt das auf—
Stephan Seiler 24:01
Wie bitte?
Jonathan Apasu 24:01
Mesenchymale Stammzellen, das sind gewisse Vorläuferzellen, die sich sowohl in Muskelzellen als auch in Fettzellen umwandeln können. Und bei einem höheren Testosteronwert wird aus diesen Zellen eher eine Muskelzelle, und bei einem niedrigeren Testosteronwert wird aus diesen Zellen tatsächlich eher eine Fettzelle. Ja, das ist ein wichtiger Faktor. Und natürlich das Ganze, die Wirkung auf die Muskelmasse als solche, ja, anabole Wirkung, die Testosteron da hat. Muskelmasse erhöht sich durch die Testosteronwirkung, was wiederum den Gesamtenergieverbrauch erhöht und entsprechend auch da noch mal die Fettverbrennung positiv beeinflusst. Durch diesen Einfluss auf die Körperkomposition— oder durch diesen fehlenden Einfluss auf die Körperkomposition bei einem Testosteronmangel haben wir mehr Körperfett im Vergleich zur Muskelmasse. Und das begünstigt dann Entstehung von Diabetes, Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Entstehung von chronisch entzündlichen Erkrankungen und damit auch letztendlich eine erhöhte Sterblichkeit. Ja, es gab 2024 eine super spannende Studie, die darauf hingewiesen hat, dass Männer mit einem Testosteronmangel tatsächlich früher sterben als Männer mit einem normalen Testosteronwert.
Stephan Seiler 25:11
Das ist ja nicht so schön. Aber wie finde ich das denn überhaupt heraus? Du hast uns das Sexuelle übrigens jetzt noch unterschlagen. Darauf kommen wir gleich zurück. Aber ganz kurz, wie kann ich überhaupt rausfinden, dass mit mir hormonell was nicht stimmt? Also woran merke ich Testosteronmangel?
Jonathan Apasu 25:26
Also genau, auf der einen Seite durch die Symptome, die ich einmal beschrieben habe. Wenn diese Symptome vorliegen über einen längeren Zeitraum.
Stephan Seiler 25:33
Müdigkeit, Antriebslosigkeit, so was?
Jonathan Apasu 25:35
Genau, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Libidoverlust, Dazu kommen wir später noch mal, wenn es um Sexuelle geht oder auch Erektionsprobleme. Das kann auf einen Testosteronmangel hindeuten, ist aber nicht immer zwangsläufig, dass dann mit solchen Symptomen auch ein Testosteronmangel vorliegt. Das heißt, ein gewisses Empfinden von oder eine gewisse Selbsteinschätzung von: Welche Symptome habe ich? Da gibt es auch übrigens ganz spannende Fragebögen, die man online machen kann, zum Beispiel den Aging Male Symptoms Scale, ja, AMS-Test, kann man einfach mal googeln, da findet man den. Das sind 17 Fragen, die man beantworten kann mit Antworten sehr stark bis überhaupt nicht. Da werden diese verschiedenen Symptomkategorien einmal abgeklopft und das ermöglicht uns eine bis gewisser Weise eine Objektivierung der Symptome und gibt am Ende auch eine Einschätzung, wie wahrscheinlich ein Testosteronmangel ist, basierend auf den Antworten, die man da gegeben hat.
Stephan Seiler 26:30
Das ist so, dass wir noch mal Für alle in die Zusammenfassung, die man auch neudeutsch Shownotes nennt, könnt ihr da nachlesen, packen wir alle rein, alles rein, genauso wie die Links und die anderen Hinweise.
Jonathan Apasu 26:41
Top, das ist sehr gut. Also das ist auf jeden Fall eine gute Ressource, die man sich mal anschauen kann. Dann ist natürlich neben dem subjektiven Empfinden auch ganz wichtig, das Ganze einmal zu objektivieren und da mal einen Labortest zu machen, um zu gucken, wo denn die Werte jetzt für einen selber stehen. Ein Labortest ist in dem Fall im besten Fall ein Bluttest. Den kann man bei einem Direktlabor machen. Da kann man auch mal zum Hausarzt gehen oder bei einem Facharzt fragen, ob diese Werte bestimmt werden. Teilweise muss man da auch ein bisschen argumentieren, weswegen man diesen Test haben möchte. Ist tatsächlich manchmal schwer nachzuvollziehen, aber viele Mediziner, Ärzte, Ärztinnen stellen sich da so ein bisschen quer, wenn man das Wort Testosteron und Testosterontest in den Mund nimmt.
Stephan Seiler 27:23
Warum?
Jonathan Apasu 27:24
Also auch von medizinischer Seite herrschen einige Stigmata, Vorurteile gegenüber Testosteron. Einmal natürlich, weil es in gewissen Kreisen auch missbraucht wird. Ja, ist natürlich auch ein Hormon, das aufgrund seiner Wirkung missbraucht wird.
Stephan Seiler 27:37
Beim Doping, meinst du Sport?
Jonathan Apasu 27:39
Genau, genau, im Doping. Ja, also vor allem bei Sportarten, wo viel Muskelmasse gewünscht ist, zum Beispiel beim Bodybuilding, aber auch zum Beispiel bei Sportarten, wo man besonders viele rote Blutkörperchen gebrauchen kann für den Sauerstofftransport. Also gerade zum Beispiel Radfahren oder Ausdauersportarten ist Testosteron auch eine Substanz, die im Doping missbraucht werden kann, steht deswegen auch auf der Anti-Doping-Liste. Und jeder Mann, der Testosteron nimmt, muss natürlich sportrechtlich da sehr gut beraten sein. Genau. Aber deswegen herrschen auf der einen Seite Vorurteile gegen Testosteron. Und dazu kommt noch tatsächlich, dass in der medizinischen Community auch so ein paar Mythen sich noch ganz gut halten, was die Nebenwirkungen von einer Testosteron-Ersatztherapie angeht. Also da denken viele Ärztinnen Ärzte, dass wenn man Testosteron verabreicht im Rahmen einer Ersatztherapie, dass man da zum Beispiel ein Prostatakrebsrisiko erhöht oder auch das Herz-Kreislauf-Risiko erhöht. Das ist aber, und das möchte ich hier auch unterstreichen, das mittlerweile durch wirklich sehr gute, hochrangig publizierte Studien widerlegt. Also Testosteron macht keinen Prostatakrebs und es macht auch keinen Herzinfarkt. Aber man muss natürlich die Prostata gut im Auge behalten, während man eine Ersatztherapie macht.
Stephan Seiler 28:54
Wir kommen bestimmt gleich auch noch mal auf die ganzen Therapiemöglichkeiten zu sprechen. Mit welchem Spruch bekomme ich denn jetzt erst mal meinen Arzt vor Ort überzeugt, dass er mein Testosteron ermittelt?
Jonathan Apasu 29:05
Genau, also ein gutes Argument ist: Ich zahle selber. Machen Sie bitte den Test.
Stephan Seiler 29:09
Wie teuer ist so was?
Jonathan Apasu 29:10
Nicht super. Also ja, ich würde schätzen, beim Arzt zwischen 40 bis 70 € muss man in die Hand nehmen, um diesen Test zu bekommen. Und wichtig, und das für alle, die sich jetzt motiviert fühlen, so einen Test auch machen zu wollen, ist, dass die richtigen Laborwerte angeschaut werden. Weil Testosteron wird, wenn es gemessen wird, häufig nur als Gesamttestosteronwert im Blut angegeben. Und das Problem ist bei Testosteron, das ist ein Steroidhormon. Ja, das ist das chemische Gerüst, das das Hormon Testosteron eben hat. Das ist ein Sterangerüst, das wird von Cholesterin abgeleitet. Das entsteht aus Cholesterin, also aus einem Fett. Und das ist deswegen fettlöslich. So, und das ist wichtig, weil fettlösliche Substanzen im Blut immer an Transportproteine gekoppelt werden müssen. Weil wer schon mal zu Hause gekocht hat und Fett in Wasser irgendwie geschüttet hat, der sieht, dass sich das nicht gut mischt. Und Blut ist eine wässrige Substanz, und wenn wir da Fett reinmachen, da muss das gebunden werden an Proteine, damit sich eben da gut transportieren lässt. So, und auch beim Testosteron ist es so, dass es Transportproteine gibt. Einmal das Sexualhormon-bindende Globulin, das wird auch SHBG genannt, und das Albumin. So, und diese beiden Proteine, die binden Testosteron und helfen dabei, das Testosteron durch den Körper zu transportieren. Gleichzeitig ziehen die aber das Testosteron auch aus dem Verkehr, sodass das gebundene Testosteron nicht seine Wirkung am Zielort entfalten kann. Deswegen ist es so—
Stephan Seiler 30:40
Globulin und Albumin?
Jonathan Apasu 30:42
Albumin. Genau, Albumin.
Stephan Seiler 30:45
Danach soll ich dann meinen Arzt fragen. Die beiden Werte soll er ermitteln.
Jonathan Apasu 30:49
Die also genau Gesamttestosteron, dann SHBG und Albumin. Und damit kann man dann berechnen, wie viel Testosteron frei ist. Ja, wie viel Testosteron ist nicht gebunden? Und das freie Testosteron ist dann sozusagen der vierte Wert, den wir haben müssen, um zu verstehen, ob wir genug Testosteron im Körper haben, das tatsächlich auch aktiv ist und seine Wirkung entfalten kann am Zielort. So, damit hat man dann einen ersten guten Blick auf die Versorgung des Körpers mit Testosteron. Das kann dann auch tatsächlich noch komplexer werden, weil man auch komplexer—
Stephan Seiler 31:23
ich werde jetzt schon schwindelig.
Jonathan Apasu 31:25
Ja, das wird dann noch, kann noch. Also in den meisten Fällen wird es dann nicht mehr komplexer, sondern in den meisten Fällen hat man damit eine gute Perspektive und sieht dann, okay, bin ich im Normbereich, bin ich im Mangel, bin ich im unteren Normbereich und hat dann einen guten Blick auf seine Werte. Es gibt aber auch Fälle, in denen es komplexer wird, weil Testosteron seine Wirkung über gewisse Rezeptoren entfaltet. Also Rezeptoren sind in der Physiologie, in der Biochemie des Körpers, sind das wie so Sendemasten, die Signale empfangen. Und dieser Sendemast, der dann eben das Signal in Form von Testosteron empfängt, der kann unterschiedlich sensitiv sein. Also es gibt Männer, bei denen sind diese sind diese Empfänger, diese Rezeptoren extrem sensitiv und die brauchen wenig Testosteron, dass sehr viel Wirkung ankommt. Aber es gibt andere Männer, bei denen sind diese Empfänger extrem unempfindlich und die brauchen sehr hohe Werte, dass genug Wirkung ankommt. Und da gibt es wenige Männer, bei denen eben auch bei hohen Testosteronwerten letztendlich zu wenig Wirkung ankommen kann. Aber deswegen ist auch immer meine Empfehlung, die Werte, nachdem man die einmal bestimmt hat, auch mit jemandem zu besprechen, der oder die sich sehr gut damit auskennt. Und das sind in den meisten Fällen eben Ärzte, Fachärzte, Ärztinnen, die das dann auch mit einem besprechen können.
Stephan Seiler 32:45
Jonathan, du bist ja Experte für Männergesundheit. Wir sprechen gerade darüber, was die Männergesundheit nicht nur erhalten kann, sondern wie wir Männer auch jenseits der 40, jenseits der 50 und hoffentlich auch noch darüber hinaus unsere Energie erhalten können, vielleicht auch unsere Leistung noch mal steigern können. Abgesehen von Testosteron, Welche Faktoren spielen da noch eine Rolle? Kann zum Beispiel chronischer Stress Männer biologisch schneller altern lassen? Und wie stark beeinflusst Schlaf unsere Männergesundheit?
Jonathan Apasu 33:17
Also auch da sehr, sehr wichtige und gute Punkte. Es spielt beides eine extrem starke Rolle für unsere Gesundheit als Männer. Und diese Themen, die lassen sich auch nicht gut trennen. Also auch das Thema Stress, auch das Thema Schlaf, beeinflusst den Hormonhaushalt ungemein. Also auch da werde ich gleich noch mal eine spannende Anekdote zu erzählen, wie der Einfluss von Schlaf tatsächlich auch auf den Testosteronwert ist. Aber ja, wer als Mann über einen langen Zeitraum nicht gut schläft, nicht ausreichend schläft und was man damit meint, ist meistens weniger als die empfohlenen 7 bis 9 Stunden über einen längeren Zeitraum, der gefährdet tatsächlich seine Gesundheit. Nicht nur die Hormonwerte werden dadurch beeinträchtigt, sondern wenn man sich da die Studienlage anschaut, Herz-Kreislauf-Risiko erhöht. Risiko für gewisse Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes erhöht, allgemein Sterblichkeit erhöht, wenn man eben langfristig zu wenig schläft. Also das ist ein total wichtiger Faktor für seine Gesundheit und für den Testosteronwert. Und das auch da noch mal zu unterstreichen: Es gibt eine spannende Studie, die zwar eine nicht so riesige Studienpopulation hatte, aber da wurden tatsächlich junge und gesunde Männer auf eine Woche Schlafentzug oder reduzierten Schlaf gesetzt. Die haben so 4 bis 5 Stunden nur schlafen dürfen jede Nacht. Und deren Testosteronwerte sind um bis zu 15% gefallen nach nur einer Woche. Also da sieht man, wie wichtig Schlaf unter anderem auch für den Hormonhaushalt ist.
Stephan Seiler 34:44
Also Testosteron ist am Ende nicht nur ein Mittel, ein Treiber, der uns gesund hält, sondern ist am Ende auch ein— leidet auch darunter, wenn wir nicht gut mit uns umgehen. Wenn wir zum Beispiel zu wenig schlafen, dann sinkt dadurch der Testosteronspiegel, der dann wieder dazu führt, dass wir womöglich andere Krankheiten erhalten.
Jonathan Apasu 35:01
Richtig. Du hast also oft ist es schwierig, so eine richtige Kausalität festzustellen. Also in gewissen Bereichen gibt es eine absolute Kausalität, aber oft ist auch einfach so ein bidirektionales Verhältnis. Also auch zum Beispiel, wenn wir uns anschauen, was passiert mit dem Körper, wenn wir zu wenig Testosteron haben, begünstigen wir auf der einen Seite Übergewicht, hatte ich ja eben beschrieben, aber auf der anderen Seite Wenn wir übergewichtig sind, begünstigt das Übergewicht einen niedrigeren Testosteronhaushalt. Also wir haben häufig so ein bidirektionales Verhältnis. Oder auch das Thema Schlaf. Wer schlecht schläft, der hat wiederum niedrigere Testosteronwerte und das hat dann wiederum eine Auswirkung auf Stoffwechselgesundheit, Herz-Kreislauf-Gesundheit, den ganzen Stoffwechsel, sodass es häufig so sehr verschachtelt und sehr, sehr viele Abhängigkeiten unter diesen verschiedenen Themen auch dann herrschen.
Stephan Seiler 35:54
Wir Männer laden uns ja manchmal auch auf an dem ganzen Stress. Natürlich stresst uns der Stress auf der einen Seite. Andererseits hatte ich auch manchmal den Eindruck und habe mich selbst dabei ertappt, wie ich auch ein bisschen damit angegeben habe. Also je gestresster ich war und auch vielleicht sogar gewirkt habe, desto mehr war das auch eine Art von Leistungsnachweis. Wir tun was, wir buckeln, wir schuften, wir tun ganz, ganz viel. Und das soll man uns auch gerne ansehen, wenn wir Stress haben. Wie siehst du das mit dem Stress? Kann der chronische Stress uns und mich schneller altern lassen?
Jonathan Apasu 36:28
Ja, also da kurze Antwort: Ja, chronischer Stress ist schlecht. Nein! Ja, chronischer Stress ist schlecht. Akuter Stress ist häufig nicht schlimm und auch vom Körper sehr gut abzufangen. Ich erinnere mich noch zurück an mein Medizinstudium und da gab es eine Grafik, die habe ich bis heute noch im Kopf. Die ist Leistung war auf der Y-Achse und der Stress war auf der X-Achse und die, der Graph, das ist so eine schöne Glockenkurve gewesen. Mit steigendem Stress nimmt die Leistungsfähigkeit zu. Je mehr Stress, desto leistungsfähiger bist du. Und dann bist du an diesem Höhepunkt. Das ist der sogenannte Eustress, das ist der gute Stress. Da bist du scharf, da hast du eine richtige, richtige Belastung und kannst alles, alles machen, was du machen musst. Wenn es dann aber noch mehr wird im Stress, dann fällt die Leistung wieder ab. Und dann kommst du irgendwann in einen Bereich, der nennt sich dann Distress. Und das ist der Stress, der dich dann nicht mehr produktiv sein lässt, der dir nicht mehr ermöglicht, besonders klar zu denken. Das heißt, der Sweet Spot ist in diesem Eustress-Bereich, also genug Stress zu haben. Eustress? Genau, nennt sich Eustress. Und in dem Fall ist man besonders leistungsfähig und das ist so der Sweet Spot. Aber man möchte nicht zu viel Distress haben, also nicht zu viel schlechten Stress und zu hohen Stress. Und insbesondere möchte man das nicht langfristig haben.
Stephan Seiler 37:45
Also Stressspot ist quasi der Bereich, in dem es perfekt ist, der Bereich, wo ich vielleicht Stress fühle, aber der sich leistungsfördernd auswirkt. Und wenn ich dann weitermache, dann wird es zu doll und zu viel.
Jonathan Apasu 37:58
Genau. Ich glaube, das kennt auch jeder aus seinem eigenen Leben. Manchmal, wenn man zu wenig Stress hat, im Urlaub vielleicht noch mal 2 E-Mails schreiben will, dann fühlt sich das als eine Riesenherausforderung an. Aber wenn man dann wieder arbeitet, ein bisschen mehr Stress hat, dann kann man eben alles super gut machen. Und wenn es dann aber noch mal mehr wird, dann wird es wieder schlecht und dann ist man natürlich auch wieder in seiner Produktivität gemindert. Und genau gesundheitlich.
Stephan Seiler 38:20
Ja, bin ich ja. Also ich fühle mich da gerade wirklich angesprochen, weil ich glaube, diesen Punkt manchmal nicht ganz zu finden bei mir. Ich neige dann vielleicht auch zu einer Art von Selbstüberschätzung und mache einfach weiter und denke ja noch einen Termin mehr und noch einen Podcast mehr und noch eine Abgabe mehr. Ich kriege das schon hin. Ich habe es ja früher auch geschafft, oder was auch immer man sich dann einreden möchte. Woran merke ich denn, ob ich diesen Eui-Stresspunkt, den sogenannten, schon überschritten habe?
Jonathan Apasu 38:47
Da bin ich jetzt nicht der Experte für, zu wissen, wann genau dieser Punkt erreicht ist. Aber ich glaube, man merkt ja schon, sobald die Produktivität nachlässt, man anfängt mehr Fehler zu machen, man anfängt vielleicht Termine auch zu verpassen und nicht mehr die Leistung abzurufen, die man eigentlich von sich gewohnt ist. Dann ist meiner Ansicht nach ein ganz guter oder signifikanter Punkt erreicht, wo man das Ganze dann so ein bisschen zurückschrauben sollte.
Stephan Seiler 39:13
Auch wir haben jetzt ja schon sehr viel über Testosteron gesprochen. Welche weiteren Blutwerte würdest du bei Männern ab 40 regelmäßig prüfen?
Jonathan Apasu 39:24
Das ist ein guter Punkt. Ich glaube, manche Blutwerte, die muss man gar nicht mal so regelmäßig messen, sondern die muss man sich einmal anschauen, um zu wissen, wo da die eigene Baseline ist, da würde ich sagen, gehört auf jeden Fall, wie gesagt, das Testosteron und der freie Testosteronwert dazu, um einmal so ein gutes, gute eigene Baseline zu etablieren. Dann sind natürlich gerade auch total en vogue und auch zu Recht en vogue diese ganzen Longevity-Blutfettmarker. Ja, so Lp, Lipoprotein a oder ApoB, das sind so total wichtige Marker, die ein gewisses oder sehr gute Hinweise darauf geben, wie hoch das kardiovaskuläre Risikoprofil ist. Also das auf jeden Fall einmal anschauen. Und natürlich—
Stephan Seiler 40:04
wie heißen die noch mal?
Jonathan Apasu 40:06
Lp, das ist das Lipoprotein a und ApoB, Apoprotein b. Das sind Proteine im Blut, die eben für das, also aus dem Cholesterin-Universum stammen, vereinfacht gesagt, und aber einen sehr hohen Risikofaktor darstellen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ja, und neben diesen zwei jetzt in Anführungszeichen neuen onwogen Parametern gibt es auch noch die klassischen Cholesterinwerte. Da kennt man ja vielleicht noch das schlechte Cholesterin in Anführungszeichen, das LDL und das gute Cholesterin in Anführungszeichen HDL. Und jetzt sage ich in Anführungszeichen, weil man früher immer dachte, dass das LDL schlecht ist, weil es Cholesterin von dem Körperzentrum, von der Leber in die Peripherie, also in die Blutgefäße transportiert, wo es sich dann ablagern kann, Plaques bilden kann und dann sozusagen Schlaganfall und Herzinfarkt begünstigt. Ja, das stimmt nach wie vor. Also das schlechte Cholesterin ist schlecht, aber das gute Cholesterin, das HDL, das ist tatsächlich nicht gut, sondern das ist eher neutral, ist auch nicht schlecht, aber das ist eher neutral. Und da hat man immer gedacht, dass das vor allem halt protektiv ist. Aber da weisen die neuesten Erkenntnisse darauf hin, dass es eher neutral zu betrachten ist und jetzt nicht einen sonderlich positiven Effekt hat. Aber diese sollte man sich auch anschauen: LDL, HDL, Lp, ApoB, um so das Herz-Kreislauf-Risiko besser einschätzen zu können. Ja, und dann, und das ist ein ganz wichtiger Marker, der PSA-Wert. PSA steht für Prostataspezifisches Antigen. Das ist ein Protein, das wird ausschließlich in der Prostata produziert und dieses, die Menge dieses Proteins korreliert ziemlich gut mit Prozessen in der Prostata. Also je höher dieser Wert ist, desto mehr passiert gerade in der Prostata. Das muss nicht immer schlimm sein.
Stephan Seiler 42:05
Ist das gut?
Jonathan Apasu 42:06
Okay, gut. Ist es erst mal, ist es nicht, aber es ist nicht immer schlecht. Also das heißt, wenn dieser Wert besonders hoch ist, dann muss man noch mal genauer hinschauen und gucken, okay, warum ist dieser Wert gerade erhöht? Ist das, weil eine Entzündung vorliegt in der Prostata? Ist es, weil eine Prostatavergrößerung erfolgt ist, die auch häufig gutartig ist? Oder ist es zum Beispiel, weil eine Druckbelastung der Prostata stattgehabt ist, weil man irgendwie Fahrrad gefahren ist davor? Oder ist es vielleicht auch ein Prostatakrebs, der eben auch dazu führen würde, dass dieser Wert sich erhöht? Das heißt, da gibt es verschiedene Möglichkeiten, diesen Wert dann auch im Verlauf anzuschauen, um das besser zu quantifizieren oder auch weitere bildgebende Maßnahmen, die mittlerweile auch sehr gut fortgeschritten sind, um dann besser zu verstehen, warum dieser Wert jetzt tatsächlich erhöht ist.
Stephan Seiler 42:51
Also der Prostatawert, PSA, Cholesterine haben wir eben besprochen und auch noch die anderen beiden Dinge mit Globuli, Globuli, will ich jetzt immer sagen, die muss man ermitteln für Männer ab 40. Geht das dann auch für Männer ab 50, ab 60, ab 70, ab 80 oder müssen die dann noch mal auf ganz andere Sachen achten?
Jonathan Apasu 43:10
Tatsächlich, dieser PSA-Wert wird empfohlen ab 45 tatsächlich erst. Ab 40 wird er erst empfohlen, wenn es eine Geschichtsvorgänge gibt. Vorgeschichte von Prostatakrebs in der Familie gibt, also wenn Vater, Opa, Onkel an einem Prostatakrebs erkrankt ist, dann sollte man das schon ab 40 machen. Ansonsten wird das ab 45 empfohlen. Aber grundsätzlich mal so eine Baseline zu bestimmen von diesen Herz-Kreislauf-Parametern oder auch den Testosteron-Parametern, das kann man auch schon mal ab 30 machen, das kann man ab 40 machen. Und wenn man es bis 50 oder 60 noch nicht gemacht hat, dann bitte da auch mal reinschauen, wo man da tatsächlich steht. Und sonst darüber hinaus, ja, je nach Mann macht es auch durchaus Sinn, mal den Stoffwechsel sich genauer anzuschauen, insbesondere mit Blick auf den Zuckerstoffwechsel. Da gibt es einen Wert, der nennt sich HbA1c. Ja, das ist—
Stephan Seiler 43:59
Kennst du Menschen mit Diabetes?
Jonathan Apasu 44:02
Ich kenne Menschen mit Diabetes. Da geht es darum, wie viel— guck mal, ob ich das noch richtig hinbekomme— wie viel von dem Hämoglobin, das sich in unseren roten Blutkörperchen befindet, wie viel Prozent ist davon glykiert, also wie viel davon hat Zucker gebunden aufgrund von— Man muss sich so vorstellen, wenn viel Zucker, wenn Blut im, wenn Zucker im Blut ist, Zucker sind ja letztendlich nichts anderes als Moleküle, dann können die sich auch an diesen, an dieses Hämoglobin binden. Und je mehr Zucker wir im Blut haben, desto mehr Hämoglobin hat auch Zuckermoleküle gebunden. Und deswegen, wenn wir uns diesen Wert anschauen, können wir ganz gut verstehen, wie hoch unser mein Blutzucker war über die letzten 3 Monate. Ja, deswegen ist das auch ein ganz guter Wert, um mal zu verstehen, okay, wie sieht eigentlich mein Zuckerstoffwechsel aus?
Stephan Seiler 44:54
Welche Supplements sind denn kompletter Unsinn aus deiner Sicht und welche sollten wir Männer einwerfen, wollte ich schon sagen, zu uns nehmen?
Jonathan Apasu 45:01
Also ich tue mich schwer, da eine ganz pauschale Aussage zu treffen und zu sagen, ja, das ist auf jeden Fall totaler Unsinn und das ist auf jeden Fall Richtig, richtig gut. Weil du ja diese Frage gestellt hast und ich überlegen würde, welches sind so aus meiner Sicht No-Brainer, die man als Mann zu sich nehmen kann, ja, dann würde ich auf jeden Fall einmal Omega-3-Fettsäuren nennen. Ja, also Omega-3 ist super wichtig für uns, hat antientzündliche Eigenschaften, hat gewissen fördernden Einfluss auf unsere Gefäßgesundheit, und die allermeisten Menschen nehmen zu wenig Omega-3-Fettsäuren zu sich. Außer man isst jetzt irgendwie zweimal, dreimal die Woche viel Fisch. Lachs oder so was.
Stephan Seiler 45:43
Lachs. Aber ich hätte auch Leinsamen. Leinsamen sollen auch gut sein, oder? Geschrotete?
Jonathan Apasu 45:48
Aus vielerlei Hinsicht gut. Insbesondere auch wegen den Ballaststoffen. Also an Leinsamen denke ich vor allem wegen den Ballaststoffen, die sehr, sehr gut und wichtig sind für einen. Aber bezüglich Omega-3 müsste ich mich noch mal schlau machen.
Stephan Seiler 46:00
Aber wenn du das sagst, Dann also, ich bin kein Arzt, nicht so wie du. Ich habe das einfach mir zusammengeklaubt und gebe das halt immer genauso weiter. Korrigiere mich gerne.
Jonathan Apasu 46:09
Also genau, Leinsamenschalen nehme ich tatsächlich selber auch ein, aber ich nehme es insbesondere wegen der Ballaststoffe ein, weil auch Ballaststoffe extrem gesundheitsfördernd sind und wichtig sind, zu sich zu führen. Und die meisten Menschen nehmen zu wenig Ballaststoffe zu sich. Deswegen würde ich sagen, wäre das auch eine Art von Supplementierung, wenn man so will, Ballaststoffe zusätzlich zuzuführen. Also Omega-3, dann Auch diese Ballaststoffe. Wenn man will, würde ich ja auch Proteine dazu zählen. Die meisten Menschen nehmen zu wenig Proteine zu sich. Aus meiner Sicht. Es gibt ja auch andere Ernährungsempfehlungen, aber aus meiner Sicht sollte man zwischen 1,5 bis 2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht Protein zu sich nehmen, weil Protein natürlich als Baustein für Muskelmasse extrem wichtig ist, Muskulatur aufzubauen, aber auch insbesondere beim Älterwerden. Muskulatur zu erhalten. Er hat ja vorhin beschrieben, eingangs 1% Muskelmasseverlust so ab dem 30. Lebensjahr. Das möchte man tunlichst vermeiden. Entsprechend wichtig, viele Proteine zu sich zu führen. Je älter man wird, desto wichtiger ist tatsächlich, auf diese Proteine noch zu achten. Und natürlich da Krafttraining noch dazu. Aber das gehört jetzt nicht zur Supplementierung. Aber um das einmal abzuschließen: Omega-3, Ballaststoffe, Proteine. Ich bin großer Fan von Kreatin. Ja, Kreatin. Zu supplementieren, auch aufgrund von positiven Effekten natürlich auf Muskulatur, Muskelerhalt, aber auch auf die kognitive Leistungsfähigkeit sind da ganz gute Effekte von Kreatin beschrieben und Nebenwirkungsprofil bei Kreatin auch sehr, sehr schmal. So, das wären so die, die No-Brainer. Und dann natürlich noch gezielt supplementieren, wenn man jetzt mal einen Bluttest macht und das auch mal so ein bisschen ausführlicher machen will als außer diese totalen Basics und Must-haves sozusagen.
Stephan Seiler 47:56
Das waren jetzt 3 Anglizismen in einem Satz.
Jonathan Apasu 47:58
Okay, danke Stephan.
Stephan Seiler 48:00
No-Brainer, Must-have und was war das andere?
Jonathan Apasu 48:03
Genau, okay, Entschuldigung. Danke, dass du mich da zurückpfeifst. Genau, also die Laborwerte, die ich ja vorhin einmal beschrieben habe, das sind so die, die jedermann einmal kennen sollte, wo man ein sehr gutes Verständnis für gewisse Risikofaktoren entwickelt und einen guten Blick auf seine Gesundheit bekommt. Aber man muss bei solchen Labortests auch immer überlegen, okay, teilweise musst du ja selber bezahlen und teilweise ist der Erkenntnisgewinn aus solchen Laborwerten auch nicht, also das hat keine Konsequenz. Ich habe einen Wert gemessen, dann weiß ich den und ich kann danach keine Konsequenz daraus ziehen. Deswegen muss man da immer auch wirtschaftlich vorgehen. Aber die ich beschrieben habe, das sind die, die man auf jeden Fall mal machen sollte und wo für jeden Mann ein Mehrwert darstellen. Wenn man jetzt über die Supplementierung nachdenkt, sagt, ich würde gerne noch Nahrungsergänzungsmittel zu mir nehmen über diese hinaus, die ich eben beschrieben habe, die aus meiner Sicht sinnvoll sind für jedermann. Und man sagt, okay, ich würde gerne vielleicht Magnesium nehmen oder Zink nehmen, oder ich möchte vielleicht noch andere Substanzen, Vitamin D in dem Fall supplementieren. Dann macht es auf jeden Fall Sinn, auch mal zum Beispiel den Vitamin-D-Spiegel zu bestimmen. Bevor man anfängt zu supplementieren, also Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen und auch im Verlauf dieser Ergänzung noch mal schaut: Okay, wie hat sich denn jetzt meine Versorgung verändert dadurch, dass ich jetzt ein gewisses Präparat eingenommen habe?
Stephan Seiler 49:29
Viele haben ja auch dann Sorge vor Überdosierung und es ist gar nicht so leicht, sich die richtige Dosierungsform da zu finden. Aber Vitamin D habe ich das selbst schon erlebt. Manchmal soll man ja nur einen Tropfen dann nehmen von einem gewissen Öl. Beim anderen sind es dann 2 Tabletten, da kommt man ja auch schnell mal durcheinander. Wie groß siehst du die Gefahr der Überdosierung?
Jonathan Apasu 49:47
Also Überdosierung ist möglich bei gewissen Substanzen, insbesondere bei fettlöslichen Substanzen wie zum Beispiel Vitamin D. Das liegt daran, dass fettlösliche Supplements, die lagern sich dann im Körperfett ein und wird dann immer mehr, wenn man quasi überschwellig zuführt. Das heißt, da besteht ein Überdosierungsrisiko. Bei anderen Substanzen, die jetzt wasserlöslich sind, die werden dann durch den Urin auch relativ schnell ausgeschwemmt, dass da das Überdosierungsrisiko zwar vorhanden ist, aber jetzt nicht so hoch wie beispielsweise bei einem Vitamin D. Da würde ich aber sagen, wenn man damit beginnt mit der empfohlenen Menge auf dem Präparat drauf und dann mal nach ein paar Monaten nachmisst, wo man sich befindet, dann läuft man jetzt erst mal keine Gefahr aus meiner Sicht, das überzudosieren, sondern Man läuft eher die Gefahr, dass man unterdosiert unterwegs ist und kann dann aber im Nachgang, wenn man gesehen hat, okay, ich nehme jetzt quasi das ein, was empfohlen wurde, und ich befinde mich immer noch nicht im Optimalbereich, dann erst im Nachgang das Ganze so ein bisschen zu erhöhen. Das ist der richtige Weg. Aber ich würde es nicht empfehlen zu sagen, okay, komm, ich gehe jetzt mit der dreifachen Dosierung rein und dann schauen wir mal, wo ich stehe. Sondern man fängt niedrig an und schaut dann, dass man Stück für Stück erhöht, bis man sich dann im Zielbereich befindet.
Stephan Seiler 51:05
Gleich schauen wir uns genauer noch die Muskeln an. Ganz kurz möchte ich mit dir bei den Gewohnheiten verharren. Männer rauchen, Männer trinken, Männer essen recht viel. Das war so sehr fast aus dem Song von Herbert Grönemeyer entnommen. War ja früher schon eine recht typische Beschreibung des Lebensstils von vielen Männern. Das ist heute zum Glück anders. Aber ganz offen gefragt: Welche unterschätzten Gewohnheiten machen uns Männer langfristig kaputt?
Jonathan Apasu 51:35
Ja, also es ist möglich, dass Alkoholkonsum und Zigarettenrauchen rückläufig sind insgesamt. Da müsste man noch mal die Studien anschauen, wie sich das im Trend verhält. Aber grundsätzlich rauchen immer noch viel zu viele Männer und auch viel zu viele Männer trinken zu viel Alkohol, was natürlich auch als absolute Risikofaktoren für die Gesundheit, Lebenserwartung von uns Männern signifikant reduziert. Also ich glaube, auch da darf man sich nicht so täuschen lassen von dieser Longevity Bubble, die jetzt alle besonders gesund unterwegs sind, sondern ich glaube, der Großteil der männlichen Bevölkerung hat immer noch einen recht ungesunden Lebensstil. Ja, also Noxen, Giftstoffe, Rauch, Alkohol. Noxen? Genau, Noxen. Also es sind Giftstoffe, medizinisch, also Rauchen und Alkohol. Aber auch das ganze Thema Bewegungsmangel, sitzender Lebensstil. Das führt natürlich auch dazu, dass jetzt auch Übergewicht bei Männern ein total verbreitetes Problem ist und damit auch die Gesundheit negativ beeinträchtigt.
Stephan Seiler 52:37
Wie viele Drinks am Tag, wie viele Drinks in der Woche sind denn okay?
Jonathan Apasu 52:42
Also mittlerweile ist klar, dass es auf rein das körperliche Wohl bezogen keine unschädliche Menge Alkohol gibt. Ja, also es war ja früher, hat man gesagt, okay, man darf irgendwie bis zu 2 Bier am Tag oder ein Glas Wein pro Tag, ist noch irgendwie gesundheitlich gesundheitlich unbedenklich, da hat man jetzt mittlerweile Abstand von genommen und hat gesagt, wenn man sich rein die körperliche Gesundheit anschaut, gibt es keine unbedenkliche Menge an Alkohol, sondern Alkohol als Zellgift ist in jeder Dosierung, in jeder Frequenz schädlich. Auf der anderen Seite muss man aber auch sehen, dass das ganze Thema soziales Umfeld, mentale Gesundheit auch eine wichtige Rolle spielt. Und wenn es jetzt einem Mann irgendwie gut tut, seine Freunde zu treffen, auf 1, 2, 3 Bier, dann, solange das jetzt nicht jeden Abend erfolgt oder schon morgens beginnt, dann muss man natürlich auch irgendwo nicht ganz so dogmatisch sein und sagen, auf gar keinen Fall Alkohol trinken, sondern dann würde ich sagen, dass diese soziale Komponente, die natürlich auch extrem wichtig für Gesundheit und auch Langlebigkeit ist, in gewisser Weise dieses Risiko, dann 2 Bier die Woche zu trinken, überwiegen würde und ich dann sagen würde: Ja, okay, als Mann, wenn es für dich wichtig ist und auch sozial dir gut tut, dann mach das auch. Aber da macht auch die Menge das Gift.
Stephan Seiler 54:02
Als wenn Trinken dann nur in Gesellschaft wäre, Knirps.
Jonathan Apasu 54:06
Also, um das vereinfacht zu sagen, ist das schon mal eine ganz gute Näherung ans Zielbild. Also alleine zu Hause die Flasche Wein zu trinken vorm Fernseher, würde ich jetzt sagen, ist weniger gut, als sich mit Freunden zu treffen, und da gemeinsam eine Flasche Wein zu trinken. Ja, das als Faustregel. Genau, mit ganz dicken Daumen.
Stephan Seiler 54:26
Warum verlieren viele Männer ab 40, ab 45 überhaupt Muskelmasse?
Jonathan Apasu 54:31
Also auf der einen Seite ist das in gewisser Weise schon mit dem Älterwerden in Verbindung zu bringen. Ja, also man wird älter, die körperlichen Funktionen verändern sich ab einem gewissen Alter, aber in gewisser Weise hängt es auch schon mit dem Lebensstil zusammen. Ja, also viele Männer haben in ihrer Jugend sich bewegt, Sport gemacht, einen aktiven Lebensstil gehabt. Aber an dem Zeitpunkt, wo dann die berufliche Karriere überhandnimmt, vielleicht Familie Priorität bekommt, wird eben auf vieles verzichtet. Man macht seinen Sport nicht mehr, man bewegt sich deutlich weniger, man sitzt seine 8, 9 Stunden am Schreibtisch und das führt dann wiederum dazu, dass eben die Muskulatur leidet, weil solange sie nicht genutzt wird, ist der Körper da energetisch effizient und sagt, ich brauche das nicht mehr, ich baue jetzt hier ab. Und das führt natürlich dazu, dass vor allem dieser Lebensstil, der sich mit dem Älterwerden verändert, wiederum auch die Muskulatur weniger werden lässt. Wohingegen Männer, die jetzt auch ins hohe Lebensalter sportlich aktiv sind, ihr Krafttraining machen, auf eine hohe Proteinzufuhr achten, auch da ihre Muskelmasse deutlich, deutlich, deutlich besser erhalten können. Als Männer, die eben gar nichts mehr machen. Und das Gleiche gilt übrigens auch für die Testosteronwerte, die ja auch ab dem 30. Lebensjahr 1% pro Jahr fallen. Auch da, wenn man als Mann den richtigen Lebensstil führt und so glücklich ist, keine Co-Erkrankungen oder Begleiterkrankungen zu entwickeln, auch da kann man bis im hohen Lebensalter noch gute Werte haben, die wiederum dann auch zuträglich sind für eine gute Muskulatur.
Stephan Seiler 56:06
Wie viel Training reicht aus, damit ich keine Muskelmasse abbaue? Und mein Testosteronspiegel im Lot bleibt.
Jonathan Apasu 56:15
Genau, Training ist auf jeden Fall eine Komponente dafür. Ich glaube, zu sagen, dass überhaupt keine Muskelmasse abgebaut wird oder überhaupt nichts vom Testosteron verloren geht, ich glaube, das lässt sich nicht zu 100% vermeiden. Man kann das Ganze sehr stark verlangsamen und dann eben erst sehr spät in den Bereich kommen, wo man zu wenig Muskulatur hat. Also 100% vermeiden, das lässt sich nicht. Aber grundsätzlich würde ich sagen, mit 2 Trainingseinheiten die Woche ist man schon mal ganz gut aufgestellt. Aber auch da ist es schwierig, eine pauschale Aussage zu finden, weil das muss ja irgendwie— muss die Person, die jetzt trainieren möchte, der Mann, der jetzt Krafttraining machen möchte, um positiven Effekt auf seine Muskulatur zu haben, der muss da abgeholt werden, wo er steht. Wenn das jetzt ein Mann ist, der 5-mal die Woche Sport gemacht hat, sein ganzes Leben oder bis er 35 war, Dann kann er gerne da bei 4, 5 Einheiten weiter verbleiben, solange er eben kann. Aber wenn es jetzt ein Mann ist, der 40 Jahre alt ist, 45 ist und die letzten 20 Jahre kein Fitnessstudio mehr gesehen hat und auf keinem Sportplatz mehr war, da muss dieser Mann natürlich irgendwo anfangen, wo es in seine Lebensrealität passt und wo er auch nachhaltig dabei bleiben kann. Also da bringt es auch nichts, wenn er jetzt sagt, ich gehe jetzt 3-mal die Woche zum Sport und er macht das dann 3, 4 Wochen, hört dann wieder auf. Sondern der muss das eben zu einem Ausmaß und zu einer Frequenz und Belastung machen, die er eben auch langfristig aufrechterhalten kann.
Stephan Seiler 57:38
Und was ist da so das Mindestmaß? Mindestmaß? Ich habe Freunde, die sagen, sie machen jeden Tag 10 Minuten Krafttraining. Reicht das wirklich? Und als mal angenommen, ich wäre bereit, nur eine Übung zu machen, mehr dürfte ich nicht machen. Warum auch immer. Welche Übung würdest du uns und mir empfehlen?
Jonathan Apasu 57:57
Also die Menge an, also das Mindestmaß, um einen positiven Effekt auf die Gesundheit zu haben, das ist teilweise schon sehr, sehr klein. Ja, es gibt auch eine Studie, ich glaube, das waren Menschen, die wirklich wenig zu Fuß gelaufen sind, also wo man verglichen hat Leute, die überhaupt nicht zu Fuß laufen, und Menschen, die irgendwie um die 15 Minuten am Tag zu Fuß laufen. Und bei diesen Menschen natürlich über einen langen Zeitraum betrachtet hatte dieses, diese wenige Belastung, also ein paar Minuten zu Fuß zu gehen jeden Tag, schon positiven Outcome oder einen positiven Effekt auf die Gesundheit. Also das Mindestmaß, um einen Effekt zu verspüren, ist schon sehr gering. Aber letztendlich korreliert dann das Ergebnis schon irgendwo mit der Gesamtmenge der Belastung. Also da ist es schon ein bisschen so, viel hilft viel, wenn man es eben schafft, viel zu machen über längeren Zeitraum, dann maximiert man da auch irgendwo das Outcome insgesamt, den das Ergebnis insgesamt. Entschuldigung, dass ich übersetze. Schlechte Angewohnheiten.
Stephan Seiler 58:59
Wir bekommen immer wieder Rückmeldungen, auch dass wir immer mal wieder in englische Begriffe verfallen, was ja per se gar nicht schlimm ist. Aber einige kommen da einfach nicht mit. Die haben es einfach anders.
Jonathan Apasu 59:12
Ich finde das aber auch fair, da sich ein bisschen im Zaum zu halten, weil wir sprechen ja auf Deutsch und da, ich glaube, manche Anglizismen lassen sich nicht vermeiden. Aber bei vielen Begriffen gibt es ja auch gute deutsche Wörter und dann macht auch Sinn, die zu nutzen. Ich habe da tatsächlich auch schon paar Mal Ärger bekommen von Hörern von unserem Podcast.
Stephan Seiler 59:30
Ja, apropos Anglizismen, warum scheitern so viele Männer an den Gym-Routinen, an den Fitness-Routinen? Du hast eben schon gesagt, warum beginnt man mit irgendwas und bricht dann wieder kleinlaut ab nach Woche 2 oder 3?
Jonathan Apasu 59:45
Ja, also auch da, ich bin nicht der Experte dafür, aber in meinem eigenen Podcast spreche ich auch mit vielen Experten zu dem Thema, wie strukturiere ich mein Krafttraining, woran scheitern viele Männer. Und da kann ich jetzt ein bisschen wiederholen, was ich da beigebracht bekommen habe oder da gelernt habe, ist, dass halt viele Männer unterschätzen, wie komplex es teilweise sein kann, Krafttraining zu machen. Das Fitnessstudio, da geht man rein, wird man einmal eingewiesen von einem Trainer, von einer Trainerin, 10 Minuten, und dann wird man da alleine stehen gelassen und soll jetzt da die nächsten Jahre vernünftiges Training machen. Und das mag vielleicht funktionieren für Männer, die das mit jungen Jahren begonnen haben, sich da irgendwie eingefunden haben oder die halt besonders motiviert sind, sich da auch später noch einzufinden. Aber viele, viele sind da komplett überfordert. Die gehen da rein, wissen nicht, welche Übungen die machen müssen, stehen da verloren rum. Um sich herum sind Männer, die eben die letzten 15 Jahre im Gym waren, fühlen sich da vielleicht auch ein bisschen eingeschüchtert dadurch und haben dann da, nachdem sie sich 2-, 3-mal hingeschleppt haben, eine sehr schlechte Erfahrung gemacht und sagen so, das ist nichts für mich, habe da keine Lust mehr. Oder trainieren auch komplett falsch, haben vielleicht eine falsche Erwartungshaltung, was jetzt passiert, wenn man eben die ersten 2, 3 Trainingseinheiten gemacht hat. Und daran scheitern eben viele. Also falsche Erwartungshaltung, Unwissenheit, wie trainiert wird und ja auch so ein bisschen das Umfeld, in dem man trainiert und da auch ein falsches Umfeld sich geschaffen hat.
Stephan Seiler 61:15
Muss ich meinen Freundeskreis erst mal wechseln? Wenn mein Freundeskreis aus Kiffern besteht, sollte ich dann die eintauschen gegen einen Fitness-Freundeskreis?
Jonathan Apasu 61:23
Hat es auch mit dem regelmäßigen, oder man nimmt sich gemeinsam vor, was zu verändern, und macht dann eine Challenge draus, ja, oder man macht dann Wettbewerb draus gemeinsam und findet da zusammen zum Ziel, ins einer besseren, ja, genau, Lebensstil. Und das finde ich auch, vielleicht hast du da einen Tipp, oder vielleicht gibt's da vielleicht von Hörern Ideen, wie man gerade in so Männerfreundschaften so das Thema Gesundheit auch mehr etablieren kann, ja. Weil was du gesagt hast, teilweise ist auch auch schwierig, das da einzubringen. Wenn man dann als Einzelner anfängt, da irgendwie komplett was anders zu machen, dann entfernt man sich auch so ein bisschen von dem Freundeskreis. Da auch die Frage: Wie schafft man es in so Männerfreundschaften, da auch das Thema Gesundheit mehr einfließen zu lassen und das auch insgesamt besser einzubringen?
Stephan Seiler 62:10
Ich habe gerade die Erfahrung gemacht in meinem Freundeskreis, dass es wirklich eigentlich oftmals nur einen Stein des Anstoßes braucht. Also ein Vorbild braucht auf dass das quasi voranschreitet, so ein Stück weit. Und dann muss ich vielleicht am Anfang ein paar Sprüche gefallen lassen, aber dann hat es auch eine gewisse Strahlkraft. Wahrscheinlich nicht auf jeden in der Clique, aber doch auf einige. So ist es ja bei den ungesunden Dingen auch. Früher hat auch jemand angefangen, war der Erste, der mit dem Moped rumgeschraubt hat, und dann hat es der halbe Freundeskreis gemacht. Mir immer unverständlich gewesen, aber so war es. Und mit Musik oder Hip-Hop, Techno etc. war es ja auch so. Irgendjemand war so der Türöffner, oder? Wie ist deine Erfahrung?
Jonathan Apasu 62:49
Doch, doch, du hast recht. Also es ist schon so, dass einer der Türöffner ist. Aber ich glaube, gerade wenn wir jetzt wieder bei diesen Rollenbildern sind, die wir Männer irgendwie intus haben, dass es vielleicht einfacher, wenn man der ist, der jetzt mit Motorradfahren anfängt und da irgendwie seine Risikobereitschaft und so weiter zur Schau stellt im Freundeskreis, als der, der sagt, ich habe jetzt übrigens hier diese neue Gesundheitsroutine und Ich habe es da im Spiel gemacht.
Stephan Seiler 63:14
Voll gute Maßnahme.
Jonathan Apasu 63:16
Genau richtig. Ich glaube, das ist ein bisschen schwieriger, das dann sozusagen im Freundeskreis einzubringen. Aber da in gewisser Weise ein Umdenken zu beginnen und für die ersten Mutigen das zu, wie sagt man, zu motivieren, ist, glaube ich, schon eine gute Sache.
Stephan Seiler 63:32
Liebe Männer und auch liebe Frauen. Ich bin mir sicher, es haben auch einige Frauen zugehört. Das war Teil 1. Unseres Interviews mit Dr. Jonathan Apasu zum Thema Männergesundheit. Heute ging es ja vor allem um Testosteron und Muskeln. Nächste Woche geht's weiter, dann wollen wir uns verstärkt über andere Themen unterhalten, die den Mann betreffen, wenn er älter wird. Egal ob er 40 ist, 50 ist, 60 ist, 70 ist, mir egal, ob Kapieren durch jedes Lebensjahrzehnt. In der kommenden Woche schaltet wieder ein. An dieser Stelle vielen Dank fürs Zuhören, ihr Lieben. Wenn ihr uns Kritik dalassen möchtet, wenn ihr Wünsche, Feedback, Fragen oder auch Kritik habt, dann schreibt uns, schickt uns Kommentare. Wir lesen das alles durch, versprochen, und wir freuen uns wenn ihr nächste Woche wieder einschaltet. Macht's gut, bis dahin. Das war Die Sache mit dem Älterwerden, der Podcast mit Brigitte Huber und Stephan Seiler.
Brigitte Huber 64:44
Vielen Dank an Leo Ebert-Glang für die Titelmelodie, das Sounddesign und den Schnitt, und an Alina Zawalisch für die Covergestaltung. Die Sache mit dem Älterwerden erscheint mittwochs auf allen gängigen Podcastplattformen.
Stephan Seiler 64:57
Folgt uns, abonniert uns, dann verpasst ihr keine Folge.
Brigitte Huber 65:01
Und empfehlt uns bitte weiter, das würde uns sehr freuen.
Stephan Seiler 65:06
Wenn ihr uns Feedback schicken möchtet, egal ob positiv oder negativ, oder wenn ihr Themenvorschläge für uns habt, schreibt uns eine E-Mail, eine Textnachricht oder Sprachnachricht auf unserem Instagram- oder Facebook-Kanal.
Brigitte Huber 65:18
Alle Infos findet ihr auch schriftlich zu dieser folge in der Zusammenfassung in eurem Podcast Player.
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Folge
38
·
68 Min.
Mit
Jonathan Apasu
Wieso gilt der Penis als die Antenne des Herzens?
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