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30
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54 Min.
Kannst Du mit geschlossenen Augen auf einem Bein stehen? Wann sind Rucksäcke peinlich? Und wie wichtig ist Neugier für gutes Altern?
Willkommen zur großen Fragt-uns-was-ihr-wollt-Folge!
Psyche

In diesem Special drehen wir den Spieß um: „Ask us anything!“ Wir haben eure Fragen gesammelt und sprechen offen über alles, was euch beim Älterwerden bewegt. Warum lösen SB-Kassen bei manchen Stress aus, während andere die Zeitersparnis lieben? Darf man als Professor noch im Rucksack-Look erscheinen, und welche Turnschuhe sind eigentlich altersgerecht? Wir tauchen tief ein in die Welt der Nostalgie, diskutieren über die Sichtbarkeit älterer Menschen im Stadtbild und verraten Euch unsere ganz persönlichen Top-Lieblingstipps – vom Tomatenmark bis zu den körpereigenen Drogen nach dem Sex.
Eine Folge voller Humor, persönlicher Einblicke und der Erkenntnis, dass Neugier die beste Medizin gegen das „Einrosten“ ist.
Kapitelmarken
00:00 Intro
02:03 Die Sache mit den SB-Kassen
05:14 Dresscode & Alter: Rucksäcke, Jeans und Sneaker
11:31 Früher war alles besser
16:21 Wie man auch mit 95 noch Neues lernt
20:32 Von Neugier und dem Drang, die Welt zu verstehen
27:08 Generationsgerechte Begrüßung: Umarmung, Handshake oder Fistbump?
31:26 Unsichtbarkeit im Alter: Wenn Senioren aus dem Stadtbild verschwinden
35:07 Warum dieser Podcast Werbung enthält
36:17 Namenssuche: Wie nennen wir unsere Community?
42:47 Brigittes und Stephans Lieblingstipps
44:28 Einbein-Stand, Nüsse und körpereigene Drogen
49:08 Jung fühlen vs. Gut fühlen
50:26 Ausblick: Ildikó von Kürthy und die Debatte um ihr neues Buch
Transkript zur Folge
Brigitte Huber 0:00
Der Lieblingstipp, den die meisten Menschen, glaube ich, total gern haben, was du tun sollst, ist auf einem Bein mit geschlossenen Augen stehen. Irgendwie 30 Sekunden.
Stephan Seiler 0:10
Herzlich willkommen zur Sache mit dem Älterwerden, ihr Lieben. Hallo Brigitte.
Brigitte Huber 0:15
Hallo Stephan. Ja, wir sitzen hier ja immer wieder und sprechen über die großen und kleinen Fragen, die uns so beschäftigen beim Älterwerden.
Stephan Seiler 0:25
Richtig. Du, Brigitte, als Grande Dame des Journalismus, du hast die 60er-Marke, wie ich finde, auf galanteste Weise überschritten. Ich mache mir bereits seit Jahren sprichwörtlich in die Hosen, weil ich nicht recht weiß, wie das gelingen soll, in Würde und mit Freude älter zu werden.
Brigitte Huber 0:40
Ja, und deswegen holen wir uns ja hier immer Expertinnen und Experten vors Mikro, oft auch prominente Menschen, Menschen, die man kennt. Zuletzt war Veleda-Chefin Tina Müller zu Besuch. Wir hatten schon DJ Hell, den Komiker Oliver Kalkofe und so weiter und so fort. Und die haben alle mit uns das Älterwerden beleuchtet aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln.
Stephan Seiler 1:03
Ja, heute drehen wir den Spieß rum. Wir haben euch aufgerufen, uns Fragen zu stellen. Fragen rund ums Älterwerden. H&S #30 Transkript
Brigitte Huber 1:11
Zum Beispiel: Was nervt euch? Was kapiert ihr nicht? Oder was freut euch sogar?
Stephan Seiler 1:16
Und das führt mich jetzt zur Frage: Mit welchem Halbwissen kann ich behilflich sein? Mit welcher Fachkenntnis kann Brigitte heute aufwarten? Sie hat ja immerhin ein Buch zum Thema geschrieben.
Brigitte Huber 1:25
Und natürlich schon sehr viel mehr Erfahrung.
Stephan Seiler 1:28
Ja, definitiv. Ask us anything. Fragt uns, was ihr wollt. Das haben wir euch versprochen. Und genau jetzt kommen die Antworten.
Brigitte Huber 1:37
Nur zu, würde ich sagen. Schieß los!
Stephan Seiler 1:39
Wir sprechen heute zum Beispiel über SB-Kassen im Supermarkt, über Sichtbarkeit älterer Menschen in deutschen Städten, über generationsgerechte Begrüßung und auch darüber, warum hier manchmal Werbung läuft. Ich bin Stephan Seiler.
Brigitte Huber 1:50
Ich bin Brigitte Huber. Und das ist Die Sache mit dem Älterwerden.
Stephan Seiler 2:03
Brigitte, wir fangen mal relativ harmlos an. Wobei ich merke schon, ich habe da auch ein paar Emotionen. Michaela, 65, aus Künzelsau, das ist glaube ich in Baden-Württemberg, fragt: Wie sehr nerven euch die SB-Kassen? Liegt es nur am Alter, an meinem Alter, fragt sie, dass ich mich so darüber aufrege? H&S #30 Transkript
Brigitte Huber 2:22
Ich gestehe, ich mag inzwischen SB-Kassen ganz gerne. Also ich verstehe vollkommen auch die Frage und das Generve am Anfang. Und das war bei mir auch am Anfang so. So, vor allem wenn du was abwiegen musstest oder sonst irgendwas. Aber jetzt macht mir das schon Freude, wenn ich an langen Schlangen vorbeigehe und jetzt auch nicht so wahnsinnig viele Sachen habe und dann mit der SB-Kasse relativ schnell und ungeschoren davonkomme. Wie ist es bei dir, Stephan?
Stephan Seiler 2:48
Na, ich bin mir nicht ganz sicher, ob das am Alter liegt. Ehrlich gesagt glaube ich, das Problem ist echt nicht das Lebensalter, sondern dass diese Dinge einfach so oft schlecht gemacht sind. Da werde ich gefragt, ob ich noch eine Tüte dabei habe. Und wie viel Exemplare hier und da. Und ich muss ganz viel eingeben und eintragen. Das stresst dann ab einer gewissen Anzahl an Produkten, die ich da im Körbchen habe.
Brigitte Huber 3:09
Und da hast du vielleicht auch recht, weil in Wahrheit hat man dann ja nur, ich sage jetzt mal, 3 SB-Kassen seines, ihres Vertrauens, die man gewöhnt ist und auf die hat man sich dann irgendwann eingestellt. Also weil man geht ja dann doch immer an die gleichen Orte zum Einkaufen. Aber das stimmt. Und ich hatte, glaube ich, auch ein relativ toughes Learning, weil wenn mein Sohn einkaufen geht mit mir auch, dann geht er mit dem Stechbrett durch und dann geht er selbstverständlich immer zur SB-Kasse. Und dann kriegst du natürlich auch mit, wie das geht. Und irgendwann assistierst du nicht mehr nur und sagst: Kann ich schon einpacken? Sondern sagst: Na ja, okay, ich habe es jetzt begriffen.
Stephan Seiler 3:48
Also, einen Sohn hatte ich da angelernt. Verstehe, verstehe. Ich habe manchmal wirklich das Gefühl, wenn ich das bediene, dass ich quasi IQ-Punkte verliere mit jeder Maßnahme. Immer wenn es pieps, pieps macht, verliere ich nicht nur Lebenszeit, sondern auch ein bisschen was von meinem Verstand. Ja, und mir fehlt auch der menschliche Austausch. Ich gehe wirklich lieber an die Kassen, wo ich vielleicht ein bisschen warten muss. Da habe ich auch noch einen kleinen Plausch womöglich mit einer netten Kassiererin oder Kassierer. Oder wenn man in Berlin ist, kriegt man auch mal quasi die ganze Pracht der Berliner Mentalität entgegengeschleudert bisweilen. Da H&S #30 Transkript ist dann vielleicht der SB-Automat doch besser. Kommt ein bisschen auf die Mentalität der jeweiligen Region in Deutschland an.
Brigitte Huber 4:26
Ja, und wenn du das gerade sagst, mir ist es jetzt aufgefallen, in dem Drogeriemarkt, wo ich häufig einkaufe, gibt es vielleicht seit einem halben Jahr SB-Kassen. Das führt dazu, dass jetzt relativ häufig keine Schlange mehr an der Kasse ist. Und das heißt, dann gehe ich auch wieder gern zur Kasse, weil ich eben nicht noch mal 7 Minuten warten muss, bis endlich mal jemand dran ist oder klingelt und läutet und macht eine zweite Kasse auf. So, aber das zu diesem Thema. Fluch und Segen.
Stephan Seiler 4:55
Großartig. In Berlin werden sie übrigens jetzt schon wieder in den ersten Supermärkten und Drogerien abgebaut, weil angeblich zu viel geklaut wird.
Brigitte Huber 5:01
Kann ich mir vorstellen.
Stephan Seiler 5:02
Womöglich wird der Trend auch ein Ende haben und dann wird wieder auf Menschen zurückgegriffen, wenn es dann doch billiger ist als das, was geklaut wird. Kapitalismus pur.
Brigitte Huber 5:12
Warten wir es ab.
Stephan Seiler 5:14
Bleiben wir kurz bei der Außenwirkung. Stephan, fragt, also Stephan, nicht ich, sondern Stephan, ein Professor aus Görlitz, Mitte 40, fragt, ob er weiter mit dem Rucksack in die Uni gehen kann oder ob er sich irgendwie, wie er schreibt, erwachsener anziehen sollte.
Brigitte Huber 5:30
Echt? Was ist denn? Ist das nicht erwachsen mit Rucksack? H&S #30 Transkript
Stephan Seiler 5:34
Ja, ich kenne jetzt seinen Rucksack nicht, aber ich, wird vielleicht auch modisch sein. Aber die Frage an sich, Rucksack ist ja schon so ein Signal dafür, dass man zur Schule geht oder aufs College geht oder studiert. So war es zumindest früher. Und vielleicht kommt der Gedanke bei euch auch.
Brigitte Huber 5:47
Ich habe auch oft einen Rucksack.
Stephan Seiler 5:48
Ich auch.
Brigitte Huber 5:49
Also lieber Professor Stephan aus Görlitz, ich finde, du solltest das tragen, womit du dich wohlfühlst. Und ich kann mich noch erinnern, ich bin jetzt doch schon ein paar Jahre auf der Welt und als wir eine Lehrerin hatten, die Jeans trug, das war damals wirklich ungewöhnlich, dann fanden wir das eigentlich ziemlich cool. Also ich glaube, es kommt auch immer drauf an. Es gibt Auch die Leute, die du dann anbiedern findest. Aber die war jetzt per se auch cool und dann fanden wir die Jeans auch cool.
Stephan Seiler 6:19
Ja, ging mir auch so, als ich Schüler war. Und ich muss auch sagen, Autorität kommt ja nicht aus dem Outfit und das kommt ja aus anderen Ingredienzien.
Brigitte Huber 6:29
Und was ist altersgerecht? Das finde ich immer eine relativ profane Frage. Vielleicht ist sie auch manchmal diffizil, aber es gibt ein paar Dinge, die würde ich nie tragen. Ich sage jetzt mal ein bauchfreies T-Shirt würde ich nie tragen. Das hat aber ganz unterschiedliche Gründe. Hätte ich vielleicht auch gar nicht mit 20 getragen, aber ich weiß es nicht. Da war das noch nicht so in. Aber ansonsten finde ich, sollte man doch das tragen, was irgendwie einem gefällt und was einem entspricht. Egal ob man damit was ausdrücken will oder nicht, oder? H&S #30 Transkript
Stephan Seiler 6:59
Ja, richtig. Man sollte einfach nicht verkleidet aussehen, finde ich, sondern—
Brigitte Huber 7:03
Ja, sich wohl in seiner Haut fühlen. Also ich habe mal gelernt, es gibt ja immer diese Diskussion: Sollen wir uns überhaupt so sehr um das Äußere kümmern? Die wird heute anders geführt als vor 30 Jahren. Aber da hieß es, es geht doch um innere Werte und was man zu sagen hat und nicht, was man anhat, wie man aussieht, wie man frisiert ist oder sonst irgendwas. Und dann habe ich mal einen sehr, sehr klugen Spruch gehört. Zum einen ist ja tatsächlich unsere Wirkung Teil unserer Message, ist ja vollkommen klar, wie du auch sagst. Vielleicht will ich auch was aussagen mit meinen Klamotten und meiner Frisur. Und zum anderen ist es total entscheidend, dass ich mich wohlfühle in meiner Haut. Weil da muss ich wenigstens darüber nicht mehr nachdenken, ob ich vielleicht doch etwas anderes hätte anziehen sollen oder sonst irgendwas. Und ich glaube, das ist schon mal sehr, sehr wichtig. Wenn der Stephan jetzt eine ganze Vorlesung lang drüber nachdenkt, wie sein Rucksack ankommt, dann sollte er es vielleicht mal mit was anderem probieren. Aber ansonsten feel free.
Stephan Seiler 8:01
Ja, das sehe ich ähnlich. Dazu passt noch eine andere Frage von Adrian aus Köln. Er ist 55, schreibt er, und er meint, er hat auch deshalb so einen guten Draht zu seinem Sohn. Weil er früh begonnen habe, mit ihm über Marken zu sprechen, auch über Modemarken, Musik-, Hip-Hop-Labels, Technikmarken. Und das hat ihm geholfen, mit seinem jetzigen Teenagersohn immer im Gespräch zu bleiben und auch dann über andere Themen gesprächsfähig zu sein. Er meint, dass das ihm wahnsinnig geholfen habe, stellt aber auch die Frage nach der altersgerechten Kleidung. Also würdest du zum Beispiel mit deinem Sohn in den Laden gehen und die gleichen Turnschuhe kaufen, Birgitte?
Brigitte Huber 8:38
Ich habe jetzt gerade noch darüber nachgedacht, inwieweit tatsächlich ein Teenager die gleichen Marken gut findet wie jetzt jemand mit 50 plus. Das liegt wahrscheinlich an der Kategorie, oder? Also wir nennen jetzt hier keine H&S #30 Transkript Markennamen, aber es gibt ja vielleicht Marken, die passen besser zu jüngeren Menschen und Marken, die passen besser zu Älteren. Bei Sneakern könnte ich mir vorstellen, dass ich da auch mit meinen Söhnen eine Überschneidung habe mit meinen Kindern, also mit Kindern. Aber ich muss sagen, in Wahrheit habe ich mir ja immer gedacht, dass der Unterschied, den die Generationen haben, ganz gut ist. Muss allerdings dann feststellen, dass eine meiner Lieblingsjacken auch leider eine der Lieblingsjacken meines Sohnes ist, was dann zur Folge hat, dass sie einfach manchmal ausgeliehen ist. Also wir wohnen schon lange, er wohnt schon lange nicht mehr bei mir, aber er kommt vorbei und auf einmal denke ich mir: Wo ist denn diese Jacke? Und ich muss sagen, dass er sich tatsächlich mal einen Mantel ausgeliehen hat zum Fasching, also zum Karneval von mir. Und den habe ich bereitwillig geliehen. Und danach habe ich gefragt, als was er denn gegangen wäre. Ich weiß, das war so eine Teenager-Schulgeschichte. Dann hat er gesagt: Ja, als Lude, als Zuhälter. Habe ich gesagt: Was? Mein Mantel? Ja, ja. Also A fand ich schon ein bisschen befremdlich, was das für eine komische Kleiderwahl war oder was das Motto war. Also das fand ich ja schon ein bisschen schwierig. Aber dass dann mein Mantel dazu herholt muss. Aber wie gesagt, wir nennen jetzt keine Marken, insofern beschädige ich auch keine Marke.
Stephan Seiler 10:07
Boah, ist das schon eine Geschichte. Ich habe jetzt gerade vergangene Woche die wunderbare Erfahrung gemacht, mit meinen beiden Patenkindern, die 18 Jahre alt geworden sind, einen ganzen Shopping-Tag einzulegen. Wir sind durch Frankfurt gezogen und die Kids durften ein paar Läden auswählen und ich durfte auch ein, zwei Läden auswählen. Ich habe auch einen Sneaker Store, also ein Schuhgeschäft mit tollen Sneakers ausgewählt. Mein männliches Patenkind wollte er in so einen Laden wie Snipes gehen oder Foot Locker. Sorry, dass ich jetzt die Namen nenne, aber das ist ja stellvertretend für so eine gewisse Art von Sneaker Store. Und da hat man schon gemerkt, dass das eigentlich unterschiedliche Shopping-Verhaltensweisen sind, aber dass es für uns beide auch augenöffnend war. Also der Sneaker Store, den ich ausgewählt hatte, hatte vielleicht so eine Auswahl von 50 Schuhen und die eben genannten haben ja eher so Hunderte, unfassbar viele. Und allein die Reduktion schien ein Konzept zu sein, mit dem mein Patenkind noch nicht so viel Erfahrung hat. Da geht doch vieles viel, mehr ist mehr. Ja, ja, absolut. H&S #30 Transkript
Brigitte Huber 11:07
Aber haben wir die Frage jetzt damit beantwortet?
Stephan Seiler 11:09
Also ich würde sagen ja. Gibt es altersgerechte Kleidung? Kann man Schuhe mit den Kindern kaufen? Also ich würde sagen ja, es gibt auf jeden Fall Schnittmengen.
Brigitte Huber 11:20
Es gibt Schnittmengen, würde ich auch sagen.
Stephan Seiler 11:22
Aber nicht verkleiden. Man soll sich nicht verkleidet fühlen, man sollte irgendwie passen. Und wenn es am Ende dann die gleiche Jacke ist wie bei dir und deinem Sohn, why not?
Brigitte Huber 11:29
Ja, absolut. Absolut.
Stephan Seiler 11:31
Bereit für die nächste Frage? Jetzt wird es ein bisschen grundsätzlicher. Verena aus Aachen schreibt und ich kürze das mal ein bisschen, weil sie sehr, sehr viel geschrieben hat. Aber der Kern ist, sie erwischt sich immer öfter dabei zu sagen: Früher war alles besser. Verena sagt, sie ist Anfang 40 und sie hat jetzt schon seit ein paar Jahren begonnen mit dem Satz: Früher war alles besser. Gleichzeitig hat sie Angst, dass sie genau das davon abhält, neugierig zu bleiben. Und ich fand das eine richtig starke Beobachtung, weil ich das natürlich auch ein Stück weit kenne. Wir haben ja auch schon mal hier ab und zu hier darüber gesprochen, welche Wirkung gefühltes Alter haben kann. Wie siehst du diesen Satz jetzt ein halbes Jahr nach Start des Podcasts?
Brigitte Huber 12:11
Früher war alles besser ist für mich aber was anderes als gefühltes Alter, oder? H&S #30 Transkript
Stephan Seiler 12:15
Ja, da hast du vollkommen recht. Es ist was anderes, aber es zahlt für mich auch so eine ähnliche Emotion ein. Im Sinne von so eine Rückwärtsgewandtheit. So eine: Ach ja, vorwärts lieber nicht. So schnell geht das.
Brigitte Huber 12:26
Da finde ich nach wie vor, habe ich ganz stark die Folge mit Olli Kalkofe im Kopf, wo es auch darum geht, dass wir einfach aufpassen sollten, dass wir die Vergangenheit nicht idealisieren. Weil oft blendet man ja auch ein bisschen aus, was da vielleicht links, rechts nicht so optimal war. Ansonsten finde ich, so einen nostalgischen Punkt in sich zu haben, ist ja auch was Gutes. Es erdet ja auch irgendwo. Ich würde nur gucken, dass es einfach nicht dazu führt, dass man irgendwie nicht mehr mutig in die Gegenwart und Zukunft schreitet und auch da offen ist für Neues. Weil ich bin dann immer so ein bisschen skeptisch, wenn Menschen danach sagen, also sich so ganz viele Sorgen machen um die jetzige Generation beispielsweise und das wird bestimmt nichts und wie die alle mit Social Media und so weiter und so fort und Ohne das jetzt irgendwie bagatellisieren zu wollen, denke ich dann wirklich an diesen alten Sokrates-Spruch, der sich schon immer Gedanken gemacht hat über die nächste Generation und gesagt hat: Wie soll das alles weitergehen? Also ich glaube, das Zutrauen, dass auch die Gegenwart und die Zukunft wieder Gutes bringen wird, das sollte man nicht verlieren.
Stephan Seiler 13:39
Ich finde, Nostalgie ist auch gar nicht das Problem. Im Gegenteil, ich finde die wirklich wichtig. Gibt uns ja wirklich Halt und auch ein Stück weit Identität. Aber sie hat auch so einen Kipppunkt. Ist ein bisschen wie Salz oder Zucker. Ein bisschen ist gut, aber zu viel ist dann kontraproduktiv und macht einen womöglich am Ende träge. Ich war jetzt am Wochenende in meiner alten Heimat und war auch in meiner alten Kneipe, die ich früher ganz oft besucht habe. Die alten Kneipenbetreiber waren auch da und es war wirklich so ein Bad in Nostalgie. Das war wunderbar. Aber ich merkte auch irgendwann, ich muss da wieder raus. Das ist mir zu viel Vergangenheit. Beschäftigung und Bewältigung. Das hat mich dann fast Energie gekostet. Und da würde ich sagen, es kommt wirklich auf die Dosis ein Stück weit an. Zum Satz selbst will ich noch anmerken: Früher war alles besser, ist, glaube ich, faktisch in ganz vielen Dingen falsch. Medizinisch auf jeden Fall, in vielen anderen Bereichen auch. Aber es gibt auch viele Umfragen und Studien, die zeigen bis heute noch, dass die US-Bürger am glücklichsten waren, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in den 40er Jahren. Das H&S #30 Transkript Fortschrittsversprechen und auch die vielleicht faktischen Entwicklungen und Neuheiten, die uns jetzt das Leben leichter machen und wir auch dadurch länger leben können, gesünder alt werden können. Diese ganzen Effekte zahlen jetzt nicht unbedingt sofort ein auf ein Glücksversprechen, auf ein Glücksgefühl. Und das muss vielleicht auch nicht so sein.
Brigitte Huber 15:01
Nee, aber es ist zum Beispiel jetzt wieder so gewesen, es gab vor kurzem auch eine Umfrage, dass die Deutschen tatsächlich, würde man gar nicht glauben, hat mich überrascht, dieses Jahr zufriedener waren als im Jahr zuvor und so. Also es ist ja auch immer, wie du gerade aus welchem Blickwinkel du drauf guckst. Und ich bin komplett bei dir. Der Satz: Früher war alles besser, der ist schon sehr einengend letztlich auf das, worauf ich meine Aufmerksamkeit richte, weil ja vieles war wie so eine Scheuklappe.
Stephan Seiler 15:28
Also ich habe auch das Gefühl, wie so eine Scheuklappe, weil dann kann man sich auch so einrichten und nimmt vielleicht die schönen Dinge gar nicht mehr so richtig wahr. Das kleine Glück des Alltags. Oder auch die größeren Entwicklungen, die es dann ja auch gibt, technologischer Art.
Brigitte Huber 15:41
Ja, und ich glaube, es liegt natürlich auch immer daran, was betrachte ich gerade? Wenn ich jetzt gerade momentan gesundheitlich keine gute Phase habe, dann ist es natürlich so, dass früher alles besser war oder vieles besser. Oder wenn die Beziehungen in meinem Leben nicht so intakt sind. Oder berufe ich mich eher auf gesellschaftliche Dinge, auf politische Dinge? Oder was du jetzt gesagt hast, wenn es um Fortschritt geht, lässt sich das ja in wissenschaftlicher Hinsicht auf keinen Fall stützen. Also ich glaube, der Satz kann manchmal schön nostalgisch sein, aber er sollte, wie du schon sagst, mit einer ganz wohldosierten, also wohldosiert verwendet werden.
Stephan Seiler 16:21
Ja, ja, das finde ich auch. Übrigens, wer sich die Folge von Oliver Kalkofe, die Brigitte gerade angesprochen hat, noch mal anhören möchte, das war Folge Nummer 11. An diesem Thema hängt auch ein bisschen die nächste Frage. H&S #30 Transkript Bastian48 fragt: Wie schafft man das eigentlich, sich nicht einzurechten? Es geht um die ersten Male, von denen ja immer mal wieder hier die Rede ist. Wir fragen ja all unsere Gäste nach ihren ersten Malen, nach Premieren, die sie sich gönnen, zuletzt und auch als nächstes Vorhaben. Und Bastian fragt: Wie gelingt es wirklich, selbst wenn ich körperlich und vermutlich auch geistig abbaue? Brigitte, du bist ja eine Expertin dafür.
Brigitte Huber 16:59
Mit 48 macht er sich schon so große Gedanken?
Stephan Seiler 17:01
Ja.
Brigitte Huber 17:02
Ja, also zum einen würde ich sagen, ich würde mir mit 48 da jetzt noch gar keine großen Gedanken machen. Ich würde mir in meinem Alter keine Gedanken machen. Und in Wahrheit, es kommt ja immer drauf an, welche Art von Premieren lasse ich in mein Leben und hole ich in mein Leben. Natürlich ist, Ausnahmen abgesehen, für manche dann der Aufstieg auf den Kilimandscharo nicht mehr zu machen, außer jetzt, beispielsweise unseren Gast Hannah Monnier, die das mit 67 gemacht hat. Aber da sage ich erst mal, das sind die Ausnahmen. Also das heißt, die Premiere muss zu mir und auch zu meinem Lebensabschnitt passen. Und vielleicht gehe ich auch nicht mehr ein Jahr ins Ausland. Kann ich noch machen, ist aber vielleicht direkt nach der Schule oder so was oder nach dem Studium einfacher. Aber ansonsten kann ja eine Premiere auch etwas sehr, sehr Niedrigschwelliges sein. Ich meine, wenn ich es ganz runterkochen will: Jedes Buch ist eine Premiere, das ich noch nicht gelesen habe. Oder? In Wahrheit jeder Song, den ich noch nie gehört habe.
Stephan Seiler 18:01
Jeder Podcast, den ich gehört habe.
Brigitte Huber 18:02
Jeder Podcast. Jede Frage, die ich noch nicht gestellt habe. Jede Antwort, die ich noch nicht gehört habe. Insofern: Premieren lauern immer und überall. Und dann möchte ich gerne an die Folge mit Sonja Schiff, Ruhestandscoach, verweisen. Die berichtet hat, und das liebe ich so sehr, das ist so eine rührende Situation, H&S #30 Transkript von der 95-Jährigen, die Klavier geübt hat und nicht sich allzu lange stören lassen wollte, weil sie eben noch zu Lebzeiten ein gewisses Stück oder eine gewisse Tonleiter oder so was einüben wollte. Erinnerst du dich?
Stephan Seiler 18:37
Ja, ich erinnere mich. Das war in Folge 28, für alle, die es noch mal nachhören wollen. Fand ich sehr eindrücklich. Und es gab ja auch ganz viel tolles Feedback auf diese Folge speziell. Ich glaube, da haben viele Leute was mitgenommen.
Brigitte Huber 18:49
Ja, und ehrlicherweise auch, das fand ich ganz toll, auch viele Leute, die tatsächlich noch mal eine Generation über meiner sind, die gesagt haben, sie haben aus der Folge richtig noch mal was rausgenommen.
Stephan Seiler 18:59
Also du meinst Menschen, die schon in Rente sind seit vielen Jahren, haben sich dann aber die Folge angeguckt mit der Ruhestands-Coaching.
Brigitte Huber 19:07
Mit ihrem, wie sie sagt, gnadenlos positiven Blick aufs Alter, den sie sich erarbeitet hat. Sie hat ja viel in der Altenpflege auch gearbeitet und so. Und es ist tatsächlich was, wo man sagt, okay, die Premieren hören nie auf, außer ich möchte, dass sie aufhören.
Stephan Seiler 19:22
Ja, ja.
Brigitte Huber 19:23
Und ich muss ja das Leben holen wollen.
Stephan Seiler 19:25
Genau das ist, glaube ich, der springende Punkt. Dieses Wollen. Ich glaube, seitdem ich jetzt diesen Podcast mache mit dir, liebe Brigitte, wächst in mir immer mehr die Überzeugung, das passiert nicht einfach. Also ich muss das schon H&S #30 Transkript organisieren. Es ist auch Neugier, ist jetzt nicht nur eine Eigenschaft, das ist schon eine bewusste Entscheidung. Ich kann nicht darauf warten, dass das Leben mir neue Dinge hinwirft. Ich sollte sie auch mir selbst bauen. Und suchen und aktiv werden. Ja, absolut.
Brigitte Huber 19:49
Und wenn ich jetzt selber nicht so die Person bin, die da so mutig voranschreitet, sollte ich mir die richtigen Freundinnen und Freunde suchen und mich von denen animieren lassen. Weil solche Leute gibt es natürlich immer. Ja, und dann sagt man: Hey, nimmst du mich mal mit? Oder: Was war das genau, was du da gemacht hast? Ein Schafkopf-Tag im Augustiner, lauter Frauen, die älteste über 90. Und dann muss man sagen: Okay, gehe ich da vielleicht mit beim nächsten Mal. Wie eine Freundin von mir das gemacht hat.
Stephan Seiler 20:17
Ja, auch schön. Bei mir, habe ich ja schon mal erzählt, gibt es ja einige, die jetzt Buchclubs starten. Auch ein super Instrument, um regelmäßig Kontakt mit völlig neuen Themenwelten zu haben und einen Austausch, eine Verbundenheit zu spüren mit Menschen, denen man sich dann immer wieder begegnet.
Brigitte Huber 20:32
Ja, super.
Stephan Seiler 20:32
Das ist richtig toll. Hannah Monnier übrigens, die Folge mit der Gedächtnisforscherin, die Folge hast du eben angesprochen. Hannah Monnier könnt ihr nachhören in Folge 21 und 22. Ja, noch so eine Frage, die ich sehr mochte, liebe Brigitte. Und zwar Isolde76 fragt: Was ist euer größtes Talent und hat sich das in irgendeiner Form verändert?
Brigitte Huber 20:59
Ui. Ich glaube, mein größtes Talent. Du hast, glaube ich, gerade gesagt, es ist kein Talent. Aber mein großes Talent ist tatsächlich Neugier. Man kann auch sagen, ein großes Interesse. Aber ich weiß eben noch so, als Kind ist es ja nicht so wohlgelitten. Da hörst du dann in der Schule eher oder von Nachbarn oder so was: Jetzt sei doch nicht so neugierig, steck doch deine Nase nicht überall rein. Und H&S #30 Transkript vielleicht bin ich deswegen Journalistin geworden, weil da musst du ja sogar eine gewisse Neugier haben. Und ich fand das ganz, ganz spannend, dass ich bei der Recherche für das Buch, das du erwähnt hast, das ich geschrieben habe mit Anne Bärbel Köhler zusammen, dass die Expertinnen und Experten unisono gesagt haben, eine der wichtigsten, also eine der Schlüsseleigenschaften eins der Eigenschaften, um gut älter zu werden, ist Neugierde. Und dann habe ich mir gedacht: Aha, hatte ich das nicht schon immer? Und ich glaube schon. Ich glaube, wir alle haben das von Haus aus. Das glaube ich, war auch in der Folge von Hannah Monnier. Es ist ein angeborener Reflex bei Mäusen genauso wie bei Menschen, dass sie immer, ich sage jetzt mal, lieber auf den neuen Legostein zugrabbeln als auf den, den sie schon kennen. Das ist in uns drin. Manchmal trainieren wir es uns ab und manchmal werden wir vielleicht auch bequem. Also ich kenne das auch bei mir, dass ich sage: Ach komm jetzt, Muss ich jetzt nicht noch nach links oder rechts gehen? Ich bleibe jetzt da, wo ich gerade bin. Das kann ja auch eine bewusste, gute Entscheidung sein. Aber ansonsten glaube ich, ist das schon eine Fähigkeit, ein Talent, das ich weiter kultivieren möchte. Und du?
Stephan Seiler 22:29
Kann ich gut nachvollziehen. Vielleicht verbindet uns das auch wegen unseres Jobs. Bei mir ist es immer mehr das Verstehen-Wollen, geht ein bisschen Hand in Hand mit der Neugier. Wir begreifen, wie alles zusammenhängt, warum das so ist, wie es ist. Und auch das Systemische hinter Entwicklungen verstehen, genauso wie verstehen, warum Menschen X tun und Y sagen oder umgekehrt und was Menschen antreibt, warum diese Welt so ein seltsamer Ort ist, gerade in diesen Zeiten. Das will ich verstehen. Und je mehr ich aber darüber lerne, desto verwirrter bin ich manchmal, desto mehr verwirrt mich das Ganze, was ich da erfahre, und stachelt eigentlich dann noch mehr meine Neugierde an und den Wunsch, das dann irgendwann dann doch zu kapieren. Auch das ist, glaube ich, ein Antrieb für diesen Podcast. Also ich hatte ja vorher noch mehr Bammel vorm Älterwerden. Würde ich sagen, habe ich ein bisschen weniger Bammel davor, aber auch immer noch ordentlich Respekt. Aber das Verständnis und das Wissen auch einfach von gewissen wissenschaftlichen Fakten oder von auch gewissen Einschätzungen auf der emotionalen Ebene, die du mir auch mal mitgibst und viele Gäste, mit denen wir sprechen, das hilft mir total. Und ich habe das Gefühl, ich werde immer mehr zu so einer Art von Summe von Erfahrungen, natürlich auch Niederlagen und auch Erfolgen. Aber das ist Das fühlt sich heute besser und runder an als früher. Heute bin ich mehr Sein als Schein und früher war das vielleicht ein bisschen auch manchmal ein bisschen andersrum. H&S #30 Transkript
Brigitte Huber 23:55
Ja, okay.
Stephan Seiler 23:56
Würde ich jetzt mal so behaupten.
Brigitte Huber 23:58
Da ist ja dann aber immer noch Luft nach oben, oder?
Stephan Seiler 24:01
Ja, definitiv. Auf jeden Fall.
Brigitte Huber 24:05
Was ich ja auch sehr mag, ich mag das auch sehr an unserem Beruf, man lernt viel. Man lernt dann auch, dass manche Dinge in ein paar Jahren als überholt gelten. Ja, dass neue Dinge sich nach vorne drängen, in der Wissenschaft sich auch immer wieder Dinge ändern. Und das finde ich, ist natürlich auch im Laufe der Jahre und Jahrzehnte so, dass du das mit etwas mehr Distanz dann auch manchmal siehst und dann letztlich, das klingt jetzt irgendwie profan, aber auch ganz wichtig, Wenn du dir nicht sicher bist, eher versuchst, auf dein Bauchgefühl zu hören. Und Bauchgefühl ist, finde ich, schon etwas, was sich im Laufe der Jahre sehr, sehr gut ausprägt.
Stephan Seiler 24:46
Ja, glaube ich auch. Das muss man auch trainieren und man muss auch verstehen lernen, sich richtig zuzuhören, finde ich. Und ich habe auch lange auf mein Bauchgefühl gehört und mein Bauchgefühl hat dann aber mir einfach manchmal auch einfach Unsinn erzählt und oder mich in die falsche Richtung gelotst. Und manchmal hilft dann auch noch mal Nachdenken, also je nachdem, worum es geht. Wie die eine Persönlichkeit ausgeprägt ist, was einen öfter in die Irre leitet. Bei mir hilft es manchmal, noch mal kurz den Kopf einzuschalten und nicht meinem ersten Bauchimpuls nachzugeben.
Brigitte Huber 25:14
Absolut. H&S #30 Transkript
Stephan Seiler 25:15
Dann später noch mal so einen Abgleich zu machen.
Brigitte Huber 25:17
Ja, und für mich ist ganz, ganz wichtig, mit anderen Menschen über Dinge zu sprechen. Also tatsächlich je nach Sachlage mit Kolleginnen oder mit Freunden, mit Freundinnen, Partner, wem auch immer. Es gibt kaum eine Entscheidung, die ich vor allem, wenn sie so eine gewisse Flughöhe hat, ganz allein im stillen Kämmerlein treffe. Das fand ich auch bei Olli Kalkofe, das ist ja interessant, wie er hängengeblieben ist, dass er nie mit jemandem vorher über seine Jokes spricht, die er plant. Und das ist mit Sicherheit schlau in diesem Beruf, weil es wird ja immer irgendwas ausgeredet. Aber jetzt bei richtigen Entscheidungen oder so was, da glaube ich, und das Talent hatte ich früher weniger. Da war ich schon eher so, komm, das muss ich jetzt alleine entscheiden und da frage ich niemanden und zack und durch. Und dann mich oft auch unter Druck gesetzt, dass ich schnell entscheiden muss. Vor allem wenn du irgendwo als junge Führungskraft wo anfängst, die Leute gucken dich an und du sagst links, rechts oder geradeaus. Dann gehst du abends nach Hause und denkst dir, war das so richtig? Und das zum Beispiel habe ich gelernt, dass man dann sich erlaubt zu sagen, stopp, nehme ich mit. Überlege ich mir, Klammer auf, bespreche es vielleicht mit anderen Menschen, Klammer zu, und fälle dann eine Entscheidung, hinter der ich auch gut stehen kann, die nicht so wackelig ist.
Stephan Seiler 26:35
Ja, dem kann ich viel abgewinnen. Und eben hast du ja auch mal angedeutet, dass viele Menschen gar nicht so viele Vertrauensleute womöglich haben. Das ist vielleicht auch ein Thema, was einige Männer beschäftigt. Also ihr Lieben da draußen, hört einfach uns zu, tauscht euch mit uns aus, schickt uns eine Nachricht. Wir sind für euch da.
Brigitte Huber 26:51
Stephan! H&S #30 Transkript
Stephan Seiler 26:51
Euer hobby-psychologisches Therapeutenteam. Nein, wir sind keine Ärzte. Versprich's!
Brigitte Huber 26:56
Bist du nicht ein bisschen viel gerade?
Stephan Seiler 26:58
Ich habe gerade meine unbescheidenen 45 Minuten ausgerechnet jetzt entschieden. Tut mir leid.
Brigitte Huber 27:04
Okay, ja, dann machen wir ab zur nächsten Frage, sage ich mal.
Stephan Seiler 27:08
Ab zur nächsten Frage. Danke, Brigitte. Alper aus Mainz will was wissen. Er ist Anfang 50 und er fragt, was mich auch häufig schon beschäftigt hat: Wie begrüßt und verabschiedet ihr Menschen? Wie hat sich das verändert? Wie ist es, andere Generationen zu begrüßen? Also ich vermute mal, Menschen aus anderen Generationen zu begrüßen. Handshake, Umarmung, Abklatschen? Er tut sich damit immer schwer, schreibt er, seitdem er über 40 ist. Und jetzt wird es noch doller mit über 50, vor allem wenn es eben mit anderen Generationen geschieht. Brigitte, wie begrüßt du Teenies? Mit dem Handshake? Umarmst du? Gibst du die Hand?
Brigitte Huber 27:45
Es kommt auf den Teenie an, wie gut ich den oder die Teenie kenne. Oder Teenies kenne ich jetzt gar nicht mehr so viel, weil die sind jetzt alle schon 20 plus, die ich so richtig kenne. Und da kommt es drauf an, wie gut ich die kenne. Aber in der Regel durchaus mal mit einer kurzen Umarmung auch.
Stephan Seiler 28:05
Mache ich auch häufig, aber— H&S #30 Transkript
Brigitte Huber 28:06
Das hat sich nur geändert bei Corona mal. Das war ja der Punkt, wo— Also ich begrüße schon viele Leute mit Umarmung, wenn man sich besser kennt. Und da war das eine Zeit lang so, dass es doch dann auch hieß, vielleicht kommt das nie zurück. Und gerade wo du das sagst, habe ich das Gefühl, doch, das ist bei mir jetzt wieder komplett so wie früher.
Stephan Seiler 28:23
Ja, ich erinnere mich jetzt gerade, jetzt fährt es mich wie ein Blitz, so an peinliche Begrüßungs- oder Verabschiedungsszenen, wo man dann quasi aneinander vorbei die Hände schlägt. Oder es gibt ja manchmal, gerade wenn man zu viel darüber nachdenkt, unangenehm. Ich finde, dieses Begrüßungs- und Verabschiedungsritual ist wirklich komplizierter geworden. Es gibt keine klare Regel mehr und es ist ja auch ein Distinktionsmerkmal, Unterscheidungsmerkmal, wie man sich begrüßt. Als Teenie hatten wir mal mit meinem besten Kumpel so ein Abklatschritual. Das dauerte ungefähr 20 Sekunden.
Brigitte Huber 28:54
Oh Gott.
Stephan Seiler 28:54
Mit verschiedenen Manövern, die Finger und Hände betreffend. Habe ich jetzt vor kurzem noch mal gesehen bei Jugendlichen und fand das richtig peinlich, als ich es gesehen habe. So war ich wahrscheinlich damals auch. Irgendwie ist es süß. Aber ich finde es auch so, ja, sieht was aus. Also ich würde das nicht mehr machen wollen. Ich glaube, mein einziger Trick ist mittlerweile, wenn man es überhaupt so sagen kann, ist lieber mal kurz fragen oder auch zögern. Oder wenn es halt danebengeht, das auch ansprechen, weil sonst ist es wirklich unangenehm. Aber das dann kurz ansprechen, wenn man sich falsch umarmt hat, und dann kann man die Situation auch mit Humor auffangen.
Brigitte Huber 29:33
Ja, ich weiß, was mir schon manchmal passiert ist, wenn man da so unsicher ist, dann gibt man sich bei der Begrüßung dann doch die Hand. Und wenn das dann irgendwie ein netter, guter Kontakt war, merkt man dann, Beim Abschied ist es doch so eine ganz kurze Umarmung oder so. Das finde ich auch super. H&S #30 Transkript
Stephan Seiler 29:48
Genau das finde ich auch super, diese Steigerung. Weil das ist am Anfang förmlich und am Ende ist es dann ein Zeichen von: Wir sind uns jetzt näher als zuvor.
Brigitte Huber 29:56
Liebe ich.
Stephan Seiler 29:56
Aber gab es das auch schon umgekehrt? Am Anfang wurde umarmt, am Ende gibt man sich nur noch die Hand. Oh Gott.
Brigitte Huber 30:01
Ich glaube, da muss was schiefgelaufen sein während des Gesprächs. Ich weiß es nicht. Ich habe nicht die Erinnerung. Ich glaube nicht.
Stephan Seiler 30:08
Auf jeden Fall, lieber Alper, ich kann das Befremden verstehen. Gerade so Händeschütteln mit Teenies oder auch finde ich immer ganz komisch. Da habe ich das Gefühl, man muss sich anders begrüßen und dann wird es schon komisch, weil dann fange ich an, mich zu verrenken. Kann ich total nachvollziehen. Wir bleiben da wachsam, würde ich mal sagen. Oder, Brigitte? Ja. Jetzt kommt eine Frage, die mich wirklich beschäftigt hat. Katharina war mit ihrer 70-jährigen Tante in Berlin unterwegs. Und plötzlich fiel den beiden auf: Sie sehen kaum ältere Menschen. Es war offenbar im Prenzlauer Berg und auf einem Markt. Und ich habe das gelesen und dachte: Stimmt. Also ich bin ja auch viel in Berlin, auch in Hamburg. Und es gibt tatsächlich Viertel, da sieht man kaum mehr ältere Menschen. Und das ist mir vorher aber nie so aufgefallen. Brigitte, was hat das mit dir gemacht?
Brigitte Huber 30:58
Also ich denke, zum Teil tatsächlich ist das ein Phänomen, Dahinter steckt ja wahrscheinlich die Botschaft, höchstwahrscheinlich, dass das hippe Viertel sind, wo sich ältere Menschen dann irgendwann den Wohnraum nicht mehr leisten können und sich dann gezwungen fühlen, woanders hinzuziehen, oder? H&S #30 Transkript
Stephan Seiler 31:18
Ja, das ist eine Interpretation. Oder aber sie wohnen da nach wie vor, zeigen sich aber nicht mehr so in der Öffentlichkeit.
Brigitte Huber 31:24
Ja, das bestimmt auch. Das bestimmt auch.
Stephan Seiler 31:26
Verschwunden ein Stück weit. Die beiden waren ja auf dem Wochenmarkt Ich glaube, ich ahne auch, von welchem Wochenmarkt die beiden sprechen. Und das ist schon ein hipper Wochenmarkt. Aber es war mir jetzt nie so aufgefallen, dass da quasi über 50-Jährige kein Aufenthaltsrecht hätten oder so, also auch nicht im übertragenen Sinne, bis ich halt diese Einschätzung hatte. Und da muss ich sagen, ja, es gibt da auch was Themisches, was Gesellschaftliches, was in die falsche Richtung geht.
Brigitte Huber 31:51
Na ja, der Punkt ist einfach, was du auch sagst. Wollen Menschen da gar nicht hingehen, weil sie das Gefühl haben, also ich sage jetzt mal, wenn ich in ein Lokal gehe, in das ich häufig gegangen bin und auf einmal sind da nur mehr 20-Jährige, könnte es ja auch passieren, dass ich das Gefühl habe, die Zeit ist vorbei, ich suche ein anderes Lokal. Ja, das fände ich jetzt nicht so schlimm, weil vielleicht muss ich nicht unbedingt in der Kneipe abhängen, in der auch mein Sohn oder wer auch immer ist. Das fände ich überhaupt nicht so schlimm. Und tatsächlich, glaube ich, gibt es dieses Phänomen aber sehr viel stärker in Großstädten. Also da, wo ich herkomme vom Land, gibt es ja gar nicht so viele Möglichkeiten. Aber selbstverständlich gehst du dann in die Disco deines Vertrauens, gehst du auch bloß bis 25 oder so, oder dann irgendwann mal an Weihnachten, wenn du zufällig wieder da bist. Also insofern kann es beides sein. Schlimmer fände ich noch, wenn sie sich das nicht mehr leisten könnten. Weil jede Wohnung, die frei wird, Luxussaniert wird und dann umso teurer weitervermietet wird. Aber bestimmt hast du auch dahingehend recht. Manche Menschen bleiben dann ja natürlich immer da, wo sie gewohnt haben. Da haben wir ja eben das Thema, dass sie vielleicht auf sehr viel Quadratmetern leben und dann die jungen Familien. Und so weiter und so fort. Also die Frage ist tatsächlich, ich glaube, H&S #30 Transkript wenn man anfängt, die Augen offen zu haben, Und selber dann immer wieder, also sich selber integrieren muss man sowieso, aber auch ältere Menschen auch immer wieder versucht zu integrieren, dann kann man da was zu tun. Aber ansonsten sind das ja eher Mittel wie, ich weiß nicht, Mietpreisbremse, wenn das der Grund wäre. Oder du suchst alternative Wohnprojekte, wo verschiedene Generationen unter einem Dach sind.
Stephan Seiler 33:38
Ja, ja, das wäre gut, wenn es mehr von diesen Mehrgenerationenprojekten gäbe. Ich habe jetzt auch kurz drüber nachgedacht, als du gesprochen hast über die Clubs, geht mir ganz genauso. Ich meide auch mittlerweile Clubs, in denen meine Alterskohorte gar nicht auftaucht, was gar nicht so leicht ist in manchen Orten in Deutschland. Aber ja, jetzt noch mal zurückgedacht an die Kneipe aus meiner Heimatstadt, wo ich jetzt war am letzten Wochenende, da war es halt anders. Da waren wirklich Menschen aus allen Generationen da. Und das vielleicht auch so diese Kraft, die auch eine Urkraft von Kneipen dass sie meistens ja Menschen aus ganz unterschiedlichen Altersschichten anziehen. Und die jungen und jüngeren Menschen, die ich da erlebe, denen scheint es ja wirklich zu gefallen, genau, dass es so einen Ort gibt, wo man Darts spielt, wo man vielleicht Billard spielt, wo man dummes Zeug an der Theke reden kann miteinander, wo man scherzen kann, generationsübergreifend.
Brigitte Huber 34:29
Ja, vielleicht ist das tatsächlich dann auch auf dem Land noch einfacher. Also dieses Generationenübergreifende. Also du kannst ja auch gar nicht woanders hin, weil es gibt da noch gar nicht so viele Möglichkeiten. Und in den, ich sage jetzt mal, hipperen Vierteln, da wird sich das wahrscheinlich an manchen Stellen auch so sein, dass die Leute dann ab einem gewissen Alter vielleicht auch gar nicht mehr so viel Lust haben, sich auf dem, ich kenne jetzt den Markt nicht, auf den du anspielst, darum zu treiben.
Stephan Seiler 34:54
Ja, kann ich dich mal mitnehmen. Komm doch mal vorbei.
Brigitte Huber 34:56
Okay, soweit man in meinem Alter dann noch gelitten ist. H&S #30 Transkript
Stephan Seiler 35:00
Auf jeden Fall gibt es super tolle Säfte und komische Teppiche.
Brigitte Huber 35:05
Ja, herrlich.
Stephan Seiler 35:07
Jetzt kurz in eigener Sache. Marita fragt: Warum so viel Werbung? Warum haben wir Werbung in unserem Podcast und wie finanzieren wir uns hier eigentlich? Brigitte, machst du das oder soll ich?
Brigitte Huber 35:21
Also man kann auf jeden Fall sagen, wir brauchen Werbung, um zumindest ein wenig unsere Ausgaben zu decken, weil wir tatsächlich ja auch Ausgaben haben. Es ist jetzt so, dass wir jemand haben, der uns unterstützt bei Social Media. Das macht Bennett. Hi an der Stelle. Ja, ganz liebe Grüße. Und wir haben jemanden, der uns beim Schneiden hilft, bei den Folgen. Also nicht hilft, also der schneidet für uns, wenn wir O-Töne nach vorne ziehen und so weiter und so fort. Hallo Leo. Hallo Leo. Und diese Menschen wollen wir natürlich und müssen wir auch bezahlen. Und das heißt, wir müssen schon gucken, dass an einer anderen Stelle auch wieder Geld reinkommt.
Stephan Seiler 35:59
Ganz genau. Und vielleicht noch kurz der Hinweis: Wir machen das ja komplett unabhängig hier. Wir sind selbstständig, Brigitte und ich. Machen das quasi auf eigene Rechnung. Da gibt es jetzt keinen Partner im Rücken, der uns jeden Monat alimentieren würde. Von daher sind wir auf die Werbeerlöse angewiesen, um unsere Kosten zu decken.
Brigitte Huber 36:16
Genau. H&S #30 Transkript
Stephan Seiler 36:17
Hoffe, das könnt ihr alle nachvollziehen. Wir versuchen natürlich immer, die Dosis der Werbung im Zaum zu halten und das alles so zu machen, dass das Hörvergnügen, dass das darunter nicht leidet. Dann haben wir noch eine charmante Frage bekommen, wie ich finde: Warum haben wir eigentlich keinen Namen für euch? Also für euch, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Es gibt ja viele Podcasts, die genau das anbieten. Die Kaulitz-Brüder zum Beispiel. Tom und Bill Kaulitz nennen ihre Hörer und Hörerinnen Kaulquappen. Frei nach Kaulitz. Kaulquappen.
Brigitte Huber 36:48
Ja, okay.
Stephan Seiler 36:50
Ein anderer erfolgreicher Podcast ist ja Gemischtes Hack mit Tommy Schmidt und Felix Lobrecht. Die nennen ihre Hörer Hackies.
Brigitte Huber 36:57
Frei nach Gemischtes Hack.
Stephan Seiler 36:59
Hackies.
Brigitte Huber 36:59
Hackies? Okay. Und was wäre das dann bei uns?
Stephan Seiler 37:01
Jede Menge weitere Beispiele. Das ist die große Frage.
Brigitte Huber 37:04
Ich möchte unsere Zuhörerinnen und Zuhörer jetzt nicht Oldies nennen, weil der Podcast fürs Älterwerden ist.
Stephan Seiler 37:14
Hey Oldies, wie würde das klingen? H&S #30 Transkript
Brigitte Huber 37:15
Und Bubis oder Seilechens, finde ich, klingt jetzt auch so mittel. Hupsis und Seilechens. Wir bräuchten da Unterstützung von euch, wenn wir einen kreativen Namen haben wollten. Ja, ja, ja. Sowas wie Kaulquappen finde ich ja schon ganz putzig, aber fällt mir jetzt nichts ein.
Stephan Seiler 37:30
Die Ähntilopen. Die Die Ähntilopen.
Brigitte Huber 37:34
Ach, mit Die Ähntchen.
Stephan Seiler 37:39
Die Ähntchen.
Brigitte Huber 37:40
Ich glaube, wir müssen ein bisschen grübeln. Oder vielleicht grübelt ihr für uns?
Stephan Seiler 37:43
Ja, wir grübeln zusammen, gemeinsam vereint und freuen uns auf eure Vorschläge. Schreibt uns gerne, wir finden noch was. Und danke an diese Frage. Ich glaube, die kam von Rick, wenn ich mich nicht täusche. Zum Schluss noch eine persönliche Frage, die von Iris kommt. Iris aus Hamburg. Sie ist um die 50 und sie hat einiges gefragt. Ich versuche mich jetzt mal zu konzentrieren. Sie fragt, ob wir jetzt eigentlich Experten und Expertinnen sind. Sie fragt, ob wir mittlerweile in Freundes- und Familienkreisen jetzt die Älterwerdenexpertin Experten geworden sind, ob wir ständig nach unserer Expertise befragt werden. Wir werden nicht wie bei Orthopäden auf Partys gefragt. Und was unsere Top-3-Tipps zum Älterwerden sind, die wir standardmäßig raushauen.
Brigitte Huber 38:36
Ui. Also tatsächlich ist es mir kürzlich zum ersten Mal passiert, dass bei einer Party, einer Art Party, jemand gefragt hat im Beisein von zwei anderen H&S #30 Transkript Leuten: Er hätte da so ein Thema und ich könnte doch aufgrund meines Fachwissens dieses Thema bestimmt gut erklären. Und das Thema war, fand ich ganz spannend, inwieweit das Sinn macht, dass man, wenn man schon länger zusammen ist als Paar, getrennte Schlafzimmer hat. Das hatten wir auch noch gar nicht besprochen in unserem Podcast. Und insofern habe ich mich dann so ein bisschen überfragt gefühlt und dann aber wieder das zum Besten gegeben, was ich jetzt, sage ich mal, aus 20, 30 Jahren Frauenzeitschriften-Erfahrung und was man halt so mitkriegt im Freundeskreis und so was von mir gegeben hat. Also jeder soll das machen, wie er möchte, aber es gibt Leute, die das gut finden oder zumindest zeitweise und so weiter und so fort. Aber ich fand es sehr süß und ich habe mich auch irgendwie gefreut, dass mir diese Expertise aufgrund unseres Älterwerden-Podcasts zugetraut wird.
Stephan Seiler 39:42
Sehr gut. Hast du denn die Frage dann in irgendeiner Form beantworten können, was du siehst?
Brigitte Huber 39:47
Ja, ich habe sie so beantwortet, wie ich es jetzt gerade versucht habe. Also da gibt es ja, es gibt ja jetzt auch wirklich nicht die Antwort, sondern ich meine, das muss man schon individuell ausmachen als Paar. Ich weiß bis hin zu, dass manche Paare überhaupt nicht die Möglichkeit haben in verschiedenen Zimmern, da müsste dann irgendwie einer auf der Couch schlafen. Das sind ja schon so Themen, wo ich sage, ich brauche zumindest den Luxus, ein zweites potenzielles Schlafzimmer zu haben und so weiter. Insofern habe ich gemerkt, ah ja, doch, das Thema hat mich anscheinend beruflich oder auch privat, also jetzt nicht persönlich. Ich lebe ja in einer Beziehung, in der wir nicht zusammenwohnen. Und das heißt, dass ich genügend Nächte auch allein in meinem Bett schlafe und mich dann aber freue, wenn mein Partner da ist, dass er auch bei mir schläft. Also, aber ich weiß, ich habe es halt schon genügend bearbeitet oder schon genügend darüber gelesen, um so halbwegs mich aus dieser Sache da rauszulavieren.
Stephan Seiler 40:43
Das kann ich mir bei dir sehr gut vorstellen. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht in den letzten monaten, dass die Gespräche gerade so bei Abendessen und auch beim berühmten Party Talk so häufig auf das ganze Themenfeld H&S #30 Transkript Älterwerden rückt. Vielleicht liegt es an unserem Podcast und an den mir unterstellten Kenntnissen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich einfach mit so vielen Menschen umgeben bin, die es betrifft. Offenbar scheinen Menschen mit Mitte 40, Anfang 40, Ende 40, Mitte 50, mit denen ich ja sehr viel zu tun habe, das wirklich zu beschäftigen. Und auch da muss man quasi nur ein Wort mal fallen lassen, dann geht es los.
Brigitte Huber 41:17
Aber ich finde, man muss ja auch immer aufpassen. Ich fand das ganz toll. Ich habe mich mit einer früheren Kollegin letztes Mal getroffen und die ist jetzt wirklich noch einiges älter und die hat gesagt, sie hat so ein Agreement, wenn sie sich mit Freundinnen oder so treffen, das ist jetzt ein bisschen anders, aber trotzdem 10 Minuten über Krankheiten, keine Minute länger, weil ansonsten— und das ist ja dann schon auch früher so. Ich weiß, dass ich vor kurzem mal bei einer Veranstaltung war, Und ich hatte ja so eine Schulter, so eine Frozen Shoulder und irgendwie kam ich mit irgendjemand drauf und auf einmal stehen wir da und waren ja 3 Frauen. Die anderen 2 waren noch ungefähr 10 Jahre jünger und wir haben über Schulter geredet. Und dann habe ich auch nach 10 Minuten gesagt: Stopp! Ist doch schön, dass wir uns mal wieder treffen. Haben wir kein besseres Thema als irgendwie solche Schultergeschichten? Und das finde ich schon auch. Das Thema Älterwerden hat ja viel Positives auch und sich da auszutauschen und da zu erzählen: Hey, was ich jetzt gerade wieder gehört habe oder jetzt beispielsweise, ich glaube, über die hatten wir auch schon gesprochen, diese neue Yale-Studie, woraus kam, dass eben so wahnsinnig viele Menschen ab 65 noch zulegen, im positiven Sinn, körperlich oder geistig. Also dass es eben nicht diese Kurve gibt. Es geht so einfach kontinuierlich bergab, bei dem einen schneller, bei dem anderen langsamer. Und solche Studien, die hätten mich früher schon fasziniert. Und auf die fahre ich natürlich jetzt noch mehr ab als früher. Aber ansonsten finde ich schon, es gibt genügend andere Themen, über die man sich dann auch noch unterhalten kann.
Stephan Seiler 42:47
Ja, dem möchte ich gar nicht viel hinzufügen. Das sehe ich ganz genauso. Aber es ist echt ein super Party Talk. Also wenn euch mal gar kein anderes Thema einfällt, könnt ihr einfach die besten Tipps und Tricks, die ihr hier oder auch woanders eingesammelt habt zum Thema Älterwerden diskutieren. Das löst immer was aus. H&S #30 Transkript
Brigitte Huber 43:01
Der Lieblingstipp, den die meisten Menschen, glaube ich, total gern haben, Den haben wir bei der Buchrecherche, hat Annibale bei der Buchrecherche ausgegraben. Was du tun sollst, ist auf einem Bein mit geschlossenen Augen stehen. Irgendwie 30 Sekunden. Ja, und ich schwöre dir, Stephan, ich versuche es nicht jeden Tag, aber mindestens jeden zweiten. Und ich glaube, ich habe es noch nie ganz geschafft. Aber da merke ich dann auch, dass ich gelassen damit umgehe. Ich mache es wie Scarlett O'Hara im letzten Satz. Weißt du, was das ist? Der letzte Satz von „Vom Winde verweht". Morgen ist ein neuer Tag oder so, morgen ist ein anderer Tag. Das heißt dann immer okay, heute war es jetzt noch nicht so doll, heute waren es vielleicht 3,5 Sekunden oder 12. Also dann bin ich aber schon richtig stolz, wenn es gefühlt 12 sind. Aber vielleicht morgen, vielleicht bin ich morgen so weit. Aber das ist ein ganz toller Tipp, weil der ja unsere innere Balance und alles, was einfach gut ist, wenn wir älter werden, also und 30 Sekunden sind halt nicht so lange. Ja, deswegen mögen es die Leute, glaube ich, auch gern. Und anstrengend ist es eigentlich auch nicht. Du musst bloß aufpassen, dass du nicht umfällst und dir irgendwie die Nase aufschlägst.
Stephan Seiler 44:07
Ganz genau, das ist das Thema. Das fällt mir ja manchmal schon bei offenen Augen, mit geöffneten Augen schwer, die Balance zu halten. Aber liebe Iris, um deine Frage noch zu beantworten nach den Top 3 der besten Tipps. Du hast jetzt einen genannt. Willst du noch 2 hinzufügen, liebe Birgitte?
Brigitte Huber 44:23
Nee, ich finde, das ist ja wieder so individuell, oder? Also hast du noch 2?
Stephan Seiler 44:28
Also es stimmt, es ist individuell, aber vielleicht sagt das auch mehr aus über die Menschen, mit denen ich mich umgebe. Die häufigsten Tipps, die nachgefragt worden sind, oder die Themenfelder, die nachgefragt worden sind, haben dann zu folgenden 3 Tipps geführt. Das eine ist jeden Tag eine Handvoll Nüsse und Tomatenmark und Möhrensaft futtern. Hat Jarl Adler uns empfohlen, glaube ich in Folge 4 und 5, wenn ich mich nicht täusche. Cremt die Haut von innen ein und verlängert auch das Leben. Die Handvoll Nüsse und so weiter. Mache ich jetzt wirklich fast jeden Tag und damit gehe ich wirklich jedem auf die Nerven, weil es auch so einfach ist. Dann anderer H&S #30 Transkript Tipp: Muskeln sind wichtiger, als ich dachte. Eigentlich fast noch wichtiger als Ausdauer. Also Treppensteigen hilft. Jeder Gang macht schlank, sagte man doch immer so. Und das ist aber wirklich wichtig für die Oberschenkelmuskulatur. Und dritter Tipp: Genieße nach dem Sex die körpereigenen Drogen. Nicht sofort aufstehen und wegrennen, sondern gerade so den gestressten Menschen um mich herum empfehle ich das manchmal. Genieß die körpereigenen Drogen, hat ja Annemarie Henning uns gesagt in Folge kurz nach Weihnachten ist sie erschienen, glaube Folge 17 oder so.
Brigitte Huber 45:28
Wobei man natürlich sagen muss, ja doch, jeder Mensch kann Sex haben, egal ob mit oder ohne Partner. Hast du recht.
Stephan Seiler 45:33
Ja, und dann die körpereigenen Drogen zu genießen, das ist doch herrlich. Ist doch ein bisschen Rock 'n' Roll.
Brigitte Huber 45:39
Wunderbar. Ja, absolut.
Stephan Seiler 45:41
War übrigens Folge 19. Ich habe gerade noch mal nachgeguckt. Vielleicht noch mal ganz zum Schluss, versuchen wir noch weniger schlüpfrig auszusteigen. Was lässt uns kurz wieder jung fühlen, liebe Brigitte?
Brigitte Huber 45:52
Was lässt mich jung fühlen?
Stephan Seiler 45:55
Was lässt einen sich kurz wieder jung fühlen? So war die Frage gestellt. H&S #30 Transkript
Brigitte Huber 45:58
Ich habe da kein Allheilmittel. Es gibt eher so, natürlich gibt es diese Momente. Du bist auf einem Konzert oder so. Ja, also das ist aber jetzt nicht so was, was ich so häufig habe. Ich weiß es nicht. Sag du mal, was fällt dir da ein?
Stephan Seiler 46:14
Das ist eine Sache, die wir auch irgendwann in den letzten 26 Folgen schon mal angesprochen hatten. Es ist ein Punkt, den ich jetzt immer öfter mache und der mir wahnsinnig viel so ein junges Gefühl verleiht. Das ist, bei Freunden zu übernachten, bei Freunden und Freundinnen. Also vielleicht auf der Couch, im Gästezimmer, im Gästebett, wo auch immer. Das funktioniert bei mir sofort. Ich fühle mich sofort wieder wie früher, wie als Student oder junger Volontär. Und das gibt sofort ganz viel und man ist sich sofort auch wieder unfassbar nah. Dann ist es nicht nur quasi so eine Gesprächssituation, sondern das ist auch ein kleines Erlebnis. Weil du bist dann ja auch in der intimen Welt eines Freundes, eines Bekannten und du hast dann wieder ganz andere, sofort ganz andere Gespräche und eine andere Nähe, ein anderes Gefühl, finde ich, als wenn man sich im Café trifft.
Brigitte Huber 47:00
Ja, ich habe das häufiger, dass ich bei Freunden, Freundinnen vor allem übernachte, wenn ich nach München fahre oder so. Aber ich weiß gar nicht, ob ich mich dann da jünger fühle. Aber gut, ich mag das gerne. Es hat was Vertrautes und es ist irgendwie—
Stephan Seiler 47:12
ja, ich fühle mich da einfach so ein Stück lebendiger. Und so in Hotels zu übernachten und so weiter, hat es vielleicht dann auch sehr oft so verbunden mit dem Gefühl, ich bin auf Geschäftsreise. Aber wenn man zwischen dem Wäscheständer, dem gut bestückten Wäscheständer von Freunden übernachtet, dann hat man eine andere Vertrautheit, ein wohligeres Gefühl. Das geht mir immer mehr so.
Brigitte Huber 47:34
Bei mir ist es aber auch so, ich mag das auch sehr gerne, wenn ich in einer anderen Stadt bin und im Hotel bin und ich habe da, was weiß ich, irgendeinen beruflichen Auftritt, irgendwas. Das heißt, ich bin da ein paar Stunden festgebunden an eine Sache, aber ansonsten kann ich alles um mich herum selber H&S #30 Transkript gestalten. Das liebe ich auch total sehr. Da fühle ich mich eigentlich auch irgendwie jung, dass man denkt: Habe ich denn jetzt schon Hunger? Wo gehe ich denn hin? Gucke ich, was es hier für Läden gibt oder kaufe ich mir irgendwas auf die Hand und setze mich auf eine Parkbank? Und so weiter und so fort. Ich mag das schon auch. Ich mag das schon auch. Aber ansonsten, ich fühle mich auch jünger, glaube ich, obwohl ich das manchmal sehr quälend finde. Am Anfang ist, wenn man was Neues lernt, dieses irgendwas Neues. Das hat für mich vielleicht, weil es dann so ist wie in der Schule, weil man von null anfängt an irgendeiner Stelle. Also ich weiß noch vor ein paar Jahren, als ich mit der Coaching-Ausbildung angefangen habe, da habe ich die ersten Male gedacht, boah, alles neu. Und wenn dann das kommt, ah ja, Sachen fügen sich zusammen. Man versteht das, es wiederholt sich was im positiven Sinne. Du kannst auch was aufbauen. Das hat ein gutes Gefühl. Und dann fühle ich mich auch jünger als bei der 120. Routine, die ich vielleicht früher mal im Job hatte. Weißt, was ich meine?
Stephan Seiler 48:57
Ja, ich weiß, was du meinst. Und gleichzeitig frage ich mich aber, ob das auch immer so bei mir so stimmt. Denn manchmal, wenn ich manche Dinge lerne, kann ich mich auch richtig alt fühlen. Im Sinne von—
Brigitte Huber 49:06
Ja, kannst du auch.
Stephan Seiler 49:08
Wenn ich jetzt eine Sprache lerne, was ich gerade mache mithilfe einer App, da merke ich, ich lerne jetzt nicht so schnell, wie ich als Teenager Englisch gelernt habe. Und da denkt man auch manchmal so, weißt du, da kommen auch manchmal so kleine, kommen die inneren Dämonen wieder laut und fragen so: Na, was ist los?
Brigitte Huber 49:24
Ja, die Frage ist ja auch, insofern glaube ich, tue ich mich mit der Frage so ein bisschen schwer. Mein Ziel ist in der Regel gar nicht so häufig, dass ich mich jung fühle. Sondern ich will mich gut fühlen. Also ich fühle mich, wenn man irgendwie gut ausgeschlafen ist, was Tolles vorhat, sich auf was freut, seine Energie spürt, dann würde ich aber gar nicht sagen, dass ich mich dann jung fühle, sondern dass H&S #30 Transkript ich mich gut fühle, in meiner Kraft fühle oder so. Und das ist, glaube ich, eher so mein Ziel. Und auch wenn ich dafür auch den einen oder anderen Löffel Tomatenmark esse und viele andere Dinge, die da vielleicht dazu beitragen können, Also das ist schon was, was für mich ein erstrebenswertes Gefühl ist. Dem anderen Gefühl muss ich erst mal hinterhergehen. Wann habe ich mich zuletzt jung gefühlt?
Stephan Seiler 50:16
Ja, werden wir noch mal auflösen. Mich lässt auf jeden Fall jede Folge, die ich hier mit dir aufnehmen kann, liebe Brigitte, jung und gut fühlen.
Brigitte Huber 50:25
Sehr gut.
Stephan Seiler 50:26
Lebendig. Alles zusammen. Ich nehme immer was mit und freue mich schon auf die nächste Woche. Und die nächste Folge. Dann haben wir einen besonderen Gast bei uns. Mal wieder. Ildiko von Kürthy wird da sein. Brigitte, was wollen wir, was können wir heute schon verraten?
Brigitte Huber 50:42
Na ja, Ildiko hat ein neues Buch geschrieben. Es heißt Alt genug. Ich glaube, nahezu jeder hat es auch mitgekriegt, weil tatsächlich wirklich sehr viel darüber schon berichtet wurde. Und ich freue mich sehr. Ildiko war viele Jahre Kolumnistin auch bei der Brigitte, auch in den Zeiten, als ich dort war. Und insofern verbindet uns da das eine oder andere. Und ich freue mich sehr, dass sie zu uns in den Podcast kommt.
Stephan Seiler 51:08
Ja, mal schauen, ob sich auch Dennis Scheck freuen wird. Vielleicht hat er sich unter unseren Hörern befindet. Für alle, die damit nichts anfangen können. H&S #30 Transkript
Brigitte Huber 51:16
Genau, der Literaturkritiker der ARD, der sich so ein bisschen negativ über Ildikos Buch geäußert hat und das gab es dann doch eine größere Welle. Und ja, absolut. Ich glaube, viele haben es mitgekriegt.
Stephan Seiler 51:29
Ja, ganz bestimmt. Edeko von Kürthy hat sich ja gegen gewehrt. Auch Sophie Passmann und Elke Heidenreich. Es war eine größere gesellschaftliche Debatte in den vergangenen Wochen. Werden wir vielleicht auch eine Frage dazu stellen. Mal gucken. Auf jeden Fall, wir freuen uns drauf. Nächste Woche mit Edeko von Kürthy. Ihr Lieben, das war's für heute. Das waren eure Fragen.
Brigitte Huber 51:47
Vielen, vielen Dank. Ihr Kaulquappen dürfen wir ja nicht sagen. Also ihr Lieben.
Stephan Seiler 51:52
Wir sagen jetzt erstmal ihr Lieben. Das ist quasi der Arbeitstitel erstmal. Erstmal sagen wir ihr Lieben. Da gucken wir, ob noch was Besseres kommt, noch ein besserer Titel uns einfällt. Vielen Dank für all die tollen Fragen. Haben uns wirklich noch mal zum Denken bewegt, zum Nachdenken, Überdenken und Reflektieren dessen, was wir erfahren haben, und freuen uns jetzt auf die nächsten Wochen mit euch. Wenn ihr weitere Fragen habt, schickt uns gerne welche. Brigitte, Wir freuen uns auch auf die nächste Q&A-Session.
Brigitte Huber 52:21
Du hast ja versprochen, dass du jedem gerne als Gesprächspartner zur Verfügung stehst.
Stephan Seiler 52:27
Ganz genau. Wir versuchen wirklich, jedem zu antworten. Wenn es uns durchrutscht, dann bin im Zweifelsfall ich schuld. Wir sind stets bemüht, sagt man doch früher. Ja, genau. Wir machen das wirklich. Schreibt uns. Bis ganz bald. H&S #30 Transkript
Brigitte Huber 52:41
In diesem Sinne, ja, alles Liebe. Bis dann. Tschüss!
Stephan Seiler 52:49
Das war Die Sache mit dem Älterwerden, der Podcast mit Brigitte Huber und Stephan Seiler.
Brigitte Huber 52:54
Vielen Dank an Leo Ebert-Glang für die Titelmelodie, das Sounddesign und den Schnitt und an Alina Zawalisch für die Covergestaltung. Die Sache mit dem Älterwerden erscheint mittwochs auf allen gängigen Podcastplattformen.
Stephan Seiler 53:07
Folgt uns, abonniert uns, dann verpasst ihr keine Folge.
Brigitte Huber 53:11
Und empfehlt uns bitte weiter, das würde uns sehr freuen.
Stephan Seiler 53:16
Wenn ihr uns Feedback schicken möchtet, egal ob positiv oder negativ, oder wenn ihr Themenvorschläge für uns habt, schreibt uns eine E-Mail, eine Textnachricht oder Sprachnachricht auf unserem Instagram- oder Facebook-Kanal.
Brigitte Huber 53:29
Alle Infos findet ihr auch schriftlich zu dieser Folge in der Zusammenfassung in eurem Podcastplayer.
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Folge
31
·
78 Min.
Mit
Ildikó von Kürthy
Was hast Du gegen Selbstliebe und „gut genug“? Wieso willst Du weniger lachen?
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