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64 Min.

Wie bringen wir mit Ritualen Halt in unser Leben? Wann werden Routinen zum Käfig?

„Wie wir unsere Tage verbringen, so verbringen wir letztlich unser Leben.“ In dieser Folge von Huber & Seiler geht es ans Eingemachte: Sind wiederkehrende Abläufe nur notwendige bis lästige Automatismen oder das geheime Gerüst für ein zufriedenes Älterwerden?

Lebensgestaltung

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Während Stephan erstmal seine beeindruckende 14-Punkte-Morgenroutine präsentiert, zieht Brigitte die Grenze zwischen Routinen und Ritualen.

„Wie wir unsere Tage verbringen, so verbringen wir letztlich unser Leben.“

In dieser Folge von Huber & Seiler geht es ans Eingemachte: Sind wiederkehrende Abläufe nur notwendige bis lästige Automatismen oder das geheime Gerüst für ein zufriedenes Älterwerden? Während Stephan erstmal seine beeindruckende 14-Punkte-Morgenroutine präsentiert, zieht Brigitte die Grenze zwischen Routinen und Ritualen.

Wir diskutieren über verbindende Partnerschaftsrituale und trennende Routinen, über Barack Obamas Anzüge und kleine Gesten, die uns Halt geben. Zudem wagen wir uns an die ganz großen Fragen: Würden wir unsere Ungeduld oder unser ADHS wegzaubern lassen, wenn eine Fee käme? Eine Folge über die Macht der Wiederholung, die Erkenntnis, dass das Leben kein Vorspiel ist, und die Tücken, die im Einräumen von Geschirrspülmaschinen lauern.

Kapitelmarken

  • 00:00 Intro: Das Zitat von Annie Dillard und das Leben als Theaterstück

  • 01:54 Stephans 14-Punkte-Plan: Von heißem Wasser bis zum Ordnungsprinzip

  • 10:39 Routine vs. Ritual: Wo das Herz und die Aufmerksamkeit wohnen

  • 11:32 Gut gegen Stress und in Übergangsphasen: die gesunde Kraft der Rituale,

  • 12:42 Rituale zu zweit: Partner-Check-ins und die „Spülmaschinen-Challenge“

  • 21:26 Die Rolle des Körpers

  • 25:04 Routinen statt unnötiger Entscheidungen: Was wir von Obama & Co lernen können

  • 28:36 Eine Minute gegen Lampenfieber

  • 36:37 Kleine Fragen, große Fragen: Max Frisch und das Schicksal der Menschheit

  • 45:42 Absurd unwichtig: Rückblick mit Kopfschütteln

  • 48:58 Die Feen-Frage: Über ADHS, Ungeduld und die Akzeptanz des „Gesamtpakets“

  • 55:41 Unsere Premieren

  • 1:01:05 Ausblick auf die nächste Folge mit Sextherapeutin Ann-Marlene Henning

Transkript zur Folge

Brigitte Huber 0:00
Wie wir unsere Tage verbringen, so verbringen wir natürlich letztlich unser Leben. Stephan, was passiert da mit dir?

Stephan Seiler 0:10
Zählt da jeder einzelne Tag? Es gibt nämlich so ein paar Tage, die nicht unbedingt stellvertretend sein sollten.

Brigitte Huber 0:17
Reuspa, Reuspa, Reusbahr, Reusbach. Das ist ein Zitat von Annie Dillard, das ist eine Dichterin, hat einen Pulitzer Preis gekriegt. Ja, und worauf sie abzielt? Was denkst du, worauf sie abzielt?

Stephan Seiler 0:32
Vermutlich auch so was wie ein neues Leben oder ein besseres Leben durch Rituale, feste Routinen oder ähnliches zu entwickeln vermutlich. Oder dass man immer wieder das Gleiche tut und dadurch am Ende woanders ankommt, möglichst an einem besseren Ort, als ohne die kleinen Schritte.

Brigitte Huber 0:53
Ja, und vielleicht auch, dass wir uns nicht vormachen sollten, es gäbe irgendwann mal den Punkt X, an dem wir anderes Leben führen, sondern so wie wir unsere Tage verbringen, verbringen wir letztlich unser Leben. Heiß aufs Hier und Jetzt gesehen. Auch die Routinen und die Wiederholungen, die wir in unserem Leben haben, sind unser Leben. Und es ist auch nicht irgendwie ein Vorspiel, sondern es ist das Theaterstück.

Stephan Seiler 1:17
Also wir sind quasi die Summe jener Dinge, die wir ständig tun in der Wiederholung. Brigitte, meinst du das?

Brigitte Huber 1:24
Zumindest ist es ein großer Teil unseres Lebens.

Stephan Seiler 1:27
OK, ich habe den Eindruck, das wird heute wieder eine besonders deepe Folge. Ja, ganz viel Erkenntnisgewinn.

Brigitte Huber 1:36
Ja, ich würde mal sagen, Hallo, ich.

Stephan Seiler 1:38
Bin Brigitte Huber, ich bin Stephan Seiler und das ist die Sache mit dem Älterwerden.

Brigitte Huber 1:54
Und heute soll es gehen um Routinen und Rituale. Bist du jemand, der gern Routinen hat? Und bewusst? Vielleicht fangen wir erst mal mit den Routinen an.

Stephan Seiler 2:05
Ich habe jede Menge Routinen seit ein paar Jahren und freue mich auch meistens darüber. Manchmal können sie aber einem auch ein bisschen Angst einflößen aufgrund der Maße. Darf ich dich mal durch meine Routine durchführen? Vielleicht komme ich da bitte.

Brigitte Huber 2:21
Die Zeit nehme ich mir. Also es kommt darauf an, wie viel es sind.

Stephan Seiler 2:24
Ich habe einige Routinen seit ein paar Jahren entwickelt, die mir tatsächlich so ein bisschen Halt geben am Morgen, weil früher bin ich immer so reingestolpert in die Tage und hab dann manchmal mit ganz viel Vorlauf Zeit vertrödelt oder aber bin mit zu wenig Vorlauf dann in die ersten richtigen beruflichen Termine reingegangen und dachte, dieses und jenes hätte mir vielleicht auch noch gut getan, um vielleicht noch ein bisschen ein bisschen ruhiger, mit einer größeren inneren Ruhe und oft mit einer größeren inneren Zuversicht, dass das alles gut laufen wird, hätte starten können. Und dann habe ich mir vor zehn Jahren so die eine oder andere Routine angewöhnt. Das begann mit der Meditation, einmal am Tag zu meditieren, am besten morgens. Das hat mein Gehirn aufgeräumt und das fühlt sich einfach gut an. Und dann kamen immer mehr andere Routinen dazu. Und jetzt habe ich quasi so ein richtiges kleines Ordnungsprinzip mir erstellt und an das halte ich mich meistens. Es gibt dann auch mal wieder Ausreißer, umfasst bei mir aber morgens 14 Punkte. Ich weiß nicht, ob du 14 Gib.

Brigitte Huber 3:32
Uns die Top 3 nach der Meditation.

Stephan Seiler 3:35
Das sind auch so niedrigschwellige Dinge wie so was wie für mich ist ganz wichtig, morgens aufzustehen, erst mal Wasser zu kochen. Also erster Gang Wasser kochen, Zähneputzen, Bett machen ist für mich wichtig. Bettmachen ist ja schon so eine Routine, bei der sich die Geister scheiden. Für manche ist das wirklich Lebenszeitverschwendung, für andere ist das unfassbar wichtig. Mir tut es gut, da so quasi ein ordentlich gemachtes Bett zu sehen. Minze und Ingwer aufgießen, Apfel, manchmal Obst und Nüsse in Schalen füllen, dich vorzubereiten.

Brigitte Huber 4:03
Okay, also für dich ist Frühstück machen. Genau, ist auch eine Routine einfach, klar.

Stephan Seiler 4:07
Ja, genau. Wobei ich das dann später so wegsnacke. Und eine richtige Routine für mich ist heißes Wasser trinken, morgens eine Tasse heißes Wasser trinken, danach dann mit Minze und Ingwertee weiterzumachen. Das klingt so trivial, aber für mich dieser Prozess des Kochens, morgens das Wasser kochen, das kennen vielleicht auch Kaffeetrinker und Trinkerinnen sehr gut, dass das ja auch schon quasi einem das Gefühl gibt, von da ist alles in Ordnung, ich habe.

Brigitte Huber 4:33
Mein Leben begonnen, du bist im Tag angekommen.

Stephan Seiler 4:35
Richtig, richtig. Und dann gibt es noch so ein paar Routinen, die mir immer wichtiger geworden sind. Vielleicht kommen wir dazu auch noch mal später tiefer eingehen, zum Beispiel das 6 Minuten Tagebuch zu schreiben, 3 Minuten morgens, 3 Minuten abends auszufüllen. Es werden so paar Fragen gestellt, da können wir noch mal dazu kommen. Oder aber auch das Meditieren morgens. Ich lese morgens auch gerne schon ein paar Seiten in meinem Buch oder in einem Buch. Und bewegen ist für mich auch morgens gut und sinnvoll. Es gibt auch so ein 7 Minuten Programm, Workout Programm, das ich gerne mache. Und danach erst fange ich an, mir die Termine und Aufgaben des Tages anzuschauen, zu duschen und dann noch so Tageslektüre zu machen. Und am allerliebsten, ich lache deswegen, weil.

Brigitte Huber 5:19
Ich überlege jetzt gerade, sprechen wir über Stunden oder gar schon über Tage.

Stephan Seiler 5:23
Die Morgenroutine in einer perfekten Welt sind zwei Stunden morgens und ich weiß, es ist ein Investment, aber wenn ich das gemacht habe, dann ist alles danach für mich angenehmer. Es gibt da noch so einen Punkt, über den wir vielleicht gleich reden können, die Morning Pages zu schreiben, habe ich auch ausprobiert und finde großen Gefallen daran. Und wichtig ist für mich, dass ich möglichst in den ersten zwei Stunden des Tages das Telefon gar nicht richtig benutze, sondern erst danach richtig loslege. Und ich weiß aber auch, du meldest dich schon. Ich halte jetzt gleich die Klappe, dass das wirklich auch fordernd und überfordernd sein kann. Auch für mich. An manchen Tagen ist es nicht machbar, aber es tut total gut, das zu haben und darauf zurückgreifen zu können.

Brigitte Huber 6:02
Ich glaube, es ist an der Stelle jetzt ganz wichtig, dass wir unterscheiden einmal zwischen Routinen und Ritualen.

Stephan Seiler 6:09
Ja, wo ist der Unterschied?

Brigitte Huber 6:10
Weil Routinen sind natürlich auch das, was teilweise überhaupt nicht mehr unter unseren Bewusstseinsschirm läuft. Also ich sag mal Zähneputzen oder in Wahrheit, bei mir wäre es tatsächlich auch so, deswegen finde ich das ganz spannend, Wasser aufsetzen für einen Tee ist für mich so eine Routine, die ich fast unbewusst mache. Und in Wahrheit helfen uns die Routinen ja quasi nicht jedes Mal alles neu zu starten und neu zu denken, sondern Dinge zu automatisieren und unseren Geist und du nix. Genau, unseren Geist zu entlasten. Routinen geben uns eher Struktur und erleichtern uns die Planung und die Orga, weil Dinge immer ähnlich laufen. Und bei Ritualen ist es dann so, dass in der Regel schon nach Emotion dann dabei ist und wir was Besonderes damit verbinden. Gehst du den Weg mit?

Stephan Seiler 7:02
Da würde ich total mitgehen. Aber für mich ist am Ende doch, das sind dann zwei Zutaten der gleichen Suppe für mich. Ich habe dann beide, geben mir einfach Halt und versüßen mir den Start in den Morgen. Ich habe dazu ja, dazu kann man ja auch noch die ganzen Pflegeroutinen nennen, die es ja auch noch gibt in den ganzen Sera, also Retinol hier und Vitamin C da oder was auch immer. Das ist ja auch für viele Menschen quasi eine Art, am Tag anzukommen, sich schön zu machen, sich gut zu fühlen, vielleicht auch da was für die Gesundheit, Schrägstrich Langlebigkeit, Schrägstrich vielleicht auch für die eigenen Neurosen zu tun. Auch das ist ja möglich. Aber damit das Gefühl zu haben, so jetzt bin ich gut ausgestattet, ausgerüstet, so kann ich mich sehen lassen, so kann ich jetzt hier den Podcast gehen mit Brigitte und dabei einigermaßen menschenwürdig fühlen.

Brigitte Huber 7:50
: Und was wäre dann für dich jetzt ein Ritual in Abgrenzung zur Routine?

Stephan Seiler 7:54
Ein Ritual ist für mich dann tatsächlich vielleicht so was wie das Minuten Tagebuch auszuführen.

Brigitte Huber 8:00
Genau.

Stephan Seiler 8:00
Okay, das finde ich ganz, ganz toll. Da werden Fragen gestellt, so Fragen wie, worauf freust du dich heute oder wofür bist du dankbar, was war gerade toll an diesem Tag? Und das allein zu reflektieren, das sorgt für einen großen Zugewinn an Zufriedenheit, weil man dann auch wieder Dinge sieht, die man sonst vielleicht nicht gesehen hat und sich das noch mal bewusst machen, dass nicht alles schlecht war am Tag. Kennst du es auch? Machst du es auch?

Brigitte Huber 8:21
Ich habe in Vorbereitung auf dieses Gespräch heute auch überlegt, was ich für Routinen habe und was für Rituale. Und ich finde auch manchmal ist die Trennschärfe gar nicht so klar. Ich würde sagen, ich habe sehr viele Routinen. Klar, ich Zähneputze und ich mache daneben irgendwelche Übungen für meinen Halux oder sonst irgendwas. Das würde ich nicht als Ritual durchgehen lassen, weil es emotional überhaupt nicht aufgeladen ist. Wenn ich es aber schaffe, das mache ich nicht immer, aber manchmal, dass ich nach dem Aufstehen gezielt zum Fenster gehe, das aufmache und und versuche bewusst den Tag zu begrüßen, da muss ich auch einigermaßen gut drauf sein, dass mir das gelingt und manchmal auch das Wetter entsprechend, dann wird es zum Ritual.

Stephan Seiler 8:59
Also ganz weit aufreißen.

Brigitte Huber 9:00
Ja, ich mache es dann weit auf. Ich gucke mir den Baum an, der ist momentan natürlich eher, also da ist kein Blatt und kein gar nichts und das ist jetzt auch nicht so sparkling, was dahinter ist, halt eine kleine Straße, aber trotzdem, das habe ich irgendwie mitgenommen, mal aus irgend so einer Ayurveda Geschichte bewusst mich auf diesen Tag einzulassen. Das wird dann in Richtung Ritual gehen. Ich mache auch jeden Tag Meditation, das würde ich auch eher in Richtung Ritual gehen und bei mir ist tatsächlich Ritual dann der heißersehnte erste Kaffee, wobei ich dann auch versuche, dass ich in der Zeit keine Routinen erledige, wie zum Beispiel Mails oder nochmal ins Handy reinschauen. Das würde ich jetzt zum Beispiel, versuche ich das zumindest. Ich merke dann, dass es so reflexhaft dann doch immer meine Hand sich rauswagt, um das Handy zu grabschen. Aber dann denke ich mir, nee, du wolltes jetzt eigentlich diese Zeit für dich und so weiter. Und ich fand das jetzt auch noch mal ganz spannend, auch im Vorfeld für das Buch, das ich geschrieben habe. Da ging es einfach auch darum, das was du machst mit deinem Dankbarkeitstagebuch, geht da total in die richtige Richtung. Dass uns Rituale tatsächlich auch total helfen. Also das ist von der Forschung, da gibt es einen guten Forscher, der an der Harvard Business School ist, Michael Norton, und der eben sagt, das ist stresslindernd, das gibt uns auch Sicherheit, das kann uns auch helfen in Übergängen. Also wenn zum Beispiel schwierige Lebensübergänge sind, sind Rituale etwas, was uns da definitiv hilft. Und dann eben auch, und das finde ich auch ganz spannend, Rituale mit anderen, zum Beispiel Rituale in der Partnerschaft. Hast du Rituale mit anderen Menschen auch?

Stephan Seiler 10:39
Ja, ich habe ein Ritual mit einem Freund von mir. Wir schreiben uns immer Nachrichten, wenn wir auf der Uhr 11 Uhr 11 oder 22 Uhr 22 sehen. Hintergrund ist, schöne Grüße an Basti. Uns ist beiden aufgefallen, dass wir überdurchschnittlich häufig auf die Uhr gucken, Wenn die Uhr 11 Uhr 11 oder 22 Uhr 22 anzeigt, dass uns das immer wieder aufgefallen ist. Wir haben uns gleichzeitig darüber, fast gleichzeitig darüber unterhalten, doch gleichzeitig darüber unterhalten, weil uns fast gleichzeitig aufgefallen ist, dass das immer wieder passiert. Und ihr denkt natürlich nur, uns passiert das sonst niemandem da draußen. Und jetzt schreiben wir uns immer, wenn das passiert, genau nur die Uhrzeit in der Signal Message und 11 Uhr 11 22 22 und denken dadurch aneinander. Und jedes Mal, wenn ich die Nachricht bekomme, freue ich mich und ich glaube, er freut sich auch. Und das ist so ein ganz tolles Verbundenheitsritual, was wir da geschaffen haben. Eigentlich total Banane, aber fand ich es gut.

Brigitte Huber 11:32
Das finde ich auch total. Also man schafft dadurch auch Nähe und Vertrautheit letztlich auch. Und das ist natürlich dann auch wieder stabilisierend in Partnerschaften, während das die Routinen ja nicht unbedingt sind. Aber ich habe zum Beispiel ein Ritual meistens mit meinem Partner. Wir wohnen ja nicht zusammen und in der Regel sehen wir uns immer rituell am Dienstagabend und dann kommt er zu mir und dann setzen wir uns in aller Regel zuerst bei mir auf die Couch mit irgendeinem Getränk oder so, das aber egal was, also kann noch ein Tee sein, kann aber auch eine Weissweinschale sein und erzählen uns quasi, was die letzten zwei Tage passiert ist. Eigentlich nicht nur das, sondern wir sagen ganz häufig, was war entweder dein Highlight der letzten zwei Tage oder so dein Pain Point, also auch so ein bisschen fokussiert. Und das hat sich bei uns ganz gut etabliert. Also dann wird das auch gleich von Anfang an so zur Quality Time, während ich das ansonsten natürlich auch kenne. Wenn man in Partnerschaften zusammenwohnt, ist das ja manchmal schwieriger herzustellen, sondern da sind die Routinen, die sich quasi die Hand geben permanent. Und ob da doch recht viel mehr Nähe entsteht, weiß ich nicht. Eher nicht.

Stephan Seiler 12:42
Spannend, dass du das sagst mit der Partnerschaftsroutine. Das ist ja quasi noch mal so wie so ein Spezialgebiet der Routinen. Und da habe ich auch gelernt, dass es sich lohnen kann als Paar, egal in welcher Phase man da gerade ist, sich solche Rituale, Routinen drauf zu schaffen zu etablieren. Ich weiß nicht, ob ich es hier schon mal erzählt hatte, aber ich hatte dieses Ritual in Erinnerung. Das geht nicht aus dem Kopf, dass man ein älteres Paar genannt hatte. Die treffen sich einmal im Monat sonntags zum Kaffee und Kuchen und dann fragen sie Hubert, Gisela, wie auch immer sie heißen, magst du auch den nächsten Monat mit mir verbringen, um sich immer wieder quasi, wir sind schon seit 50 oder 60 Jahren zusammen, aber immer wieder zu versichern, dass das ja alles auch freiwillig ist, dass man sich auch in den kommenden vier Wochen wieder aufeinander einlässt Und sich das quasi zuzurufen und einmal so zu benennen, kann eine tolle Kraft entfalten. Und das mache ich mit meinem Partner jetzt manchmal eher so scherzhaft.

Speaker C 13:43
Ja, ich wollte sagen, vielleicht kriegt man manchmal eine Antwort, mit der man gar.

Brigitte Huber 13:46
Nicht so gerechnet hat.

Stephan Seiler 13:47
Richtig. Aber was ich auch noch gelernt habe, was wir jetzt auch manchmal machen, ist, dass wir solche, das klingt so unsexy, sure, fix, aber quasi so Partnerschafts Check in machen, wo man sich wirklich für verabredet, dass da ein Termin im Kalender, da geht es nicht um Romantisches, sondern geht es einfach darum, Dinge, die einem aufgefallen sind, die jetzt niedrigschwellig sind oder die man vielleicht auch einfach mal besprechen möchte, in einem Raum zu einem am anderen aufgefallen sind oder an der Beziehung oder überhaupt an dem ganzen Partnerschaftsgewese gibt es ja immer so kleine Dinge. Das können auch so Dinge sein, du hast jetzt fünfmal die Spülmaschine anders eingeräumt, ich fantasiere jetzt aber sowas.

Brigitte Huber 14:28
Das ist leider gar nicht fantasiert, weil das habe ich aus dem Buch mit von dem Michael Norton damals mitgenommen, dass wenn zum Beispiel Paare unterschiedlich die Spülmaschinen einräumen, also wenn man da unterschiedliche Routinen hat, dass das teilweise zu katastrophalen Verwerfungen führen kann und bis hin zu der Meinung, bis hin zu der Meinung, dass der eine der andere das einfach nicht schnallt, wie so was richtig geht und sich das dann quasi auf die ganze Persönlichkeit erstreckt, dieser Vorwurf. Also das fand ich so ein bisschen krass. Aber unterschätzt man die Spülmaschine nicht?

Stephan Seiler 15:01
Was für eine Spülmaschineinräumerin? Bist du die Chaotin oder die ich.

Brigitte Huber 15:06
Jetzt zum Beispiel auch, wenn man getrennte Wohnungen hat, ganz gut, mein Partner und ich sind da sehr, sehr unterschiedlich, meiner auch nicht. Er erwartet dann ehrlicherweise, dass er sich so meiner Ordnung, weil die hat Gründe. Also meine Spülmaschine ist nicht so super, das heißt, man darf die Sachen nicht zu eng legen, er legt sie aber immer sehr eng und dann muss ich manchmal aufpassen, dass ich sie danach nicht wieder weiter auseinanderlege. Manchmal bitte ich ihn einfach das zu bedenken, während dann mein Sohn, wenn der da ist, der möchte immer zwischen den verschiedenen Sachen einen Sicherheitsabstand von 2 cm oder so lassen, das ist dann das andere Extrem. Und dann fühle ich mich natürlich in der Mitte komplett richtig und wohl alles richtig gemacht. Also diesen kleinen Ausflug zu Routinen, die nicht unbedingt partnerschafts oder familienstärkend sind, sondern durchaus auch irgendwie so negativen Beigeschmack erzeugen können. Aber ich habe auch von ein Paar gehört, von einer Paartherapeutin mal, dass egal wie schwierig es momentan ist bei denen, dass sie sich morgens, bevor sie aufstehen einmal umarmen und zwar wirklich so für eine längere Zeit, um diesen Körperkontakt zu haben. Das wäre für mich vielleicht an der einen oder anderen Stelle dann schon grenzwertig. Und dann muss man auch überlegen, wann.

Stephan Seiler 16:22
Magst du nicht so Körperkontakt?

Brigitte Huber 16:24
Doch, doch, das schon. Aber Rituale haben ja nicht nur Gutes. Sie dürfen zum Beispiel nicht zwanghaft werden. Also wenn man etwas immer wieder durchzieht, obwohl eigentlich einem gar nicht danach ist, dann sollte man das, glaube ich, schon hinterfragen, oder?

Stephan Seiler 16:40
Ja, klar, natürlich. Wenn es so laufen würde, dass man sich danach schlecht fühlen würde, wenn es dann mal nicht klappt, so im Sinne von, wenn ich morgens nicht meine Beauty Routine erledigen kann und nicht mein Tagebuch schreiben kann, dann ist das ein verlorener Tag. Das wäre, glaube ich, nicht gesund. Ich habe ja eben diese Routine skizziert von mir, aber es gibt ganz viele Tage, da kann ich das nicht so einhalten. Wenn ich morgens um 6 Uhr zum Flughafen muss oder einen Zug erwischen muss oder wichtige Termine einfach stattfinden, die nicht zulassen, dass ich vorher zwei Stunden Zeit habe, dann muss ich da kürzen und kann ich mich ja nicht selbst hassen dafür. Dann wäre kontraproduktiv.

Brigitte Huber 17:13
Ne, das ist auch ganz schlau. Und ich glaube, was zum Beispiel ja auch die Routine vom Ritual unterscheidet, ist die Aufmerksamkeit. Und wenn du merkst, du hast jetzt überhaupt nicht den Sens für die Aufmerksamkeit und du musst dich zwingen, das glaube ich, ist schon ein Alarmsignal. Oder wenn es dann einfach schon so sinnentleert ist. Also ich sage jetzt mal der obligatorische Morgen Verabschiedungskuss, den du aber gar nicht mehr spürst oder denkst oder fühlst und nachher auch gar nicht mehr weiß, habe ich es jetzt gemacht oder nicht, dann wird es vielleicht Zeit, entweder das Ritual zu überdenken oder andere Dinge. Keine Ahnung. Also es heißt ja noch lange nichts, Es heißt ja noch lange nichts Negatives, Aber dass das irgendwie schon wirklich auch noch mit Herzen und Bewusstsein das Ganze passiert, ich glaube, das ist schon wichtig.

Stephan Seiler 18:00
Ja, das ist, glaube ich, auch vor allem, wenn man dann morgens fünfmal den Bus verpasst, weil man den Partner oder die Partnerin noch mal kurz knutschen wollte, dann erzeugen sie sicherlich auch schlechte Emotionen. Ich kann aber sehr bestätigen, dass dieses Begrüßen, dieses, wenn der Partner die Partnerin reinkommt, auch wenn Freunde kommen, dass man sie quasi bewusst begrüßt, dass ich dann wirklich nicht das nicht so wie früher manchmal, dass ich dann noch am Laptop sitze und Hallo, ja, hallo, ich bin noch hier, sondern dass man zur Tür geht, Aufmerksamkeit schenkt, einen Empfang macht, kurz die Person in den Arm nimmt, darüber auch quasi auch Botschaften austauscht, ein Gefühl des Ankommens generiert, womöglich aber auch selbst positiv aufgeladen. Das habe ich wirklich, das kann ich jedem empfehlen. Das ist eine ganz kleine Kleinigkeit, aber das hat mir wirklich sehr viel im Leben erleichtert. Auch der ganze Flow der folgenden Stunden ist dann anders. Du hast dann gleich so quasi eine ganz positives Fundament gelegt, finde ich so durch solche kleinen Maßnahmen finden, finde ich.

Brigitte Huber 18:57
Total wichtig den Hinweis.

Speaker C 18:58
Also bei mir ist es auch so.

Brigitte Huber 18:59
Wenn ich Leute treffe, vor allem wenn die mir relativ nah sind und ich sehe sie häufiger, dass es dann schon passieren kann, dass ich noch in meinem Gedanken drin bin, vielleicht auch ein Gedanke, den ich gleich dem Gegenüber loswerden will und der hat noch nicht mal oder die hat noch nicht mal die Schuhe ausgezogen oder sich noch nicht mal hingesetzt im Café, dann sage ich dir du, was mir überhaupt schon die ganze Zeit umgeht. Und da versuche ich das momentan auch Erstmal ankommen, den anderen wahrnehmen, hinsetzen und hey, wie geht es dir denn eigentlich oder was auch immer. Ernst gemeint natürlich dann. Und das finde ich schon ganz schön. Und ich glaube auch, dass tatsächlich da auch dieses den Körper mit verhaften, also den Körper beteiligen lassen an der Situation, sich hinstellen, den anderen anschauen, anlächeln, dass das schon auch dazugehört. Also nicht nur über die Stimme, sondern tatsächlich das ganze Paket, das ganze Stephan Seiler Paket.

Stephan Seiler 19:54
Ganz genau. Aber das ist auch so eine Sache, warum wird sowas nicht in der Schule gelernt?

Brigitte Huber 19:58
Also manchmal frage ich mich so, was sollen wir da noch alles lernen, dass.

Stephan Seiler 20:02
Das so viel mehr im Leben besser läuft, wenn man sich diese 5, 6, 10 Sekunden am Anfang nimmt. Also das, das frage ich mich manchmal, aber ich bin dankbar, dass ich dann doch selbst rausgefunden habe und ich möchte auch gerne sagen, vielleicht siehst du das auch anders, aber ist das für dich am Ende so eine Optimierungsstrategie oder ist das oder ist das quasi Respekt auch Selbstrespekt für dich mehr die Sache mit den Routinen und den Ritualen?

Speaker C 20:29
Also ich denke Wie immer im Leben gibt es links und rechts, ich sage mal, Gefahrenstellen.

Brigitte Huber 20:35
Und auch bei Routinen, wenn die überhand nehmen, kann das zu so einer Selbstoptimierungskiste werden. Und dann kann unter Umständen sogar noch die Belohnung, die ich mir verordne, auch.

Speaker C 20:46
Noch so ein richtiger Teil des Programms werden. Und dann wird es schon mal gefährlich in meinen Augen. Also gefährlich ist vielleicht ein zu großes Wort, aber dann ist der Grundcharakter, das, was uns Routinen und auch vor allem Rituale geben können, so ein bisschen in Gefahr, weil sie uns Sicherheit geben, dass sie uns stärken. Wenn wir dann zu stark zum Beispiel in diese Selbstoptimierung gehen, da wäre ich schon vorsichtig und schon auch immer wieder hinschauen. Ich finde, es gibt ja so schöne kleine Rituale. Also für mich gehört es zum Beispiel im Winter dazu, in dem Moment, wo ich anfange, Kerzen anzumachen, anzuzünden.

Brigitte Huber 21:23
Das ist in Wahrheit so ein Feiersignal.

Speaker C 21:26
Und da ist auch wieder mein Körper dabei. Ich gehe da rum und suche und überlege, welche mache ich dann heute an und so weiter. Das heißt nicht, dass ich danach gar nichts Berufliches mehr mache, aber in Wahrheit.

Brigitte Huber 21:36
Bin ich in diesem entschleunigten Teil des Tages angekommen.

Speaker C 21:40
Oder das weiß ich auch von anderen.

Brigitte Huber 21:42
Die sich bewusst umziehen, wenn sie nach Hause kommen.

Speaker C 21:44
Das muss ich ja seltener, weil ich.

Brigitte Huber 21:46
Nicht mehr im Büro bin, wo du.

Speaker C 21:47
Wirklich den Körper auch mitnimmst. Und so jetzt raus aus diesen etwas engeren, schicken Klamotten und es wird jetzt ein bisschen legerer. Das sind so Feierabendrituale, glaube ich, die unserem Körper und dann mit unserem Geist auch das Signal Hey, jetzt wird's easier. Und die mag ich gerne. Also sowas mag ich wirklich gerne. Oder für anderes Badewanne einlassen, keine Ahnung.

Stephan Seiler 22:11
Spaziergang finde ich total nachvollziehbar. Übrigens ging es mir genauso. Als ich wie du in einem großen deutschen Zeitschriften Verlag gearbeitet habe, war mein erstes Ritual, wenn ich nach Hause kam, aus den Klamotten raus und das zweite eine Kerze anzuzünden. Vielleicht haben wir in der gleichen Kantine gegessen und die gleichen Sachen da gefuttert und kamen vielleicht deshalb zu dieser Übereinstimmung. Das mit der Kerze fand ich richtig toll. Aber seitdem ich nicht mehr in dem Verlag bin, mache ich das nicht mehr ganz komisch. Ich dachte gerade, warum mache ich das denn eigentlich nicht mehr. Ist doch so schön. Das müsste ich dann vielleicht noch mal mit einem Therapeuten diskutieren.

Speaker C 22:41
Ja, aber du bist ja auch noch viel unterwegs. Ich merke wirklich so, wenn ich bin ja in der Regel im Homeoffice sehr viel, also zu 80 Prozent und nur zu 20 Prozent sind vielleicht meine Termine dann außer Haus. Dann geht das halt alles so ineinander über. Aber dann ist es wahrscheinlich umso wichtiger, irgendwie sich selber manchmal das Signal zu geben, hey, jetzt angekommen, jetzt ist gut so und so weiter. Also ich glaube, Rituale sind letztlich gut.

Brigitte Huber 23:06
Und wichtig, um in Verbindung mit uns.

Speaker C 23:09
Selbst und mit anderen zu sein, weil das ist, glaube ich, so ein bisschen.

Brigitte Huber 23:13
Bei den normalen Routinen so der Nachteil.

Speaker C 23:15
Und so soll es ja letztlich auch sein, dass wir eben gar nicht stark beteiligt sein müssen dabei, dass wir eben nicht stark beteiligt sein müssen, dass wir uns jetzt gerade anziehen oder Zähneputzen oder keine Ahnung. Es gibt ja genügend Rituale, Routinen, wo wir einfach froh sind, dass wir nicht drüber nachdenken müssen. Jeden Donnerstag um 11 ist diese Konferenz und keine Ahnung, was bei dir immer wieder auftaucht. Das sind ja so feste Dinge und dass man sich da keine Gedanken machen muss, ist ja auch erleichternd. Aber dann ist das Herz nicht dabei, was auch vielleicht in dem Moment ganz richtig ist. Und deswegen würde ich tatsächlich schon unterscheiden zwischen Routinen und Ritualen.

Stephan Seiler 23:51
Ja, absolut. Und wie gesagt, für mich ist es auch total wichtig, da milde mit mir zu sein. Das fiel mir am Anfang schwerer. Also gerade am Anfang habe ich mich manchmal wirklich verurteilt, wenn ich nicht Zeit zum Meditieren hatte oder für dieses oder jenes. Und das bringt aber nichts, wenn es, glaube ich, wenn man sich dann zu sehr selbst die H**** heiß macht. Also an Tagen, an denen ich meine Routinen brauche, um mich zu beruhigen, das ist ja sowieso immer gut. Aber wenn ich sie rauche, um mich zu rechtfertigen, dann wird es natürlich problematisch und das möchte ich nicht. Hast du dich manchmal auch verurteilt dafür, wenn es nicht geklappt hat früher?

Brigitte Huber 24:26
Ja, also ich meine, das ist mir schon noch aufgefallen. Manche stehen auch auf meinen To Do Listen und da weiß man schon gar nicht genau, wo ist die Grenze. Es steht zum Beispiel auch die Meditation. Die Meditation schaffe ich in der Regel immer morgens, aber nicht immer. Manchmal kann einfach irgendwas dazwischenkommen.

Stephan Seiler 24:45
Wie lange dauert die?

Brigitte Huber 24:46
Ja, nur zehn Minuten.

Stephan Seiler 24:47
Ja, bei mir auch zehn Minuten und.

Brigitte Huber 24:49
In der Regel schaffe ich das, aber manchmal dann eben nicht oder es ist jemand da oder sonst irgendwas und dann lasse ich die dann schon mal morgens ausfallen. Da ich sie aber nicht vergessen will, weil das passiert dann unter Umständen, steht sie auf der To Do Liste, also wird sie dann zum To Do.

Stephan Seiler 25:04
Hast du denn eigentlich auch solche modischen Rituale und Routinen, was die Kleidung betrifft, wie zum Beispiel? Also von Barack Obama ist ja überliefert, dass er, das hat er selbst mal gesagt in einem Interview, dass er von einem Anzug wenige Varianten getragen hat, immer grau oder blau. Also er hat quasi eine Anzugucken Type in ganz vielen Exemplaren im Schrank hängen, in zwei Farben. Und er sagte dazu berühmtes Ich will keine Entscheidung darüber treffen, was ich anziehe oder esse. Ich habe zu viel andere Entscheidungen zu treffen. Von Steve Jobs ist was ähnliches überliefert. Der Druck ja immer diesen schwarzen Rollkragenpulli, Mark Zuckerberg, immer ein graues T Shirt. Warum? Damit sie einfach eine Sache weniger haben, an die sie denken müssen. Und das habe ich mir nicht zu eigen gemacht. Aber die Idee finde ich so gut. Die Idee finde ich so gut, dass man sich nicht mehr darum Gedanken machen muss. Da kann man sich auf andere Sachen im Sinne von Routine als Entlastung des Gehirns, weniger Entscheidungsstress, mehr Vorhersagbarkeit. Auch das kann ja einen positiven Effekt haben, oder wie siehst du das?

Brigitte Huber 26:07
Komplett nachvollziehen, auch wenn ich es selten in meinem Leben so gemacht habe, aber ich habe das mal mitgekriegt. Ich habe da zwei, drei Veranstaltungen hintereinander gehabt an unterschiedlichen Stellen in Deutschland und hab teilweise dann noch Privatmenschen getroffen und wollte das alles in einem kleinen Trolley transportieren, was ich da an Klamotten mit mir mitnehme, plus meine Laufsachen. Das heißt, das war advanced. Also wie packst du, dass das alles geht? Und das heißt, ich hatte zwar so eine gewisse Vorarbeit zu leisten, welches Shirt passt dann doch noch mal dazu und wie kannst du das machen? Aber danach waren diese 5 Tage, die ich da durch Deutschland gereist bin, die waren super, weil du musstest definitiv nie darüber nachdenken, was ziehst du heute an. Es war sonnenklar, du hattest ja jetzt nur noch drei von diesen Shirts und da hast du jetzt eins davon genommen und so weiter. Also ich kann Barack Obama auch an dieser Stelle verstehen, welches Ritual Auf welches könntest du am schlechtesten verzichten?

Stephan Seiler 27:07
Früher habe ich gesagt, Meditation, das kriege ich jetzt manchmal hin, wenn ich das nicht jeden Tag mache, weil ich ja zwischendurch immer wieder auch so einen Atem zurückfinde. Für alle, die nicht meditieren, ist das wahrscheinlich so. Klingt das wie Esoterik Käse hier?

Brigitte Huber 27:20
Ja, genau, wir beiden Esolinen.

Stephan Seiler 27:23
Aber wenn man das mal gemacht hat, diese Atemübung gemacht hat, dann helfen die einem auch wirklich in anderen Situationen auch. Vielleicht werde ich nach diesem Podcast, wenn ich dann zu den nächsten Terminen muss, auch noch mal kurz einatmen, ausatmen. Das ist es ja vor allem. Und sich damit auch selbst eine Ruhe verschaffen und bei sich selbst noch mal ankommen und sich selbst hineinspüren und sich dadurch stärker fokussieren. Das ist es ja jetzt sehr stark vereinfacht gesagt. Und das kann ich dann auch mal so zwischendurch machen. Ich habe gestern auch im Zug zum Beispiel meditiert, auf dem Weg von Hamburg nach Berlin, weil ich morgens einfach noch nicht dazu kam. Dann mache ich das einfach im Zug. Das ist mir auch wurscht, wie die anderen Leute gucken, wenn ich da die Augen schließe. Die sind ja sowieso alle mit sich selbst beschäftigt und gucken nicht mehr nach rechts und links, die Leute von heute. Und so ging es mir früher, dass ich darauf nicht kaum verzichten konnte. Mittlerweile ist er das Tagebuch. Diese Tagebücher entfalten für mich eine ganz große Kraft und ich hoffe, dass ich jetzt nicht nur auf die Marketingtricks dieser Tagebuchhersteller reinfalle.

Brigitte Huber 28:19
Aber nee, nee, nee, das ist schon gut.

Stephan Seiler 28:21
Man braucht das ja auch nicht. Man kann es ja auch selbst auf Papier schreiben, sich bewusst zu machen, wofür man dankbar ist, Brigitte, oder?

Brigitte Huber 28:27
Ja, absolut. Nein, das ist definitiv gut und richtig. Da kannst du nichts falsch machen.

Speaker C 28:32
Hast du vielleicht zuletzt noch ein Ritual.

Brigitte Huber 28:36
Vor Dingen, die dich nervös machen, wo du zum Beispiel jetzt vor einem Auftritt oder kann ja auch was privates, Schwieriges sein, aber vor allem jetzt sagen wir mal so Lampenfieber und Co.

Stephan Seiler 28:47
Eine Sache muss ich da jetzt sagen, da wendet sich an alle, die mich aus früheren Arbeitssituationen kennen. Die haben mich ja durchaus auch mal ein bisschen als zappelig und hektisch erlebt.

Brigitte Huber 28:57
Kann man sich gar nicht vorstellen.

Stephan Seiler 28:58
Also der eine oder die andere womöglich. Und ich habe dann ein Ritual genannt, dass mir ein hochrangiger Manager, ein sehr, sehr hochrangiger Manager der deutschen Bahn mitgeteilt hat, man soll sich vor wichtigen Auftritten vorm Spiegel stellen und die Arme so spreizen, also die Arme nach oben halten für eine Minute. Und dann würde der Körper mit so viel Endorphin und was auch immer durchflutet werden, dass man in sich ruhiger wird und stärker sich fühlt. Und das habe ich manchmal gemacht. Vor solchen Bühnengeschichten stand da wirklich wie so ein Vollidiot im Badezimmer in den öffentlichen Toiletten und hab die Arme so nach oben gehalten. Das habe ich manchmal gemacht und das hilft auch ein Stück weit. Und dann mache ich noch diese Morning Pages. Kennst du die Morning Pages?

Speaker C 29:45
Ne, erzähl mal.

Stephan Seiler 29:46
Morning Pages ist sowas, was wahrscheinlich, ich glaube, die It Girls von heute alle machen und ich im Sinne von du hast ein leeres Tagebuch oder ein leeres Buch und schreibst einfach drei Seiten voll, egal was in deinem Kopf ist, du schreibst es einfach auf, was dir gerade in den Sinn kommt, Egal ob du das kommentierst, wie es im Garten aussieht oder was du heute noch machen willst oder so. Und mir hilft das erstmal quasi wie so ein Ausfluss an unnötigen Gedanken oder Gedanken, die unnötig sind, aber einen den ganzen Tag sonst quälen. Dann habe ich die mal aufgeschrieben und dann sind sie weg.

Brigitte Huber 30:17
Das ist spannend, weil habe ich das letztes Mal gelesen oder gehört, wenn du nachts so Grübelgedanken hast, da haben die auch empfohlen, als letztes vorm Einschlafen diese Sachen aufzuschreiben und das scheint ganz gut zu wirken.

Stephan Seiler 30:31
Ah, OK, schön.

Brigitte Huber 30:33
Also kann man das. Dann sind dann Nightpages? Ja, ich habe ein Ritual mir angewohnt im Laufe der Jahre vor Tagen, die mich so ein bisschen innerlich herausgefordert haben und häufig auch, wenn man da wohin fahren musste, irgendein ganz wichtiges Interview, irgendwas. Und dann bin ich kurz bevor ich rausgegangen bin, noch mal von Spiegel gegangen, habe mich ganz fröhlich angelächelt und habe gesagt irgendwas in die Mensch, ich wünsche dir alles Gute und wir sehen uns heute Abend wieder hier. Und hab dann quasi mein freudiges, also mehr oder weniger vorfreudiges Spiegelbild, das sich aber schon auf den Abend gefreut hat, wo alles vorbei ist, da verabschiedet. Und tatsächlich war es dann meistens so, wenn ich dann abends nach Hause gekommen bin und es ist dann eigentlich ganz gut gegangen oder es war irgendwie doch nicht so anstrengend oder Auch wenn es anstrengend war, war es halt dann vorbei, dass ich dann, wenn ich wieder in den Spiegel geguckt habe, gedacht ah ja, genau. Also das ist für mich schon so ein Ritual, das mag ich ganz gerne.

Stephan Seiler 31:28
Kannst du es mal genau erklären? Wie kann ich mir das vorstellen? Also du redest dann morgens mit deinem.

Brigitte Huber 31:31
Eigenen Spiegel, ich verabschiede mich, ich verabschiede mich, wünsche mir alles Gute und sag, wir sehen uns heute Abend quasi wieder hier in der Wohnung und dann ist alles gut.

Stephan Seiler 31:40
Ach, wie lustig.

Brigitte Huber 31:42
Da habe ich keinen festen Text, aber irgendwas in der Richtung. Also ich gebe mir da noch mal Ja, wird schon und viel Spaß dabei und alles wird gut. Und ansonsten sehen wir uns heute Abend wieder hier an dieser Stelle. Okay, ich hoffe, das klingt noch nicht ein bisschen schizophren. Also es ist, glaube ich, schon noch alles in einem Gehirn drin, aber das ist für mich irgendwie so ein ganz gutes, kleines, stärkendes Ritual.

Stephan Seiler 32:04
Also wenn es da draußen irgendwelche Neurologinnen oder Neurologen geben sollte, meldet euch gerne bei Brigitte, falls das für irgendwas steht. Aber ich finde das eigentlich lustig, mehr mit sich selbst reden vorm Spiegel. Warum nicht?

Brigitte Huber 32:16
Ja, wenn es sonst keiner tut. Wenn dich sonst an so einem Tag keiner aufmuntert, das ist dann auch meistens so.

Speaker C 32:21
Genau.

Brigitte Huber 32:21
Wenn jemand da ist und er Mensch, ich wünsche dir viel Glück oder sonst irgendwas, dann ist es noch mal anders. Aber wenn du mit dir allein bist und dann denkst du ab jetzt raus in die Prärie und gucken, was läuft und hoffentlich läuft mir kein Coyote rechts über den Weg und dann ist das irgendwie ganz gut.

Speaker C 32:38
Nein, ich glaube, vielleicht kann man abschließend.

Brigitte Huber 32:40
Sagen zu den Ritualen, ich glaube schon, sie machen Sinn. Also sie sind auch wie so ein Anker letztlich und es dürfen, glaube ich, nicht zu viele sein, weil dann sind sie wahrscheinlich, dann bist du einfach so festgetackert in deinem Hafen. Und vielleicht ist auch ganz gut, manchmal den Anker wieder so ein bisschen zu lüpfen, hochzuholen und zu gucken, wie ist denn die Strömung? Möchte ich wieder vielleicht mal woanders hin? Also ich glaube, das ist für mich schon so klar. Rituale haben vielleicht auch ihre Zeit und in der Zeit sind sie aber wesentlich.

Stephan Seiler 33:09
Darf ich noch zwei Fragen stellen, die übrigens selbstverständlich 1. Inwiefern lässt du dich während deiner Routine von deinem Telefon von diesen Push Meldungen, von all dem ablenken oder raus versuche ich nicht.

Brigitte Huber 33:22
Ja, ich versuche mich nicht ablenken zu lassen und wenn ich dran denke, schalte ich. Aber das ist in der Regel zu früh. Ich kriege morgens, wenn ich die Meditation mache, in der Regel keine Push Nachrichten. Also aber ansonsten, wenn es tagsüber ist, stelle ich es auch mal kurz auf Flugmodus und es kann dann passieren, dass es die nächsten drei Stunden auf Flugmodus ist und ich denke mir, oh, wie angenehm, du kriegst keine Nachrichten oder wie schade.

Stephan Seiler 33:44
Und schaltest du dein Telefon aber auch dann aus oder guckst du nicht drauf? Man sagt ja immer so in der ersten Stunde und letzten Stunde des Tages sollte man das Telefon gar nicht beachten. Hältst du dich an sowas oder ist das für dich anders?

Brigitte Huber 33:55
Das geht gar nicht, weil meine Meditation läuft auch über mein Handy.

Stephan Seiler 33:58
OK, verstehe. Aber gut, du musst trotzdem nicht WhatsApp Signal oder E Mails öffnen.

Brigitte Huber 34:03
Nee, das mache ich nicht. Genau. Also ich sehe natürlich, natürlich sieht man mit einem Auge. Ich sehe mit einem Auge, ob da irgendjemand jetzt wäre, wo ich mir denke, das ist jetzt komisch, dass mich mein Sohn schon morgens um XY 6 oder 7 anmaßt und dann würde ich vielleicht draufgehen, aber in der Regel nicht.

Stephan Seiler 34:22
Und hast du eine fixe Abendroutine? Gibt es irgendwie zwei, drei Sachen, die du immer machst, bevor das Licht ausgeht, abgesehen jetzt vom Zähneputzen?

Brigitte Huber 34:30
Also ich blase in der Regel die Kerzen aus, was ich glaube ich sinnvoll.

Stephan Seiler 34:33
Finde, die seit morgens brennen.

Brigitte Huber 34:36
Die seit morgens brennen. Ich lüfte noch mal in meinem Schlafzimmer, ich mache die Vorhänge zu so Zeug. Und das finde ich ja schön, dass du noch mal fragst. Ein Ritual oder eine Routine jeden Abend ist, dass ich in einem Buch lese zum Schluss, also weg mit iPad und Co. Und witzigerweise ist es schon oft so gegangen, dass ich ins Bett gehe und.

Speaker C 34:56
Denke, ich bin eigentlich gar nicht müde.

Brigitte Huber 34:57
So richtig in dem Moment. Aber wo ich das Buch schon in die Hand nehme, merke ich, jetzt bin ich schon um 50 Prozent müde. Kennst du es?

Stephan Seiler 35:05
Das kenne ich total. Und krass, dass du das gerade sagst, weil ich habe in den letzten Wochen und Monaten mir immer wieder über meine Schlafroutine Gedanken gemacht und beschumme mich ja manchmal selbst. Ich sage dann ich bin ja noch nicht müde, ich kann doch jetzt noch nicht ins Bett gehen und sag das auch manchmal dann dem Menschen, der Person, die mit mir das Bett teilt und lass die Person auch schon mal vorgehen. Aber eigentlich könnte ich das genauso machen, weil ich weiß, du hast vollkommen recht, ich weiß, wenn ich da liege und zwei Seiten im Buch. Lese, dann werde ich müde und sehr.

Brigitte Huber 35:35
Schnell einschlafen, was nichts gegen das Buch heißt, aber es heißt, dass tatsächlich irgendwie wahrscheinlich das Unterbewusstsein Jetzt wird nichts mehr passieren, was mich stört, was mich hochholt. Es hat eine absolut beruhigende bis einschläfernde Wirkung. Ist doch herrlich. Jetzt hoffen wir nur, dass unsere Zuhörenden jetzt nicht eingeschlafen sind bei unserem kleinen Ritualausflug, weil ich würde jetzt gern mit dir, falls du keine Frage mehr hast, auf unsere kurzen Fragen zu sprechen.

Stephan Seiler 36:05
Sehr gerne. Aber noch mal nach draußen. Schickt uns gerne eure Routine und eure Rituale, welche Erfahrungen ihr damit gemacht habt. Vielleicht gibt es ja auch was, was, was uns noch mal gut tun würde. Oder vielleicht gibt es auch quasi eine super Zeit, effiziente Routine, die all das umfasst, was ich eben skizziert habe, meine 14 Punkte zusammengefasst in einem Mega Ritual, das man innerhalb von 10 bis 15 Minuten absolvieren kann. Daran hätte ich durch.

Brigitte Huber 36:28
Die Pille, die.

Stephan Seiler 36:29
Das alles erledigt, die das alles erledigt. Genau. Und mir noch den Tee kocht. Ausgezeichnet. Aber dann let's go mit den Rubriken.

Speaker C 36:37
Kleine Fragen, große Fragen 1. Ich starte mal mit Max Frisch, sehr bekannter Autor und auch Verfasser eines legendären Fragebogens, wo er ganz, ganz viele Fragen, so existenzielle Fragen zu verschiedenen Bereichen entwickelt hat.

Brigitte Huber 36:53
Und es gibt eine Frage, die mich schon seit Jahrzehnten immer besonders herausgefordert hat und die heiß Sind Sie sicher, dass Sie die Erhaltung des Menschengeschlechts, wenn Sie und all Ihre Bekannten nicht mehr sind, wirklich interessiert? Oh Mann, hast du es durchgeholt?

Speaker C 37:13
Also interessiert es dich, wenn alle, die.

Brigitte Huber 37:17
Du kennst und vielleicht auch die Generation danach nicht mehr auf diesem Erdball sind und du sowieso nicht, wie es mit uns Menschen weitergeht?

Speaker C 37:26
Wie lautet deine Antwort?

Stephan Seiler 37:28
Nein, können alle sterben? Ne, also das sind ganz verschiedene Gedanken, die ich jetzt habe. Zuerst mal ist meine spontane Reaktion auf jeden Fall, die Menschheit verdient es, gerettet zu werden und auch eine Zukunft zu haben. Und es gibt so viel Schönes Gutes auf der Welt und gerade unter uns Menschen. Wenn ich auf die Menschen gucke, die geboren werden, warum möchte ich denen das Recht absprechen, ein Leben zu leben? Leben ist Leben unter Leben, das Leben will, hat früher mal mein Ethiklehrer gesagt. Und der Satz geht mir nicht aus dem Kopf. Also jedes menschliche oder überhaupt natürliche Interesse am Leben ist ja erstmal nicht abzustreiten. Ich finde, das kann man, dieses Lebensrecht kann man niemandem erziehen. Aber gleichzeitig habe ich auch noch eine andere Stimme im Kopf und die ist da weniger optimistisch. Aber bevor ich dazu komme, magst du mir erst mal deine Haltung sagen, bevor ich dann mit meiner, mit meinem Fatalismus komme.

Brigitte Huber 38:24
Ich finde, das ist eine wirklich extrem.

Speaker C 38:26
Herausfordernde Frage, sonst würde ich es nicht sagen, weil selbstverständlich neigt man dazu zu.

Brigitte Huber 38:31
Sagen, Also ich neige dazu zu Doch, das interessiert mich. Ich bin mir aber nicht so sicher.

Speaker C 38:37
Ob mich das interessiert, ob es in.

Brigitte Huber 38:39
500 Jahr noch Menschen auf der Erde gibt. Also kann ich ja wahrscheinlich je nach Tagesverfassung auch anders. Ich finde die Idee beruhigend irgendwie, wenn es das weitergibt.

Speaker C 38:51
Es gibt aber bei mir auch noch einen anderen Gedanken und das ist ja.

Brigitte Huber 38:54
Die Menschen haben sich ja die Erde.

Speaker C 38:56
Untergetan gemacht und so weiter und so fort.

Brigitte Huber 38:58
Nämlich alles, was sie quasi mit der Erde gemacht haben, war gut und richtig. Irgendwann wird sich die Natur den Raum.

Speaker C 39:06
So zurückerobern, egal wenn die Menschen nicht in der Lage sind, auf die Natur aufzupassen. Und dann habe ich mir gedacht, das ist irgendwie auch wieder ein Gedanke, der etwas Berechtigtes und Beruhigendes hat, oder?

Stephan Seiler 39:21
Total richtig. Absolut. Ich finde immer wieder, die Menschheit überschätzt sich ja auch gerne. Selbst die Erde kam auch ohne die Menschen sehr, sehr gut klar. Muss man also feststellen, Jedes Mal, wenn ich irgendwo im Gebirge herumwandere, wird mir wieder klar, die Aldi fällt um uns herum, die sind so viel älter als die ganze Menschheit. Die gibt es seit so vielen Millionen Jahren in irgendwelchen Ausformungen und das ist eine Lebensspanne. Nichts dagegen. Aber insgesamt komme ich dann auch sehr schnell zu der Welchen Sinn hat das Ganze überhaupt? Welchen Sinn hat das Universum? Warum gibt es das Ganze überhaupt? Wenn am Ende, muss man ja leider so sagen, die Forschung sich sicher ist, dass die Erde in 200 300 Millionen Jahren in der Sonne verglühen wird, Da wird gar nichts mehr von uns und hier übrig sein. Das ist ein sehr nihilistischer Gedanke, ein richtiger Downer jetzt hier im Winter. Aber die Frage kommt bei mir dann auch auf. Also was hat das am Ende alles für eine Bedeutung und für einen Sinn? Die Menschheit als solche wird wahrscheinlich jetzt aus der Universumsperspektive kaum eine Rolle spielen, weil wir auf der Erdhistorie auch nur kurze Gäste sind und irgendwann kommt vielleicht eine andere Spezies oder was auch immer. Aber dann komme ich wirklich immer wieder zu dieser Sinnfrage, warum gibt es das Ganze überhaupt? Warum gibt es denn überhaupt das Universum und was ist denn außerhalb des Universums und so weiter. Und dann werde ich kurz wahnsinnig, wenn ich bei diesen Fragen angelangt bin. Ich merke das, Das ist nämlich dann, also weißt du, du kannst dich ja immer weiter vergaloppieren, wenn ich da Max Frisch Fährte folge mit der Sinnhaftigkeit der Menschheit und auch quasi meiner eigenen Existenz und unserer Spezies. Da tue ich mich ja irgendwie leichter. Erklärt vielleicht auch, warum es so was wie Religion gibt, dem Ganzen irgendeine Art der Erzählung zu verpassen.

Brigitte Huber 41:19
Also da diese Rubrik ja glaube ich, kurze Fragen heißt, die Frage war schon sehr, und die Frage war schon sehr lang.

Stephan Seiler 41:26
Deprimierende Antworten von ST werde ich mir.

Brigitte Huber 41:29
Vornehmen, beim nächsten Mal, wenn ich Max Frisch quasi als Vorlage nutze, eine einfachere Antwort oder Frage zu finden, weil ich finde es auch schwer. Es ist schwer, es ist schwer. Also jetzt schauen wir mal.

Stephan Seiler 41:41
Aber würdest du sagen, ja, jein oder nein?

Brigitte Huber 41:44
Nach Verfassung würde ich sagen, ich grübel noch.

Stephan Seiler 41:47
Also ich gebe der Menschheit, glaube ich, noch eine Chance. Ich bin gewillt, der Menschheit eine Chance zu geben. Ich fühle es manchmal nicht ganz so.

Brigitte Huber 41:54
Ja, absolut. Nein, also wirklich, das kann ich ganz voller Überzeugung sagen. Es gibt niemanden, ich sage jetzt mal nahezu niemanden. Es gibt so ein paar Vertreter momentan auf unserem Planeten. Ich glaube, da muss ich nicht mal gendern, weil sie sind vor allem, wo ich nicht ganz so empathisch bin, aber bei den meisten, den meisten wünsche ich wirklich nichts Schlechtes. Und das gilt für mich schon auch für die nachfolgenden Generationen. Die Frage ist aber von ihm, glaube ich, noch viel radikaler gedacht. Was interessiert es uns tatsächlich, wenn wir nicht mehr sind? Wir können es nicht mehr beeinflussen. Wir sind nicht mehr Teil des Ganzen. Wir sind weder Teil des Problems noch Teil der Lösung und vielleicht ist es uns dann letztlich doch nicht so wichtig. Aber wie auch immer, wir reden ja hier immer über das Älterwerden. Bei der nächsten Frage habe ich mir Wir blicken mal kurz zurück. Was kommt dir im Rückblick absurd unwichtig vor, wo du dir früher einen viel größeren Kopf gemacht hast?

Stephan Seiler 42:54
Ich glaube, das ist wahrscheinlich fast jedes Drama, das ich in Schulzeiten erlebt habe, Also in den beiden Schulen, die ich besucht habe, Grundschule und Gymnasium. Und auch so manche berufliche Weggabelungs Karrierefrage, die mich dann vielleicht vor 20 Jahren mal wirklich so nächtelang umgetrieben hat und die mir jetzt heute in der Rückschau aber völlig logisch und klar erscheint. Aber auch vielleicht so was wie denkst du auch an so persönliche Dinge? Also sowas, ich meine, was du möchtest.

Brigitte Huber 43:24
Also ich kann dir vielleicht eine Vorlage geben bei mir. Also ich habe auch natürlich über die Frage nachgedacht und gedacht, das ist schon irre, dass ich heute zum Beispiel, wenn wir jetzt heute diesen Podcast machen, dann werde ich die nächsten Stunden immer wieder darüber nachdenken und an der einen oder anderen Stelle denken. Kommt drauf an, wie viel Zeit ich hab, da hätte ich was anderes sagen können und so weiter. Ich weiß, ich weiß, dass das absurd unwichtig sein wird in 3 Monaten wahrscheinlich schon in 3 Wochen. Das weiß ich und das hilft mir auch ein gewisses Maß. Ich habe ein Beispiel, das ist total lustig, weil widerspricht auch ein bisschen dem, was ich sonst immer sage. Ich finde es schon sehr wichtig, was wir anhaben, also was wir tragen an Klamotten zu einem gewissen Anlass. Und eine der größten für mich beruflichen Herausforderungen war das erste Brigitte Live Interview, das ich mit Angela Merkel gemacht habe. Und wochenlang überlegst du vorher, was du da anziehst, berätst dich und so weiter, müsste ich nachschauen.

Stephan Seiler 44:23
Aber es war nicht dieses er als Sie dann die H*** Ehe?

Brigitte Huber 44:27
Nee, nee, das war später. Also die H*** Ehe war später. Also das erste. Es ist 16 Jahre her, 15 Jahre her. Können wir in die Show Notes reinpacken.

Speaker C 44:37
Auf jeden Fall.

Brigitte Huber 44:39
Man macht sich Gedanken, man kauft sich letztlich ein Kleid. Und ich weiß noch, dass ich mich dann hingesetzt habe auf den Stuhl und habe gesagt, wie findet ihr das Kleid? So ein paar Familienangehörige waren dabei und alle fanden es gut und ich fahre mit diesem Kleid nach Berlin. Und ich weiß noch, dass ich mit der Kollegin aus der Pressearbeit noch mal gesagt, du, ich bin jetzt doch nicht so sicher mit dem Kleid, ich setze mich noch mal auf die Bühne. Ist der Rock zu kurz, wenn ich sitze? Und sie sagt, das glaube ich nicht, weil es ging so bis zum Knie oder so. Ich setze mich auf die Bühne und sie Nee, das geht nicht. Und ich Und jetzt dann sagt Lass.

Speaker C 45:15
Doch das an, was du an hast.

Brigitte Huber 45:17
Und ich hatte eine helle Hose an, eine helle Jeans. Ich hatte irgendwie so ein helles Jackett an, so wie man halt tagsüber angezogen ist. Bis heute bin ich, wenn ich mir diese Fotos anschau, denke ich daran, dass ich mir in diesem Moment gedacht um Gottes Willen, geht das denn mit so einem saloppen Look die Kanzlerin zu interviewen?

Speaker C 45:38
Und es ging, aber es war so ein großes Thema, die Wochen vorher auch.

Brigitte Huber 45:42
Natürlich, weißt du, was ich meine? Und danach sagst es hat keine Rolle gespielt. Und das ist für mich so ein Bild, wo ich mir denke, vorher denkt man oh Gott und so weiter und so fort und danach ist es absurd unwichtig. Und davon gibt es natürlich viele Beispiele.

Speaker C 45:58
Auch im persönlichen Bereich. Aber für mich ist das so eins.

Brigitte Huber 46:01
Wo ich mir denke, ah ja, stimmt ja total.

Stephan Seiler 46:04
Also solche Situationen kenne ich auch. Denkst du aber auch an so Wegmarken, sowas wie erster Liebeskummer oder dein erster Kuss? Kommt dir sowas auch rückblickend absolut unwichtig vor?

Brigitte Huber 46:17
Nein, das würde ich niemals sagen. Also ich finde Schmerzen, persönliches Leid. Ich finde bei absurd unwichtig. Da ist es bei mir schon häufig äußerliche Dinge und schon auch Zweifel an uns selber mal und wo man oh, das muss ich noch mal machen und ich muss den noch mal anrufen und so weiter und so fort. Und vielleicht kann man das wiederholen, das schon. Aber jetzt, dass ich sage, in Wahrheit war der Schmerz doch gar nicht so groß oder der Mensch nicht so bedeutend. Das würde ich nicht sagen.

Speaker C 46:46
Also deswegen kann ich auch zum Beispiel.

Brigitte Huber 46:48
So Situationen, die mich verletzt haben im Nachhinein, die würde ich eher so umdeuten, dass ich sage, es hatte schon irgendwie auch vielleicht einen Grund oder ich holte mir vielleicht aus dieser Situation irgendwas Positives dann auch raus, dass ich vielleicht mich nicht mehr so verletzbar mache oder sonst was. So würde ich sehen.

Stephan Seiler 47:07
Ja, das ist gerade ein interessanter Punkt. Vielleicht müssen wir dazu auch noch mal gesondert reden, denn Stichwort Dramen die ganzen zwischenmenschlichen Dinge, die vielleicht auch mal aus dem Ruder gelaufen sind, die ja manchmal in der Rückschau auch sich als unwichtig oder gar nicht so bedeutsam entfalten, wie man es damals gefühlt oder gespürt hat. Da frage ich mich hat es am Ende doch einen Sinn gehabt und Nutzen gehabt oder hätte man sich das wirklich sparen können, weil es lange nicht so wichtig war, wie man es damals gefühlt hat?

Speaker C 47:35
Ja, was mir auch noch auffällt, und.

Brigitte Huber 47:37
Das habe ich lange nicht so richtig kapiert, oder ich war lange Anhängerin der anderen Seite. Wenn man auf Reisen unterwegs ist und man ist in der Nähe noch von irgendeinem spannenden Ort und dann wäre die Brigitte von vor 20 Jahren und wahrscheinlich auch noch vor 10 Jahren hätte gesagt, wir müssen da noch hin und dann ist das aufwendig, schwierig, Du weißt, was ich sagen will. Man guckt sich dann diesen Ort kurz an oder die Kirche oder fährt da irgendwie einen Turm hoch oder sonst irgendwas. Und heute kann ich das sein lassen, weil ich weiß, es ist in aller Regel gar nicht wichtig, ob du diesen Schlenker noch gemacht hast oder jenen. Und das war für mich so etwas. Also es gibt so ein paar Sachen, aber das wird die Sendung jetzt sprengen, wo ich mir eingebildet habe, ich müsste unbedingt auf diesen Berg hoch oder sonst irgendwas, wo ich gebremst wurde von meinem Gegenüber, der das einfach gar nicht wollte. Und wo man jetzt in der Nachschau sagen Es ist eigentlich auch egal, Hauptsache wir hatten eine gute Zeit.

Stephan Seiler 48:35
Und er hat, glaube ich, eben auch schon mal so was Ähnliches gesagt. Mir hat mal ein Satz sehr geholfen, der Does it count a year from now? Also in einem Jahr würde diese Situation noch irgendeine Rolle spielen, über die ich mich jetzt gerade aufrege. Und in den allermeisten Fällen ist die ehrliche Antwort nein. Und dann frage ich mich, warum muss ich mich dann jetzt drüber aufregen?

Brigitte Huber 48:56
Absolut.

Speaker C 48:56
Also das hilft mir auch immer so.

Brigitte Huber 48:58
Dass ich geh fünf Jahre nach vorne und ein Jahr reicht in der Regel auch. Guck nach hinten und denk mir, würdest du dich darüber noch mal aufrichten? Und spätestens wenn du dann dich beim Grinsen erwischst, dann weißt du, lass es. Ich komme auf die dritte Frage und jetzt schicke ich dir eine Fee vorbei.

Speaker C 49:15
Wie du weißt, ich bin ja Coach.

Brigitte Huber 49:16
Mach auch immer weiter und es gibt die sogenannte Feenfrage. Da heißt es zum Beispiel, kennst du die Feenfrage? Ne, eine Fee kommt und du hast jetzt einen Wunsch frei und du überlegst dir, welcher das sein soll. Ich werde das aber ein bisschen eingrenzen und überleg dir mal, welche deiner Eigenschaften, die dich schon dein ganzes Leben begleitet und die dich vielleicht so ein bisschen nervt oder ein bisschen stärker, die du dann aber noch nie so richtig in.

Speaker C 49:42
Den Griff bekommen hast, weil du nicht.

Brigitte Huber 49:44
Wolltest oder weil du nicht konntest. Die Fee würde anbieten, die wegzuzaubern.

Speaker C 49:49
Welche Eigenschaft wäre das?

Brigitte Huber 49:51
Oder sagst du, ich bin Stephan Seiler Gesamtpaket und die Fee kann sich schleichen?

Stephan Seiler 49:56
Also eine gute Frage für jemanden, der neuroentypisch ist, ist das ja da auch eine Frage, die man sich immer wieder stellt. Ich hab ADHS, habe ich ja schon öfter gesagt und das hat tolle positive Kraft. Also ich spüre eine große Energie, einen großen Antrieb, große Tatkraft in mir, aber manchmal gibt das natürlich auch eine gewisse Rastlosigkeit. Und die negativen Erfahrungen, die ich auch mit ADHS gesammelt habe, vor allem im Umgang dann in beruflichen Umfeldern oder mit Kolleginnen und Kollegen, die das dann nicht so richtig einordnen konnten, die hätte ich mir natürlich gerne erspart. Würde ich deshalb gerne auf diese ADHS Eigenschaft verzichten, weil sie mir auch ganz viel Positives bringt. Da bin ich mir gar nicht so sicher. Aber das wäre jetzt der erste Gedanke, den ich an dieser Stelle hätte und aufwerfen möchte. Brigitte, wie ist es bei dir?

Speaker C 50:51
Ich glaube tatsächlich, dass ich ganz gern.

Brigitte Huber 50:55
Meine Ungeduld wegzaubern wollte, wobei ich so ein bisschen zwiegespalten bin, wie du auch, weil ich genau weiß, dass diese Ungeduld mir auch schon zu viel verholfen hat im positiven Sinn. Aber ich weiß, dass sie manchmal meine Umgebung recht nervt und mich auch.

Stephan Seiler 51:15
Aber ist das nicht auch so eine Antwort, die man so im Vorstellungsgespräch auch immer wieder gefragt bekommt und dann, was ist ihre Schwäche? Nachher sagt, ich bin so ungeduldig. Ist das nicht auch so eine?

Brigitte Huber 51:23
Ist das wirklich die, Ich glaube auch.

Speaker C 51:25
Im Job, wenn du es im Vorstellungsgespräch.

Brigitte Huber 51:27
Sagst, wäre ich komplett bei dir. Das klingt so richtig, oh wow, die wollen wir reinholen, weil die scheint ja.

Speaker C 51:33
Auch noch irgendwie so einen Drive zu haben. Aber ja genau, genau. Aber bei mir zieht sich das schon.

Brigitte Huber 51:39
So durch, das muss man schon ganz ehrlich sagen. Ich bin dann schon jemand, der auch im privaten Umfeld manchmal ungeduldig ist und.

Speaker C 51:47
Da ist es wäre es manchmal schöner.

Brigitte Huber 51:49
Ich arbeite da ganz stark dran. Deswegen bin ich mir auch gar nicht sicher, ob ich es mir wegzaubern lassen.

Speaker C 51:53
Würde, weil ich das Gefühl habe, dass.

Brigitte Huber 51:55
Ich schon ganz schön viel erreicht habe.

Speaker C 51:57
Ich weiß, dass da jetzt wieder Leute.

Brigitte Huber 51:58
Aus meinem familiären Umfeld vielleicht ein bisschen.

Speaker C 52:01
Grinsen, aber im Großen und Ganzen habe ich schon einiges erreicht. Und was wir auch vorher geredet haben, Du lässt dich erstmal auf dein Gegenüber.

Brigitte Huber 52:09
Ein, wenn du dich triffst und kommst nicht wieder gleich mit deinem Thema, dass dir als erstes durch den Kopf geht. Das ist, ich sage jetzt mal, meiner ungeduldigen Wesensart irgendwie zu verdanken in Anführungsstrichen.

Speaker C 52:22
Ja, also, aber es soll jetzt nicht so, ne? Ich würde es jetzt nicht nehmen, diese.

Brigitte Huber 52:28
Eigenschaft, wenn ich sie eigentlich eine positive Eigenschaft finden würde. Ich selber finde ungeduldige Menschen auch anstrengend.

Stephan Seiler 52:36
Ja, ja, sind sie ja meistens auch. Also doch, ich bin ja, glaube ich auch manchmal ungeduldig, aber das ist, Also ich finde sie. Ich finde ungeduldige Menschen dann anstrengend, wenn sie vergessen, was das große Ganze ist. Und das ist ja auch so ein bisschen so ein Konflikt. Auch neurountypische Menschen sind ja nicht immer ganz so pünktlich. Und da habe ich ja auch manchmal erlebt, dass besonders ungeduldige Menschen darauf sensibel reagieren. Dann frage ich mich manchmal aus meiner ganz egoistischen Ist das denn immer so notwendig? Du siehst doch das große und Ganze stimmt doch, das geht nur um fünf Minuten und dadurch wird das Endergebnis noch nicht schlechter. Aber wenn du dich jetzt drüber aufregst und das quasi so emotionalisierst, dann wird vielleicht das Endergebnis für alle, also zumindest für die beiden Personen dann schlechter oder vielleicht auch einfach die folgenden Stunden schlechter. Ist es das dann wirklich wert, diesem Ungeduldsimpuls zu folgen? Könnte man sich nicht selbst sagen, einatmen, ausatmen, Es wird schon klappen.

Speaker C 53:32
Ja, aber ich glaube, das sind ja auch so Punkte. Also insofern triggern uns ja gewisse Geschichten, auch wenn man selber Mühe hat, immer pünktlich zu sein.

Brigitte Huber 53:41
Das liegt bei mir mit Sicherheit daran, dass mein Tag sehr lange sehr voll.

Speaker C 53:44
War und trotzdem hatte ich immer den.

Brigitte Huber 53:46
Anspruch, das heißt, es kostet mich einiges pünktlich zu sein.

Speaker C 53:50
Es ist nicht so, dass ich einfach stundenlang nichts zu tun hatte, sondern es.

Brigitte Huber 53:53
Kostet mich Ich gucke auf die Uhr, ich versuche den anderen abzumoderieren, ich plane.

Speaker C 53:58
Zeit ein und so weiter. Und wenn man dann diesen Preis bezahlt.

Brigitte Huber 54:02
Und kommt dann auf die Minute oder.

Speaker C 54:05
Eine Minute später an und der andere kommt dann einfach erst 10 Minuten später, dann auf Dauer wird das dazu führen.

Brigitte Huber 54:12
Bei ein zweimal sagt man nichts, aber.

Speaker C 54:13
Auf Dauer wird es dazu führen, dass.

Brigitte Huber 54:14
Man Hey, pass auf, ich strenge mich auch so an.

Speaker C 54:17
Aber ich glaube, was wir merken, finde ich bei unseren beiden Beispielen, selbst wenn.

Brigitte Huber 54:22
Wir die Wahl hätten, irgendwas, was uns irgendwie eigentlich nervt, wo wir sagen, das.

Speaker C 54:27
Nervt uns loszuwerden, dass eben nahezu jede.

Brigitte Huber 54:31
Eigenschaft, und das finde ich jetzt bei.

Speaker C 54:32
Dir schon auch ganz, ganz spannend, selbst etwas, was einen so, weiß ich nicht, auch sein Leben prägt, wie ADHS, dass du das nicht leichtfertig gleich wegwirfst, weil wir letztlich fast keine Eigenschaft haben, fast.

Brigitte Huber 54:48
Nicht, die nicht auch irgendwas Positives hat.

Speaker C 54:51
Oder dass wir im Laufe der Jahre.

Brigitte Huber 54:53
Etwas Positives daraus gemacht haben.

Stephan Seiler 54:56
Ja, ich gehe gerade so alle möglichen Eigenschaften durch, die mir so einfallen. Ich weiß nicht, welche narzisstisch, also wenn es zu krankhaft narzisstisch wäre oder wenn man das ist, ich weiß nicht, ob man dann, ob man ja, wenn du.

Speaker C 55:07
Krankhaft narzisstisch bist, wirst du es nicht merken.

Stephan Seiler 55:10
Das meinst du nicht mit Eigenschaft.

Speaker C 55:11
Dann wirst du der Fee, dann wirst du der Fee das nicht zum Fraß vorwerfen.

Stephan Seiler 55:15
Da hast du vollkommen recht.

Speaker C 55:16
Also ich glaube, das ist der Punkt. Es muss ja im Reflexionsrahmen passieren. Also es muss etwas sein, wo du immer wieder darauf hingewiesen wirst von anderen, was andere stört, was dich stört. Also das sind ja so Dinge. Sonst wirst du eine Eigenschaft nicht als negativ wahrnehmen. OK, Brigitte, ich glaube, wir hören auf an der Stelle.

Stephan Seiler 55:35
Ja, genau. Ich merke schon gar nicht, dass in so Gedankenspiralen eintauchen möchte.

Speaker C 55:41
Das wollen wir nicht. Das heißt ja auch kurze Fragen, kurze Antworten. So, und jetzt gehen wir über in unseren Premieren Teil.

Stephan Seiler 55:48
Sehr schön.

Speaker C 55:50
Meine Premiere, deine Premiere, weil wir ja frei sind wie die Vögel, haben wir uns letztes Mal beabsichtigt oder nicht beabsichtigt, gar keine neuen Premieren vorgenommen. Ich bin für meinen Teil damit gut gefahren. Weil ich generell auch finde, wir haben ja kurz darüber gesprochen, es ist jetzt Ende Januar und das neue Jahr beleuchtet ja vieles wieder zum ersten Mal und wir machen vieles zum ersten Mal. Also das waren Premieren genug. Wie hast du das erlebt jetzt?

Stephan Seiler 56:18
Ich habe eine Premiere mir zugemutet, die ich gerne mit dir teilen möchte. Ich bin gespannt, was du dazu sagst. Und zwar, es gibt so eine Wandübersicht mit den eigenen Lebenswochen, die man hat insgesamt und das heißt My life in weeks, also mein Leben in Wochen, kann man sich bestellen, kann man sich auch selbst malen und da sind dann Kästchen aufgemalt der Lebenserwartung eines Mannes, 78 Jahre steht hier drauf, 78 Zeilen quasi und jeweils 52 Kästchen und dabei sind die schon eingefärbt, die das eigene Alter wiedergeben, also in meinem Fall dann 45 und dann muss man selbst händisch jeweils noch mal einen Kasten ausmalen jede Woche. Und das Bild ist so, wenn ich da drauf gucke, ja schon halb voll bei mir. Hälfte der Kästchen sind schwarz gefüllt, die andere Hälfte sind noch leer und das gibt mir einen Überblick darüber, was ich denn noch so zu erwarten habe, aber auch was man geschafft hat. Und das habe ich gemacht und ich hätte gedacht, dass ich da jetzt große emotionale Krisen vielleicht sogar erleiden werde dadurch, so wie bei anderen Freunden und Freundinnen, die vorbeikamen und sich das angeguckt haben, die erschreckt das man. Aber ich würde sogar sagen, es motiviert mich, die kommenden Kästchen sinnhaft auszufüllen und mich so ein bisschen wachzurütteln, dass wir nur ein Leben haben und das dann auch möglichst nutzen sollten. Es muss ja nicht jedes Kästchen mit dem größten Sinngehalt gefüllt sein, um in dieser Metapher zu bleiben, aber so Endloskästchen sind es eben auch nicht mehr. Würdest du so was machen oder erschreckt dich das eher fricke?

Speaker C 57:53
Also ich habe so was gemacht im Rahmen meiner Coaching Ausbildung.

Stephan Seiler 57:56
Ach wirklich?

Speaker C 57:57
Da geht es aber dann auch um.

Brigitte Huber 57:58
So Dinge Wie, da sind 100 Jahre aufgezeichnet, weil wir sind ja viel Frauen und in Wahrheit ist es ja, ihr wärt ja alle 100, wir werden ja alle 100 und es war aber dann mit verschiedenen Fragen auch versehen, also wann willst du aufhören zu arbeiten oder so Und das weiß ich noch, da bin ich zum Teil ins Schwimmen geraten, weil ich war dann irgendwie so Ende 50 oder Anfang 60, egal jetzt war erst vor anderthalb Jahren. Und dann habe ich gemerkt, dass die ganz jungen Leute, die Jährigen, da eher so bei 55, 60 so ihren Stopp gemacht haben. Und dann habe ich gedacht, nee, nee, das ist für mich überhaupt keine Geschichte und habe mich dann eher so auf die 80 zubewegt und da dann so ein kleines Fragezeichen gemacht.

Speaker C 58:42
Also das finde ich ganz spannend, so.

Brigitte Huber 58:44
Sich einfach das Leben vor Augen zu führen und die Kostbarkeit des Lebens. Und ich finde es trotzdem auch gut, wenn es jetzt nicht genau die durchschnittliche Lebenszeit eines Frau ist oder eines Mannes ist, Weil wenn du zum Beispiel 60 bist heute, dann hast du auch eine relativ gute Chance, auch 85 oder 90 zu werden. Aber egal. Die psychologische Aussage ist, glaube ich, eine ähnliche, ne? Finde ich gut. Ich habe mir jetzt vorgenommen, auf Grundlage unseres Gesprächs von vorhin als nächste Premiere, ja, dass ich mir ein neues Ritual suche. Wie findest du das?

Stephan Seiler 59:19
Finde ich sehr gut. Darf ich dir eins abgeben von meinen Ritualen?

Brigitte Huber 59:23
Ja, genau. Was hättest du auf dem Recyclingmarkt?

Stephan Seiler 59:26
Also ich kann dieses, dieses drei Seiten schreiben, diese Morning Pages, das kann ich dir sehr ans Herz legen. Ich würde mich wirklich mal interessieren, was das mit dir macht, ob du dadurch eine Veränderung spürst. Ich kann sie nämlich, ich möchte dem gar nicht vorgreifen.

Brigitte Huber 59:42
Ich würde, es würde ein bisschen kollidieren mit meinem Tagebuchschreiben auch, weißt du? Ja, genau. Ich wollte gerade sagen, wie viel will ich noch schreiben? Bei mir ist es selbst so, ich schreibe nicht jeden Tag Tagebuch, aber eigentlich möchte ich es jeden Tag schreiben, weil ich eben auch wirklich noch mal durch die Buchrecherche gelesen habe, was für gesundheitsfördernde Wirkungen das tatsächlich angeblich hat. Also es ist auch nachgewiesen. Allerdings solltest du es dann auch immer wieder nachlesen. Aber das hat mich noch mal total angespornt und insofern, also das wird zu mir abgema Aber vielleicht überlege ich selber noch mal, wenn ich darf.

Stephan Seiler 60:19
Lieber Stephan, natürlich mach das. Und ich habe noch eine Premiere vor mich. Ich darf mich noch um noch eine verschimmelte Wohnung kümmern und die mit Schimmelentferner vom Schimmel befreien. Das habe ich noch nie gemacht in meinem Leben. Freue ich mich drauf. Jetzt am kommenden Wochenende. Yay.

Brigitte Huber 60:35
Ja.

Speaker C 60:36
Super.

Brigitte Huber 60:36
Ja, ich weiß, das ist nicht so.

Speaker C 60:38
Hot, aber ich glaube, vielleicht hat man.

Brigitte Huber 60:41
Danach ein total befriedigtes Gefühl, was man vielleicht manchmal nach intellektueller Arbeit nicht so fühlt, wie wenn man irgendwie tatsächlich was verändern konnte, was man danach angreifen, begreifen, bewundern kann.

Stephan Seiler 60:54
Ja, darauf hoffe ich auch, dass es sofort sichtbar ist und eine Selbstwirksamkeit damit einhergeht, um noch mal so dieses Bullshit Bingo zu Hervorragend.

Brigitte Huber 61:05
Dann wären wir bei unserem letzten Abschnitt. Wir gucken nach vorne. Was ist denn unser nächster Gast, Stephan Unser nächster Gast ist Ann-Marlene Henning. Da war was mit Sex, oder?

Stephan Seiler 61:18
Stimmt, es wird sexuell.

Brigitte Huber 61:20
Verrät sie uns, wie der Sex zurückkommt und ob das überhaupt nötig ist und ob kein Sex auch eine Lösung ist.

Stephan Seiler 61:25
Ja, ich bin sehr gespannt auf das Gespräch. Es geht tatsächlich um all die Fragen, die die Sexualität betreffen in verschiedenen Lebenslagen. Und da kann ich ja jetzt schon mal aus dem Nähkästchen berichten, auch so ab 40 ändert sich da ja schon einiges und es gibt ja auch diverse Urteile, Vorurteile, Mutmaßungen, wie sich das so weiterentwickelt. Und Ann-Marlene Henning wird uns vermutlich da ein bisschen aufklären können, wie sich die Libido, wie die Sexualität verändert, aber auch wie Sexualität in der Partnerschaft dann vielleicht nochmal ein Schw Schwung nehmen kann, wenn man schon lange zusammen ist, welche Hilfsmittel es da gibt und so weiter und so fort. Ich hoffe mir da einiges kommende Woche an dieser Stelle zu erfahren.

Speaker C 62:07
Wir lassen uns aufklären.

Brigitte Huber 62:08
Paar Jahrzehnte nach Dr. Sommer.

Speaker C 62:11
Marlene Ja, ich schätze an Marlene sehr.

Brigitte Huber 62:14
Das wird sehr lustig werden und sie wird, glaube ich, ich finde es bei.

Speaker C 62:18
Ihr ja immer so irre, da die.

Brigitte Huber 62:20
Ja so ungeschminkt über Sex spricht, dass man dann irgendwie nach ein paar Minuten auch anfängt, so ein bisschen auch sein Wording ihr anzupassen. Aber wir lassen uns mal überraschen, wie das mit dir ist.

Stephan Seiler 62:33
Ich bin auch gespannt, ob wir danach dann gewisse Vokabeln häufiger verwenden.

Brigitte Huber 62:37
Ja, die wir sonst niemals hier verwenden würden.

Stephan Seiler 62:40
Niemals, niemals, niemals, niemals, niemals.

Brigitte Huber 62:42
Weder im Beruf noch im Podcast noch privat. Genau.

Stephan Seiler 62:46
Freue mich drauf. Nächste Woche an dieser Stelle.

Brigitte Huber 62:49
Brigitte Vielen Dank, lieber Stephan. Mir hat es auch Spaß gemacht.

Stephan Seiler 62:54
Bis zum nächsten Mal. Das war die Sache mit dem Älterwerden. Der Podcast mit Brigitte Huber und Stephan Seiler.

Brigitte Huber 63:03
Vielen Dank an Leo Ebert-Glang für die Titelmelodie, das Sounddesign und den Schnitt.

Stephan Seiler 63:09
Und an Alina Sawalis für die Covergestaltung.

Brigitte Huber 63:12
Die Sache mit dem Älterwerden erscheint mittwochs auf allen gängigen Podcast Plattformen.

Stephan Seiler 63:17
Folgt uns, abonniert uns, dann verpasst ihr.

Brigitte Huber 63:19
Keine Folge und empfehlt uns bitte weiter, das würde uns sehr freuen.

Stephan Seiler 63:25
Wenn ihr uns Feedback schicken möchtet, egal ob positiv oder negativ oder wenn ihr Themenvorschläge für uns habt, schreibt uns eine E Mail, eine Textnachricht oder Sprachnachricht auf unserem Instagram oder Facebook Kanal.

Brigitte Huber 63:38
Alle Infos findet ihr auch schriftlich zu dieser Folge in der Zusammenfassung in eurem Podcast Player.

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Folge

20

·

64 Min.

Mit

Brigitte & Stephan

Wem gehört unsere Lebenszeit? Warum fühlen wir uns schuldig, wenn wir nicht sofort antworten?

Impulse aus dieser Folge

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Zur Tür gehen, Aufmerksamkeit schenken, kurz in den Arm nehmen, statt am Laptop sitzen zu bleiben: Stephan Seiler beschreibt dieses Begrüßungsritual als kleine Maßnahme mit großer Wirkung. Es erzeugt ein Gefühl von Ankommen und verändert den Flow der nächsten Stunden.

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Rituale wirken wie ein Anker, aber es dürfen nicht zu viele sein, sonst liegt man fest. Gelegentlich den Anker lüpfen und schauen, wie die Strömung steht.

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Wie wir unsere Tage verbringen, so verbringen wir unser Leben. Die Wiederholungen sind kein Vorspiel, sie sind das Stück.

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Morning Pages: drei Seiten frei schreiben, was gerade im Kopf ist. Das spült die Gedanken heraus, die einen sonst den ganzen Tag begleiten.

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Rituale dürfen nicht zwanghaft werden. Wer sich schlecht fühlt, sobald eines ausfällt, oder den Tag für verloren hält, sollte es lockern.

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Huber & Seiler

Die Sache mit dem Älterwerden.

Klüger älter werden, ohne sich jünger machen zu müssen.

Ein unabhängiger Podcast von Brigitte Huber & Stephan Seiler.

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