Folge
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Folge
48
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70 Min.
Zipperlein, ein Neustart und die Frage: Muss ich mir wirklich jeden Kindergeburtstag geben?
Wir sind wieder da! Nach vier Wochen Sommerpause starten Brigitte und Stephan überglücklich in die zweite Staffel.
Psyche

Doch der Sommer war kein reiner Erholungsurlaub: Während Stephan mit einem unerwarteten „Sommer des Schmerzes“ samt Arthrose-Diagnose im großen Zeh, Fersensporn und einer Handy-bedingten Sehnenscheidenentzündung kämpfte, feierte Brigitte ein paar glänzende Premieren. Sie bändigte einen defekten Router eigenhändig mithilfe einer künstlichen Intelligenz und tanzte das erste Mal völlig solo auf dem CSD in Hamburg. In dieser Folge diskutieren wir, warum man über Wehwehchen maximal zehn Minuten am Tag sprechen sollte, weshalb das emotionale Wettrüsten bei Kindergeburtstagen seltsame Gefühle auslöst und wieso Stephan nach einer spektakulären Begegnung mit Orcas in der Straße von Gibraltar plötzlich landkrank wurde.
Eine Folge über die große Kunst, das Schöne trotz aller Krisen (und Schmerzen) wertzuschätzen.
Kapitelmarken
00:00 Intro: Albert Camus und die Magie des Staffelauftakts
03:16 Mut zum Samen: Wie aus kleinen Impulsen etwas großes entstehen kann
09:07 Monumente des Scheiterns: Wenn Surfen und Klavierspielen fehlschlagen
14:52 Der Sommer des Schmerzes: Stephan, der Fersensporn und das iPhone-Handgelenk
18:02 Die 10-Minuten-Regel für Alterszipperlein
23:42 Die Sonnenfinsternis und der Brezel-Tausch
25:18 FOMO & Lebensspanne: Ein Blick zurück auf 1999 und voraus auf 2070
36:11 Dialektik des Lebens: Wie man Freude und Schmerz in Balance hält
39:18 Statussymbol Kindergeburtstag: Das Wettrüsten im Park
48:10 Meine Premiere, deine Premiere: Brigitte bändigt den Router mit KI
53:54 Brigittes erstes Mal auf dem CSD
57:50 Stephans erstes Mal mit Orcas und der Landkrankheit
59:30 Die Einsamkeits-Challenge und ein genialer Gesprächsöffner für schüchterne Stehtisch-Momente
Transkript zur Folge
Stephan Seiler 0:00
Die meisten großen Taten, die meisten großen Gedanken haben einen belächelnswerten Anfang. Hallo Brigitte.
Brigitte Huber 0:08
Hallo Stephan.
Stephan Seiler 0:10
Mit diesem Klugscheißer Zitat von Albert Camus begrüße ich dich und begrüße alle da draußen. Nach vier Wochen Sommerpause sind wir wieder da. Herzlich willkommen zurück bei Huber und Seiler. Die Sache mit dem Ätherwerden und gleich
Brigitte Huber 0:23
mit so einem Zitat, oder bist du sicher?
Stephan Seiler 0:27
Ich wollte jetzt nicht dieses alte Zitat bemühen. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Mit Albert Camus kann man sich auch mal schön Klugscheißer Punkte sammeln. Und ich finde aber tatsächlich steckt da ja auch was drin. Man beginnt mit einem, oftmals mit einem ganz kleinen Funken beginnt etwas und oftmals ist es ja wirklich zu belächeln am Anfang und erst in der Rückschau nach einigen Jahren merkt man, dass es was Großes wurde.
Brigitte Huber 0:54
Überleg gerade schon ist es dann immer so zu belächeln. Das erste, was man kommt auf die Sache an, glaube ich, oder?
Stephan Seiler 1:02
Das ist genau die richtige Frage, quasi ein Prüfauftrag, der da drin steckt in diesem schönen Zitat, finde ich. Denn man kann gerade wenn auch vielleicht Kolleginnen, Kollegen, Freunde, Freundinnen mit was anfangen und das sieht vielleicht noch ziemlich deppert aus am Anfang, dann sollte man sich vielleicht mit dem Spott mal zurückhalten, habe ich mir gedacht, und eher ein bisschen unterstützen, weil vielleicht ist das wirklich der Ausgangspunkt, der kleine Samen, der da gerade gesät wird, aus dem da mal eine richtig große Pflanze wird.
Brigitte Huber 1:33
Ja, bei mir ist es ja fast noch ein bisschen krasser, dass ich in Zukunft sehr aufpassen werde, Dinge für mich auszuschließen. Also wo ich sage, das und das mache ich auf gar keinen Fall. Ich habe dir das, glaube ich, schon mal erzählt. Damals, als ich rausgegangen bin bei Gruner und Jahr, also wo ich da als Chefredakteurin für die Brigitte und die anderen tollen Magazine war, haben mich die Leute ja immer gefragt, was ich danach machen werde. Und dann habe ich immer nur gesagt, das weiß ich noch nicht. Ich weiß nur, was ich nicht machen werde. Ich werde kein Buch schreiben und ich werde keine Coaching Ausbildung machen und ein
Stephan Seiler 2:07
halbes Jahr später und keinen Podcast machen.
Brigitte Huber 2:09
Ja, genau, das hätte ich auch noch sagen sollen. Aber das ist für mich die absolute Lehre. Und in dem Fall meine ich Lehre mit H, weil ich etwas gelernt habe, dass damals anscheinend mein Kopf noch so leer war von dem, was ich hinter mich bringen wollte, was ich verarbeiten musste, dass ich noch nicht bereit war, den kleinen Samen zu säen, der vielleicht dann tatsächlich eine Pflanze für morgen und übermorgen wird. Also insofern, ja, und wenn man da vielleicht schon mal so einen kleinen Spaß gemacht hätte und gesagt hätte, ja, oder ich mache einen Podcast, dann hätten die Leute vielleicht auch gelacht und ja klar, was Besseres fällt dir gerade mal nicht ein und jetzt macht es richtig Spaß.
Stephan Seiler 2:50
Oder jetzt ein Jahr später, nach dem Start von diesem schönen kleinen Podcast Format, was wir hier vor einem Jahr uns ausgedacht haben und gestartet haben, auch ohne Fremdhilfe gewissermaßen, sind wir hier und sind Staffel 2 gelandet. Das ist doch richtig toll. Macht mich glücklich, macht mich froh und liebe Grüße an alle da draußen, die uns zuhören. Das haben wir natürlich nur euch zu verdanken, dass es uns hier gibt, beziehungsweise dass uns jemand zuhört.
Brigitte Huber 3:16
Also das möchte ich auch sagen. Und genau, dass uns dann doch immer mehr zuhören. Und das finden wir doch sehr, sehr schön und gibt uns tatsächlich auch die Power, die wir brauchen, um einmal in der Woche da an den Start zu gehen. Aber sag noch mal Stephan, zu Camus, was war denn für dich so ein Punkt, der mit so einem ganz, ganz kleinen, vielleicht noch so belächelnswerten Gedanken anfing und wo was Großes geworden ist?
Stephan Seiler 3:42
Das war zum Beispiel meine Kolumne, die ich jetzt seit 20 Jahren schreiben darf, fast seit 18 Jahren im Diabetes Ratgeber. Ich hab Typ 1 Diabetes, seitdem ich 15 Jahre alt bin und irgendwann habe ich mit Mitte 20 gedacht, Diabetes Ratgeber könnte auch mal Themen geben, die mich so interessieren. Hab dem Chefredakteur damals einfach eine E Mail geschickt und meinte, ja, im Notfall mache ich es halt selbst so in diesem Juwelieren Größenwahn, den ich ja auch noch im Erwachsenenalter manchmal gezeigt habe. Und dann ist daraus eine Kolumne resultiert und ich durfte sogar, darauf war ich richtig stolz, Eckart von Hirschhausen als Kolumnist ablösen, damals mit meinen 26 Jahren. Das hat mich damals natürlich, hat mir einige Ego Punkte beschert und hätte auch damals gar nicht gedacht, dass es so lange geht. Ich dachte vielleicht ein Jahr, zwei Jahre, dann ist das Thema vielleicht auch auserzählt. Das Leben mit Typ 1 Diabetes und was man da so erlebt, erleidet aber jetzt mehr als 15 Jahre später, mehr als 200 Kolumnen später ist sie immer noch da und ich bin richtig stolz drauf, mache jetzt auch noch einen Podcast zu dem Thema. Also daraus ist auch noch was geworden, mehr als nur eine Kolumne. Und ich bin wirklich froh, dass ich damals diese E Mail geschrieben habe. Man sollte vielleicht öfter initiativ vorgehen, habe ich mir gedacht, aber oftmals bremst man sich ja auch dabei. Jetzt kennst du ja vielleicht auch, dass man am Ende dann doch wieder manchmal sagt, ach, das will doch eh keiner wissen oder lesen oder bin ich zu viel? Braucht es das überhaupt? Und da den richtigen quasi so. Gefällt dir das leicht, dann einzuschätzen zu können? Es lohnt sich jetzt diesen Aufwand zu machen, quasi den Samen zu säen?
Brigitte Huber 5:14
Also ich glaube, der Punkt ist schon tatsächlich, wie oft gelingt es, so einen belächelten Samen irgendwie in die Welt zu schicken, wenn er wirklich nicht auf fruchtbaren Boden dann fällt? Ich glaube, das ist ja dann auch manchmal so eine Frustration. Also ich möchte mich nicht in jemanden reinversetzen beispielsweise, der sich irgendwo bewirbt und immer abgelehnt wird oder sonst irgendwas. Und deswegen glaube ich, was deiner Story natürlich schön ist, ist, dass sie gut ausgegangen ist. Ich glaube, so muss man sich sie immer anschauen und an denen muss man sich dann später auch orientieren. Und die zehn Mails oder Briefe oder wo man Leute angesprochen hat, wo nichts draus geworden ist, die muss man dann vergessen, ganz weit nach hinten drängen.
Stephan Seiler 5:58
Ich erinnere mich jetzt auch gerade dran, wo du drüber sprichst, Es gab auch mal einen Impuls von mir, da habe ich einem Chefredakteur Ey, super, ich würde gern für sie arbeiten, total toll. Und das hat dann auch geklappt und das war dann nicht die beste Entscheidung. Also be careful what you wish for, hat mir mal ein schlauer Mensch gesagt, Pass auf, was du dir wünschst, weil es könnte ja wirklich in Erfüllung gehen. Und dann hat man den Salat am Ende.
Brigitte Huber 6:19
Na, ich finde vor allem, was ich immer ganz schön finde, ist, wenn man so einen Gedanken hat und den teilt man dann vielleicht mal mit jemandem und dann guckt man sich das vielleicht auch mal eine Zeit lang an, ob der wächst und gedeiht. Also dass man dem auch so eine Art Treibhausgase bietet, weißt du, so ein Gewächshaus wo er sich allmählich so ein bisschen entwickeln kann. Irgendwie muss der dann natürlich irgendwann mal raus und muss sich bewähren. Aber das finde ich schon immer ganz spannend. Und dann merkt man auch gewisse Gedanken, die sind dann vielleicht nach ein paar Wochen oder Monaten auch gar nicht mehr relevant, weil sich was verändert hat oder weil man selber irgendwie Argumente dagegen gefunden hat und andere, die keimen dann allmählich.
Stephan Seiler 6:58
Aber was heißt das ganz praktisch? Wie gehst du da quasi vor? Nicht im übertragenen Sinne, sondern ganz konkret. Was machst du mit einer Idee, mit einem Gedanken, wenn du denkst, daraus könnte mal was werden? Wie pflanzt du den ein?
Brigitte Huber 7:08
Also ich beginne mit Menschen darüber zu reden in aller Normalität, würde ich sagen. Und manchmal hörst du dann, ach so, nee, das macht gar keinen Sinn, weil, aber vielleicht kriegst du dann noch mal eine andere Information. Und wenn dann du jemanden auch noch findest, der sich von diesem Gedanken anstecken lässt, ist es umso besser, ich informiere mich dann, ich lese was darüber und sag dann, oh ja, das ist vielleicht ganz spannend, das versuche ich jetzt mal oder sonst irgendwas. Also so würde ich vorgehen und ich kriege das schon manchmal auch so bei Freundinnen, Freunden und so weiter mit. Das muss jetzt nicht immer irgendwas im beruflichen Umfeld sein. Es kann ja sein, dass man irgendwie so eine Idee hat, keine Ahnung, ich will irgendwo einen kleinen Garten haben und dann denkst du, du wohnst jetzt aber leider mitten in Hamburg und dann hört man, drei Jahre später haben die irgendwo so einen kleinen Garten und dann, da passt natürlich jetzt das Beispiel mit dem Samen, umso besse, aber irgendwie, dann informieren die sich und dann haben die wahrscheinlich vielleicht auch irgendwann mal schon jemanden kennengelernt, der das auch realisiert hat oder so, keine Ahnung. Oder ich fange an zu reiten noch mal mit 50 und so weiter. Es gibt ja viele Dinge, wo man vielleicht zuerst einen kleinen Gedanken hat und den dann allmählich füttert und dann probiert man den irgendwann mal aus. Kann aber auch umgekehrt sein, dass man dann, keine Ahnung, ich habe irgendwann mal vor 20 Jahren ist es ungefähr her, vielleicht sogar 25 Jahren gedacht, ich möchte auch surfen können, weil ich das irgendwie schon finde, sieht super aus und ist ja eine coole Geschichte und ich habe sogar einen Surfkurs, ich habe sogar einen Surfkurs gemacht, ich habe ihn durchgezogen und ich habe es dann aber nie wieder gemacht. Also das heißt, anscheinend hat es mich nicht so erwischt oder ich bin nicht so talentiert. Also wenn ich höre, manchmal hört man es auch von unseren Gästen, dass die dann sagt, sie haben jetzt gerade irgendwie so eine ganz tolle, spannende Sportart gelernt, dann denke ich mir, ja, da bin ich jetzt nicht so sicher, ob das bei mir jetzt genauso wäre.
Stephan Seiler 9:07
Wellenreiten hatte ich kürzlich Dirk Steffens gesagt, dass er wieder mit Wellenreiten angefangen hat, über 50 und das kann ich total nachempfinden, was du sagst bei mir. Was war bei Wellenreiten aus Surfen genauso einen Kurs gemacht und dann das Thema beendet. Genauso beim Snowboarden auch quasi einen Kurs gemacht, Rama runtergefahren, gedacht, nee, das ist nicht meins, aber ich bin trotzdem froh, dass ich es ausprobiert habe. Aber gibt es bei dir nicht auch quasi solche Monumente des Scheiterns? Du wolltest was werden, wolltest was machen und dann hast du es mal ausprobiert oder auch nicht ausprobiert, aber daraus wurde am Ende nichts, sodass du dann immer wieder, wenn du dann einen Surfer siehst, denkst, ach nee, ach nee, ach Mensch, das hätte ja ich sein können, aber ich habe es halt nicht gepackt. Wie verhinderst du, dass du dann quasi so, dass du quasi deine ganze Umgebung vergiftest mit diesen Gedanken, ich hätte ja auch mal ein Baumhaus bauen können, aber ne, und jetzt sehe ich ein Baumhaus, jetzt geht es mir schlecht, weißt du, so nach dem Motto.
Brigitte Huber 9:55
Nein, ich würde jetzt ganz einfach sagen, das was du sagst, ist ja richtig, man hat es mal ausprobiert und man merkt, davon habe ich einige Geschichten, Ich habe ja auch mal zwei Jahre Klavier gespielt oder so, aber ich habe halt nicht wirklich gespielt. Ich habe nicht so viele Fortschritte gemacht, dass ich jetzt irgendwelche Stücke, also außer alle meine Entchen oder so was wirklich auswendig gekonnt hätte. Und das ist ja was, was ich vielleicht sogar heute noch mal mit mehr Zeit noch mal probieren würde, aber ich hätte mich jetzt nicht als gescheitert, ich wäre ein bisschen gnädiger mit mir umgegangen. Ich hätte gesagt, es ist vielleicht nicht zur richtigen Zeit passiert oder das muss man bei dem surfen auch sagen, ich bin vielleicht für sowas jetzt nicht so begnadet.
Stephan Seiler 10:38
Okay, befinden wir uns in sommerlichen Gefilden. Wir müssen ja heute zum Auftakt der zweiten Staffel, die jetzt Ende August erscheint, müssen wir auch noch mal ein bisschen den Sommer zusammenkehren, damit noch mal an alle da draußen das klingt aber traurig, zusammenkehren. Zusammenkehren quasi. Also wir müssen nämlich einiges besprechen heute mal ohne Gast, dafür mit allem, was sich in den vier Wochen so angesammelt. Hat nach der vierwöchigen Sommerpause. Eine Sonnenfinsternis, bei der ich mich bei einem ziemlich unbequemen Gedanken ertappt habe im Sommer insgesamt, in dem sich mein Körper Stück für Stück bei mir gemeldet hat, von der Ferse bis zum großen Zeh, eine Begegnung am Teufelssee, die mir ein schlechtes Gewissen beschert hat, würde ich gerne mit dir besprechen. Und über Kindergeburtstage, die mich mehr beschäftigen, als mir lieb ist. Und ich frage, ob ich am Ende einfach nur neidisch bin. Es gibt viel zu besprechen. Der Sommer muss quasi so Marie kondomässig geordnet werden, zurechtgeruckelt werden, entrümpelt, entrümpelt und aufgeräumt werden. Brigitte, bist du bereit?
Brigitte Huber 11:42
Ja, bitte. Los geht's.
Stephan Seiler 11:53
Vielleicht nochmal für alle, die uns noch nicht so gut Was machen wir eigentlich? Wir befinden uns hier im großen Projekt des Älterwerdens. Wir beide werden älter und wir reden drüber. Warum machen wir das? Für alle, die es noch nicht kennen.
Brigitte Huber 12:05
Also ich würde mal sagen, die zweite Lebenshälfte, die ja vermutlich für uns beide angebrochen ist, hat angebracht.
Stephan Seiler 12:12
Womöglich bald. Bald beginnt sie womöglich.
Brigitte Huber 12:15
Genau. Die hat ja noch sehr, sehr viele neue Dinge, die auf uns warten. Gleichzeitig merken wir, dass, du hast es vorher schon angesprochen, unser Körper oder sonst irgendwas in der einen oder anderen Richtung sich so verändert, wie wir es eigentlich gar nicht toll finden. Und wir wollten einfach uns jede Woche Input holen von anderen Leuten oder auch gegenseitig und so im Austausch um diese Sache mit dem Älterwerden, so heißt ja unser Podcast, so vergnüglich und anregend und schön wie möglich zu machen, oder?
Stephan Seiler 12:50
Genau, möglichst vital, möglichst alt zu werden. Das habe ich mir fest vorgenommen, Aber ich möchte dabei eben auch nicht so manisch werden, so durchdrehen und quasi mich nur noch von Nahrungsergänzungsmitteln ernähren und irgendwie gar keine Freunde mehr treffen, weil ich die dann nicht mehr habe. Deshalb deshalb dieser Podcast. Es ist quasi eine riesige Selbsttherapie für mich. Brigitte, du bist ja quasi schon eine halbe Expertin, eine ganze Expertin auf diesem Gebiet des Älterwerdens. Hast du auch ein Buch darüber geschrieben und davon profitiere ich. Ich glaube, davon profitieren da draußen sehr, sehr viele Menschen. Zumindest bekommen wir das durch die vielen lieben Rückmeldungen von euch da draußen immer wieder so gespiegelt. Also schreibt uns gerne weiterhin, abonniert uns, kommentiert, was das Zeug hält. Das kommt auch alles an bei uns.
Brigitte Huber 13:31
Und vielleicht darf ich da noch beifügen. Ich finde es schon immer wieder ganz spannend, dass etliche Dinge, die wir hier in dem Podcast erfahren, ich sage jetzt mal für nahezu jedes Alter gut und wichtig sind. Das kriege ich immer wieder mit. Das war übrigens auch beim Buch so. Also eigentlich haben wir Das Buch, meine Co Autorin Anne Bärbel Köhle und ich, eigentlich so ab 16 angesiedelt, aber das ist dann immer ganz schön, wenn man von Leuten in den ERN oder Ern, Ern, weiß ich jetzt nicht, in den ERN hört. Sie haben sich da viel rausgenommen, weil Dinge, die klug für uns und unseren Körper und unseren Geist sind und unsere Seele, die sind ja häufig zeitlos, muss man sagen. Gleichzeitig muss man auch sagen, gibt es Dinge, die gewinnen eine andere Relevanz. Also natürlich ist unser Muskel, unsere grauen Zellen arbeiten bis 30 oder 40 anders als später. Und da kann man schon einiges dazu holen. Außerdem flutscht die Zeit ja so schnell vor sich hin. Da kümmern wir uns auch auf jeden Fall.
Stephan Seiler 14:29
Und liebe Grüße, an unseren Sounddesigner, der diese Folge auch schneiden wird. Er hat mir gestern verraten, dass er ganz viele Tipps aus der ersten Staffel auch umsetzt und ich glaube, er ist noch nicht mal dreiig. Liebe Grüße, Super gehen raus.
Brigitte Huber 14:41
Super Leo.
Stephan Seiler 14:42
Also auch da kann man auch in dem Alter kann man schon davon profitieren,
Brigitte Huber 14:46
was wir hier älter werden für Jährige, das machen wir ja genau,
Stephan Seiler 14:52
Alle sind willkommen. Aber klar, der Fokus liegt auf der zweiten Lebenshälfte mit all den Fragen, Sorgen, Nöten, die man einfach mal so hat. Und darum soll es ja auch heute ein Stück weit gehen. In den letzten drei Monaten hat es mich ordentlich erwischt. Es ist nicht wirklich sexy, über Krankheiten zu sprechen, aber es ist interessant, was alles so in kurzer Folge passiert ist mit dem großen Zeh Arthrose festgestellt, Sportverletzungen im gleichen Fuß an der linken Seite, Fersensporn, dann hatte ich noch eine Sehnenscheidenentzündung und ich frage mich da immer wieder erstens mal, warum Natürlich die sinnlose Frage, weil das hilft natürlich gar nicht am Ende. Aber auch die Ist das jetzt immer so oder ist das jetzt quasi nur mal so ein Sommer des Schmerzes? Muss ich mich darauf gefasst machen, dass das quasi so eine Konstante wird? Brigitte, wenn du dich zurückerinnerst, kannst du dich daran erinnern an sogenannte Alterszipperlein, die dich dann genervt haben und wie bist du damit umgegangen? Oder verwaltet man die irgendwann so? Ach ja, kommt halt auf den Ablagestapel, älter werden ist halt so oder hat sich genauso umgehauen wie mich, weil ich war richtig schockiert. Ich war schockiert von der Diagnose Arthrose im Zeh. Was ist denn das bitteschön?
Brigitte Huber 16:05
Ja, ich kann mich nur erinnern, ich hatte ja zweimal in meinem Leben so eine Frozen Shoulder und die eine hatte ich mit 50 oder so. Und da hat auch der Orthopäde dann auf das MRT Bild, was er da geguckt hat und hat ja und hier und da Arthrose, dann sage ich wie Arthrose, dann guckt er mich an und das ist völlig normal in dem Alter. Und das fand ich schon irgendwie ein unsexy Wort, muss man sagen.
Stephan Seiler 16:29
Das klingt für mich nach Geriatrie.
Brigitte Huber 16:30
Naja, aber ich glaube, das muss man dann einfach auch hinnehmen. Und dann muss ich sagen, ansonsten, Ich hatte mal Schulter oder Rückenbeschwerden mit Anfang 30, als ich viel meinen zweiten Sohn getragen habe, als der klein war. Das war dann eben unabhängig davon. Und ich glaube schon, man sollte so viel wie möglich dagegen tun im positiven Sinne und das dann auch annehmen, weil also ich bin da auch nicht gut. Also ich weiß, als ich dann letztes Jahr wieder diese Schulterproblematik bekommen habe und es dann hieß ein Jahr nicht ins Fitnessstudio, wusste ich zum Glück am Anfang nicht und du kannst dies nicht und du kannst jenes und dann kommt noch mal irgend so Bandscheibengeschichten dazu, dann denkt man sich natürlich schon verdammte Axt und dann weiß man aber das sind gar nicht die großen Einschläge. Die großen Einschläge sind viel wilder und das dann irgendwie so hinzunehmen und anzunehmen. Ja. Aber das, glaube ich, gehört einfach zum Leben. Und ich würde jetzt nicht sagen, dass das weder würde ich sagen, dass das mit einem Sommer getan ist, noch dass jeder Sommer so sein wird bei dir. Da hat sich vielleicht einfach jetzt ein bisschen ein bisschen geholfen.
Stephan Seiler 17:38
Ja, total. Ich weiß nicht, ob das jemand schon mal zu Hause hatte. Diese Sehnenscheidenentzündung in der rechten Hand ist quasi auch so diese iPhone Krankheit, weil ich ja quasi mit dem iPhone rumlaufe, mit dem rechten Daumen dann das iPhone steuere. Das hätte ich besser mal nicht machen sollen. Ich habe dann die richtige Orthese getragen im Sommer und dann fühlt man sich natürlich quasi noch mal ein bisschen noch mal wesentlich kränker als sowieso schon klar.
Brigitte Huber 18:02
Aber wie gesagt, das haben wir alle irgendwann mal mehr oder weniger. Dann sind wir ja auch Menschen, die viel sitzen und das sollen wir gar nicht. Also da werden wir, glaube ich, auch in der nächsten Folge drüber sprechen, dass wir uns natürlich auch nicht so verhalten, dass das alles optimal ist. Aber da finde ich dann ganz, ganz toll den Rat von einer älteren Kollegin, den ich vor kurzem gehört hat, die immer, wenn sich mit ihren Freundinnen oder ihrem Les. Sie haben einen Lesekreis, glaube ich, schon länger, dann sagen die immer, ja, auf jeden Fall sagen sie nicht länger als zehn Minuten über unsere Krankheiten und Zipperlein sprechen. Punkt.
Stephan Seiler 18:40
Okay, dann müssen wir die Klappe halten.
Brigitte Huber 18:42
Ich glaube, wir sind schon bei Minute siebeneinhalb, weil das ist tatsächlich, jeder kann dazu natürlich irgendwas beisteuern. Und manchmal ist es auch ganz gut, weil man von jemand einen guten Ratschlag kriegt, mach doch mal diese Übung oder mach doch mal jenes oder ich habe eine tolle Ärztin oder sonst irgendwas. Aber ansonsten kann ich dir versichern, hört das Thema nicht mehr auf.
Stephan Seiler 19:04
Ja, das glaube ich. Aber das Thema ist ja auch sehr eng verwoben mit dem Thema Sport. Und jetzt auch ein Blick auf die zweite Staffel von Huber Seiler, die Sache mit dem Älterwerden. Wir werden bestimmt bald einen echten Sportexperten bei uns zu Gast haben, vielleicht sogar schon in der nächsten Folge. Und da gibt es einige Fragen, die ich mir stelle. Nä Welcher Sport passt zu mir? In welchem Alter? Wann sollte ich auf die Zeichen meines Körpers hören? Abstand nehmen? Wir haben ja auch noch Micky Beisenherz in Erinnerung, der in einer Sommerfolge jetzt ja wieder zu hören war, der sich quasi von keiner Verletzung von keinem Rückschlag aufhalten lässt und einfach immer weiter Fußball spielt, immer weiter joggt und all das macht, was manche Experten ja jetzt auch nicht unbedingt anraten würden ab einem gewissen Alter, klar.
Brigitte Huber 19:51
Aber es wird mit Sicherheit auch darum gehen, wenn man quasi Späteinsteigerin ist oder Wiedereinsteigerin, wie man sich da dann rantastet. Weil ich glaube, das kann man schon mal spoilern, ich glaube, die Muskulatur, die nimmt so ab 30 ab jedes Jahr
Stephan Seiler 20:08
ein Prozen, ein Prozent muss.
Brigitte Huber 20:11
Es gibt unterschiedliche genau und ab 40, aber es ist ganz toll. Aber das werden wir nächste Mal besprechen. Ich finde es auch dann wahnsinnig imponierend und es macht einem auch richtig Mut, wenn man dann zum Beispiel hört, dass über Jährige ein paar Monate lang Muskeltraining gemacht haben und dann wieder in der Lage waren, sich selbst zu versorgen. Das heißt, wie lange verzeiht der Körper viel oder ist ansprechbar, wenn wir ihn gut behandeln, auch wenn sich das manchmal gar nicht so gut anfühlt in dem Moment, wo man Sport macht.
Stephan Seiler 20:45
Die Schubumkehr lohnt sich derzeit. Ich hatte jetzt gerade am Wochenende, als es schön heiß war, war ich an einem See in Berlin am Teufelssee, kennt vielleicht der eine oder andere wunderschöner See, ganz malerisch und ich saß da auf diesem Ponton in der Mitte des Sees und auf einmal guckte ich nach rechts und das ist ja mein Handball Kumpel. Für alle, die es noch nicht wussten. Ich spiele ja manchmal Handball, war jetzt aber seit März nicht mehr im Training. Und genau darum drehte sich natürlich auch das Gespräch. Stephan, hallo du hier, wann kommst du mal wieder ins Handball Training? Ich ja, weißt du, meine Verletzungen und so und es gibt ja nichts Uncooleres. Ich hab mich selten so entcoolt wie da, als ich weißt du, ich habe ja so eine Verletzung hier sehenscheiden, das ist einfach so uncool, das will ich nicht mehr, dieses Gefühl haben. Deshalb möchte ich gerne so schnell wie möglich die Schubumkehr hinbekommen und wieder fit und agil sein, mich eben nicht davon runterziehen lassen. Aber diese Gedanken kennen vielleicht viele da draußen auch wenn ein, zwei gesundheitliche Einschränkungen dann mal so passieren, denkt man ah ja, jetzt in Schonhaltung verfallen, jetzt erst mal nichts machen, jetzt bitte möglichst am besten, wenn die Hand kaputt ist, dann am besten auch nicht mehr gehen und spazieren, weil man könnte sich am Ende ja noch ein Fuß dabei wehtun. Und in dieser Spirale war ich kurzzeitig drin und jetzt komme ich wieder raus. Vielleicht auch mit deiner Hilfe und Mithilfe dieses wunderbaren Podcast.
Brigitte Huber 22:02
Aber da ist ganz gut, wenn wir nächste Woche da noch mal drüber sprechen, weil das kenne ich auch total. Ich bin jetzt wieder seit Mai zurück, also gelaufen bin ich immer weiter. Das ging ja auch trotz Schulter, aber dann auch wieder bisschen Krafttraining und dann ist die Frage, also Body Pump hast da mein Kurs, wie viel legt man da drauf an Gewichten? Und dann kommt es mir sehr entgegen. Dann komme ich da mit meinen Micky Maus Gewichten und das ist so ganz, ganz leicht. Und dann sehe ich die Frauen um mich rum, die sind jetzt auch nicht Top Athletinnen und auch nicht viel jünger als ich zum Teil und die haben dann drei bis fünfmal so viel. Dann denke ich, soll ich jetzt aber eher schon nicht, dass ich das wieder krieg. Dann merke ich neuerdings gibt es irgendwie so einen komischen Schmerz im rechten Ellbogen. Was soll das denn? Also dieses Ungehalten sein über den eigenen Körper kennst du mit Sicherheit auch, wo man am Anfang, den ignoriere ich jetzt einfach, also ist mir vollkommen egal, aber wie viel soll man sich schonen? Wann soll man den Körper trotzdem belasten? Wie robbt man sich dann da wieder ran? Das finde ich schon ein schwieriges Thema, also ein anspruchsvolles Thema und da sollten wir mal einen Fachmann, ein Fachmann ist es in dem Fall, befragen.
Stephan Seiler 23:18
Definitiv. So jemand wie Ingo Froböse vielleicht. Vielleicht hat er ja mal Zeit nächste
Brigitte Huber 23:22
Woche Sporthochschule Köln mit einer sehr, sehr
Stephan Seiler 23:27
langen, sehr langen Historie, mit seiner sehr
Brigitte Huber 23:30
langen Historie, selbst als Leistungssportler und dann eben als als Arzt, der sich darauf spezialisiert hat und immer noch in beneidenswert guter Form ist.
Stephan Seiler 23:42
Dann werde ich doch mal ein paar Fragen formulieren. Wenn ihr da draußen auch Fragen habt, schickt sie uns gerne. Nächste Woche erfahren wir da hoffentlich mehr. Ich möchte noch mit dir über ein weiteres Thema sprechen, das mich in den vergangenen Wochen sehr beschäftigt hat und zwar die Sonnenfinsternis. Erst hat sie mich nämlich gar nicht beschäftigt, was sie bei dir ausgelöst hat. Hast du sie gesehen, die Sonnenfinsternis von einer Woche? Wie war es für dich? Wo hast du sie gesehen? Wie hast du sie wahrgenommen? Wie fandst du das Verhalten deiner Mitmenschen dabei?
Brigitte Huber 24:13
Wie oft erfahre ich solche Sachen? Relativ spät, ich weiß auch nicht warum. Also ein paar Tage vielleicht vorher, ein, zwei Tage und dann mache ich mir so ein Bild und dann höre ich allmählich, also da ist der Gedanke gesät, dann, ach so, passiert nicht so häufig, okay, mache ich mal mit. Und tatsächlich sind wir zu zweit an eine Stelle in Hamburg gefahren, wo ganz viele waren. Wir hatten aber keine solchen Brillen mehr bekommen. Das war eindeutig zu spät, aber das war auch gar nicht schlimm, weil es waren da ganz viele Leute, sehr viele junge Leute auch. Und ich habe dann so einen Tausch angeboten, ich hatte so kleine Vollkornbrezeln dabei und habe dann gesagt, ob ich ein paar Vollkornbrezel gegen, keine Ahnung, 20 Sekunden Brillen trage. Und das war ein guter Deal. So kamen wir da gut miteinander klar, meine Umwelt und ich.
Stephan Seiler 25:01
Und hast ja noch mal Leute, Kontakte, quasi neue Kontakte geknüpft, Verbindungen hergestellt zu Mitmenschen.
Brigitte Huber 25:06
Ja, generell, das habe ich doch gelernt
Stephan Seiler 25:08
in der ersten Staffel, dass es ja quasi wichtig ist.
Brigitte Huber 25:10
Ja, und ich fand, das war ja auch ein wirklich ganz, ganz toller Sommerabend, also hat mir gut gefallen. Und bei dir?
Stephan Seiler 25:18
Ja, ich fand es unfassbar öde und mich hat das Ganze genervt und ich habe dabei aber auch selbst reflektiert, warum das so ist und was das mir sagt, womöglich auch über meine Haltung zum Älterwerden. Also nächstes mal 1999 gab es ja schon mal eine Sonnenfinsternis und ich erinnere mich noch, dass ich damals mir auch diese Brille gekauft hatte und ich war damals, weiß ich nicht, 18 Jahre alt, 19 Jahre alt, 18 Jahre alt und bin dann damit rumgelaufen und habe mir die Sonne angeguckt und fand das damals schon etwas. Also ich war jetzt nicht ganz so beeindruckt davon, dachte, okay, jetzt habe ich das einmal im Leben gesehen, reicht dann auch. Und an diesen Satz habe ich mich erinnert und habe deshalb auch keine Brille gekauft dieses jahr im Sommer 2026, ach, das brauche ich nicht, ist doch egal. Diese ganze Hysterie, diese ganze Hype für 10 Minuten Sonnenfinsternis. Was war am Abend jetzt vor wenigen Tagen, als es dann passiert ist? Natürlich, ich bekomme FOMO, die Fear of Missing Out. Ich denke, ich muss unbedingt die Sonnenfinsternis sehen. Ich gehe jetzt irgendwo hin, renne in den Berliner Mauerpark, such mir da noch eine Stelle irgendwo am Hang, spring da hin und her. Im Hintergrund geht die Sonne ja auch schon unter, das war ja kurz vor Sonnenuntergang und hab dann ganz finstere Gedanken gehabt, die ich gerne mit dir teilen möchte. Und ich habe mich gefragt, wo das herkommt. Also zunächst mal dachte ich, das ist ja irgendwie total öde, ist ja genau das Gleiche wie damals tatsächlich. Es ist jetzt ja nicht so spektakulär, ist eigentlich ein ganz normales Ereignis. Auf der anderen Seite ist es ja aber zwar normal, aber selten. Die nächste Sonnenfinsternis soll irgendwie 2070, also für uns 2070 ungefähr, genau, die letzte war 1999 und da frage ich, rennen wir vielleicht auch deshalb dahin, weil wir quasi so eine Lebensform haben im Sinne ich habe es ja vielleicht sonst nie mehr, vielleicht ist es mir sonst nie mehr möglich, die zu sehen. Es gibt nur einmal im Leben, also muss ich es machen. Wenn ich es jetzt verpasse, dann ist diese Chance für immer weg. Glaubst du, dass da der Reiz für viele Menschen dahinter steckt? Glaubst du, sie würden jetzt nicht so hinrennen, wenn es halt alle 10 Jahre eine gäbe?
Brigitte Huber 27:21
Also du kannst ja, glaube ich, nächstes Jahr kannst du es in Nordafrika oder so was auch sehen, du könntest dann schon hinfahren. Ich glaube, was da schon dazu kommt, und das hat mich auch tatsächlich angesprochen, ist dieser Event Charakter. Du stehst da mit anderen Leuten, in dem Fall waren wahnsinnig viele junge Leute und ich fand, das war eine entspannte Stimmung und hat mir gut gefallen und ich gebe dir dahingehend recht, mir hat es gereicht, da insgesamt zwei Minuten durchzugucken und habe mir dann danach gedacht, Wahnsinn, dass so was im Fernsehen häufig noch dramatisch. Es war jetzt bei uns ja noch
Stephan Seiler 27:55
viel beeindruckender im Fernsehen.
Brigitte Huber 27:56
Ja, ja, genau, genau. Aber es war jetzt auch nicht, dadurch, dass ich da jetzt nirgendwo hingereist bin, habe ich das jetzt gerne mitgenommen. Aber klar, wenn wir das Gefühl haben, also FOMO ist da schon richtig, am nächsten Tag erzählen vielleicht alle Menschen, das war das grandioseste Erlebnis, das sie jemals hatten, dann sagen wir natürlich, das war ein bisschen dusselig, dass wir nicht dabei sind gleichzeitig, das weiß ich, das ist glaube ich schon meine Lebenserfahrung gezollt. Bei mir ist es nicht mehr so, dass ich um jeden Preis irgendwelche Dinge mitkriegen muss. Also ich glaube, ich weiß es auf Reisen zum Beispiel, da war ich früher auch so, wenn ich dann gemerkt habe, oh, ich bin jetzt in der Nähe von diesem berühmten Wasserfall XY und den könnte man innerhalb von einer Stunde Umweg erreichen. Ich weiß, wir haben das einmal habe ich das erlebt und dann hätte ich vorher noch mal vielleicht googeln sollen, dass im Sommer dieser Wasserfall versiegt ist. Das heißt, man macht eine einstündige Ja, den Rest kennst du.
Stephan Seiler 28:57
Der Weg ist das Ziel, Brigitte Mensch.
Brigitte Huber 29:00
Ja, ganz genau. Aber dann aber auch wenn er nicht versiegt ist oder auch wenn da eine besondere Kirche ist aus dem 15. Jahrhundert, da überlege ich mir heute sehr viel, Muss ich das gesehen haben oder muss ich genau in diesem berühmten Café gewesen sein oder tut es nicht ein Café drei Straßen weiter. Also da ist bei mir dieser FOMO Faktor schon richtig runtergegangen, weil im Ernst, das merke ich manchmal. Ich weiß manchmal gar nicht mehr, was ich wo gesehen habe vor 20 oder 30 Jahren. Aber was ich noch weiß, war die Reise toll, was für ein Gefühl hatte ich Und das ist dann nicht so abhängig von den einzelnen Etappen und ob ich die abgehakt habe oder nicht. Hilft dir das bei deiner Sonnenfinsternis?
Stephan Seiler 29:44
Also es hilft mir auf jeden Fall der wissenschaftliche Überbau kapiere ich so, aber so glaube ich zumindest nachvollziehen zu können. Aber was hat dich denn jetzt ganz subjektiv dich gefragt? Was hat dich getrieben letzte Woche das dann dir anzugucken im Sinne von warum hast du es dann doch gemacht?
Brigitte Huber 30:04
Also mein Partner hat dann wollen wir nicht da schnell hinradeln und uns diese Sonnenfinsternis anschauen? Und dann habe ich Ja warum nicht? Also ich war ursprünglich sogar anders verabredet, Es hat aber nicht mehr geklappt. Und dann muss man ganz ehrlich sagen, dann war es sehr niedrigschwellig. Dann radelst du irgendwie um sieben los, bist um zwölf nach sieben da und um neun wieder zu Hause. Wie gesagt, wir haben ein bisschen was zu essen, was zu trinken mitgenommen und dann habe ich mir gedacht, komm, sei doch mal dabei bei so Events, bei dem alle dabei sind.
Stephan Seiler 30:36
Ja, ich war ja auf Recherche in Sachsen Anhalt, kam zurück, war müde, war geschafft von der Anstrengung Recherche und dann war ich aber zu Hause und merkte, es wird dunkel. So zwischen 19 und 20 Uhr wird es halt immer dunkler. Und ich habe gedacht, ich kann doch jetzt nicht hier drin bleiben, wenn der Kosmos diesen Termin in den Kalender pflanzt, dann muss ich rausgehen, dann werde ich gezwungen rauszugehen, mir das anzugucken. Und dann habe ich es auch versucht, so quasi so ein bisschen zu überhöhen. Die Sonnenfinsternis unterteilt ja quasi auch die Lebensspanne ein in verschiedene Teilbereiche standen Kalenderwochen quasi in den Zeitraum zwischen Sonnenfinsternissen. Und ich habe dann auch wirklich zurückgeblickt, was habe Ich erlebt zwischen 1999, der letzten Sonnenfinsternis und heute und was würde jetzt zwischen jetzt und später passieren. Und dann gab es auch noch einen ganz seltsamen Familienchat, WhatsApp, WhatsApp Chat dazu, haben uns dann auch drüber unterhalten bei der nächsten Sonnenfinsternis, wo gucken wir die eigentlich dann 2070? Und dann kamen diverse Vorschläge so auf der Sonnenterrasse dann von dem gerade geborenen Cousin oder Neffen und dann schrieb aber irgendwann auch ein Ach, Treffpunkt an Mamas Grab Smiley und die Mutter hat auch mitgelesen. Das war ein kurzer Moment, blieb mir das Lachen im Hals stecken. Aber es ist ja irgendwie so, du
Brigitte Huber 31:58
hast an deine fortgaloppierende Arthrose gedacht, die dich vielleicht nur noch mit dem, ich weiß es nicht, mit irgendwie Unterstützung dorthin rollern lässt. Also ja, nein, also ich glaube, du bist auch sehr empfänglich für solche Events, kann das sein oder generell für solche Dinge.
Stephan Seiler 32:15
Ich bin Eventhase, ich mag Events, ich bezahle ja auch irgendwie unfassbar viel Geld, um einmal bei den Olympischen Spielen bei der Eröffnungsfeier dabei gewesen zu sein. Ich mag das, besondere Momente zu erleben, History in the making im besten Falle. Ansonsten aber auch einfach magische Situationen, die nicht so häufig vorkommen, die sammle ich gerne ein, aber frage mich halt auch dann, braucht es das wirklich, weil manchmal ist es halt auch wirklich viel Aufwand und wenig Ertrag. Bei der Sonnenfinsternis war es ja relativ easy.
Brigitte Huber 32:46
Das meine ich, Es war halt wenig Aufwand. Ich glaube, wenn man mir gesagt hätte, ich müsste jetzt mindestens 2000 Meter irgendwo hochsteigen, dann wäre ich raus gewesen oder wenn das Wetter schlecht gewesen wäre, obwohl dann hätte man es eh nicht gese. Aber insofern, ne? Also aber so bald kommst du ja nicht mehr in die Versuchung, dich über eine nicht so imponierende Sonnenfinsternis, wie du es dir vorgestellt hast, zu ärgern.
Stephan Seiler 33:09
Ja, es gibt ja aber auch Menschen, die reißen dann die ganzen Sonnenfinsternissen hinterher. Vielleicht ist auch quasi, vielleicht ist es auch gut so mit dem Mangel umzugehen, wenn man ein Mangelgefühl spürt, dann einfach sich so zu überhäufen damit, dass man sich satt essen quasi, dass das dann auch für immer dann gegessen ist, das Thema.
Brigitte Huber 33:25
Naja, aber es ist doch auch toll, wenn du. Ich finde schon, das hat man ja auch gehört, wie begeistert die Menschen teilweise waren danach. Die waren ja richtig beseelt. Also hat es ihnen was gebracht. Und da musst du sagen, dann unterschiedliche Reize oder die gleichen Reize lösen bei uns Menschen unterschiedliche Dinge aus. Da kommt unser Kopf dazu. Und wenn unser Kopf das so positiv eintütet, dass er sagt, das war jetzt ein einmaliges Erlebnis und dann hat man danach eine Endorphinausschüttung, der wäre ganz unglaubl. Dann ist es eigentlich wunderschön, weil der Moment an sich, hast du recht, ist vielleicht gar nicht so großartig, aber die Stimmen, die ich dann gehört habe, die waren schon wirklich teilweise extrem begeistert mit Tränen in den Augen und wie auch immer.
Stephan Seiler 34:11
Ja, total richtig. Ich habe auch Applaus gehört da im Mauerpark und Leute waren wirklich ganz beseelt und selbst als dann die Polizei kam, um den Hang zu räumen, sind alle eigentlich ganz, ganz lächelnd von dannen gezogen. Das ist ja in Berlin auch nicht selbstverständlich. Also von Sonnenfinsternis. Ich gebe dir noch eine Chance. Ich weiß aber nicht, ob ich 2070 dann dabei sein werde. Vielleicht habe ich dann anderes zu tun. Brigitte, nächstes Thema ist nicht mehr, wie war der Sommer zu dir?
Brigitte Huber 34:41
Also ich finde es ja immer schade, dass du schon so eine Vergangenheitsform sprichst. Für mich als Bayerin, muss ich sagen, geht der Sommer schon immer mindestens bis zum Ende der Sommerferien. Und da in Bayern die Sommerferien erst Anfang August anfangen und in der Regel bis Mitte September gehen, haben wir jetzt auch noch ein bisschen Sommer. Und auch ich finde, Spätsommer gehört ja zu den tollsten Veranstaltungen des Sommers. Also insofern bin ich noch nicht in der Vergangenheitsform und ich bin ja auch jemand, der Wärme ganz gut abkann Und insofern, und in Hamburg war es jetzt auch nicht irre warm, insofern mag ich Sommer gern, klar, mit all dem, was in diesem Sommer so krass war wie sonst nie, zumindest habe ich es noch nicht so erlebt mit den Waldbränden, mit dem Wassermangel. Also ich finde, das kann ich dann immer nicht ausklammern. Ich kann natürlich sagen, ich genieße das, dass ich jetzt den siebten Abend irgendwie an der Elbe bin und keine Jacke hätte mitnehmen müssen. Aber natürlich lässt sich das andere nicht ausklammern zu okay, der Klimawandel fällt uns da schon allmählich ziemlich auf die Füße.
Stephan Seiler 35:49
Das ist natürlich echt auch das ist ja irgendwie das Blöde. Du kannst die schönen Dinge, so wie früher, so ein Hitzesommer, den ich mit 13 Jahren gefeiert habe früher, den kann ich ja heute gar nicht mehr richtig genießen, weil ich ja darum weiß, wo das herrührt. Und klar, es gab immer mal wieder heißere Sommer, aber der Klimawandel scheint ja auch schon eine kleine Rolle zu spielen bei der Hitze aktuell kannst du dich davon trennen.
Brigitte Huber 36:11
Also was ich schon versuche, generell noch viel stärker in meinem Leben als früher, da selbstverständlich die Abwesenheit von Leid und Schmerz und so, was einfach nicht zu erwarten ist auf Dauer mich damit zu arrangieren, dass beide Dinge nebeneinander sind. Es ist Verlust, es ist Gefahr, es ist Schmerz. Also ich rede jetzt zum einen von der persönlichen Ebene. Wir verlieren Menschen, wir verlieren, was du vorher gesagt hast, an Gesundheit und so weiter und so fort. Und es gibt vieles in dieser Richtung. Und es gibt natürlich auch eine Situation, eine Krisenzeit in der Welt, mit der wir uns auseinandersetzen müssen. Jetzt versuche ich, also ich bin jetzt schon jemand, der das ernst nimmt und auch viel darüber spricht, auch viel darüber liest. Also ich schiebe das nicht weg. Ich bin jetzt nicht jemand, der neben mir die Sintflut oder so, aber ich versuche trotzdem dann das, was gut ist gerade in meinem Leben und was mir beschert oder was mir andere Menschen bescheren, umso mehr wertzuschätzen, weil diese, ich sage jetzt mal, naive Situation, dass alles gleichzeitig in Ordnung ist, die ist einfach naiv und wir können einfach nur gucken, dass wir das Beste machen, die Balance da einigermaßen immer wieder für uns finden, Die
Stephan Seiler 37:32
Dialektik des Lebens irgendwie aushalten.
Brigitte Huber 37:35
Ja, also ich, ich weiß, das war früher bei mir manchmal so, wenn ich gerade eine gute Zeit hatte, dass ich mir gedacht oh, jetzt muss eigentlich nur noch, ich sage jetzt mal, meine Oma gesund werden und dann ist eigentlich alles gut. Wenn jetzt auch noch meine Oma wieder gesund wurde, dann habe ich mir aber wenn alles gut schien, habe ich Angst gehabt, dass jetzt irgendwas passiert und es wird schlechter. Jetzt war ich schon als junge Frau, ich sage jetzt mal, habe ich mir viel Gedanken um Waldsterben und solche Dinge gemacht, das jetzt mal außen vor. Aber dass man sich wünscht, dass alles so gut ist und bleibt, wie es ist, das hatte ich als junge Frau schon immer wieder. Und natürlich kommt einem dann das Leben dazwischen und man merkt, das ist eben nicht so. Und du musst einfach mit all diesen Einschlägen links, rechts, egal ob sie jetzt persönlich sind oder gesellschaftlich, musst du leben, musst du umgehen. Da fällt mir sofort wieder unser Gespräch mit Dirk Steffens ein, trotzdem sich eben nicht von den negativen Sachen runterziehen zu lassen, sondern versuchen auf die optimistisch realistische Seite zu flüchten. Und darauf Energie zu holen. Und so kann man es vielleicht dann auch sehen, einen einfach unbeschwerten Tag, den einem der Sommer vielleicht schenkt, zu genießen und den gleichzeitig auch so ein bisschen als Energietank zu nutzen für die Sachen, die nicht so toll sind.
Stephan Seiler 38:55
Ja, das ist ja auch eine Frage der Einstellung, der Haltung.
Brigitte Huber 38:58
Ja, klar. Und es ist auch vollkommen klar, Wenn wenn von 10 Sachen, die mir wichtig sind, 8 bis 9 schlecht laufen, dann wird es wahnsinnig schwer, diesen Energietank immer wieder zu füllen. Aber wenn das so ein bisschen fifty fifty ist, dann ist das schon so ein bisschen meine Strategie, oder? Ich versuche es.
Stephan Seiler 39:18
Hattest du diesen Sommer auch Geburtstage, zu denen du eingeladen warst, vielleicht von Kindern zwischen 0 und sagen wir mal 10
Brigitte Huber 39:25
Jahren, ne jährige, Die gelten nicht mehr als Kinder, muss man ganz klar sagen. Aber ich glaube, du wirst auf was raus Warst du auf einem Kindergeburtstag?
Stephan Seiler 39:34
Ja, ich war auf Kindergeburtstagen von einem Zweijährigen und hab auch diverse Kindergeburtstage direkt bei mir vor der Tür sehen können, wieder im Mauerpark, im Berliner Mauerpark, Großer Park. Und das war jetzt an einem Sommersonntag so, dass quasi alle paar Meter da Wimpel an die Bäume gehängt wurden, Lampignons, Happy Birthday Schriftzüge waren da zu sehen, Helium Luftballons. Und es schien so, dass quasi sich verschiedenste Familien da überbieten zu wollen in Sachen wer richtet den besten Geburtstag für den Zweijährigen aus oder Dreijährigen oder Vierjährigen oder Fünfjährigen. Und das waren ja richtige. Also Gelage klingt vielleicht zu hart, aber es war quasi wie eine Party, wie ich sie zu meinem 18. Geburtstag nicht hatte und auch nicht zu meinem 25. Und auch in meiner erweiterten Familie habe ich das festgestellt. Da wird quasi bei dem zweiten, dritten, vierten Geburtstag ein so großes Bohai drum gemacht, dass jedes Jahr eine größere Veranstaltung ist. Immer Heliumluftballon gab es schon beim ersten Geburtstag, beim zweiten, beim dritten, bei jedem. Aber auch die Geschenke werden immer mehr und es sieht ein bisschen aus wie in der Geschenkeauslage beim Glücksrad, weißt du, so ein riesiges Wohnzimmer verpackt mit 20 Geschenken und dann steht dann der Zweijährige davor und weiß gar nicht, was das ist und was das soll. Und es wird aber auch erwartet von der Familie, dass alle da sind, weil man muss ja gegen Geburtstag riesig groß feiern. Und ich habe dabei natürlich wieder seltsame Gefühle gehabt und was für ein Kokolores, das braucht es doch gar nicht. Und dann habe ich noch so Scheingedanken gehabt. Vielleicht kennst du es auch. Was soll es den Kindern dann werden? Die werden doch verwöhnt, die wissen das vielleicht gar nicht mehr zu schätzen. Wie soll dann ihre Hochzeit eines Tages aussehen? Da muss dann die Hochzeit auf den Malediven stattfinden, damit es überhaupt noch eine Steigerung gibt und und kennst du diese Gedanken? Und ich hab so geschämt. Vielleicht bin ich auch einfach nur neidisch drauf, dass ich früher so was nicht hatte. Wie gehst du mit solchen Gedanken um?
Brigitte Huber 41:34
Ich würde mal sagen, obwohl du jemand bist, der glaubt, dass er sich an die Zeit im Mutterleib erinnert, würde ich sagen, die Zweijährigen werden sich gar nicht an diese Geburtstage erinnern. Natürlich wird man ihnen Fotos zeigen und schau, so haben wir dich schon so gefeiert. Also ich habe da schon auch eine zwiespältige Haltung dazu. Wenn die Leute feiern wollen, dann sollen sie das machen. Und es, glaube ich, führt ja nicht unbedingt dazu, dass die Kinder total verwöhnt werden dadurch. Dann werden die halt einmal im Jahr, weiß ich nicht, so ein bisschen in den Mittelpunkt gestellt. Ich würde mir da eher, ich habe mir das letztes Mal gedacht, meine Mutter und ihr Lebensgefährte waren hier in Hamburg und wir haben so eine Alsterrundfahrt gemacht und da war so ein kleines Kind, das einfach, ich sag jetzt mal, die ganze Zeit rumgetobt hat und alle Leute haben geguckt und das wurde aber nicht eingefangen, so gar nicht von den Eltern, so gar nicht. Wir wollten auch nichts sagen und die anderen haben irgendwie auch nichts gesagt. Und nur beim Rausgehen haben wir mit dem Bootsführer geredet und dann hat er gesagt, ja, er weiß da immer nicht, was er machen soll. Er hat nur gem, dass das jetzt schon irgendwie ein bisschen die ganze Situation. Also das hat die Leute natürlich genervt und das sind dann eher so Punkte, wo ich mir denke, dann lieber einmal im Jahr richtig auf die K**** hauen, hätte ich jetzt fast gesagt, sage ich natürlich nicht. Also richtig schön feiern, als dass man meint, dass ein Kind, das die ganze Zeit eine Stunde lang seinen Bewegungsdrang so ausleben darf, dass die anderen Menschen die Durchsage vom Kapitän nicht mehr hören. Also das war dann so der. Und da habe ich mich danach mit ein paar Leuten, die da auch waren, unterhalten und die hatten alle das gleiche Gefühl und trotzdem wollte auch keiner was sagen. Kennst du das?
Stephan Seiler 43:21
Das kenne ich total. Also man schweigt, dann fühlt sich damit unwohl, aber wenn man was sagen würde, dann ist es auch schwierig.
Brigitte Huber 43:27
Das, ja, dann kommt man sich vor wie so eine Oberlehrerin, so eine Spaßbremse.
Stephan Seiler 43:32
Ich habe vor kurzem einen Tipp gehört in einem Podcast, wie man damit umgehen könnte, nämlich, dass man die Leute dahingehend konfrontiert, indem man Sorge ausdrückt im Sinne sagen sie, ihr Kind tobt so rum und können wir irgendwas tun? Fehlt ihm was? Braucht es irgendwie was zu trinken? Können wir sie irgendwie unterstützen? Quasi, dass man keinen Vorwurf adressiert, sondern das Ganze in Sorge kleidet. Dann ist man nicht so angreifbar und löst die Situation so auf und kommuniziert gleichzeitig aber natürlich trotzdem, dass das Kind wahnsinnig laut ist und ungezogen gerade rumhopst.
Brigitte Huber 44:05
Ja, also das war in dem Fall natürlich, dass es sich um eine Stunde handelte, wo das Kind einfach immer nur hin und her gefetzt ist, wahnsinnig viel Energie hatte und wie auch immer. Das finde ich, sind schon so die Momente, wo man manchmal denkt, ist das nicht ein bisschen drüber? Wir wären damals in unserem Alter, hätte jemand gesagt, hey, bisschen ruhiger wir sind oder was auch sein kann, dass man ein Kleinkind ist nicht der optimale Passagier für eine relativ, sage ich mal, langweilige Fahrt. Kann auch sein. Also das ist ja dann auch so der Punkt, ist das Kind am rechten Ort. Aber ja, also das finde ich sind schon manchmal so diese Momente, wo ich in meinen verschiedenen Wertesystemen aneinander krache.
Stephan Seiler 44:50
Ja, glaube ich. Es würde mich auch wirklich interessieren, was unsere Community, was unsere Hörerinnen und Hörer dazu denken. Denn wie verhaltet ihr euch in solchen Situationen, wenn ein kleiner Plagegeist besonders plagegeistig herumspukt Und wie findet ihr das Wettrüsten bei Kindergeburtstagen sehe ich, dass wir gleich wirklich zu kritischen, bin ich wirklich zu neidisch? Wie geht es euch? Da hat sich vielleicht auch das Verhältnis verändert dazu. Also ich glaube, vor zehn Jahren war ich entspannter und ich glaube, ich wäre auch entspannter, wenn ich jetzt sehen würde, dahin feiern irgendwie Millionäre die Luxusgeburtstag für ihren dreijährigen Johann. Da wäre ich völlig entspannt, weil ich wüsste, das ist ja auch gar nicht meine, das bin ja gar nicht ich. Aber wenn ich merke, das sind Menschen, die sind ja so ähnlich wie ich und die machen jetzt ein Riesenbohheit rum, dann bekomme ich komische Gefühle. Bettler beneiden nicht Millionäre, sondern andere Bettler, heißt es doch.
Brigitte Huber 45:43
Also bei Millionären würdest du es durchwinken und bei normalen, da hast du eher Probleme.
Stephan Seiler 45:49
Genau, weil das quasi so, die sind sowieso so abgehoben.
Brigitte Huber 45:52
Das ist so wie wenn die Royals
Stephan Seiler 45:53
irgendwie sind, die sind sowieso abgehoben.
Brigitte Huber 45:55
Stephan. Gleichzeitig könnte man sagen, mich würde interessieren, warum die Eltern das so feiern. Dann weißt du, es sind ja wahrscheinlich die Eltern und ist es vielleicht tatsächlich so, was du sagst, ein heimliches Wettrüsten klingt jetzt ein bisschen böse als Wort, aber es ist halt inzwischen so, so wie wir damals katholischer Hintergrund, alle in der dritten Klasse zur Kommunion gegangen sind und dann hast du irgendwie weiße Klamotten gekriegt und so weiter. Es wird gesellschaftlich so erwartet. Kann sein, weiß ich nicht. Und das würde mich interessieren. Und da die Leute ja inzwischen nur mehr 1,3 Kinder bekommen im Schnitt, ist es ja auch gar nicht so häufig, also keine Ahnung. Und dann kann man sagen, vielleicht ist es auch ein schöner Moment, die Familie zusammenkommen zu lassen, Freunde der Kinder zusamm zusammenkommen zu lassen, Das Wetter passt. Also man kann auch sehr viel positive Argumente in die Waagschale werfen.
Stephan Seiler 46:49
Ja, total. Also auch die Verwandte, über die ich eben sprach mit den beiden Kindern, die große, aufwendige Geburtstage feiert mit Heliumballon und allem Möglichen. Sie hat es auch teilweise so erklärt. Sie sagt, wir möchten es zu besonderen Momenten machen für die Kinder. Wir hatten das früher nicht selbst, aber das soll für die Einfachen unvergesslich wunderschöner positiver Tag sein und vielleicht nicht so wie bei einem selbst früher, wo man vielleicht im besten Falle noch Topfschlagen machen konnte mit seinen zwei Freunden, die man einladen durfte. Und dazu gab es dann Marmorkuchen. Also ich glaube auch vielleicht auch in der Erwartungshaltung, dass man das postet auf Instagram und so, dass man guck mal, so haben wir gefeiert. Vielleicht ist auch so ein Statussymbol, das ist jetzt meine Interpretation wieder nicht die Selbstauskunft lieben Verwandten.
Brigitte Huber 47:35
Ja, also es klingt jetzt gar nicht so dramatisch, wenn man sich da mal zusammensetzt für ein paar Stunden und so, aber ich weiß, da verändern sich Dinge natürlich. Und das, was bei uns vielleicht an Topfschlagen war, ist halt heute die Party
Stephan Seiler 47:49
mit Wimpel und ganz tollen und Alleinunterhalter und da gibt es so einen Zauberer.
Brigitte Huber 47:54
Aber ich merke, ich spüre da schon bei dir noch eine Wunde bei dir. Vielleicht musst du deinen nächsten Geburtstag mit Zauberer und sowas machen und das mal nachholen.
Stephan Seiler 48:05
Ich miete mir ein Zirkuszelt. Du bist eingeladen.
Brigitte Huber 48:09
Ja, OK.
Stephan Seiler 48:10
Kommen wir noch zu unserer allerliebsten Rubrik, die du kreiert hast, nämlich meine Premiere. Deine Premiere. Hier kommt das Jingle. Meine Premiere.
Brigitte Huber 48:19
Deine Premiere, Brigitte.
Stephan Seiler 48:21
Was hast du diesen Sommer Neues gemacht, Neues gelernt, ein erstes Mal eine Premiere erlebt.
Brigitte Huber 48:28
Ich glaube, das willst du alles nicht hören. Nein, also ich habe tatsächlich eine Premiere erlebt, sehr technischer Art, weil das hast du ja mitgekriegt, dass während unserer, einer der letzten Aufnahmen, die wir gemacht haben, ist mein Router komplett in die Knie gegangen. Das heißt, es hat überhaupt nicht mehr funktioniert mit dem Aufnehmen. Ich brauchte einen neuen und ich habe mir dann kurz überlegt, ob ich mir verstärkung versuche zu holen, jemand der mir hilft, so was einzurichten. Dann habe ich kurz überlegt, ob ich es ganz alleine mache. Dann habe ich aber irgendwie gesehen, irgendwie ein QR Code oder sonst was. Und dann habe ich es mit Hilfe von KI gemacht und das hat auch geklappt. Und es war auch irgendwie ganz lustig dahingehend, dass wenn KI dann so mit dir spricht, wie wenn du ein zu motivierendes Kleinkind wärst. Kennst du das, wenn sie sagt, aber ich glaube, wir sind auf einem guten Weg, wir sind nur ein bis zwei Schritte entfernt und so. Und letztlich hat es dann auch geklappt. Also das war eine Premiere und tatsächlich so, dass du dann beim nächsten Mal auch wenn du dann merkst, keine Ahnung, irgendwas funktioniert noch nicht, einfach kurz ein Foto machst mit dem Handy und das auch da reingibst und dich da beraten lässt. Es war tatsächlich dann trotzdem dieses Gefühl, ich habe jetzt weder meinen Sohn fragen müssen, noch sonst jemand technikaffineren noch sonst irgendwas. Ich habe es allein hingegangen gekriegt. Ich weiß, dass ich früher auch mit Ja, aber wenn ich schon allein so eine zehnseitige Anleitung gesehen hätte, hätte ich schon gesagt, ich bin da raus. Und was da finde ich schon ganz spannend ist, wenn eine Sache nicht klappt, dann bist du mit so einer geschriebenen Bedienungsanleitung aufgeschmissen und das bist du dann halt nicht. Wenn du Ja, Junge, aber das passt jetzt gerade so nicht, dann findet das System einen anderen Weg.
Stephan Seiler 50:15
Also insofern, du hast ein KI Modell genommen. Magst du verraten, welches ChatGPT?
Brigitte Huber 50:19
Ich habe zwei am Start. Ich habe dann ChatGPT und Claude gleichzeitig und ich weiß gar nicht, wen ich da gerade genommen habe. Aber ja, das hat dann schon ganz gut funktioniert. Also es war tatsächlich so, ich weiß das jetzt von vielen Menschen auch, also wirklich auch älteren Leuten, deutlich älter als mir, dass die das einfach ganz gut zur Unterstützung hernehmen und dass das auch durchaus ein Versuch wert ist.
Stephan Seiler 50:47
Hat ja auch Andreas Olof, der KI Experte, war ja zu Gast bei uns vor ein paar Monaten, kann man sich noch mal anhören und hat genau das auch aufgetragen, dass wir es ausprobieren sollen, dass man auch egal in welchem Alter wir sind, es quasi wagen sollen. Und wer hat sie sagt das noch, dass wir auch nicht die technischen Dinge irgendwie wegdelegieren sollen.
Brigitte Huber 51:04
Oh ja, das sagt auch Hannah Monier. Gedächtnisforscherin die hat gesagt, das wäre einfach ein großer Fehler. Und insofern habe ich mir auch gedacht, komm, ich probiere es mal selber. Und es war wirklich an einer Stelle so habe ich gesagt, ich habe da jetzt draufgedrückt, aber es klappt nicht. Und dann hat der wieder Ja, aber hast du wirklich 20 und das unterschätzt man. Und ich finde es irgendwie immer so naseweiss. Und erst, wenn es wirklich weiß rot wild blinkt und dann habe ich gefühlt ungefähr 60 Sekunden drauf gedrückt und dann kam erst dieses weiß rot. Und dann habe ich Ja, da hätte Brigitte Huber früher aufgegeben, Lässt du denn
Stephan Seiler 51:39
lieber was von einem KI Modell quasi erklären und dich ein bisschen kommandieren als von einem Menschen oder weniger?
Brigitte Huber 51:46
Nein, am liebsten lasse ich mir von jemandem etwas erledigen. Ich habe es ganz gern, wenn jemand Ja, komm, setz dich hin, mach mach uns doch einen Kaffee, ich schließe den Router an. Genauso bin ich. Das ist mir mit Abstand am liebsten. Aber obwohl ich weiß, das ist nicht schlau und das sollte man auch nicht tun, aber trotzdem wäre mir das und ansonsten ist mir das fast egal. Bloß klar, Der Punkt ist also KI ist verfügbar jederzeit. Und wenn ich irgendwie dann noch mal ein Foto mache und das schicke und sage, muss es jetzt in die gelbe Buchse oder in die blaue, dann weist das Ding dann irgendwie relativ zügig beschäftigt und ich muss niemanden behelligen. Ich finde es ja gut und wichtig, dass man Leute um Hilfe bittet, aber man sollte auch immer wissen, wofür glaubt man jemandem am Samstagnachmittag die Zeit. Insofern hast du da Vorleben, Sprichst du, lässt du dir lieber von Menschen was sagen oder ich habe gar kein Problem, mir von der Navigationsstimme im Auto was sagen zu lassen, aber ich finde es sehr viel schwieriger, wenn mich mein nächstes der Mensch neben mir auf dem Beifahrersitz nicht so gut anleitet. Da ist mehr Konflikt, glaube ich, drin.
Stephan Seiler 52:58
Ja, dann rastet Brigitte aus im Auto.
Brigitte Huber 53:00
Ne, ich raste da nicht ein und sagt, ich dachte, ich soll jetzt gleich links. Nein, in 200 Metern. Und dann ist natürlich so eine Navigation
Stephan Seiler 53:08
unerschütterlich, Wobei ich auch ganz oft Google Maps verfluche. Google Maps und ich führe auch quasi Hassbeziehung, weil ich mich da auch ständig drüber aufrege, dass ich zu früh oder zu spät abbiegen soll.
Brigitte Huber 53:20
Ah ja, okay.
Stephan Seiler 53:21
Nervt mich ständig. Und ich muss sagen, um deine Frage zu beantworten, ich lasse mir tatsächlich lieber was von einem KI Modell erklären. Auf jeden Fall lieber als von Menschen, die ich eigentlich liebe. Also die allerliebsten Menschen, wenn die mir was erklären, eigentlich liebe, dann ja. Also ich liebe sie sonst immer. Außer wenn sie mir jetzt erklären, wie ich jetzt quasi den Router einrichten soll oder wie ich jetzt am besten von hier zum Bahnhof komme oder so, dann denke ich mir also das ist eine Frechheit oder andere Dinge. Das ist ganz seltsam. Da lass mir lieber von einem KI Modell erklären. Sorgt auch für weniger Spannung mit den Liebsten um mich herum.
Brigitte Huber 53:54
Und was als zweite Premiere, die mir noch eingefallen ist, ist, ich war seit langer Zeit wieder auf einem größeren Event und zwar allein, also auf dem Christopher Street Day in Hamburg. Und da war ich tatsächlich, das hat mir Spaß gemacht. Also das war auch wieder, weil ich
Stephan Seiler 54:11
vorher schon gesagt habe, du warst dein erstes Mal auf dem Zimmer.
Brigitte Huber 54:13
Also ich war das erste Mal auf dem CSD.
Stephan Seiler 54:15
Ja, toll, eine Novizin. Schön, freue ich mich.
Brigitte Huber 54:20
Und es war dann tatsächlich wirklich so, dass ich auch das wieder relativ spät mitgekriegt habe. Die Woche davor war ja in Berlin der Anschlag, das hat man schon mitgekriegt, aber dann hieß es irgendwann am Freitagabend habe ich zum ersten Mal gehört, dass er jetzt dann in Hamburg ist. Und dann habe ich mich relativ kurz entschlossen da am Samstag aufs Fahrrad gesetzt und bin da allein hingefahren, weil ich jetzt auch gar nicht so schnell gewusst hätte, mit wem ich da hinfahre und habe mir Ey, früher hast du so was so oft gemacht und jetzt machst du so was fast gar nicht mehr oder auf Demos gehen oder sonst irgendwas. Und das war eigentlich ein ganz schönes Déjà vu, etwas wieder zu machen, weil es geht ja letztlich auch schon darum zu Hey, ich bin hier, ich möchte, dass ihr das machen könnt, dass wir eine große, offene, freie Gesellschaft sind und ich möchte dafür hier auch mal stehen. Und ja, das war eine kleine Premiere nach vielen Jahren.
Stephan Seiler 55:16
Richtig gut. Also ich glaube, das ist erstmal super für mich als Angehöriger aus der queeren Community, würde ich sagen. Vielen, vielen Dank. Wir brauchen nämlich viel, viel mehr Unterstützung aus der heterosexuellen Welt, wenn nur die Nicht Heterosexuellen auf die Straße gehen, dann sieht es relativ klein aus, mickrig aus. Also von daher super hast du meinen persönlichen Support und meine Dankbarkeit dafür. Und ich habe aber auch eben gerade an einen Kumpel gedacht, der mir an dem Tag im CSD in Hamburg geschrieben Ah, ich sehe hier überall, hier sehen alle aus wie Pippi Langstrumpf. Ich verlasse besser mal die Stadt und okay. Und dann habe ich mit ihm telefoniert und dann meinte er ja, er hätte sich ja nicht so hingetraut und weiß ich nicht, das ist halt so komisch und er sieht doch viel zu normal aus. Und dann sagte ich, das ist doch genau das Fest der Vielfalt. Da kann jeder hinkommen, wie er will, egal was du anhast. Du musst ja nicht im Glitzertütü erscheinen oder irgendeine Puschel tragen oder Lack und Leder, sondern du kannst dich einfach anziehen, was du willst. Ich war ja auch ganz oft einfach in Shorts und T Shirt ohne irgendwelche Kostüme. Hattest du dieses Jahr irgendwelche Kostümierungen, irgendwelche kleinen Dinge?
Brigitte Huber 56:22
Ne, es war auch viel zu kurz dafür. Und es war dann wirklich so, das hatte ich dann eben schon auch. Ich verstehe, was da dein Kumpel meint, dass zwischen meinem normalen Outfit und dem Outfit der Leute, die tatsächlich da auch auf der Bühne, also tatsächlich auf der Straße liefen und so ein großer Unterschied war. Und dann habe ich mir wenigstens so ein Armband gekauft, um zu zeigen, ich bin ja, ich bin dabei.
Stephan Seiler 56:49
Ein Regenbogen Armband.
Brigitte Huber 56:51
Genau, ein Regenbogeneinband. Und das trage ich auch immer noch ganz gern. Und manchmal spricht man dann auch darü warst du auch da und so. Das finde ich ganz gut.
Stephan Seiler 56:58
Ich glaube das auch wirklich ein super erstes Mal, weil ich glaube, es gibt ja kaum eine Demo, die mehr die Arme öffnet für alle als so ein CSD. Das ist ja einfach ein Happiness Moment. Natürlich auch mit einer Bedeutung dahinter, aber da kann jeden nur motivieren, da hinzugehen. Es ist einfach ein großer, großer Spaß. Und wenn es nicht so schlimm läuft wie beim Berliner CSD, dann dürfte ich ja auch noch miterleben. Dieses Jahr war nicht weit weg von dem Terroranschlag, aber das ist vielleicht mal noch was für eine andere Form. Das ist natürlich dann auch ein unangenehmes erstes Mal gewesen. Da ist mir deins lieber.
Brigitte Huber 57:30
Ja, absolut. Also mein erstes Mal CSD und allein Also das war dann irgendwie so, dass man auf eine Demo geht und ich war halt noch nie alleine auf einer Demo. Ist mir dann eingefallen, dass ich das immer mit Menschen mache.
Stephan Seiler 57:45
Kamst du mit Leuten ins Gespräch oder?
Brigitte Huber 57:47
Also aber nur wirklich für ein, zwei Sätze.
Stephan Seiler 57:50
Aber manchmal ist es auch einfach schön, sich das Ganze anzugucken und sich mit den Augen spazieren zu gehen und die Menschen sich anzuschauen. Während du da warst, war ich an dem Wochenende bei Orcas im Mittelmeer an der Straße von Gibraltar. Hab zum ersten Mal in meinem Leben Orcas begleiten dürfen. Ich sage es, ich durfte sie wissenschaftlich erforschen. Orcas, genau, das sind diese Killerwale, die schwarz weiß. Viele kennen es ja noch aus dem Film Free Willy. Und die durfte ich dort in Wildnis quasi besuchen, zusammen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die da erforschen, um herauszufinden, wie die miteinander kommunizieren, damit die nicht immer die Schiffe anstupsen und die Schiffe zum Sinken bringen. Und habe da sehr viel auch noch mal gelernt über das Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Möchte ich gerne auch irgendwann noch mal mit dir drüber reden. Aber das war ein ganz, ganz tolles erstes Mal. Kann ich nur immer wieder mir selbst auch empfehlen. Raus in die Natur, Tiere, Natur, Umwelt, all das, was da passiert, diese ganze Magie, die lädt einfach einen so gut auf. Außerdem wurde ich zum ersten Mal in meinem Leben danach landkrank. Weißt du, was landkrank ist?
Brigitte Huber 58:55
Ich kann es mir vorstellen, wenn du einfach so an die Wellenbewegung der See adaptiert wurdest mit deinem Körper, dass dir dann schlecht wurde am Land.
Stephan Seiler 59:05
Ja, ganz genau. Zwei Tage lang hatte ich quasi so eine innere Acht, so ein inneres Achterbahngefühl. Ich habe es geliebt, war ein bisschen schwindelig, aber ich fand es gar nicht so schlecht. Gerne. Das ist eine gesundheitliche Einschränkung, die gerne noch mal kommen kann.
Brigitte Huber 59:18
Aber sag mal, du bist nicht seekrank geworden, ne?
Stephan Seiler 59:21
Auf hoher See, da habe ich mich wohlgefühlt unter den Orcas. Weißt du, die Orcas und ich hatten super. Ja, wir sind jetzt eins.
Brigitte Huber 59:28
Ihr Orcas, ihr Killerwale.
Stephan Seiler 59:30
Wir Killerwale. Genau, wir Killerwale unter uns. Vielen Dank für deine Premieren des Sommers. Bitte teilt uns auch gerne, was ihr diesen Sommer erlebt habt, was ihr Neues aus ausprobiert habt, was ihr vielleicht gelernt habt, vielleicht hat jemand von euch Chinesisch gelernt in drei Wochen oder in sechs Wochen gelernt, weiß nicht, auf einer Hand zu balancieren und dabei noch 10 Flick Flack zu machen, all sowas. Solche Geschichten sind ja immer gerne willkommen und auch alles Niedrigschwelligere genauso. Brigitte, jetzt haben wir am Ende eigentlich nur noch eine Aufgabe und zwar die Challenge von vergangener Woche. Was sollten wir tun?
Brigitte Huber 60:05
Also es ging uns ja um das Thema Einsamkeit, Kontakt mit Menschen zu finden und zu halten. Und wir hatten uns vorgenommen, auf deine Anregung hin, dass wir mit jemandem eben Kontakt aufnehmen, von dem wir glauben, dass er sich vielleicht freuen würde. Stimmt's?
Stephan Seiler 60:24
Ja, ganz genau. Das war der Plan. Und da draußen haben ja bestimmt auch alle mitgemacht, alle Zuhörerinnen und Zuhörer. Alle Challenges, die wir hier so besprechen, gelten ja natürlich immer für alle.
Brigitte Huber 60:34
Und hast du es gemacht?
Stephan Seiler 60:35
Ja, ich habe es gemacht und es hat einmal gut getan und einmal war es ein bisschen anstrengend, hat aber am Ende sich trotzdem genug einmal mit einer sehr, sehr guten Freundin von mir gesprochen, die ich lange nicht gesprochen hatte und es tat einfach so gut. Am Sonntagnachmittag, wenn andere am See waren, saß ich auf dem Balkon und habe einfach zwei Stunden mit ihr telefoniert und es war genau das, was ich mir ersehnt hatte, dieses warme, wohlige Gefühl der Verbundenheit. Und es war überhaupt nicht befremdlich oder so. Man weiß ja, dass man lange Zeit keine wirkliche Muße hatte füreinander muss man ja nicht mehr so artikulieren und sich dafür entschuldigen. Ist ja auch völlig okay unter Freundinnen und Freunden, da gibt es ja auch eine große Rücksichtnahme. Und das hat gut getan, einfach wieder anzuknüpfen und nicht, das habe ich in den letzten Monaten halt ganz oft gemacht im Sinne, ach ja, ich hab letztes, jetzt haben wir eh schon 3 Monate nicht gesprochen, jetzt kommt es auf die Woche auch nicht mehr an, nächstes Wochenende über 8 ist immer noch Zeit, ne, Einfach mal machen. Einfach mal machen, finde ich, trifft es bei der Geschichte wirklich ganz gut.
Brigitte Huber 61:38
Und hast du gesagt, dass sie eine Challenge war oder hast du so getan, als würde ich ein bisschen hart?
Stephan Seiler 61:45
Ja, es war ja auch das Bedürfnis, tatsächlich sie anzurufen, Ne, das wollte ich jetzt auf keinen Fall da sagen. In meinem zweiten Telefonat auch nicht. Da war es nämlich dann auch eher so ein Gespräch, so im Sinne, wir müssen endlich mal reden und wir müssen das auch mal besprechen. Und da war quasi noch so ein paar Dinge in so einer Freundschaftsgruppe, Einer davon, der manchmal ein bisschen extravagante Dinge macht und der aber auch dann manchmal von den anderen Freunden so ein bisschen bestraft wird mit Rückzug. Da habe ich nee, ich rufe den jetzt mal an und dann reden wir einfach mal drüber. War natürlich dann ja nicht nur, also gab auch manchmal dann so kleine argumentative Disputsituation, war aber völlig okay, weil es respektvoll gelaufen ist und wir am Ende auch dann quasi lass uns bald wieder treffen und Bier trinken gehen, da kriegen wir das auch alles wieder hin in der Gruppe. Und das hat mir auch gezeigt, da war ich übrigens auch gerade bei den Orcas. Ich kam gerade von den Orcas zurück, von den Killerwalen und war auch bei 35 Grad in der Sonne Spaniens, war ich da an Land und dachte ja, jetzt habe ich noch eine Stunde Zeit bis zum Flughafen muss, dann rufe ich jetzt ihn an und verdattel jetzt nicht die Zeit irgendwie auf Instagram oder so. Und das hat mir auch gut getan im Sinne von, man kann solche Gespräche auch an vielen Orten führen. Es gibt man tausend Ausreden, aber auch da kann man es einfach mal machen.
Brigitte Huber 63:02
Ja, super, klingt doch gut. Ich hab tatsächlich gemerkt, es gibt jetzt niemanden, den ich eins zu eins anrufen könnte. Also verstehst du, ich habe jetzt nicht mehr eine Oma, wo ich das Gefühl oh man, da wäre ich jetzt irgendwie ja vielleicht wieder mal fällig, weil es ja auch darum ging, vielleicht bei der anderen Person die Einsamkeit zu zerstreuen. Also das ist mir nicht gelungen. Allerdings, ich habe so ähnlich wie du gemacht. Ich habe zum einen mit einer Freundin von früher Kontakt aufgenommen, was über Social Media gar nicht so schwer ist, die ich aber seit Jahren, ich möchte sagen Jahrzehnten, nicht gesehen habe. Und die treffe ich jetzt demnächst und da freue ich mich auch drauf. Aber das ist auch nicht, um deren Einsamkeit zu zerstreuen. Die wird nicht einsam sein. Aber das ist einfach, dass man sagt okay, es gibt mich noch, ich melde mich. Aber was ich tatsächlich letztes Mal schon gemacht habe und was ich mir so ein bisschen vornehme, da war so eine größere Veranstaltung und ich habe tatsächlich dann mit der Person gesprochen, von der ich das Gefühl hatte, sie steht so ein bisschen alleine da kennst du das kenne ich, das war dann sehr nett, das hat auch nichts mit Einsamkeit zu tun, aber jeder kennt, glaube ich, diese Situation. Man ist auf einem Event und man kennt leider niemand.
Stephan Seiler 64:16
Ja, total. Da steht man alleine am Stehen und
Brigitte Huber 64:19
hätte sich am Ende aber schon vom Buffet bedient und weiß nicht so recht. Und das war dann auch sehr, sehr nett, also niedrigschwellig, dass man sagt, okay, das mache ich jetzt. Also ich hätte da in dem Fall Anknüpfungspunkte gehabt und die hatte ich dann auch wieder. Aber dass man dann mal 10 Minuten oder Viertelstunde mit jemandem anderen spricht und
Stephan Seiler 64:43
ja, so was waren die Gesprächsinhalte? Also was hast du?
Brigitte Huber 64:46
Ja, in der Regel spricht man, also war jetzt in meinem Fall dann so, wieso ist diese Person auf dem Event, weißt du, woher kennst du die und was habt ihr für eine gemeinsame Vergangenheit und so weiter und so fort. Und so entwickelt sich ja dann in der Regel auch ein Gespräch nach vorne.
Stephan Seiler 65:02
Aber würdest du auch so ein Gespräch beginnen im Sinne von, guck mal, wir beide sind jetzt die übrig Gebliebenen, dann komme ich mal zu dir. Also quasi diese komische Situation aktiv benennen und aufgreifen Oder würdest du sagen, dass es keine.
Brigitte Huber 65:12
Also ich habe das, das jetzt allerdings schon länger her, vor einem halben Jahr bei so einem Osterfeuer, da war es tatsächlich so, da bin ich mal mit einer Person, also mit einer Frau ins Gespräch gekommen und die hat gesagt, ich bin eigentlich hier eher immer die, die gar niemanden kennt oder sowas und so ein bisschen ungesellig und so. Und das fand ich total lustig und proaktiv und progressiv, weil die das benannt hat. Die wirkte auch eigentlich gar nicht so, aber es war dann so und und das fand ich da sehr gut. Und ich mag dieses, wenn man irgendwo sitzt, zum Beispiel Tischordnung und du sitzt zufällig irgendwo. Jetzt passiert mir das ja häufig nicht mehr so viel, aber früher, wenn du im Job irgendwo mal unterwegs bist, dann landest du einfach irgendwo und ich weiß gar nicht, wer es uns dann lieber
Stephan Seiler 66:00
am anderen Ende des Tisches meistens ja,
Brigitte Huber 66:03
aber man kennt sich nicht. Und dass man dann, was wäre denn ein Thema oder eine Frage, die sie gern gefragt werden wollen? Und das zum Beispiel ist ja wirklich so ein Auftauer, weil das ist extrem ungewöhnlich, weil das fragst du das Stellst du dann?
Stephan Seiler 66:21
Also die Frage stellst du dann?
Brigitte Huber 66:22
Nee, nee, nee, das habe ich als Ratschlag bekommen von jemandem, der damit schon sehr gute Erfolge gehabt hat, der das zuerst selber erlebt hat. Und dann sitzt du da und sagst boah, was würde ich jetzt gern gefragt werden, Aber du bist schon hundertprozentig aus dieser Wetterdiskussion raus und kommst nicht so schnell auf Deutsche Bahn oder so, sondern du überlegst dir ja, was würde ich über was, in Wahrheit heißt es ja, über was würde ich gerne reden? Und wenn du dann sagen würdest, ja, ich würde so wahnsinnig gerne über meinen Podcast sprechen und dann könnte die Person dich ja was hast du denn oder was haben sie denn für einen Podcast? Das finde ich schon eine sehr, sehr clevere Einstiegsfrage.
Stephan Seiler 67:00
Das sind super Tipp. Brigitte. Ich habe teilweise auch mitgeschrieben ein Füllhorn an kleinen Lifehacks, die das Leben leichter machen, die Sache mit dem Älterwerden noch ein bisschen angenehmer gestalten können. Danke dafür.
Brigitte Huber 67:13
Sehr gerne. Also wie gesagt, ich gebe meine Tipps ja oft auch nur weiter. Ich wusste gar nicht, ob wir den im Podcast gehört haben oder so, aber anscheinend nicht, sonst wüsstest du ihn auch. Und ich fand das schon sehr spannend.
Stephan Seiler 67:25
Brigitte vielen Dank. Wollen wir Deckel drauf machen? Das ist wieder eine lange Folge geworden. Es gab ja auch viel zu besprechen heute. Vielen Dank da draußen für eure Geduld, aber es gibt ja wirklich viel zu besprechen. Der Sommer war intensiv und ist es ja immer noch. Der Sommer ist noch nicht ganz so weit.
Brigitte Huber 67:40
Einfach ein bisschen vorspulen, wenn ein Thema nicht interessant ist für einen richtig.
Stephan Seiler 67:44
Nächste Woche wird es dann sportlich hoffentlich. Wir haben es ja schon eben verraten. Schaltet dann wieder ein. Wir freuen uns drauf. Und damit würde ich sagen, beschließen wir
Brigitte Huber 67:54
die Impuls beschleunigt sich schon. Ich nehme schon Haltung auf.
Stephan Seiler 68:00
Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wenn euch diese Folge gefallen hat, dann folgt uns, abonniert uns, schreibt uns Nachrichten und Kommentare. Das ist womöglich.
Brigitte Huber 68:09
Ja, schreibt uns gerne. Das könnt ihr natürlich über Spotify machen oder Apple oder YouTube oder ihr meldet euch über Instagram oder Facebook. Facebook oder haben wir nicht auch eine E Mail Adresse?
Stephan Seiler 68:21
Stephan Richtig, Postuberseiler DE könnt ihr uns auch schreiben. Freuen wir uns drüber, auch wenn ihr bestimmte Themen wünscht, Dinge ganz anders seht als unsere Expertinnen, Experten oder wir, dann bitte schreibt uns jederzeit gerne, falls ihr bei uns werben möchtet, freuen wir uns auch. Wir sind ja ein kleiner unabhängiger Podcast. Brigitte und ich, die Sache mit dem Älterwerden machen, stemmen wir quasi komplett ohne großen Partner an unserer Seite. Deshalb braucht man die Unterstützung von Werbung. Ich weiß, es ist manchmal ein bisschen nervig, wenn zwischendurch Werbung kommt, aber anders könnten wir diesen Podcast nicht produzieren. Ihr könnt euch an Luise Abraham und ihr Vermarktungsteam von Zebra Lucian wenden, wenn ihr eine Werbung schalten möchtet.
Brigitte Huber 69:04
Ja, und dann möchten wir uns natürlich noch bedanken bei den Menschen, die mit uns zusammen diesen Podcast auf die Reihe bringen.
Stephan Seiler 69:15
Und das ist zum Beispiel unser Sounddesigner Leo Ebert Klang und Bennet Polenz, der sich um unsere Social Media Kanäle kümmert
Brigitte Huber 69:21
und Alina Zavalis, die uns die schöne Kachel gebastelt hat.
Stephan Seiler 69:25
Vielen Dank an Sie und natürlich an euch da draußen fürs Zuhören, fürs Einschalten, fürs Dabeibleiben. Wir freuen uns wahnsinnig darüber, dass ihr da seid. Wir, wir hören uns vielleicht nächste Woche Mittwoch. Bis dahin macht's gut. Fröhliches Älterwerden.
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51
·
53 Min.
Mit
Brigitte & Stephan
Wieso aktualisieren wir unser Smartphone öfter als das Bild von unseren Mitmenschen?
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