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71 Min.
Was kostet es, jung zu bleiben? Wie hoch ist der soziale Preis von Longevity? Worauf müssen wir persönlich verzichten, wenn wir lange leben wollen?
Würdet Ihr auf die gemeinsame Zeit mit Eurem Partner / Eurer Partnerin verzichten, um statistisch gesehen länger zu leben?
Gesundheit

Stephan ertappt sich dabei, wie er Schritte, Schlafstunden oder Weingläser zählt – immer mit dem Ziel, sich „Zeit zu kaufen“ für die medizinischen Durchbrüche der Zukunft. Doch wie hoch ist der soziale Preis für die perfekte Disziplin? Brigitte hält mit ihrer bewährten Mischkalkulation dagegen: Laufen und Verzicht auf Fleisch ja, aber die Weinschorle in Gesellschaft muss bleiben.
In dieser Folge diskutieren wir über radikale Lebensumstellungen, die Weggabelung mit Ü40 und warum es manchmal gesünder ist, ein Ziel bewusst zu verfehlen, statt sich von der eigenen Smartwatch knechten zu lassen. Außerdem: Inwiefern Detektivspielen in der Kindheit die beste Vorbereitung auf das Leben war und wie es war, die Raunächte zu begehen.
Kapitelmarken
00:00 Intro & Das Schnitzler-Prinzip: Tun oder Ersehnen?
01:52 Die Wette auf die Zukunft: Warum Stephan jetzt Schritte zählt
08:41 Longevity extrem: Schlafplan versus Beziehungsleben
11:32 Lebensspanne vs. Gesundheitsspanne: Was wollen wir wirklich?
14:40 Die Mischkalkulation: Balance zwischen Laufen und Laster
28:08 Mythos Weggabelung: Muss man sich mit 40 entscheiden?
42:10 Hoffnung Medizin: Die Verdopplung des Wissens und wann Krebs endlich heilbar sein wird
52:40 Kleine Fragen, große Fragen: u.a. olympische Träume
56:00 Kindheits-Revival: Von Detektiven und Brettspielen
1:02:41 Unsere Premieren: Raunächte und KI-Experimente
1:08:45 Ausblick: Finanzielle Freiheit mit Helma Sick
Transkript zur Folge
Stephan Seiler 0:00
Am Ende gilt doch nur, was wir getan und gelebt und nicht, was wir ersehnt haben. Arthur Schnitzler, der große Denker. Brigitte, was löst der Arthur bei dir aus mit diesen Worten?
Brigitte Huber 0:13
Bin ich ganz nah dran. Also würde ich sagen, stimme ich dem in vielem zu. Wobei ich auch das Ersehnen als einen Teil des Erlebens einschätzen würde. Tagträume oder sich auf was freuen. Sich Dinge ausmalen. Dieses Ersehnen ist für mich schon auch Teil des Lebens. Aber ich finde auch, man sollte das Leben leben.
Stephan Seiler 0:36
Also wie im Freizeitpark, wenn die Warteschlange schon Teil der Attraktion ist, die Warteschlange bei der Achterbahn oder beim Karussell, wenn man da eine Stunde lang stehen muss und dann durch so seltsame Welten geführt wird und nicht weiß, ob die Achterbahn am Ende sich auch wirklich lohnen wird. Da verkaufen die Freizeitparkmanagerinnen und -manager das ja auch mal so, dass das schon zum Teil der Experience gehört. Die Warte—
Brigitte Huber 0:56
das Warteraum-Test. Okay, das ist spannend. Ich bin jetzt nicht so der Freizeitpark-Typ und würde mich niemals im Leben eine Stunde da anstellen. Es muss schon was Besonderes sein. Aber ich sage jetzt mal für eine tolle Ausstellung oder so, oder Einlass vor einem Konzert.
Stephan Seiler 1:10
Ja, okay. Ich habe dieses Zitat ausgewählt, weil ich heute mit dir über etwas sprechen möchte, was mich seit geraumer Zeit beschäftigt. Auf jeden Fall schon, seitdem wir jetzt diesen Podcast machen. Aber jetzt ist es noch mal kulminiert an Weihnachten, nach Weihnachten, bei einer persönlichen Begegnung, die ich hatte mit Freunden Heike und Hannes. Von denen werde ich dir gleich berichten. Bist du bereit, liebe Brigitte?
Brigitte Huber 1:33
Aber selbstverständlich, lieber Stephan.
Stephan Seiler 1:35
Sehr schön. Ich bin Stephan Seiler.
Brigitte Huber 1:37
Ich bin Brigitte Huber. Und das ist Die Sache mit dem Älterwerden.
Stephan Seiler 1:52
Ja, liebe Brigitte, ich habe in letzter Zeit gemerkt, dass ich etwas tue, was ich früher nicht oder viel weniger getan habe. Ich rechne, ich rechne Schlafstunden, ich rechne Schritte, ich rechne Gläser Alkohol, ich rechne Trainingsminuten. Nicht manisch, aber doch regelmäßig. Und der Grund dafür bist du, Brigitte, denn der Grund dafür ist auch dieser Podcast, aber auch diese Erkenntnis: Ich möchte mir Zeit kaufen. Ich möchte gesund genug bleiben, um den Moment zu erleben, von dem es heißt, dass er kommen wird. Der Moment, in dem zum Beispiel Krebs heilbar sein wird, in dem Diabetes seinen Schrecken verlieren wird, in dem Alter nicht mehr automatisch Leiden bedeutet. Zumindest für viele. Vielleicht ist das Hoffnung, vielleicht ist das eine Wette, vielleicht auch ein bisschen Selbstbetrug. Gleichzeitig sehe ich Menschen wie meinen Freund Hannes und seine Freundin Heike, von denen ich heute erzählen möchte. Beide haben ihr Leben komplett umgestellt. Sie sind schlank, fit, einigermaßen diszipliniert. Alles richtig gemacht, könnte man sagen, und doch frage ich mich, was kostet die beiden dieses richtige Leben? Und was kostet es auch in ihrer Beziehung? Heute möchte ich mit dir nicht darüber sprechen, wie man möglichst alt wird, sondern ich möchte mit dir darüber sprechen, was wir bereit sind zu zahlen, um alt zu werden, und wo für jeden von uns der Punkt ist, an dem wir sagen: Bis hierhin und nicht weiter. Brigitte, du bist da deutlich entspannter als ich. So habe ich es zumindest in den vergangenen Monaten immer festgestellt. Wie gehst du um mit dem Preis, den du zahlen müsstest, um älter, vitaler alt zu werden?
Brigitte Huber 3:32
Ich würde sagen, dass ich mich mit diesem Thema schon viele, viele Jahrzehnte beschäftige. Vielleicht so ab Ende 20. Und das war zum Beispiel dann der Moment, wo ich aufgehört habe zu rauchen, weil mir klar war, das ist auf Dauer nicht gesund. Zumal ich auch noch eine schwierige Lunge habe. Ich habe schon als Kind Asthma gehabt und es war schon ziemlich gaga, überhaupt zum Rauchen anzufangen. Aber das ist eine andere Geschichte. Und dann war mir irgendwie klar, das war für mich schon so eine innere Uhr, die hieß dann so, mit 30 will ich das aufhören. Und ungefähr in dem Zeitraum habe ich auch angefangen zu laufen. Also null kompetitiv oder extrem ehrgeizig. Also ich laufe so dreimal die Woche und das habe ich, mache ich eigentlich jetzt seit 30 Jahren und ich bin schon bereit für meine Gesundheit. Und da geht es mir nicht nur um das letzte Drittel oder das letzte Viertel, ist es mir damals nicht gegangen, sondern einfach, dass ich mich fit fühle im Alltag. Und klar, so ein bisschen schon natürlich nach übermorgen und noch weiter zu gucken. Und so würde ich sagen, Ja, hat das angefangen? Wann hast du angefangen, dich damit auseinanderzusetzen? Wirklich erst durch den Podcast, Stephan? Sei ehrlich.
Stephan Seiler 4:50
Nein, ehrlicherweise schon ein Stück weit vorher. Aber ich glaube, meine Motivation, diesen Podcast zu machen, resultiert auch ganz stark aus dieser Verunsicherung heraus. Was bin ich bereit zu tun und was ist der echte Preis, den ich zu zahlen bereit bin? Dass Alkohol schlecht ist, Zigaretten schlecht sind, natürlich weiß man das schon seit Kindestagen. Aber so richtig erlebbar wird es natürlich erst dann, wenn man auch mal Konsequenzen tragen muss, oder wenn man eines Tages dann merkt, dass es, dass, dass, dass sich vielleicht gewisse gesundheitliche Werte verändern etc. Und ich bin da dadurch auch sensibilisiert, dass ich regelmäßiger zum Arzt gehe, meine Laborwerte mir zeigen lasse. Ich habe Typ-1-Diabetes, mache ja noch ein Podcast über Typ-1-Diabetes, wie du weißt, und Wir Menschen mit Diabetes, mit chronischen Erkrankungen, lassen uns immer wieder checken und da sehen wir einfach, bekommen wir aufs Brot geschmiert, wie unser Lebensstil in den letzten Monaten war. Zumindest was das Glykämische angeht, was die Verstoffwechslung von Zucker, von Kohlenhydraten angeht. Dadurch bin ich schon sensibilisiert worden und da wurde mir auch schon früh mitgezeigt, dass es ja einen Preis gibt. Also wenn ich oft überzuckert bin oder auch unterzuckert bin, dann hat das am Ende gesundheitliche Kosten zur Folge. Da reden wir über Nervenschäden, Reden wir über den berühmten Diabetikerfuß. Kannte man ja früher auch manchmal noch, wenn so ältere Menschen mit Füßen herumliefen, die dann relativ, weiß nicht, unoffen waren und schon entzündet waren. Und das gibt es ja heute gar nicht mehr so häufig. Aber die Vorstellung, da könnte was Schlimmes kommen, wenn ich nicht auf mich aufpasse, die war schon früh in meinem Kopf drin. Und gleichzeitig sehe ich aber, dass es einige Menschen gibt, die da richtig manisch hinterher sind. Und das war für mich auch selten ein Richtiges Vorbild. Deshalb versuche ich so meinen Weg zu finden zwischen diesen Polen. Und wenn du das schon ganz früh für dich relativ fix geklärt hast, dann finde ich das ganz großartig. Ich suche immer noch nach diesem Weg und deshalb treffe ich mich ja, glaube ich, auch einmal die Woche hier mit dir.
Brigitte Huber 6:58
Ja, ich glaube, was du sagst mit dem Diabetes, das ist vielleicht bei mir dann das Asthma gewesen. Weißt du, du musst dann schon, du musst nach Sylt zu so einer Kur, du musst in die Berge, du musst irgendwie gucken, dass du diese Lunge in den kriegst. Du musst schon als 10-Jährige irgendwie Atemübungen machen und zum autogenen Training in der Volkshochschule gehen. Und vielleicht sind das dann so die Geschichten, dass du sehr, sehr früh schon darauf gestoßen wirst, dass dieser Körper nicht unfehlbar ist und dass du irgendwas investieren musst in irgendeiner Art und Weise, damit er dir was zurückgibt. Und dann glaube ich natürlich schon auch durch das Umfeld, in dem ich beruflich unterwegs war, also im Laufe der Zeit. Ja, vor allem ganz viel mit der Brigitte, wo einfach auch sehr, sehr viel wo du einfach viel erfährst, ob du willst oder nicht, was gesund ist und was nicht gesund ist und wo du dich dann auch immer wieder inspirieren lässt. Wenn du dann auf Intervallfasten stößt, so vor 20 Jahren, dann denkst du dir— am Anfang habe ich mir immer gedacht, ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass ich eine einzige Mahlzeit auslasse. Aber du wirst halt immer wieder darauf gestoßen, was ist gesund, was ist nicht so gesund. Und so habe ich es für mich dann immer gemacht, wenn mir Sachen einfach zu realisieren schienen, Dann habe ich sie halt mal ausprobiert für mich. So wie wir jetzt zuletzt mit den Pflanzen, mit den 30 Pflanzen. Dann sagt man: Ach so, ja, das ist jetzt nichts, wofür du um 5 aufstehen musst. Und es ist auch nicht, wofür du 3 Urlaubstage investieren musst, sondern es ist etwas, was sich ganz, ganz einfach in deinen Alltag integrieren lässt. Und du hast gleichzeitig noch das Gefühl, vielleicht hole ich mir auf die Art und Weise 5 weitere Lebensjahre, oder? Also so ist das dann eine einfache Rechnung, eine einfache, gute Motivation.
Stephan Seiler 8:41
Ja, Brigitte, da sprichst du einen richtig guten Punkt an, denn es gibt natürlich ganz viele Dinge, die mich auch keinen großen Preis kosten. Treppensteigen zum Beispiel geht relativ easy. Jeden Tag eine Handvoll Nüsse essen geht relativ easy. Das macht ja auch Spaß. Und Pflanzen zählen finde ich auch noch lustig, macht auch Spaß. Und klar, wenn ich Sport treibe, habe ich danach auch sofort dieses befriedigende Erlebnis, das Gefühl, ich habe was getan für mich, ich fühle mich besser. Da gibt es trotzdem den inneren Schweinehund immerhin noch. Das ist da der Preis, den man überlisten muss und so weiter. Aber während ich mir all diese Gedanken mache, sehe ich eben Menschen, die diesen Weg schon viel konsequenter gehen als ich und vermutlich auch einen höheren Preis zahlen. Und einer davon ist mein Kumpel Hannes und seine Freundin Heike. Beide leben im Rhein-Main-Gebiet. Habe ich zwischen den Jahren getroffen und war völlig geflasht von ihrer Lebensumstellung. Was sie alles machen, irre. Sie nehmen diverse Präparate, Zink, Omega-3-Fettsäuren, Tabletten, haben ganz viele Ballaststoffe in Weckgläsern eingefüllt und bedienen sich daraus, versuchen ganz viel und ausgewogen sich zu ernähren. Und das Thema Schlaf ist bei ihnen auch ein großes Thema. Beide haben durch Longevity ihr Leben wirklich verbessert. Hannes war früher auch mal mehrgewichtig, ist jetzt quasi jeden Tag beim Sport. Es sieht aus, unfassbar gut, fast wie ein Triathlet. Und andererseits muss man auch sagen, die beiden sehen einander auch kaum noch, weil Hannes jetzt ins Bett geht, wenn Heike von der Arbeit nach Hause kommt. Okay. Beide sind erfolgreich im Job. Sie kommt dann meistens abends so gegen 22:00 nach Hause. Beide bestehen aber auf 7,5 Stunden Schlaf wegen der Longevity, wegen der Langlebigkeit. Das verlangt sie ja so. Und das heißt, dass sie sich von Montag bis Freitag eigentlich kaum sehen, meinten sie. Sie sehen dann abends um 22:00, machen sie noch Shake Hands und dann ist aber Heiko eigentlich schon so schläfrig, dass er kaum mehr für ein richtiges Gespräch zu gebrauchen ist. Gesprochen ist. Und das alles sorgt bei mir immer wieder zu der Frage: Wäre ich dazu bereit? Wäre ich dazu bereit, quasi auch diesen sozialen, partnerschaftlichen Preis zu zahlen, zum Beispiel um eine abstrakte Hoffnung darauf zu haben, dass ich länger lebe, dass ich die Leidenszeit am Ende, von der Hannes auch sprach, reduziere, also die letzte Phase im Leben, von der wir annehmen, dass es dann schmerzhaft wird und nicht mehr so schön ist. Dass wir die ganz kurz halten und möglichst lange gesund bleiben. Man sagt ja auch, es kommt gar nicht so auf die Lebensjahre an, sondern auf die Gesundheitsjahre. Wie lange sind wir als Mensch gesund? Und das ist ja für mich total überzeugend, rational. Aber bin ich dafür dann bereit, jeden Abend um 10 Uhr ins Bett zu gehen, vielleicht meinen Partner kaum mehr zu sehen, weniger zu sehen, meine Freunde kaum zu sehen? Und darüber möchte ich heute mit dir sprechen, um da so einen besseren Radar zu finden. Wie ist das für dich?
Brigitte Huber 11:32
Also zum einen glaube ich, kann man noch mal sagen: Klar, wir unterscheiden und die Longevity-Leute, also generell auch die Wissenschaft zwischen der Lebensspanne und der Gesundheitsspanne. Und tatsächlich ist fast bei jedem am Ende des Lebens, außer er stirbt natürlich ganz spontan durch einen Herzinfarkt oder so was, kommt noch so eine Leidensphase und die möchte einfach niemand. Das ist vollkommen klar. Jetzt ist natürlich die Frage: Wie stark kann ich die beeinflussen, indem ich maximal gesund lebe? Ist ja auch schon mal eine Wette. Unter Umständen hilft mir das dann gar nicht. Aber wie du sagst, es ist ein abstraktes Versprechen. Und ehrlicherweise, ich kann da nur sagen, wie ich damit umgehe. Ich versuche, eine gute Balance hinzukriegen. Ich habe mich zum Beispiel ganz bewusst entschieden, nicht meinen Schlaf tracken zu lassen. Weil ich denke mir dann auch, das setzt einen ja dann noch mehr unter Druck. Dann denkst du, du hast ganz gut geschlafen und dann sagt die Uhr zum Beispiel: „Nee, nee, täusch dich nicht, du hast gar nicht gut geschlafen." Ich habe das jetzt letztes Mal auch von jemandem wieder gehört, die gesagt hat: „Ja, wenn ich dann spät esse und das merke ich dann gleich und dann sagt mir meine Uhr am nächsten Tag, dann hat sich irgendwie keine Ahnung, wie sich das dann bemerkbar gemacht hat, auf jeden Fall nicht positiv." Und dann denke ich mir, dann fühle ich mich ja doppelt schlecht eigentlich. Habe ich gedacht, ich hätte ganz gut geschlafen, aber dann nicht. Und wenn ich schlecht schlafe, ich schlafe eben nicht immer gut. Wenn ich schlecht schlafe und nachts eine Stunde wach liege, dann merke ich das selber. Also das ist für mich so eine Tabuzone. Also ab jetzt für mich persönlich. Und unterm Strich ist es mir aber auch wichtig, zu viel gesundem Schlaf zu kommen. Klar. Und dann mache ich eben, dass ich mich genügend bewege und so weiter und so fort. Aber wie gesagt, ich bin da mit den Messungen so ein bisschen vorsichtig. Und will das nicht überbewerten, weil ich habe es ja auch schon mal erzählt, meine Uhr mir auch ungefragt schon irgendwelche Werte sagt und einordnet. Und da meine ich ja die berühmte Pulsuhr. Und meint, mein Wert wäre sehr gut für eine Frau und für mein Alter, wo ich mir denke, okay, ist es jetzt ein Kompliment oder eher etwas, was einen verstören sollte? Also insofern, ich hole mir immer gerne neue Anregungen rein. Für mich ist es wirklich auch zum Beispiel, irgendeinen Artikel zu lesen, in dem wieder drinsteht, wie toll das Laufen ist und was es mit der Birne macht und so weiter und so fort. Das ist der beste Motivator, dass ich raushüpfe aus dem Bett oder vom Sofa und mir die Schuhe anziehe, die Laufschuhe und laufen gehe, weil ich dann so richtig— Kennst du das, dass man so ein Bild davon hat, was im Körper abläuft? Also ich weiß nicht, kannst du dich noch erinnern? Früher an Karies und Baktus, gab es das zu deiner Zeit auch?
Stephan Seiler 14:14
Ja, natürlich. Ja klar, in der Grundschule.
Brigitte Huber 14:15
Und so was habe ich dann habe ich dann das Bild, dass in meinem Körper, auch im Gehirn, so kleine Handwerker sind und die schaufeln dann irgendwie schlechte Stimmung raus. Also da wird es bei mir so richtig lebendig. Und gleichzeitig machen die einfach so Reparaturarbeiten und so weiter. Und die, also das hilft mir dann und das mache ich dann sehr, sehr gerne. Also weil ich bin in Wahrheit schon auch eine faule Socke eigentlich.
Stephan Seiler 14:40
Ja, ja, das fällt mir schwer, dir das zu glauben, aber nehme ich mal so hin. Dass du eine faule Socke bist. Aber hast du jemals auch selbst gedacht, vielleicht bei einer Party, vielleicht wenn dir ein Glas Wein angeboten wurde oder sonst irgendwas: Ah, ich muss jetzt aufpassen, ob ich da jetzt ja oder nein sage, damit ich später noch was von meinem Leben habe, damit die Zeit am Ende nicht kürzer wird. Ein Hinweis dazu: Ich habe die Tage noch mal gelesen, jede Zigarette verkürzt das Leben statistisch um 20 Minuten. Joints übrigens auch. Und das ist für Teile meiner Umgebung durchaus ein Fakt, mit dem sie sich nicht so gerne beschäftigen möchte. Aber es ist ja am Ende statistisch einfach so, wenn dir das dann mal angeboten wird, dann sagst du vielleicht auch mal nach dem dritten Glas: Oh ja, dann rauche ich mal noch mal eine. So wie früher. Und das ist bei mir jetzt anders. Bei mir ist es seit einiger Zeit so, ich hinterfrage quasi alles, was mir angeboten wird, was dann auch wieder zu einem Stress und zu einer Lustbefreiung manchmal ein bisschen führen kann. Kennst du diese Situation?
Brigitte Huber 15:40
Ja, also das mit dem Rauchen habe ich ja schon erzählt und ich träume ungefähr einmal Im Jahr, dass ich wieder angefangen habe zu rauchen. Und dann wache ich auf und erschrecke so und denke mir: Nee, das hast du nicht gemacht. Und dann denke ich mir: Nee, das hast du nicht gemacht. Stimmt, super, klasse. Also das ist schon irgendwas so, weil mir das wirklich nicht so leicht gefallen ist. Und mit Alkohol ist es anders. Ich würde nicht ganz ohne Alkohol leben wollen. Ich mag meine Weißweinschorlen wahnsinnig gern und Es ist einfach dann für mich so, dass ich sage, okay, ich trinke die nur in Gesellschaft, wenn ich irgendwo mich mit Leuten treffe oder sonst was und nicht zu Hause.
Stephan Seiler 16:20
Also jeden Abend Leute treffen. Yeah.
Brigitte Huber 16:22
Ja, genau. Nee, also aber so natürlich, das gehört bei mir dann so zu dieser gesunden Balance. Ja, ich weiß, ich werfe so ein paar gute Sachen auf die Waagschale und dafür kann ich mir so ein, zwei Laster auch leisten. Und Guck auf meine Schritte und all diese Sachen. Und wenn dann wiederum rauskommt, dass wir gar nicht 10.000 Schritte gehen müssen, sondern 6.000 bis 7.000 reichen, dann ist mir das eine Zeit lang wichtig und dann ist es mir wieder nicht mehr so wichtig. Also es ist ja auch das, glaube ich, worauf wir gesundheitlich unseren Fokus— ändert sich auch noch. Aber tatsächlich, und da komme ich jetzt zu so einer grundsätzlichen Überlegung, und das knüpft sich auch an das Zitat vom Anfang an, Ich finde auch, dass man das Leben nicht einfach nur aufschieben sollte auf einen Punkt X, der vielleicht dann gar nicht kommt. Ja, oder vielleicht gar nicht so toll ist, wie ich es mir vorstelle. Und das meine ich. Also dieses: Ich lebe im Jetzt und Hier und investiere aber gleichzeitig. Ist wie so eine Art Altersvorsorge und leg was zur Seite oder investiere etwas für eine spätere Zukunft, in der ich mich hoffentlich in der ich mir selber hoffentlich dankbar sein werde.
Stephan Seiler 17:36
Ja, und dieses Investment, das ist eigentlich vielleicht auch eine schöne Analogie, hat ja auch am Ende dann immer so einen kleinen Preis. Und ich glaube, es ist einfach wichtig, sich den auch sichtbar zu machen, weil das wird ja ganz, ganz selten genannt bei dieser ganzen Langlebigkeits-, Longevity-Geschichte. Die Preise können sein: Zeit, kann sein Nähe, die verloren geht, Genuss, haben wir schon drüber gesprochen, Spontanität im Sinne von Abends ruft jemand an und sagt: Hast du noch Lust rauszugehen? Früher sagt man vielleicht ja, jetzt sagt man: Ich muss auf meinen Schlaf achten. Und aber auch ein Preis kann sein, diese mentale Last, die du ja eben auch schon angedeutet hattest. Und ich glaube, es ist wichtig, sich das bewusst zu machen, ohne da jetzt schon eine genaue Verortung zu finden. Aber sonst negiert man ja, glaube ich, einen ganz, ganz wichtigen Teil.
Brigitte Huber 18:22
Stephan, wahrscheinlich ist doch der entscheidende Punkt, Wie fühlt sich der jeweilige Mensch mit diesen Entscheidungen? Wenn deine Freunde im Moment damit happy sind, wenn ihnen das mehr gibt, als dass es ihnen nimmt, dann scheint die Rechnung für sie zu stimmen. Vielleicht finden sie auch einen Weg. Das weiß ich jetzt nicht, wie sie sich— Also ich fände es jetzt wahnsinnig schade, wenn ich meinen Partner oder Menschen, die mir wichtig sind, deutlich weniger sehe. Also das wäre für mich schon so ein Moment. Ich kenne Diese Situation, dass ich normalerweise immer am Sonntagvormittag laufe und wenn dann mein Partner— wir wohnen ja nicht zusammen, aber am Samstag ist er fast immer bei mir, auch Sonntag— wenn der dann auf einmal sagt, er muss heute schon um 11 weg, dann überlege ich: Oh, soll ich jetzt deswegen das Laufen canceln? Weißt du, was ich meine?
Stephan Seiler 19:10
Ja.
Brigitte Huber 19:10
Und dann ist das schon so eine Abwägung. Oder versuche ich nachmittags und so weiter und so fort. Das kenne ich, aber auf Dauer deswegen, also Quality Time mit Menschen, die mir nahe sind, auf die zu verzichten, das glaube ich, würde ich versuchen anders einzurichten.
Stephan Seiler 19:25
Ich finde, da sprichst du auch einen ganz spannenden Punkt an, dem ich auch mal wieder begegne, und zwar Wochenendplanung, Joggen versus mit Freunden auf dem Markt zu treffen. Und beides ist wichtig. Wir haben ja schon gelernt, Verbundenheit ist wahnsinnig wichtig, auch um älter zu werden. Wir brauchen Menschen, wir brauchen die sozialen Kontakte. Andererseits, was so ein Cardio-Training am Morgen, bisschen laufen gehen, sich auspowern, kann ja auch nicht schlechter sein. Jetzt vielleicht mal am Beispiel Schlaf erzählt, möchte ich dich fragen: Welchen Preis wärst du denn da bereit nicht zu zahlen? Also 7,5 Stunden heißt es ja immer, soll man schlafen. Das ist wahnsinnig wichtig. Habe ich ja auch in diversen Büchern. Ich glaube, auch in deinem stand da was drin, oder? Zum Thema Schlafen.
Brigitte Huber 20:13
Ja, selbstverständlich.
Stephan Seiler 20:14
Natürlich.
Brigitte Huber 20:16
Und das hat aber meine Freundin und Co-Autorin bearbeitet. Und klar, Schlaf ist einfach ein zentrales Thema. Und man muss sagen, wir reden ja hier übers Älterwerden. Das Thema wird in aller Regel schwieriger. Also Menschen schlafen, wenn sie älter sind, in der Regel schlechter.
Stephan Seiler 20:34
Und auch weniger.
Brigitte Huber 20:36
Na ja, von der Tendenz her ist es dann so, kommt jetzt auch drauf an, kompensierst du es, wenn du dir das leisten kannst, tagsüber mal 10 Minuten die Augen zuzumachen. Ich bin ja eine absolute Verfechterin des Schlafdrucks aufbauen. Ich leg mich niemals tagsüber hin. Aber bei mir war es auch immer ganz interessant. Ich hatte natürlich allein durch mein Leben mit Familie und Job und so weiter eigentlich immer zu wenig Schlaf unter der Woche. Wie viel? Ich würde mal sagen, vielleicht 6,5 Stunden, also aber auch gefühlt zu wenig, 6,5, vielleicht 7 Stunden. Und weil ich jetzt nicht jemand bin, der um 9 schon ins Bett gehen kann, sondern eher einen Ticken später. Und dann musst du aber doch um 6:30 immer raus oder so, oder um 6, je nachdem. Und dann wird es schon eher immer später. Das hat aber dafür den Vorteil gehabt, ich habe immer sehr, sehr gut geschlafen. Ich habe überhaupt nicht verstanden, dass Menschen Schlafprobleme hatten, weil in dem Moment, wo ich mich hingelegt habe, habe ich geschlafen. Fertig. Und jetzt, wo ich ein bisschen mehr Zeit habe, ist es tatsächlich eher so, dass ich gute Nächte und schlechte Nächte habe.
Stephan Seiler 21:40
Jetzt habe ich durch meinen Kumpel Hannes dann auch noch einiges erfahren, nämlich dass ich mir zwar einbilde, gut und fest schlafen zu können, selbst wenn ich vorher ein Liter Cola Zero getrunken habe. Aber er meinte, das sei nicht so. Wir müssen darauf achten, dass wir nach gewissen Regeln schlafen. Also 11 Stunden vorm Einschlafen kein Koffein mehr, 3 Stunden vorm Einschlafen nichts essen mehr, eine Stunde vorm Einschlafen keine Bildschirme mehr, also kein Telefon, kein Computer, auch kein Fernsehen etc. Das alleine hat bei mir schon wieder die Stresswellen ausgelöst innerlich.
Brigitte Huber 22:12
Immer zur gleichen Zeit.
Stephan Seiler 22:14
Immer zur gleichen Zeit. Vor allem aufwachend, glaube ich.
Brigitte Huber 22:17
Das weiß ich. Es gab schon mal, da habe ich sogar ein Editorial dazu geschrieben, weil es mich so, wie man neudeutsch sagt, getriggert hat. Vor 20 Jahren oder so war es auch eine Geschichte in der Brigitte drin mit einem Schlafforscher. Und der hat gesagt, das Wichtigste ist, dass man, oder nicht das Wichtigste, eine der wichtigsten Sachen, immer zur gleichen Zeit ins Bett geht. Dann habe ich mir gedacht: Ich bin doch nicht vom Hahn gehackt. Jetzt ist endlich Wochenende und ich gehe wieder um 22:15 Uhr zu Bett. Und da hat sich in meinem Inneren alles rebellisch dagegen aufgelehnt. Und dann habe ich mir auch gedacht: Nee, etwas, was dir so schwerfällt, kann jetzt wiederum auch nicht gesund sein. So ist dann so meine kleine Rechnung.
Stephan Seiler 22:58
Ja, da bin ich total bei dir. Ich habe auch mal gehört, dass man ja das Schlafdefizit am Wochenende wieder ausgleichen kann. So habe ich es mir dann auch schön gerechnet. So, dann schlafe ich ich einmal am Wochenende aus, dann ist alles wieder gut. Und wir werden bestimmt auch irgendwann noch mal eine ganze Folge dem Thema Schlaf widmen. Aber ich finde das Thema so exemplarisch so gut, weil man daraus so viel rauslesen kann in Sachen Preis. Welchen Preis bin ich wirklich bereit zu zahlen? Mein Thema ist es tatsächlich auch deshalb, weil ich ja als Freiberufler auch immer vor der Frage stehe, wenn ich schlafe, kann ich kein Geld verdienen. Was opfere ich dann? Und am Ende ist der Schlaf oft dann so die quasi wie der Dispo auf dem Konto. Kann ich immer ein bisschen was abnehmen, weil ich irgendwo andere Zeitbudgets woanders brauche? Muss ich eigentlich später zurückzahlen, aber wenn nicht, ist auch nicht so schlimm. So kam es mir immer wieder vor. Und tatsächlich ist es ja so, viele kennen das vielleicht auch aus ihrem eigenen Leben, auch vielleicht auch Menschen, die früher auf der Uni waren oder so weiter, war auch immer dieses: Entweder ich lerne oder ich schlafe am Ende, gerade nachts. Hat man sich auch die eine oder andere Nacht um die Ohren gehauen und in der Partnerschaft genauso. Also die Frage an dich: Welchen Preis lässt du beim Thema Schlafen bereit zu zahlen? Also wenn du jetzt deinen Partner dann nicht mehr sehen würdest, so wie Hannes und Heike von Montag bis Freitag, würdest du sagen, okay, mache ich trotzdem, dann schlafe ich, dann gehe ich früher ins Bett? Oder würdest du sagen, nee, auf gar keinen Fall, dann lieber nur 6 Stunden schlafen?
Brigitte Huber 24:20
Nee, also das würde ich nicht tun. Also das würde ich nicht tun. Ich würde nicht, wie gesagt, einen so harten Einschnitt in mein privates Leben vornehmen, wenn es für mich ein harter Einschnitt ist, wenn es für die beiden, wenn die sagen, wir haben dann so eine Art Wochenendbeziehung, wie andere Menschen in Berlin und Hamburg leben und sich nur am Wochenende sehen. Kann ja sein, dass es für die auch okay ist. Ja, das weiß ich nicht.
Stephan Seiler 24:43
Aber wenn— Nee, die leben zusammen, außerdem haben sie sogar ein Kind.
Brigitte Huber 24:46
Ja, wie gesagt, kann ja aber trotzdem sein, dass es für die beiden nicht so schlimm ist, dass sie sich unter der Woche wenig sehen. Dann werden sie sich abwechseln mit dem Kind. Aber Das können wir von außen so nicht beurteilen. Anscheinend sind sie bereit, momentan den Preis zu zahlen. Und ich merke das schon auch. Es gibt einfach so Dinge, die fallen einem gar nicht so schwer. Und das ist bei mir zum Beispiel Ernährung. Das fällt mir nicht schwer. Ich mag, ich bin seit 40 Jahren, esse ich kein Fleisch. Es geht mir null ab, null Komma null. Und ich mag auch ganz gern eigentlich gesunde Sachen. Und bei den ganzen gefährlichen Sachen, die für mich gefährlich sind. Chips und Süßigkeiten versuche ich möglichst wenig, den Feind überhaupt im Haus zu haben. Und dann geht das auch ganz gut. Und dann merke ich aber, es gibt gute Phasen und schlechte Phasen. Und wenn, wie wir vorher gesagt haben, wenn du dann wieder irgendwas hörst, wie wichtig diese oder jene Linsen sonst was sind oder keine Ahnung, dann motiviert mich das und dann geht es mir aber vor allem um mein jetziges Wohlbefinden. Weil wenn ich dann lese, da wird man davon irgendwie energiegeladener und so weiter und so fort. Dann nutze ich mir diesen Placeboeffekt durchaus und dann habe ich auch das Gefühl, das hilft mir. Und dass das vielleicht auch mein Leben verlängert, das würde ich sagen, ist eher so im Hinterkopf. Weißt, was ich meine? Mir geht's, mir geht's da schon ganz stark ums Jetzt und Hier. Auch beim Laufen, was ich vorher gesagt habe. Wenn ich, wenn wir darüber reden, wird mir das auch klar. Natürlich mache ich das alles auch, weil man dann länger gesünder bleibt. Aber vor allem mache ich es, weil ich mich jetzt im Moment dann wohler fühle. Das, wo es nicht stimmt, ist Body Pump, also Gewichte und so was. Das bräuchte ich wahrscheinlich jetzt noch gar nicht so sehr. Das ist tatsächlich eine Investition für die Zukunft, weil ich finde das ja nicht so spannend mit diesem Gewichte heben und Muskeln aufbauen. Also das ist richtig eine Pflichtveranstaltung für mich.
Stephan Seiler 26:46
Aber das haben wir ja auch gelernt, dass es wahnsinnig wichtig sei, gerade die Oberschenkelmuskulatur zu stärken, um gesund alt zu werden, damit wir nicht irgendwann umfallen, stürzen und Oberschenkelhalsbruch bekommen und danach an Krankenhauskeimen im Krankenhaus verrecken. Oh Gott, das ist auch so ein ganz schlimmes Bild, was ich da immer auch im Hinterkopf habe. Ich möchte auf keinen Fall so was haben und das treibt mich dann auch manchmal ins Fitnessstudio. Aber du hast recht, da muss man den inneren Schweinehund tatsächlich überwinden.
Brigitte Huber 27:14
Ja, und wie gesagt, es finde ich schon noch mal, Menschen sind auch unterschiedlich. Ich glaube, dass Menschen, die sich vollkommen auf dieses Longevity einlassen können, auch das ist auch, glaube ich, eine Typsache, oder glaubst du nicht? Weil ich weiß zum Beispiel von einer Kollegin von mir, die nicht umsonst auch im Bereich Fitness arbeitet, für die ist zum Beispiel auf einen Berg hoch zu radeln Macht ihr mehr Spaß als runterzufahren? Oder dann, dann denke ich mir: Nee, das ist in meiner Genetik so nicht vorgesehen und in der der meisten Menschen auch nicht. Also dass man einfach so gern aus der Komfortzone rausgeht, dass man das genießt, das ist wahrscheinlich schon auch noch Typsache. Kann auch sein, dass man das ein Stück weit steuern kann und einfach sagen kann: Jetzt mache ich einen Cut und jetzt lasse ich mich drauf ein. Bin nicht sicher, ob sie in mir drinsteckt. Ich glaube eher nicht.
Stephan Seiler 28:08
Ich glaube auch, dass da die Typfrage eine große Rolle spielt. Aber ich bin auch immer wieder an diesem Bild, ich klebe auch immer wieder an diesem Bild mit der Weggabelung. Hannes meinte, jeder Mensch würde irgendwann mal an dieser Weggabelung stehen, meistens so ab 40, Anfang 40, und dann sich fragen müssen, welchen Weg möchte ich jetzt einschlagen? Der eine Weg führt zu einem gesunden restlichen Leben, der andere Der Weg schaut eigentlich genauso ungesund in Anführungszeichen wie die Vergangenheit aus. Und da meinte er, müsse man sich dann noch entscheiden. Und die Frage, die ich mir stelle, ich habe mir die auch ein bisschen zu eigen gemacht: Stimmt diese Überlegung? Müssten wir uns wirklich irgendwann bewusst entscheiden, damit eben das letzte Zehntel des Lebens irgendwann nicht ganz schlimm wird, damit wir irgendwann die Heilung der Krankheiten erleben wollen? Glaubst du an diesen einen Moment, an dem man sich entscheiden muss, oder ist das eher ein Mythos, der Druck erzeugt.
Brigitte Huber 29:08
Für den Hannes scheint das so zu sein. Und ich kenne auch tatsächlich auch 2, 3 Menschen, für die das so war, die dann irgendwann gesagt haben: So, und jetzt wechsle ich komplett auf die gesunde Seite. Gar nicht jetzt von der ganz Ungesunden. Aber das gibt es auch. Das gibt es natürlich schon auch, wenn du eine schwierigere gesundheitliche Vergangenheit hast oder vielleicht auch sehr, sehr viel Substanzen oder irgendwas konsumiert hast, die nicht gesund sind. Das gibt's. Für mich trifft es nicht zu.
Stephan Seiler 29:34
Liebe Brigitte, wir begrüßen heute unseren ersten Werbepartner. Um wen handelt es sich?
Brigitte Huber 29:39
Der Werbepartner unserer heutigen Folge ist der Verein Natur und Medizin e.V. und die dazugehörige Carsten Stiftung.
Stephan Seiler 29:47
Ja, diese unterstützt naturheilkundliche Forschung und sie sorgt dafür, dass diese fundiert und alltagstauglich verständlich vermittelt wird.
Brigitte Huber 29:56
Für mich ist Naturheilkunde immer schon ständiger Begleiter. Ich setze auf Ingwertee und andere starke Pflanzen. Ich mache Yoga und gehe auch gehe ich immer mal wieder zur Akupunktur. Das Ganze wirkt übrigens auch bei Tieren. Ich hatte mal einen sehr unruhigen Hund, dem wir auf Anraten der Tierärztin Johanniskraut verabreicht haben. Mit Erfolg.
Stephan Seiler 30:16
Ich komme aus einer Familie mit vielen Ärzten und Pflegerinnen. Bei uns zu Hause war immer wichtig, dass alles wissenschaftlich fundiert ist, alles erprobt und getestet. Daher freue ich mich, dass unser heutiger Werbepartner ein Ziel verfolgt. Mit den Mitgliedsbeiträgen soll die naturheilkundliche Forschung ermöglicht werden, damit man auch wirklich weiß, was wie wirkt.
Brigitte Huber 30:36
Außerdem unterstützt euch der Verein bei Gesundheitsfragen. Ihr profitiert von einem Netzwerk erfahrener Ärztinnen und Ärzten sowie einem umfangreichen Online-Bereich mit praktischen Selbsthilfetipps.
Stephan Seiler 30:49
Eine Mitgliedschaft gibt es bereits ab 47 € im Jahr. Wer mehr erfahren oder die Arbeit von Naturheilmedizin unterstützen möchte, findet alle Infos unter naturheilkunde.de. Naturundmedizin.de. naturundmedizin.de in einem durchgeschrieben. Und jetzt weiter mit der aktuellen Folge.
Brigitte Huber 31:06
Also ich habe nicht diesen einen Moment, wo ich gesagt habe, so, jetzt mache ich es anders. Und was ich vorher auch vom Rauchen aufhören, das hat sich auch angebahnt. Dann überlegt man das ein paar Jahre, man setzt sich so eine innere Frist und irgendwann sagt man so, und jetzt ist es soweit. Und auch wenn du, ich glaube, das gilt auch für viele Menschen, weil wir nehmen uns ja immer wieder Dinge vor. Jetzt hatten wir ja gerade Neujahr. Hochsaison für gute Vorsätze. Und die halten in der Regel aber nicht mal das erste Quartal. Und dann ist es einfach so, dann nehme ich mir vielleicht zu viel vor und dann kann ich das auch nicht einhalten. Und insofern glaube ich, mag das für manche Menschen zutreffen, was Hannes sagt. Und für viele ist es aber eine ständige Feinjustierung. Und dann probierst du das mal aus und dann sagst du: Nee, das ist mir vielleicht doch zu aufwendig. Und so weiter und so fort. Und es gibt ja auch Menschen, die mit 60 oder 70 erstmals in ein Fitnessstudio gehen. Dann ist es ja auch nicht zu spät. Aber die werden jetzt, ich sage jetzt mal ganz salopp, den Karren nicht mehr völlig rumreißen, sondern sie werden den Kurs korrigieren und vielleicht tatsächlich Lebensqualität und auch ein paar Jahre dadurch noch mal rausholen. Also der eine Moment, glaube ich, der gilt nicht für alle. Wie siehst du es?
Stephan Seiler 32:18
Also mich hat der Satz ein bisschen abgeholt, weil ich tatsächlich quasi diese Weggabelung seit geraumer Zeit spüre. Also ich habe das Gefühl, da ist eine riesige Weggabelung vor mir seit 10 Jahren, und irgendwann sollte man dann doch mal den richtigen Weg gehen und vielleicht auch von der eigenen Autobahn, von der sechsspurigen ungesunden Autobahn, dann irgendwann mal die Ausfahrt nehmen und dann rüberfinden zum anderen Trampelpfad des gesunden Lebens, wo man dann mit der Machete durch muss. Ich dramatisiere etwas.
Brigitte Huber 32:45
Bitte um Nachsicht. Es wird zu schwarz-weiß, auch die Art und Weise. Das heißt ja, es gibt zwei Wege. Es gibt den ungesunden und es gibt den gesunden. Aber es gibt Millionen Wege und es gibt auch Wege, die man vorübergehend wieder mal verlassen kann und dann wieder drauf zusteuern kann. Und insofern würde ich auch sagen, ich lebe vielleicht, was Ernährung angeht, zu 90% gesund. Und was Alkohol angeht, zu, keine Ahnung, 80% gesund. Ja, und was Fleisch aber angeht, ist zu 100%. Und was Muskeltraining angeht, vielleicht nur zu 10%. Also so meine ich, also es ist ja nicht, es gibt ja nicht den einen Weg.
Stephan Seiler 33:24
Eine Mischkalkulation.
Brigitte Huber 33:25
Eine Mischkalkulation.
Stephan Seiler 33:27
Eine Mischkalkulation ist es.
Brigitte Huber 33:29
Naja, es ist doch auch wie, wenn man das ganze Leben aufgibt. Also das ist für mich auch, ich war mal als junge Frau, bin ich mal konfrontiert worden. Ich habe mit einem Masseur gesprochen, der in so einem Feriendomizil war und der hat gesagt, weil ich mir so eine Massage gegönnt habe, was ja ganz selten ist, wenn du erst 30 bist oder so. Und dann hat er gesagt, ich wäre der erste nicht frustrierte Mensch seit Wochen, der irgendwie ständig Leute, die älter sind, also richtig alt, schon dann in meinen Augen so alt wie ich jetzt, also in Rente oder sonst irgendwas waren. Und die dann gesagt hätten, vor allem Männer, sie hatten ihr ganzes Leben quasi nur in den Job investiert. Und was, was ist denn da jetzt noch? Jetzt ist alles quasi vorbei und sie haben nichts mehr. Und das war für mich jetzt so ein Mahnmal. Das hat zwar jetzt nichts mit dem Körper zu tun in dem Fall, aber du kannst dein Leben auch verpassen, wenn du zu stark auf irgendeine Freiheit, die irgendwann anscheinend kommen soll, setzt. Und die ist dann gar nicht so toll. Und so denke ich mir, ist es ja auch mit unserem Körper. Selbstverständlich sollten wir investieren und selbstverständlich sollten wir aber auch vielleicht das, was uns jetzt gerade Spaß macht und Lebensfreude bringt, uns erlauben. Und vielleicht ist genau das aber auch das, was uns lange gesund und glücklich hält. Weiß man ja nicht. Also vielleicht rede ich es mir jetzt schön, aber das wäre so meine Mischkalkulation.
Stephan Seiler 34:55
Du hast ja eben auch schon den Punkt mit zu spät? Fragezeichen? Gibt es das überhaupt? Angesprochen. Ich habe dich jetzt so verstanden, dass es kein völliges Zu spät deiner Meinung nach gibt. Glaubst du denn, dass man immer noch was gewinnen kann, selbst wenn es nur ein bisschen ist? Vielleicht holen wir ja keine 10 Jahre noch raus, aber dann doch 2 gute, wenn man mit—
Brigitte Huber 35:18
Ja, also die Forschung, ich bin jetzt keine Wissenschaftlerin, die Forschung sagt schon, es lohnt sich immer noch. Es lohnt sich immer noch. Klar. Also auch wenn du irgendeine Krankheit im Endstadium hast, dann vermutlich nicht mehr. Aber bevor das der Fall ist, bringt es selbstverständlich was.
Stephan Seiler 35:37
Ja, mein Kumpel Hannes brachte da auch, als wir darüber gesprochen haben, das Beispiel auf von einem Patienten, der eine Todesnachricht bekommen hat, dass er nur noch 3 Wochen zu leben habe aufgrund seines Lebensstils. Und dann hätte er ganz viel geändert, von jetzt auf gleich, und hätte dann noch 3 Jahre rausgeholt. Das Beispiel hätte ihm sehr gefallen. Kann ich jetzt nicht verifizieren, ist ja anekdotische Evidenz. Aber das sind ja auch mal so die kleinen Dinge, die man sich dann gerne merkt, die einen dann auch wieder motivieren im Sinne von: Hat man vielleicht noch 3 gute Jahre, besser als 3 schlechte Wochen. Ist ja irgendwie auch motivierend, finde ich.
Brigitte Huber 36:10
Ja, absolut. Aber das ist natürlich dann schon dramatisch. Klar, das ist schon dramatisch. Und das ist ja dann auch die Frage: Wenn du noch 3 Wochen zu leben hast, jetzt werden wir aber schon ganz schön tragisch, Und durch eine absolute gesunde Lebensweise könntest du da draus 3 Monate machen. Ist es dir das wert? Wenn du dann— ja, du weißt, was ich meine. Wenn, dann musst du immer trotzdem um 5 aufstehen und dies und jenes. Wirst du wahrscheinlich gar nicht können mit so einer schwierigen Diagnose. Aber ja, ehrlicherweise, das ist für mich auch immer ganz lustig gewesen. Ich habe ja bis letztes Jahr auch immer Jetzt werde ich wahnsinnig streberhaft. Habe ich bis letztes Jahr mittags eine Cola Zero mir gegönnt. Und nachdem ich so eine Ayurveda-Kur gemacht habe, habe ich mir das danach abtrainiert. Und das war auch immer so, wenn Leute gesagt haben: Ach echt, du trinkst so was? Das passt gar nicht so zu dir. Weil sie gedacht haben, ich lebe so wahnsinnig gesund. Habe ich gesagt: Ja, man muss ja immer noch was haben, was man quasi streichen kann von der Liste. Und unter uns, natürlich habe ich noch genügend andere Laster, aber die kriegt man nicht mit, wenn man mit Leuten in die Kantine geht und man isst ja da irgendwie was, was da gerade angeboten wird. Und das sind dann schon so Geschichten. Ich finde, man braucht ja auch immer noch Dinge, die man notfalls positiv verändern kann, oder nicht?
Stephan Seiler 37:35
Ja, total. Das sehe ich auch so. Und lustig, dass du gerade Colasio angesprochen hast. Das ist ja auch meine kleine Sucht. Und ich habe auch vor kurzem gehört, dass Cola Zero, das Aspartam, was da dran ist, jetzt nicht unbedingt gesund sein soll. Aber man sagt ja immer, das sei so krebserregend und so. Alkohol ist viel, viel krebserregender. Nur darüber redet keiner. Im Vergleich zu Cola Zero, das wird immer wieder problematisiert. Und beim Alkohol hört man es jetzt ab und zu mal. Ich habe heute Morgen auch übrigens im Radio gehört, Alkohol ist für den Ausbruch von 200 Krankheiten verantwortlich oder wird dafür verantwortlich gemacht. 200 Krankheiten? Und trotzdem kriege ich es für 1 € an der Supermarktkasse. Ist ja auch irgendwie immer noch irre. Ist jetzt ein anderes Thema, aber zeigt eben auch wieder, wie man sich dann quasi auch mit so einem kleinen, wenn man sich auch manchmal selbst belügt, die Sachen schönrechnet oder auch dramatisiert, statt vielleicht mit einem ganz klaren, objektiven Blick drauf zu gucken.
Brigitte Huber 38:32
Ja, absolut. Und seine eigene Rechnung zu machen. Also das ist für mich immer das Entscheidende, dass ich in der Lage bin, mein Handeln abzuschätzen, dass ich nicht— ich möchte also, wenn mir irgendjemand zum Schluss sagt, es war einfach total gesundheitsschädlich, dass du jeden Tag Müsli gegessen hast, weil das dann irgendwann rauskommt bei irgendeiner Studie. Ja, also das wird mich schon wirklich treffen, weil ich davon ausgehe, dass das gesund ist, was ich tue. Und gleichzeitig, das meine ich, man muss wissen, was man tut, oder ist das? Und dann kann man überlegen, ob man bereit ist, sein Leben in die Richtung so ein bisschen zu verändern.
Stephan Seiler 39:15
Ja, genau. Wie die Stefanie Staat hat es doch auch mal gesagt, war auch schon bei uns zu Gast. Das Allerwichtigste, die Psychologin Stefanie Staat, das Allerwichtigste ist erst mal die Reflexion, zu reflektieren, was man eigentlich tut. Und es ist, glaube ich, auch eine Eigenschaft, die nicht bei allen Menschen so überdurchschnittlich ausgeprägt zu sein scheint. Aber ich glaube auch, dass sich das wirklich lohnt, das immer wieder zu tun.
Brigitte Huber 39:38
Und was ich schon noch mal auch wichtig finde, und ich glaube, da sind deine Freunde ein Beispiel für eine Art der Veränderung. Aber für viele sind die kleinen Veränderungen sogar die besseren. Also dass man sagt, okay, ich hole irgendwas Gesünderes in mein Leben rein, ich verzichte auf irgendwas, aber nicht alles neu Alles anders, alles asketisch und so weiter. Das ist für die meisten Menschen nicht durchzuhalten. Und ich habe es letztes Mal gehört, das fand ich dann ganz auch interessant, dass es einem zum Beispiel helfen kann, so kleine Vorsätze durchzuziehen, dass man sagt, ich mache das jetzt erst mal nur für diesen Monat, also dass man einfach versucht und einfach auch nie die Messlatte zu hoch hängt und sich belohnt. Also das sind zum Beispiel so Dinge. Und das ist bei mir zum Beispiel so, wenn ich vom Laufen komme oder so, dann kriege ich sehr, sehr schnell meinen ersten Milchkaffee. Kriege ich klingt so, als gäbe es da eine zweite Person. In Wahrheit gibt es danach eine zweite Person, weil es gibt auch die Person in mir, die dann sagt: Na ja, komm, jetzt kannst du erst noch das und das machen und dann gibt es erst die Belohnung. Aber da ist die eine Person in mir drin, ganz strikt und sagt: Nee, Die ist jetzt schön gelaufen und deswegen kriegt sie jetzt ihre Belohnung, weil das ist in meinem Hinterkopf, ansonsten läuft sie das nächste Mal gar nicht, weil sie ja schon ahnt, dass die Belohnung wieder ewig rausgeschoben wird. Also du kriegst Einblick in meine etwas manchmal komplizierte Denkweise, aber das ist bei mir dann so. Also ich krieg dann eine Belohnung und die sollte dann auch relativ zügig kommen.
Stephan Seiler 41:13
Relativ schnell. Ich glaube, es ist auch richtig, oder? Belohnen ist—
Brigitte Huber 41:15
Ja, es ist richtig. Es ist psychologisch, ist es richtig. Und deswegen sollte man zum Beispiel, wenn man sich jetzt vornimmt, Ich will 4 Kilometer laufen. Ja, ja, dann ist es gar nicht so schlau, wenn du dich an dem Tag gut fühlst, dass du da auf einmal 8 draus machst. Weil beim nächsten Mal sagt dein Unterbewusstsein: Die will ja wahrscheinlich doch wieder, dass ich mehr laufe. Und das macht die Hürde dann zu hoch. Das heißt wirklich kleine Sachen. Und wenn du einfach sagst, ich belohne mich danach, dann muss die Belohnung auch kommen. Weil im Unterbewusstsein merkt man nämlich sonst ganz genau, dass das ein tricky Spiel war und man wird es dann einfach nicht mehr eingehen.
Stephan Seiler 41:57
Da wird die Flasche Pastis noch mal rausgeholt und dann belohnt man sich nach dem Lauf mit einer Eierkartoffel.
Brigitte Huber 42:03
Stephan, du musst dir die richtigen Belohnungen ausdenken. Kleiner Scherz. Du kriegst deine Cola Zero.
Stephan Seiler 42:10
Ganz genau. Aber ich habe am Anfang der Folge, habe ich ja auch auf meine Motivation hingewiesen, dass ich ein bisschen spekuliere darauf, dass eines Tages die großen bösen Krankheiten geheilt werden können. Krebs ist ja ein Beispiel. Da gibt es ganz tolle Fortschritte in Sachen Impfung. Gegen viele Krebsarten können sich viele Menschen künftig impfen lassen. Ich habe gelesen, von 50% ungefähr Heilungschance bei Bauchspeicheldrüsenkrebs ist zum Beispiel die Rede. Vorher waren es nur 7%, jetzt sind es auf einmal 50%. also die Mittel sind noch nicht am Markt verfügbar, aber werden ja gerade getestet ganz tolle Zahlen sind das. Nur Brigitte, an dich gefragt: Wenn sich dieser medizinische Durchbruch v******** sollte, was würde das mit deiner heutigen Haltung machen? Würde sich dadurch dann irgendwas verändern?
Brigitte Huber 43:01
Nee, eher andersrum. Also bis jetzt habe ich ja, also das, was du erzählst, ist jetzt für uns für Normalsterbliche erst relativ neu. Also das war sehr, sehr lange sehr spekulativ. Wann kriegt man die großen Dämonen, die großen Scheusale der Menschheit in den Griff? Aber es scheint ja jetzt tatsächlich so zu sein, dass wir das unter Umständen noch erleben können. Ja, das wusste man ja jetzt vielleicht vor 20 Jahren. Also ich wusste es nicht. Und wenn man aber dann hört, wie jetzt den wir auch schon zu Gast hatten, Professor Limrod, Longevity-Experte, der sagt, dass sich das medizinische Wissen momentan alle 11 Monate verdoppelt. Also das ist dann tatsächlich etwas, was mich eher noch motivieren könnte. Wenn es heißt, okay, du müsstest jetzt noch 5 Jahre durchhalten, maximal gesund zu leben, dann könnte ich vielleicht mir das noch vorstellen, dass ich nicht um 5 aufstehe deswegen, aber vielleicht etwas früher und das ein oder andere noch mache. Also so vielleicht. Aber deswegen ist es ja gut. Das weiß niemand. Und dann würde ich ganz ehrlich sagen, dann würde ich wirklich mit meinem, mit meiner Mischkalkulation lieber weitermachen, mich von dem ein oder anderen Trend anspringen lassen, der mir richtig logisch erscheint und mich nicht viel kostet. Also es gibt ja dann auch manchmal wirklich so Sachen, dass man sagt, okay, auch das probiere ich mal aus als Sport oder auch wie gesagt bei Essen oder Das würde ich machen und trotzdem im Hinterkopf habe, es kann ja trotzdem passieren, dass ich übermorgen von dem Auto überfahren werde oder trotzdem irgendwie einen Herzinfarkt kriege oder was auch immer.
Stephan Seiler 44:39
Stimmt, das kommt ja auch noch.
Brigitte Huber 44:40
Und das meine ich, so zu leben, dass man irgendwie nicht ständig auch darüber nachdenkt. Macht jetzt dieses, macht jetzt die Tüte Chips, wie viel Lebensmonate oder Stunden kostet mich das? Also ich glaube, dann wird es nämlich doppelt schädlich, wenn ich zu viel über diese Lastergeschichten nachdenke, dann wird es doppelt schädlich.
Stephan Seiler 45:05
Ja, das glaube ich auch. Du bist ja auch Verfechterin der Haltung „gut genug". Haben wir in der vorletzten Folge drüber gesprochen und das steckt da ja auch ein Stück weit mit drin. Kannst du vielleicht uns auch noch mal mitnehmen? Gibt es bei dir in deinem Erleben jetzt in den letzten Wochen, auch über die Weihnachtstage, Anfang des Jahres, gab es da Momente, wo du du dich bewusst für gut genug entschieden hast oder auch bewusst gesagt hast: Nee, das reicht noch nicht, ich will jetzt mehr, also das müssen jetzt bitte mehr als 80% sein. Wie hat sich das über die Feiertage entfaltet?
Brigitte Huber 45:39
Also ich habe so ein tolles Beispiel und ich bin auch echt richtig stolz drauf. Ich habe jedes Jahr ein Jahreslaufziel, das ich erreichen möchte. Und in diesem Jahr war ich mal 5 Wochen, konnte ich gar nicht laufen, weil ich Corona hatte und so weiter und so fort und bin da total im Drang gewesen. Im letzten Jahr, 2022. Also im letzten Jahr, genau, im letzten Jahr. Also genau in den letzten Wochen hat sich das dann irgendwann mal abgezeichnet, dass ich entweder jetzt so was von Vollgas geben muss oder es ertragen muss, dass ich unter meinem Ziel bleibe. Und zwar 25 Kilometer. Das war jetzt nicht so viel, das hätte man schon irgendwie schaffen können. Und ich habe es nicht gemacht. Ich habe mir gedacht, komm, es ist doch nur meine Wette mit dieser Uhr. Niemand überwacht das. Niemand ist. Und tatsächlich ist es mir gelungen. Und Stephan, ob du es glaubst oder nicht, es ist nicht passiert. Nichts. Nichts ist passiert. Die Uhr hat einfach wieder ein neues Motto für dieses Jahr ausgelobt. Das ist wieder das Gleiche wie im letzten Jahr. Und schon laufe ich dahin. Und da habe ich mir gedacht, das glaube ich, hätte mich vor ein paar Jahren noch stärker unter Druck gesetzt und ich hätte wahrscheinlich versucht, das irgendwie noch hinzukriegen. Und wenn es so gewesen wäre, dass ich dir diese Uhr gegeben hätte und gesagt hätte, lauf doch mal 6 Kilometer mit dieser Uhr. Und auch wenn ich mich und andere da irgendwie so hinter die Fichte geführt hätte. Und insofern muss ich sagen ja, weil dieses gut genug, da haben wir ja drüber geredet, das klingt so einfach, aber das ist ja gar nicht so einfach zu sagen, das ist jetzt gut genug, ist mit Menschen, die so einen relativ hohen Anspruch an sich und ihr Leben haben, ist eigentlich schon eine ganz schön heftige Übung.
Stephan Seiler 47:17
Ja, ja, total. Es verlangt einem schon einiges ab. Und ich muss auch ehrlich sagen, ich muss mich immer wieder fragen, warum fällt mir genau das so schwer, da die richtige Balance hinzubekommen, ohne in die eine oder die andere Richtung zu überdrehen und dann vielleicht auch noch meine Umgebung mit gut gemeinten Ratschlägen zu nerven.
Brigitte Huber 47:37
Womit müssen wir denn jetzt bei dir rechnen? Mit einer richtigen Kurskorrektur noch mal?
Stephan Seiler 47:42
Na ja, eine Sache, über die ich gerade nachdenke, ist Kollagen zu nehmen. Ich bin ja auch wie du Vegetarier und Kollagen, ich weiß, du hast da auch schon mal, du hast auch eine dezidierte Meinung dazu, aber Kollagen ist ja eine, wird aus tierischen, wird aus dem Tier gewonnen, ich glaube aus dem Rind oder so, das hält ja quasi das Fett zusammen oder das Fleisch zusammen. Und das Gleiche soll dann bitte auch mit dem menschlichen Körper geschehen, dass man nicht so auseinandergeht. Wenn ich das sehr unwissenschaftlich zusammenfassen darf. Und jetzt ich als Vegetarier, müsste dann was nehmen, was aus dem Tier kommt? Also das ist zum Beispiel so eine Frage, mit der ich mich jetzt seit 2 Wochen beschäftige. Das ist mal ein eigenes Thema für sich. Müssen wir vielleicht gar nicht so tief reingehen jetzt. Nur das sind solche, das sind so kleine, das ist eine dieser Fragen.
Brigitte Huber 48:34
Ja klar, also das ist ja immer wieder Man hört ja von sehr vielen und die Leute, die Menschen sind dann auch so begeistert. Ich lass mich von so was dann auch mal anstecken und dann kann man es ja auch probieren. Und wie gesagt, auch der Placebo kann ja etwas dazu helfen. Vorletzten Winter beispielsweise habe ich immer so einen, weiß gar nicht, wie der genau heißt, aber so einen S***, wo so ganz, ganz viele Vitamine drin sein sollen. Ja, ja, ja. Und keine Ahnung. Aber allein dieses Gefühl, dass du da morgens, wie wir Bayern sagen, ein Stamperl trinkst, ein Stamppfeifer, irgendwas, ein Stamppfeifer. Ja, bitte kein Schnaps. Ja, aber es macht ja irgendwas mit einem und dann lässt man es wieder, weil man das Gefühl hat, hat es jetzt was gebracht oder nicht? Egal. Aber ich glaube, wir Menschen brauchen auch immer wieder Dinge, für die wir uns da begeistern und die wir da reinholen in unser Leben. Wir sollten uns einfach nur vorher informieren, ob das vielleicht irgendwelche schwierigen Nebenwirkungen haben kann und ob man es sich leisten kann, auch finanziell, weil manche Sachen auch gar nicht so günstig. Also so würde ich das sagen. Aber ansonsten spricht da nichts dagegen.
Stephan Seiler 49:39
Wenn du jetzt am Ende dieses Themenbereichs dieser Folge einen Satz mitgeben möchtest, welcher wäre das?
Brigitte Huber 49:46
Ich glaube, ich will weiterhin ein schönes und gesundes Leben führen. Und dazu gehört eine gewisse entspannte Grundhaltung für mich dazu.
Stephan Seiler 49:56
Okay, den Satz lassen wir mal so stehen. Ich werde ihn mitnehmen in meine eigene Beantwortung der Frage, wie viel Gegenwart und Geld ich bereit bin zu opfern für eine Zukunft, die mir niemand garantieren kann. Vielleicht ist das Problem am Ende auch gar nicht Longevity oder die Sache mit der Langlebigkeit, sondern eher mein Wunsch, unser Wunsch nach Sicherheit. Vielleicht ist Longevity, die Sache mit der Langlebigkeit, kein Projekt mit einem klaren Ziel. Vielleicht ist das Ganze eher eine Haltung, die wir immer wieder neu justieren müssen, wie du es ja auch gerade angedeutet hast. Vielleicht geht es nicht darum, alles richtig zu machen, sondern darum, bewusst zu entscheiden, was wir machen und was wir nicht mehr mitmachen wollen. Weißt du, wie ich meine? Vielleicht gibt es keinen Punkt, an dem man endgültig auf den gesunden Weg einschwenkt. Und vielleicht ist es auch nie zu spät, dies dann doch noch zu tun.
Brigitte Huber 50:52
Und weißt du, was schon noch auch ein Punkt ist, was auch dahinter stecken kann, ist auch mal die Lust auf Veränderung. Ja, es ist ja auch fast wie ein Experiment. Wie ist es denn, also wenn es mir jetzt nicht so zu langweilig wäre, wie geht es mir denn nach 4 Wochen, wenn ich jeden Tag um 21:30 ins Bett gehe? Das kann ja auch spannend sein. Und ich kann mich erinnern, das haben mal Psychologen gesagt, Psychologinnen von einem Institut, dass ein Effekt, warum so viele Menschen am Jahresanfang sich was vornehmen, gesund leben wollen, ist auch, du willst dir was Neues wieder in dein Leben holen. Heißt schon auch gegen die Routine, ein Wunsch nach Veränderung. Und nicht nur, dass ich jetzt möglichst gesund bin, sondern dass sich was tut in meinem Leben. Und das kann ich mir schon auch vorstellen.
Stephan Seiler 51:43
Damit mal wieder was los ist.
Brigitte Huber 51:45
Ja, dass mal wieder was los ist. Ab jetzt, stell dir mal vor, ich würde mir jetzt vornehmen, dass ich ab jetzt jeden Tag 10 Minuten Trampolin springe. Das ist ja auch irgendwie spannend.
Stephan Seiler 51:54
Oh ja, das macht so Spaß.
Brigitte Huber 51:55
Ja, weißt du, so was, irgend so was. Also bitte was, was nicht anstrengend ist. Wir möchten bitte Vorschläge, die nicht anstrengend sind und gleichzeitig aber irgendwie die Gesundheit oder zumindest die Laune maximal heben. Und das, glaube ich, kommt schon auch noch mal dazu. Ich möchte was verändern in meinem Leben.
Stephan Seiler 52:14
Und während wir jetzt darüber sprechen, kommt mir auch noch der Gedanke, ist mir was klar geworden. Wir reden ja ständig darüber, wie wir gesund bleiben, aber die Frage, Wofür eigentlich? Wird eigentlich in der Gesellschaft recht selten gestellt. Also vielleicht können wir darüber ja auch noch mal eine eigene Folge machen. Wie findet man einen Sinn? Was ist das Leben, das wir mit all dieser Gesundheit, die wir dann erlangen werden, führen möchten?
Brigitte Huber 52:37
Aber das ist eine sehr lange Folge. Oder es sind wahrscheinlich ganz viele Folgen.
Stephan Seiler 52:40
Womöglich. Aber können wir uns ja vornehmen für dieses Jahr. Auch das Thema Schlaf würde ich gerne irgendwann noch mal Die CDU zusammen mit dir besprechen, gerne auch mit einer Expertin oder mit einem Experten. Brigitte, damit können wir, wenn du einverstanden bist, den Themenbereich abbinden und zu unserer geliebten Rubrik kommen: Kleine Fragen, große Fragen. Hast du Lust darauf?
Brigitte Huber 53:06
Ja, selbstverständlich. Bin schon ganz gespannt, was du dir ausgedacht hast.
Stephan Seiler 53:10
Dann geht es jetzt los.
Brigitte Huber 53:12
Kleine Fragen, große Fragen.
Stephan Seiler 53:14
Erste Frage, liebe Brigitte. Kürzlich lief eine Meldung, da hat ein 58-Jähriger mit Football richtig angefangen und will jetzt im College Football gegen Studenten, gegen Studierende Football spielen. Das hat mich inspiriert. Sofort habe ich gedacht, was könnte ich noch alles machen? Womit kann ich es noch zu Olympischen Spielen schaffen? Weil auch mal so ein Ein großer Traum des 10-jährigen Stephans. Und Brigitte, an dich gerichtet: In welcher Sportart könntest du vermutlich am ehesten noch Höchstleistungen zeigen? Was würde dich reizen? Welcher Titel oder welcher Wettkampf wäre das dann, was du dir vornehmen würdest?
Brigitte Huber 53:57
Also da bin ich Realistin genug. Also ich kann mir überhaupt keine Sportart vorstellen, zu der ich noch irgendwelche Höchstleistungen machen würde. Ich würde gern, also ich würde gern, wenn, dann wäre es irgendwas mit Skifahren. Ja, aber da habe ich in jungen Jahren früh begonnen und dann gab es aber dann doch jetzt eine ganz große Lücke dadurch, dass ich ja nicht mehr in Bayern wohne, sondern in Hamburg und das immer schwierig wird. Aber das wäre eine Sportart, die mir Spaß machen würde. Aber ansonsten glaube ich, die muss erst noch erfunden werden. Was wäre es denn bei dir?
Stephan Seiler 54:33
Mein Vater spielt seit Neuestem Boule und schwärmt auch total davon. Das finde ich auch toll. Das würde ich auch mal, glaube ich, dann machen. Aber irgendwie, Papa, bitte nicht böse sein, aber irgendwie finde ich das auch so ein bisschen lahm im Sinne von, damit zeige ich ja auch, dass ich jetzt quasi zur älteren Kohorte gehöre. Ich glaube, ich würde gerne reiten. Oder von Olympischen Spielen kenne ich auch, dass sehr viele Olympiasieger im Schießen sehr alt sind, also jenseits der 50 und so weiter. Ich glaube, also ich habe auch mal das Tontaubenschießen gemacht, das hat mir wahnsinnig viel Freude bereitet. Ich glaube, ich würde so was machen. Reiten, Schießen. Ich glaube, damit würde ich anfangen. Also wenn ich Geld hätte, würde ich mit Reiten anfangen und ohne Geld dann vermutlich doch eher Schießen.
Brigitte Huber 55:19
Ja, wobei du das Reiten nicht unterschätzen solltest, aber es ist auch anstrengend.
Stephan Seiler 55:24
Habe ich auch gemerkt.
Brigitte Huber 55:26
Na ja, also du musst es auch lernen. Also ich bin als Kind geritten, musste dann wegen aller Allergie aufhören. Aber also das ist schon auch, ist auch, also es ist ein Sport und etwas, was man auch wirklich lernen muss. Ja, das macht nicht das Pferdchen allein.
Stephan Seiler 55:41
Und wann fangen wir an jetzt damit?
Brigitte Huber 55:43
Also ich wieder mit mehr Skifahren? Jetzt im Moment würde ich sagen, ist ja noch Winter, dann müsste ich zumindest mal in Harz fahren. Aber mal gucken. Also ich glaube, es bleibt noch ein Traum, den ich mir dann in meinen späten 60ern dann vielleicht auch erst erfülle.
Stephan Seiler 56:00
Sehr gut, dann komme ich mit und trinke dann unten Tee und warte da auf dich und rede einfach mit den ganzen Leuten. Ja, aber kein Glühwein. Nein, natürlich nicht, dann chill ich nur, also alkoholfreien, zuckerfreien Kinderpunsch oder was. Ja, tatsächlich. Frage 2: Was hat dir als Kind am meisten Spaß gemacht, liebe Brigitte, dem du heute keine oder zu wenig Zeit widmest, aber eigentlich gerne wieder machen würdest, gerne wieder aufnehmen würdest?
Brigitte Huber 56:28
Was hat mir als Kind Spaß gemacht? Also jetzt, da gibt es natürlich so kleine Spiele. Ach, weißt du, was mir als Kind richtig Spaß gemacht hat? Aber ich glaube, ich würde es nicht wieder aufnehmen. Ich habe immer Detektivin gespielt.
Stephan Seiler 56:43
Toll.
Brigitte Huber 56:44
Ich habe mich immer total inspirieren lassen von irgendwelchen Büchern. Keine Ahnung von was. Von bis. Ja, und bin dann los. Gerne mit Cousine oder Schwester so im Schlepptau, die jünger waren und quasi dann, quasi ich war dann natürlich Miss Marple in dem Fall oder Sherlock Holmes oder wie auch immer. Und dann haben wir zum Beispiel Nachbarn und Nachbarinnen beobachtet und aufgeschrieben. Das hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Aber keine Sorge, liebe Nachbarn und Nachbarinnen, ich werde dieses Hobby nicht wieder aufgreifen. Aber irgendwie habe ich wahrscheinlich versucht, in meine, ich sage jetzt mal überschaubar spannende Jugend auf dem Dorf künstlich Spannung reinzubringen. Weil das hat man ja in diesen Büchern immer mitgekriegt. Der Schein trügt ja, es wirkt ja immer alles so harmlos, aber—
Stephan Seiler 57:32
Lustig, lustig, dass du das sagst. Ich kann da noch eine kleine Anekdote ergänzen. Wir haben das auch gerne gespielt und in der Neubaugebiet Und da gab es eine Nachbarin damals, die uns obskur vorkam. Dabei war die völlig harmlos, aber die war so da und guckte immer grimmig. Und da sagte unsere Kinderdetektivgruppe, zwei Freunde und ich, sagt mir: Da ist doch was im Busch, da ist doch irgendwas faul. Wir verfolgen die jetzt mal. Und dann haben wir die an einem Abend, die ist einfach nur in die Stadt gelaufen, irgendwie in eine Kneipe oder so. Da haben wir die quasi beschattet und mit eigenem, mit bisschen Abstand auf dem Fahrrad und gelaufen und so. Und dachten, wir sind ganz schlau, weil wir sind einer ganz großen Sache auf der Spur. Am Ende hat sie einfach eine Freundin getroffen im Bistro. Da war dann unsere Detektivkarriere auch wieder vorbei.
Brigitte Huber 58:21
Ja, ja, also das glaube ich, da hätten wir Parallelen gehabt. Also wir wären zwei konkurrierende Detektivbüros in einer Kleinstadt gewesen. Es wäre mindestens eins zu viel.
Stephan Seiler 58:32
Ja, ja, total. Ich kam auf diese Frage die Tage, als ich im Circus Roncalli war. Ganz tolles Programm hatten die hier in Berlin. Winterzirkus, Weihnachtszirkus heißt das, glaube ich. Wirklich unfassbar gut und mitreißend. Das war voll und alle fanden es toll. Ich glaube auch, dass so eine Unterhaltungsform, glaube ich, in der heutigen Zeit, wo mit den ganzen Krisen vielleicht sogar eine kleine Renaissance, ein Comeback erleben könnte. So einfache, aber nicht niveaulose Unterhaltung. Und das hat mir als Kind wahnsinnig viel Spaß gemacht, in den Zirkus zu gehen. Mittlerweile gibt es ja keine Tiere mehr in den meisten Zirkussen, sodass das Thema jetzt auch nicht mehr so ein Störfaktor sein könnte. Und ich muss sagen, das möchte ich gerne wieder öfter machen. Ich möchte wieder öfter mir so was angucken. Es gibt so was wie Circus Roncalli oder andere. Und noch ein zweites kleines Ding, was ich jetzt über Weihnachten wieder gemacht habe: Spielen. Egal ob Kniffel oder Rommé oder Karten-Trio Minus mit meinen Eltern. Das macht einfach wahnsinnig viel Spaß. Es gibt das tolle Spiel Hitstar. Unbezahlte Werbung hier, ich bekomme dafür keinen Cent. Aber es ist so ein Spiel, da legt man quasi so die Songs der letzten 80 Jahre, 90 Jahre vor sich ein Kärtchen auf und muss herausfinden, wann der Song, wann das Lied erschienen ist. Quasi von Hynde hier bis hin zu Lady Gaga ist da alles dabei. Man hört die Songs auch an und da muss man, das war richtig generationenübergreifend, da konnte halt der 75-Jährige genauso was beisteuern wie der oder die 20-Jährige. Und das war ein richtig generationenübergreifendes Ding. Das hat mir sehr, sehr gut gefallen. Habe ich gesagt, ich möchte viel öfter wieder diese berühmten Boardgames, diese Brettspiele spielen.
Brigitte Huber 60:15
Ja, super.
Stephan Seiler 60:16
Wie geht es dir damit?
Brigitte Huber 60:18
Also ich habe tatsächlich jetzt auch an den Feiertagen einmal Kniffel gespielt und einmal oder mehrmals Quizduell. Jeweils animiert, animiert von außen, von Menschen, die sagen: Magst du nicht mit mir dies oder jenes? Ja, ich bilde mir immer ein, aber es ist auch Typsache. Ich bilde mir immer ein, dass ich als Mutter so viel spielen musste. Weißt du, du spielst ja dann auch viel, weil die Kinder gern spielen, dass ich das in meinem Leben gar nicht mehr so viel brauche. Aber es hat mir beides Spaß gemacht. Also man kann mich animieren. Ich bin jetzt wahrscheinlich aber nicht die, Ich würde im Zweifelsfall dann lieber ein Buch lesen. Aber wenn jemand sagt, komm, lass uns spielen, dann würde ich sagen, komm, machen wir.
Stephan Seiler 60:58
Da muss ich jetzt, ich glaube, ich muss direkt nach der Aufnahme dieser Folge weitermachen mit Quizduell, weil da ist glaube ich noch eine Herausforderung offen, die ich noch beantworten muss.
Brigitte Huber 61:06
Ja, ist ja nicht so ohne.
Stephan Seiler 61:07
Für alle, die es nicht kennen, das ist so eine App, wo man gegeneinander Quizfragen beantwortet. Das ist völlig ganz, ganz niedrigschwellig. Damit zur dritten Frage. Brigitte, bist du bereit?
Brigitte Huber 61:18
Ich bin bereit.
Stephan Seiler 61:19
Wie gut oder schlecht schätzt du das Alter anderer Menschen?
Brigitte Huber 61:24
Also ich würde sagen ganz gut bis mittel. Nee, ich muss das ein bisschen relativieren. Ich tue mich bei Menschen, die deutlich jünger sind als ich, schwer und finde dann ab einem gewissen Alter wird es auch wieder schwer, weil Menschen auch so unterschiedlich gut altern. Weißt du, was ich meine? Und manchmal ist man dann überrascht und dann sagt man: Ach, tatsächlich? Ja, aber ich würde jetzt sagen, ich verhaue mich jetzt nicht um 10 Jahre. Du?
Stephan Seiler 61:54
Ich verhaue mich durchaus ab und zu. Ich bin dann nicht so gut, wie ich gerne wäre. Wie geht es denn so bei Prominenten? Also wüsstest du jetzt aus dem Kopf zum Beispiel, wie alt Iris Berben ist? Also, oder was schätzt du, wie alt Iris Berben ist?
Brigitte Huber 62:07
Ich glaube, Mitte 70, Mitte, Ende 70.
Stephan Seiler 62:11
Aus, ja genau.
Brigitte Huber 62:12
Nein, Mitte, Ende 70. Ich finde, das ist ja nicht— Wie viel?
Stephan Seiler 62:17
75. Oder Oliver Pocher. Da fällt es mir ganz schwer vorzustellen, also einzuschätzen, wie alt ist der eigentlich?
Brigitte Huber 62:25
Weil der von der Gesichtszüge her— Das wüsste ich jetzt auch nicht. Da hätte ich eher das Gefühl, boah, den gibt es schon ziemlich lang in unserem Leben, so ungefähr. Und würde da irgendwas mutmaßen. Aber den habe ich jetzt ewig nicht vor Augen gehabt. Da müsste ich mir noch mal genauer anschauen.
Stephan Seiler 62:41
Brigitte, möchten wir noch über unsere Premieren sprechen?
Brigitte Huber 62:45
Ja, sehr gerne. Was waren denn unsere letzten? Was hast du dir denn vorgenommen beim letzten Mal?
Stephan Seiler 62:51
Meine Premiere?
Brigitte Huber 62:52
Deine Premiere.
Stephan Seiler 62:54
Ja, ich habe dieses Jahr zum ersten Mal die Rauhnächte richtig miterlebt. In den Tagen zwischen den Jahren. Die berühmten Rauhnächte. Manche würden sagen, esoterischer Quatsch. Andere, für andere ist es richtige Sinnstiftung zwischen den Jahren. Man schreibt quasi seine Wünsche und auch seine Vorhaben fürs nächste Jahr auf Zettel, 13 Zettel insgesamt, und verbrennt davon 12 in einer gewissen Reihenfolge. Und den 13. Zettel öffnet man am Ende und sieht dann, was darauf steht. Den 13. Auftrag, den darf man dann selbst erfüllen. Die ersten 12 werden quasi vom Universum und so weiter aufgenommen und vielleicht erledigt im besten Fall. Aber auch da glaube ich, steckt vor allem der Gedanke dahinter der Reflexion. Also ob man jetzt diesen Esoteriküberbau braucht oder nicht, ist dahingestellt. Aber mal kurz innezuhalten und zu gucken, was bräuchte ich denn jetzt eigentlich? Wo ist ein Bedarf bei mir? Oder was Möchte ich aus mir heraus eigentlich im kommenden Jahr machen, anfassen, erledigen? Das kann auch was ganz Niedrigschwelliges sein. Das habe ich dieses Jahr auf diese Art und Weise gemacht. Ich muss sagen, das hat auch richtig tolle Momente der Verbindung geschafft, weil mit dem Menschen, mit dem ich das gemacht habe, verbinde ich mich sowieso sehr viel. Und dann habe ich das da mit ihm gemeinsam begangen. Wir sind quasi in den Mauerpark gegangen und haben dann nachts die Zettel auf dem Spielplatz verbrannt. Oh Gott, hoffentlich werden wir jetzt nicht angezeigt. Und im Sandkasten. Und hatten dadurch auch Momente der richtig tiefen Verbundenheit und werden natürlich dann auch in einem Jahr noch mal darauf zurückkommen. Und das alleine hat schon sehr viel Freude gemacht, hat mich sehr erfüllt. Kann ich, kann ich empfehlen.
Brigitte Huber 64:47
Und darfst du, darfst du jetzt darüber sprechen, was auf dem 13. Zettel draufsteht, oder ist das Mystery, secret.
Stephan Seiler 64:55
Wir haben uns versprochen, dass wir es nicht lüften, damit wir es auch nicht dann verfälschen oder dann einander darauf hinweisen im Sinne von: Hast du schon das und das gemacht? Das passt doch jetzt nicht zu deinem Wunsch oder was auch immer. Sondern das möchten wir für uns behalten. Kannst mich ja in einem Jahr noch mal fragen. Ja, super. Und du, was hast du für eine Premiere erlebt?
Brigitte Huber 65:15
Also für mich war wirklich eine Premiere, die ich aber vorher erzählt habe, Dass ich unter meinen Zielen geblieben bin, was mein läuferisches Pensum des Jahres angeht. Und dass es mir tatsächlich leicht gefallen ist, weil ich bin da schon so ein bisschen in den letzten Jahren teilweise so ein bisschen extrem auf einem ganz niedrigen Niveau. Also wir reden jetzt nicht von Marathon oder Halbmarathon, aber dass ich immer diese Sachen erledigen will, 10.000 Schritte oder eben so und so viel Kilometer im Jahr. Und dass ich da ein bisschen locker gelassen habe, das ist für mich schon eine positive Premiere. Die also durch Nichtstun.
Stephan Seiler 65:56
Ja, Glückwunsch dazu.
Brigitte Huber 65:58
Akzeptierst du das?
Stephan Seiler 65:59
Ja, akzeptiere ich so halb. Aber du, da steckt doch jetzt noch eine andere Premiere, oder? Du hast ja auch technisch einiges gerade mit Blick auf diesen Podcast hier, Dieter, aufgeschafft.
Brigitte Huber 66:10
Ja, ja, absolut. Das genau, das wollte ich auch sagen. Ich finde, im neuen Jahr hagelt es dann ja oft Premieren. Und die feiere ich vor allem, seit ich das weiß, dass wir auch Premieren light uns reinholen sollten. Nicht immer nur neue Sachen finden, sondern auch Dinge, die wir immer wieder machen. Und das habe ich dieses Jahr sehr bewusst gemacht, dass ich Dinge, die ich immer wieder mache, sage: Ah, das ist jetzt das erste Mal in diesem Jahr. Also insofern habe ich da schon jede Menge Premieren eingesammelt und dann aber noch tatsächliche Wir machen ja diesen Podcast und da gibt es die eine oder andere Randerscheinung, Begleiterscheinung zu, die sogenannten Shownotes beispielsweise, die erstellt werden müssen.
Stephan Seiler 66:52
Das ist die Zusammenfassung.
Brigitte Huber 66:54
Fußnoten, Zusammenfassung plus Zitate, die wir aufgreifen. Keine Ahnung, wenn wir irgendwie ein Buch nennen oder so was, dass man das dann oder eine Studie, dass man das dann da unten auch tatsächlich noch mal nachlesen kann. Und bis jetzt hat uns da immer jemand geholfen, der das gemacht hat. Und jetzt zum Jahresanfang haben wir gesagt, wir wechseln uns damit ab, wir beide. Und ich glaube, du hattest es jetzt schon zweimal gemacht und jetzt war ich dran. Und das ist so einen technisch dann neu. Mir graut jetzt weniger vor der Zusammenfassung, weil mit Wörtern können wir ja im Großen und Ganzen. Aber wie kriege ich das hin, dass ich weiß, mit diesen Timecodes, also Wann ist welches Kapitel? Wann sprachen wir mit unserer Expertin über dieses oder jenes Thema? Und in Wahrheit fiel mir da vorher nur ein, dass ich mir einfach diese Folge genau anhöre und das rausschreibe. Das habe ich auch gemacht. Dann hast du mir aber erzählt, dass einem die künstliche Intelligenz auch da helfen kann. Und das finde ich dann schon irre, dass man dann eben diese Folge in dieses KI-Tool hochlädt und dann muss sie vielleicht mal 2 Minuten überlegen und dann spuckt sie das aus und macht es eigentlich ziemlich gut. Und das sind so Sachen, die mache ich jetzt nicht voller Begeisterung, das weißt du. Wenn du sagen würdest, ach, ich liebe Shownotes machen, dann würde ich sagen, mach sie bis zum Gehtnichtmehr.
Stephan Seiler 68:19
Nein.
Brigitte Huber 68:20
Aber wir wollen uns ja gegenüber, wir wollen aber gerecht sein und deswegen muss ich natürlich da auch was machen. Und insofern war das schon eine ziemliche Premiere.
Stephan Seiler 68:31
Sehr schön. Ich beglückwünsche dich dazu. Kannst stolz auf dich sein.
Brigitte Huber 68:36
Ja, ich habe das auch eingefordert. Ich schreib dann auch: Juhu, ich habe sie fertig. Also wenn du da keine gute Reaktion bringen würdest, da wäre ich schon enttäuscht.
Stephan Seiler 68:45
Ja, ich applaudiere ganz, ganz laut. Ganz konstitutiv. Sehr, sehr gerne. Ja, absolut. Brigitte, Blick nach vorne auf die nächste Woche. Was erwartet uns da?
Brigitte Huber 68:55
Was erwartet uns in unserer nächsten Folge? Richtig, da erwartet uns eine ganz, ganz großartige Frau. Helma Sick, Pionierin der, muss man sagen, weiblichen finanziellen Unabhängigkeit, die sich wie keine andere dafür eingesetzt hat, Frauen nicht nur finanziell zu beraten, sondern einfach auch über die Hintergründe, wie wichtig es ist, dass wir unabhängig sind als Frauen. Dass wir rechtzeitig, da sind wir wieder beim Thema, rechtzeitig an übermorgen denken, indem wir uns finanziell absichern gegen Altersarmut und so weiter. Und Helma finde ich eine faszinierende Frau. 84, geht immer noch dreimal die Woche in ihr Büro, eine Frauenfinanzberatung.
Stephan Seiler 69:41
Ja, gerade diese persönliche Geschichte, so viel Leid erlebt zu haben in jungen Jahren, aber dann so eine große Kraft entfaltet einen Sitz zu haben im Jenseits der 50, jenseits der 60, kann man ja quasi sagen. Das hat mich total beeindruckt an dieser Person und freue mich sehr darauf, dass wir nächste Woche mit Helma Sick über all das sprechen können. Ist auch für Männer übrigens interessant. Auch für Männer geht es ja immer wieder darum, wie man sich eine gewisse Unabhängigkeit bewahrt. Wahrscheinlich nicht so sehr wie für Frauen, aber Auch allen Männern möchte ich ans Herz legen, sich diese Folge anzuhören.
Brigitte Huber 70:18
Absolut. Und tatsächlich auch sehr ermutigend, weil sie sagt, dieses Alter ist ihre beste Lebensphase. Und tatsächlich, also die so auch ein bisschen die Ernte, aber eben auch, sie hat ja auch noch mal, ich glaube, da war sie schon locker 60, noch mal Therapie gemacht, um mit alten Sachen abzuschließen. Auch dieses Thema, es ist nicht Es ist nie zu spät, um sich für irgendetwas zu entscheiden, um sich noch mal um sich selber zu kümmern. Das finde ich auch sehr ermutigend bei HEMA.
Stephan Seiler 70:47
Schön, das ist doch praktisch die perfekte inhaltliche Klammer des heutigen Tages, dieser heutigen Folge. Vielen Dank, Brigitte, für den Austausch. Vielen Dank.
Brigitte Huber 70:58
Sehr, sehr gerne.
Stephan Seiler 71:00
Ebenso. Ja, hat Spaß gemacht. Und allen da draußen, Schickt uns gerne eure Meinung, eure Haltung. Vielleicht seht ihr das ganz anders als Brigitte oder als ich, würde uns sehr interessieren. Wir haben ja auch einen Instagram-Kanal, Huber Seiler Podcast, auch da könnt ihr uns folgen. Wir freuen uns, von euch zu hören. Damit bis nächste Woche, ciao, bis nächste Woche, tschüss, tschüss, ja. Das war Die Sache mit dem Älterwerden, der Podcast mit Brigitte Huber und Stephan Seiler.
— Ab hier liegt das Transkript hinter dem Ende der veröffentlichten Folge. —
Brigitte Huber 71:37
Vielen Dank an Leo Ebert-Glang für die Titelmelodie, das Sounddesign und den Schnitt, und an Alina Zawalesch für die Covergestaltung. Die Sache mit dem Älterwerden erscheint mittwochs auf allen gängigen Podcastplattformen. Folgt uns, abonniert uns, dann verpasst ihr keine Folge, und empfehlt uns bitte weiter, das würde uns sehr freuen.
Stephan Seiler 71:59
Wenn ihr uns Feedback schicken möchtet, egal ob positiv oder negativ, oder wenn ihr Themenvorschläge für uns habt, schreibt uns eine E-Mail, eine Textnachricht oder Sprachnachricht auf unserem Instagram- oder Facebook-Kanal.
Brigitte Huber 72:12
Alle Infos findet ihr auch schriftlich zu dieser Folge in der Zusammenfassung in eurem Podcastplayer.
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Folge
21
·
66 Min.
Mit
Hannah Monyer
Wie halten wir unser Gehirn fit? Wie schärfen wir unser Gedächtnis?
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