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Was ist so geil daran, ein Boomer zu sein, Oliver Kalkofe? Was war früher besser? Und darf man heute wirklich weniger sagen als damals?
Stephan begrüßt Oliver Kalkofe, Satiriker, Komiker, Gesicht von „Kalkofes Mattscheibe“. Nur, dass er ihn zunächst Oliver Welke nennt. „Bester Start ever“, sagt Kalkofe. Im September ist er 60 geworden. Zum ersten Mal habe ihn ein runder Geburtstag tiefer getroffen, erzählt er.
Gesellschaft

Brigitte und Stephan sprechen mit ihm über seine Generation, die sogenannten Babyboomer und über den Spott, den sich die Boomer ständig anhören müssen. Zurecht? Oliver Kalkofe hat dazu eine dezidierte Meinung. Genauso wie über den positiven Wert von Mangelerscheinungen und Langeweile. Er spricht über die Zeit, als YPS-Hefte das Größte und Fernsehen ein Fluchtpunkt für alle war, die was positives sehen wollten. Es geht auch um Redefreiheit, Humor damals und heute, um Memes, Diäten und die Frage, wie man gelassen älter wird, obwohl sich die Welt immer schneller dreht. Und auch darum, warum Kalkofe glaubt, dass er als Kind heute verloren wäre.
Kapitelmarken
00:00 Was Oliver am Älterwerden cool findet
04:31 Boomersein als Gefühl und Generationserfahrung
12:00 Humor früher und heute – Kritik, Memes und neue Grenzen
15:51 Einfluss von Politik, Kirche & Medien in den frühen Jahren
23:59 Die 60 als neue Zäsur – Zeit, Freiheit, Gelassenheit
29:05 Körper und Kopf – erste Alterszeichen, Verletzlichkeit, Selbstironie
30:53 Fernsehen als prägende Bezugsperson
35:58 Nostalgie, Tempo der Welt & der Verlust alter Sicherheiten
42:34 Umgang mit alten TV-Rollen, Blackfacing & Selbstreflexion
48:43 Streitkultur, Canceln & die Frage: Was darf Humor?
52:05 Digitaler Wandel, Filterblasen & warum vieles heute überfordert
56:05 Körperbild, Diäten & der Kampf mit dem eigenen Stoffwechsel
1:05:19 Kindheitserinnerungen: YPS, Micky Maus & kleine Sensationen
1:12:17 Elternhaus, Erziehung & frühe Medienprägung
1:20:10 Beziehungen, Abschiede & warum Neues wichtig bleibt
1:23:55 Entweder/Oder
1:24:12 Kindheitshelden, Musik, Bofrost vs. Eismann
1:25:11 Mediennutzung heute – linear vs. Streaming
Transkript zur Folge
Oliver Kalkofe 0:00
Also früher war das Fernsehen ein Fluchtpunkt, wo du hin wolltest und wo du dich hingesehnt hast. Und heute ist es etwas, wo du denkst, ah ne, lieber weg davon. So möchte ich es nicht haben. Wäre ich heute Kind, befürchte ich, trotz aller Möglichkeiten, die sich mir bieten, würde aus mir nichts Vernünftiges werden, weil ich würde meine Zeit damit verbringen, glaube ich, alles wegzubingen und zu gucken, was ich nur kann. Du darfst zurückblicken, aber du darfst nicht zurückgehen. Also Blick zurück, aber bewege dich nach vorne. Das ist, glaube ich, wichtig für uns alle.
Stephan Seiler 0:37
Heute zu Gast bei Brigitte und mir in die Sache mit dem Ä Komiker Oliver Kalkofe. Ich war in den Er und Er Jahren ein großer Fan seiner Satiresendung Kalkofes Mattscheibe, in der er ausgesuchte Fernsehclips kommentierte. Viele kennen ihn auch aus der Radio Comedy Show Frühstücksradio, aus Filmen wie Der Wixxer und aus seinen Kolumnen. Seit drei Jahren bringt er gemeinsam mit Oliver Welke den Podcast Kalk Welk Die fabelhaften Boomer Boys heraus. Darin sprechen die beiden über ihre Generation, die Generation der babyboomer, die zwischen 1946 und Mitte der er Jahre geboren wurde. Er gehört also einer Generation an, die im analogen Zeitalter aufgewachsen ist, die aber auch durch den radikalen Medien und Technologiewandel komplett sich neu orientieren musste. Die Babyboomer werden von vielen Jüngeren heute verantwortlich gemacht für alle möglichen Krisen, von der Rente bis zum Klima und regelmäßig mit Witzen, Sprüchen und Internet Memes durch den Kakao gezogen. Jetzt hat Oliver Kalkofe ein Buch geschrieben. Es trägt den Nie war früher schöner als jetzt. Ein Boomer blickt zurück nach vorn. Ein Titel, den man erstmal sacken lassen muss, finde Brigitte. Was haben wir gelernt in dem Gespräch mit Oliver Kalkofe?
Brigitte Huber 1:54
Ich fand es spannend, was Oliver am Älterwerden so richtig cool findet. Ich fand es auch sehr interessant, welche Rolle Diäten und die Abnehmspritze in seinem Leben mit einem übergewichtigen Körper haben und warum Fernsehen für ihn, Achtung, einer der wichtigsten Menschen in seinem Leben war. Und Stephan, was hast du mitgenommen?
Stephan Seiler 2:16
Ich hab mitgenommen, wieso er findet, dass man heute sehr viel mehr sagen darf als früher, als er sich noch gegen so manche Einflussnahme wehren musste, Stichwort Politik, Kirche etc. Was früher wirklich besser war als heute, hat er uns auch verraten, wie er seine früheren Werke heute sieht, für die er sich auch manchmal mit Indianerfederschmuck zeigte oder mit schwarzer Farbe bemalen ließ. Und wir haben gesprochen über unsere gemeinsame große Liebe. Die Yps Hefte. Die Yps Hefte mit Gimmick. Also los geht's. Ich bin Stephan Seiler.
Brigitte Huber 2:50
Ich bin Brigitte Huber und das die Sache mit dem Älterwerden.
Stephan Seiler 3:06
Hallo Oliver Welke, herzlich willkommen.
Brigitte Huber 3:12
Ich sag's dir das. Ich hab's ihm gestern gesagt. Wenn du das machst, oh Gott, das.Ja, Stefa, schäme dich,
Stephan Seiler 3:18
Dass am besten drin lassen.
Oliver Kalkofe 3:26
Bester Start ever. Aber du bist nicht der Erste. Das sind, also ist wirklich schon so vielen passiert, vor allem auch immer, wenn man sich vorher vornimmt. Ich darf aber nicht irgendwie verwechseln. Ich hatte sowohl, es gibt einen alten Zeitungsausschnitt, wo irgendwie stand Oliver Welke in Klammern besser bekannt als Oliver Kalkowic. Besser bekannt als Oliver Welke. Was oder wie? Also da haben sie gedacht, das ist aber schon lange her. Wir wären eine Person und spielen uns gegenseitig. Es ist aber auch schon anders. Sogar Steven Gätjen letztens, als ich bei Joko und Klaas war, sprach er mich plötzlich auch als Welke an und so. Und das war eben auch so peinlich, weil das natürlich, man weiß es aber trotzdem, das Gehirn sagt immer, sag nicht Welke, sag nicht welche.
Brigitte Huber 4:14
Den größten Fauxpas hast du schon geschafft, Stephan, nur zu weiter so.
Stephan Seiler 4:17
Dann beginne ich noch mal von vorne. Herzlich willkommen, lieber Oliver Kalkofe zu Die Sache mit Älterwerden.
Oliver Kalkofe 4:25
Ja, genau. Ja, da merkt man die frühe Demenz. Es kommt dann doch einfach schon manchmal.
Stephan Seiler 4:31
Allerdings, vielen Dank. Vielleicht gibt es noch weitere Alterserscheinungen, die wir heute hier bei mir manifestieren können. Ich bin gespannt. Oliver Kalkofe, wir haben uns auf das Du vorher verständigt. Du bist gar kein waschechter Boomer, habe ich in deinem Buch gelesen. Du bist eigentlich ein jahr zu jung, 1965 geboren. Warum fühlst du dich dann trotzdem dieser Generation zugehörig? Was macht diese Generation für dich so besonders?
Oliver Kalkofe 4:54
Ja, es ist ja, also die einen sagen so, die anderen so. Es gibt gar keine wirklich definitive Boomer Bezeichnung. Also erstens mal für die jüngeren Menschen ist sowieso jeder Ältere, der im letzten Jahrtausend gelebt hat, ist ein Boomer. Also durch okboomer hat sich das ja zu so einem Allgemeinheitsbegriff gewandelt. Und das zweite ist auch Die Boomer Zeit gilt eigentlich also für die geburtenstärksten Jahrgänge und die gingen noch bis 69, das stärkste Jahr war zwar 64, aber ich bin trotzdem noch in den stärksten, also ich bin schon ein Boomer, also außer du bist so Hardcore Boomerologe und deswegen ist es so, also für mich ist Boomer sein auch mehr so ein Gefühl. Das heißt also eigentlich sagen wir alle Menschen, die noch im letzten Jahrtausend ihre Jugendzeit, einen Teil zumindest ihrer Jugendzeit verbracht haben, kann man eigentlich ruhig als Boomer bezeichnen, weil alles andere klingt auch komisch, also die Gen X und was dann als nächstes eigentlich kam, also lass uns doch einfach Boomer sagen für etwas Ältere.
Brigitte Huber 5:57
Dann darf ich vielleicht eine Sache verraten, Stephan, ich weiß, du wirst es nicht so gern hören, weil man könnte jetzt meinen, dass nur zwei Boomer und Boomerinnen in dieser Runde sitzen, weil der Stephan ist ja erst 45, aber wir hatten letzte Woche, hatten wir eine Besprechung mit unserem Social Media Mann und dann, weil wir den manchmal nicht so hundertprozentig verstehen von den Begrifflichkeiten, hat dann Stephan gesagt, ob er einfach manche Sachen einfacher für uns ausdrücken könnte, so wie es einem Jährigen erklären würde und Bennett, so heißt er sagt dann Sturzsocken, ein Jähriger wird mich ja verstehen. Und dann habe ich auch gesagt, Stephan, du bist wahrscheinlich der jüngste Boomer Deutschlands, das heißt, hier sitzen 3 mehr oder weniger waschechte Boomer, so willkommen im Club.
Oliver Kalkofe 6:43
Ja, das ist schön, das ist wirklich natürlich die Jugendsprache. Es war früher ja auch schon so, dass natürlich immer jede Generation ihre eigene Sprache und ihre eigenen Worte hat, aber inzwischen ist es so extrem geworden, dass es ehrlich so ist, wenn du sagst, also einem Jüngeren ist genau das Gegenteil. Du musst jetzt immer sagen, erklär es mir, als wäre ich 18, so, das musst du dann eigentlich immer sagen.
Stephan Seiler 7:06
Zurück zur Begriffsdefinition Boomer. Was macht diese Generation oder diesen Zustand so besonders?
Oliver Kalkofe 7:14
Ich glaube, die Boomer im Großen und Ganzen sind geprägt durch drei Dinge. Also das eine war ein gewisser Mangel, das heißt, es ist nicht so, dass wir nichts hatten, aber wir hatten von allem weniger. Also das heißt, die Auswahl von allem war sehr viel geringer, aber wir hatten alles, was wir brauchten. Das zweite war Langeweile, also wir hatten noch viel Langeweile, das heißt das ist auch nicht negativ, sondern das heißt nur, wir hatten einfach Zeit, die wir füllen mussten und es war nicht von selbst immer etwas da, was auf uns wartet. Also man musste wie heute, nimmst du einfach das Handy und guckst in irgendwas oder du hast irgend, also irgendetwas hast du immer um dich rum, was theoretisch dir die Zeit vertreibt. Das gab es früher nicht, das musste man selber machen. Also das heißt, diese Langeweile und dieser Zwang, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Und das Dritte ist Gemeinschaftserlebnisse. Also durch das beide resultieren, war es eben so, dass wir alle noch die Dinge kennen. Also wir kennen die gleichen Marken, wir kennen die gleichen Sendungen, wir kennen die gleichen Sachen, weil es eben gar nicht viel mehr als das gab. Und somit haben wir ein gemeinsames Bewusstsein und eine gemeinsame Erinnerung. Und das ist auch, wie man dann im Laufe der Jahre merkt, etwas sehr Verbindendes und etwas sehr Positives, dass man plötzlich ein Stichwort sagt und sofort kann der andere darauf anspringen. Und das ist etwas, was in unserer Generation noch da ist und was die jüngere Generation, glaube ich, in dieser Form nicht mehr hat und sehr viel größere Schwierigkeiten hat, da so gemeinsame Anknüpfungspunkte immer jeden Tag zu finden.
Brigitte Huber 8:53
Vielleicht noch mal zur Begrifflichkeit, Olli, es heißt ja eher der Boomer oder dann im Plural die Boomer von die Boomerin hört man ja eigentlich nichts, stellt man, ich habe es mitgekriegt, so bei den jungen Leuten in meinem Umfeld, die stellen sich auch eher immer irgendwie so ein bisschen peinliche Männer vor, mehr als Frauen. Oder ist es einfach so, dass der Boomer an sich nicht gendert?
Oliver Kalkofe 9:17
Ich glaube, der Boomer ist eben nicht mit Gendern aufgewachsen, hat sich deswegen auch nie Gedanken gemacht. Also Boomer, Boomerin, Boomer in oder ähnliches. Das hat für ihn gar nicht existiert, weil das ist ja etwas Neues. Das heißt, das ist ja auch das Problem am Gendern, was gerade der Boomer und die ganze Boomer Generation damit hat, dass wir plötzlich jetzt Worte umändern müssen, die wir immer verwendet haben, ohne dass wir da irgendwas gedacht haben. Und jetzt müssen wir denen oder manche Menschen sagen, wir müssten denen jetzt eine neue, eine neue Aussprache geben und das ist schwierig, das im Nachhinein zu machen. Und nee, ich glaube den Boomer, den gab es nie und ich glaube, der Boomer hat immer sowohl die Frauen wie auch die Männer einfach mit da drin in diesem Begriff versammelt. Das war einfach für alle. Und aber auch natürlich, wenn wir über so Nerd Sachen sprechen, die mit Boomerai zu tun haben, da sind nun mal vor allem was die Vergangenheit angeht, die Männer immer vorne. Frauen haben sich ganz anders entwickelt und sozialisiert, oft sehr viel vernünftiger als die Jungen. Und die Jungs haben halt sich immer schon über Filme, über irgendeinen Schwachsinn unterhalten, während die Mädchen schon früher in der Zeit jedenfalls anfingen über Gefühle zu reden oder ähnliches. Das war für uns aber fremd, bis wir 40 oder 50 wurden.
Brigitte Huber 10:35
Also das zieht sich ja bis ins hohe Alter. Aber genderst du denn oder wie machst du das?
Oliver Kalkofe 10:41
Ich habe, also ich gendere nicht in der Alltagssprache und zwar aber nicht, weil ich, weil ich es ablehne, sondern weil ich es nicht schön finde. Also sagen wir es so. Also ich finde, es ist keine sprachlich gute Variante, die dabei rausgekommen ist. Ich finde den Gedanken dahinter und den Sinn dahinter, dass man sich einfach Gedanken macht, wie man auch den weiblichen Teil der Bevölkerung in die Sprache einbezieht, finde ich ganz richtig. Denn klar, so sind wir aufgewachsen, das wurde nie, nie gemacht und wir kommen aus einem klaren männerdominierten Patriarchat, wo einfach alle Berufe und alles gab eigentlich nur immer als Mann gezählt wurden und da ist es höchste Zeit, das auch aufzubrechen. Aber wenn, dann nehme ich mir lieber die Zeit und sage alle Ärzte und Ärztinnen oder Bäcker und Bäckerinnen, als dass ich Bäcker sage, weil diese Bremsung im Sprachplus ist etwas, was mir vollkommen entgegengeht. Also das stört mich beim Sprechen kann ich, kann ich nicht wirklich richtig frei sprechen und ich finde, es klingt auch nicht schön. Also daher lasse ich es. Dann nehme ich mir die Zeit und sag einfach beides. Und das finde ich ist auch dann viel schöner. Also man muss nicht gendern, man kann es trotzdem anerkennen.
Stephan Seiler 12:00
Okay, ja, das mache ich auch gerne. Mir fallen bei dem Begriff Boomer auch immer wieder Witze auf und Memes im Internet, die es gibt über Boomer sind ja sehr in Mode. Ist es aus deiner Sicht gerecht oder ungerecht, dass so viel Spot über der Boomer Generation vergossen wird?
Oliver Kalkofe 12:18
Natürlich ist es so gesehen nicht gerecht, aber was ist schon gerecht? Also ich sag mal so, es ist halt so, das ist halt wir alle. Und genau darum geht es. Wir haben das Recht, uns auch gegenseitig lustig übereinander zu machen. Und da sollten wir auch mal wieder ein bisschen hin zurückgehen, dass wir auch die Dinge mit Humor sehen. Also dass man, man kann sehr wohl darüber spotten, wie du sprichst halt wie alte Leute oder du machst halt, du erzählst dir Sachen. Das sind alte Leute Sachen. Das gab es immer schon. Das haben wir gemacht über unsere Eltern und Großeltern. Das machen die Jüngeren über uns. Bei allem, wie es immer ist, Man soll es vielleicht nicht übertreiben und es irgendwie nicht persönlich werden lassen und dann irgendwie den anderen deswegen nicht respektieren. Solange es aber so ist, dass man sagt, das war aber Quatsch, was du da erzählt hast, oder? Ja, ja, typisch, typisch Boomer kann man damit genauso sich anfrotzeln wie auch in anderen Dingen. Da sollten wir auch wieder hin zurückkommen. Wir sollten nicht humorlos werden. Die Menschen haben immer das Problem gehabt, dass sie mit sich selber und mit allem, was um sie herumgeht und mit dem Humor ein Problem haben, vor allem die Deutschen. Also wir sind nicht mit Humor aufgewachsen, vor allem nicht mit Ironie und nicht mit Selbstironie und über uns selber zu lachen und irgendwie uns selbst nicht ganz so ernst zu nehmen und über eigene Fehler und Unzulänglichkeiten einfach mal zu lachen. Und ja, ist so, ist okay. Da tun wir dann lieber immer, als wären wir toller, als wir wirklich sind und wir nehmen uns ja ganz wichtig und dieses, du hast mich beleidigt, was sagst du zu mir oder so, das habe ich in meinem ganzen Leben immer versucht, mich in diese Falle nicht zu tappen und da ein bisschen lockerer zu bleiben.
Stephan Seiler 13:51
Sollten dann Boomer gelassener mit den ganzen Boomer Sprüchen umgehen. Ist das vielleicht auch eine Message deines Buches, das du geschrieben hast zum Thema? Ja, das Thema ist ja eigentlich Boomer sein, oder?
Oliver Kalkofe 14:03
Ja, natürlich. Also ich finde die Idee hinter dem Buch war eigentlich auch, immer mehr Menschen erzählen, früher war doch alles schöner, das hört man andauernd oder ich darf ja nichts mehr sagen und plötzlich, es brechen so komische Dinge auf, wo man immer denkt, was stört dich, was ist jetzt gerade so dein Problem? Und warum glaubst du wirklich, dass das früher alles schöner war, dass es früher freier war, dass es keine Restriktionen gab, dass du alles sagen durftest? Das stimmt nämlich nicht. Also Ich habe, ich war wirklich, ich war dabei. Also ich weiß, wie es war und Ich bin seit 35 Jahren beim Radio und beim Fernsehen. Es war immer so, dass mir das gesagt wurde, was du eigentlich nicht sagen sollst und darfst. Es waren immer andere Gründe und es gab andere Dinge, auf die du achten musstest gerade. Aber es war immer so und ich habe mich trotzdem nie daran gehalten. Und das ist halt immer noch eine freie Entscheidung, die man macht. Und wenn ich dazu stehe, dann mache ich es halt. Aber ich habe mir auch immer Gedanken dazu gemacht. So und das sollten wir vielleicht deswegen jetzt mal einen Schritt zurückgehen und okay, pass mal auf, es war früher wirklich nicht alles toller und ganz, ganz viele Dinge von früher wollen wir definitiv nicht zurückhaben, weil wir diese vermeintliche Freiheit, die wir da fühlen und so nämlich nicht stimmt in Wirklichkeit. Lasst uns doch mal zurück, wie es wirklich war. Lasst uns mal darüber lachen, über uns selber auch, auch über diese Verklärung, die in unserem Kopf abgeht. Und dann können wir doch trotzdem das Beste daraus lernen. Und auch selbst wenn wir erkennen, wie es war ja gar nicht so toll, dann darf man das trotzdem mögen und man darf trotzdem schöne Erinnerungen haben und wir dürfen trotzdem positive nostalgische Empfindungen haben. Aber das heißt nicht, dass alles so toll war. Hört mal auf, immer nur in gut und schlecht Kategorien zu denken.
Brigitte Huber 15:51
Ich finde das auch, was du sagst, was man häufiger heute hört, man darf nicht alles sagen oder so. Das habe ich jetzt gerade als, muss ich sagen, in einem katholisch geprägten oberbayerischen Kleinstädtchen aufwachsend, hattest du nicht das Gefühl, dass man ständig alles sagen und tun darf. Und wahrscheinlich waren sogar die Denkverbote noch viel stärker in unserem Kopf drin. Und erst mit der Zeit, wenn du das Gefühl hast, du darfst mehr sagen, merken die Leute vielleicht, dass es dann doch wieder irgendwo Grenzen gibt oder Shitstorms oder whatever. Aber das finde ich einen wichtigen Gedanken.
Oliver Kalkofe 16:26
Ja, es ist auch, wenn man wirklich zurückdenkt, gerade wo du sagst, also die Kirche und die Politik hatten gerade noch bis in die späten ER hinein und auch in den ERN noch eine ganz andere Macht. Und dass wenn heute gesagt wird, die Staatsmedien oder so, wenn man versucht irgendwie.
Oliver Kalkofe 16:44
Denen irgendwie den schwarzen Peter hinzuschieben, dass man nicht mehr sprechen darf oder dass die Regierung sich da einmischt, das ist heute überhaupt nicht mehr der Fall. Das war früher aber der Fall. Also früher hat die Politik entscheidend mitentschieden. Die haben Sachen gecancelt, die haben Menschen nicht mehr raufgehalten. Wenn man den Fall Desirée Nosbus von früher sich anguckt, wenn man schaut, wie Schweinchen dick gecancelt wurde. Ich habe im Buch beschrieben, ein Trauma meiner Jugend und anderes. Damals gab es das wirklich. Und die Kirche und die Politik hatten eine ganz extreme Macht in die Medien hinein und alles. Aber heute ist es eher so, wir haben ein Problem damit, dass wir von der Gesellschaft kritisiert werden. Also von den anderen. Wenn wir jetzt etwas sagen, kommen sofort Leute und vielleicht, das solltest du aber nicht tun oder was hast du denn für eine Meinung oder wie auch immer. Das ist eher eine Geschichte, die durch Internet und Social Media Media entstanden ist. Shitstorms gab es früher auch, aber das waren keine scheiße Stürmchen. Da kam dann irgendwie mal ein Sack voll Postkarten im Sender an und die wurden dann irgendwo auf dem Klo versteckt. Okay, das hat dann keinen Groß gestört. Heute kannst du alles lesen, jeder kann alles lesen, du kannst alles posten, du kannst die Emotionen hochpeitschen und plötzlich fühlt sich jeder kritisiert auf irgendeine Art. Weil du kannst auch, also ich habe diese Tests schon oft gemacht. Du schreibst irgendwas ins Internet und egal was du kannst, nur ich wünsche euch einen schönen Tag, kommen Leute und kritisieren dich dafür. Also sagen, warum wünschst du nur mir, warum hast du nicht Und gestern hast du mir keinen schönen gewünscht und was ist denn mit dem Rest der Woche? Also irgendwie kommt jeder und will dich. Das ist so etwas Menschliches irgendwie. Jeder will seine Meinung sagen und will aber ich finde gerade nicht gut, keine Ahnung warum. Und heute musst du es lesen. Heute kriegst du es mit. Heute kannst du jeden Tag jeden anmachen. Und das ist etwas, da sind wir nicht dran gewohnt. Also wir haben so viel Kontakte, hat kein Mensch in der Vergangenheit in den ganzen Jahrtausenden vorher gehabt. Du hast ein paar Menschen getroffen, du hast wenige Kontakte gehabt, du hast einen Freundeskreis oder so gehabt, aber das war alles überschaubar. Aber heute wirst du einfach zugeballert mit Meinungen und mit anderen. Und das ist was, was uns verändert hat. Nicht der wirklich offizielle Druck von außen.
Stephan Seiler 19:02
Stecken hinter diesen ganzen Memes und Witzen, aber nicht auch so ein paar ernste Botschaften. Es ist auch nicht der Frust, der da rausspricht aus diesen Memes. Frust darüber, dass die Boomer Generation angeblich die Welt vor die Hunde geführt hat durch den Konsum, die Rente, den Verbrauch, Klimakatastrophe etc. Es gibt so viele Krisen von heute, die immer wieder mit der Boomer Generation in Verbindung gebracht. Werden. Wie siehst du das? Ist da nicht dann auch ein wahrer Kern an dem Sport dran?
Oliver Kalkofe 19:32
Ja, wahrer Kern ist ja sowieso auch meistens drin. Und ich will auch wirklich uns Boomer da nicht rausnehmen. Natürlich, wir haben ganz viel von dem, was heute ist, haben wir verschuldet, ganz klar. Also wir haben ja nicht alles richtig gemacht. Nur gehen wir mal zurück. Das ist das Problem. Keine Generation vorher hat alles richtig gemacht. Also egal welche Generation. Also geh in 10 Jahresschritten einfach rückwärts und guck dir an, was da die jeweiligen Entscheidungsträger oder jeweiligen Leute auf die Zukunft gesehen falsch gemacht haben. Da findest du jede Menge. Also wenn du 100 Jahre zurückgehst, hast du die Kriege, danach hast du, du hast davor noch die industrielle Revolution, die schon auf jede erdenkliche Art angefangen hat, die Natur kaputt zu machen und zu zerstören etc. Das haben wir immer gehabt, weil es ging uns immer um einen gewissen Wohlstand für uns, dass es uns irgendwie besser geht. Und mit uns meinten wir meistens den sehr engen Kreis um uns herum, aber nicht die anderen Länder oder die anderen Menschen oder so etwas. Die einzige Phase, an die ich mich erinnere, waren wirklich die ER die ER Jahre ist das einzige Jahrzehnt, was ich so erkennen kann, wo ich das Gefühl habe, da gab es zumindest so einen Optimismus oder eine Hoffnung, obwohl genug passierte in der Welt. Aber das war so ein Moment des Aufwachens. Medial tat sich ganz viel. Es hat sich irgendwie ganz viel in der Welt verändert. Die Mauer fiel, die Sowjetunion brach zusammen. Es war so das Gefühl, ah ja, Globalisierung ist was Positives. Wir machen einen Schritt aufeinander zu. Friede ist eine schöne Sache, Krieg muss ja gar nicht sein. Und da hatte ich so, das war so die einzige Phase, wo ich mal so dachte, es wird besser. Und dann, als der Jahrtausendwechsel kam, hat sich das sehr, sehr schnell wieder umgedreht. Und ich sage mal, in 30 40 Jahren werden die Menschen über die heutige Generation, also was heute passiert, erst recht darüber reden, was habt ihr alles für eine Scheiße gebaut? Vor allem auch in den vielen Punkten, wo wir gerade dabei sind, die Rad wieder zurückzudrehen und die Fehler von 1 noch mal zu wiederholen. Aber das ist immer so und wir Boomer können uns da nicht ausnehmen. Wir hatten zwar eine relativ entspannte Zeit, vielleicht im Rückblick betrachtet, aber wir haben auch für die nächsten Generationen bei weitem nicht alles richtig gemacht und haben dann auch viel Chaos hinterlassen.
Brigitte Huber 21:53
Und was da auch mitschwingt oder ist ja auch, wir sind halt sehr, sehr viele. Allein wenn man sich das Thema Renten jetzt anschaut, dann sieht man die Problematik einfach ganz klar. Und allein darin liegt natürlich ein Problem.
Oliver Kalkofe 22:06
Ja, und wir sehen auch, es hat sich einfach alles komplett verändert. Wenn ich jetzt an früher zurückdenke, an die ER, wo sich die privaten Medien und so zum Beispiel ja überhaupt erst so formiert haben und Privatfernsehen groß wurde und so. Und dann wurde die werberelevante Zielgruppe erfunden, die 14 bis jährigen, weil man damals noch dachte, also wir kannten von unseren Eltern und Großeltern her noch, also ab 50 geht es bergab und ab 60 kannst du knicken, also da ist nichts mehr. Also die sind alle, also mit 60 bist du wirklich alt und da kaufst du auch nichts mehr, nimmst du nicht mehr am Leben teil, da hast eine Strickjacke an und setzt die hin und hörst irgendwie Volksmusik und machst nichts mehr. Und das hat sich dann ganz, hat sich plötzlich geändert. Das ging relativ schnell, dass plötzlich diejenigen diese Zielgruppe erfunden hatten, merkten, dass sie aus ihr selbst rausgewachsen waren und 50 wurden und noch voll im Leben standen und dann merkten, oh, wir müssen das noch mal erweitern. Dann haben sie die bis 59 gemacht und jetzt bin ich gerade 60 geworden und bin aus allen Zielgruppen rausgewachsen. Also jetzt ist es, ich kann jetzt machen, was ich will, das Gefühl der Freiheit, weil es interessiert keinen mehr, was ich tue oder kaufe. Dabei habe ich das Geld jetzt, also das hatte ich früher nicht. Jetzt habe ich das Geld, dass ich viele Dinge kaufen könnte, mache ich auch und habe auch immer noch ganz viel Spaß am Leben und ich bin noch immer, ich fühle mich noch nicht so alt, wie ich bin. Und solange mein Körper noch mitmacht und der Kopf auch irgendwie noch halbwegs richtig tickt, wird das auch noch so bleiben. Das müssen wir uns aber erst mal dran gewöhnen. Und jetzt ist plötzlich dieser Teil, nämlich der Menschen, die so um die 60 herum sind oder zwischen 50 und 70, ist der größte Teil der Bevölkerung. Wow, das war noch nie so. Also die Gesellschaft ist eine Schieflage geraten, an die wir nie gedacht haben. Da haben wir nie dran gedacht, dass wir Jungen plötzlich irgendwann die Alten sind und dann auch noch mehr als die Jungen.
Stephan Seiler 23:57
Das ist ein völlig unvorstellbarer Gedanke.
Brigitte Huber 23:59
Und dazu kommt, also wir sind ein riesen Wirtschaftsfaktor und dazu, wenn wir 60 werden, haben wir heutzutage auf einmal auch ganz gute Chancen, 80 oder 90 zu werden. Das hat sich ja auch komplett verändert. Aber es ist auch eine gute Überleitung zu unserem nächsten kleinen Themenkomplex. Unser Podcast heißt ja die Sache mit dem Älterwerden. Und du hast es angesprochen, du bist im September 60 geworden, ich bin im letzten Jahr 60 geworden und für mich war das überhaupt kein Geburtstag wie jeder andere. Ich wollte es sehr lange nicht wahrhaben, hat jetzt nicht eine Krise ausgelöst, aber zumindest hat es dazu geführt, dass ich sogar ein Buch darüber geschrieben habe und jetzt diesen Podcast mache. Also hat ein bisschen was Therapeutisches letztlich auch. Wie war das für dich? War das ein Geburtstag wie jeder andere? Oder war das auch so was, wo du sagst, Holla, die Sex ist schon merkwürdig?
Oliver Kalkofe 24:45
Also ich habe eigentlich immer versucht, mir da keine Gedanken drüber zu machen, mein ganzes Leben. Und auch wenn, also immer eigentlich, wenn die Null kommt, haben ja die meisten Menschen um mich rum erzählen, dass sie damit Probleme haben. Also auch unsere Tochter hat mit 20 Problemen und hat jetzt Angst vor der 30 so und ich weiß, dass auch die 40 oder irgendwas und die 50, was da kommt, da habe ich nie gedanken gemacht. Die 6 war das erste Mal, dass ich merkte, ja, das ist blöd, das ist echt doof. Und zwar genau deswegen, nur weil eben auch in meinem Kopf immer noch drin ist, wie ab da ist eigentlich vorbei. Da zählst du nicht mehr und da nimmst du nicht mehr aktiv am Leben teil und da gehst du quasi gedanklich in die Rente. Das ist so was, was man einfach, damit sind wir halt groß geworden. Das ist so der Gedanke. Und da plötzlich jetzt selber da zu sein und dann aber so zu merken, wie fühle mich aber noch gar nicht so. Also mein Körper manchmal an manchen Tagen, ja, der fühlt sich manchmal sogar noch viel älter, aber der Rest eigentlich noch nicht. Und ich merke, ich bin eigentlich noch aktiv und ich merke auch, ich habe jetzt gerade die aktivsten Jahre fast meines Lebens. Ich habe zwar nicht jetzt eine große Geschichte, die ich mache, aber ich mache so viel wie noch nie zuvor. Und da denke komisch, irgendwie stimmt das alles gar nicht. Und wie gehe ich damit um? Das hat mir auch zum ersten Mal, hat mich das auch zum Nachdenken gebracht. Und auch natürlich, dass einem bewusst wird, das ist auch klar, Du bist jetzt, du befindest dich im Bereich der Endlichkeit. Also du hast früher machst du dir nie darüber Gedanken und wenn du jung bist, kannst du dir nicht vorstellen, dass du mal irgendwann wirklich älter bist oder so. Also ich glaube, die wenigsten machen sich da wirklich realistisch schon die Gedanken drüber. Und dann bist du es aber plötzlich und merkst du, okay, jetzt bin ich aber in dem Teil, wo ich quasi das letzte Lebensviertel erreiche und ich bin nicht mehr im ersten oder im zweiten, sondern jetzt ist so Ende. Aber ich finde es auch positiv. Also ich habe das auch als positiven Denkanstoß genommen, nämlich entspannter zu werden. Also ich bin in vielerlei Hinsicht bin ich jetzt entspannter und relaxter, weil mir jetzt irgendwie auch klar ist, okay, muss mich nicht mehr beweisen. Ich muss nicht mehr irgendwo mitrennen, um zu zeigen, dass ich schnell laufen kann oder sonst was, sondern ich kann jetzt so, ich kann das in meinem Tempo machen und ich kann das machen, was ich noch möchte und was mir Spaß macht und ich muss nicht mehr auf andere hören. Die Zeit ist jetzt vorbei. Also so, dass ich so das Gefühl habe, die anderen sind schlauer als ich. Das habe ich nicht mehr. Hatte ich früher aber also dachte ich immer so, die wissen natürlich viel mehr als du und die, die sagen dir, wo es langgeht. Nö, ich habe es jetzt bis hierhin geschafft und das habe ich gut geschafft und jetzt muss ich mir endlich auch wirklich nichts mehr sagen und kann jetzt mich entspannen und macht ihr mal euren Scheiß. Ich weiß jetzt, ich mache meinen Rest noch so, wie ich möchte.
Brigitte Huber 27:35
Also es ist so ein souveränes Alter, wenn man, also wenn man das Tal so ein bisschen durchschritten hat, so habe ich auch begriffen. Ich muss nicht mehr die Ellbogen rausmachen, ich muss mir nichts mehr beweisen, weder mir noch anderen. Was du auch sagst, finde ich, ist so diesem Blick auf die Zeit. Die Zeit ist kostbarer geworden. Ich spreche allerdings jetzt immer vom dritten Drittel. Du sprichst ja schon vom letzten Viertel. Aber gut, die Lebenserwartung von Frauen ist auch ein bisschen höher. Insofern kann das stimmen. Aber man hat noch mal einen anderen Blick auf die Dinge, oder? Das höre ich bei dir auch ganz klar raus.
Oliver Kalkofe 28:05
Definitiv. Also wirklich definitiv. Und das ist ja immer auch je älter man wird, ist es immer so ärgerlich, dass man so denkt, wenn man gefragt wird, was würdest du deinem früheren Ich sagen oder ähnliches, Sich immer so denke ah man, wenn ich so einiges von heute schon damals gewusst hätte, wie schön hätte ich leben können. Das ist so ärgerlich, dass man gewisse Erfahrungen auch von anderen niemals annimmt. Also auch wenn andere mir das gesagt haben, man macht es ja nicht, man hört ja nicht drauf. Du musst Dinge immer erst selber erfahren und selber lernen. Das ist ja auch so eine schwierige Sache, die ich auch gern merkte. Ich dachte, ich kann ja meine Weisheit dann wenigstens an unsere Tochter oder an andere junge Menschen weitergeben, die aber nur Danke Papa, danke, halt die Fresse. OK, Boomer Schnauze. Solange du es nicht selber erlebt hast, bringt es nichts. Der Mensch muss selber lernen und kann sich nicht wirklich die Dinge erzählen lassen. Die Fehler muss er alle selber begehen.
Stephan Seiler 29:05
Gibt es denn einen bestimmten Moment, in dem du das Gefühl hattest, jetzt bin ich offiziell alt? Wenn ja, welcher war das offiziell?
Oliver Kalkofe 29:12
Also ich glaube schon ab 50 hatte ich das Gefühl, dass ich so dachte, ich bin nicht alt. Also das nicht so, sondern erwachsen vielleicht. Also ich bin nie, ich habe nie das Gefühl gehabt, erwachsen zu sein. Das habe ich jetzt vielleicht so, dass ich ja, ich kann es nicht mehr verleugnen, aber ich bin immer im Kopf und im Herzen bin ich immer noch zu einem ganz großen Teil Kind geblieben und ich liebe immer, ich mache immer noch die gleichen Sachen wie früher und ich habe alles hier voll mit Figuren und mit Sachen, die ich in meiner Kindheit geliebt habe. Und ich kaufe die ganze Zeit immer irgendeinen Quatsch. Mir ist egal, was ich für ein Auto fahre oder sonst interessiert mich alles überhaupt nicht oder irgendwelche Luxusdinge oder so, sondern ich kaufe mir dann irgendwie James Bond Socken und bin stolz darauf, fände das cool und so. Ja, das ist alles. Also das ist mein Ding. Und deswegen habe ich nie das Gefühl gehabt, alt zu sein. Da habe ich eher das Gefühl, wenn ich mich umschaue, dass ich denke, wie alt Leute um mich rum sind, selbst wenn sie jünger sind.
Oliver Kalkofe 30:14
Also nur körperlich ist es wirklich der Körper, der hat es aber noch nie gut mit mir gemeint und der altert schon voraus. Also da merke ich schon echt öfter, ich habe mir letztes Jahr, bin ich fast irgendwie monatelang auf Rücken rumgelaufen, weil ich mir einen Bänderriss geholt habe, nur weil ich in der Dusche 2 cm mit dem Fuß nach vorne gerutscht und es machte Ping und das Knie war kaputt. Und ja, da merke ich, ach f***, ja, dein Körper ist schon über das Haltbarkeitsdatum drüber und funktioniert nicht mehr so, wie du dich eigentlich fühlst. Und das hat mich dann oft gebremst und da habe ich mich dann mal ab und zu alt gefühlt.
Brigitte Huber 30:53
Eines meiner Lieblingszitate in deinem Buch, einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben, vor allem in meiner Kindheit und Jugendzeit, war das Fernsehen. Als Verblüffendes Die Psychologin in mir fragt dich, was sind denn deine ersten Erinnerungen an diesen wichtigen Menschen?
Oliver Kalkofe 31:13
Also das war für mich deswegen ein wirklich wichtiger Mensch, weil.
Oliver Kalkofe 31:18
Der hat mir neue Welten eröffnet. Und zwar Welten, die für mich spannender und lebenswerter, toller und verheißungsvoller erschienen als die Realität um mich herum. Denn die war ja nicht so besonders aufregend, muss man mal ganz ehrlich sagen, wenn ich jetzt so an die er denke. Das war keine besonders wilde und aufregende Zeit, sondern da musstest du schon immer nach etwas suchen, was dich motiviert. Da bin ich sehr schnell in die Welten abgetaucht, die mir das Fernsehen geboten hat. Also ich fand alles, was mich unterhielt und was mich in irgendeine andere Dimension beförderte, super. Also egal, ob es Raumschiff Enterprise war oder Bonanza, bezaubernde Genie, aber auch Krimiserien. Ich habe schon früh alles geguckt, was ging von die zwei über Starsky und hat Straßen von San Francisco, Rockport, weiß nicht was, alles rauf und runter. Und das hat mich immer fasziniert, weil da war das Leben spannend und unterhaltsam und lustig und aufregend. Und das war für mich deswegen ein Fluchtpunkt. Und das ist auch etwas, wo sich die Medien von damals mit den von heute sehr, sehr stark unterscheiden. Du hast immer etwas gesehen oder du hast zu einem, zum größten Teil hast du immer etwas zu sehen bekommen, was dir eine Utopie oder eine Harmonie gezeigt hat. Also du hast immer Geschichten gehabt, die führten eigentlich immer zu einem Happy End am Ende in allen Serien. Es waren immer abgeschlossene Geschichten. Du bist immer damit rausgegangen. Du musstest dir nicht weiter Gedanken darüber machen, wie es wohl nächste Woche weitergeht. Das kam erst durch Serien, dann wie Dallas und Denver Clan und so, wo du dann irgendwie eine durchgehende Geschichte hattest und eine Woche warten musstest. Sonst waren es früher immer abgeschlossene Geschichten. Es gab immer meistens etwas, was du daraus gelernt hast. Es gab immer irgendwie etwas Harmonisches. Am Ende hat die Familie Familie und das Gute und immer gesiegt. Und das war etwas, was dich sehr beruhigt hat und was dir einfach nur so zeigte, ach so, das ist schön, das ist nett und deswegen hast du dich dahin geträumt. Und heute hast du Medien, die zeigen dir eine Welt, in der du nicht sein willst. Also auch das, was dir als Reality TV von morgens bis abends um die Ohren geballert wird, sind solche Extreme. Das sind je schlechter je du dich verhältst, je lauter du bist, je mehr du pöbelst, je bescheuerter du dich verhältst. Das ist ja kein echtes Abbild der Realität, sondern ein sehr beklopptes, was sich Redakteure, die sich keine großen Gedanken machen, eben ausdenken, um einfach nur mit den billigsten Mitteln dich irgendwie anzulocken. Und da siehst du Menschen und da siehst du Verhalten und da siehst du Leben, was du nicht haben möchtest. Und da denkst die möchte ich nie treffen, diese Leute. Und es wird dir eine Welt vermittelt, von der du fliehst. Also früher war das Fernsehen ein Fluchtpunkt, wo du hin wolltest und wo du dich hingesehnt hast. Und heute ist es etwas, wo du denkst, ah ne, lieber weg davon, so möchte ich es nicht haben.
Brigitte Huber 34:06
Und was du auch ansprichst, diese Happy End Garantie. Also ich glaube, bei Winnetou ist nicht immer alles gut gegangen, nur bei Teil 3 nicht. Aber genau, aber normal Ich weiß, also ich bin nahezu dramatisiert von einer Serie, die ich eine Zeit lang geguckt habe, Dexter und dann stirbt zum Schluss der Hauptdarsteller. Also erstmal gibt es ewig.
Stephan Seiler 34:26
Danke für den Spoiler, ich hab's noch nicht zu Ende gesehen.
Brigitte Huber 34:29
Er stirbt nicht.
Oliver Kalkofe 34:30
Er stirbt nicht.
Oliver Kalkofe 34:32
Der Witz ist.
Oliver Kalkofe 34:35
Er stirbt, aber er lebt dann später doch wieder. Also ich hab jetzt schon die nächste Staffel ja gesehen, obwohl er tot ist. Er lebt weiter, ist alles okay.
Brigitte Huber 34:43
Das hilft mir auch, Olli. Also tatsächlich, aber das ist dann für mich, ich sitze dann da fassungslos vor der Glotze und denke mir, das kann doch einfach nicht sein. Und warum habe ich mir das angetan? Jetzt habe ich mich mit den Charakteren irgendwie sympathisiert, solidarisiert, all das.
Oliver Kalkofe 34:58
Ja, kannst du die nächste Staffel sehen? Ich habe sie schon gesehen und die ist wirklich sehr, sehr gut. Fand die eine sogar der besten und deshalb wirklich wiederbelebt. Also wir dachten, er wäre tot, aber er hat es doch noch geschafft.
Brigitte Huber 35:10
Okay, you made my day.
Oliver Kalkofe 35:12
Ne, aber das war auch so. Ich weiß, wenn das früher mal passierte und ich erinnere mich auch, es gab eine Serie, Diamantenjäger, sowas mit, glaube Götz George sogar, da endete die Staffel auch so, dass man denkt, er stirbt und dann wurde die Serie nicht weiter fortgesetzt. Das hat mich, ich war sowas von geschockt, wenn irgendwie ein schlechtes Ende mal kam, das war wirklich sehr selten. Dann hat dich das aber auch echt traumatisiert, weil du warst so daran gewöhnt, dass du immer ein Happy End geboten bekommst jahrzehntelang. Und das brach dann erst irgendwann auf, dass man sich traute, ein bisschen realistischer da ranzugehen. Und es ist nicht immer nur alles so schön, aber dass sich das drehte, das hat lange gedauert. Und ja, wir sind da anders mit aufgewachsen. Wir haben andere Erfahrungen gemacht.
Stephan Seiler 35:58
Im Prolog deines Buches fragst, war damals tatsächlich alles so schön, wie wir es heute manchmal glauben? Oder war es etwa doch so schlimm, wie viele andere es behaupten? Dann zählst du sehr, sehr viel auf, was du erlebt hast und erfahren hast. Kannst du vielleicht für alle, die das Buch noch nicht gelesen haben, ganz kurzen Spoiler geben? Was war denn, abgesehen von diesen Fernseherlebnissen, das Beste am Frühjahr? Was für alle, die nicht dabei gewesen waren, was haben sie verpasst?
Oliver Kalkofe 36:25
Ja, das Problem dabei ist, du suchst dir ja am Ende, wenn du dann also das aus dem Rückblick betrachtest, dann überlegst du, was schön war und es kommen schöne Momente. Und wenn du dann plötzlich, wenn ich so überlege, und da kam eben auch viel in dem Buch raus, waren das immer Momente, die gar nicht mal aus etwas Schönem herausgekommen sind. Also das heißt, eine gewisse Freude im Nachhinein betrachtet war der Mangel und die Dankbarkeit, die daraus resultierte. Also das heißt, da du nicht so viel hattest, warst du plötzlich für Kleinigkeiten unendlich dankbar. Also ich weiß, dass ich mich als Kind über kleine Dinge und über eine Figur oder über irgendeine Sache so gefreut habe und die so wichtig war, dass ich mich heute noch daran erinnere. Auch Fernsehsendungen, wo wir es schon sagten oder alles oder Schallplatten. Du bedenkst, was früher dir Musik bedeutet hat, weil du musstest selber die kaufen. Du musstest zu der Zeit noch, also ich bin eben noch mit Schallplatten groß geworden und damals gab es streamen und gar nichts und das war noch am Anfang, bevor du selber mit Kassette wenigstens angefangen hast, dir dann deine eigenen Mixtapes zu machen, hast du eine Schallplatte dir kaufen müssen und hast für eine Single 6 Mark ausgegeben, die ein Lied gespielt hat und die musstest du mit der Hand immer wieder auflegen. Also das ist ein Aufwand, den möchte ich heute nicht mehr betreiben müssen. Heute macht man es aus Liebhaberei, wenn du Vinyl hast und so ein bisschen anzugeben, aber du machst das nicht mehr, weil du es musst und das möchte ich auch nicht. Aber trotzdem hat das eben dazu geführt, dass ich jedes einzelne Lied wertgeschätzt habe und jedes hatte eine Bedeutung. Darum funktioniert eben auch diese Nostalgie so und die ganzen Sender, die 80s, 80s und 70s und so weiter von früher, weil heute, wo du einfach jedes Lied kriegen kannst und wo du alles einfach bekommen kannst oder auch Filme oder sonstiges, da hat es plötzlich nicht mehr diesen Wert und trotzdem möchte ich es nicht wieder so haben wie früher, dass ich es nicht bekomme. Das ist echt schwierig. Also der Mensch ist undankbar in seinem Selbst und das ist eben echt schwer. Wenn es dir nicht mehr schwer gemacht wird, etwas zu bekommen, schätzt du es nicht mehr wert.
Brigitte Huber 38:41
Komisch, sehr merkwürdig. Ja, ihr beschäftigt euch ja sowohl in eurem Podcast auch immer wieder mit der Vergangenheit, jetzt auch in dem Buch. Also wie würdest du sagen, wie stark ist unser Hang generell die Vergangenheit zu verklären? Und ist es im Moment besonders stark, dass die Menschen die Vergangenheit verklären wollen?
Oliver Kalkofe 39:01
Ja, ich glaube, es ist immer so. Also es war schon immer so. Selbst unsere Eltern und Großeltern, selbst wenn sie in furchtbaren Zeiten wie im Krieg oder so aufgewachsen wären, haben trotzdem auch immer behauptet, es wäre früher irgendwie ja doch schöner gewesen. Das hängt einfach damit zusammen, dass du, glaube ich jedenfalls, dass du einmal weißt, du hast es ja überstanden. Also du weißt, du hast es schon überlebt. Das heißt, es gab schon quasi ein Happy End. Also du lebst heute immer noch und deswegen musst du dich nicht mehr an die schlimmen Momente erinnern, sondern es reicht, wenn du dich an die guten erinnerst. Und wenn du da ein paar hast, wenigstens eine Handvoll, dann hast du manchmal das Gefühl, es war schöner, weil du damals, also wenn du zurückdenkst, spürst du nicht die Ungewissheit von heute, denn du weißt ja nicht, was ist morgen, was wird nächstes Jahr, was wird irgendwie, wie dreht sich, was passiert in der Welt. Und heute, glaube ich, ist deswegen der Drang zur Nostalgie so groß aus zwei Gründen. Erstens, wir haben es schon gesagt, wir sind die Mehrheit, Also das heißt, die Älteren sind mehr als die Jungen und ich glaube, wir alle leben, und zwar die Jüngeren genauso wie die Älteren, in einer Zeit, wo wir uns total überfordert fühlen. Also wir können der Realität nicht mehr hinterher. Also es entwickelt sich alles schneller, als wir dem folgen können. Als bestes Beispiel, die ganze Geschichte mit KI. Vor zwei Jahren, weiß ich noch, haben wir, da kam ChatGPT und da war das erste Mal, dass das Thema plötzlich in der breiten Bevölkerung angekommen ist und vor zwei Jahren, und da hat noch jeder drüber gelacht, weil das noch ganz schlecht ging und du konntest keine wirklichen Stimmen nachbringen und ChatGPT hat komisch geantwortet und so. Innerhalb von zwei Jahren hat sich das derartig verändert und zwar überall in der Welt. So viel fällt weg, so viel. Du hast plötzlich keine Menschen mehr, sondern du hast an ganz vielen Stellen nur noch KI. Das hat uns überrannt. Da kommen wir nicht hinterher. Wir haben keine Möglichkeit, wie wir zeigen können und den Menschen klarmachen können. Das ist falsch, das ist richtig, das ist gefaked, das ist echt. Wir haben keinen Ausschaltknopf, wir können es nicht regulieren. Das hat uns übermannt und das passiert überall. Spätestens durch das Internet ist eine Lawine so schnell in Gang geraten, dass wir als Menschen dem nicht folgen konnten. Und das ist bei uns Älteren, die wir damit nicht aufgewachsen sind, natürlich einmal schwierig, weil wir dann mit Technik nicht mehr hinterherkommen, mit der Sprache nicht, mit vielen Dingen. Aber ansonsten bist du da raus. Und aber auch wenn du jetzt die Jüngeren anguckst, also wenn du dir einen 15 oder jährigen anguckst, dann muss auch der jetzt schon gestehen, dass er nicht in der Geschwindigkeit mitkommt. Es entstehen so viel neue Plattformen, es entsteht jeden Tag ein neuer Hype, eine neue Sache, der man dir sagt, dem musst du folgen. Das ist jetzt ganz wichtig. Du bist noch da. Facebook, Twitter ist jetzt schon für alte Leute, TikTok und die werden folgen. Das ist bald auch nur noch ein altes Ding, weil dann das nächste wiederkommt. Und so wird das. Also so bist du in dieser ewigen Überforderung. Und wenn du irgendwann das Gefühl hast, wie die Welt läuft so schnell um mich herum, dass ich nicht mehr mitkomme, dann kommst du. Dann ist eine Möglichkeit, die du machst. Du blockierst und denkst an früher und sagst, früher war das aber schön, da hatten wir das nämlich alles noch nicht und deswegen war das ja alles ganz toll. Und das stimmt nicht in Wirklichkeit. Aber in gewisser Weise ist es auch nicht falsch, weil du eben damals aus diesen Gründen nicht diese Überforderung gespürt hast.
Stephan Seiler 42:34
Schämst du dich auch für manche Momente aus deinem eigenen, vielleicht auch beruflichen Leben. Glorifizieren ist das eine. Aber kritischer Blick zurück ist ja auch noch etwas, was mit dem Älterwerden mitunter einhergeht. Vielleicht auch, wenn du auf deine eigene Arbeit schaust in der komödiantischen Branche. Ich war damals großer Zuschauer der Sendung Kalkofes Mattscheibe und habe damals herzhaft gelacht, aber ich weiß gar nicht, ob ich auch über alles heute lachen würde. Stichwort Kostümierung oder vielleicht auch mal schwarze Farbe ins Gesicht schmieren. Ich weiß gar nicht mehr, ob du das gemacht hast. Aber wie stehst du heute dazu?
Oliver Kalkofe 43:09
Also erstens einen Punkt nehme ich mal gleich. Das ist mit schwarzer Farbe ins Gesicht, also nämlich mit Blackfacing. Das habe ich gemacht und da stehe ich aber auch heute noch zu. Also ich sage, und zwar, weil ich habe mich nie kostümiert, um mich darüber lustig zu machen, dass jemand eine schwarze Hautfarbe hat. Ich habe alle Figuren, die ich nachgemacht habe, versucht nachzumachen, so gut wie es geht. Ich habe die Frisur imitiert, ich habe alles, was ich habe, das Kostüm imitiert. Wenn jemand blasser war als ich, wurde ich blasser geschminkt. Wenn jemand dunkler war als ich, wurde ich dunkler geschminkt. Wenn jemand Schnurrbart hatte oder eine Brille, habe ich auch das bekommen. Und wenn du dann sagen würdest, eben jetzt die Hautfarbe mache ich nicht mehr nach, dann musst du vorher dir ja einen Farbfächer machen und sagen, bis zu welchem Grad der Dunkelheit mache ich es oder mache ich es nicht. Oder du musst sagen, nur weil der jetzt sehr viel dunkler ist als ich selber, spiele ich ihn in hell als einzigen, was ich dann auch unpassend fände. Oder ich sage, deswegen mache ich nichts und kritisiere nicht das, was er vielleicht albernes im Fernsehen gemacht hat, weil ich das ja nicht darf. Das glaube ich ist falsch. Also wenn wir über Blackfacing reden, muss man genau wie bei allem anderen differenzieren und muss man sagen, das sehe ich nicht als Blackfacing, weil das sehe ich als Imitieren einer Person und das ist eine Parodie und das ist wieder etwas anderes. Deswegen stehe ich dazu. Es gibt aber trotzdem ganz viele Dinge. Natürlich, wenn ich das heute gucke, denke ich, das würde ich heute so nicht mehr sagen. Das würde ich in meiner machen. Heißt aber nicht, dass ich mich deswegen schäme, weil ich habe es deshalb damals nicht aus böser Absicht gemacht und auch nicht, um jemanden diskriminieren oder irgendwie blöd anmachen zu wollen. Aber heute bin ich sensibler geworden. Heute ist die Gesellschaft in gewissen Punkten sensibler, würde ich sagen, das würde ich jetzt nicht mehr machen. Ich würde jetzt was anderes kritisieren. Das heißt also, ja, wenn man zurückblickt, wird man, glaube ich, in seinem Leben ganz viel finden, wo du sagst, das habe ich falsch gemacht. Also nach heutiger Sicht, es gibt auch tausende private Momente, wo ich so denke, das war falsch, was ich da gemacht habe natürlich, aber ich gehe deswegen nicht und oh Gott, oh Gott, was habe ich da alles gemacht. Jeder Mensch begeht Fehler jeden Tag, überall. Damit musst du dann auch leben und deswegen kannst du aber auch trotzdem daraus lernen und okay, das war damals, also aus heutiger Sicht nicht mehr so. Dann mache ich es heute einfach nicht. Mache ich es heute anders und das wäre und so ist es. Also würde ich heute noch die Mattscheibe machen, würde ich trotzdem auch weiterhin meine Haut dem Original entsprechend anpassen, weil ansonsten wäre es verlogen. Dann muss ich es ganz sein lassen. Dann darf ich die nicht imitieren. Das ist die eine Entscheidung. Also das würde ich heute noch machen und trotzdem würde ich vieles anders sehen und auf andere Dinge gehen als damals. Ich habe mich aber auch nie darüber lustig gemacht, dass jemand schwarz war oder eine andere Hautfarbe hatte. Also das war.
Stephan Seiler 46:01
Hast du denn jemals dazu Austausche gehabt, auch Diskussionen gehabt, beispielsweise mit People of Color, also mit schwarzen Personen. Gab es da mal Kritik genau aus dieser Ecke?
Oliver Kalkofe 46:12
Nein, also ich habe nie Kritik von jemandem da erfahren, der sagte, warum hast du das gemacht? Oder das fand ich nicht gut, sondern da im Gegenteil. Also bis auf einige Menschen. Also ich habe in der Mattscheibe habe ich wirklich jede Menge Prominenten vorgeführt und nachgemacht und parodiert und da gab es ein paar, die einfach nicht mit sich selber mit einer gewissen Selbstironie auf sich blicken können und ein anderes Humorverständnis haben. Das waren aber eher die Amigos oder die Schlagersänger oder das Heimatduo oder irgendwie so. Also das waren eher Leute aus dieser Ecke, die nicht verstanden haben.
Oliver Kalkofe 46:57
Dass man sich auch darüber amüsieren kann, was sie da tun, weil sie das selber sehr, sehr ernst nehmen. Ansonsten nicht. Ich habe auch in meiner Zeit davor Frühstücksradio bei FFN, womit das anfing, da haben wir schon auch sehr harte Comedy gemacht. Da haben wir auch schon alle sozialen Gruppen beleidigt und vorgenommen und mit dabei gehabt. Das gehörte aber auch dazu, weil genau da war er.
Oliver Kalkofe 47:23
Dass uns alle immer sagten, wie schön, weil es hieß, du darfst darüber keine Witze machen. Du darfst darüber nicht früher eben viel auch über Kirche, über Tod, über Behinderung, über Sonstiges. Es ist ein ganz großer Unterschied, wie du etwas machst und was du machst. Wenn du dich hinstellst und haha, guck mal, du hast eine andere Hautfarbe, du hast eine Behinderung, du bist kleiner, du bist dicker. Das ist auslachen. Aber wenn du darüber Witze machst, wie Leute damit umgehen, wie du selber damit umgehst, wie sich das in der Realität anfühlt etc. Es gibt ja tausend Arten, wie du da rangehst, dann ist das vollkommen in Ordnung. Und da habe ich eigentlich immer eher gespürt, dass die Ersatzbetroffenen sich dann darüber aufregen und das darfst du nicht. Da tust du anderen mit weh. Und die, die eigentlich betroffen waren, waren diejenigen, die Nö, das nicht. Aber dass du als Betroffener inzwischen auch sagst, wie sich einfach über mich lustig zu machen, das ist ja etwas, was in der Gesellschaft dann häufig passiert. Oder mir einen Begriff zu geben oder mich so und so zu nennen, das ist nicht in Ordnung. Und das finde ich ist auch eine gute Sache, dass wir das mal lernen. Im Internet hat man zwar noch nicht so richtig gelernt, wie es scheint, und eben da überall, wo du anonym Leute beleidigen kannst, passiert es immer noch. Aber ansonsten ist man da ein bisschen sensibler geworden und das finde ich auch nicht schlimm.
Brigitte Huber 48:43
Würdest du sagen, es ist eher leichter geworden, Comedian zu sein oder schwerer? Oder würdest du sagen, jede Phase hat ihre Challenge?
Oliver Kalkofe 48:51
Ja, genau so würde ich sagen. Jede Phase hat ihre Challenge. Also wenn du es allen recht machen willst, ist es schwerer geworden, weil das ist heute. Du hast einfach ein viel breiteres Spektrum, wo du Fehler machen kannst. Also wenn du irgendeinen Witz machst, wirst du immer ganz klar Leute finden, die dich dafür kritisieren. Entweder sagen sie, der ist zu billig oder der ist zu banal oder der hat ja gar keine Schärfe oder der war aber zu scharf. Da hast du aber den beleidigt. Da hast du aber dies beleidigt. Das kannst du aber so nicht pauschalisieren. Das heißt einfach jeder es wird immer Leute geben, die irgendwas dazu sagen. Und das ist immer deine Entscheidung, wie du dazu stehst. Also ich habe mein ganzes Leben lang immer Sachen gesagt, wo mir andere Das darfst du nicht sagen und ich habe es trotzdem gemacht. Das mache ich auch heute noch. Da, wo ich denke, dass es richtig ist und da, wo ich denke, nö, nicht, da lasse ich es. Und wo ich denke, natürlich, das ist etwas, Du hast vielleicht, jeder hat vielleicht heute, sage ich mal, eine eigene Schere schneller im Kopf, wo du eher überlegst, oh, muss ich hier das anders formulieren oder wie gehe ich damit um oder musst dir vorher bewusst machen, kann sein, dass das jemand falsch versteht, aber das gehört zu Comedy, das gehört zu Satire und schon immer dazu. Und das musst du auch abkönnen und du musst dir halt vorher überlegen, was du sagen willst und dann musst du auch dazu stehen.
Brigitte Huber 50:11
Besprichst du das mit jemandem vorher, wenn du selber so unsicher bist oder gehst du einfach immer voll rein?
Oliver Kalkofe 50:16
Ich habe noch nie irgendwas mit irgendwem vorher besprochen. OK, nein, also ich habe jemanden vielleicht. Ja, ich glaube ja, weil sonst hätte ich wahrscheinlich die Hälfte oder mehr nicht gemacht. Also wenn du, ich weiß eigentlich immer nur, wenn du jemanden fragst, dann ist das ja auch schon so wie, wo siehst du hier Probleme? Es ist genauso, als wenn du einen Anwalt vorher fragst. Also bei jeder Sache, das ist auch so eine Erfahrung, die ich habe immer beim Sender, wenn du irgendwas machst, dann kommt, wir geben das an unsere Anwälte, dann weißt du schon, das ist tot, weil die Anwälte machen sich nur Gedanken, was du im schlimmsten Fall sagen könntest und was im schlimmsten Fall passieren könnte. Und dann ist die Angst da, dass das auch passiert. Auch wenn eigentlich Realität so aussieht wie das ist eine Chance von weniger als 0,1 Prozent, dass das passiert oder dass sich da jemand beschwert. Und wenn, dann geht es vielleicht auch um nur Kleinigkeiten oder so, Aber überhaupt Problem, Problem will keiner haben, dann lassen wir es lieber. Und das ist die Angst, das müssen wir aus unseren Köpfen. Probleme gehören dazu, Probleme sind dazu da, dass man sie meistert. Und es kann auch immer passieren, dass irgendwie jemand kommt, aber hört damit auf, sonst sind wir nämlich da, was jetzt gerade in Amerika passiert mit Donald Trump, der einfach überall ihm nicht passt, macht er erst mal eine Milliardenklage, damit dann die Leute gleich und die Sender einknicken und sagen, okay gut, dann feuern wir lieber unsere Leute oder lassen lieber die Sendung sein oder sonst was, weil allein die Angst davor, dass er vielleicht recht hat und es dann eine hohe Summe gibt, damit kannst du die Leute eben einschüchtern. Aber das darf man im Kleinen und im Privaten und sonst nicht machen. Nicht zu viel auf Bedenkenträger hören. Bedenken braucht man nicht vernünftig nachdenken, ja, vernünftig diskutieren, ja, aber nicht immer Meinung fragen und nicht immer nur überlegen, was alles schiefgehen könnte, sondern auch überlegen, was könnte denn gut gehen.
Stephan Seiler 52:05
Ich habe mal gehört, dass Deutschland ein Land der Angsthasen sei. The German Angst ist ja auch immer wieder so ein geflügeltes Wort im Ausland. Hat sich daran was verändert in deiner Wahrnehmung? Ist das heute? Sind wir heute noch angsthasiger als früher, noch ängstlicher als früher?
Oliver Kalkofe 52:19
Auf jeden Fall sind wir nicht viel locker. Wir sind nicht lockerer geworden, sagen wir es mal so. Das würde ich nicht sagen. Würde nicht sagen, dass es sich verbessert hat. Ich glaube ja, dadurch, dass alles mehr wird, wird auch die Angst mehr, weil es einfach viel mehr Quellen gibt, wovor du Angst haben kannst. Also allein, was ich eben so sagte, wie wo du alles vielleicht verklagt werden könntest oder wo sich jemand beschweren könnte, das ist einfach, das hat sich verhundert und vertausendfacht inzwischen. Dadurch hat sich eben auch die Angst exponentiell vergrößert. Klar, weil du kannst einfach viel mehr falsch machen. Die Welt ist also alles hat sich vermehrt, auch die Fallen. Also das heißt, du hast einfach, wenn du durch den Garten gehst, hast du jetzt alles voller kleiner Löcher, in die du reintreten könntest. Und das ist auch etwas, was glaube ich, vielen dieses Gefühl gibt, dass es früher besser war oder so. Das heißt nicht, dass es da keine Löcher gab und keine Fallen, in die du reintappen konntest, aber es waren einfach weniger. Du konntest einfach ein bisschen gemütlicher langlaufen, weil es einfach gar nicht so viel gab. Es gab aber auch nicht so viel Wege und das ist so schwierig, damit umzugehen. Deswegen für jeden immer Finde deinen eigenen Kompass, Finde deinen eigenen Weg. Steh zu dem, was du sagst. Denk nach. Das ist nicht schlimm. Also so ein Spruch wie Früher konnte ich noch reden, ohne nachzudenken als Beschwerde, finde ich immer falsch. Wo ich Hey, das war noch nie gut. Also sorry, aber Nachdenken vorm Reden ist nichts Schlimmes. Also da kriegt man keine Pickel von. Das ist nicht, also das ist gar nicht übel. Tu das ruhig und also das nur, dass ich jede Scheiße rausblasen konnte und alle fanden es super, finde ich, ist kein Argument dafür, dass es heute schwieriger ist. Das solltest du trotzdem tun. Aber lass dich nicht von allem einschüchtern und lass dir nicht überall Angst machen und lass dir nicht von allem nur sagen, was schlimm passieren kann, sondern such das Positive und folge dem möglichen positiven Weg.
Stephan Seiler 54:20
Ertappst du dich trotzdem manchmal dabei, dass auch du gewisse typische Boomer Sprüche aufsagst? So Sprüche wie zum Das ist doch keine echte Musik oder Komm du mal in mein Alter oder ich bin älter als du, Zeig mal ein bisschen Respekt. So was.
Oliver Kalkofe 54:35
Ich versuche das anders zu formulieren, weil ich habe immer ein Problem, wenn ich so merke, dass ich so typische Sprüche von anderen zitiere. Das versuche ich immer dann neu. Aber inhaltlich ja klar. Also.
Oliver Kalkofe 54:49
Dass man so denkt wie ja, früher war, Also früher war mehr Lametta fasst es ja eigentlich wunderschön zusammen, wie Loriot das gesagt hat, weil früher war einfach alles irgendwie so. Und dann denkst du ja, früher war Musik ja noch besser und früher habe ich noch das verstanden, aber das stimmt ja nicht. Das ist ja dieser Trugschluss, den wir haben. Also es war nicht alles toller und es war nicht wirklich alles besser, aber es war vieles sehr, sehr gut. Es war vieles aber auch sehr schlecht. Aber natürlich, da muss man aber wirklich aufpassen, da muss man sich selber einfach ein bisschen bremsen und auch verstehen, dass wenn man so generalisierend das irgendjemandem sagt, dass man damit immer das Gegenteil erreicht. Also da wird jeder sofort.
Oliver Kalkofe 55:31
Geht die Schranke runter, das will kein Jüngerer hören und gar nichts. Aber trotz alledem kann man versuchen, ein paar Sachen ranzuführen und guck mal, das war auch gar nicht so schlecht, eine Stunde Handy in der Hand zu haben oder mal das mal oder sich mehr mit Leuten zu treffen, mal einfach da Spaß zu haben und mal rauszugehen, statt nur ins Internet zu gucken, Echtwelt nach draußen. Lieber mal ins Kino zu gehen als zu streamen, weil man da was erlebt und so. Das sind so Dinge, die kann man vielleicht auch, ohne dass man so mit so einem Boomer Finger wedelt, trotzdem versuchen, den Menschen näher zu bringen.
Brigitte Huber 56:05
Ich springe noch mal zurück zu deinem Geburtstag. Du hast in einem der letzten Podcast erzählt, dass du eine Geburtstagsmail von Oli Welke gekriegt hast. Betreff hilft ja nichts. Und er gratuliert dir und sagt, dass du eben trotz konsequent ungesunder Lebensführung die 60 erreicht hast und damit einmal mehr die Erkenntnisse der Mainstream Medizin Lügen gestraft hättest. Was dürfen wir denn unter konsequent ungesunder Lebensführung verstehen?
Oliver Kalkofe 56:34
Also ich glaube, wenn ich jetzt mal auch so schaue auf die Menschen um mich herum, dann denke ich, mein Gott, es ist schon ein Wunder, dass die alle noch leben, weil ich habe so das Gefühl, wirklich gesund. Also dieses Bewusstsein, wie man sich gesund ernährt und was gesund ist und was nicht, ist ja auch erst seit einiger Zeit, oder? Also ist erst so in den letzten zwei Jahrzehnten vielleicht wirklich in uns gewachsen. Und das Schlimme ist, es hat sich dadurch ja nicht die Möglichkeit verbessert, also was du bekommst und was du erhältst. Also ich weiß, dass ich mein ganzes Leben lang, hatte ich immer mit meinem Gewicht zu kämpfen und mit Problemen. Ich weiß deswegen, was ich eigentlich gut vertrage und was nicht und was ich essen sollte und was nicht. Und trotzdem kann ich das oft gar nicht tun, weil wenn ich unterwegs bin, ich gar nicht die Möglichkeit habe. Also da kann ich mich nicht hinstellen und mir was Gesundes kochen, sondern da wird dir am Bahnhof werden dir nur olle Brötchen und eine Currywurst angeboten und da kommst du halt gar nicht gegen an. Und ungesund heißt ja, ich hab lange Zeit, habe ich mir wenig Gedanken darum gemacht, dann habe ich mir viel Gedanken gemacht, da war es aber auch zu spät. Mein Körper hat trotzdem nicht unbedingt darauf reagiert. Ich war nie der sportliche Typ. Also ich habe nie konsequent Sport betrieben. Das tue ich jetzt seit einiger Zeit, dass ich wirklich trainiere.
Stephan Seiler 57:46
Was machst du?
Oliver Kalkofe 57:48
Ich trainiere jetzt. Ich habe immer einmal in der Woche habe ich wirklich Training, habe ich Krafttraining gemacht und habe auch zu Hause jetzt ein Gerät und so, dass ich das mache, weil ich zum ersten Mal gemerkt habe, dass es in kleiner Weise funktioniert. Also dass es mir ein wenig hilft. Aber ansonsten habe ich viele, viele Dinge, die man sagt, dass man sie tun sollte, habe ich nicht gemacht. Ich habe auch immer gerne was getrunken. Ich habe zum Glück die Hände von allen möglichen Drogen gelassen. Da bin ich sehr froh heute, dass ich da nicht groß experimentiert habe und das nie wollte. Ich habe nie geraucht, auch das hat einen Vorteil, Aber getrunken habe ich schon einiges. Ja, also da war ich, dem war ich nie abgeneigt. Heute vertrage ich aber nicht mehr so viel, auch ein Zeichen des Alters. Aber ich bin gar nicht ehrlich gesagt nicht so böse drum. Manchmal denke ich, warum bin ich jetzt schon, also warum habe ich jetzt schon das Gefühl, ich hätte genug? Da war das der Aperitif, Aber das ist auch was Gutes. Also manchmal ist es auch gar nicht schlecht, wenn der Körper dir deine Grenzen zeigt.
Brigitte Huber 58:42
Apropos Körper, du gehst ja, bist glaube ich immer ganz offen mit deinem Körper umgegangen. Man würde jetzt neudeutsch plus size ist.
Oliver Kalkofe 58:50
Oder ja, also dick. Du kannst auch dick nennen, ja, kannst du dick, zwischen dick und sehr dick oder so.
Brigitte Huber 58:58
Ist schon so hat sich da, findest du was verändert? Es gab ja die Body Positivity Bewegung. Gleichzeitig waren noch nie so viele Leute magersüchtig und so weiter und so fort. Wie ist da dein Blick drauf?
Oliver Kalkofe 59:11
Das ist so. Also gerade was den Körper angeht, da ist, glaube ich, die Gesellschaft noch nicht so richtig dabei, wie sie damit umgehen müssen oder sollen auf richtige Art. Wir haben jetzt schon gelernt, dass wir uns über die verschiedenen Geschlechterzugehörigkeiten, wie man sich fühlt, wie man leben möchte, Partnerschaften, Hautfarbe etc. Also alles das, da gehen wir schon viel offener und klarer mit um. Ich glaube, was aber nur so eigenen Körper und so angeht, da haben wir immer noch Probleme. Also weil, stimmt, es waren glaube ich noch nie so viele Menschen entweder magersüchtig oder fettleibig wie heute, weil du eben, wie ich eben sagte, du kommst manchmal gar nicht dagegen an. Also das, was du an Fast Food und an Dingen bekommst, die du dir leisten kannst oder die du auch nur kriegst zum Essen, führen dazu, dass du sehr schnell auch sehr, sehr dick werden kannst. Gleichzeitig macht die Psyche bei vielen jungen Menschen vor allem eben, treibt dich vielleicht in die Magersucht, weil du eben.
Oliver Kalkofe 60:10
Dich gar nicht mehr traust, irgendwie was zu machen, Weil eben trotz aller Body Positivity, die wir so erwähnen, die in Wirklichkeit noch nicht da ist, du bist als dicker genauso wie auch als zu dünner, aber eher noch als du dicker, wirst du trotzdem im Alltag diskriminiert und jeder denkt erst mal, du bist zu blöd, um dich vernünftig zu ernähren. Das ist halt einfach so ein Vorurteil, was einfach immer noch existiert. Das kenne ich mein ganzes Leben lang. Punkt. Also das ist einfach so. Und auch hier ist es ja immer der Umgang, der schwierig ist. Also wir neigen ja auch immer zu Übertreibungen. Also wenn du Body Positivity sagst, soll das ja eigentlich heißen, wie nimm deinen Körper an, wie er ist, akzeptiere den, aber wenn dann gleichzeitig daraus gemacht wird, ist es egal wie du bist. Das alles ist g***. Du bist deswegen trotzdem super cool und super sexy, auch wenn du 300 Kilo wiegst, ne, ist dann aber vielleicht nicht so. Also aber nimm ihn an, das ist so, es ist in Ordnung, aber deswegen zu behaupten, das ist supergeil. Sie auch nicht. Also ich war nie gerne zu dick. Das muss ich auch einfach sagen, war ich nie gern. Aber ich habe es und ich kämpfe mein Leben lang dagegen an, aber mein Körper hat da eine Bremse eingebaut. Vielleicht ist es auch so eine, damit ich nicht übermütig werde, weil das ist immer, das bringt mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Vielleicht ist es so, weiß ich nicht, ich habe es akzeptiert, aber ich finde es nicht super.
Brigitte Huber 61:30
Und wie hast du dagegen, hast du irgendwie Diät gemacht oder versucht über Sport? Ja, also alles was man so, ich.
Oliver Kalkofe 61:38
Glaube alle existierenden Diäten der Welt habe ich mindestens einmal ausprobiert, schon seit ich Kind bin. Das Lustige ist, ich habe wirklich So bis ich 8 oder 9 war, war ich ganz dünn und war vollkommen Durchschnitt. Und lustigerweise war es aber noch so Ende der er, Anfang der er auch so, dass etwas füllig sein war ein Zeichen von Wohlstand und dass es dir gut ging. Und da gab es dann Ärzte und ich hatte wirklich eine Ärztin, die zu meiner Mutter kam und sagt, der Junge ist zu dünn, der ist wirklich, der ist zu dünn. Und ich bekam Aufbaupräparate. Also ich erinnere mich da sehr gut dran, dass ich so Paste und andere Dinge kriegte und Aufbaupräparate und ich kann sagen, die haben super funktioniert. Also das ist wie Obelix, der in den Kessel mit Zaubertrank gefallen ist. Also ich hab, es stieg sofort an und hat sich auch nie wieder gegeben. Irgendwas in meinem Stoffwechsel hat sich da wirklich verschoben. Und eben auch zu lernen, dass jeder Mensch anders tickt und dass eben auch jeder Körper vollkommen anders tickt, auf andere Dinge anders reagiert und dass du mit der 1000 Kalorien Diät oder mit dieser oder mit jener Diät, du kannst immer mal, du kannst immer so 5, 6 Kilo abnehmen und dann macht es aber bei mir immer Ende aus und sobald ich irgendwas esse, was ich eigentlich nicht essen sollte, nehme ich sofort zu. Aber ich kann, sobald ich arbeite, nehme ich nicht ab, weil der Stress und das fördert bei mir immer, dass ich eben, dass ich nicht abnehmen kann, sondern immer Cortisol ausgeschüttet wird etc. Und dass ich einfach mein Stoffwechsel so nicht funktioniert. Okay, ist so. Also damit lebe ich jetzt. Ich versuche das immer wieder so zu regulieren. Ich ernähre mich so bewusst, wie es nur irgendwie im Rahmen meiner Möglichkeiten ist, ohne dass ich mir aber auch den ganzen Spaß am Leben nehme und ohne dass ich meine Arbeit aufgebe. Und jetzt muss ich, damit muss ich halt umgehen. Und ich glaube, es wäre gut, wenn wir da auch alle, also in der Gesellschaft mal langsam darauf gehen würden, zu verstehen, dass wirklich jeder Körper anders ist und zwar vollkommen anders reagiert und dass es hunderte von möglichen Diäten gibt und die eine hilft vielleicht auch bei dem, aber nicht alles hilft bei jedem. Und es gibt Menschen, die essen den ganzen Tag und sind spindeldürr und es gibt welche, die essen fast nichts und sind dick. Und das müssen wir mal aus unseren Köpfen rauskriegen, weil das immer so das Gefühl ist wie, ja, frisst doch einfach weniger und isst doch einfach nicht. Ich glaube, was die Leute sich vorstellen, was ich so den ganzen Tag esse und mache, hat mit der Realität überhaupt nichts zu tun. Aber ganz ehrlich, ist mir auch scheißegal. Also die sollen auch denken, was sie wollen, weil ich weiß, wie es wirklich ist. Und ich will mir deswegen aber nur auch keine schlauen Sachen da sagen lassen, weil ich weiß schon selber inzwischen, deswegen bin ich alt genug. Ich kenne meine Probleme schon.
Brigitte Huber 64:24
Letzte ganz kurze Frage zum Gewicht. Verstehst du, wenn Menschen dann die Abnehmspritze.
Oliver Kalkofe 64:29
Für sich in Erwägung ziehen, ja, also alles, was dir irgendwie hilft, wenn du das machst und wenn es nicht schlimm ist, ja, dann kannst du es auch machen. Also ich kann verstehen, dass jeder jede Möglichkeit, die sich bietet, auch nimmt und das auch versucht und du auch, warum auch nicht? Wie gesagt, ich habe schon alles in meinem Leben probiert, auch das habe ich schon mal ausprobiert, aber es hat auch da nur kurz mal was gewirkt und dann nicht. Und ja, das ist halt so. Also alles, wo es eine Möglichkeit gäbe, würde ich auch, würde ich natürlich zugreifen. Also es ist klar, aber mein Körper hat mir inzwischen ne, pass mal auf den Traum, dass du irgendwie ein junger Athlet wirst und dass du irgendwann doch das Superheldenkostüm anziehen kannst, ohne einfach nur aussehen wie eine Presswurst. Das wird nicht passieren. So, damit lebe ich.
Stephan Seiler 65:19
Dann verlassen wir mal die Körperwaage und widmen uns noch einem Thema, das mir sehr am Herzen liegt, und zwar Yps mit Gimmick. Eine große Leidenschaft. Ich habe, glaube ich, meine journalistische Karriere auch Yps und mit der Micky Maus, der anderen Power Illustrierten für die Kinder, der er und er Jahre zu verdanken. Yps mit Gimmick ist bei dir auch ein Thema in deinem Buch. Du hast sogar ein bisschen deine Generation mit Yps verglichen, wenn ich das so verraten darf. Ich fand das sehr einnehmend. Ich hab früher selbst Leserbriefe geschrieben an Yps und hab mich immer gefreut, wenn irgendwann alle paar Jahre mal einer veröffentlicht wurde. Hab mich auch über die ganzen Gimmicks geärgert, die dann nicht funktioniert haben und hab die gefeiert, die funktioniert haben. Erinnere mich noch an die um die Ecke guck Geschichte.
Oliver Kalkofe 66:05
Ja, um die Ecke guck, um die Ecke Blasrohr, um die Ecke gucken und alles.
Stephan Seiler 66:08
Das war wunderbar. Die Uhrzeitkrebs und so weiter. Unfassbar tolles Produkt. Du schreibst in einem Buch, dass wir damals auch Yps gemocht haben, weil das, obwohl es, obwohl es nicht immer funktioniert hat und obwohl die Comics ja auch nicht so toll waren, würdest du sagen, wir haben verlernt heutzutage uns an mittelmäßigen Dingen maximal zu begeistern. Ist das die moderne Welt, dass heute eigentlich alles super perfekt sein muss, damit wir überhaupt noch eine emotionale Reaktion spüren?
Oliver Kalkofe 66:35
Ja, ich glaube schon. Ich glaube schon. Also wir waren damals auch mit der Unzulänglichkeit sehr zufrieden. Also ich fand, ich habe von Y auch nicht mehr erwartet, aber deswegen habe ich es auch wirklich verglichen. Ich finde das Yps mit Gimmick ist ein schöner Vergleich zu unserer Generation. Du warst eben auch mit wenig zufrieden. Du hast dich trotzdem gefreut. Also ich weiß auch, dass ich mich jede Woche wie verrückt auf das Yps Heft gefreut hab, obwohl die Comics fand ich immer doof, bis auf ein paar Gastgeschichten, die später dann so dazu kamen, aber ansonsten fand ich das überhaupt nicht doll, hab's trotzdem gelesen, weil wir ja nicht so viel hatten. Aber vor allem auch jedes Gimmick habe ich versucht zu basteln und zu machen und wenn es nur so halbwegs funktionierte und irgendwie ging, war es toll, weil das hat dich ja im besten Fall überrascht. Es war jetzt ab und zu auch mal was ganz langweiliges dabei, aber eigentlich war es immer irgendwas Überraschendes. Und egal, ob du es gebrauchen konntest oder nicht, aber du hast es gemacht und du warst irgendwie plötzlich warst du Bastler und ein kleiner Erfinder und so Detektiv. Ja, es war aufregend. Es war einfach aufregend. Es hat dir etwas auf ganz simple Art, hat es dir einen Spaß bereitet und ja, das ist glaube ich heute wirklich was anderes. Ich gehe noch einmal zurück zum Fernsehen. Wenn du das einfach nimmst, ähnlich wie bei YBS, wo du dich eben darüber auch über ein kleines Gimmick sehr gefreut hast, ist es heute, wenn du guckst Fernsehen früher, wir haben das, was kam, haben wir geguckt und wir haben es in der Vergangenheit, wenn wir jetzt, also wenn wir zurückdenken, haben wir sie halt auch fast immer geliebt, weil es eben toll war, auch wenn es gar nicht so super war. Guck dir heute mal alte Folgen von den Serien an, die du als Kind geliebt hast, wirst du glaube ich, anders einschätzen. Aber heute hast du das Problem, du hast einen Abend frei und ich habe die ganze Welt des Entertainments vor mir und ich kann mich nicht entscheiden, was ich gucke. Also weil ich habe da 20, 30, 40 und jedes Mal, wenn ich gucke oder auch was Neues mache, ist immer irgendwo im Hinterkopf so eine Stimme, die sagt, vielleicht war das andere aber besser. Woanders gibt es was Besseres. Wenn du das gar nicht hast, bist du mit dem zufrieden. Also Yps war super, weil es gab gar nichts. Es gab keine anderen Hefte mit tolleren Gimmicks. Es gab nur dieses eine Gimmick und es gab nur diese eine Sache, die du da irgendwie bekommen hast. Sonst hast du überhaupt nichts anderes gehabt. Und deswegen hatte ich das in seiner Unzulänglichkeit glücklich gemacht. Heute kannst du tausende Sachen kaufen, du kannst jeden Schrott kaufen, du kannst in jeden Euro Shop kannst du heute gehen und kannst mit einer Tüte voller Sachen nach Hause gehen, was du früher niemals hättest machen können, was dich aber niemals in gleicher Form glücklich machen wird. Und wenn du eben da sitzt, du kannst einen tollen Film sehen und trotzdem bleibt so ein bisschen, Wenn er nicht 100 Prozent mega war, dass du immer denkst wie ja, es war vielleicht doch die falsche Wahl, ich habe es noch falsch gemacht. Und das du denkst heute außen ist was, also auch durch Social Media und Instagram und ähnliches wird dir heute immer gesagt, da draußen ist es g***, da gibt es ein tolleres, andere essen gerade was tolleres, andere sitzen gerade am Pool, anderen geht es besser, die sehen besser aus, die sind alle glücklich, alle, denen geht es allen toll, nur dir nicht. Und das ist so ein Frustgefühl, was glaube ich heute echt schwierig ist, dagegen anzugehen. Und das hatten wir in der Form nicht. Ich wusste nicht groß, wie es den anderen ging, bis auf ein paar Nachbarn. Und ich war mit dem bisschen, was ich hatte, dann eben zufrieden und ich habe mich über das IPS mit Gimmick gefreut wie ein Schnitzel, weil das einfach das Geilste war, was ich in der Zeit gerade kriegen konnte. Und das heißt, der Mangel war zwar nicht toll, aber er hat zu etwas Positivem geführt. Das ist diese Nostalgie.
Brigitte Huber 70:09
Wenn wir uns die junge Generation anschauen, dann hat die leider kein IPS. Aber gibt es auch was, worum du die jungen Leute beneidest, die jetzige Generation.
Oliver Kalkofe 70:18
Die Auswahlmöglichkeiten, die sie theoretisch haben, darum beneide ich sie schon. Also da gibt es so viel, was ich damals gerne gemacht hätte, wenn ich mir vorstelle, was ich heute auch machen könnte, an Möglichkeiten, dass ich selber Filme machen könnte, dass ich selber irgendwelche Sachen machen könnte, was ich heute alles an Entertainment Möglichkeiten und so hätte, Ja, finde ich alles ganz, ganz toll und da beneide ich sie drum. Ich beneide sie nicht um dieses Gefühl der Überforderung, was ich gerade sagte, Denn ich sage, wäre ich heute Kind, befürchte ich trotz aller Möglichkeiten, die sich mir bieten, würde aus mir nichts Vernünftiges werden, weil ich würde meine Zeit damit verbringen, glaube ich, alles wegzubingen und zu gucken, was ich nur kann. Und mich würde mich dann eben auch als dickes Kind, was ich eher so als Außenseiter fühlt, würde ich mich noch mehr verstecken. Früher wurde ich gezwungen, nach draußen zu gehen. Ich wurde gezwungen, mich mit der Welt auseinanderzusetzen. Ich wurde gezwungen, die Langeweile mit eigener Kreativität zu füllen und das hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Trotzdem wäre ich neidisch darauf gewesen. Also hätte ich gewusst, was möglich ist und was es später mal gibt, bin ich dann schon neidisch. Und das finde ich, also ich glaube, was schwierig ist, die jungen Menschen müssen erkennen, was sie alles für tolle Möglichkeiten haben und bisschen weggehen davon, einfach nur passiv das aufzusaugen, sondern auch aktiv die Möglichkeiten zu nutzen, die sie haben. Also allein was du eben heute selber machen kannst und auf die Beine stellen kannst, ist großartig. Aber die eigene Lethargie des Menschen, das ist einfach ein ganz natürliches Gefühl und die eigene Faulheit, die man empfindet. Also da ist niemand da wäre bei mir genauso. Führt dich dazu, dass du den einfachen Weg wählst und deswegen dann vielleicht eher in der digitalen Welt aufhältst und die reale Welt läuft nebenbei an dir vorbei und das ist schade.
Brigitte Huber 72:17
Und vielleicht aber auch ein bisschen, das fand ich stark in deinem Buch auch, vielleicht aber auch ein bisschen, weil es einen hohen Druck gibt und zu viele Optionen. Du hast geschrieben, bei uns war irgendwie so dieses unerschrockene Momentum wird schon schiefgehen, sich irgendwie durchwurschteln, galt damals noch als durchaus seriöser Businessplan. Und da habe ich mir ja, also ich habe es vorher Stephan erzählt, ich habe angefangen Germanistik zu studieren, weil ich Deutschleistungskurs hatte, weil ich viel gelesen habe, weil es nichts anderes gab. Und mein Vater hat mich dann gefragt, ob ich Lehrerin werden will und dann habe ich gesagt, nee, auf gar keinen Fall. Aber ich hatte noch gar keine Vision. Ich wusste mit 19 nicht, dass ich mit 22 auf die Idee komme, Journalistin zu werden. Aber es war kein Problem, wird schon irgendwie gut gehen. Und ich glaube, das ist heute auch noch mal anders.
Oliver Kalkofe 73:03
Ja, definitiv, weil das ist ja wirklich so, man hatte keine großen Pläne, weil es gab auch gar nicht diese Optionen, also Millionär, Milliardär, Content Creator oder sonst irgendwas zu geben, gab es nicht, sondern du musstest irgendwie wirst du es schon schaffen. Und aus der Boomer Generation sind viele dann herausgekommen und es lief besser als gedacht, weil also viele von uns eben ja auch nicht aus Haushalten kamen, denen es super toll ging und unsere Eltern hatten nicht unbedingt so viel, was sie uns vererben oder geben oder bezahlen konnten. Und die daraus dann resultierenden Kinder sind in größerem Wohlstand zu einem Großteil dann groß geworden und haben das wieder anders erlebt. Ja, und das ist eben genau der Punkt. Ich hatte auch, ich hatte null Ahnung, was aus mir werden soll. Ich habe auch nur überlegt, ich mach mal was. Habe auch Germanistik studiert und Anglistik und Publizistik, weil ich dachte, Englisch, Deutsch waren meine Themen. Da war ich gut. Sprache und Publizistik dachte ich, da lerne ich was mit Medien. Also weil Medien fand ich toll, aber da gab es gar keine Chance ranzukommen als Mensch aus dem Volke. Und da dachte ich, okay, das mache ich mal und gucke. Und dann hat das Schicksal den Rest gemacht und mich in die richtigen Bahnen geführt. Aber ich selber hatte den Plan nicht. Und heute erwartet jeder auch von dir, dass du was wirst. Man erwartet auch, dass du, also wir reden ja nicht mehr über Millionäre, sondern wir reden über Milliardäre. Und du siehst halt, dass überall wird dir das Bild auch vermittelt in Serien und in Filmen und durch Influencer, dass du halt schon ganz jung, ganz reich bist, dass du mit Luxus umgeben, dass es dir cool geht, dass du super bist, dass du super aussiehst und dass du einfach toll und bewundert werden musst von allen. Und das ist ein Druck. Also gleichzeitig tun wir so wie hey, Body Positivity ist toll und wir sind doch alle, aber in Wirklichkeit wird ein Druck aufgebaut, den kaum jemand wirklich erreichen kann und wo du auch nicht weißt, wie überhaupt. Und dieser Druck irgendwie ich bin jung, ich muss doch jetzt aber auch, damit ich diesem Bild, ich muss das doch jetzt schnell werden, weil ich will ja kein Alt. Ich will ja nicht, wenn ich alt bin, weil die Alten.
Oliver Kalkofe 75:12
Gelten ja nicht. Ich muss jetzt doch jung erfolgreich sein. Diesen Druck gab es zum Glück, zum Glück früher nicht. Da bin ich auch sehr dankbar, dass ich diesen Druck da noch nicht hatte, sondern alle dachten sowieso, aus dem wird nichts. Und wenn du dann irgendwie ein bisschen was hinkriegst, hast du schon geschafft. Das ist super.
Stephan Seiler 75:30
Wenn du dein Leben eintauschen müsstest und dürftest mit einer jungen Person, welche würdest du wählen?
Oliver Kalkofe 75:36
Eintauschen oder nicht? Ne, ich würde nicht tauschen wollen. Ich würde nicht tauschen wollen. Also das auch. Nee, ich würde niemanden, ne, auch das gehört auch so dazu von früher. Ich habe wirklich keinen einzigen Menschen, mit dem ich tauschen möchte. Ich könnte einen anderen Körper, aber nur den Körper. Also wenn es nur darum ginge, welchen Körper, da könnten wir drüber reden. Ach, weiß ich nicht, wenn ich jetzt so denke.
Oliver Kalkofe 76:04
Da würde ich mir einfach irgendwas Jüngeres, Gesundes irgendwie aussuchen, was einigermaßen gut aussieht. Das ist dann aber auch egal. Also da habe ich auch nicht jetzt irgendwie, da würde ich irgendwie, das würde ich machen. Also wenn es das gäbe, wie du kannst dich in anderen Körper verpflanzen lassen, wenn das erfunden wird, könnten wir drüber reden. Das ist das Einzige. Aber tauschen möchte ich mit niemandem, auch mit keinem der. Also früher, wenn man das eben auch so bedenkt, dass man eine gewisse Zeit hat, wo du denkst, es gibt, die sind so viel reicher, denen geht es so viel besser, die sind berühmter, die sind irgendwie toller, die sehen besser aus. Also es hat sich alles richtig mit vielen Niederschlägen und mit vielen Rückschlägen und mit vielen Fehlern und mit allem hat sich alles richtig bewegt. Und ich bin heute so genau in der Situation, in der ich bin, bin ich total glücklich und zufrieden mit körperlichen Mängeln und so weiter. Auf die würde ich gerne verzichten, aber das ist halt so. Aber ansonsten möchte ich mit keinem tauschen und ich möchte auch heute nicht mehr in der heutigen Zeit jung sein und das würde ich auch nicht wollen. Aber ich glaube, das ist auch, glaube ich, man sollte lernen, mit dem zufrieden zu sein, was man hat und was man ist und das Beste daraus zu machen, die Fehler und die Mängel akzeptieren, das ist wirklich wichtig. Und sich nicht davon unterkriegen lassen, aber auch nicht rumgehen und so wie ich bin, ist alles super. Ich bin der Beste, ich bin der Einzige und ich bin, wie ich bin und ich bleibe, wie ich bin und so. Das finde ich, das kann ich auch immer nie hören. Wo ich denke, du musst dir trotzdem Mühe geben, dass du irgendwie mit anderen funktionierst und nicht alles, was du tust, ist nur deswegen, weil du es tust, super. Aber lern dich zu akzeptieren und lerne deine Fehler zu was Positivem zu machen. Also ich habe zum Glück nicht bewusst, eher unbewusst, habe ich es aber irgendwie geschafft, meine Fehler zu meinen Stärken zu machen.
Stephan Seiler 77:53
Inwiefern?
Oliver Kalkofe 77:54
Ich war nicht sportlich, war nicht cool, war nicht toll. Daraus habe ich aber was gemacht und das hat trotzdem funktioniert. Und das glaube ich, kann man lernen. Das kann man versuchen, anstatt sich selber zu geißeln und selber zu Ich bin ja nicht Wäre ich anders, hätte ich mehr Geld, hätte ich einen schöneren Körper, hätte ich eine andere Hautfarbe, hätte ich ein anderes Geschlecht, hätte ich ein anderes Ding, würde ich bei anderen Eltern leben, Wäre alles toll. Ne, Das ist es nicht. Und das kannst du auch nicht ändern. Also geh mit dem um, was du hast.
Stephan Seiler 78:27
Aber wie lange hat das gedauert, bis du diese Gewissheit erlangt hast? Gab es bei dir bis vorgestern?
Oliver Kalkofe 78:32
Das war.
Oliver Kalkofe 78:35
Am Wochenende, hatte ich Zeit nachzudenken. Und da bin ich zu dem Entschluss, es hat lang gedauert. Das ist auch so. Jetzt sitze ich so Da, wo ich 60 bin, denke ich, sitze ich da als als alter, weißer, weiser Mann und rede so daher. Das sind Dinge, die kommen irgendwann und irgendwann erkennst du das eine oder andere. Und irgendwann habe ich erkannt, dass ich ja dankbar sein darf und kann und nicht irgendwie dem hinterherjage, was ich immer noch denke. Das wäre ja toller. Aber das dauert ganz lange. Und ich kann auch leider sagen, das kannst du noch so vielen jungen Menschen erzählen. Und mit jungen Menschen meine ich auch Jährigen oder so. Also das ist jetzt wirklich ganz egal. Das muss jeder für sich selber ja empfinden. Ich bin jetzt gerade sehr froh und dankbar, dass ich diese Erkenntnis habe und dass ich das weiß. Ich weiß nicht, seit wann das ist, aber seit einiger Zeit habe ich so diese entspannende Phase bekommen. Aber das heißt nicht, dass ich immer so schlau war und das immer schon so gefühlt habe. Im Gegenteil, ganz Nee, nee. Also früher habe ich auch alle Fehler gemacht, die man machen kann und habe immer gedacht, es gibt Ziele, denen ich hinterherlaufen muss und ich muss mehr so sein, wie andere es von mir erwarten oder so. Bis man dann Und irgendwann war es so, dass ich gemerkt Ja, okay, jetzt ist es sowieso zu spät. Also der Zug ist abgefahren, jetzt musst du es mal akzeptieren. Und da bin ich heute sehr dankbar und deswegen will ich auch nicht tauschen, weil dann hätte ich die Unsicherheit von früher wieder und die will ich nicht noch mal.
Brigitte Huber 80:01
Ich würde sagen, wir biegen auf die Schlossgerade unseres Podcast. Wir haben noch zwei kleine Rubriken, die wir gern mit dir durchspielen würden.
Brigitte Huber 80:10
Meine Premiere, deine Premiere, die erste, da geht es um Premieren, Olli. Und zwar, wir wissen, dass wir am Anfang unseres Lebens ganz viele Dinge zum ersten Mal machen. Erster Schritt, erster Schultag, erste Fernsehsendung, keine Ahnung. Das dehnt die Zeit gefühlt, weil sich unser Gedächtnis immer mit neuen Sachen beschäftigt. Dann gibt es natürlich immer mehr Wiederholungen, Routinen, beim anderen mehr oder beim anderen weniger. Wenn wir jetzt aber in der zweiten Lebenshälfte sind, macht es Sinn, dass wir gezielt immer wieder Premieren in unser Leben reinholen. Kann mir vorstellen, du hast ohnehin jede Menge. Trotzdem würde uns interessieren, was war denn deine letzte tolle Premiere oder eine, die du mit uns teilen wirst? Und planst du denn irgendwas in der Richtung?
Oliver Kalkofe 80:55
Ja, es ist wirklich eine schwierige Frage, weil wenn ich so zurückblicke, dann bestand mein Leben immer aus Premieren, die ich aber gar nicht geplant hatte. Also dann plötzlich war ich irgendwo und habe etwas zum ersten Mal gemacht. Also alleine, wenn ich jetzt weniger im sportlichen Bereich, aber ich sag mal im beruflichen Bereich habe ich immer wieder was, wo ich denke, oh guck mal, jetzt habe ich das und das auch gemacht. Jetzt habe ich noch, erst war ich nur im Radio, jetzt habe ich Fernsehen gemacht, jetzt habe ich einen Film gemacht, jetzt habe ich diesmal, jetzt habe ich eine Sendung moderiert, jetzt habe ich dieses gemacht, jetzt habe ich ein Quiz gemacht und da bin ich immer noch für alles offen und freue mich. Also jetzt zum Beispiel Buch ist für mich ein bisschen eine Premiere, also ist jetzt das zweite Buch, Aber ich habe im letzten Jahr, habe ich das erste Mal ein richtiges Buch geschrieben, nicht nur Sammlung. Und da habe ich gemerkt, was das für einen Spaß macht und habe deswegen sofort mich hingesetzt und gleich das zweite geschrieben. Jetzt muss ich dringend mal Pause machen, habe ich mir gesagt, also dass ich nächstes Jahr gerne noch mal wieder ein nächstes schreibe, aber noch nicht veröffentliche, weil ich habe gemerkt, wie viel Druck ich dadurch wieder mir gemacht habe und wie viel ich die Nächte hier durchgeschrieben habe. Aber das war jetzt, glaube ich, die letzte Premiere, an die ich jetzt, die ich jetzt direkt weiß, wo ich sage, das war etwas richtig Schönes, weil jetzt plötzlich Autor so zu sein auch noch, auch wenn ich früher die ganzen Texte für die Sendung und so geschrieben habe, ist schon toll. Und so ein Buch in der Hand zu halten oder die andere Premiere. Wir haben uns letztes Jahr sehr, sehr traurig nach fünfzehneinhalb Jahren von unserem Hund verabschieden müssen, der uns lange Zeit treu begleitet hat, der übrigens Dexter hieß.
Oliver Kalkofe 82:28
Und ja, mit dem wir. Und das war super hart. Das war mit die härteste Zeit, die ich wirklich so erlebt habe. Und jetzt haben wir auch eine Premiere, weil seit April haben wir einen neuen Hund, der heißt Danny und der hat auch wieder geschafft. Echt, Wo du merkst, wow, da kann dir plötzlich noch mal wieder ganz neue Lebensfreude geben, weil seit der bei uns ist, ist wieder das Leben leichter geworden und lustiger und wir kümmern uns um den und der bringt so viel Freude und Spaß rein. Und da habe ich auch so gesehen, wie auch wenn du gar nicht mehr so damit rechnest, kann sich plötzlich noch mal alles drehen. Und auch wenn du einen ganz traurigen Abschied hattest, eigentlich kann es plötzlich doch wieder schön werden, ohne dass du dadurch die Erinnerung verlierst an den Menschen oder den Hund oder was auch immer du eben vorher hattest. Aber immer wieder was Neues versuchen, ist, glaube ich, wirklich wichtig. Nicht stehen bleiben und nicht nur in dieser Nostalgie bleiben, sondern immer wieder versuchen, was Neues zu machen, solange man noch lebt, immer wieder nach vorn zu gehen. Und das ist, glaube ich, auch wichtige, wichtige Erkenntnis aus dem Buch. Du darfst zurückblicken, aber du darfst nicht zurückgehen. Also Blick zurück, aber bewege dich nach vorne. Das ist, glaube ich, wichtig für uns alle.
Stephan Seiler 83:44
Vielen Dank dafür für diese Einblicke in deine jüngsten Premieren. Weitere Rubrik, die kommt jetzt.
Brigitte Huber 83:51
Entweder oder.
Stephan Seiler 83:55
Entweder oder heißt sie lieber Olli. Ich werde nun abwechselnd Begriffspaare vorstellen und du kannst uns verraten, welcher Begriff dir lieber ist und warum. Okay, Hast du Fragen zum Versuchsaufbau?
Oliver Kalkofe 84:08
Das habe ich verstanden. Ich glaube, das kriege ich hin.
Stephan Seiler 84:12
Sehr gut. Auch als Boomer begin ich mal als Juniorboomer Tommy Gottschalk oder Jan Böhmermann.
Oliver Kalkofe 84:18
Ich mag beide. Also wirklich. Aber ich würde Gottschalk wählen, weil das ist ein Held meiner Jugend. Also damit verbinde ich wirklich den Aufbruch ins Fernsehen, dass Fernsehen anders sein kann, frech sein kann, locker sein kann. Und deswegen sind die alten Erinnerungen an die ersten Jahre mit Gottschalk auf jeden Fall sehr sehr positive.
Brigitte Huber 84:41
Nächstes Entweder oder Barbara Schöneberger oder Oliver Welke.
Oliver Kalkofe 84:47
Das ist ja gemein, wenn ich jetzt nicht Welke sage, dann kriege ich das mein Leben lang vorgehalten. Und ich muss natürlich sagen Welke, weil er einfach, also wegen seiner, der hat die schöneren Haare.
Brigitte Huber 85:00
OK, hoffe, dass Barbara das nicht hört.
Oliver Kalkofe 85:03
Das hoffe ich auch. Sorry Barbara, ich musste ihr lügen an dieser Stelle. Du weißt warum, aber sonst kriege ich Närger.
Stephan Seiler 85:11
Nochmal Fernsehen live bzw. Lineares Fernsehen oder auf Abruf?
Oliver Kalkofe 85:17
Auf Abruf, auf Abruf. Ich bin mit dem Linearen groß geworden, aber ich bin sehr dankbar, dass ich mich heute nicht mehr danach richten muss und dass ich irgendwie nach Uhrzeiten und nach Dingen irgendwie, dass ich was stoppen kann, dass ich selber entscheide, ob ich weitergucke oder nicht. Dafür bin ich echt dankbar und das hätte ich mir als Kind und Jugendlicher auch schon gewünscht. Ich hatte deswegen auch schon ganz früh einen Videorekorder, der mir einen kleinen Hauch von Freiheit gegeben hat. Aber nein, nur linear möchte ich nicht. Ich möchte auch nicht, dass es das Lineare nicht mehr gibt. Ich finde das auch wichtig und finde das auch toll, dass es das gibt, aber ich gehe lieber auf die anderen Möglichkeiten.
Brigitte Huber 85:56
Kleiner Schlenker in die Musik. Beides ist 1976 erschienen. Würdest du dich für Dancing Queen von ABBA oder lieber Ich möchte der Knopf an deiner Bluse sein von Bata Illic?
Oliver Kalkofe 86:10
Aus heutiger Sicht würde ich mich eher für Dancing Queen entscheiden. Damals war es Möchte der Knopf an deiner Bluse sein. Das war, ich muss es zugeben, peinlicherweise meine erste Single, an die ich mich erinnere, dass ich die selber gekauft habe für 6 Mark, weil damals in der Zeit wirklich, meine Eltern haben Schlager gehört, die haben keine englische Musik gehört und im Radio und so gab es auch kaum englische Musik, sondern Schlager war das Beste, was es gab. Und meine Mutter hat immer so Compilation LPGs gekauft und das hier war kein Superhit von Barta Ilic. Ich möchte der Knopf an deiner Bluse sein, dann kann ich na na na na na bei deinem Herzen sein. So ging es weiter, sehr romantisch und deswegen habe ich den gekauft. Ich fand den irgendwie lustig und habe den gekauft und dachte, komm, dann haben wir den auch. Dann habe die Single gekauft. Es ist mir sehr unangenehm Ich habe viele unangenehme Singles in der Zeit gekauft und Platten. Ich wusste es nicht besser. Und dann in den ERN habe ich aber dann auch endlich, sage ich mal, richtige Musik kennengelernt und bin dann umgeschwenkt. Aber da habe ich Bataillit, habe ich mich sehr drüber gefreut.
Stephan Seiler 87:13
Nächstes Bofrost oder Eismann?
Oliver Kalkofe 87:17
Wir waren Eismann. Wir waren Team Eismann. Es gab verschiedene. Eismann fand ich, hatte die etwas bessere Karte, war, glaube ich, einen kleinen Tucken teurer, aber hatten eine etwas coolere Auswahl. Aber genau das war es. Wir haben es. Es gab diese Tiefkühllieferdienste früher, die man in Anspruch nahm, weil es gab eben noch nicht Bringdienste zum Essen oder ähnliches, sondern man musste einen, wenn man über eine große Tiefkühltruhe verfügte, das hatten wir uns gleich dann eine große Truhe gegönnt damals. Dann gab es immer den Katalog. Es gab ja Versandhauskataloge und da gab es eben auch einen und dann konntest du einkringeln und dann gab es leckere Fertiggerichte oder aber auch frisches Gemüse und so. Das war ja auch toll. Also dass du einfach Tüten hattest mit Gemüse und mit anderen Sachen und da waren wir definitiv Team Eismann. Lange, lange Zeit waren wir gute Kunden.
Brigitte Huber 88:06
Okay, dann passt das, glaube ich, ganz gut. Das Nä Fleischspieß oder Veggiewurst? Wahlweise Tofuschnitzel, wie du magst.
Oliver Kalkofe 88:13
Ja, nee, ich bin noch Team Fleischspieß. Also ich esse gerne Fleisch. Das ist, obwohl ich aus moralischen Gründen häufig mir vorgenommen hatte, Vegetarier zu werden. Also vor allem durch die Massentierhaltung, was da kam, das finde ich, bin ich überhaupt kein Freund von. Aber ich mag einfach Fleisch doch sehr gerne und würde dann einen Fleischspieß nehmen. Aber ich esse auch Veggie Produkte und ich finde es auch vollkommen albern, dass du eine Veggiewurst, nicht Veggiewurst oder nicht Tofu Schnitzel oder so denken. Ich glaube, wir sind klug genug, das rauszufinden, dass wenn Tofu oder Veggie davor steht, dass es dann nicht Schwein oder Rind ist. Aber so blöd muss man auch nicht tun. Und ich finde es gut, wenn es beides gibt. Ich finde auch, dass das hat mich auch immer so genervt, wenn es dann so ist. Die Grünen wollen uns die Wurst wegnehmen, nur weil sie mal vorgeschlagen haben, Man kann doch auch mal einen Veggie Tag einlegen, aber man kann auch Veggiegerichte anbieten, was heute einfach Standard ist und darüber nachdenken darf. Man muss gleich, es geht doch nicht immer gleich darum, um etwas zu verbieten oder nicht. Aber es ist doch sehr sinnvoll darüber nachzudenken. Wir haben früher zum Teil vegetarisch gelebt, aber unbewusst einfach. Fleisch war teuer und deswegen gab es nur ganz selten in der Woche Fleisch. Und deswegen haben wir ganz viel vegetarisch gegessen. Da wurde aber gar nicht diskutiert. Nur plötzlich, wo es dir bewusst wird und wo es einen Namen für gibt, fängst du an, dass du daraus einen Kulturkampf machst. Und das finde ich ist absoluter Blödsinn.
Stephan Seiler 89:41
Schwarzwaldklinik oder die Simpsons?
Oliver Kalkofe 89:45
Auf jeden Fall die Simpsons. Also die Simpsons habe ich sehr geliebt. Schwarzwaldklinik habe ich nie wirklich groß geguckt. Welke hat jetzt ja das als Guilty Pleasure wiederentdeckt, dass er zwischen den Jahren immer die Wiederholungen guckt. Ich habe vielleicht ein oder zwei Folgen gesehen, das war mir einfach doch ein bisschen zu simpel. Auch Traumschiff und ähnliche Sachen. Da war ich irgendwie immer zu schnell raus, weil das mich zu wenig überrascht hat. Und die Simpsons habe ich extrem geliebt. Also die ersten 15 bis 20 Jahre war ich glaube ich wirklich auch immer aktiv dabei und habe alles geguckt. Jetzt irgendwann hört es dann auch mal auf, weil du einfach nicht mehr alles gucken kannst. Jetzt gucke ich immer noch die Halloween Folgen, wenn die kommen. Three House of Horror finde ich immer noch super und ich liebe die Simpsons auch immer noch und finde sie immer noch ganz toll, aber bin nicht mehr so aktiv dabei, dass ich jetzt alle Folgen gesehen habe.
Brigitte Huber 90:36
Dallas oder Denver Clan?
Oliver Kalkofe 90:38
Oh, auch schwer. Auch schwer. Ich hab beides geguckt. Ich würde einen Hang mehr zu Dallas. Die waren die ersten und JR fand ich irgendwie vielleicht noch ein bisschen cooler als Alexis. Ich kann es aber nicht so richtig sagen, aber Dallas war dadurch, dass sie die ersten waren, haben sie einfach die Trumpfkarte. Aber ich habe beides geguckt, um bei beidem mitreden zu können. Und ich habe von beiden alle Folgen geguckt. Da hatte ich auch schon einen Videorekorder. Und wenn ich weg war, konnte aufgezeichnet werden. Und deswegen habe ich da wirklich alles geguckt und konnte immer, weil ich war.
Stephan Seiler 91:09
Immer auf dem Laufenden beim Geburtstag lieber anrufen oder lieber eine Sprachnachricht schicken?
Oliver Kalkofe 91:16
Sprachnachricht oder SMS. Ich bin kein, Ich bin kein Freund von telefonieren mehr. Also ich habe früher so viel Telefon telefoniert. Das gehörte früher wirklich immer zum Leben. Immer mit dem Hörer noch mit Schnur und mit allem drum und dran. Und ich weiß nicht, ich bin jetzt heute irgendwie ganz froh, dass ich nicht mehr so viel telefonieren muss. Das finde ich eine positive Sache, dass man heute sich viel, dass man mailen kann, dass man sich kurze Nachrichten schicken kann, ohne dass man immer eine halbe Stunde reden muss. Und deswegen bin ich dann, glaube ich, einer, der eher mal schnell eine Nachricht verschickt, als Ruß zu telefonieren. Ich weiß nicht, irgendwann hat es mir gereicht.
Brigitte Huber 91:52
Und wie ist es bei Büchern? Gedrucktes Buch oder eher E Reader Tablet?
Oliver Kalkofe 91:56
Auch schwierig. Es ist E Reader Tablet, aber eigentlich vom Herzen her das gedruckte Buch. Also ich finde das gedruckte Buch wirklich toll und ich bin auch etwas traurig. Und da bin ich neidisch drauf, dass es heute gibt so tolle Bücher, die sehen so toll aus, die kannst du anfassen, die haben eine Struktur, die haben verschiedene Farben, die haben Überraschungen, wenn du aufklappst. Früher waren die Bücher echt zum Teil langweilig in ganz kleiner Schrift, die waren nicht schön, da waren olle Bilder drauf und so. Das war nicht immer super, so ein Buch zu haben. Heute ist es einfach nur aus dem Ich brauche eine Brille beim Lesen. Ich kann, wenn ich es aber auf dem Gerät habe, kann ich die Schriftgröße anpassen. Ich kann das in meinen Mantel tun und habe es immer dabei. Wenn ich irgendwo sitze, kann ich immer lesen. Das ist einfach so viel mehr wert als jetzt, dass ich kann nicht immer ein riesiges Buch mit mir rumschleppen. Und deswegen bin ich jetzt mehr der E Reader Leser, obwohl ich es nicht sein möchte. Also gegen meinen Willen bin ich geworden.
Stephan Seiler 93:03
Instagram oder Facebook?
Oliver Kalkofe 93:05
Facebook, Instagram bin ich nie so richtig mit warm geworden. Ich mache es jetzt zwar ab und zu, aber ich habe es nicht wirklich.
Oliver Kalkofe 93:14
Nicht wirklich verstanden und nicht wirklich so für mich empfunden, weil ich bin nicht derjenige, der den ganzen Tag immer zu irgendwelchen Content machen will und Filmchen machen will oder sowas. Ich mache das beruflich und ich mache gern, ich veröffentliche die Sachen gerne, ich schreibe gerne noch mal einen Text und Ich mache irgendwie gerne was kleines, kurzes, aber ich habe keinen B***, jeden Tag von mir zu berichten. Das will ich nicht. Und deswegen bin ich so bei Instagram eher raus, weil da musst du ja wirklich mehr oder weniger aktiv den ganzen Tag sein und du musst immer zu aktiv irgendwas von dir zeigen und machen. Da habe ich irgendwie nicht so die Lust drauf, weil das mache ich schon genug die andere Zeit des Tages. Also deswegen will ich mein bisschen kurzes Privatleben, was ich habe, auch privat lassen.
Stephan Seiler 94:03
Apropos, auf welches der folgenden beiden Zitate hast du mehr Lust? Nummer eins, Das Leben ist zu wichtig, um es ernst zu nehmen. Das zweite kommt jetzt von Brigitte.
Brigitte Huber 94:16
Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.
Oliver Kalkofe 94:21
Die sind ja beide gut. Also die sind ja beide, die sagen ja beide was Ähnliches aus. Also das Leben, das erste war, wie war es genau? Das Leben ist zu, Das Leben ist.
Brigitte Huber 94:32
Zu wichtig, um es ernst zu nehmen. Oscar Wilde. Und das zweite ist der Joachim Ringelnatz.
Oliver Kalkofe 94:38
Ich würde auf Oscar Wilde gehen. Ich liebe auch Oscar Wilde. Das war einer der ersten, die ich während meines Studiums nämlich dann vor allem kennenlernte im Anglistikstudium und der mir wirklich Spaß gemacht hat, weil der kluge, witzige, ironische Dinge gesagt hat, die mir sehr entgegenkamen, wo ich immer dachte, ja, das sehe ich auch so. Deswegen würde ich mich Oscar Wilde anschließen. Und ich finde es eben auch wichtig, wirklich sich nicht zu ernst zu nehmen. Das Leben nicht zu ernst zu nehmen in den Punkten, wo es wichtig ist. Ja, aber bitte nicht mit allem und nicht alles. Also wenn man lockerer an das Leben herangeht, an sich selber und an die Probleme und so, dann hat man wirklich viel mehr Spaß und dann ist der Humor genau der Knopf, der hilft, dass einem nicht der Kragen platz und auch überhaupt alles besser zu verstehen. Mit Humor ist alles wirklich einfacher. Das kann ich einfach nur im Rückblick sagen. Also ohne Humor weiß ich nicht, was aus mir geworden wäre. Der hat mir immer geholfen und ich bin froh, dass ich anderen damit auch helfen konnte, weil ich weiß, dass ich viele Menschen, die es mir auch gesagt haben, zum Lachen gebracht habe und damit helfen konnte und vielleicht ihnen auch ein bisschen gezeigt habe, hey, nimm es nicht so schwer, nimm es nicht so, sondern lach mal lieber über die Situation, als darüber zu verzweifeln. Und ja, das ist ein bisschen mein Antrieb. Geblieben.
Brigitte Huber 95:54
Vielleicht eine allerletzte Frage, die du nur mit Ja oder Nein beantworten Kann man Humor lernen?
Oliver Kalkofe 95:59
Ja, aber ist nicht leicht. Also sagen wir mal so, man kann es lernen. Man kann sich selber dazu, man kann sich selber ein bisschen dazu antreiben. Also man kann sich nicht zwingen. Du kannst nicht irgendwie, indem du Witzebücher liest oder so. Es ist kein Ausbildungsberuf in der Form, wenn du humorlos bist und wenn du über nichts lachst und wenn du alles zu ernst nimmst, dann kannst du nicht plötzlich sagen, ich werde jetzt Stand up Komiker oder so. Das ist nicht so. Aber du kannst es lernen. Du kannst es lernen. Aber dazu, Ich glaube, vor dem Humor ist die Leichtigkeit, also ein bisschen locker und leicht und dann wirklich und die Ernsthaftigkeit aus dem Leben drängen und dann kannst du Humor lernen. Aber ich glaube, andersrum ist es einfacher. Humor kann, also durch Humor kannst du lernen, besser zu leben. Ich glaube, das ist einfacher. Also den Humor einfach benutzen. Du musst gar nicht selber lustig sein.
Stephan Seiler 96:50
Wie genau man Humor lernen kann, können wir noch mal in einer separaten Folge besprechen. Wir laden dich gerne wieder ein, wenn du magst, bei deinem nächsten Buch spätestens.
Oliver Kalkofe 96:58
Ja, gerne.
Stephan Seiler 96:59
Und bedanken uns für heute. Wir haben viel gelernt über die Generationen und die Boomer und den Humor und so weiter.
Brigitte Huber 97:07
Brigitte ich finde, wir hatten viel zu lachen und viel nachzudenken und ja, hat riesig Spaß gemacht. Vielen Dank, Olli.
Oliver Kalkofe 97:14
Ja, dankeschön. Mir auch. Das war wirklich sehr, sehr schön. Ich habe auch viel über mich wieder gelernt. Das ist ja auch immer schön. Man erzählt dann immer so Sachen selber nimmst du dir ja keine Zeit, als ihr fragt, wann bin ich zu der Erkenntnis gekommen. Du kommst ja selber gar nicht so zu der Erkenntnis. Setz dich ja nicht hin und hast eine Erkenntnis oder setz dich mal hin. Jetzt sediere ich mal über mein Leben. Sondern es kommt ja, wenn du darüber sprichst und wenn du dich darüber unterhältst und solche Gespräche wie wir jetzt und hast du jetzt selten so einfach im Freundeskreis oder im Familienkreis, die man viel zu gut kennt. Und deswegen finde ich, ist das immer spannend. Und ich muss auch Ja, war interessant. Ich habe viel über mich gelernt. Danke.
Stephan Seiler 97:47
Sehr schön. Vielen Dank. Auf Wiederschauen.
Oliver Kalkofe 97:50
Danke, Tschüss.
Stephan Seiler 97:55
Das war die Sache mit dem Älterwerden, der Podcast mit Brigitte Huber und Stephan Seiler.
Brigitte Huber 98:00
Vielen Dank an Leo Ebert Glang für die Titel, das Sounddesign und den Schnitt.
Stephan Seiler 98:05
Und an Alina Sawalis für die Designs.
Brigitte Huber 98:09
Sache mit dem Älterwerden erscheint mittwochs auf allen gängigen Podcast Plattformen.
Stephan Seiler 98:14
Folgt uns, abonniert uns, dann verpasst ihr.
Brigitte Huber 98:16
Keine Folge und empfehlt uns bitte weiter. Das würde uns sehr freuen.
Stephan Seiler 98:22
Wenn ihr uns Feedback schicken möchtet, egal ob positiv oder negativ oder wenn ihr Themenvorschläge für uns habt, schreibt schreibt uns eine E Mail, eine Textnachricht oder Sprachnachricht auf unserem Instagram oder Facebook Kanal.
Brigitte Huber 98:35
Alle Infos findet ihr auch schriftlich zu dieser Folge in der Zusammenfassung in eurem Podcast Player.
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Folge
13
·
67 Min.
Mit
DJ Hell
Party on forever?! Warum es kein zu alt gibt, wenn wir feiern, tanzen (oder raven) wollen.
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