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Wieso gilt der Penis als die Antenne des Herzens, Jonathan Apasu? Und warum kann diese für Männer lebensrettend sein? (Interview 2/2)

In der Fortsetzung unseres intensiven Gesprächs mit dem Männerarzt Dr. Jonathan Apasu geht es ans Eingemachte: Wir brechen Tabus!

Gesundheit

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Überall, wo es Podcasts gibt:

Es geht um die männliche Sexualität und klären, warum Erektionsstörungen oft ein Frühwarnsystem für das Herz sind (und auch schon kleine Veränderungen ein Indiz für ein akutes Herzkreislaufproblem sein können). Wir diskutieren, ob das beliebte 7-Minuten-Training ausreicht oder ob wir für echte Langlebigkeit doch eher auf schwere Gewichte setzen müssen. Ihr erfahrt, wieso Depressionen bei Männern oft unentdeckt bleiben und wie man den inneren Schweinehund bei der Vorsorge besiegt. Wir lernen, warum es nie zu spät ist, mit Sport zu beginnen – egal ob man 40 oder 80 ist.

Eine Folge voller medizinischer Insights, persönlicher Anekdoten und einem Plädoyer für mehr Offenheit und echtes Bauchgefühl.

Kapitelmarken

  • 00:00 Intro & Rückblick auf Teil 1

  • 02:22 Die Fitness-Lüge? 7-Minuten-Training vs. echte Progression

  • 05:51 Biologisches Altern messen: VO2 Max & Muskelkraft

  • 09:44 Sport-Premieren & warum die Achillessehne bei 40+ oft streikt

  • 15:29 Männliche Sexualität: Warum wir über Erfolge reden, aber über Probleme schweigen

  • 19:29 Gefäß-Check: Warum der Penis die „Antenne des Herzens“ ist

  • 21:38 Die blaue Pille: Organische Ursachen vs. psychischer Leistungsdruck

  • 28:27 Andropause: Gibt es die männlichen Wechseljahre wirklich?

  • 34:20 Schattenseiten: Einsamkeit und unterdiagnostizierte Depressionen

  • 42:47 Der ultimative Vorsorge-Fahrplan für Männer von 35 bis 65

  • 46:17 Jonathans Premiere: Vom Arzt zum Gründer und zum ersten Triathlon

  • 56:02 Entweder/Oder: Proteinshake, Eisbad und das Bauchgefühl

  • 1:02:17 Brigittes und Stephans Fazit & Hörtipps

Transkript zur Folge

Jonathan Apasu 0:00
Es kommt darauf an. Ja, es kommt darauf an. Also Männer, die jetzt beispielsweise, haben wir ja auch bei uns mit den vielen Patienten, die wir schon gesehen haben, mit 45 die letzten 20 Jahre hat man keinen Sport mehr gemacht, man hat ein Übergewicht entwickelt, man schläft schlecht, man ernährt sich ungesund und hat entsprechend auch jetzt einen Testosteronmangel, der grundsätzlich auch eine Therapie rechtfertigt. Wenn solche Männer ihren Lebensstil komplett umkrempeln, sich wieder gesund ernähren, die Körperkomposition wieder verbessern, Muskelmasse aufbauen, Fettmasse verlieren, Dann kann allein durch diese Verbesserung des Lebensstils, die Verbesserung der Körperkomposition, kann der Testosteronwert sich wieder erhöhen und wieder in den Normbereich ansteigen. Wenn man sich die reinen Studien anschaut, dann ist prozentual gesehen, sind mehr Frauen von Depressionen betroffen als Männer. Ja, wenn man das anschaut. Aber es ist davon auszugehen, dass die Depression beim Mann stark unterdiagnostiziert ist, also dass viele Männer eine Depression haben, ohne dass diese erfasst wird, weil sich die Depression beim Mann anders manifestiert, anders zeigt als bei der Frau.

Stephan Seiler 1:06
Männer und auch liebe Frauen, hallo zu Teil 2 unseres Interviews mit dem Männerarzt, mit Dr. Jonathan Apasu. Wir haben vergangene Woche in Teil 1 uns schon über Testosteron, über Muskeln und über die Frage unterhalten, Warum Männer lieber zum TÜV gehen als zum Doktor und wieso das nicht immer ganz die beste Idee ist. Heute geht es weiter. Teil 2. Jetzt wird es richtig intim. Dr. Jonathan Apasu hat so einige Infos für uns, auch für mich gehabt, die mich dann doch das ein oder andere Verhaltensmuster noch mal überdenken lassen. Ich sage nur Arztbesuche und Vorsorgeuntersuchungen. Und noch so 2, 3 andere Dinge, die mit dem besten Stück zu tun haben. Also viel Spaß jetzt mit dieser Folge und am Ende wird dann auch Brigitte wieder dabei sein und mit mir gemeinsam auf das Gehörte zurückblicken. Ich bin Stephan Seiler.

Brigitte Huber 2:09
Ich bin Brigitte Huber. Und das ist Die Sache mit dem Älterwerden.

Stephan Seiler 2:22
Männer sind ja auch faul. Entschuldigt bitte da draußen die Vereinfachung meinerseits, aber ich glaube, viele Männer sind ja auch bequem und hätten gerne manchmal auch so ein kleines Schlupfloch, so eine Abkürzung. So was wie, ich mache seit Jahren so ein 7-Minuten-Programm, was 7 Minuten dauert, aus 10 oder 12 Übungen besteht, die jeweils eine halbe Minute gemacht werden. Liegestütze eine halbe Minute, so viel wie man kann. Dann dieses an der Wand Sitzen und noch ein paar andere Sachen. Das macht Spaß, auch gerade wenn man es zu zweit macht und wenn daraus dann so eine Art Wettkampf wird. Und der Reiz für mich ist aber auch, dass es so kurz ist. 7 Minuten, fertig. Und da bilde ich mir ein und rede mir ein, dass ich jetzt wirklich was ganz Großes für meinen Körper geleistet habe. Du schüttelst schon so leicht mit dem Kopf, rollst die Augen. Findest das nicht so gut?

Jonathan Apasu 3:07
Also ich stimme dir nicht zu, dass Männer grundsätzlich faul sind, sondern ich nehme Männer als sehr fleißig, sehr ehrgeizig, sehr motiviert wahr. Ich habe manchmal nur das Gefühl, dass die Prioritäten falsch gesetzt sind. Es gibt Männer, die übergewichtig sind, dicken Bierbauch haben, die aber 15 Stunden am Tag in einem Office sitzen und da das Beeindruckendste, die beeindruckendsten Unternehmen gebaut haben. Also sie sind überhaupt nicht faul, aber die setzen die Prioritäten irgendwo falsch. Und ich glaube, da muss so ein Umdenken stattfinden, dass dieses Thema Gesundheit nicht was Nerviges, ein Nebenthema ist, um das man sich leider kümmern muss und wo man dann halt sagt, okay, ich möchte da so wenig wie möglich Zeit drauf allozieren. Sondern dass das eben als eine sehr riesige Ressource betrachtet werden kann. Zu sagen: Okay, ich will eigentlich vor allem mein Unternehmen bauen oder für meine Familie da sein. Aber um das bestmöglich zu machen, muss ich eben auch bei bestmöglicher Gesundheit sein und habe entsprechend auch die Zeit und mache mir die Zeit für meine Gesundheit, genau proaktiv zu sein. Und ich glaube da, wenn man sich dafür entschieden hat, dann kann auch das Programm, das man dann durchzieht, das kann dann auch effizient sein. Also auch wie du beschreibst, Wandsitzen 7 Minuten. Das ist schon ganz ordentlich.

Stephan Seiler 4:19
Und ich würde sagen, nicht 7 Minuten Wandsitzen, eine halbe Minute Wandsitzen. Das Gesamtprogramm besteht aus 10 verschiedenen Übungen und davon eine halbe Minute Wandsitzen, eine halbe Minute Kniebeugen, halbe Minute Liegestütze und so weiter.

Jonathan Apasu 4:31
Und das würde ich sagen, ist ein guter Start, damit zu beginnen. Insgesamt ist es aber so bei gerade diesen Übungen, der Körper, der Körper ist auch nicht faul, sondern der Körper ist extrem effizient und der merkt, wenn du immer nur diese 7 Minuten Reiz setzt, dann muss ich zum gewissen Grad gehen und mehr brauche ich nicht. Und du willst ja aber eigentlich einen Progradienten, also einen immer stärker größer werdenden Reiz setzen, sodass du eigentlich dein 7-Minuten-Training, das müsste sich eigentlich Woche um Woche oder Monat um Monat so ein bisschen verlängern und ein bisschen intensivieren, dass dein Körper nachzieht und sagt, okay, jetzt braucht der Stephan aber ein bisschen mehr Muskeln, um eben nicht nur 7 Minuten durchzuhalten, sondern 8 Minuten. Und nur so, wenn du Progrädienz schaffst in deinem Training, Nur so wird sich dann auch der Körper entsprechend anpassen mit dem Reiz oder um auf diesen Reiz zu reagieren.

Stephan Seiler 5:22
Also ich muss die Belastung immer weiter steigern. Meinst du das mit diesem Fremdwort?

Jonathan Apasu 5:27
Das ist ja richtig. Das ist auch wieder ein englisches, aber grundsätzlich schwieriges Wort. Das genau. Die Belastung muss Schritt für Schritt erhöht werden. Sei es jetzt, wenn das jetzt eigene Übungen sind, die einfach eine gewisse Zeit ablaufen, dann muss die Zeit eben verlängert werden. Oder wenn das Übungen sind mit Gewicht, dann muss das Gewicht eben erhöht werden. Schritt für Schritt.

Stephan Seiler 5:51
Kann man denn mit Sportarten oder mit anderen Dingen das biologische Altern tatsächlich verlangsamen?

Jonathan Apasu 5:57
Ja, also die Frage ist immer, wie misst man das biologische Alter? Da gibt es ja also chronologisches Alter ist immer einfach, ein Blick auf den Kalender. Aber das biologische Alter kann ja auch gemessen werden. Da gibt es ja auch verschiedene Methoden, wie man das macht. Und definitiv, wenn du Sport machst, wenn du Muskelmasse erhältst, wenn du deine Ausdauerleistung, deine VO2max, also deine Gesamtsauerstoffverbrauchskapazität erhöhst, ja, was auch so ein sehr, neben der Muskulatur auch ein sehr wichtiger Faktor ist, um so Langlebigkeit sich anzuschauen. Also VO2max, das ist die maximale Sauerstoffkapazität, die dein Körper abrufen kann. Das heißt, wie viel Sauerstoff kann dein Körper maximal in einem gewissen Zeitraum verbrauchen und das misst halt sehr gut die Lungenfunktion. Wie viel Sauerstoff kannst du aufnehmen? Wie gut ist dein Sauerstofftransport? Also wie gut arbeitet das Herz? Wie gut kann der, können deine Zellen Sauerstoff aus dem Blut rausziehen, den Sauerstoff verbrauchen und dann wieder auch abgeben? Das ist auch ein sehr guter Marker für wie gut funktioniert dein gesamtes Herz-Kreislauf-System. Und das kannst du auch durch Sport sehr gut verbessern und auch optimieren.

Stephan Seiler 7:08
Du hast gerade schon die Lunge angesprochen. Da denke ich an Ausdauersport, an Joggen, an Fahrradfahren. Davon ist ja, wenn man sich so die großen Influencer der letzten Jahre anguckt, kaum mehr die Rede. Die reden ja nur quasi alle vom Muskelaufbau. Was ist aus dem guten alten Ausdauersport geworden? Der soll uns doch lange vital und fit halten.

Jonathan Apasu 7:28
Für dich? Also ich glaube, auch da kommt es ein bisschen drauf an, in welche Bubbles man schaut. Ja, es gibt ja auch die, also diese ganz langlebigkeitsfokussierte Bubble, die schaut vor allem auf das, auf diese VO2max. Ja, also die, auf die Sauerstoffgeschichte, auf die maximale Sauerstoffkapazität, die der Körper abrufen kann. Und die trainierst du vor allem durch Ausdauersport. Ja, vor allem durch sehr lange Belastungen in niedriger niedriger Belastungshöhe, ja, gewisse langsam laufen, aber lange. Genau richtig, langsam laufen, aber lange. Oder durch so hochfrequente Intervalltrainings kannst du diese VO2max verbessern. Und da wird schon sehr viel drüber gesprochen, weil eigentlich der stärkste Predictor für die Langlebigkeit, also der stärkste Voraussagewert für die Langlebigkeit, Entschuldigung, ist diese VO2max. Und der zweitstärkste ist dann die Muskelkraft. Ja, nicht unbedingt die Muskelmasse, sondern die Muskelkraft. Die aber wiederum natürlich auch mit der Muskelmasse in gewisser Weise korreliert.

Stephan Seiler 8:29
Wie wichtig ist Beweglichkeit?

Jonathan Apasu 8:31
Beweglichkeit nimmt häufig eine untergeordnete Rolle ein. Beweglichkeit zusätzlich zu machen wird von vielen propagiert, um eben Verletzungsprophylaxe zu betreiben, um eben dafür zu sorgen, dass man auch langfristig sportlich aktiv sein kann. Aber jetzt gerade mit Bezug auf die Langlebigkeit ist vor allem diese maximale Sauerstoffkapazität als auch die Muskelkraft und Muskelmasse dann als stärker zu bewerten als die Beweglichkeit.

Stephan Seiler 9:01
Und wenn du sagst, so die Länge macht's, nicht die Intensität, ist Spazierengehen unterschätzt? Sollten wir öfter spazieren gehen, statt schnell zu rennen?

Jonathan Apasu 9:10
Also auch Spaziergänge sind super wichtig und auch sehr förderlich für die Gesundheit. Aber wenn man spezifisch jetzt beispielsweise Muskelmasse, Muskelkraft erhöhen möchte, oder auch diese VO2max, also die maximale Sauerstoffkapazität erhöhen möchte, dann muss man schon dediziert dafür auch diese Trainingseinheiten machen. Aber natürlich, ein Spaziergang draußen ist auch sehr förderlich. Und wie beschrieben, gibt es ja auch Studien, die sich quasi nur anschauen, was für einen Effekt hat es, regelmäßig spazieren zu gehen auf die Gesundheit. Und auch das hat einen sehr guten positiven Effekt schon.

Stephan Seiler 9:44
Welche Sportarten kannst du sonst noch empfehlen? Ich habe kürzlich gelesen in der Zeitung, der guten alten gedruckten Süddeutschen Zeitung, dass wissenschaftliche Studien ergeben hätten, dass es auch wichtig sei, verschiedene Sportarten zu kombinieren, dass also die Vielfalt oftmals mehr bewirkt, als wenn ich nur jogge und dafür jeden Tag.

Jonathan Apasu 10:03
Also dann ist die Frage, auf was haben diese Studien geachtet, diese Vielzahl an verschiedenen Sportarten sich anzuschauen und zu sagen, es ist besser, viele verschiedene Sportarten zu machen? Das ist mir tatsächlich neu. Was ich schon sehr häufig gehört habe, ist, dass vor allem am wichtigsten ist, dass die Sportart, die man für sich ausgewählt hat, die ist, die einem auch am meisten Spaß macht. Weil da geht es wieder darum, das ist kein Sprint, den ich jetzt nur 2, 3 Wochen durchhalten möchte oder muss oder nur 2, 3 Monate, sondern im besten Fall ist es etwas, dass ich einen Sport finde, den ich in mein Leben integriere, den ich ja viele, viele Jahre oder Jahrzehnte machen kann. Kann man natürlich vielleicht auch mal zwischendrin wechseln, aber es muss vor allem Spaß machen, dieser Sport. Und wo finde ich heraus, welcher Sport mir Spaß macht? Vielleicht ist es das, was einem früher mal Spaß gemacht hat. Wenn ich früher Fußball gespielt habe, dann ist es vielleicht jetzt auch der nächste Sport, den ich auch mit 40 wieder machen kann. Auch da natürlich immer langsam anfangen. Aber man muss eben den Sport finden, der einem Spaß macht. Was ich mir vorstellen könnte, weswegen die Kombination von verschiedenen Sportarten als wichtig betrachtet wurde, ist zu sagen: Okay gut, wenn ich jetzt meine Langlebigkeit die maximale Sauerstoffkapazität optimieren möchte, dann brauche ich natürlich auch Ausdauersportarten da drin. Aber wenn ich auch Muskelmasse verbessern möchte, Muskelabbau reduzieren will, muss ich auch irgendwo eine Sportart machen, wo meine Muskulatur gefördert wird. Ja, weil wenn ich immer jeden Tag nur joggen gehe, dann wird sich da meine Muskulatur im Oberkörper nicht massiv davon profitieren, sodass man da das Joggen mit noch einer Kraftsportart, Krafttraining kombinieren sollte.

Stephan Seiler 11:36
Ich habe vor kurzem wieder mit Handball angefangen, also vor 2 Jahren. Ungefähr. Habe früher als Jugendlicher ganz, ganz viel gespielt, dreimal die Woche trainiert, 2-, 3-mal plus Spiel am Wochenende. Und als ich jetzt wieder mit Anfang 40 angefangen habe mit Handball, habe ich mich durch die Präsenz so vieler jüngerer Menschen um mich herum offenbar ermutigt gefühlt, es gleich zu übertreiben. Hatte dann einen Fersensporn nach kurzer Zeit und konnte erst mal ein paar Monate gar nicht mehr gehen. Und jetzt auch immer wieder Probleme mit der Schulter. Vor kurzem in unserer Folge mit Micky Beisenherz haben wir auch darüber geredet, übers Fußballspielen. Er ist jetzt ja Ende 40 schon, noch mal ein bisschen älter als ich und spielt, ich glaube, spielt 2, 3 Mal die Woche Fußball. Habe ihn auch gefragt: Hast du keinen Schiss vor dem Verletzungsrisiko? Und er sagt, er verdrängt das komplett. Was wissen wir über die Verletzungsanfälligkeit von so liebgewonnenen Sportarten von früher? Ist es eine gute Idee, wirklich damit dann wieder weiterzumachen, nur weil es Spaß macht, wie du eben gesagt hast? Oder müssen wir das Verletzungsrisiko realistischer kalkulieren?

Jonathan Apasu 12:35
Also das Verletzungsrisiko muss man auf jeden Fall berücksichtigen. Danke auch fürs Teilen von deiner Anekdote. Ich habe auch eine persönliche Anekdote. Ich habe auch früher viel Basketball gespielt. Ja, paar Jahre Pause gemacht und dann angefangen und mir direkt die Achillessehne gerissen. Also deswegen ja, und das auch viele Monate Regeneration benötigt. Aber grundsätzlich ist es trotzdem richtig zu sagen, ich möchte den Sport machen, der mir früher Spaß gemacht hat. Und wenn ich den jetzt, ohne dass mir jetzt die ganze Zeit der Rücken wehtut oder mein Knie wehtut, nicht den Sport nur unter Schmerzen durchführen kann, dann kann es total Sinn machen, diesen Sport wieder anzufangen. Und dann ist auch ein Alter von 40, 50, selbst 60 nicht das Argument zu sagen, ich mache diesen Sport nicht. Ich glaube, man muss das adaptiert machen. Und wenn ich jetzt sage, ich spiele Fußball, dann kann man das vielleicht auch in einer Altherrenmannschaft machen oder Basketball in einer Altherrenmannschaft ab einem gewissen Alter und muss nicht mit den 18-, 19-, 20-Jährigen das machen, weil dann steigt das Verletzungsrisiko natürlich wieder überproportional. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, dass man versteht, dass man keine 20 Jahre mehr ist oder 25 und auch entsprechend diesen Sport so adressiert mit vernünftigem Aufwärmen und auch insbesondere, wenn man eine sehr lange Sportpause gemacht hat, also 10 Jahre das Ganze nicht mehr gemacht hat, dann muss man auch wissen, dass der Körper irgendwo noch eine gewisse Leistung abrufen kann, aber zwangsläufig die Muskulatur ist teilweise noch da, die gewisse Leistung abzurufen, aber die Sehnenstabilität und so weiter, die muss ich erst auch wieder auftrainieren, dass man insbesondere dann, wenn man wieder beginnt, das langsam und sukzessiv macht. Und nicht von einem Tag auf den nächsten sagt, so, ich kann das ja noch, ich erinnere mich, wie es vor 10 Jahren war, und dann direkt durchstartet, weil dann ist das Verletzungsrisiko besonders hoch.

Stephan Seiler 14:13
Ja, so war es offenbar bei mir. Danke für den Hinweis, hätte ich vor 2 Jahren gebraucht. Aber ich werde mich daran halten, wenn ich dann jetzt wieder hoffentlich bald wieder ins Training einsteige. Jonathan, was würdest du einem 80-Jährigen empfehlen? Was kann er sich jetzt noch zutrauen in Sachen Sport, Bewegung? Wenn er wieder anfangen, wieder einsteigen möchte?

Jonathan Apasu 14:35
Also ich würde erst mal sagen, es ist kein Alter, in dem es zu spät ist, noch mal mit Sport und Bewegung wieder anzufangen. Und auch egal, wie lange diese Pause war. Ich denke, je älter man wird, je gebrechlicher man wird, je länger diese Sportpause war, desto vorsichtiger muss man damit beginnen. Also jetzt mit 80 nicht sagen: Gut, ich habe ja früher mal Fußball gespielt und Jonathan hat gesagt, das ist eine gute Idee. Sich dann direkt zu verletzen, weil natürlich mit je höherem Alter natürlich auch Verletzungen noch mal deutlich schlimmer sein können. Das heißt, einem 80-Jährigen würde ich empfehlen: So, hey, du möchtest wieder Sport machen? Es ist nicht zu spät. Super guter Impuls. Lass uns damit beginnen. Aber sprich mit jemandem, der sich sehr gut auskennt mit dem Thema Sport und Bewegung, insbesondere auch mit Menschen, die ein gewisses Lebensalter schon erreicht haben, damit wir auf eine Art und Weise beginnen können, die zuträglich für deine Gesundheit ist und nicht jetzt ein zusätzliches Risiko darstellt.

Stephan Seiler 15:29
Apropos sprechen, kommen wir jetzt mal zu ein paar Tabuthemen, über die Männer ungern sprechen. Warum sprechen wir Männer ganz pauschal gesagt? Da gibt es bestimmt viele Unterschiede, aber warum sprechen wir Männer so ungern über unsere Sexualität?

Jonathan Apasu 15:45
Also ich glaube, es kommt darauf an, in welchem Umfeld man sich bewegt und in welchem Kontext über Sexualität gesprochen wird. Ich meine, zu gewisser Weise sprechen Männer ja auch viel über Sexualität, wenn das positiv konnotiert ist. Also viele Männer, die erzählen ja auch ganz gerne oder prahlen in gewisser Weise auch mit gewissen Errungenschaften, wenn man so will. Ja, je nachdem, wie man das sehen möchte. Also ich glaube, in gewisser Weise, wenn es positiv konnotiert ist oder vermeintlich positiv konnotiert, wird da sehr viel und gerne darüber gesprochen. Zumindest ist so meine Einschätzung. Wohingegen, wo es schwieriger wird, ist, wenn man im Bereich der Sexualität gewisse Herausforderungen hat. Ja, sei es jetzt Erektionsprobleme, Libidoverlust oder auch andere Herausforderungen, die es da geben kann. Wo wir wieder bei dem Thema sind, ja, Rollenbild und vermeintlich diese Korrelation mit wie männlich ist man zu wie gut funktioniere ich auch als Mann und dass natürlich die Sexualität sinnbildlich dafür in den Köpfen vieler Männer, wie männlich bin ich und wie gut funktioniere ich.

Stephan Seiler 16:52
Ich habe für eine Geschichte, die ich fürs Zeit Magazin recherchiert habe, mit Männern gesprochen, die unzufrieden sind mit ihren Penissen, mit ihrem P**** unzufrieden sind. Das betrifft ja offenbar mehr als die Hälfte der Menschen. Je nach Umfrage zwischen 50 und 80% der Männer sind unzufrieden mit ihrem eigenen P****, aber sprechen eigentlich so gut wie nie darüber. Mir sagten damals auch die Männer, die ich interviewt hatte, Dass ich, also 2 von denen zumindest, meinten, dass ich der erste Mann in ihrem Leben sei, mit dem sie überhaupt über ihren P**** reden würden. Und das wäre sonst, käme sonst einfach nie vor. Erst recht nicht, wenn es darum geht, dass der gerade nicht das tut, was er soll oder was der Besitzer möchte. Das führt mich immer wieder zu dieser Frage: Warum haben wir damit so große Probleme? Frauen sprechen gerne, viele Frauen, die ich kenne, sprechen gerne in ihrem Freundinnenkreis über ihre Brüste, auch über ihre Vulvas. Ob die, wie die aussehen, was gerade mit denen gut oder nicht so gut funktioniert, dann auch gerne über ihre Partner. Müssen wir Männer uns da ein bisschen lockerer machen, um auch darüber zu sprechen? Und kann das überhaupt gelingen? Jetzt auch vor dem Hintergrund der Männlichkeitsbilder, die wir eben schon zur Genüge behandelt haben?

Jonathan Apasu 18:03
Ich meine, dass zum gewissen Grad das jetzt schon gelingen kann, im Freundeskreis darüber zu sprechen, gewisse Themen zu adressieren, wer da persönlich Redebedarf hat und das in seinem Freundeskreis mal einbringen möchte. Er kann das ja mal langsam abklopfen, gucken, wie das funktioniert. Aber ich glaube, dass das so flächendeckend erfolgt und dass auch da Männer durch die Bank weg da sich sehr wohl damit fühlen, über das Thema zu sprechen. Ich glaube, da ist noch ein weiter Weg vor uns und da muss wahrscheinlich so diese Sozialisierung noch mal sehr früh ansetzen und Männer auch von klein auf da einen anderen Bezug dazu zu bekommen. Und ich glaube gerade das Thema, wenn man als Mann auch im Bereich sexuelle Gesundheit früh Anbindung an das Gesundheitssystem finden würde. Ich glaube, bei Frauen ist es ja so, dass in jungen Jahren schon der Besuch bei der Frauenärztin, beim Frauenarzt gemacht wird und man da auch eben sehr direkt über auch sexuelle Themen spricht. Da eine gewisse Verbesserung oder eine gewisse Vereinfachung, das ganze Thema auch grundsätzlich zu diskutieren mit seinen Freundinnen. Wer war schon beim Frauenarzt? Was hat man vielleicht auch adressiert? Dass dadurch ein anderes Umfeld entsteht als im Bereich der Männer, wo eigentlich in keiner Lebenswelt das Thema Sexualität sehr konkret adressiert wurde. Was ja auch deine Umfrage da widergespiegelt hat, dass viele Männer da noch ihr Leben noch nicht darauf angesprochen wurden, wie sie ja, wie sexuell oder wie sie vielleicht auch Herausforderungen mit ihrer Sexualität haben.

Stephan Seiler 19:29
Dabei kann der P**** ja sehr viel über unsere allgemeine Gesundheit verraten, wie ich damals auch während dieser Recherche zum ersten Mal überhaupt für mich herausfinden konnte. Ein Professor für Männergesundheit aus Hamburg hat mal im Interview mit mir den P**** die Antenne des Mannes genannt, über den man ganz viele Krankheiten auch schon erspüren könnte, relativ früh. Was ist damit gemeint?

Jonathan Apasu 19:50
Also worauf er da wahrscheinlich raus wollte, ist das Thema Gefäßerkrankungen. Ja, weil wenn man beispielsweise Erektionsprobleme hat, liegt das nicht ausschließlich, aber in vielen Fällen daran, dass die Blutgefäße eben nicht mehr besonders gut funktionieren und diese gleichen Probleme, die dann letztendlich beim P**** dafür sorgen, dass der Blutfluss gestört wird und man nicht entsprechend Blut in den Schwellkörper bekommt und damit eine ausreichende Erektion. Die gleichen Probleme kann man auch in Blutgefäßen anderswo im Körper haben, beispielsweise am Herzen. Aber beim P**** treten diese Symptome häufig früher auf und werden früher bemerkt. Ich meine, so 4 bis 5 Jahre früher kann das schon auftreten, als dass es Symptome am Herzen macht. Sodass da eigentlich auch eine Riesen-Chance liegt, dass wenn ein Mann spürt, okay, ich habe Probleme mit meiner Erektion und das dann ärztlich anspricht oder bei einem Arzt, einer Ärztin anspricht, dass dann sozusagen mal die Diagnostik, die Detektivarbeit beginnen kann, um zu schauen, okay, wo im Körper haben wir vielleicht auch noch die gleiche Problematik, wie wir sie am P**** haben? Und wo könnte man auch da eventuell gewisse Probleme entwickeln später im Leben? Natürlich ist nicht jeder Mann mit einer Erektion, einer erektilen Dysfunktion, mit Erektionsproblemen auch gleichzeitig ein Mann, der Erkrankungen oder der Probleme an den Gefäßen im Herzen hat oder auch im Gehirn, sondern das sind häufig auch, oder in manchen Fällen sind das auch dann psychogen, psychisch bedingte Gründe, weswegen eine Erektion nicht mehr möglich ist. Also da muss man dann immer so ein bisschen differenzieren. Aber da steckt natürlich ein riesengroßes Potenzial drin, wenn man das einmal festgestellt hat, dann auch die Gesundheit im weiteren Sinne zu adressieren.

Stephan Seiler 21:38
Was meinst du mit diesen letztgenannten Gründen? Was sind das für Gründe? Also glaubt man dann, man hätte Probleme und hat dann erst Probleme, weil man darüber nachdenkt, ob man Probleme haben könnte?

Jonathan Apasu 21:48
Also du kannst auf der einen Seite, kannst du eine organische Ursache haben für Erektionsprobleme. Beispielsweise die Blutgefäße funktionieren nicht mehr hinreichend gut. Der Blutfluss im P**** funktioniert nicht mehr auf eine Art und Weise, dass die Erektion entsteht und aufrechterhalten werden kann. Das ist dann eine organische Ursache. Es gibt aber auch andere Gründe, die durch Leistungsdruck, durch Stress, durch mentale Belastung entstehen kann, auch in der Partnerschaft, die dann wiederum dafür sorgen, dass es schwierig ist, eine Erektion zu bekommen und auch aufrechtzuerhalten. Und da muss man dann immer ein bisschen, da muss man dann dazwischen unterscheiden, welcher Patient ist jetzt da gerade vor mir? Und was auch sehr spannend ist, also ich In unserem Podcast wiederum hatte ich auch einen Urologen gesprochen, der auch sehr spannend berichtet hat von einem Patienten, der eben Erektionsprobleme hatte und der dann aber eine kleine blaue Pille verschrieben bekommen hat von ihm, die er aber nie benutzen musste, weil allein das Wissen, dass er quasi eine Pille hat, die er nutzen kann, ihm den ganzen Stress genommen hat, dass er dann gar keine Erektionsprobleme mehr hatte. Das heißt, das kann auch, genau, es kann auch nur am Stress liegen. Aber wichtig ist, und das möchte ich hier auch unterstreichen, dass, sobald man so etwas verspürt, im besten Fall auch mit einem Arzt spricht, damit man eben differenzieren kann: Okay, ist das jetzt nur Stress? Ist das eine mentale Sache oder liegt hier möglicherweise eine organische Ursache vor? Und wir müssen gewisse weitere Konsequenzen ziehen, um auch weitere gesundheitliche Probleme vermeiden zu können.

Stephan Seiler 23:17
Das ist interessant. Also kann man sich quasi da auch so ein bisschen selbst positiv austricksen, indem man sich eine blaue Tablette irgendwo hinlegt und dann hat man das Gefühl, Ich habe ja ein Mittel zur Hand, falls es mal wirklich dazu kommen sollte.

Jonathan Apasu 23:29
Das ist nicht für jedermann. Also nicht bei jedem ist es das Problem. Bei einem Mann, der jetzt wirklich ein organisches Problem hat, wo die Blutgefäße nicht richtig funktionieren, wird das wahrscheinlich nicht ausreichen. Nur das Wissen zu haben, dass die Pille vorhanden ist, sondern da bräuchte man dann, müsste man dann wahrscheinlich die Pille auch einnehmen. Aber was ich ja hier unterstreichen möchte, ist, dass das im besten Fall einmal ärztlich individuell abgeklärt wird. Dass man versteht, okay, wo habe ich jetzt tatsächlich meine Herausforderung und was ist jetzt auch die richtige Lösung für mich selber?

Stephan Seiler 24:00
Manchmal frage ich mich, wie war das denn für Männer von noch vor 50 Jahren, als es eben diese blauen Tabletten nicht gab? Damals war das ja auch mit einem großen Schamgefühl verbunden, auch mit einem großen, vielleicht sogar Verletzung der Ehre, persönlichen Ehre etc. verbunden. Das ist ja schon ein riesiger Schritt, dass man das heute behandeln kann.

Jonathan Apasu 24:19
Also ich würde sagen, auch heute ist das noch mit viel Scham verbunden, das ganze Thema. Und deswegen wird es auch häufig nicht ärztlich adressiert, sondern man bestellt sich das einfach irgendwo im Internet und verpasst sozusagen die Chance zu verstehen, ob jetzt noch andere Probleme vorliegen, weil man einfach mit niemandem drüber sprechen will. Man will einfach kurz schnell im Internet eine Lösung haben und verpasst die Lösung tatsächlich oder verpasst die Möglichkeit, tatsächlich mit einem Arzt dazu zu sprechen. Also das Thema Scham ist immer noch präsent und immer noch relevant in dem Kontext. Gleichzeitig, und da stimme ich dir total zu, ist das natürlich ein Riesen-Breakthrough gewesen, ein Riesendurchbruch. Entschuldigung, kann mir nicht helfen. Ja, ist ein Riesendurchbruch gewesen, dieses Präparat entdeckt zu haben. Und das hat sich natürlich auch in den Verkaufszahlen und den Umsätzen widergespiegelt, die mit diesen Präparaten gemacht wurden. Und es ist natürlich eine Riesen-Abhilfe für Männer und ich bin auch der Überzeugung, dass Männern, die da eine Herausforderung haben, wo man das einmal die Detektivarbeit gemacht hat und verstanden hat, wo das Problem liegt, diesen Männern auch nicht vorenthalten werden sollte, sondern dass man da auch ruhig liberal Männer dabei unterstützen sollte, eben da auch dieses Problem anzugehen und da auch wieder Lebensqualität, eine gesunde Sexualität zurückzugeben. Aber ohne diese Präparate wäre es noch eine größere Herausforderung, als es ohnehin schon ist.

Stephan Seiler 25:37
Ich habe tatsächlich einen Freund, der relativ offen damit umgeht, dass er die blauen Tabletten zu sich nimmt und wohl auch manchmal schon so provisorisch, quasi abends, bevor er quasi losgeht. Und dann einfach auf Verdacht, er könnte jemanden kennenlernen. Da habe ich mich gefragt, ab wann überdosiert man das denn eigentlich? Gerade wenn man das dann vielleicht über dubiose Wege bekommt? Wie viel von den blauen Tabletten darf man nehmen?

Jonathan Apasu 26:01
Also ich glaube, um das auch differenziert zu sagen, ja, ich meine, die meisten, die sich das dann auch übers Internet bestellen, da sind die das meistens von der Apotheke bestellt, wo man gute Präparate bekommt in guter Qualität, wo auch das drin ist, was draufsteht. Man verpasst aber die Chance, mit einem Arzt dazu zu sprechen und eine weitere Diagnostik zu machen. So, das ist, glaube ich, das eine, was man fairerweise dazu sagen muss. Die Überdosierung, solange man sich daran hält, was da eben empfohlen wird, läuft man auch jetzt nicht eine Riesengefahr. Wo es dann irgendwie gefährlich wird, ist, wenn eine Erektion entsteht, die nicht mehr weggeht, die auch nicht mehr wegzubekommen ist. Da müsste man sich dann auch grundsätzlich noch mal medizinische Hilfe holen. Aber das kommt, wenn man das in der vorgeschriebenen Dosierung macht, selten vor. Und der Grund, weswegen viele oder manche Männer das auch prophylaktisch einnehmen, ist eben der Grund, dass diese Präparate häufig so eine gewisse Zeit brauchen, bis sie wirken und dass die dann eben frühzeitig das einnehmen, um zu sagen, dass wenn, wenn es dann sozusagen Zeit ist, eine Erektion zu haben, dass man dann nicht sagt: Okay, ich brauche jetzt aber noch mal 15 Minuten, bis das gewirkt hat. Sondern dass das dann direkt schon funktioniert. Und diese Präparate sind auch so, die führen nicht durch das Präparat alleine zu einer Erektion. Also man braucht auch noch immer die Stimulation. Aber wenn die Stimulation erfolgt, dann ist eben die Erektionsfähigkeit schon signifikant verbessert.

Stephan Seiler 27:22
Also es muss etwas Erregendes passieren, damit man auch erregt ist. Die Tablette alleine sorgt nicht dafür.

Jonathan Apasu 27:28
Genau richtig.

Stephan Seiler 27:29
Du kriegst nicht beim Horrorfilm automatisch eine Erektion. Nein. Es sei denn, man hat ganz seltsame Fetische.

Jonathan Apasu 27:34
Genau richtig. Kommt auf den Mann dann auch wieder an, aber in der Regel nicht. Nein.

Stephan Seiler 27:38
Ja, und du sagst eben, dass das Höchstmaß— ich habe es mal parallel gegoogelt— pro Tag eine Tablette 100 Milligramm ist offenbar das Maximum. Kannst du das so bestätigen?

Jonathan Apasu 27:48
Also ich kann jetzt hier keine individuelle Dosierempfehlung geben und nicht sagen, wer für was, für welchen Mann das Maximum ist. Und man muss natürlich auch immer schauen, was für Zusatzmedikationen man nimmt. Und Männer, die jetzt beispielsweise herzkrank sind und Nitrate einnehmen, für die ist dieses Medikament extrem gefährlich. Also da sind auch niedrige Dosierungen gefährlich. Weswegen meine Empfehlung wäre, nie ohne einen Arzt zu sprechen, solche Medikamente einzunehmen, sondern davor einmal einen Arzt gesprochen zu haben. Wäre meine Empfehlung. Aber für manche Männer ist es auch nicht eine ganze Tablette, die die brauchen, sondern eine halbe oder eine Viertel Tablette. Und das ist dann auch schon absolut ausreichend, um eine Erektion haben zu können.

Stephan Seiler 28:27
Kommen wir zu einem ganz weit verbreiteten Klischee, dass Männer auch so was wie eine Menopause haben, also auch in die Wechseljahre kommen. Stimmt das oder stimmt das nicht?

Jonathan Apasu 28:36
Guter Punkt. Ja, jein. Es stimmt. Es stimmt zum gewissen Grade. Ich hatte ja eingangs beschrieben, wie die Testosteronwerte ab dem 30. Lebensjahr abfallen, 1% pro Lebensjahr, und man damit als Mann in einem höheren Lebensalter hormonell anders dasteht als als Mann in jungen Jahren. Und in dem Maße wurde das Pendant zur Menopause die Andropause auch schon beschrieben und wird auch heutzutage noch von vielen verwendet und sagt: Okay, bei den Frauen gibt es die Wechseljahre, bei den Männern gibt es eben die Andropause, nämlich der Testosteronmangel in höherem Lebensalter. Und wenn man sich das gesamtgesellschaftlich anschaut, dann sieht das auch so aus, dass Männer eben mit höherem Lebensalter irgendwann mal einen hormonellen Mangel entwickeln und eben nicht mehr so viel Testosteron haben wie in jungen Jahren. Wenn man das aber differenzierter betrachtet und schaut, okay, warum haben diese Männer einen anderen Hormonhaushalt als in jungen Jahren? Dann sieht man, dass das nicht eine zwangsläufige Folge des Älterwerdens ist, wie es bei den Frauen ist. Also bei Frauen ab einem gewissen Alter kommt die Menopause, kommen die Wechseljahre, das lässt sich nicht verhindern. Aber bei uns Männern ist es so, dass Männer, wenn sie es schaffen, bis ins hohe Lebensalter einen sehr guten Lebensstil zu haben, Sport zu machen, ausreichend zu schlafen, sich gesund zu ernähren, Stress zu reduzieren, keine Begleiterkrankungen zu entwickeln, dann können diese Männer auch noch mit 60, 65 Jahren gesunde, gute Testosteronwerte haben wie ein 30-Jähriger, sodass es nicht eine zwingende Folge des Älterwerdens ist, sondern eher eine Folge des sich im Alter verändernden Lebensstils. Deswegen muss man das differenzieren.

Stephan Seiler 30:18
Und wenn ich aber mal eine Pause mache, also wenn ich quasi so eine kreative Pause einlege, was meine was meinen Sport betrifft, was die Aktivitäten angeht, das gesunde Leben betrifft. Kann ich dann trotzdem wieder einsteigen? Ist das auch in einer gewissen Form auch dann wieder auszugleichen? Oder ist es, wie man sagt, irreversibel?

Jonathan Apasu 30:36
Es kommt darauf an. Ja, es kommt darauf an. Also Männer, die jetzt beispielsweise, haben wir ja auch bei uns mit den vielen Patienten, die wir schon gesehen haben, mit 45 die letzten 20 Jahre hat man keinen Sport mehr gemacht, man hat ein Übergewicht entwickelt, man Schläft schlecht, man ernährt sich ungesund und hat entsprechend auch jetzt einen Testosteronmangel, der grundsätzlich auch eine Therapie rechtfertigt. Wenn solche Männer ihren Lebensstil komplett umkrempeln, sich wieder gesund ernähren, die Körperkomposition wieder verbessern, Muskelmasse aufbauen, Fettmasse verlieren, dann kann allein durch diese Verbesserung des Lebensstils und die Verbesserung der Körperkomposition kann der Testosteronwert sich wieder erhöhen und wieder in den Normbereich ansteigen. Die Frage und die Herausforderung ist immer, wie schnell schaffe ich das und wie stark ist das Argument zu sagen, ich mache es jetzt nur durch den Lebensstil versus oder als Gegenbeispiel, ich unterstütze diesen Mann mit einer Hormonersatztherapie, um eben den Hormonhaushalt direkt zu verbessern und sozusagen ein hormonelles Umfeld zu erstellen, in dem eben besonders gut Muskeln aufgebaut werden kann, besonders gut Fett verbrannt werden kann und besonders viel Motivation, Konzentration da ist, um das Ganze auch eben umzusetzen.

Stephan Seiler 31:46
Wie nehme ich das dann zu mir? Ist das eine Tablette?

Jonathan Apasu 31:48
Also grundsätzlich gibt es auch orale Testosteronpräparate, die als Tabletten eingenommen werden. Gibt es auch bei uns in Deutschland zugelassene Präparate, die aber in unserer Erfahrung extrem selten eingesetzt werden, weil damit das Nebenwirkungsprofil ein schlechteres ist als die anderen Darreichungsformen und weil auch die Testosteronspiegel, die man damit erreicht, nicht so gleichmäßig sind wie über andere Darreichungsformen.

Stephan Seiler 32:19
Welche Nebenwirkungen meinst du?

Jonathan Apasu 32:20
Die Nebenwirkungen bei den oralen Präparaten, die entstehen vor allem dadurch, dass es über die Leber verstoffwechselt wird. Also man muss sich so vorstellen: Im Körper gibt es verschiedene Blutkreisläufe und einen Blutkreislauf, da kommt das ganze Blut aus dem Magen-Darm-Trakt und das geht dann erst mal durch die Pfortader, das ist ein Blutgefäß, in die Leber. Und da wird es dann— das hat den Zweck, dass eben die Nährstoffe, die über die Nahrung aufgenommen werden, in der Leber landen und verstoffwechselt werden. Aber hat auch die Konsequenz, dass bei Präparaten, die man oral zu sich nimmt, im gleichen Blutkreislauf landen, auch in der Leber landen. Und die Leber, die ist eben auch im Hormonhaushalt beteiligt und baut unter anderem Testosteron ab. Und wenn da eben das zugeführte Testosteron erst mal in der Leber landet, dann landet es eben nicht am Bestimmungsort, sondern wird in der Leber erst mal umgebaut. Da gibt es auch schon Darreichungsformen, die auf eine gewisse Art und Weise verändert sind, dass sie nicht über die Blutbahn in den Körper gelangen, sondern über die Lymphe und damit so diesen, diesen Leberkreislauf umgehen. Aber unterm Strich ist diese orale Form, die Tablettenform, nicht die, mit denen die Patienten in der Regel behandelt werden, sondern Ärzte, Ärztinnen, die sich auskennen, behandeln Patienten entweder mit einer transdermalen Form. Trans heißt durch, dermis ist die Haut, also transdermal heißt durch die Haut hindurch. Und das ist dann meistens ein Testosteron-Gel-Präparat oder eine Testosteron-Creme, die auf die Haut aufgetragen wird und dann durch die Haut im Blut landet. Andere Darreichungsformen sind dann auch Injektionspräparate. Da wird quasi das Testosteron direkt in einen Muskel injiziert. In manchen seltenen Fällen wird es auch ins Fettgewebe injiziert, je nachdem, wie die Patienten zurechtkommen und was für die Patienten auch eine Art und Weise ist, wo sie selber gemanagt bekommen, wenn sie sich jetzt beispielsweise selber injizieren. Das sind im Wesentlichen die zwei Formen: Transdermal und über eine Injektion.

Stephan Seiler 34:20
Ein weiteres Tabuthema für viele Männer ist das Thema Einsamkeit. Kenne ich auch einige Männer in meinem Bekanntenkreis, bei denen ich feststellen kann, dass sie sich auch immer mehr zurückziehen, auch vielleicht ein bisschen zu viel Zeit auf YouTube verbringen und in ihren Bestätigungsblasen im Internet, wo sie dann vielleicht auf irgendwelche schwurbeligen Gedanken kommen. Aber das mal beiseite gelassen. Was macht Einsamkeit mit Männern biologisch, medizinisch, gesundheitlich?

Jonathan Apasu 34:47
Wichtige Frage. Und wie du auch gerade in der Beschreibung deiner Frage beschrieben hast, ist das natürlich was, was mehr und mehr überhandnimmt. Ich glaube insbesondere auch bei jungen Generationen immer mehr und mehr wird und damit auch große Herausforderungen mit sich bringt. Wozu führt Einsamkeit bei Männern oder wozu führt Einsamkeit allgemein? Also grundsätzlich ist es so, dass ein soziales, ein gutes soziales Umfeld natürlich sehr viel Resilienz gibt. Also Widerstandsfähigkeit gegen die widrigsten Umstände, gegen Erkrankungen, gegen Stress. Das macht einen auch resilienter, widerstandsfähiger gegen Stress und ist damit auch insgesamt gesundheitsförderlich. Wenn man jetzt im Gegensatz dazu einsam ist, kein starkes soziales Umfeld hat, hat das wiederum ja eine negative Auswirkung auf die Gesundheit. Ich kenne jetzt tatsächlich nicht genaue Studien, die belegen, wie sich das auswirkt auf die unterschiedlichsten Erkrankungsfelder. Aber wie eben beschrieben, soziales Umfeld als total der Faktor, der Erkrankungs— oder der resilient, widerstandsfähig macht gegen Erkrankungen. Und dann im Gegenteil ein Fernsein, ein Fehlen von diesem sozialen Umfeld, nämlich Einsamkeit, dass das wiederum Erkrankungen begünstigt, ist dann aus meiner Sicht sehr naheliegend.

Stephan Seiler 36:08
Ja, bei bisherigen Interviews hier auf diesem Kanal in der Sache mit dem Älterwerden haben wir immer wieder gehört, dass Verbundenheit, Verbindung zu anderen Menschen lebensverlängernd sind. Also wenn man sich auch anschaut, wie diese Blue Zones sich zusammensetzen, Diese 4 oder 5 Orte auf der Welt, Regionen auf der Welt, wo die Menschen besonders alt werden, da kann man ganz besonders beobachten, dass die Menschen so ein ganz intaktes soziales Leben haben. Und da frage ich mich manchmal: Wie ist das denn überhaupt machbar für gerade für viele Männer über 60, über 70, die vielleicht das auch nicht so gelernt haben, neue Freundschaften aufzubauen? Wie kriegen die das dann hin, wenn dann vielleicht auch irgendwann mal die Partnerin nicht mehr da ist oder vielleicht auch was Besseres zu tun hat? Wie kann man da der Einsamkeit vorbeugen? Du bist jetzt Arzt, von dir erwarte ich da jetzt gar nicht die Antwort darauf. Aber ich glaube, dass es wahnsinnig wichtig ist, frühzeitig in Freundschaften zu investieren, dass wir nicht irgendwann mal alleine dastehen. Ja, auch ein Appell an mich selbst an dieser Stelle.

Jonathan Apasu 37:07
Ja, das ist also ein echt wichtiger Punkt. Und ja gut, ich bin Arzt. Für mich ist das in der direkten, selbst wenn ich jetzt direkt in der Patientenversorgung tätig wäre, wäre das wahrscheinlich was, wo meine Zeit sprengen würde, wo ich jetzt nicht noch für jeden Patienten schauen müsste, wie das soziale Umfeld strukturiert ist. Aber wie du beschrieben hast, was man aus diesen Blue Zones kennt, was man aber auch aus anderen Studien kennt, ist, dass natürlich ein gutes soziales Umfeld ein extrem wichtiger Faktor für die Gesundheit ist, sodass es eigentlich auch im Gesundheitswesen irgendwo berücksichtigt werden müsste und gewisse Strukturen geschaffen werden müssten, um eben das soziale Umfeld auch anzuschauen oder auch zu stärken. Was kann man jetzt konkret machen? Also ich bin ein großer Fan und auch aus meiner persönlichen Erfahrung heraus sind extrem viele Freundschaften auch beim Sport entstanden und haben sich auch beim Sport gefestigt. Sowohl in der Jugend, die jetzt bis heute halten, als auch jetzt neue. Also wie gesagt, natürlich, beim Basketball jetzt vor kurzem verletzt, aber auch da trotzdem Freundschaften gefunden und auch neu geschaffen, auch in meinen 30ern. Sodass es auch da nie zu spät ist, wenn man sich jetzt nicht über den Sport, über den Gemeinschaftssport irgendwo findet, auch darüber Freundschaften aufzubauen, die dann eben auch hoffentlich bis später im Leben halten.

Stephan Seiler 38:22
Die Zahl der Depressionen scheint ja auch unter Männern durchschnittlich hoch zu sein. In gewissen Männer-Kohorten. Hattest du damit schon Berührungspunkte? Wie sehr spielt das Thema Depression bei euch eine Rolle?

Jonathan Apasu 38:34
Also wenn man sich die reinen Studien anschaut, dann ist prozentual gesehen, sind mehr Frauen von Depressionen betroffen als Männer. Wenn man das anschaut. Aber Es ist davon auszugehen, dass die Depression beim Mann stark unterdiagnostiziert ist, also dass viele Männer eine Depression haben, ohne dass diese erfasst wird, weil sich die Depression beim Mann anders manifestiert, anders zeigt als bei der Frau. Und die Diagnosekriterien sind vor allem an der Manifestation der Depression bei der Frau orientiert. Dieser Rückzug, Niedergeschlagenheit, da, das sind diese, diese, da gibt es verschiedene Diagnosekriterien, sind da eher orientiert, wie es bei der Frau sich manifestiert. Mann hingegen zeigt eine Depression häufig in eher Aggressivität, in die stürzen sich in die Arbeit, die versuchen zu kompensieren. Und dass das eigentlich gar nicht in den, also nicht eigentlich, sondern das ist nicht berücksichtigt in den Diagnosekriterien der Depression, weswegen Depression bei Männern häufig auch unterdiagnostiziert ist und viele Männer, die eine Depression haben, deswegen auch keine Hilfe bekommen. Und wenn man sich anschaut, Suizide in Deutschland, die sind überproportional häufig werden die von Männern begangen. Ja, und es gibt mehr Suizidversuche von Frauen. Ja, aber die, die tatsächlich erfolgreich sind und sich umbringen, sind signifikant mehr Männer, als es Frauen sind.

Stephan Seiler 39:56
Ja, das sind irre Zahlen, wird dann gleich ganz anders. Wie können wir uns denn verhalten als Partner, als Kinder, als Söhne, als Töchter, als Partnerin, Angehörige? Wenn wir einen Mann in unserer Mitte haben, der nie zum Arzt gehen will, egal ob es um was Gesundes, was Mentales oder was Körperliches geht. Wie sollen wir diesen Mann ansprechen?

Jonathan Apasu 40:19
Ja, das ist sehr wichtig. Und weil viele Männer, wie du gesagt hast, die suchen sich diese Hilfe nicht selber und sind dann häufig darauf angewiesen, dass das Umfeld diese Männer versucht zu incentivieren, auch sich da Hilfe zu holen. Und was besonders gut funktioniert aus meiner Sicht, und ich meine, wir machen das ja Zu gewisser Weise müssen wir das ja auch mit dem Unternehmen, das ich jetzt gegründet habe, mit einem guten Freund zusammen, müssen wir auch versuchen, Männer dazu motivieren, ihre Gesundheit zu adressieren. Und was da aus unserer Sicht oder aus unserer Erfahrung nicht gut funktioniert, ist, mit erhobenem Zeigefinger zu kommen und zu sagen: Du musst das und das machen. Sondern es ist wichtig, potenzielle Vorteile herauszuarbeiten, die sich ergeben können, wenn man die Gesundheit ernst nimmt und entsprechend auch Hilfe sich holt und zu zeigen: Hey, das Problem, das du hast, du bist damit nicht alleine und es gibt auch eine Lösung für dein Problem. Du musst nur die ausgestreckte Hand nehmen. Und neben dem Hervorheben des Potenzials, sich die Gesundheit ernst zu nehmen, muss auch die Schwelle möglichst niedrig gemacht werden, ein Angebot anzunehmen. Ja, also wenn man jetzt möchte, dass der Vater oder der Partner oder der Freund gesundheitliche Leistung zu sich nimmt, dann ist es vielleicht auch so: Hey, ich habe hier schon geguckt, bei diesem Arzt gibt es da einen Termin und da könntest du hingehen. Oder du kannst hier dieses Angebot nutzen. Also diese Schwelle möglichst niedrig machen und auch vielleicht sogar, also es klingt jetzt auch ein bisschen paradox, wenn man sagt, okay, eigentlich muss ich jetzt für niemanden noch einen Termin buchen, aber vielleicht sagen: Ich habe für dich jetzt hier den Termin gebucht. Also willst du das machen? Dann buche ich dir einen Termin und dann sozusagen möglichst viel Reibung aus dem System nehmen, um das möglichst niedrigschwellig zu ermöglichen. Und was ich dann, was wir dann häufig erlebt haben, ist, sobald diese Männer dann mal mit jemandem zu sprechen und erfahren, wirklich so das Ganze so ein bisschen farblich auch dargestellt bekommen, ja, ausführliches Arztgespräch oder ein Termin oder auch mal nur ein Bluttest, wo die das Ganze mal objektiviert schwarz auf weiß sehen, weil Männer sind ja auch häufig zahlengetrieben. Ab dann ist der Stein ins Rollen gebracht und ab dann sind die Männer auch hinterher, sich das Ganze einmal anzuschauen. Aber häufig ist so dieser Dieser erste Impuls, dieser erste Anstoß, das Ganze erst in Bewegung zu bringen, das ist das Schwierigste. Und ich glaube, wie gesagt, einmal irgendwie Vorteile aufzeigen und Reibung aus dem System nehmen. Das sind so zwei sehr wichtige Hebel, die man da anlegen kann.

Stephan Seiler 42:47
Welche Vorsorgeuntersuchungen sollten wir als Mann denn wirklich auf gar keinen Fall verpassen? Jetzt mal zum Mitschreiben.

Jonathan Apasu 42:52
Okay, super. Es gibt gesetzlich die Vorsorgeuntersuchungen, die auch von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden. Das sind einmal ab dem 35. Lebensjahr Check-up 35, das macht man beim Hausarzt. Da wird vor allem einmal auf den Blutdruck geschaut, da wird auf gewisse Stoffwechselthemen geschaut. Das kann man dann alle 2 oder kann man dann alle 3 Jahre machen. Man kann das sogar auch einmal machen, bevor man 35 ist, aber danach wird es alle 3 Jahre empfohlen. Gleichzeitig gibt es auch ab 35 den Hautkrebs-Check. Der ist jetzt gerade in der Diskussion, ob der noch fortgeführt werden soll.

Stephan Seiler 43:27
Ja, der wird abgeschafft, ne?

Jonathan Apasu 43:29
Solange der noch möglich ist, auch das zu empfehlen, insbesondere je nach Hauttyp und je nach wie viele Sonnenbrände man auch gehabt hat, aber definitiv etwas, was empfohlen wird. Und dann ab 45 die urologische Vorsorgeuntersuchung, wo es darum geht zu verstehen, ob eventuell ein Prostatakrebs vorliegt. Und da, das hören viele Männer mit einer Gänsehaut und aufgestellten Nackenhaaren, weil da viele noch die digitale rektale Untersuchung fürchten. Aber mittlerweile ist das auch die Leitlinien-Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Urologie, dass eben durch diese besagte PSA-Analyse zu machen, also den Bluttest. Das wird wiederum, meine ich, noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet, aber wäre sozusagen die empfohlene Methode, das Prostatakrebsrisiko sich anzuschauen und nicht mehr diese Finger-in-Po-digitale-rektale-Untersuchung. Ab 45 das. Ab 50 Darmkrebsvorsorgeuntersuchung, im besten Fall eine Darmspiegelung bei einem Gastroenterologen, bei einer Gastroenterologin. Auch eine nicht beliebte Untersuchung bei Männern, aber durchaus eine, die sehr, sehr zu empfehlen ist.

Stephan Seiler 44:39
Ich fand es super, allein deshalb, weil da das tolle Betäubungsmittel Propofol verabreicht wird. Ist einfach ein wunderbarer Schlaf. Kann ich sehr empfehlen. Geht zur Darmspiegelung, allein deshalb.

Jonathan Apasu 44:50
Ganz genau. Wenn das der ausschlaggebende Punkt ist, dann auch deshalb hin. Aber absolut aus medizinischer Sicht zu empfehlen. Und was da an Lebensjahren gerettet werden kann oder gesichert werden kann, wenn man da frühzeitig was entdeckt, beispielsweise eine Vorstufe von Krebs sieht, die abträgt, dann ist man davon geheilt. Also da absolut, absolute Empfehlung, das zu machen. Und ab 65 gibt es dann noch ein Screening mit einer Ultraschalluntersuchung. Das ist so ein Schallkopf, den man über die Bauchdecke dann auf den Bauch legt, um die Bauchaorta, das ist die Hauptschlagader im Bauch, um sich die einmal anzuschauen, weil da gibt es bei wenigen Männern so eine, ja, ein Aneurysma nennt man das, das ist so eine schwache Stelle an der Gefäßwand, die besonders schwach ist, wo sich dann so eine Ausstülpung gebildet hat. Vielleicht kennt man das von einem Wasserschlauch, wenn es da eine schwache Stelle gibt, dass sich dann quasi wie beim Fahrradschlauch so eine schwächere Stelle rauswulstert. Das ist ein Aneurysma und das hat ein Riesenrisiko, wenn das platzt, weil man dann natürlich sehr schnell sehr viel Blut verliert. Und das lässt sich eben auch durch so eine Vorsorgeuntersuchung sehr gut entdecken, falls man darunter leiden würde. Genau, also 35, 40, nee, 35 Hautkrebs-Check-up, 35, 45 Prostatakrebs, gegebenenfalls ab 40, wenn man ein Risiko hat, 50 Darmkrebs, 65 Bauch-Aorta-Aneurysma. Vielleicht auch etwas für die Shownotes.

Stephan Seiler 46:17
Ja, vielen Dank. Packen wir alles in die Shownotes bzw. die Folgenbeschreibung. Beschreibung. Wann begann eigentlich bei dir dein persönliches Interesse an Männergesundheit? Warum bist du jetzt Männerarzt quasi und nicht Frauenarzt oder Internist, Neurologe, was auch immer?

Jonathan Apasu 46:34
Eine Frage, die ich oft gestellt bekomme, weil es ja dann doch irgendwo ein ungewöhnlicher Weg ist durch die Medizin, den ich genommen habe. Also ich habe natürlich mein Medizinstudium mit dem Glauben begonnen, Arzt zu werden. Ursprünglich wollte ich Kardiologe werden, hatte dann aber während meines Studiums sehr viele unterschiedliche Stationen. Also ich war für meine Doktorarbeit, war ich in den USA an der Yale University für ein Jahr. Dann war ich im praktischen Jahr, war ich an unterschiedlichsten Orten tätig. Ich war da in Indonesien, ich war in, noch mal in den USA an der Yale University, ich war in Kolumbien. Ich war während des Studiums 2 Monate in Ghana, 1 Monat in Tansania und immer im Krankenhaus tätig gewesen, in den unterschiedlichsten Projekten. Und ich fand es immer extrem faszinierend, was es für Herausforderungen gibt in der Medizin. Die eine Lösung haben, die außerhalb der Medizin liegen. Also da als ganz— Zeit hast für diese Anekdote, die mich eigentlich da wirklich bis heute irgendwie beschäftigt hat. Das war in Ghana im Krankenhaus. Da hatten die in der Chirurgie, hatten mir die Chirurgen erzählt, die hatten irgendwie bis vor ein paar Jahren die Riesenherausforderung, dass das Krankenhaus komplett überlastet war mit Patienten, die von Verkehrsunfällen kamen, die in so Minivans transportiert wurden, die da so als Busse fungieren. Da sind dann irgendwie 15 Leute, 20 Leute eingestiegen, niemand war angeschnallt und dann ist mal so ein Ding verunfallt und dann hast du halt irgendwie 20 Leute in der Chirurgie gehabt, die du behandeln musstest. Das hat einfach nicht mehr funktioniert. Und dann war die Lösung nicht, bessere Ärzte zu haben, bessere Ärztinnen zu haben oder ein größeres Krankenhaus, sondern da war die Lösung, Polizeikontrollen einzuführen, zu enforce und sicherzustellen, dass die Leute angeschnallt sind und an die Geschwindigkeitsbegrenzung sich halten. Und das Problem war gelöst. Und das war für mich natürlich jetzt nichts, was direkt bei uns in Deutschland anwendbar ist, aber das war so für mich irgendwie so ein Moment, wo ich dachte so, okay, das ist total spannend, wenn man sich hier versucht, hätte, in der Medizin eine Lösung zu finden, hätte man sich die Zähne irgendwo ausgebissen. Aber man hat eine Lösung gefunden, die außerhalb der Medizin war. So, und das hatte mich dann im ersten Schritt motiviert zu sagen: Okay, ich versuche auch mal jetzt Themen zu machen oder mich in Projekten zu beteiligen, wo es jetzt nicht die direkte Patientenvorsorge ist, sondern wo strukturell im Gesundheitswesen nach Lösungen gesucht wird. Und das hatte mich dann bei einer Unternehmensberatung landen lassen, bei der ich dann auch viele Themen im Healthcare-Bereich gemacht habe. Digital Health, also digitale Gesundheitslösungen, in der Biotechnologieindustrie Themen gemacht, im Krankenkassensystem Themen gemacht, die ich dann quasi als meine erste Station nach dem Studium betreut habe. Wo ich auch gesehen habe, okay, man kann theoretisch einen Riesenhebel anlegen, wenn man im Gesundheitswesen nicht direkt einen Patienten versorgt, sondern wenn man versucht, Strukturen zu verändern. So, und das hatte mich dann motiviert zu sagen, okay, ich möchte gerne selber was gründen, wo ich eben identifiziere, wo gibt es Probleme im Gesundheitswesen, die gelöst werden können, ohne quasi direkt dieses, auf Englisch würde ich sagen, dieses Uphill Battle, also irgendwie so ein Kampf bergauf darstellt, weil man eben das nimmt, was bei einem ankommt und nicht sagt, ich versuche irgendwie die Probleme früher zu erkennen und zu lösen. Und damit habe ich dann erst mal so einen, habe ich für mich erst mal den Handlungsspielraum aufgemacht oder den Optionsraum sehr weit aufgemacht und gesagt, wo gibt es Themen, wo ich selber irgendwie ein Interesse dran habe, und wo es noch Lösungen bedarf. Und dann mit vielen Menschen geredet, versucht herauszufinden, was das Thema ist, und dann tatsächlich mit einem Freund gesprochen, der tatsächlich ein Problem hatte mit dem Testosteronhaushalt und einfach selber keine Lösung gefunden hat und gesagt hat: Hey, ich suche eigentlich diese Lösung. Ich war schon bei 3 verschiedenen Ärzten und niemand konnte mir eine Lösung anbieten. Aber in USA gibt es beispielsweise schon Startups, mit denen kann ich das machen. Und das war dann für mich der Moment, wo ich sagte, okay, ich möchte ja was gründen. Ich sehe, das scheint da einen großen Schmerzpunkt zu geben und es scheint eine Lösung zu geben, die auch funktioniert, zum Beispiel in den USA. Und dann bin ich da wirklich tief eingestiegen vor mittlerweile dreieinhalb Jahren und gesagt, okay, das ist es, was ich machen möchte. Und habe einfach direkt gemerkt, okay, das Thema liegt im Bereich der Männergesundheit und das ist eins, wo ich mich sofort für begeistern kann, weil viele der Themen, die damit einhergehen, Die hängen irgendwie mit Leistungsfähigkeit zusammen, die hängen irgendwie mit sportlicher Leistung zusammen, die hängen mit Lebensstil zusammen und die erfüllen auch dieses Kriterium, dass man eben einen sehr großen Hebel betätigt, wenn man da eine Lösung für gefunden bekommt. Genau, damit weit ausgeholt, aber das ist so die Geschichte.

Stephan Seiler 50:56
Danke für diesen Ritt durch deinen Lebenslauf. Du bist jetzt ja noch, kann man ja sagen, relativ jung, eigentlich glaube ich einer der jüngsten Gäste in diesem Podcast bisher. Du befindest dich noch nicht in der zweiten Lebenshälfte, kann man ja so sagen. Wie blickst du denn auf deinen eigenes Ich, wenn du 50 oder 60 sein wirst. Was, wie möchtest du dann sein und wie möchtest du auf keinen Fall sein?

Jonathan Apasu 51:18
Also ich möchte gerne diese Themen, die ich jetzt auch predige, nämlich den richtigen Lebensstil zu führen, um eben die Gesundheit zu fördern, das würde ich sehr gerne auch aufrechterhalten. Ich sehe jetzt schon, wie herausfordernd das werden kann. Also jetzt mit beruflichem Stress als Startup-Gründer hat man natürlich sehr viel zu tun. Und wenn ich mir jetzt noch vorstelle, dass ich habe eine Freundin, aber wenn jetzt noch Familie dazu kommt, Kinder dazu kommen, dann habe ich jetzt schon großen Respekt davor, was das bedeutet, dass auch im höheren Lebensalter oder auch in der Situation, wo man Kinder, Familie zusätzlich zum beruflichen Stress hat. Da habe ich großen Respekt vor und sehe ich auch als große Herausforderung, das noch aufrechtzuerhalten. Aber meine Zukunftsperspektive ist, dass ich das da auch noch schaffen werde, weiterhin meinen Sport zu machen, weiterhin einen gesunden Lebensstil zu führen, so gut es eben geht, um eben das auch zu leben, was ich hier Tag für Tag predige. Und das ist das eine. Das andere ist natürlich das, was du auch vorhin beschrieben hast, dieses, oder worüber wir auch davor schon gesprochen haben, einfach dieses ganze Thema soziales Umfeld, Kontakte zu pflegen. Ich bin jemand, ich habe wenige, aber sehr gute Freunde, sehr enge Freunde. Und da wünsche ich mir natürlich auch, dass man das auch langfristig schafft, diese Freundschaften weiterhin aufrechtzuerhalten. Und genau, bin auch jemand, der das sehr proaktiv pflegt.

Stephan Seiler 52:41
Und es ist ja wahrscheinlich bei vielen Zuhörern, vielleicht auch Zuhörerinnen bei uns, der Eindruck entstanden: Oh mein Gott, ich muss ganz, ganz, ganz gesund leben. Hast du noch irgendwas Entlastendes? Was machst du selbst gesundheitlich falsch, aber verzeihst es dir?

Jonathan Apasu 52:55
Also insgesamt muss man das nicht binär sehen. Also ich lebe nicht entweder gesund oder ich lebe ungesund, sondern man sollte natürlich die Ambition haben, die Themen im Bereich Ernährung, Bewegung, Schlaf, Regeneration und soziales Umfeld als irgendwo eine Priorität zu sehen und auch entsprechend sein Leben so zu führen, dass man das Ganze auch eingebaut bekommt. Aber man darf natürlich auch nicht sagen, ich darf mir jetzt überhaupt nichts ermöglichen, darf mir überhaupt nichts erlauben, ich darf nicht nicht mal Fastfood essen oder ich darf nicht mal mit Freunden abends weggehen und bis tief in die Nacht irgendwo meine Zeit verbringen oder auch mal Alkohol trinken. Also ich denke, da sollte man nicht sehr absolut sein in dem, was man macht. Aber man sollte schon ein Verständnis dafür haben, dass es in 80 bis 90% der Fälle sollte man versuchen, sich gesundheitsbewusst zu verhalten. Aber die anderen 10 bis 20% Die sind dann teilweise auch zuträglich für das ganze Thema soziales Umfeld und soziale Gesundheit. Und auch da bin ich selber jemand, der natürlich nicht jede Nacht um 10:00 im Bett ist oder auch nicht jede Gelegenheit, immer nur gesundes Essen zu mir nehme, sondern ich bin da schon auch jemand, der da auch zu gewissem Grad sich auch Sachen erlaubt.

Stephan Seiler 54:11
Also Fast Food darf ab und zu mal sein und Burger?

Jonathan Apasu 54:14
Ja, genau, nehme ich auch manchmal zu mir. Ich versuche es zu vermeiden, aber manchmal lässt es sich nicht vermeiden.

Stephan Seiler 54:21
Ein klares Ja hätte schon gereicht, aber da merkt man auch, dass du Mediziner bist, dass du das dann sofort doch einordnen musst. Kommen wir zu unserer ersten Rubrik: Meine Premiere.

Brigitte Huber 54:33
Deine Premiere.

Stephan Seiler 54:35
Was war deine letzte Premiere, lieber Jonathan, und was wird deine nächste sein?

Jonathan Apasu 54:40
Meine letzte Premiere, also wenn man das so ein bisschen größer betrachtet, war es das eben ja, selber ein Unternehmen zu gründen. Ich war davor, war ich in Anstellung tätig, habe ich als Arzt gearbeitet, habe ich dann als Unternehmensberater gearbeitet. Aber für mich dann sozusagen dieser Passion zu folgen oder auch dieser Überzeugung zu folgen, dass es da ein Thema gibt, das einer Lösung bedarf, und zu sagen, ich gründe da jetzt ein eigenes Unternehmen, das war für mich eine große Premiere und eine, die ich bis heute noch nicht bereut habe und auch hoffentlich nie bereuen werde. Genau, aber das war so ein Die erste Premiere, ja, die letzte Premiere.

Stephan Seiler 55:17
Und was kommt als Nächstes? Was steht als Nächstes an? Was wird dein nächstes erstes Mal?

Jonathan Apasu 55:22
Ich würde sagen, das beziehe ich jetzt sportlich, eine neue sportliche Herausforderung. Ich habe früher immer viel Ballsport gemacht, Basketball, dann habe ich eine Zeit lang Kampfsport gemacht und ich möchte jetzt aber bald einen ersten Triathlon bestreiten, wo zwei Sportarten dazukommen, die ich davor seltener und ungerne gemacht habe, nämlich das Fahrradfahren und das Schwimmen, wo ich immer sehr, sehr schlecht unterwegs war. Aber da auch noch mal eine neue sportliche Herausforderung zu nehmen.

Stephan Seiler 55:52
Über die volle Distanz, also das Große, die große Strecke. Okay, Respekt. Da sollten wir auf jeden Fall danach noch mal sprechen. Bin sehr gespannt, wie es dir dabei ergeht.

Jonathan Apasu 56:01
Ich auch.

Stephan Seiler 56:02
Nächste Rubrik: Entweder oder.

Brigitte Huber 56:07
Entweder oder.

Stephan Seiler 56:10
Ist quasi unser schnelles Spiel.

Jonathan Apasu 56:12
Einfach nur ein, ein Schlagwort, das ich jetzt dann direkt dir gebe.

Stephan Seiler 56:15
Genau, legen wir los. Krafttraining oder Spaziergang?

Jonathan Apasu 56:20
Krafttraining.

Stephan Seiler 56:22
Schlaf oder Supplements, also Nahrungsergänzungsmittel?

Jonathan Apasu 56:26
Schlaf.

Stephan Seiler 56:26
Apple Watch oder Bauchgefühl?

Jonathan Apasu 56:30
Bauchgefühl.

Stephan Seiler 56:32
Vorsorge oder Verdrängung?

Jonathan Apasu 56:34
Vorsorge.

Stephan Seiler 56:35
Proteinshake oder Rotwein?

Jonathan Apasu 56:38
Proteinshake.

Stephan Seiler 56:40
Bluttest oder Selbstdiagnose? Bluttest. Sauna oder Eisbad?

Jonathan Apasu 56:46
Sauna.

Stephan Seiler 56:48
Testosteron oder Meditation?

Jonathan Apasu 56:51
Testosteron.

Stephan Seiler 56:54
Okay. Gym, also Fitnessstudio, oder Gartenarbeit?

Jonathan Apasu 56:58
Gym.

Stephan Seiler 56:59
Arztbesuch live in der Praxis oder beim KI-Arzt auf ChatGPT?

Jonathan Apasu 57:04
Live in der Praxis.

Stephan Seiler 57:06
Jetzt Longevity, also Langlebigkeit, oder Lebensfreude?

Jonathan Apasu 57:10
Lebensfreude.

Stephan Seiler 57:12
Männerabend oder Therapie?

Jonathan Apasu 57:15
Männerabend.

Stephan Seiler 57:16
Joggen oder Krafttraining?

Jonathan Apasu 57:18
Krafttraining.

Stephan Seiler 57:20
Libido voll ausleben oder Schlaf voll ausschöpfen? Womit verbringst du deine Nächte lieber?

Jonathan Apasu 57:26
Ja, Schlaf voll ausschöpfen.

Stephan Seiler 57:29
Funktionieren oder fühlen?

Jonathan Apasu 57:33
Fühlen.

Stephan Seiler 57:34
Kontrolle oder Gelassenheit?

Jonathan Apasu 57:36
Kontrolle.

Stephan Seiler 57:37
Alt werden oder jung sterben? Alt werden. Ja, und letztes: Gehen oder bleiben? Ja, gehen oder bleiben?

Jonathan Apasu 57:47
Bleiben.

Stephan Seiler 57:48
Zu guter Letzt noch zwei Zitate.

Jonathan Apasu 57:50
Darf ich noch was? Ja, wie sagt man? Kann ich noch was bisschen einordnen, was du gesagt hast, zu meinen Antworten aus dem Bauch heraus? Oder ist das verboten in dem Format?

Stephan Seiler 58:01
Es ist dir ausnahmsweise gestattet.

Jonathan Apasu 58:04
Okay, also genau, du hast ja einmal gefragt: Testosteron versus, versus was hast du gesagt?

Stephan Seiler 58:09
Meditation.

Jonathan Apasu 58:10
Meditation, genau. Also da, wie gesagt, das Thema, das jetzt gerade vorneweg, also Männergesundheit ist extrem komplex, und auch bei vielen der Themen, die du heute gefragt hast, musste ich natürlich auch aus meinem Erfahrungsschatz, aus meinem Männergesundheits-Podcast schöpfen, weil ich da selber nicht die, die allertiefste Expertise zu habe. Aber das Thema Testosteron ist das, wo ich die letzten Jahre extrem tief eingestiegen bin. Und Testosteron, möchte ich an der Stelle noch mal unterstreichen, ist ein extrem, extrem zentrales Hormon der Männergesundheit und hat einmal Kausal-Effekt auf sehr viele unterschiedliche Lebensbereiche, aber ist auch als Marker ein extrem guter Marker, um allgemein zu verstehen, wie gesund man als Mann ist. Deswegen kann ich nicht immer, nicht genug unterstreichen, wie wichtig das Hormon ist. Das Thema Meditation ist auch extrem wichtig, aber gegenüber Testosteron und der Bedeutung, dass dieses Hormon hat für uns alle, verblasst natürlich die Bedeutung von der Meditation. Deswegen habe ich da Testosteron gewählt. Und zum Thema Bauchgefühl und Apple Watch, ich hatte ja die, meine eigene Uhr hier gerade ins Bild auch gehalten, weil ich selber jemand bin, der auch gerne Sachen objektiviert. Aber ich glaube, wir müssen auch so ein bisschen aufpassen, nicht in so ein Tracking Wahn zu verfallen. Und wenn man das, wenn man es schafft, Bezug zum eigenen Körper aufzubauen, auf den Körper zu hören, dann sagt einem das Bauchgefühl auch schon sehr, sehr viel. Was jetzt nicht heißt, dass man nicht tracken soll, aber auch das Bauchgefühl hat eine gewisse Bedeutung. Und in so einem direkten One-on-One gegenüber der Apple Watch habe ich dann das Bauchgefühl gewinnen lassen.

Stephan Seiler 59:42
Schön, dass du das sagst. Es wird bestimmt meine Co-Moderatorin Brigitte sehr freuen, wenn sie das hört. Sie wird dir ja zuhören. Mit ihr werde ich mich gleich noch mal austauschen. Vorher aber möchte ich zu guter Letzt dieses intensiven und sehr erkenntnisreichen Gesprächs für mich dir noch zwei Zitate um die Ohren hauen. Du darfst dich abermals entscheiden. Erstes Zitat: Das Alter ist irrelevant, es sei denn, du bist eine Flasche Wein. Gesagt von Joan Collins, der Schauspielerin. Oder aber: Wir hören nicht auf zu spielen, weil wir alt werden. Wir werden alt, weil wir aufhören zu spielen. Von George Bernard Paul, du darfst dich entscheiden.

Jonathan Apasu 60:19
Da gehe ich mit dem zweiten Zitat.

Stephan Seiler 60:21
Begründung?

Jonathan Apasu 60:22
Also Alter spielt auf jeden Fall irgendwo eine Rolle. Also ich glaube, zu sagen, das Alter hat gar keinen Einfluss auf uns und auf wer wir sind und wie unsere Identität ist, ich glaube, da würde man sich so ein bisschen der Realität verschließen, sondern Alter spielt eine Rolle. Ich glaube, wir haben extrem viele Werkzeuge, mit denen wir positiv das ganze Thema beeinflussen können. Aber Alter beeinträchtigt uns zu einer gewissen Weise auf eine, wenn man so will, negative Art und Weise, weil körperlich gewisse Themen erfolgen. Aber auf der anderen Seite wird im Alter auch vieles besser. Man hat Lebenserfahrung dazugewonnen, man hat Weisheit dazugewonnen und kann dahingehend auch das Alter als was Positives und sehr Wertstiftendes sehen. Deswegen zu sagen, dass es keine Rolle spielt, da würde ich so ein bisschen, würde ich widersprechen mit diesen kleinen Anmerkungen. Und das zweite Zitat, das hat sehr mit mir resoniert, weil natürlich das Alter irgendwo einen beeinflusst, aber man natürlich auch, wie man das Ganze adressiert und wie man sich selber auch betrachtet und wie man auch selber damit umgeht. In dem Fall jetzt sagt man, spielt noch, man ist noch aktiv, man ist noch lebensfroh und kann damit auch im Alter noch sehr viel Lebensqualität und sehr viel Glück haben.

Stephan Seiler 61:37
Ja, lasst uns viel, viel mehr spielen. Darauf können wir uns, glaube ich, einigen. Liebe Männer da draußen und auch alle Frauen, die bis hierhin durchgehalten haben, freut uns natürlich ganz besonders. Ich werde das, was ich jetzt gelernt habe, lieber Jonathan, alles mitnehmen in meinen Austausch mit Brigitte. Ich bedanke mich für das Gespräch und danke euch da draußen fürs Zuhören. Und schreibt uns gerne, was ihr von den ganzen Tipps haltet, die ihr heute gehört habt. Schickt uns Kommentare, wir lesen uns alles durch und werden vielleicht auch das eine oder andere dann noch mal sammeln für die nächste Runde. Jonathan, vielleicht hast du ja Lust, wieder dabei zu sein.

Jonathan Apasu 62:13
Sehr gerne, jederzeit. Vielen Dank, dass ich da sein durfte und alles Gute.

Stephan Seiler 62:17
Danke dir, Jonathan. Das war unser Gespräch mit Jonathan Apasu, dem Männerarzt und auch noch Gründer und Inhaber der Beratungsfirma ADON Health, mit der er ja Männer berät. Euch da draußen, Vielen Dank fürs Zuhören. Ich hoffe, es haben heute auch einige Kumpels von mir zugehört. Einige, zum Beispiel Björn, gehen nämlich nie zum Arzt. Liebe Grüße an dieser Stelle. Ich fand es auf jeden Fall sehr cool, wie viele konkrete Tipps Jonathan heute parat hatte. Egal, ob es um die genaue Angabe von Vorsorgeuntersuchungen ging oder die Nahrungsergänzungsmittel, die wir uns sparen können, mit denen wir aber auch wirklich einen Unterschied herstellen können und wie wir mit so ernsteren Themen, mit Tabuthemen wie Erektiledysfunktion oder auch mit Depression umgehen können. Es hängt alles mit allem zusammen und manchmal lohnt es sich auch wirklich, das sogenannte beste Stück etwas genauer anzugucken. Da kann man offenbar ganz schön viel ablesen, was die eigene Gesundheit betrifft. Brigitte, was blieb bei dir heute hängen?

Brigitte Huber 63:21
Ich habe schon noch mal nachgedacht, auch über das Wort Testosteron. Das ist ja bei uns quasi auch gleichbedeutend mit Männlichkeit, kann dann teilweise teilweise schon den Switch ins zu Dominante. Testosteron gesteuert ist ja zum Beispiel irgendwie eher etwas sehr Bedenkliches als etwas Erstrebenswertes. Und ich glaube, wir haben häufig auch vielleicht klischeehaftes Bild von Testosteron. Und da gucke ich heute ein bisschen anders drauf. Und ich kann mir gut vorstellen, dass eben hoffentlich viele Männer die Folge gehört haben. Aber ich weiß schon, dass sich auch viele Frauen ihre Gedanken da machen werden. Ob das mit Ihrem Mann so ist, dass Sie ihn vielleicht bald mal zu einem Männerarzt schicken sollten.

Stephan Seiler 64:07
Es könnte sich lohnen, allein schon wegen der Muskelmasse. Ich habe jetzt ja wirklich in Erinnerung, dass ab 40 jedes Jahr 1% unserer Muskelmasse verloren geht. Unfassbar, diese Zahl. Also habe ich jetzt quasi 5%— Wenn wir nichts dagegen tun. Richtig, habe ich in den letzten 5 Jahren eigentlich auch schon 5% verloren. Also umso mehr, wir sollten was tun, haben wir heute gehört. Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit sind dabei gleichermaßen wichtig. Auch eine gute Lektion für mich selbst, weil ich oftmals zu einseitig das eine oder das andere betont habe. Aber es ist genau dieser Mix. Also Männer, Fußball spielen und Yoga und danach noch mal mit dem Rad rumfahren, das ist vielleicht eine gesündere Mischung, als nur Fußball zu spielen. Und umso mehr, wenn wir gesund und auch verletzungsfrei alt werden wollen, dann brauchen wir nämlich genau das: die Kraft, die Beweglichkeit. Und auch die Ausdauer.

Brigitte Huber 65:00
Ja, falls euch das Thema gefallen hat und ihr noch ein bisschen mehr aus dieser Richtung erfahren wollt, haben wir da auch noch ein paar Tipps für frühere Folgen. Zum einen natürlich, um das ganze Bild zu haben von beiden Geschlechtern, die letzte Folge, die wir mit Susanne Liedtke zu den Frauen und hormonellen Schwankungen und hormonellen Umbrüchen, muss man sagen, gemacht haben.

Stephan Seiler 65:22
Ich möchte euch noch die Folge mit Mickie Beisenherz ans Herz legen. Beißenherz ans Herz. Haha, ich hoffe, ihr lacht genauso über den Wortwitz wie ich gerade. In der Folge mit Mickie Beißenherz geht es nämlich darum, wie man als Mann einigermaßen gelassen älter werden kann. An vielen, vielen Stellen. Wir haben herzlich gelacht darüber. Ist auch noch mal so eine andere Perspektive auf das ganze Thema Männer und das Alter. Ich sage nur: Stürze dich nicht mehr in jedes Gefecht. Watch your battles. Choose your battles. So heißt es. Mehr dazu hört ihr in Folge 27.

Brigitte Huber 65:58
Ja, und wer sich für Nahrungsergänzungsmittel interessiert und da so ein bisschen mehr noch wissen möchte, dem kann ich nur die Folgen mit Bas Cast ans Herz legen. Der hat sich ja wirklich intensivst damit auseinandergesetzt. Das sind die Folgen 24 und 25. Ja, an dieser Stelle bedanken wir uns ganz herzlich, vor allem, vor allem bei euch.

Stephan Seiler 66:20
Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann folgt uns, abonniert uns, schreibt uns Nachrichten, Kommentare. Das ist möglich direkt auf Spotify und auch auf YouTube unter jeder einzelnen Folge. Da könnt ihr euren Kommentar hinterlassen, aber auch auf unserem Instagram-Kanal Huber und Seiler, genauso auf Facebook, auch unter Huber und Seiler. Da findet ihr uns. Habt keine Scheu, schreibt uns, wir lesen wirklich alles, versprochen. Das war Die Sache mit dem Älterwerden, der Podcast von und mit Brigitte Huber und Stephan Seiler. Vielen Dank euch allen da draußen fürs Zuhören. Vielen Dank auch an Leo Ebert-Glang für Sound und Schnitt, an Bennett Polenz, der sich um unseren Instagram- und YouTube-Kanal kümmert, sowie an Luisa Abraham, die das Gleiche tut in Sachen Vermarktung. Ihr erreicht sie bei der Firma Zebralution. Wir hören uns wieder nächste Woche. Bis dahin, liebe Brigitte, wir auch bis dahin. Liebe Grüße, macht's gut, alles Liebe und fröhliches Älterwerden.

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Folge

41

·

50 Min.

Mit

Kristin Arp

Entscheiden unsere Zähne wirklich darüber, wie lange wir leben?

Impulse aus dieser Folge

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Es gibt kein Alter, in dem es zu spät wäre, wieder mit Sport anzufangen, sagt Apasu, und wie lang die Pause war, spielt keine Rolle. Mitzudenken ist allein das Verletzungsrisiko.

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Die Darmspiegelung wahrnehmen, auch wenn das Betäubungsmittel das ausschlaggebende Argument ist. Hauptsache, man geht hin.

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Mit erhobenem Zeigefinger erreicht man einen Mann nicht. Wirksamer ist, die möglichen Vorteile herauszuarbeiten und zu zeigen: Du bist damit nicht allein, es gibt eine Lösung. Dazu die Schwelle senken, etwa schon einen Termin heraussuchen – Apasu sagt selbst, dass genau das die Aufgabe seines Unternehmens ist.

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Nicht binär denken. Ernährung, Bewegung, Schlaf, Regeneration und das soziale Umfeld haben Vorrang, und daneben darf anderes bestehen.

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Huber & Seiler

Die Sache mit dem Älterwerden.

Klüger älter werden, ohne sich jünger machen zu müssen.

Ein unabhängiger Podcast von Brigitte Huber & Stephan Seiler.

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