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76 Min.

Welcher Kampf lohnt sich, Micky Beisenherz? Was bedeutet es, als Mann heutzutage älter zu werden? Und wie bleibt man als Vater dauerhaft cool?

Er ist die Stimme, mit der viele in Deutschland wach werden: (Michael) Micky Beisenherz, Moderator (u.a. Kölner Treff im WDR), Autor und Host diverser erfolgreicher Podcasts (u.a. Apokalypse & Filterkaffee, Friendly Fire, Fußball MML).

Psyche

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Überall, wo es Podcasts gibt:

Aber wie blickt ein Mann, der gefühlt überall gleichzeitig stattfindet, auf die große 50, die unaufhaltsam näher rückt?

Mal wieder eine Folge mit Tiefgang. Dazu Mickys unnachahmlicher Humor und die Erkenntnis, dass man sich im Herzen immer wie ein kleiner Junge fühlen darf – auch wenn man immer länger braucht, bis man das Geburtsjahr beim Scrollen gefunden hat.

Die Folge mit Micky Beisenherz ist unser Ostergeschenk an Euch (und auch an uns selbst). Weil nicht nur die Feiertage bevorstehen, sondern wir immer noch unser halbjähriges Jubiläum begehen, möchten wir dieses zusätzlich mit einer Premiere begehen:

Dies ist unser erster Video-Podcast! Ihr könnt Micky und uns also auch dabei zusehen, wie wir im Studio in Hamburg miteinander reden. Möglich ist dies in unserem YouTube- sowie unserem Spotify-Kanal. Die Links stehen unten.

Vielen Dank an Philipp Westermeyer und Podstars by OMR für die freundliche Unterstützung! https://www.podstars.de

Kapitelmarken

  • 00:00 Begrüßung & Vorstellung: Micky Beisenherz

  • 05:00 „Kennedys der Klempnerei“: Aufwachsen im Ruhrgebiet

  • 08:28 Die magische 50: Panik oder Gelassenheit?

  • 11:40 Zwischen Fußballplatz und Pilates-Matte

  • 20:04 Der Umgang mit öffentlichen Niederlagen

  • 27:12 „Choose your Battles“

  • 31:46 Männlichkeit heute und Feminismus

  • 48:40 Warum gemeinsame Erlebnisse zählen

  • 55:26 Privat vs. Öffentlich: Wo Micky die Grenze zieht

  • 1:03:22 Nächste Premieren

  • 1:12:19 Entweder-Oder

Transkript zur Folge

Micky Beisenherz 0:00
Also ich glaube, das gilt für mich wahrscheinlich genauso wie für die meisten anderen in dem Alter zu wissen, welcher Kampf sich lohnt. Ich glaube, das ist ein ganz entscheidendes Merkmal, dass du genau unterscheiden kannst, in welchen Dingen du dich verkämpfst oder wie man auf dem, also im Englischen leicht paraphrasiert sagt, auf welchem Hügel willst du sterben, dass du weißt du was, ne, komm, lohnt nicht wirklich. Nein, das glaube ich. Das ist eine ganz entscheidende Erkenntnis, die kommt mit dem Älterwerden, dass du genau selektierst, worin du dich verkämpfst und wo du sagst, es ist jetzt auch gut, dass du auch weißt, für was du dich auch einfach mal entschuldigen kannst. Das merke ich bei mir natürlich schon auch, dass ich mir zu selten dann auch Sachen zumute. Also dass ich einfach zu selten, also wenn es auch mal um so Abendveranstaltungen geht, also ich entscheide mich dann auch ganz häufig für die Couch, wo ich denke, ach weißt du was, ich bleib auf der Couch. Und manchmal denke ich mir, du müsstest schon mal noch mal ein bisschen häufiger auch vor die Tür gehen, um dich auch mal einer Situation auszusetzen, die sich im Nachhinein als super unterhaltsam herausstellt oder vielleicht möglicherweise auch als Todesbeschissen. Aber selbst dann hat es ja seinen Wert, dass du dann wenigstens im Nachhinein sagen, das war ein Erlebnis. Also sowas habe ich auch schon nicht gehabt. Die Frage habe ich mir natürlich auch dann und wann gestellt oder habe Sorge habe ich nicht, weil ich merke da nichts von. Aber ich denke natürlich auch, Gott bewahre das der Tag irgendwann kommt, dass du einfach gar kein Interesse mehr daran hast, dass sich das Leben so verändert, dass du sagst, lass mal einfach in Ruhe mit dem ganzen Nachrichtenscheiss ist glücklicherweise nicht so. Man weiß ja nie, was mal passiert, aber derzeit gibt es keinerlei Abnutzungserscheinungen. Es macht nach wie vor riesigen Spaß. Ich freue mich auf die Gäste, die da kommen. Ich habe immer wieder Spaß, über den ganzen Quatsch zu reden. Ist natürlich auch Teil unseres Alltages. Also wenn ich mit Niki da morgens sitze, dann geht es halt sofort los. Also wir haben auch einen ganz großen Gesprächsbedarf, über all das zu reden, was passiert, und zwar das Banale und das

Stephan Seiler 2:02
so substanzielle Micky Beisenherz ist jemand, den man kennt und gleichzeitig nie ganz greifen kann. Er ist Moderator, Podcaster, Autor. Er kommentiert jeden Morgen die Welt in einem der erfolgreichsten Nachrichten Podcast des Landes. Apokalypse und Filterkaffee heißt der. Er ist außerdem Gastgeber im WDR Talk Kölner Treff und einer der Autoren des RTL Dschungelcamps.

Brigitte Huber 2:28
Micky Beisenherz streitet sich auch gern mal und er beobachtet aber auch gern die Welt mit einer Mischung aus Ironie, Neugier und Distanz. Und da kann dann teilweise nach einer Woche schon durchaus ein Resultat kommen.

Stephan Seiler 2:43
Wenn man Micky Beißen Herz länger zuhört, merkt hinter dieser schnellen, sehr präzisen Beobachtungsgabe steckt jemand, der sich ziemlich genau anschaut und auch vielleicht gerade sich selbst. Und damit passt er genau zu dem, worum es hier geht, nämlich zum Älterwerden

Brigitte Huber 3:01
und zu der Frage, was sich im Laufe der Zeit verschiebt, was vielleicht leichter wird, was komplizierter wird und was sich nicht mehr wegironisieren lässt.

Stephan Seiler 3:11
Wir wollen heute mit ihm darüber sprechen, wie man älter wird, wenn man als Mann in der Öffentlichkeit steht, wenn man also jeden Tag etwas zu sagen haben soll.

Brigitte Huber 3:20
Wir sprechen über seinen Antrieb, was treibt ihn an, was macht er aus Lust heraus oder vielleicht aus der Angst, nicht mehr stattzufinden.

Stephan Seiler 3:29
Wir sprechen über Männlichkeit und darüber, was es heute eigentlich heißt, ein mann jenseits der 40 fast 50 zu sein, zwischen Selbstironie, Erwartungsdruck und der Frage, wie verletzlich man sich zeigen darf.

Brigitte Huber 3:42
Und wir sprechen über Freundschaften, über seine Männerfreundschaften und ob er ihnen wirklich alles, alles mitteilt.

Stephan Seiler 3:50
Natürlich geht es in einem Gespräch mit Micky Beisenherz, der überall präsent ist, auch um Öffentlichkeit und Privatleben. Wie viel zeigt man von sich selbst, wo ist die Grenze, Verschiebt die sich oder behält man die bei?

Brigitte Huber 4:04
Und wir sprechen auch mit ihm über das Älterwerden im Körper und was er manchmal morgens fühlt, was er früher nicht gefühlt hat.

Stephan Seiler 4:14
Ist es vielleicht am Ende sogar erleichternd, am Älterwerden, sich über gewisse Dinge keine Gedanken mehr machen zu müssen? Darum wird es heute gehen.

Brigitte Huber 4:24
Ich bin Brigitte Huber.

Stephan Seiler 4:25
Ich bin Stephan Seiler und das ist die Sache mit dem Älterwerden. Lieber Micky, herzlich willkommen.

Micky Beisenherz 4:54
Vielen Dank.

Stephan Seiler 4:55
Schön, dass du da bist.

Micky Beisenherz 4:56
Thanks for having me, sagt man.

Brigitte Huber 4:58
Ja genau, Absolut richtig.

Stephan Seiler 5:00
Du kommst aus dem Ruhrpott, genauer gesagt aus Castrop Rauxel. Deine Eltern waren Inhaber eines Klempner Betriebsrats. Du hast mal gesagt, ihr wart so was wie die Kennedys der Klempnerei aus Castrop Rauxel.

Micky Beisenherz 5:13
Ja, zutreffend.

Stephan Seiler 5:14
Dein Onkel wurde später sogar noch Bürgermeister.

Micky Beisenherz 5:17
Ja, das hat mit der Klempnerei nichts zu tun, Aber ja, stimmt.

Stephan Seiler 5:20
Hier sind wir im Podcast, der sich rund ums Älterwerden dreht. Was für ein Verhältnis zum Älterwerden entwickelt man, wenn man im Ruhrgebiet aufwächst?

Micky Beisenherz 5:31
Ja, okay, das ist eine gute Frage. Also dir begegnen im Ruhrgebiet natürlich genauso wie überall in der Gesellschaft viele ältere Menschen. Mit dem Unterschied, dass ältere Menschen, so wie ich sie im Ruhrgebiet kennengelernt habe, man redet immer von Sichtbarkeit, dass sie dann verschwinden würden. Das ist mir im Ruhrgebiet so nie aufgefallen. Also da ist es eigentlich immer schon so gewesen, dass ältere Menschen, wie auch der Rest der Menschen im Ruhrgebiet sehr kommunikativ waren und sind will heißen, ich bin mit meinem Hund am Rhein Herne Kanal entlang gejoggt und irgendein Opa kommt immer und wer gewinnt oder wie lange muss er noch oder so, weil die Leute sind ja sehr kommunikativ. Insofern sind natürlich auch die alten Menschen im Ruhrgebiet kommunikativ, teilen sich mit und sind dann auch einfach lustig irgendwie. Also ich hatte auch eine Szene, da bin ich dann, ich weiß gar nicht, warum ich da, ich bin irgendwie mit dem Bus gefahren, so muss ja manchmal hilft ja nichts. Und dann bin ich dann so ganz klassisch mit dem Bus gefahren vom Castroper Hauptbahnhof zu meinem Elternhaus und dann saß ich im Bus und dann steht dann auch so eine Oma so auf ihren Rollator gestützt und sieht dann so ein paar Meter weiter irgendwie so ein junges Mädchen, die dann reden, sich die ganze Zeit räuspert. Also die beiden trennten ungefähr 60 bis 70 Jahre und dann ist dann so eine Oma und die stupst dann irgend so einen jungen Mann an, der auch so 17 mit so einer Gucci Kappe und hier, gib dem Mädchen da mal das Klümpchen, dann hat sie so ein Kräuterbonbon. Also das heißt auch da gibt es eine Sichtbarkeit älterer Menschen, die dann im Zweifel sagen, da ist das Mädchen da vorne, die kriegt jetzt mal so ein Hustenbonbon, weil hier im Bus die ganze Zeit, die sich räuspert. Also die Leute sind auch verbal nicht unterrepräse.

Brigitte Huber 7:16
Schlägt sich diese Sichtbarkeit auch bei Geburtstagen und sowas nieder. Werden da Geburtstage gefeiert? Richtig?

Micky Beisenherz 7:22
Ja. Also gut, ich meine, ich komme ja aus einer Familie, aus einem viergenerationen Haushalt. Insofern war natürlich das Alter bei uns eh immer schon total präsent. Und klar, auf Familien feiern das natürlich ganz viele Onkels und Tanten jenseits der 70 oder 80, die natürlich alle da sind.

Brigitte Huber 7:38
So Logo und hast du das beibehalten? Feierst du deine Geburtstage?

Micky Beisenherz 7:43
Habe ich schon ganz lange nicht mehr gemacht, aber nicht, weil ich jetzt irgendwie den Geburtstagen kritisch gegenüberstehe. Aber bei mir war es so, ich war damals sehr bekannt dafür, eigentlich jeden Geburtstag zu feiern. Da gab es mal größere Festivitäten, weil in meinem Elternhaus der Garten auch groß war und ich habe im Sommer Geburtstag, dann bietet sich natürlich an und hab eigentlich so bis in meine ER hinein auch immer relativ viel gefeiert. Und als ich dann aber in der Scheidung war, da ist mir das Feiern so ein bisschen vergangen. Es ist ja manchmal so, wenn du dich gerade trennst, scheiden lässt, dann hast du irgendwie auch so nicht so den Zeitpunkt, wo du denkst so ich feiere jetzt groß mein 40 weil es irgendwie auch fühlt sich nicht so an und darüber habe ich so ein bisschen verloren.

Brigitte Huber 8:24
Hättest du nächstes Jahr wieder eine gute Chance?

Micky Beisenherz 8:26
Im nächsten Jahr hätte ich wieder eine gute Chance.

Brigitte Huber 8:28
Wir Verraten, du wirst 50?

Micky Beisenherz 8:29
Ja genau. Genau.

Brigitte Huber 8:31
Geht dir das bisschen bevor? Ist es eine Zahl, die dir Respekt? Also ich gehe immer von mir aus, Ich habe glaube ich schon meinen 40. Aus ähnlichen Gründen wie deinen nicht gefeiert und den 50. Habe ich immer so angekündigt. Bin dann aber lieber nach Buenos Iris geflogen und so. Und ich bin ja jetzt vor zwei Jahren 60 geworden und dann habe ich mir Boah, ich fand das richtig schwierig. Aber hast du irgendwie Respekt?

Micky Beisenherz 8:56
Das Kompliment möchte ich dir erstmal machen. Darauf wäre ich jetzt nicht gekommen.

Brigitte Huber 9:00
Super, danke.

Micky Beisenherz 9:01
Das hätte ich mir jetzt wirklich nicht gedacht. Also jetzt momentan gehe ich damit entspannt um. Wie war es? Roger Willemsen sagte ja irgendwann mal, dass man solche runden Geburtstage im Grunde genommen vier Jahre hat. Also du bist schon zwei Jahre vorher bist du schon die runde Zahl und zwei Jahre danach bist du es aber auch noch. Das heißt, ich bin jetzt also schon so seit fast zwei Jahren 50 und ja, schauen wir mal.

Brigitte Huber 9:24
Ich möchte jetzt auch keine Angst einjagen.

Micky Beisenherz 9:26
Also momentan bin ich da, was das angeht, recht entspannt, aber ich glaube schon, wenn es dann so weit ist, dass es sich komisch anfühlt. Also witzigerweise sprachen wir heute noch darüber, da saß ich noch mit Frau und Kind morgens da um sieben und dann alberte ich wieder rum und dann sagte meine Frau zu meiner Tochter, kannst du dir das vorstellen, dass der nächstes Jahr 50 wird? Der ist doch noch ein kleiner Junge, weil ich dann irgendeinen Quatsch machte. Und ja, es ist ja auch seltsam, weil einerseits bewahrst du dir das kindliche Gemüt im besten Falle und gleichzeitig altert der Mensch drumrum ja nun sichtbar. Das ist ja nun mal einfach so, oder wenn du es selber nicht siehst, brauchst du nur deinen Personalausweis gucken oder wenn du auf irgendwelchen Internetseiten dein Alter angeben musst und dann kannst du ja immer in der Jahresleiste, musst ja wie an so einem Rad drehen, das so scrollen und das geht halt, das dauert relativ lange, bis du an deinem geburtsjahr angekommen bist. 1977 stimmt, finde ich auch.

Brigitte Huber 10:21
Das merkt man dann immer.

Micky Beisenherz 10:22
Genau daran merkst du es halt auch. Beziehungsweise ich habe es ja in meinem Job ja auch mit sehr vielen jungen, klugen Leuten zu tun. Und dann stellst du mit einem großen Erstaunen fest, dass Menschen, die zum Beispiel im Jahr 2000 geboren sind, was uns ja so vorkommt, als sei das gestern gewesen, dass die dann halt auch schon 26 sind und richtig erwachsen. Richtig erwachsen, ja. Oder Leute, die vielleicht sogar noch mal fünf Jahre jünger sind, dass die als schon sehr kluge Gedanken äußern. Also klar, das drängt sich auf.

Stephan Seiler 10:52
Jetzt bist du ein bisschen der Frage aber auch ausgewichen, wie du deinen 50. Dann feiern willst. Hast du irgendeine Spur?

Micky Beisenherz 10:59
Nein, also keine Ahnung. Ich könnte mir vorstellen, wenn ich es feier, gibt es ja dann doch einige Menschen in meinem persönlichen Umfeld, die ich gerne mag, die ich gerne um mich habe Und dann muss ich halt, ich müsste dann theoretisch zusehen, dass ich dann Leute aus diversen Teilen Deutschlands entweder in Hamburg oder in meiner Heimat im Ruhrgebiet zusammenbringe. Vielleicht mache ich es auch im Pott. Macht irgendwie auch Sinn, weil auch die Familie ist und alte Freunde und so. Da müssen die halt mal nach Casaubr.

Stephan Seiler 11:28
Ist doch auch schön wunderbar. Du redest ja so oft davon, dann können sie es doch selbst angucken.

Micky Beisenherz 11:32
Vielleicht sogar fast ein bisschen reizvoller. Also entweder man feiert irgendwo in Hamburg am Wasser, was auch g*** ist, oder man macht halt richtig volle Lotte dann halt in Kassro Brauxel.

Stephan Seiler 11:40
Wann hast du dich denn das letzte Mal wirklich alt gefühlt? Also nicht ironisch, sondern ernst. Gibt es sowas überhaupt?

Micky Beisenherz 11:48
Da müsste ich kurz. Also naja, sagen wir es mal so, ich fühle mich häufiger morgens alt, wenn ich aus dem Bett komme und mich ein bisschen steif fühle und die Beine ein bisschen schmerzen. Jetzt habe ich allerdings die psychologische Krücke, dass ich darauf zurückführen kann, dass ich am Abend vorher noch Fußball gespielt habe oder laufen war oder so. Also ich weiß derzeit nicht mehr genau. Schmerzt es jetzt einfach, weil du vorher 90 Minuten Fußball gespielt hast und ich renne auch ziemlich viel. Also gibt es auch einen Grund dafür, dass es schmerzt oder ist es halt einfach alt? Ich kann es nicht sagen. Das Einzige, worüber ich mir ernsthaft Gedanken mache gerade ist, ich muss anfangen zu stretchen. Ich muss mit. Ja, ich muss. Also mein Physio hat mir vor drei Jahren oder so schon gesagt, das war zu dem Zeitpunkt, wo mir mal so die Wade um die Ohren geflogen ist beim Fußball. Du musst anfangen Pilates zu machen, um ein bisschen dehnbarer zu sein. Und auch da wieder weiß ich nicht genau, bin ich jetzt so steif, weil ich halt Muskelkater habe vom Vorabend oder bin ich halt einfach steif, weil ich alt bin? Das weiß ich nicht. Ich müsste irgendwann anfangen, mich zu denen.

Brigitte Huber 12:55
Ja, aber ich finde, das haben wir im Laufe des Podcasts auch rausgefunden und ich habe auch ein Buch zu dem Thema geschrieben. Es ist ja auch total nicht nur in Ordnung, es ist gut, wenn man sich jünger fühlt. Also du musst jetzt nicht einreden lassen, dass du dich irgendwann mal morgens, abends oder sowas alt fühlen solltest, weil tatsächlich, wir fühlen uns alle im Schnitt 8 bis 10 Jahre jünger. Also es hat uns, also die meisten und die, die das tun, leben auch länger und länger gesünder. Anscheinend macht es ja. Also insofern, es sind bei dir morgens nur diese Sportler Trainingsgeschichten. Das hat überhaupt nichts mit dem Alter zu tun.

Stephan Seiler 13:29
Das Umgekehrte geht doch auch, oder? Also wenn ich mich älter fühle, dann sterbe ich früher.

Micky Beisenherz 13:34
Aber das kann ich nur bestätigen. Also ich hatte ja schon während meiner Zeit in der Schule gab es ja schon Menschen, die waren halt einfach schon unglaublich alt, also war selber 17, 18 und die waren halt einfach wirklich, also so eine Oma halt oder Opa und

Stephan Seiler 13:49
so haben die dann aber auch vom Habitus her.

Micky Beisenherz 13:51
Ja, vom Habitus her. Und genauso haben sie dann ihr Leben auch weitergeführt. Man weiß ja dann, wie der ein oder andere sich entwickelt und man denkt, ja klar, war im Grunde genommen schon alles veranlagt.

Stephan Seiler 14:01
Micky, du sprichst in, jetzt habe ich dir eine Frage, dann nehme ich sie

Brigitte Huber 14:08
wieder, du sprichst in Apokalypse und Filtercafé jeden Tag über die Welt. Wählst du die Themen heute anders aus als vielleicht vor fünf Jahren?

Micky Beisenherz 14:19
Da müsste ich mal eine Sekunde drüber nachdenken. Also klar, natürlich wähle ich die Themen anders aus, weil die Themen andere sind. Aber was natürlich sehr wichtig ist bei uns, ist, dass wir grundsätzlich immer so eine Art Sandwich bilden. Das heißt, wir haben erstmal am Anfang etwas Leichteres, um die Leute auch mal so ein bisschen durchzulockern. Dann kommt halt der härtere Teil, der substanzielle Teil kommt in der Mitte und hinten raus wird es wieder ein bisschen leichter. Jule Jankowski, die auch ein Podcast macht, die nannte es mal so in die Badewanne langsam eintauchen. Da hat sie einen sehr richtigen Punkt getroffen, dass du halt eben die Leute nicht in die Knallheiße oder eiskalte Wanne, je nachdem wie man es will, reinschmeisst, sondern du kannst mal ganz sachte erstmal den Zeh reintauchen und bist dann mit den Knien drin, weil sonst, also das ist ja, würde ich behaupten, ja auch unser unique selling point, dass wir über eine gewisse Form der Leichtigkeit und des Blödsinns die Leute sanft an das ranführen, was dann elementar und substanziell ist. Sonst hältst du es ja fast nicht aus.

Stephan Seiler 15:22
Bei euch wird erst über den Wal gesprochen, der gestrandet und danach geht es dann erst im Iran und die anderen

Micky Beisenherz 15:28
ersten exakt so ist es genau. Ich weiß gar nicht, wo der Wal jetzt ist. Ich meine, der ist in der Bonner Innenstadt gesichtet. Du weißt einfach gar nicht mehr. Wobei, wenn die Folge ausgestrahlt wird, also alles Gute. Der ist ja übrigens ein gutes Beispiel dafür. Er ist ja jung, aber man hat das Gefühl, er hat eigentlich schon aufgegeben. Der hat gesagt, Leute, wirklich ganz ehrlich, jetzt lasst mich doch einfach auf der Sandbank liegen. Ihr seht es doch, ich mag nicht mehr. Und die schieben ihn immer wieder ins Meer zurück, dass ich werde verrückt. Ich will jetzt einfach meine Ruhe haben, ich habe keine Lust. Also Stichwort altern.

Brigitte Huber 16:04
Aber sagen wir mal, bei der Auswahl der Themen, also irgendwann wird ja da auch eine Routine draus, oder? Also auch als Blattmacherin von früher sagen irgendwann. Und kennst du das dann auch, dass dann sich zu der Routine manchmal auch so was wie Langeweile schon gesellt oder kannst du dich immer wieder total neu motivieren?

Micky Beisenherz 16:25
Also das finde ich, die Frage habe ich mir natürlich auch dann und wann gestellt oder habe Sorge habe ich nicht, weil ich merke da nichts von. Aber ich denke natürlich, Gott bewahre, dass der Tag irgendwann kommt, dass du einfach gar kein Interesse mehr daran hast, dass sich das Leben so verändert, dass du sagst, lass mir einfach in Ruhe mit dem ganzen Nachrichtenscheiss. Ist glücklicherweise nicht so. Man weiß ja nie, was mal passiert, aber derzeit gibt es keinerlei Abnutzungserscheinungen. Es macht nach wie vor riesigen Spaß. Ich freue mich auf die Gäste, die da kommen. Ich habe immer wieder Spaß, über den ganzen Quatsch zu reden. Ist natürlich auch Teil unseres Alltages. Also wenn ich mit Niki da morgens sitze, dann geht es halt sofort los. Also wir haben da auch einen ganz großen Gesprächsbedarf, über all das zu reden, was passiert, und zwar das Banale und das Substanzielle, sodass ich stand jetzt nichts davon merke. Thank God, weil es kann ja auch anders.

Brigitte Huber 17:14
Ja, absolut. Kann man nicht wissen.

Stephan Seiler 17:15
Du führst ja ein wahnsinnig aufregendes Leben, zumindest von außen betrachtet.

Micky Beisenherz 17:20
Wenn es so aussieht, ist gut.

Stephan Seiler 17:22
Du hast unfassbar viel. Wir haben schon gesprochen über den Podcast Apokalypse und Filtercafé. Du machst doch einen Fussballpodcast. Du machst einen Podcast mit deinem Kumpel Oliver Polak einmal die Woche. Du moderierst den Kölner Treff, du bist einmal im Jahr in Australien im Dschungelcamp, du machst noch so viele andere, schreibst eine Sternkolumne etc. Etc. Etc. Stimmt.

Micky Beisenherz 17:43
Wenn du es so sagst, klingt es

Stephan Seiler 17:44
echt zwischendurch noch mit irgendwelchen rechtsradikalen Trollen.

Micky Beisenherz 17:48
Ja, wobei ich mich ja gerne nicht mit denen streite, sondern ich lasse es abregnen. Ab und zu trete ich mal kurz in den Raum, bemerke, oh, hier ist gut was los und dann gehe ich auch wieder.

Stephan Seiler 17:58
Aber ich frage mich trotzdem immer wieder, was ist dein Motor? Wie viel davon ist Lust, vielleicht sogar intrinsische Motivation und wie viel ist vielleicht auch Angst davor, nicht mehr stattzufinden, wie es ja auch viele Freiberufler haben. Du bist ja auch Freiberufler, also muss man viel machen einfach, weil es könnte ja jederzeit vorbei sein.

Micky Beisenherz 18:17
Also das lässt sich ja aus meiner Position ja nie wirklich objektiv beurteilen. Also was ich empfinde, ist, dass ich es mit großer Lust mache und es gibt eine große intrinsische Motivation, das zu tun, weil es mir einfach Freude macht und weil ich, sagen wir mal, offensichtlich ein großes Mitteilungsbedürfnis habe, sonst würde ich es ja nicht machen. Ich spüre keine Angst, nicht stattzufinden. Aber dazu müsste man vielleicht mal jemanden ranziehen, der oder die vom Fach ist und das vielleicht ganz anders beurteilt. Ich meine, du kannst es ja irgendwann auch nicht mehr sagen, ist es jetzt Geltungsdrang, ist es die reine Eitelkeit, der Narzissmus, das Mitteilungsbedürfnis. Ich habe nicht den Eindruck, dass ich das unbedingt mache. Also ich kann mich schon auch dahingehend zurückziehen, dass ich jetzt auch bei manchen Themen oder Wochen sage, weißt du was, das sollen einfach andere machen. Ist jetzt nicht so, als würde ich jede Gelegenheit nutzen, zu irgendeinem Thema mich zu äußern. Aber wie wir ja alle gemeinsam feststellen, es gibt ja dann doch im Laufe der Woche genügend Outlets, auf denen es dann doch halt eben geschieht. Aber es macht halt auch einfach Freude, beziehungsweise da ist dann doch der eine oder andere Gedanke da, bei dem ich das Gefühl habe, ach, den würde ich jetzt gerne noch mal so reinwerfen und sei nur im Zweifel, um zu schauen, was passiert. Also es ist dann auch nicht nur Mitteilungsdrang, sondern auch Neugierde. Also einfach etwas reinzuwerfen und zu gucken, was zurückkommt. Und zwar egal, ob das jetzt witzig ist oder von mir aus auch provokant. Also es gibt ja auch, also was ich mir glaube ich nicht zwingend vorwerfen lassen muss, ist, dass ich gefallsüchtig bin, weil dafür habe ich zu viele Sachen geschrieben oder gesagt, von denen ich genau weiß, dass du im Zweifel auch ein Publikum verprellst, das du vor zwei Tagen noch auf deiner Seite wusstest.

Brigitte Huber 20:04
Wie gehst du denn mit Flops um oder mit Dingen, die nicht so gelingen?

Micky Beisenherz 20:08
Ja, es hängt ja mal davon ab. Also ist natürlich eine definitorische Frage.

Brigitte Huber 20:12
Definier mal, wann war dein Leben letzter Flop, den du als Flop definieren würdest?

Micky Beisenherz 20:17
Ja, also der größte Flop ist meines Erachtens immer, wenn du Teil einer Veranstaltung bist, über die du nicht die volle Kontrolle hast bzw. Über deren Ausgang du nicht die volle Kontrolle hast. Also du bist Teil einer Veranstaltung, in der Dinge, oder ich meine, die letzte Instanz im WDR ist natürlich ein super Beispiel dafür. Du bist Teil einer Veranstaltung, die misslingt auf mehreren Ebenen. Das eigene Dazutun ist gar nicht so groß, aber du bist halt einfach da gewesen und hast vielleicht dich, du hast nicht so agiert, du hast das volle Potenzial nicht ausgeschöpft und dann läuft es halt richtig scheiße und dann kriegst du halt auf die Fresse.

Stephan Seiler 20:53
Das war eine Veranstaltung für alle, die nicht dabei waren, denen es entgangen ist, mit Thomas Gottschalk damals.

Micky Beisenherz 20:57
Ja, und Jürgen Bilski und Halaschka hat moderiert, das lief im WDR, das ist jetzt auch schon über fünf Jahre her und das lief auf mehreren Ebenen wirklich nicht gut. Und dann bist du aber natürlich dafür mitverantwortlich. Du warst halt einfach da. Das Problem ist, ich hatte vor der ganzen Sendung schon kein so richtig gutes Bauchgefühl, was die Besetzung der Sendung angeht, bin aber am Ende dann nun trotzdem hingegangen und da gewesen. Und das ist so doppelt ärgerlich, wenn du schon das Bauchgefühl hast und denkst, ah, ich weiß nicht. Und dann wieder das Bauchgefühl zu agieren, es doch zu machen und dann im Nachhinein festzustellen, siehste, hättest du es mal gelassen. Das ist für mich ein Flop. Wenn ich Dinge schreibe oder im Podcast äußere und es dann massiven Gegenwind gibt, ich aber zu der Meinung stehe oder zu der Position, dann ist das ja kein Flop, weil ich sage, ja, ich habe das wissentlich in Kauf aufgenommen, dass ein wesentlicher Teil der Leute. Was für ein Idiot, was für eine Arschgeige, was ein T******. Aber das ist dann, okay, das ist kein Flop. Flop ist halt immer etwas für mich persönlich, wenn ich wieder das Bauchgefühl agiere und es dann halt misslingt. Einen Flop kann man natürlich auch von mir aus auch zahlenmäßig sagen. Du machst irgendetwas, beim Fernsehen ist es ja so ein Klassiker. Du machst beim Fernsehen etwas und dann ist die Quote scheiße. Das würde ich aber nicht zwingend als Flop bezeichnen. Also ich habe auch schon Sachen gemacht, die eine schlechte Quote hatten, die aber trotzdem einfach sehr, also nach meinem persönlichen Dafürhalten sehr, sehr gut gewesen sind.

Brigitte Huber 22:24
Also du interpretierst selber, was eine Niederlage ist oder was nicht, weil ich finde, das hat man auch ein Stück weit dann selber in der Hand.

Micky Beisenherz 22:31
Total. Ich habe auch schon, also wenn wir übers Fernsehen reden, ich habe auch schon Sachen gemacht, die hatten eine Superquote, waren aber totale Scheiße nach meinem Dafürhalten. Das ist ja dann, das ist zwar numerisch dann ein Erfolg, aber inhaltlich halt einfach wirklich eine komplette Gurke. Da bin ich, da muss ich dann sagen, also auf Strecke wäre es schon besser, wenn man Sachen macht, die erfolgreich sind, weil dann darfst du nämlich weitermachen. Aber wenn da ein paar Sachen dabei sind, die inhaltlich gut sind und mir gut gefallen, die aber keine gute Quote haben oder zu wenig gelesen wurden oder so, dann kann ich damit also sehr

Brigitte Huber 23:02
gut leben, machst einen Haken drunter.

Stephan Seiler 23:04
Ja, du arbeitest ja sehr viel mit Ironie. Ist das für dich eher ein Stilmittel oder ein Schutzmechanismus?

Micky Beisenherz 23:12
Wahrscheinlich beides. Also es ist ja, wobei der Schutzmechanismus, also ich lege schon Wert darauf, das kann man natürlich, wenn man so viel produziert wie ich, kann man auch ein bisschen besser darauf vertrauen. Ich möchte schon fassbar sein. Also ich möchte schon mich nicht hinter der Ironie verstecken und dann so eine Art Kunstfigur anlegen, wo man nie genau weiß, wo steht er denn da persönlich. Da gibt es ja andere, die machen das gerne. Das würde ich für mich nicht in Anspruch nehmen. Ich finde es schon wichtig, gerade im Podcast ist es auch noch mal was anderes, weil du hast ja diese, diese parasoziale Beziehung zwischen den Hörenden und denen, die es machen. Da ist es schon wichtig, dass die wissen in etwa, wo du stehst. Also sagen wir mal persönlich, aber nicht privat. Aber es sollte schon ein Gefühl dafür da sein, was ist der, was führt der für ein Leben, was ärgert ihn, was berührt ihn, Das finde ich schon wichtig, weil auf dieser Grundlage kannst du, finde ich, auch besser schreiben, podcasten. Aber Ironie, klar, ist manchmal einfach ein gutes Stilmittel, um eine Pointe besser ins Ziel zu bringen. Aber als Schutzmechanismus würde ich es also auf der Strecke eigentlich ungerne verwenden.

Brigitte Huber 24:30
Dann würde ich mal fragen, ob man von dir Nein sagen lernen kann. Stephan hat vorher gerade aufgezählt, was du alles machst, nach was lässt du dich leiten und hast du manchmal das Gefühl, es ist ein bisschen viel?

Micky Beisenherz 24:42
Ja, ich habe, also genau, also ich habe schon manchmal das Gefühl, es ist ein bisschen viel, auch wenn es mir dann hier so aufgelistet wird, also eher über, wie so häufig, über die Spiegelung kriege ich das Gefühl, es ist ein bisschen viel. Es kann auch von Woche zu Woche auch sein, dass ich es individuell so empfinde, dass ich dann, wenn ich da noch irgendwie Tourtermine habe oder so und dann hast du irgendwie noch einen zusätzlichen Podcast oder damit meine ich jetzt nicht euren, sondern generell, dass ich dann schon mal das Gefühl habe, jetzt ist es echt ein bisschen viel und dass ich dann schon das Gefühl habe, jetzt wird gerade ein bisschen viel an mir gezogen und gezerrt. Also das ist dann aber eher eine koordinative, eine terminliche Angelegenheit, dass ich denke, so jetzt, wie man so schön im Englischen sagt, gimme a fucking break, ich will jetzt einfach meine Ruhe, lass mich einfach so. Das kenne ich natürlich auch, was das Oeuvre angeht, ist es viel, es ist fast ein bisschen zu viel. Das Problem ist halt nur, es macht mir halt einfach alles Spaß und ich könnte jetzt nicht sagen, wo ich ich etwas abschneiden würde, weil das Kolumnieren macht mir viel Spaß. Was ich übrigens weniger mache, als ich es früher gemacht habe. Es war früher viel mehr. Es ist, also da gibt es schon eine freiwillige Selbstbeschränkung, weil beim Stern zum Beispiel war es halt früher so, da habe ich alle zwei Wochen im Print geschrieben und jede Woche online und dann habe ich schon vor zwei Jahren oder vielleicht schon fast drei, ich weiß gar nicht mehr, gesagt, so jetzt sparen wir uns das mal mit online, ich mache nur noch alle zwei Wochen im Print. Es wird dann tendenziell noch mal online verlängert, aber that's it. Das heißt also, es gibt dann schon auch die Selbsterkenntnis. Es ist dann auch mal gut.

Brigitte Huber 26:12
Also das ist dann tatsächlich was, was du auch gelernt hast. Also eher mal an einer Stelle Nein zu sagen.

Micky Beisenherz 26:16
Ja, das kann ich schon. Das ist ja nun auch klar. Als öffentliche Person kriegt man ja auch nicht mit, wo Nein gesagt wird, sondern man sieht ja in der Regel nur das, wo Ja gesagt wird. Ich meine, ich weiß, es gibt auch viele Menschen, die dann öffentlich Nein sagen, um aus irgendwelchen Gründen sich da noch Komplimente abzuholen. Aber das finde ich dann auch oft sehr albern. Also ich sage diskret und im Stillen Nein. Und das kommt sehr häufig vor. Manchmal sage ich auch gar nicht Nein, sondern ich verpasse einfach auch ganz viele Sa weil ich ja also mich ja selber in Anführungsstrichen manage oder weiß nicht, wie man das nennen will. Management kann man es eigentlich kaum. Es ist ein Scheitern auf ganz persönlicher Ebene. Aber ich befinde mich jetzt in einer, glaube ich, Lebensphase, in der es viel wichtiger ist, die eigene Kontur dahingehend auszumeißeln, dass man Sachen nicht macht, als dass man noch Sachen macht. Weil das Nein Sagen formt dich ja in der Öffentlichkeit auch.

Brigitte Huber 27:12
Ja, absolut. Generell, also wie gesagt, ich habe mich ja mit diesem Buch, da geht es darum, 60 zu werden, beschäftigt, mit vielen, vielen Menschen auch gesprochen und eine Frage war was kannst du heute besser als zum Beispiel vor 10 oder 20 Jahren?

Micky Beisenherz 27:28
Also ich glaube, das gilt für mich wahrscheinlich genauso wie für die meisten anderen in dem Alter zu wissen, welcher Kampf sich lohnt. Ich glaube, das ist ein ganz entscheidendes Merkmal, dass du genau unterscheiden kannst, in welchen Dingen du dich verkämpfst oder wie man auf dem, also im Englischen leicht paraphrasiert, auf welchem Hügel willst du sterben, dass du sagst, weißt du was, Ne, komm, lohnt nicht wirklich. Nein, das glaube ich, Das ist eine ganz entscheidende Erkenntnis, die kommt mit dem Älterwerden, dass du genau selektierst, worin du dich verkämpfst und wo du Es ist jetzt auch gut, dass du auch weißt, für was du dich auch einfach mal entschuldigen kannst und wo du sagst, es ist jetzt einfach mein Versagen, also dass du das einfach besser trennen kannst.

Stephan Seiler 28:16
Aber wie machst du das? Also gerade bei den Konflikten, auch im Beruflichen wie im Privaten, Wann sagst du, da stürze ich mich jetzt rein und kämpfe darum und wann ziehst du zurück? Es macht dann auch die Maße der möglichen Kampffelder und sagst, okay, ich habe sowieso schon so viel an den Hacken, so viele andere Kämpfe, den lasse ich jetzt sein, auch wenn es in anderen.

Micky Beisenherz 28:36
Ja, du musst halt auch wissen, also ich meine, eine der ganz zentralen Fragen des Lebens ist ja vor allen Dingen die, lohnt sich das? Das ist ja eine ganz entscheidende Frage, die kannst du ja im Grunde auf alle übertragen. Da kannst du berufliche Entscheidungen oder private Affären, kannst du im Grunde genommen auf dieselbe. Die Frage stellt sich immer und da ist die Antwort natürlich sehr häufig, nein, nein, lohnt sich nicht. Warum soll ich mich mit, also weil du es ja gerade angerissen hast, warum soll ich mich mit irgendwelchen Trotteln bei Twitter in irgendwelchen Debatten, Attrappen verkämpfen, wenn ich doch jetzt eigentlich draußen spazieren gehen könnte? Da lasse ich einfach das Ding zu und fertig. Ich habe jetzt auch gerade eine Kolumne geschrieben, in der ich mich beschäftigt habe mit diesen ganzen ganzen Social Media Nachläufen, der ganzen Ulm Fernandes Geschichte. Ich habe mir das eine Woche in Ruhe angeguckt, weil ich hatte natürlich, als es losging, auch das Angebot, da möchte ich jetzt mal, wie dann so Leute vom Stern oder von der Süddeutschen oder wer auch immer, ist ja nett, dass sie Fragen sagen, da würde ich jetzt mal gerne deine Meinung wissen, also dann veröffentlicht wissen, wo ich selber, ich möchte die jetzt eigentlich gar nicht wissen. Ich habe jetzt gar keinen B*** jetzt der der Tausendste zu sein, der sich da jetzt auch noch einschaltet und jetzt. Und dann hatte ich mir das so eine Woche angeguckt und dann hatte ich eine Woche später, weil ich musste dann auch für den Stern in dem Fall ja sowieso auch eine Kolumne schreiben, Dann fragte mich Oliver Kreuz, der Textchef Liebe Grüße, sagte, würdest du darüber schreiben? Habe ich gesagt, ja, ist okay so mit einer Woche Abstand. Da geht es aber dann darum, dass du dir einfach mit einer Woche Abstand noch mal guckst, was ist da jetzt eigentlich passiert? Wie ist das gelaufen? Wie wurde das verhandelt? Wie wurde es bei Social Media mit den üblichen Freund Feind Erzählungen, mit den ganzen Eitelkeiten, mit dem Finger auf andere zeigen? Also das Übliche, um dann so am Ende festzustellen, es ist im Grunde genommen derselbe Ablauf wie immer. Das ist egal, ob es um Corona Impfungen geht Nahostkonflikt, Gil Ofarim oder N*** Lieder auf Sylt. Sie läuft immer nach demselben Schema ab. Und das habe ich beschrieben. Das sorgt aber natürlich auch dafür, dass du es dir mit sehr vielen verscherzt, die auf die eine oder andere Art agiert haben und sich dann natürlich angesprochen oder im Zweifel auch beleidigt fühlen, je nachdem. Das habe ich dann veröffentlicht und habe dann aber auch nie wieder in die Kommentarleiste geguckt, weil es ist ja alles gesagt.

Brigitte Huber 30:50
Es gibt ja kein okay, das hast

Micky Beisenherz 30:52
du dann tatsächlich konsequent, Das habe ich konsequent gemacht.

Brigitte Huber 30:55
Hast natürlich. Kommen die da aus ihrem.

Micky Beisenherz 30:57
Natürlich, natürlich. Also meine Frau hatte mir natürlich trotzdem zwei Screenshots geschickt von den üblichen Verdächtigen, wo ich dachte, ja klar, natürlich reagieren die, weil sie jetzt natürlich sich auch narzisstisch gekränkt fühlen, weil sie sich auch angesprochen fühlen, obwohl ich lustigerweise beim Schreiben der Kolumne an diese Person gar nicht gedacht habe, sie sich aber angesprochen fühlen. Und dann denke ich mir, ja, ist okay, aber ich habe es mir einfach nicht mehr angeschaut. Warum? Also ist ja auch Quatsch. Es ist alles gesagt. Und das ist genau das Gegenteil zu der letzten Instanz, wo du da sitzt und nicht genau die Kontrolle über das hast, was da passiert und was gesagt und getan wird und du dich dann machtlos fühlst und du hinterherkehren musst hinter Sachen, die du nicht in erster Linie zu verantworten hast. Da ist es genau umgekehrt. Du sagst, ich habe mir das überlegt, ich habe das geschrieben, es passt genauso, wie ich es geschrieben habe, Schönen Dank, tschüss, ich gehe jetzt Fußball spielen.

Brigitte Huber 31:46
Was ich da ja auch ganz spannend fand ich, ich habe das natürlich jetzt auch gelesen, was du im Stern geschrieben hast. Also du sagst einfach, diese reflexhafte Aufregung und Positionierung, die findest du schwierig und du findest, man sollte wirklich handeln, wirklich etwas tun. Was machst du als Mann, als Mensch im Alltag wirklich in diese Richtung?

Micky Beisenherz 32:11
Du meinst jetzt speziell, was Frauen angeht.

Brigitte Huber 32:13
Ja, zum Beispiel.

Micky Beisenherz 32:14
Darum geht es ja exakt.

Brigitte Huber 32:15
Das müssen wir vielleicht erklären.

Micky Beisenherz 32:17
Also ich will es jetzt nicht so hoch hängen, weil dann kommt das nämlich super schnell.

Brigitte Huber 32:21
Da musst du bitte die Kommentarspalten nicht lesen.

Micky Beisenherz 32:23
Ja, und dann, also das hasse ich nämlich wirklich auch, dass man sich da so als der Super Feminist gerät, aber wisse, in meinem beruflichen Alltag achte ich schon sehr genau darauf, dass auch die Frauen, mit denen ich zusammenarbeite oder die in führenden Positionen sind, dass ich da mit der nötigen Sensibilität agiere. Also ich muss da immer sehr vorsichtig sein, weil das bekommt so eine komische Schlagseite. Aber natürlich, wenn es darum geht, gute Frauen zu featuren, denen dafür zu sorgen, dass sie vielleicht einen Job bekommen, dass sie woanders irgendwo einen Job bekommen, dass sie die Wertschätzung, vielleicht sagen wir es anders, dass sie die Wertschätzung erfahren, die sie vielleicht woanders nicht bekommen, dass ich mich dafür proaktiv einsetze. Das würde ich mir persönlich schon zugutehalten. Also im beruflichen Umfeld vielleicht auch sensibel zu sein für Stimmungen, darauf zu achten, auch einzufordern, zu sagen, wenn da irgendetwas ist oder dir stößt etwas auf, dann sag es bitte. Oder ich meine, bei uns im Podcast auch, die Producerinnen sind fast ausschließlich weiblich. Und denen dann auch zu sagen, also du hast hier auch die volle Kontrolle, also wenn das Produkt aufgenommen ist, du schneidest es, du machst auch gleichzeitig die Schlussredaktion. Das heißt, wenn du entscheidest, dir gefällt etwas nicht, du findest etwas nicht klug oder was weiß ich, du entscheidest zum Schluss. Also du hast das letzte Wort. Das hat ja auch was mit Vertrauen zu tun und auch letzten Endes ja auch mit einer, mit einer Befähigung, dass du sagst, pass auf, ich muss da nicht, ich als der Mann muss da nicht später noch mal drüber hören, was du gemacht hast. Das sind jetzt nur kleine Sachen, aber es hat ja immer auch mit Vertrauen zu tun.

Brigitte Huber 34:02
Hat das auch damit zu tun, dass du eine Tochter hast?

Micky Beisenherz 34:05
Gar nichts.

Brigitte Huber 34:06
Ah ja, okay, War immer schon so.

Micky Beisenherz 34:08
War immer schon zu tun.

Brigitte Huber 34:10
Also ein Feminist ist tief in dir drin.

Micky Beisenherz 34:12
Das ist ja, also ich leg dir

Brigitte Huber 34:15
das jetzt mal, du legst mir das in den Mund.

Micky Beisenherz 34:17
Ich wehre mich immer gegen solche, weil

Brigitte Huber 34:19
ich finde diese Feminismus heißt ja die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau.

Micky Beisenherz 34:23
Ja, natürlich. Guck mal, ich komme aus einem, sagen wir mal aus einem, aus einem Schattenmatriarchat. Bei uns zu Hause war natürlich Oma und Mama, also mein Opa, so heißt der Ruhrgebiet mit doppeltem Konsonant, der hat noch gelebt bis 1989, das war natürlich so ein klassischer Patriarch, der hat auch die Klempner gegründet und so und das war halt ein absoluter Macher, der konnte alles. Aber spätestens seitdem mein Opa nicht mehr war und nur mein Vater, der Mann im Haus war, war natürlich völlig klar, hier haben ausschließlich die Frauen das Sagen. Mein Vater war so eine Art Frühstücksdirektor und der hat natürlich, natürlich hatte der was zu entscheiden, klar. Aber den Ton angegeben haben natürlich Oma und Mama und mit dem bin ich natürlich dann auch groß geworden und Zeit meines Berufslebens, also beginnend mit der Festanstellung vor über 25 Jahren mittlerweile hatte. Ich fast außer ausnahmslos Frauen als Chefin und damit bin ich groß geworden. Und dieses Modell war für mich insofern eine absolute Selbstverständlichkeit beim Kölner Treff, egal ob es jetzt mit Susann Link ist, die den Kölner Treff moderiert und ich moderiere mit, oder Claudia und Dagmar, das sind die weisungsbefugten Frauen da. Ja, also es läuft absolut reibungslos, Ganz im Gegenteil, es läuft hervorragend. Also ich kenne das auch gar nicht anders.

Brigitte Huber 35:39
Ja, jetzt rein gesellschaftlich muss man sagen, also ich weiß, als ich mit Anfang 20 angefangen hab, beruflich mich auch noch mal mit dem Thema zu beschäftigen, habe ich gedacht, wir sind so eine Nanosekunde vor der Gleichberechtigung und dann schreibst du immer wieder Kommentare, die beginnen mit immer noch, immer noch Gender Pay Gap, immer noch zu wenig und so was. Und das fand ich dann im Laufe der Jahrzehnte schon ermüdend, obwohl wir ja viel Erfolge haben. Aber so ein bisschen Spiel nach oben ist da schon.

Micky Beisenherz 36:07
Ja klar. Also gerade weil du es ja richtigerweise ansprichst. Also Gender Pay Gap ist natürlich das Sinnloseste überhaupt.

Stephan Seiler 36:15
Bitte erklären, Pay Gap, bitte korrigiere mich, Brigitte, aber dabei handelt es sich darum, dass Frauen weniger verdienen als Männer, wenn sie die gleiche Arbeit zum Beispiel.

Brigitte Huber 36:24
Ja, auch wenn sie die gleiche Arbeit machen. Und das ist tatsächlich seit ein paar Jahren auch nahezu unverändert und bewegt sich viel zu wenig nach oben.

Micky Beisenherz 36:33
Genau, entschuldige. Ja, aber es gibt dafür einfach keinen Grund. Es gibt keinen Grund. Ich meine, es werden natürlich gerne dann Debatten auch manchmal ein bisschen vermischt. Da ist ein beliebtes Beispiel ist Fußballerinnen und Fußballer. Das hat aber andere Hintergründe. Das hat natürlich rein marktwirtschaftliche Hintergründe. Weil man sagt, ja, da gibt halt einfach nicht so einen Markt dafür und dementsprechend weniger Geld wird ausgeschüttet. Also da werden dann diese Sachen in einen Topf geworfen. Da würde ich jetzt noch sagen, da gibt es einen, gibt es einen marktwirtschaftlichen Hintergrund, wo man sagt, aber den hast du natürlich auch bei Models. Also weibliche Models verdienen mehr als männliche Models. Hat einfach damit zu tun, dass es einen anderen Markt dafür gibt. Dafür gibt es wahrscheinlich noch viele andere Beispiele. Aber da wollen einfach vergleichbare Arbeit geleistet wird, dass er unterschiedlich gezahlt wird. Da gibt es natürlich faktisch keinen Grund für. Und das sollte man halt einfach sofort abschaffen. Also warum?

Stephan Seiler 37:21
Wir sind schon mittendrin im Thema Männlichkeit. Auch toxische Männlichkeit haben wir eben schon gestreift. Ich finde, älter werden als Mann ist unfassbar kompliziert und anstrengend und gleichzeitig aber auch einfacher geworden. Also leichter in Bereichen wie Kleidung, Musikgeschmack. Da ist es irgendwie, wenn fühle ich mich wohl, dass ich mich jetzt nicht so anziehen muss, wie mein Vater sich angezogen hat.

Micky Beisenherz 37:43
Wir machen es aber die Jungen dadurch schwerer. Das ist ja das Geile für uns, ist einfacher.

Stephan Seiler 37:46
Die Jungen haben ja das Problem, die müssen ja abgrenzen. Aber andererseits ist es auch wesentlich komplizierter in gesellschaftlichen Fragen geworden, das Älterwerden als Mann, weil jeder von einem Mann etwas anderes erwartet und fühle mich da auch immer wieder zerrissen.

Micky Beisenherz 38:06
Wie erlebst du das interessant, dass du das so empfindest? Ich empfinde das gar nicht null.

Stephan Seiler 38:12
Warum nicht?

Micky Beisenherz 38:14
Ja, weil ich einfach bin. Ich habe überhaupt nicht das Gefühl, dass ich irgendeiner. Also du wirst ja automatisch einer Rolle gerecht, wenn du beispielsweise ein Kind erziehen musst. So, dann wirst du ja, dann fällst du automatisch noch in eine zweite Rolle. Das ist die Vaterrolle oder die Elternrolle, weil man teilt sich's ja auch. Klar, dann kannst du natürlich nicht mehr nur Kind sein, weil du hast ja Verantwortung. Aber ansonsten, also diese Erwartungshaltung, vielleicht kann ich den Stress auf der Oberfläche nicht erkennen und bin vielleicht tief in mir drin total gestresst, aber auf der Oberfläche spüre ich das nicht so. Ich habe nicht den Eindruck, ich muss jetzt irgendwelche Erwartungen erfüllen oder so. Also ich empfinde das nicht so, Also dass ich jetzt irgendwie meine Männlichkeit an irgendwelche Grenzen stößt oder so. Aber das hat auch damit zu tun. Ich meine, wenn ich jetzt in meiner Fussballgruppe bin, zum Beispiel seit irgendwie im Pott, seit über 30 Jahren Fußball in der Gruppe sind, also diese Gruppe ist so divers wie eine Benetton Reklame. Alle sind da und da sind halt auch Frauen dabei, da habe ich auch nicht das Gefühl, ich muss jetzt anders auftreten oder so. Also ich meine, wenn du einfach aufgeschlossen und freundlich bist und interessiert, dann kannst also meines Erachtens dich ja gar nicht so sehr zerreißen. Also ich meine, klar, das ist ja, also wir erfüllen ja automatisch oder wir schlüpfen immer in andere Rollen, auch in der Öffentlichkeit. Du trittst ja auch von den Schwiegereltern anders auf als vor Kumpels, als in der Öffentlichkeit, Aber es gibt ja doch eine gemeinsame Wertebasis. Also du bist ja als Mensch im Kern ja immer gleich. Also du hast ja dieselben, also ich hoffe es zumindest, du vertrittst ja dieselben Werte, du hast dieselbe Weltanschauung und dann sagen wir mal, verstärkst du die ein oder andere Nuance von dir, je nachdem wo du gerade bist. Du bist vielleicht bei den Schwiegereltern, um mal das Beispiel zu nehmen, bist du vielleicht ein Hauch höflicher und disziplinierter, als du es bei engen Freunden wärst, als wenn du jetzt in einer Fernsehsendung auftrittst. Aber der Mensch bleibt ja im Großen und Ganzen der Gleiche, würde ich jetzt mal, also ich hoffe es zumindest und deswegen habe ich auch nicht den Eindruck, ich müsste mich jetzt zerreißen und bei der einen Gruppe diese Rolle ein bisschen zu verstärken und bei der anderen ganz anders. Das empfinde ich persönlich, die kommt vielleicht noch, keine Ahnung. Ich meine, wo ich es natürlich manchmal merke, ist der Bereich Kleidung. Natürlich gibt es eine Art von Kleidung, die ich mir ab einem gewissen Zeitpunkt, Zeitpunkt versage, wo ich einfach sage, das ist jetzt auch mal gut. Entweder merkst du selbst, also es gibt ein schönes Beispiel dafür, bei dem ich mir selber schon vor Jahren gesagt habe, das lassen wir jetzt mal schön sein. Es gibt dann, also es gibt ja Männer in meinem Alter oder im Zweifel noch mal fünf Jahre drauf, die sind sehr stolz darauf, dass sie sich körperlich sehr gut erhalten haben und die tragen dann diese wahnsinnig tief ausgeschnittenen V Ausschnitt T Shirts und dann denke ich, dann sehe ich das und denke, ja, ja, ich verstehe das schon. Ich weiß schon, wo die Reise hingeht, aber lass das sehr oft.

Stephan Seiler 41:19
Rollkragenpulli, ist das dein Weg zu sagen, das funktioniert in jedem Alter?

Micky Beisenherz 41:26
Ja, also der Rollkragenpullover, der hat sich irgendwann vor, weiß ich gar nicht, zehn Jahren oder so als super Kleidungsstück herausgestellt, damit es einem, also wir haben ja speziell hier in Hamburg ist es ja häufiger mal ein bisschen frisch um den Hals herum. Und der Rollkragenpullover hat ja die schöne Eigenschaft, du kannst ihn eigentlich in allen Farben tragen. Es wird sie aber im Oberhemd nie machen. Kein Mensch, der bei klarem Verstand ist, wird ein oranges Oberhemd tragen. Das kannst du aber bei einem Rollkragenpullover super machen. Sieht halt, also kannst du einfach sehr gut kombinieren. Es ist warm am Hals und ja, natürlich. Und da sind wir natürlich beim Thema Eitelkeit. Er ist ja für gewöhnlich auch relativ schmal geschnitten und ich mag generell nicht nur bei mir, sondern bei anderen Menschen eine schmale, schlanke Silhouette, finde ich, sieht einfach sehr gut aus. Ich mag diese ganzen Oversized Sachen. Bei manchen sieht es gut aus. Ich persönlich finde es nicht so schön.

Stephan Seiler 42:11
Jetzt sollen ja wieder die Hosen enger werden dieses Jahr, habe ich gehört.

Brigitte Huber 42:14
Ja, ich weiß es nicht, aber da fällt mir ja, ich hätte jetzt auch gerne Rollkragenpulli, weil es ist hier gar nicht so warm.

Micky Beisenherz 42:19
Ja, das meine ich halt eben. Ich meine, ich hatte vor einer Woche, bin ich auch schon im T Shirt rumgelaufen, dann winterte es aber noch ein bisschen nach und dann kam der Rollkragenpullover raus.

Stephan Seiler 42:28
Aber ich möchte, um das Thema Männlichkeit jetzt auch gleich abzuschließen, aber ich möchte ja auch ein Kompliment machen in meiner Außenwahrnehmung jetzt endlich.

Micky Beisenherz 42:34
Wie lange habe ich jetzt hier schon.

Stephan Seiler 42:38
Du stehst für mich, in meiner Wahrnehmung schon für einen Prototyp eines modernen Mannes. Du fährst schnelle Autos, spielst Fußball.

Micky Beisenherz 42:44
Ist das modern? Schnelles Auto zu.

Stephan Seiler 42:48
Das ist das Konservative, das ist quasi das Tradierte. Du bist in der Lage, in der Öffentlichkeit, genauso wie auch in anderen Begegnungen, wir sind uns ja auch schon mal bei Geburtstagen begegnet, über Schwächen und Pannen zu reden, leichtfertig und relativ oft. Und das muss ich sagen, das stelle ich auch bei vielen Männern in meinem Alter fest Mitte 40, du bist ja auch Mitte 40 fast noch, dass da viele Männer Probleme damit haben, sich selbst zu reflektieren und zu Wer bin ich eigentlich? Wo will ich hin? Was gelingt mir und was gelingt mir vor allem nicht so gut? Und da finde ich, dann machst du doch auf mich zumindest einen recht beispielhaften Eindruck.

Micky Beisenherz 43:30
Freut mich.

Stephan Seiler 43:31
Und deshalb für alle da draußen, die von dir lernen wollen, wie bist du da hingekommen? Also gab es dafür quasi Wegmarken, wo du dachtest, ich muss da was verändern an meiner eigenen?

Micky Beisenherz 43:42
Ne, eigentlich nicht. Ich glaube, das hat wahrscheinlich wirklich viel mit der Sozialisation zu tun. Also wenn du in so einem Haus aufgewachsen bist wie ich und natürlich speziell im Ruhrgebiet, da habe ich ja nun auch schon woanders gerne mal drüber gesprochen. Aber es ist halt einfach so, du wirst halt pausenlos verarscht, pausenlos von allen. Es geht los mit Oma morgens um Uhr, da kriegst du schon den ersten Spruch, mein älterer Bruder, meine Mutter, die natürlich ihrerseits auch andauernd auf die Jacke gekriegt hat. Und dann wirst du natürlich, das ist ja so ein bisschen wie Krav Maga, diese Kampfsportart, die im Grunde genommen die erste Stunde beginnt ja damit, dass du in einem Raum bist, du stehst in der Mitte und da kommen 10 Leute und prügeln einfach auf dich ein und dann in Stunde sechs oder sieben, wenn du so ein dickes Auge hast, dann lernst du langsam damit umzugehen und dich selbst zu verteidigen. Und so funktioniert es auf einer verbalen Ebene da auch. Und dann, das ist ja etwas, also ich meine, was hat zum Beispiel jemand wie Jürgen Klopp für die Leute so attraktiv gemacht? Der ist rhetorisch extrem gut und der ist so selbstreflektiert, dass er die eigenen Schwächen schon erkannt hat, bevor es eine Replik von jemandem gibt. Also der hat im Grunde genommen den ersten Spruch schon auf die eigenen Kosten gemacht, weil er sich so gut von außen betrachten kann, dass er weiß, wo liegen hier meine Schwächen, wo habe ich mir einen geleistet? Das wird sowieso gleich angesprochen. Da mache ich lieber schon mal den ersten Gag auf die eigenen Kosten. Und ja, das hat natürlich was mit einer, also man kann es jetzt auch ein bisschen negativ einfärben, mit einer permanenten Selbstbespiegelung zu tun. Das kann man auch so lesen, wenn man es positiver beurteilen möchte, würde man sagen, eine gesunde Selbstreflexion am Ende stimmt ja irgendwie beides. Und natürlich sehe ich auch das Auseinanderklaffen zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Ich meine, jeden Tag stehst du auf, hast eine gewisse Vorstellung von dem, wie der Tag für dich zu laufen hat und dann scheiterst du an den kleinsten Dingen und Albernheiten und Eitelkeiten. Aber dann ist es halt so. Also da muss man sich bis zum gewissen Grad auch selbst umarmen und es ist jetzt auch nicht so schlimm. Und ich habe das immer als sehr attraktiv bei anderen empfunden, wenn sie in der Lage waren, über diesen, ja auch Eitelkeiten und über das eigene Versagen zu lachen und sich selber auf die Schippe zu nehmen, weil am Ende sind wir alle ja Idioten so oder so.

Brigitte Huber 45:53
Wie wichtig sind Freundschaften für dich?

Micky Beisenherz 45:55
Ja, Freundschaften sind schon sehr wichtig für mich. Also ich habe auch, also ich bin jetzt nicht die Kategorie Freund, die sich jetzt jeden zweiten Tag mit Leuten trifft. Also das kann auch immer passieren, dass man mich auch mal ein paar Monate nicht sieht. Aber alle Menschen, mit denen ich befreundet bin, denen geht es A ähnlich oder B, sie machen es mir nicht zum Vorwurf, sondern wir kommen von Sekunde eins an sofort auf Flughöhe und können uns über alles unterhalten. Deswegen ist auch das, was ich dann immer mal wieder lese in der Zeit oder sonst wo, dass dann auch Männer, wenn sie zusammen sind, sich nur über Oberflächlichkeiten unterhalten und dass sie nicht in der Lage sind, in die Tiefe zu gehen, kann ich nicht bestätigen.

Brigitte Huber 46:39
Ja, das finde ich total spannend. Es ist ja vielleicht auch einen Ticken so eine Generationengeschichte noch, heißt es immer, also wir Frauen haben eigentlich relativ stabile, sehr, sehr offene Freundschaften. Und bei Männern ist es häufig so, genau das Klischee, das du ansprichst, die sprechen über Fußball vielleicht noch, dass irgendwie Tanken jetzt teuer geworden ist oder so, aber ihre Ängste zum Beispiel, die offenbaren sind, was zum Beispiel in der jungen Generation ganz anders ist. Also ich erkenne das, da finde ich ganz, ganz toll, also dass da Jungs in den ERN genauso offen, würde ich sagen, mit der umgehen. Aber du würdest jetzt auch sagen, mit Ende 40, du bist auch wirklich ein ganz, ganz offener Freund, der auch seine Ängste, seine Niederlagen und so mit anderen teilt.

Micky Beisenherz 47:23
Ja, auf jeden Fall.

Brigitte Huber 47:25
Warst du immer schon Also hat es tatsächlich dann auch mit deiner Genese zu tun?

Micky Beisenherz 47:30
Nicht schon. Also ich versuche da gerade mal so ein bisschen die letzten 30 Jahre, wie sagte Horst Rubesch, Paroli laufen zu lassen? Eigentlich immer schon so. Es war eigentlich immer schon so. Also speziell auch mit meiner Mama konnte ich auch immer schon offen über alles reden. Also auch David, das wurde halt auch schon im Elternhaus so kultiviert. Also es geht bis jetzt so, also mit meiner Mutter auch wenn wir zusammensitzen und wir sehen uns ja viel. Also Für jemanden, der 350 Kilometer weg wohnt, ist die Taktung echt hoch. Ich sehe die ja fast jede Woche. Hat natürlich die Achse Hamburg Köln. Hat den Vorteil, dass du mal eben kurz in Dortmund raus kannst, fährst nach Castrop in die Heimat und da sind die alle unterwegs einem Dach und dann unterhältst du dich halt einfach über alles, was dich so beschäftigt und das hat sich immer so fortgeführt und mit Freunden geht es auch so, dass man sich über alles unterhalten kann, dass man da sehr schnell auf eine Flughöhe kommt und über alles reden kann.

Brigitte Huber 48:24
Ja eben auch wenn man sich länger nicht gesehen hat. Das stellt sich ja auch so an meinen langjährigsten Freundinnen. Du hast sie vielleicht ein dreiviertel Jahr nicht gesehen und ist jetzt hin und du voll bist.

Micky Beisenherz 48:34
Das heißt aber nicht, dass wir uns nicht natürlich auch über Fußball unterhalten.

Stephan Seiler 48:40
Aber verändern sich nicht auch quasi Freundschaften? Ich habe mal gehört, viele Freundschaften entstehen früher durch gemeinsame Erlebnisse und dann irgendwann werden daraus, wenn noch Kinder dabei sind, Jobs und so weiter, eher so Gesprächsfreundschaften. Man kriegt sich zum Bier oder zum Kaffee oder zum Mittagessen und dadurch haben die Freundschaften dann ein anderes Gewicht, auch eine andere Tragkraft, als wenn man durch gemeinsame Erlebnisse zusammengeschmiert wird.

Micky Beisenherz 49:04
Gemeinsame Erlebnisse natürlich auch sehr gut sind und das ist auch wichtig. Also ich hatte irgendwie, ich glaube Julian Teilen hat er in der Welt etwas Interessantes geschrie. Er hatte nämlich gesagt, dass viele Freundschaften, also er ist Mitte dreiig, dass viele Freundschaften gerade, also bei ihm oder möglicherweise auch wieder so ein klassisches Berlin Mitte Phänomen, sehr stark davon geprägt sind, nur noch so ein Catching up zu haben. Also man trifft sich, man gibt sich ein kurzes Update über den aktuellen Stand, aber man zurückgreifend auf das, was du gerade gesagt hast, man erlebt aber nichts. Gemeinsames und das ist auch nicht gut. Also das heißt, man müsste sich eigentlich theoretisch, und dieser Auftrag gilt dann im Zweifel auch an mich selbst, auch mal sich wieder in gemeinsame Erlebnisse stürzen. Also dass man nicht nur vielleicht das persönliche Befinden, den aktuellen Stand diskutiert oder bespricht, sondern auch gemeinsam etwas unternimmt und über die gemeinsamen Erlebnisse dann auch wieder auf ein anderes Level kommt. Im Zweifel auch einfach. Also das merke ich bei mir natürlich schon auch, dass ich mir zu selten dann auch Sachen zumute. Also dass ich einfach zu selten, also wenn es auch mal um so Abendveranstaltungen geht, also ich entscheide mich dann auch ganz häufig für die Couch, wo ich denke, ach weißt du was, ich bleib auf der Couch. Und manchmal denke ich mir, du müsstest schon mal noch mal ein bisschen häufiger auch vor die Tür gehen, um dich auch mal einer Situation auszusetzen, die sich im Nachhinein als super unterhaltsam herausstellt oder vielleicht möglicherweise auch als Todesbeschissen. Aber selbst dann hat es ja seinen Wert, dass du dann wenigstens im Nachhinein sagen kannst, das war ein Erlebnis. Also sowas habe ich auch schon nicht gehabt.

Brigitte Huber 50:31
Ja und was sind so Unternehmungen mit Freunden und Freundschaften? Wäre das jetzt eher ein Konzertbesuch? Ein Konzertbesuch, so kleine Sachen, die man machen kann?

Micky Beisenherz 50:42
Also ein Konzertbesuch ist natürlich eine sehr schöne Sache. Das ist etwas, wo ich mir schon häufig gesagt habe, das müsste ich häufiger machen, weil es eigentlich immer schön ist.

Stephan Seiler 50:51
Da muss man auch nicht so viel miteinander reden.

Micky Beisenherz 50:53
Ja, natürlich. Ja, das stimmt. Das ist schon richtig. Aber klar, das gemeinsame Erleben. Also ich war mit meinem Bruder irgendwie vor Jahren auf der Trabrennbahn, da war ein Fu Fighters Live Konzert. Das war natürlich ein wunderbares Erlebnis, das wir zusammen hatten. Das ist toll. Aber ich meine, ich habe dann irgendwie mit, was weiß ich, mit Joko und Jakob Lund habe ich vor ein paar Jahren so eine kleine Bergwanderung gemacht. Da sind wir irgendwie oben zur Hütte. Ja, genau. Es gibt glaube ich, also ich glaube, deutschlandweit gibt es glaube ich Wikipedia, Yoko, das ist so wie Bono, da weiß man immer automatisch den Nachnamen Und das war halt, also jetzt Stichwort, also man muss es übrigens nicht mit Prominenten machen, man kann das auch mit normalen Leuten machen, aber das fällt mir doch gerade so ein, weil es war natürlich toll, wir haben da oben auf der Hütte übernachtet, Dann kamen noch so zwei junge Menschen, die auf dem Konservatorium Musik studiert haben, aber die haben mit so uralten Akkordeons, ist die Mehrzahl von Akkordeon, Und das war fantastisch. Inklusive dann am nächsten Tag wieder den Berg runter mit einem dicken Schädel und so Sowas natürlich herrlich, weil dann hast du etwas, was du gemeinsam gemacht hast. Also klar, gemeinsame Urlaub, Unternehmung oder so. Oder selbst so banale Sachen, wenn du dich wie ich halt mit der Gruppe triffst und Fußball spielst zusammen, auch das ist natürlich ein schönes gemeinsames Erleben, weil die Gruppe von Menschen, die da zusammenkommt, die lieben sich gegenseitig, die genießen die Zeit so sehr zusammen zu sein. Und das ist halt sehr simpel herzustellen. Es kostet kein Geld und es macht

Stephan Seiler 52:23
unglaublich Spaß, wenn wir jetzt an deinen 50. Geburtstag nächstes Jahr denken, Du willst

Micky Beisenherz 52:27
mich aber wirklich auf Teufel unter Druck,

Stephan Seiler 52:30
Du machst eine große Party, lädst all deine Freunde ein. Wie viel Prozent der Freunde davon hast du über einen Job kennengelernt? Sind vielleicht dann auch selbst öfter mal am Mikrofon. Du hast ja eben schon Joko Winterscheint und Jakob Lutz die Namen genannt. Mit Oliver Polak machst du ja einen Podcast zusammen. Wie ist es mit Freunden zusammenzuarbeiten? Wie kann das gelingen? Und verwechselt man vielleicht auch manchmal in gewissen Konstellationen so die berufliche Nähe mit Freundschaft? Wie funktioniert Freundschaft im Job?

Micky Beisenherz 53:03
Ja, also ich meine, ich habe einen nicht unwesentlichen Teil meiner Freunde aus der, also nicht aus dem Job akquiriert, sondern die gehen geregelten Berufen nach. Der eine ist Polizist, der andere ist Sozialarbeiter, der eine ist Tennistrainer. Also da ist alles dabei. Aber klar über den beruflichen Kontext. Also wenn das Berufliche und das Private so miteinander verschwimmen, dann kann das natürlich schon durchaus sein, dass man halt über den Job auch Leute kennen schätzen und lieben lernt, die einem ähnlichen Beruf nachgehen. Oliver Polak ist ja noch mal ein ganz anderer Fall. Der ist ja im Grunde genommen, der ist ja kein Freund, der ist ja wie so ein enger Verwandter. Also im Grunde genommen der seltsame Bruder, der den ich nie hatte. Und da ist es ja auch in dem, was wir da im Podcast machen, das kannst du ja schon als professionelles journalistisches Produkt gar nicht bezeichnen. Das Ist ja wie so eine öffentliche Therapiesitzung, ist ja eigentlich eine Paartherapie, die

Stephan Seiler 53:54
auch wieder in den letzten Monaten gerade an Fahrt aufgenommen habt. Ihr geht euch, der fahrt euch richtig an Karren.

Micky Beisenherz 54:00
Ja, das haben wir aber früher noch viel, viel schlimmer gemacht. Also wir machen das schon ein paar Jahre. Wir hatten Folgen, da sind wir uns wirklich fast an die Gurgel gegangen. Aber da sind wir wieder bei dem Thema Choose your battles. Mal gucken, welcher Kampf sich lohnt. Aber klar. Ja, logo. Also das berufliche und das private. Irgendwann verschwimmt es ineinander und das kann natürlich manchmal zu Problemen führen, gerade wenn du auch vielleicht geschäftlich verbandelt bist und du hast auf einer geschäftlichen Ebene gerade einen massiven Dissens. Der strahlt natürlich dann auch halt ins Private hinein. Das kann halt passieren. Also ich hatte das auch schon, dass ich mich dann mit einem Freund getroffen habe, mit dem ich beruflich gerade ein bisschen über Kreuz war und meine Tochter saß so uns beiden hat gerade so ihre Bratkartoffeln gefuttert und wir haben uns gerade sehr stark gestritten, aber nicht beleidigt und jetzt auch nicht hasserfüllt. Aber dann dachte ich mir andererseits auch, das kann das Kind ruhig mitkriegen. Die ist zehn Jahre alt, die kann ruhig mitbekommen, dass Papi sich jetzt gerade mit ihm streitet. Und dann hat die das auch zur Kenntnis genommen und hat im Nachhinein, dann sind wir dann noch durch die Münchner Nacht spaziert, haben uns noch drüber unterhalten und da hat sie mir mal so geschildert, wie sie das so gesehen hat. Ist ja auch irgendwie manchmal ganz witzig, wenn so ein Kind sich das anguckt und ach guck mal da, so sah das aus.

Brigitte Huber 55:15
Und was sagte sie?

Micky Beisenherz 55:16
Ja, ich möchte das jetzt nicht öffentlich wiedergeben, aber sie hat gewisse Gesichtsausdrücke im Gegenüber gedeutet. Das war interessant.

Brigitte Huber 55:26
Es gibt einen Unterschied zwischen dem öffentlichen und dem privaten. Micky.

Micky Beisenherz 55:30
Ja, natürlich.

Brigitte Huber 55:32
Wo ziehst du die Grenze?

Micky Beisenherz 55:34
Genau, Ja, die gibt es natürlich. Also ich meine, ich bin echt kein Choleriker, aber ich kann natürlich auch aus der Haut fahren. Stichwort Straßenverkehr oder so. Da hatte letztens, irgendwann regte ich mich auch mal wieder auf und im Straßenverkehr kann ich wie alle anderen mich natürlich auch schnell aufregen. Dann tätschelte meine Tochter mir den Oberschenkel, Papi, du musst zum Therapeuten.

Brigitte Huber 55:56
Okay.

Micky Beisenherz 55:57
Und Ja klar, ich kann mich natürlich auch leidenschaftlich über Sachen aufregen, aber ich würde mal und auch mal bollerig sein, aber jetzt nicht respektlos. Aber ich kann auch manchmal auch im beruflichen Kontext natürlich dann auch einfach mal kurz und knapp sein und sagen so jetzt sieh zu. So, das muss aber manchmal auch sein. Du kannst jetzt auch nicht bei allem, was du irgendwie versuchst zu strukturieren, kannst nicht alles in Watte packen. Aber es ist ja ein Unterschied, ob du das, also du kannst es ja immer respektvoll und auf Augenhöhe machen, darum geht es ja. Es geht ja nur darum, dass du die Augenhöhe nicht verlässt. Aber natürlich kannst du auf Augenhöhe übrigens auch wie in einem, auch in einem liebevollen Kontext kommen sie zu so, das heißt ja nicht, dass du, es geht halt, das Entscheidende ist ja, dass du Leute nicht hast, herabwürdigst, dass du sie nicht klein machst, dass du sie vor allen Dingen auch nicht vor anderen Leuten klein machst. Aber dazwischen gibt es natürlich einen gewissen Raum, in dem eine kurze prägnante Aus oder Ansage ist, finde ich völlig richtig. Die soll halt nur respektvoll sein und natürlich kann ich auch mal aus der Haut fahren, aber ich würde behaupten, im Großen und Ganzen bin ich eigentlich ziemlich gelassen. Jetzt kommt aber das Wort eigentlich, dass ich da der Türsteher zwischen Wunsch und Wirklichkeit, dass ich also ohne es zu wollen eingeflochten habe. Also du siehst, es gibt eine gewisse Distanz zwischen dem, was ich sage und dem, was ich fühle. Ich weiß, das müssen halt andere, wie sagt Oli K. Hat immer gesagt, es müssen andere beurteilen. Ich glaube aber, dass man mit mir ganz gut arbeiten kann.

Stephan Seiler 57:22
In deinem Podcast taucht ja ab und zu deine Tochter auf, deine Frau. Deine Tochter kommt jetzt ins Teenageralter. In welchen Situationen merkst du dein eigenes Älter werden durch sie?

Micky Beisenherz 57:38
Also momentan ist es sogar tatsächlich eher. Also da, also zunächst einmal ist es ja so, dass das Kind ihrem Vater bescheinigt, cool zu sein. Das ist gut. Also nur die wird elf. Also das kann natürlich, frag sie in zwei Jahren mal. Das sieht dann möglicherweise schon ganz anders aus. Aber zum jetzigen Zeitpunkt muss ich sagen, genieße ich es da noch als cool empfunden zu werden, auch im Abgleich mit anderen Eltern. Das finde ich natürlich super. Also wenn sie selber sagt, die anderen sind Also teilweise, aber du bist cooler als die anderen. Das finde ich natürlich super.

Brigitte Huber 58:10
Was gibst du dafür?

Micky Beisenherz 58:11
Ja

Stephan Seiler 58:15
wie gehst du mit der Angst um dann irgendwann doch nicht mehr anschlussfähig zu sein? Der Vergleich hängt vielleicht, aber ich habe den Anschluss an meine Patenkinder so ein Stück weit verloren. 18 Vor vier Jahren haben Sie mich noch quasi, ich will nicht sagen vergöttert, aber sie haben jedes Wort von mir sehr sehr wichtig genommen und seit zwei Jahren bin ich froh, wenn sie mal mit einem Wort antworten auf eine WhatsApp Nachricht.

Micky Beisenherz 58:36
Ja gut, das ist aber vielleicht auch, ist vielleicht auch ein bisschen eurer engen Beziehung geschulde, weil dieses links liegen gelassen werden hat ja möglicherweise auch was damit zu tun, dass ihr eine enge Beziehung habt und sie sich dann auch ein bisschen von dir abgrenzen müssen. Kommt also möglicherweise wieder. Das wäre die positive Lesart. Ich habe ja, weil ja in meinem Elternhaus lebt ja mein Bruder mit seiner Frau und den drei Kindern und die sind jetzt darf ich nicht durcheinander kommen, 19 wird 16 und 22 und deren Aufwachsen habe ich natürlich von kleinst auf begleitet und habe denen allen ein super Verhältnis. Also und wir hängen ja dann im Zweifel da oben dann auch auf der Etage meines Bruders oder ich bin eine Etage tiefer, wo Oma, Oma ist ja vor vier Jahren gestorben. Ich bin also auf Omas alte Etage dann auch gezogen und da hängen die dann im Zweifel auch rum, was ja super ist, weil die Wohnung habe ich dann irgendwann so umge. Die ist jetzt wie so ein er Jahre Bungalow sieht die aus und ist halt wirklich ganz g*** eingerichtet und dann hängen die da auch rum. Das heißt, ich teile mir dann die Etage mit meinen Nichten und Neffen und hab zu denen ein super Verhältnis. Die kommen dann im Zweifel auch dann schon mit ihrer Freundin, also mein Neffe mit seiner Freundin und so Und wenn du mit denen zusammensitzt, macht halt einfach wirklich großen Spaß. Nicht alle sind gleich, sagen wir mal rhetorisch energisch. Also der Jährige, der redet vielleicht ein bisschen weniger als der Ältere, aber das ist super. Also es macht Spaß. Deswegen habe ich momentan, also sagen wir mal so, ich habe auch die Sorge, den Anschluss zu verlieren, aber es gibt derzeit noch keine Merkmale dafür, dass es passiert. Und wenn du eine Tochter hast, die zehn ist, dann kennst du natürlich so Sachen wie Saide oder I liver oder so, die sind einem natürlich total geläufig, extrem hilfreich auch für das, was ich beruflich mache, weil ich darüber natürlich auch in etwa immer weiß, was sind denn gerade so Themen, was ist angesagt. Also Saide kannte ich schon ein Jahr, bevor sie den Bambi als beste Newcomerin gekriegt hat.

Brigitte Huber 60:33
Das ist dann so. Genau, man kriegt da kostenlos Nachhilfe die ganze Zeit, finde ich schon. Absolut.

Stephan Seiler 60:38
Wirst du dann ja, wenn es diese Anschlussprobleme gibt, auch in deinen Podcast darüber sprechen. Brigitte und ich fragen uns auch immer wieder, was erzählen wir hier eigentlich von uns selbst? Sprechen wir über unsere Partner, über unser Intimleben, Welchen Rat würdest du uns geben? Wie viel sollte man von sich preisgeben und wo genau ist die Grenze?

Micky Beisenherz 60:57
Na, die Grenze ist, glaube ich, immer, also ich finde es ja mal eigentlich ganz gut, du hast es ja schon angesprochen, wenn man die Hosen runterlässt, also bis zum gewissen Grad zumindest, aber man sollte sie darüber den anderen nicht runterreissen, weil es es gibt natürlich automatisch eine Grenze, die definiert, wo du dich selber zum Idioten machst oder andere und wo du andere Leute mit reinziehst ohne deren Einverständnis, dann wird es halt schwierig. Also alles, was irgendwie auf die eigenen Kosten geht, ist super, aber wenn du dich selber so entblößt, dass du die anderen gleich mit entblößt, das ist halt immer ein bisschen blöd und das würde ich gerne versuchen zu vermeiden. Deswegen gibt es natürlich immer Themen, die kann man bis zu einem gewissen Grad, also man kann auch über das Thema zum Beispiel Trennung und Scheidung reden, aber das sollte man dann nach Möglichkeit bei sich selbst belassen und nicht dann andere Personen damit reinziehen, weil sonst ist es halt unfair. Du hast ja automatisch eine gewisse Macht und eine Reichweite, die ist für einen selber schön, aber für andere möglicherweise gar nicht, die das überhaupt nicht wollen. Das gilt ja fürs eigene Kind auch.

Brigitte Huber 62:01
Ja, also ich weiß zum Beispiel noch, als ich die Editorials geschrieben habe für die Brigitte um mein jüngerer Sohn war in der Pubertät, dann lässt du das irgendwann, bevor er dann erzählt, dass eine Mutter zu ihrem Sohn gesagt hätte, was ich im Editorial geschrieben habe, dann weißt du, nee, das ist jetzt musst du schon genau überlegen.

Micky Beisenherz 62:20
Genau, exakt, genau. Und das wird dann natürlich irgendwann auch schwierig. Also jetzt ist meine Tochter momentan von allem begeistert, was irgendwie öffentlich ist. Da musst du, sie hat da durchaus Spaß, aber ist cool. Und das finde ich irgendwie alles ganz gut. Findet den Job auch gut und nimmt da mit ihren Freundinnen dann auch so Podcasts auf oder so. Am Ende ist es nicht anders, als ich selber auch gemeint. Ich hab halt den ganzen Quatsch halt nur mit dem Kassettenrekorder gemacht. Also da wiederholt die Geschichte sich auch. Und jetzt war es in meinem Falle jetzt nicht das Nacheifern des Vaters, sondern ich war halt einfach immer schon eine Labertasche, weil meine Tochter ist offensichtlich auch so. Aber lass sie mal 13, 14, 15 sein, dann ist das Verhältnis dazu natürlich noch mal was anderes. Und da würde ich ihr gerne ihre Privatsphäre bewahren. Also jetzt hätte sie wahrscheinlich lieber heute als morgen einen TikTok Account, aber also bitte nicht.

Brigitte Huber 63:12
Okay. Ja, das ist noch ein wirkliches Thema. Auch Social Media und Kinder und so kommen wir jetzt nicht weiter. Wir hätten noch zwei Rubriken. Miki, möchten wir die noch mit dir?

Micky Beisenherz 63:21
Aber bitte.

Brigitte Huber 63:22
Also zum einen geht es darum um Premieren, um erste Male im Leben. Also Hintergedanke ist der, wenn wir Kinder sind oder junge Erwachsene, erleben wir wahnsinnig viel. Zum ersten erstmal erster Schultag, erster Zahn, erster Kurs, erster Urlaub ohne Eltern. Und das dehnt die Zeit, weil wir immer, brauche ich dir nicht erklären. Deswegen ist es ganz schlau, wenn wir älter werden, dass wir gezielt auch immer wieder Premieren in unser Leben reinholen. Was ist denn die nächste Premiere, auf die du dich freust? Oder hast du eine Premiere, die du gerade gemacht hast, von der du uns erzählen möchtest?

Micky Beisenherz 63:58
Ja, ich habe, also ich habe natürlich über diese Frage auch schon mal nachgedacht und habe festgestellt, dass ich mir schon seit längerem Zeit wirklich nichts radikal Neues mehr zugemutet habe. Das wäre dann im Zweifel vielleicht mal sowas wie Bootsführerschein. Also weil ganz viele Menschen in meinem persönlichen Umfeld Bootsführerschein machen. Und da muss ich sagen, also ich beneide, also ich halte mich jetzt nicht für besonders neidisch, aber wann immer ich so draußen an der Außenelbe liege auf dem Steg und dann fahren Leute mit so einem Bötchen vorbei, da denke ich mir, scheiße, das wäre schon auch toll, weil da kannst du jetzt mit dem Ferrari oder Lambo, das ist mir alles wurscht, die da um die Eisdielen rum, denkst du, ja, okay, aber wenn die Leute, egal ob es ein größeres oder kleineres ist, da denke ich immer, das wäre schon irgendwie ganz gut. Also das wäre wahrscheinlich so eine Art von Premiere, die ich mir Das würde aber bedeuten, was klingt jetzt gar nicht so spektakulär, ist es auch nicht, bedeutet aber, das wäre das erste Mal nach, oh Gott, Jahrzehnten wahrscheinlich, dass ich mal wieder eine echte Prüfungssituation hätte.

Brigitte Huber 64:52
Nach dem Führerschein.

Micky Beisenherz 64:53
Nach dem Führerschein. So das wäre etwas, wenn es Premieren. Klar, ich meine im beruflichen Kontext gibt es natürlich immer wieder mal eine Art Prüfungs oder Premierensituation. Also was weiß ich, Ich hatte ja letztens das große Vergnügen, den tollen Film Ein Sommer in Italien präsentieren zu dürfen, in München den Film über die Weltmeister 1990, dann habe ich das halt einfach mal mit 14 der Weltmeister von 1990 gemacht. Das ist natürlich auch eine Premieren im eigentlichen Wortsinne, weil es eine Filmpremiere war. Das war auch insofern eine Premiere, weil ich die PK geleitet habe und im Kino den Film vorgestellt habe. Das habe ich so auch noch nicht gemacht und das war natürlich etwas Besonderes und für mich auch etwas durchaus Aufregendes. Ich habe das, also diese PK, die habe ich, würde ich sagen, sehr professionell geleitet, aber in der ersten Minute, als ich da auf dem Hocker saß, habe ich bei mir selber festgestellt, also so ich war, die Stimme war ruhig und alles gut, aber ich habe festgestellt, dass ich mit dem Fuß immer so gewackelt habe, bisschen mehr Adrenalin und das habe ich an mir selber festgestellt. Ich saß dann so auf diesem Hocker und dann hast du ja unten noch mal so einen Ring und da kannst du deinen Fuß draufstellen und merkte, dass mein Fuß die ganze Zeit Zeit so wippte und habe an mir selber ach guck mal, bist du doch gerade aufgeregt, weil an der Stimme hat man es nicht so gehört. Aber ich merkte so, dass der Fuß so die erste Minute so ein bisschen

Brigitte Huber 66:11
wippelt, so wie jetzt bei uns, oder? Ja, natürlich, durchgängig.

Micky Beisenherz 66:17
Nein. Und da habe ich festgestellt, ach guck mal, du hast jetzt auch mal ein anderes Aufregungslevel. Das ist natürlich schön. Ich würde gerne, ich traue mich auch viele Sachen nicht und ich habe vor vielen Sachen Bammel und auch Fluchtreflex. Auch für Leute, die in den Medien arbeiten, gibt es immer noch Sachen die ich eigentlich ungerne machen würde. Also doch immer noch dieses sich so sehr zu exponieren. Also die Routine nimmt dir ja vieles von der Aufregung. Also Situationen, die du kennst über Routinen, die flößen dir in der Regel ja keine Angst ein. Aber es gibt auch immer noch Situationen, wo ich manchmal auch Bammel habe. Sich so sehr zu exponieren, wo alle auf dich schauen, kann ich jetzt auch nicht behaupten.

Brigitte Huber 66:56
Also wann hat es du zuletzt Bammel oder war das die Situation, die du gerade geschrieben hast?

Micky Beisenherz 67:01
Also diese Kinopremiere, wenn du da so in so einem vollbesetzten Kinosaal erstmal stehst, merke ich mir natürlich auch an, dass ich aufgeregter bin als sonst, obwohl es ja um mich da gar nicht geht. Die Leute sind ja nicht wegen mir gekommen. Aber trotzdem. Und das merke ich schon und das wird natürlich immer so sein. Also wenn du dich solchen neuen Situationen aussetzt, wo du so exponiert bist, obwohl dir ja eigentlich nichts passieren kann. Also selbst wenn ich das, wenn es jetzt ein absolutes Gestammel gewesen wäre, hätten die Leute am Ende ja nun in erster Linie über den Film gesprochen, nicht über den Film T******, der ihn da präsentiert hat, aber trotzdem. Aber ich würde trotzdem immer dazu raten, sich solchen Situationen auszusetzen. Also nur aus Angst, dass das misslingen könnte, es nicht zu machen, halte ich für einen Fehler. Gleichzeitig, wenn du etwas machst, was dir jedes Mal einen schlechten Tag beschert, weil du den ganzen Tag schon über das Scheitern nachdenkst und deswegen nichts essen kannst und schlecht schläfst, dann würde ich mir auch überlegen, ob man nicht vielleicht doch was anderes macht, weil sonst wird es ja dann auch echt zur Qual.

Brigitte Huber 68:00
Ja, absolut. So sollte man sich das dann anschauen,

Micky Beisenherz 68:03
weil nur wenn du danach dann von der Bühne gehst oder runter gehst und denkst, ach so schlimm, ich habe es wieder überlebt, um dann aber zwei Tage später wieder in dieselbe Situation zu geraten. Das kann es natürlich auch nicht sein, aber das meine ich damit auch nicht. Sich selber was zuzumuten, ist schon erstmal eine gute Idee.

Stephan Seiler 68:17
Bevor wir zu unserer letzten Rubrik kommen, möchte ich gerne noch eine Frage reinschieben, und zwar zwei sogar zum Thema Sport. Das eine ist, wie genau schaut deine Fitness und auch vielleicht auch Beauty Routine aus? Wie oft machst du, ich habe mich heute eingecremt.

Micky Beisenherz 68:35
Das ist also das Maximum.

Stephan Seiler 68:36
Gibt es sonst irgendwas gibt es irgendwelche Mittelchen, die du benutzt? Retinol, Vitamin C, Kreatin habe ich jetzt

Micky Beisenherz 68:42
irgendwann mal vor ein paar Wochen wieder angefangen, aber ich bin leider die Kategorie, ich merke irgendwie nichts. Es gibt ja so Leute, die so relativ stumpf sind, so bei mir. Ich so, ich merke bei den meisten Sachen, ich merke irgendwie nichts, merke so nie eine Veränderung. Ich bin da manchmal bin ich wie so ein Bauer. Ich gehe dann so vor, ich mache mir solche Sachen, aber ich habe auch keine Pulsuhr und ich messe auch keine Herzfrequenz und ich habe auch keinen Schlaftracker oder so. Also ich bin da wirklich, was das angeht, sehr, sehr stumpf, aber beharrlich. Stumpf, aber beharrlich, weil ich habe halt irgendwie vor, also mit diesem ganzen Fitness Kram habe ich angefangen, oh Gott, 92, also schon wirklich eine Weile her und habe halt einfach nie aufgehört, weil die Frage ist ja manchmal, was machst du? Die Antwort ist anfangen und nicht mehr aufhören. Und das ist halt genau das, diese gesunde Balance zwischen Fitnessstudio und dann geht man so zwei dreimal die Woche laufen und dann spiele ich halt im Zweifel noch zwei dreimal die Woche Fußball, je nachdem, da kommt natürlich auch ein bisschen was zusammen und that's it. Und deswegen brauche ich auch nicht auf die, also ich bin noch in der glücklichen Situation, dass ich nicht auf die Waage gehen muss jeden Tag oder jeden zweiten, sondern ich sehe es einfach. Das ist ja erstmal, ich kann es, sehe es, guck in den Spiegel und ah ja, okay.

Stephan Seiler 69:55
Aber denkst du auch manchmal, das, was mir gesagt wird, wenn ich Handball spiele, das ist doch viel zu gefährlich für dich in deinem Alter. Du weißt gar nicht, wie viele Männer sich da selbst überschätzen, wie viele Männer sich verletzen und so weiter. Und seitdem ich diesen Gedanken im Kopf habe, habe ich mich zweimal verletzt.

Micky Beisenherz 70:11
Ja, das ist schlecht.

Stephan Seiler 70:12
Ja, also was lernen wir daraus? Was kann ich da von dir lernen?

Micky Beisenherz 70:15
Ja, auch da wieder stumpf rein und durchziehen. Nein, ich habe, ich kann diesen Gedanken.

Brigitte Huber 70:20
Bauchgefühl ist doch auch.

Micky Beisenherz 70:25
Ja, ja. Und natürlich wirklich durchziehen. Also sich darüber. Also ich mein, das ist natürlich ein super Punkt. Das ist im Alter oder im Altern anders Beim Älterwerden, Ja, beim Älterwerden als in der Jugend. Also Stichwort zum Beispiel Skilaufen ist ja Ein super Beispiel. Also Meine Tochter ist 10, die stürzt sich natürlich den Hang runter. Ich war auch immer wieder Skilaufen, allerdings nie jedes Jahr. Aber ich konnte es oder ich kann es. Und wenn ich es gemacht habe, hat es auch Spaß gemacht. Ich bin da durchaus auch schnell gefahren, habe aber in den letzten Jahren überhaupt gar kein Interesse mehr gehabt, Ski zu laufen. Das hat auch ein bisschen damit zu tun, dass wenn die Zeit des Jahres ist, wo andere Skilaufen gehen, bin ich froh, wenn ich mit meinem A**** im Bademantel irgendwo liegen kann und pennen kann. Und mir ist dieses ganze Geraffel zu viel. Also Skianzug, Schuhe, Skier mitschleppen mit dem Bus irgendwo hin, nervt mich alles. Aber die Wahrheit ist auch, die Traute ist auch geringer geworden, also sich den Berg runterzustürzen, weil da denke ich nämlich genauso wie du beim Handball zu häufig darüber nach, was alles passieren kann. Du verkanntest schlecht, dann brichst du dir irgendwie das Schienbein oder reißt dir die Knie. Und das ist natürlich sehr signifikant fürs Älterwerden, dass du dir mehr Gedanken darüber, also weniger Gedanken über den Spaß und mehr Gedanken über das, was schiefgehen kann, machst. Und das ist sicherlich auch ein Signum des Älterwerdens. Beim Fußball wiederum mache ich mir diese Gedanken für gewöhnlich nicht. Klopf auf Holz und mach's halt einfach so. Und wenn es passiert, passiert es eh. Ist ja nicht so, als wäre mir nicht beim Fußball schon ein paar Mal was passiert, aber ich denke zum Glück nicht so darüber nach. Und das ist gerade bei solchen Sportarten, in denen es zu häufigen Fremdeinwirkungen kommen kann, auch ganz gut. Also weniger nachdenken, weniger nachdenken.

Stephan Seiler 72:12
Ja, sollte ich öfter mal machen.

Brigitte Huber 72:14
Aber entweder oder.

Stephan Seiler 72:15
Entweder oder.

Brigitte Huber 72:17
Entweder oder.

Stephan Seiler 72:19
Lieber Micky, Entweder oder. Ein Spiel ist, glaube ich, fast selbsterklärend.

Micky Beisenherz 72:24
Ich glaube, ich weiß, wo die Reise hingeht.

Stephan Seiler 72:26
Werden dir jetzt ein paar gefunden?

Brigitte Huber 72:28
Auch nicht, wenn er nachfragt. Das macht er dann immer gern. Aber

Stephan Seiler 72:34
sei du selbst nicht einfach ignorieren. Let's go.

Brigitte Huber 72:37
Ach so, jung aussehen oder sich jung fühlen?

Micky Beisenherz 72:40
Sich jung fühlen.

Stephan Seiler 72:43
Ehrliche Selbstwahrnehmung oder angenehme Selbsttäuschung?

Micky Beisenherz 72:48
Angenehme Selbsttäuschung, das haben wir, glaube ich,

Brigitte Huber 72:52
schon das nächste, aber trotzdem, ich frage es noch. Weniger arbeiten oder weniger wahrgenommen werden?

Micky Beisenherz 72:57
Weniger arbeiten.

Stephan Seiler 73:00
Alte Freunde behalten oder neue finden,

Micky Beisenherz 73:06
Alte

Brigitte Huber 73:06
Freunde behalten, Kontrolle behalten oder loslassen lernen.

Micky Beisenherz 73:11
Loslassen lernen.

Stephan Seiler 73:13
Körper optimieren oder akzeptieren?

Micky Beisenherz 73:16
Körper optimieren.

Brigitte Huber 73:18
Gelassenheit oder Leidenschaft?

Micky Beisenherz 73:22
Gelassenheit,

Stephan Seiler 73:25
Erinnerung oder Erwartung?

Micky Beisenherz 73:28
Erwartung.

Brigitte Huber 73:30
Früher schlafen oder später aufstehen,

Micky Beisenherz 73:40
Später aufstehen.

Stephan Seiler 73:41
Noch mal dreiig sein oder wissen, was du heute weißt.

Micky Beisenherz 73:50
Wissen, was ich heute weiß.

Stephan Seiler 73:53
Vielen Dank. Jetzt haben wir noch zwei Zitate für dich, kannst dich ebenfalls für eines entscheiden.

Brigitte Huber 73:59
Brigitte Das Erste heiß Die ersten 40 Jahre unseres Lebens liefern den Text, die folgenden dreiig den Kommentar dazu. Schopenhauer es ist von 1851, ich glaube, wir könnten das so ein bisschen umwandeln. Die ersten 50 Jahre liefern den Text, die folgenden 40 den Kommentar dazu.

Stephan Seiler 74:21
Je älter ich werde, desto mehr höre ich auf die Leute, die sagen, das geht nicht von Jean Cocteau, Schriftsteller und

Micky Beisenherz 74:29
ich soll mich für eins von den beiden Schopenhauer, ganz klar Schopenhauer, welche Frage? Ja, also gerade das geht nicht, Also nein, also da muss man, da tut es mir ehrlicherweise fast ein bisschen leid für die jüngere Generation, die natürlich von ihren Peers viel häufiger als wir früher jetzt kommt wirklich, jetzt wird es leicht. Gottschalk, die natürlich viel mehr von ihren Peers hören, zumindest wenn es um Gen Z geht, Gen Alpha ist glaube ich, schon wieder anders drauf. Das geht nicht. Und also in diesem Kontext sind wir ja nicht aufgewachsen und nein, also bitte nicht. Und was das entweder oder angeht, wahrscheinlich würde ich die eine oder andere Frage vielleicht jetzt schon wieder schon wieder anders beantworten. Es gibt natürlich so ist ja auch ein Münzwurf, bin ich mit jeder Antwort zufrieden, aber ich lasse das jetzt mal so.

Brigitte Huber 75:14
Ja, super, Sehr, sehr gut. Niki, es war uns eine große Freude, dass du hier warst.

Micky Beisenherz 75:20
Ja, es hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Brigitte Huber 75:21
Manchmal gar nicht gemerkt, dass du nervös warst.

Micky Beisenherz 75:23
Ja, sehr gut. Ich habe ja auch die Füße unterm Tisch.

Brigitte Huber 75:27
Nein, war ein ganz, ganz großer Spaß,

Micky Beisenherz 75:29
hat mir sehr viel Freude gemacht. Danke, dass ihr mich eingeladen habt. Nein, war sehr schön, hat Spaß gemacht. War auch ganz interessant, sich mal mit der einen oder anderen Frage auseinanderzusetzen, was mir ja im Podcast Kontext sonst ja selten unterkommt. Wir sprechen uns wieder, wenn ich 60 bin.

Stephan Seiler 75:43
Ja, bitte um die Einladung auch nach dem 50 nach dem runden Geburtstag kannst du gerne vorbeikommen, wann immer ihr mögt.

— Ab hier liegt das Transkript hinter dem Ende der veröffentlichten Folge. —

Micky Beisenherz 75:53
Ich bin.

Brigitte Huber 75:53
Dankeschön.

Stephan Seiler 75:58
Das war die Sache mit dem Älterwerden, der Podcast mit Brigitte Huber und Stephan Seiler.

Brigitte Huber 76:02
Vielen Dank an Leo Ebert Klang für die Titelmelodie, das Sounddesign und den Schnitt

Stephan Seiler 76:08
und an Alina Savalis für das Covergestaltung.

Brigitte Huber 76:11
Die Sache mit dem Älterwerden erscheint mittwochs auf allen gängigen Podcast Plattformen.

Stephan Seiler 76:16
Folgt uns, abonniert uns, dann verpasst ihr keine Folge und empfehlt uns bitte weiter.

Brigitte Huber 76:22
Das würde uns sehr freuen.

Stephan Seiler 76:25
Wenn ihr uns Feedback schicken möchtet, egal ob positiv oder negativ oder wenn ihr Themenvorschläge für uns habt, schreibt uns eine E Mail, eine Textnachricht oder Sprachnachricht auf unserem Instagram, Instagram oder Facebook Kanal.

Brigitte Huber 76:38
Alle Infos findet ihr auch in der schriftlichen Zusammenfassung zu dieser Folge in eurem Podcast Player.

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Folge

30

·

54 Min.

Mit

Brigitte & Stephan

Kannst Du mit geschlossenen Augen auf einem Bein stehen? Wann sind Rucksäcke peinlich?

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Selbst wenn ein Abend misslingt, hat er Wert: Im Nachhinein war es ein Erlebnis.

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Sich solchen Situationen aussetzen, statt sie aus Angst vor dem Misslingen zu lassen.

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Gemeinsames Erleben statt gemeinsamer Konsum: ein Konzert, eine Bergwanderung mit Übernachtung auf der Hütte, ein Urlaub zusammen.

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Anfangen und nicht mehr aufhören: zwei- bis dreimal die Woche laufen, zwei- bis dreimal Fußball, dazu das Fitnessstudio.

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Es ist gut, bis zu einem gewissen Grad die Hosen runterzulassen. Aber man darf sie dabei nicht anderen mit runterreißen.

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Als Kinder erleben wir ständig erste Male, und das dehnt die Zeit. Wer älter wird, sollte deshalb gezielt Premieren ins Leben holen.

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Die ersten vierzig Jahre unseres Lebens liefern den Text, die folgenden dreißig den Kommentar dazu.

Arthur Schopenhauer

Folge

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Je älter ich werde, desto mehr höre ich auf die Leute, die sagen: Das geht nicht.

Jean Cocteau

Folge

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Bin ich jetzt so steif, weil ich halt Muskelkater habe vom Vorabend oder bin ich halt einfach steif, weil ich alt bin? Das weiß ich nicht.

Micky Beisenherz

Folge

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Am Ende sind wir alle ja Idioten so oder so.

Micky Beisenherz

Folge

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Kein Mensch, der bei klarem Verstand ist, wird ein oranges Oberhemd tragen. Das kannst du aber bei einem Rollkragenpullover super machen.

Micky Beisenherz

Folge

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Also ich bin da wirklich, was das angeht, sehr, sehr stumpf, aber beharrlich.

Micky Beisenherz

Folge

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Huber & Seiler

Die Sache mit dem Älterwerden.

Klüger älter werden, ohne sich jünger machen zu müssen.

Ein unabhängiger Podcast von Brigitte Huber & Stephan Seiler.

Huber & Seiler

Die Sache mit dem Älterwerden.

Klüger älter werden, ohne sich jünger machen zu müssen.

Ein unabhängiger Podcast von Brigitte Huber & Stephan Seiler.

Huber & Seiler

Die Sache mit dem Älterwerden.

Klüger älter werden, ohne sich jünger machen zu müssen.

Ein unabhängiger Podcast von Brigitte Huber & Stephan Seiler.