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75 Min.
Wann ist es Zeit für eine Freundschaftsinventur? Welche Freunde tun uns gut? Wie finden wir neue Seelenverwandte in jedem Alter? Sind Freunde im Job ein Risiko oder eine Bereicherung?
„Ein Freund ist ein Mensch, vor dem man laut denken kann.“
Beziehungen

Dieses Zitat von Ralph Waldo Emerson bildet den Kern unserer heutigen Folge. Doch wie steht es um unsere Freundschaften, wenn wir älter werden? Brigitte und Stephan gehen der Sache auf den Grund: Ist es zynisch, mit Mitte 40 strategisch darüber nachzudenken, wer in 30 Jahren noch da sein wird?
Wir sprechen über die Mathematik der Freundschaft (warum man 200 Stunden für echte Tiefe braucht), den Umgang mit Energie-Abflüssen und die Frage, ob man als Chef oder Chefin wirklich mit dem Team befreundet sein kann. Außerdem verraten wir, warum ein Buchclub oder eine Runde Boule das Tor zu neuen Seelenverwandten sein kann und warum Stephan befürchtet, auf der 18. Geburtstagsparty seiner Neffen und Nichten nur als Getränkenachschub geduldet zu sein. Taucht mit uns ein in eine Folge voller ehrlicher Bestandsaufnahmen!
Kapitelmarken
00:00 Laut denken dürfen: Was Freundschaft im Kern ausmacht
10:12 Die 200-Stunden-Regel: Kann man Freundschaft berechnen?
15:16 Wüstenzeiten: Wenn man in einer neuen Stadt bei Null anfängt
26:33 Freunde im Job: Zwischen Hierarchie und Herzlichkeit
43:49 Die Inventur: Wenn Freunde zu Energie-Vampiren werden
52:15 Neue Freunde finden: Tipps von Buchclub bis Sportverein
57:25 Große Fragen, kleine Fragen: Vom Olympia-Fieber bis zur Puzzle-Leidenschaft
1:06:12 Premieren & Ausblick: Kapverden-Reise und Gast Bas Kast
Transkript zur Folge
Stephan Seiler 0:00
Ein Freund ist ein Mensch, vor dem man laut denken kann von Ralph Waldo Emerson. Laut denken, nicht sortieren, nicht optimieren, nicht gefallen wollen. Brigitte was löst dieses Zitat bei dir aus?
Brigitte Huber 0:18
Ich würde natürlich jetzt Eine Freundin und ein Freund sind Menschen, vor denen man laut denken kann, aber da mache ich tatsächlich voll den Haken dahinter. Ja, wie ist es bei dir?
Stephan Seiler 0:30
Bei mir ist es so, dass dieser Satz mir sehr, sehr nahe geht, denn ich finde, der drückt sehr, sehr gut aus, was so der Kern von Freundschaft sein soll für mich. Freundschaft ist ein Ort, an dem ich eben nicht performen muss. Und genau darüber möchte ich heute mit dir sprechen, liebe Brigitte. In dieser Folge soll es um die Freundschaft gehen. Wie finden wir neue Freunde in unserem Alter und wie gehen wir mit denen um, die uns vielleicht nicht mehr ganz so gut tun? Ich habe einige Fragen zum Thema Freundschaft hier versammelt, die ich heute mit dir besprechen möchte. Alles dem Motto entsprechend die Sache mit dem Älterwerden. Denn, liebe Brigitte, wir beschäftigen uns ja hier mit den großen und kleinen Fragen, die man sich so stellt, wenn man älter wird. Egal ob über 60, über 50, über 40 oder auch in anderen Alters Kategorien. Brigitte Wollen wir loslegen?
Brigitte Huber 1:24
Ja, ich bin Brigitte Huber.
Stephan Seiler 1:26
Ich bin Stephan Seiler und das ist die Sache mit dem Älterwerden. Liebe Brigitte, Freundschaften gehören meiner Meinung nach zu den unterschätzten Beziehungen. Wir reden ständig über Liebe, über Partnerschaft, über die Familie, aber über Freundschaft, zumindest mal einer männlichen Umgebung, spricht man recht selten darüber. Ich habe mit 45 das Gefühl, ich habe sehr viele gute Freunde und gleichzeitig denke ich jetzt zum ersten Mal strategisch darüber nach, wer ist in dreiig Jahren noch da? Ist das zynisch? Brigitte du bist 62 wenn du auf deine Freundschaften schaust, haben sie dich durch die verschiedenen Versionen deines Lebens begleitet und waren sie immer da oder gab es da auch Brüche?
Brigitte Huber 2:22
Also zum einen, ich finde es nicht zynisch, wenn du heute schon drüber nachdenkst, was in 30 Jahren ist. Ich finde schon sehr weit nach vorne gedacht oder anders Ich in meinem Leben habe noch nicht mit Mitte 40 gedacht, welche Freundschaften werde ich noch haben, wenn ich älter bin? Aber ich habe da auch eine bisschen eine andere Meinung. Ich habe gar nicht das Gefühl, dass Freundschaften unterschätzte Beziehungen sind. Also für mich war eigentlich schon sehr, sehr lange klar, dass Freundschaften eigentlich die Beziehungen sind, die uns das ganze Leben begleiten. Können. Bei Familie wissen wir ja selber, Familie suchst du dir nicht aus und umgekehrt auch. Die Familie muss auch nehmen, was sie kriegt. Also ich habe zum Glück ein sehr, sehr gutes Verhältnis zu meiner Mutter. Mein Vater lebt ja nicht mehr und so weiter. Aber ich weiß, das ist bei anderen dann teilweise auch nicht so der Fall. Und bei der Liebe wissen die wenigsten von uns, sind mit einem Partner ihr Leben lang glücklich und zusammen. Insofern war mir schon sehr, sehr früh klar, wie wichtig mir Freundschaften sind. Und auch wenn ich mich beruflich immer mit so psychologischen Themen auseinandergesetzt habe, hat es das eher immer bestätigt. Und ich merke das jetzt auch, ich habe das auch bei der Recherche für das Buch gemerkt, es gibt wirklich ganz, ganz viele Frauen in meinem Alter, die Single sind und im Moment oder auf längere Sicht auch gar keine Partnerschaft möchten und die sagen, sie sind bestens aufgestellt mit Freundschaften. Also das dazu. Freundschaft ist für mich wirklich eine extrem wichtige Beziehung. Und tatsächlich habe ich auch mindestens zwei Freundinnen schon wirklich von Kindesbeinen her begleiten
Stephan Seiler 4:00
dich dein ganzes Leben lang.
Brigitte Huber 4:01
Genau, also bei meiner langjährigsten Freundin ist es so, die ist Kanalstraße 9 geboren und ich Kanalstraße 8. Wir heißen auch beide Brigitte. Also ja, wir waren Nachbars, Mädels und sind eben schon gemeinsam in den Kindergarten gegangen. Und die andere Freundin, die kam dann mit zehn Jahren dazu, da haben wir uns auf dem Gymnasium kennengelernt und die begleiten mich tatsächlich mein ganzes Leben. Wir haben dann in München in der WG zusammen gewohnt, wir haben Kinder zusammen großgezogen, wir sind gegenteilig Patenkinder und Patenmütter geworden und so weiter und so fort. Und das finde ich schon einen ganz, ganz, ganz, ganz großen Wert. War das jetzt die Frage?
Stephan Seiler 4:41
Ja, du hast quasi einige Fragen auf einmal beantwortet. Haben dich denn diese ältesten Freundinnen denn auch dein ganzes Leben lang gleichmäßig begleitet oder gab es da auch richtige Brüche im Sinne von, dass man mal weniger Kontakt hat eine Zeit lang und dann den Kontakt wieder aufleben lässt? Gab es sowas?
Brigitte Huber 5:01
Also der Kontakt, der ist nie abgebrochen, aber er ist unterschiedlich intensiv gewesen, auch natürlich dadurch, dass wir 1000 Kilometer auseinanderleben. Und wenn du dann auch so eine Zeit gerade hast, wo wahnsinnig viel los ist, dann beschränkt sich der Kontakt tatsächlich auf mal telefonieren alle paar Monate tatsächlich dann auch. Aber wir haben dann auch schon versucht, uns gegenseitig zu besuchen und ich bin dann in der Regel auch häufig und mache ich jetzt noch in meine Heimatstadt zurückgefahren, eigentlich mehrmals im Jahr, um auch meine Mutter, mein Vater ist ja schon länger tot zu besuchen und dann habe ich jedes Mal, und das mache ich auch jetzt, meine Freundinnen aufgesucht und getroffen. Also insofern ist das eine lückenlose Beziehung.
Stephan Seiler 5:45
Habe ich ähnliche Beispiele aus meinem Freundeskreis. Einige begleiten mich wirklich seit gefussten Kindesbeinen von Kindesbeinen an aus dem Kindergarten kennen wir uns oder unsere Eltern waren befreundet und seitdem begleiten mich diese Menschen durch mein Leben, was wunderschön ist.
Brigitte Huber 6:01
Was ist denn dein langjährigster Freund?
Stephan Seiler 6:03
Mein langjährigster Freund ist Stephan, heißt auch Stephan.
Brigitte Huber 6:07
Wie originell
Stephan Seiler 6:10
ist der Sohn einer Freundin meiner Mutter und wir haben uns quasi wahrscheinlich schon auf dem Wickeltisch oder kurz danach kennengelernt und seitdem immer durchs Leben begleitet, zumindest in der früheren Kindphase und auch in der Jugendphase haben wir sehr viel Schabernack zusammen veranstaltet, haben irgendwelche Comedy Shows für seine Oma aufgeführt, die wir dann zu Didi Hallervorden und Helge Schneider haben wir versucht zu imitieren. Das waren quasi unsere künstlerischen Sprühwerke auf den heimischen Bühnen im Wohnzimmer der Oma. Solche Dinge verbinden uns, sind tolle gemeinsame Erlebnisse, auf die wir zurückblicken können. Und heute ist ja das Thema Freundschaft das Thema dieser Folge und paar Dinge sind schon so aufgeblitzt, über die es sich lohnen könnte zu reden, zum Beispiel der Gehalt, die Wichtigkeit von gemeinsamen Erlebnissen, um eine Freundschaft auszumachen versus Gespräche, die dann vielleicht eine Freundschaft am Leben halten und die Pflege von Freundschaft. Wie pflegt man alte Freundschaften, sodass sie nicht verloren gehen? Und wann merkt man vielleicht auch, wenn eine Freundschaft Freundschaft den Zenit überschritten hat und vielleicht gar nicht fortgeführt werden sollte? Wie findet man neue Freunde im Alter? Ü etc. Auch darüber wollen wir noch sprechen. Brigitte Haben Freundschaften eine eigene Zeitrechnung? Sind sie endlich?
Brigitte Huber 7:34
Also was ich ja gerade vorher gesagt habe, bei den Freundinnen, die ich seit meiner Kindheit und Jugend habe, würde ich sagen, die sind nicht endlich. Das wird mich mein ganzes Leben begleiten. Ansonsten gibt es natürlich schon immer so, ich sag mal, Lebensphasenfreundschaften. Also wenn du Kinder kriegst und du gehst dann in irgend so eine Pekip Gruppe, das ist da, wo man sich dann mit Kindern noch mal beschäftigt, da weiß ich durchaus, dass sich da schon auch Kontakte geknüpft haben und die haben ein paar Jahre gehalten und es fühlte sich fast an wie eine Freundschaft. Aber man hat sich auch wieder aus den Augen verloren. Tatsächlich auch was über Schule und Kindergarten und auch über Top Situationen kennst du bestimmt auch, dass man eigentlich denkt, das ist sehr viel mehr als Kollegin sein und das ist es bestimmt auch. Aber tatsächlich allein, weil wir nur eine überschaubare Zeit haben, die wir mit anderen Menschen verbringen und weil sich dann wieder andere Konstellationen rauskristallisieren, finde ich, verliert man dann auch tatsächlich wieder Freundschaften. Also so habe ich erlebt und es ist tatsächlich auch manchmal so. Ich freue mich dann wahnsinnig, wenn mir aus einer alten Zeit über Facebook jemand zum Beispiel zum Geburtstag gratuliert oder wenn man irgendwie in Kontakt kommt und dann ertappe ich mich ganz häufig, dass ich Ach Mensch, wenn ich wieder in München bin, dann melde ich mich bei dir. Und ich weiß aber im Hinterkopf, wahrscheinlich wird mir das wieder nicht gelingen, weil ich bin da, ich sage jetzt mal drei oder vier Tage und zwei davon sind vielleicht beruflich und die anderen anderthalb Tage habe ich dann schon mit noch aktiveren Freundinnen und Freundschaften zu tun oder ich mache ganz was anderes und es wird dann wieder, ich sage jetzt mal, auf der Prioritätenliste so nach hinten, sich so nach hinten verabschieden, dass diese Freundschaft nicht wieder tatsächlich wiederbelebt wird. Also so erlebe ich das aber und das finde ich dann schon mal wieder ganz spannend, weil ich mich ja auch für das Buch damit auseinandergesetzt habe. Genau diese Kontakte können durch eine Möglichkeit sein, wenn man tatsächlich dann irgendwann mal das Gefühl hat, ich sollte meinen Freundeskreis pflegen. Vielleicht habe ich gar nicht genügend intensive Freundinnen. Das habe ich ganz oft von Expertinnen, aber auch von anderen Menschen gehört. Das sind Menschen, auf die man als allererstes mal zugehen kann und sagen hey, wir waren doch damals an der Uni, haben uns so und so gut verstanden oder wir waren sogar mal zusammen auf irgendeiner Reise oder sowas. Wollen wir uns mal wieder treffen? Wollen wir wieder in Kontakt kommen miteinander?
Stephan Seiler 10:10
Wollen wir Freunde werden? Wollen wir Freunde werden?
Brigitte Huber 10:12
Ja, oder so plump fragst du in aller Wahrscheinlichkeit nicht, aber besser nicht, wenn man will, dass es klappt. Ich bin in der Stadt oder sowas und lass uns auch einen Kaffee treffen. Und tatsächlich sind diese alten Kontakte, die nur eingeschlafen sind nicht welche, die jetzt irgendwie zerbrochen sind, weil es irgendwie einen Konflikt gab oder was auch immer. Diese alten eingeschlafenen Kontakte. Eigentlich eine gute Möglichkeit, um eine Fra Freundschaft dann wieder neu zu starten. Oft leichter als eine ganz neue Freundschaft zu finden, weil das hat ja auch, wie wir wissen, viel mit Zeit, also einem intensiven Miteinander zu tun. Ich habe gelesen, es gibt eine sehr, sehr spannende Studie, dass wir tatsächlich 40 bis 60 Stunden brauchen, um einen Menschen so kennenzulernen, dass so eine Art Grundvertrauen entsteht, der für eine Freundschaft zuständig ist und ungefähr 200 St, damit daraus tatsächlich eine Freundschaft werden kann. Also ich fand das ein bisschen, klingt ein bisschen Sehr mathematisch, aber 40 Stunden
Stephan Seiler 11:22
für die Grundausstattung und zweieinhalb Stunden 40 Stunden für echte Freundschaft.
Brigitte Huber 11:25
Genau. Also ich stelle das dann auch noch mal in die Shownotes rein. Aber das fand ich ganz spannend, dass aus einem bekannten Wir reden nett miteinander einfach schon ein intensiverer Kontakt wird und dann tatsächlich 200 Stunden, bis das tatsächlich ein Vertrauensniveau erreicht, der einer guten Freundschaft gleichkommt. Und das fand ich ganz spannend, weil tatsächlich hat es einfach mit Zeit zu tun, mit Austausch, mit Zuhören, mit sich öffnen. Und das hat wiederum sehr viel mit Zeit zu tun.
Stephan Seiler 11:58
Zeit, die man ja oftmals im Erwachsenenalter gar nicht so hat, abgesehen vom Job. Im Job verbringt man dann natürlich notgedrungen sehr viel Zeit mit den immer gleichen Menschen und dann haben es natürlich, glaube ich, auch die neuen Freundschaften, die sich da womöglich bilden können, leichter. Das ist auch noch mal eine Spezialform, Freundschaft mit Kolleginnen und Kollegen zu führen. Darüber können wir auch gleich nochmal sprechen. Ich habe den Eindruck, als Kind reicht dir eine Gemeinsamkeit. Wir spielen Fußball, Zack, beste Freunde, wir sind Fan von dem gleichen Verein. Zack, noch bessere Freunde, wir hören dieselbe Musik oder anderes. Zack, allerbeste friends forever. Mit 45 merke ich bin anspruchsvoller, vielleicht auch unbequemer. Brigitte wird man mit dem Alter wählerischer und auch ehrlicher zu sich selbst, wenn es darum geht, wer soll mein Freund sein und wer nicht. Als Kind scheint das ja irgendwie eher so zuzufliegen.
Brigitte Huber 12:57
Also wir sollten jetzt die Kinderfreundschaften nicht idealisieren. Freundschaften ist jetzt etwas, Also wie gesagt, ich bin in einer kleinsten Freundschaft groß geworden. Da gab es dann, Keine Ahnung, vielleicht 30 40 Mädchen in meinem Alter und wie sich Freundschaften dann rauskristallisieren, ist ja oft dann gar nicht so einfach. Dann gibt es die beste Freundin, was immer ein hoher Anspruch ist. Aber unter Umständen gibt es dann auch so was wie Eifersucht, weil Freundschaften nicht untereinander geteilt werden wollen und so weiter und so fort. Deswegen möchte ich es nicht idealisieren, weil was man dann so im bei anderen jungen Menschen dann auch mitkriegt, das kann ja auch durchaus teilweise schmerzhaft sein, weil wenn du zum Beispiel wenig Freundschaften hast, es gibt auch Kinder, die fühlen sich ausgeschlossen. Es ist für mich jetzt kein automatischer Selbstgänger, dass das in Kindertagen einfacher ist. Ich habe es als relativ einfach in Erinnerung, aber das ist jetzt auch schon lang her und ich weiß schon, auch wenn du dann so eine Dreier Vierer Kombo bist als Mädchen, dass das nicht immer nur einfach ist. Ich weiß nicht, habt ihr Jungs sowas untereinander nicht?
Stephan Seiler 14:10
Ich weiß gar nicht, ob das so ein reines Jungsding ist, aber es ist in verschiedenen Phasen des Älterwerdens, auch des Erwachsenwerdens, durchläuft man da glaube ich auch verschiedene soziale Phasen, wo man Probleme hat, womöglich sich einzufinden im Klassenverbund oder auch im Handball oder Fußballverein. Und da gibt es auch Konstellationen, die machen es dann einem leichter. Vielleicht auch, wenn man umzieht, hat man es auch noch mal schwerer, wenn man häufig umzieht. Womöglich hat man es aber auch wieder leichter, wenn man es schon so oft gewohnt ist, wieder immer wieder neue Leute kennenzulernen. Habe ich auch mal im Bekanntenkreis ein paar Mal erlebt, dass Eltern, die dann in China und in Österreich und woanders hingezogen sind mit ihren schulpflichtigen Kindern, dass die gar keine Probleme hatte, neue Leute kennenzulernen, weil sie wussten, wir müssen die Zeit nutzen. Alles andere war interessant, Zeitverschwendung.
Brigitte Huber 14:58
Und sie haben dann auch wirklich so einen Tiefengrad an Freundschaft erreicht. Das wäre dann meine Frage.
Stephan Seiler 15:04
Das gilt es jetzt zu beobachten. Der älteste ist jetzt 18 Jahre alt, die anderen sind etwas jünger und mal gucken, ob sie Bindungsprobleme dann langfristig haben werden, da rausziehen werden.
Brigitte Huber 15:16
Ja, weil tatsächlich, ich habe das einmal erlebt, ich fand jetzt an der Uni noch Leute kennenzulernen, fand ich noch relativ einfach und tatsächlich ist da aber keine wirkliche Freundschaft geblieben. Also eine genau so, was ich vorher erzählt habe, dass ihr zum Geburtstag noch gratuliert. Ja, aus der Uni Zeit mehrere aus der Journalistenschulzeit, da sind mehrere Freundschaften geblieben. Aber ich weiß, die härteste Phase war tatsächlich für mich, als ich mit Ende 30 nach Hamburg gezogen bin, schon zwei Kinder hatte. Mein älterer Sohn war schon volljährig und blieb in München und die Ehe ging dann auseinander und ich war jedes zweite Wochenende wirklich alleine, ohne mein Kind dann auch und stellte dann oh, die zwei Freundschaften, die ich in Hamburg habe, davon ist die eine gerade für ein Jahr im Ausland, also die war einfach nicht erreichbar und die andere, die war noch nicht so tief und wohnte relativ weit draußen und das war dann auch nicht wirklich erreichbar. Und das war für mich tatsächlich, ich sag mal, die Wüstenzeit auf meiner Freundschaftslandschaft letztlich, weil dann merkst du auch das Telefonieren jetzt mit den anderen Freundinnen, das ist schon okay, aber es ist jetzt nicht der Ersatz dafür, dass du vor Ort auch jemanden hast, den du mal triffst. Und das hat dann tatsächlich gedauert ein paar Jahre, dass man Menschen findet, mit denen man wieder auf einem sehr, sehr, sehr tiefen Niveau sich verbindet als Freundinnen und Freunde. Und das hat tatsächlich, das hat gedauert. Und deswegen kann ich das auch unterschreiben mit den Stunden dann das erste halbe Jahr, wenn du dich mit denen mal triffst und dann gehst du vielleicht mal ins Theater oder du gehst mal essen zusammen, dann tauscht man sich aus. Aber bis das dann tatsächlich so eine Tiefe und so eine Offenheit erreicht, von der du vorher gesagt hast, dass man laut denken kann, das dauert. Es war schon meine Erfahrung, das dauert.
Stephan Seiler 17:08
Was sind denn sonst so die Verbindungsmittel, die Menschen zusammenbringen und auch dann zusammenlassen? So was wie Herkunft haben wir schon angesprochen. Alter, gleiches Alter ist ja auch ein Thema. Ähnlicher sozioökonomischer Hintergrund, ähnliche Art und Weise, wie man aufgewächst, vielleicht auch ähnlicher kultureller Erlebensraum, dass man die gleiche Musik gehört hat, dass man, wenn man, wenn beide die Simpsons geguckt haben, dann hat man eben ein Thema, mehr darüber zu reden, als wenn die eine Person in der schwarzen Klinikzeit aufgewachsen ist und die andere Person in der TikTokzeit und man sich da vielleicht gar nicht so viel kulturelles Schnittmenge ausmachen kann. Wie siehst du das? Wie ähnlich sind dir deine Freundinnen und Freunde und wie unterschiedlich sind sie auch, was das Alter angeht?
Brigitte Huber 17:55
Also zum einen würde ich sagen, für mich ist die wichtigste Schnittmenge ähnliche Werte. Also ich glaube, jemand, der jetzt politisch komplett anders denkt als ich, also ich habe schon ein Spektrum, aber wenn es sehr, sehr radikal wird, das wird für mich nicht gehen. Oder wenn jemand, ich sage jetzt mal, die Todesstrafe toll finden würde. Also generell Werte für mich ist das, glaube ich, die wichtigste Schnittmenge. Und und dann finde ich ja gerade das Gute an Freundschaften, dass man mit unterschiedlichen Freundinnen und Freunden unterschiedliche Schwerpunkte und auch unterschiedliche Facetten seiner Persönlichkeit irgendwie bespiegeln kann. Ich weiß, es hat sich bei mir eine Freundschaft entwickelt, da habe ich mich beruflich mit dem Thema Mobbing auseinandergesetzt, so Psychoterra am Arbeitsplatz. Und ich bin zu einer Sendung eingeladen worden, damals kennst du noch Hans Meiser, ist lange her, egal, 16 Uhr am Nachmittag irgendwie bin ich da eingeladen worden und treffe dann schon am Flughafen eine junge Anwältin, die Arbeitsrechtlerin war und deswegen eingeladen war. Und dann waren wir da schon irgendwie so in Verbindung und haben uns unterhalten darüber und wir haben uns dann verabredet, dass wenn die Sendung gesendet werden, wir das gemeinsam anschauen. Und das war dann letztlich der Beginn einer Freundschaft. Also das kam dann darüber zustande. Und selbstverständlich, selbstverständlich ist unser Sektor, wenn wir uns über rechtliche Dinge, über Benachteiligung von Frauen unterhalten, hat einen höheren Stellenwert in unseren Gesprächen als bei anderen Freundschaften. Und insofern will ich damit sagen, also so viel spreche ich mit anderen Freundinnen dann nicht über diese Themen. Und dann gibt es eben auch Dinge, die du mit neuen Menschen auch tatsächlich vielleicht neu startest. Wir haben das ja auch mal gehört als Tipp auch sich zu verbinden. Du gehst gemeinsam auf eine Reise oder auf eine Wanderung. Auch aus solchen Dingen können ja tatsächlich dann Freundschaften entstehen. Und insofern finde ich das gar nicht so wichtig, dass du alle Felder mit einer Person abgleichst, sondern dass du unterschiedliche Prioritäten hast. Bei euch Männern, das klingt jetzt so ein bisschen stereotyp, aber ich sehe das oft bei meinem Partner, da ist der Sport sowohl aktiv als auch passiv sehr verbindend. Die gucken dann zusammen ein Fußballspiel, aber sie spielen auch zusammen Tennis oder haben früher Fußball zusammen gespielt. Und zum Teil, nicht immer, aber zum Teil werden dann da auch Freundschaften, aber da ist die Schnittmenge einfach der Sport, das habe ich so jetzt nicht. Ich habe eine Freundin, die ich über den Sport kennengelernt habe, aber das ist dann eher selten.
Stephan Seiler 20:42
Ich habe vor kurzem eine Erfahrung gemacht, die ich gerne mit dir teilen möchte. Ich hatte ein Erlebnis beim Handballtraining hier in Berlin. Ein Mitspieler fragte mich irgendwann, wo ich eigentlich herkomme. Und dann habe ich ihm gesagt aus dem Hunsrück, aus dem Rheinland Pfalz. Und dann sagte der Mitspieler, dass er auch aus dem Hunsrück komme. Und dann haben wir uns darüber unterhalten, über die Handballhallen in Rheinland-Pfalz und wie die aussehen und wie die Fans in Irmenach kleinig und in anderen kleinen Landesligaorten im Hunsrück so sind. Und sofort habe ich eine große Verbindung gespürt und hab mich ausgetauscht mit ihm und ich gehe jetzt auch anders mit ihm um. Das Lächeln, das ich dann ihm entgegenbringe, ist noch ein bisschen breiter. Und ich habe auch den Eindruck, dass das ein Fundament sein könnte für etwas, für was auch immer.
Brigitte Huber 21:27
Gleichzeitig denkst du mir auch genau das Fundament ist in dem Moment stärker geworden. Du hast eine zweite Verbindung gefunden zu jemandem und schon kann daraus vielleicht was Neues erwachsen.
Stephan Seiler 21:39
Ja, aber ist das am Ende dann nicht auch so ein bisschen Melancholie? Ist das nicht auch quasi diese geteilte Herkunft? Überschätzt man die nicht auch im Sinne von boah, da haben wir was Gemeinsames, auch wenn wir in dem Fall sind wir, glaube ich, auch 15 Jahre auseinander, auch wenn das vielleicht popkulturell ganz viel trennt oder ganz viel anderes. Aber da haben wir eine Brücke und darauf können wir doch aufbauen. Oder verrennt man sich da drin und sagt so, nur weil ihr jetzt aus einer ähnlichen Region kommt, ist das lange keine Freundschaft?
Brigitte Huber 22:06
Ich würde jetzt einfach mal die these aufstellen, dass aus so einem Fundament eine Freundschaft wird. Dafür braucht es einen neuen Schritt, einen nächsten Schritt und vielleicht auch etwas Mut. Und da sind wir jetzt wieder bei deinem Eingangszitat. Ich muss es dann vielleicht irgendwann riskieren, irgendwas laut zu denken, irgendwas aus meinem Gefühlsleben preiszugeben, was beim anderen eine Resonanz erzeugt. Und wo ich dann schon merke, entweder kann die damit jetzt gar nichts anfangen oder durchaus. Und wir kommen ins Reden. Ich merke das ganz oft auch in so Frauenrunden beim Geburtstag oder so, wenn eine dann anfängt, man guckt so ein bisschen nach hinten und ü Habe ich das oder jenes richtig gemacht oder man hadert und man zeigt offen eine Seite von sich der Verletzung, dann merkst du, wie andere reagieren. Und das ist für mich dann schon häufig so, dass ich merke, wenn ich aus diesem Kontakt rausgehe, dass man Mensch, das war jetzt gut. Und wenn ich dann in der Situation wäre, wo ich gerade Freundschaften suche, dann würde ich dann vielleicht auch Wollen wir uns nicht auf einen Kaffee treffen? Weißt du, was ich meine? Ansonsten glaube ich, bleibe ich in, ich weiß es nicht, in diesem Tunnel der Gemeinsamkeiten. Da wird sich noch nichts Neues entwickeln, sondern tatsächlich, also du musst, glaube ich, dann schon einen Schritt nach vorne gehen oder umgekehrt, die Person geht einen Schritt nach vorne und du guckst, was bei dir passiert. Weil ich glaube nicht, dass Freundschaften nur dadurch entstehen, das auch, dass wir gemeinsame Erlebnisse haben. Aber das passiert ja auch immer weniger. Wenn ich mir meine Freundschaft der letzten Jahrzehnte anschaue, dann sind das, ich nenne es mal Gesprächsfreundschaften. Man lernt sich irgendwann mal kennen auf dem Geburtstag oder was auch immer, kommt ins Gespräch und verabredet sich wieder zum Gespräch, vielleicht in Verbindung mit irgendeinem kulturellen Ereignis. Aber die Hauptshow ist in der Regel, das ist bei meinen Freundschaften so, das Reden, Zuhören, sich öffnen.
Stephan Seiler 24:05
Ist das nicht vielleicht sogar die große Unterscheidung? Brigitte Es gibt so erlebnisbasierte Freundschaften und es gibt gesprächsbasierte Freundschaften. Vielleicht ist das auch eine Frage des Älterwerdens. Als Teenager und auch als mit 20, 25 habe ich sehr viele Freunde kennengelernt, wirklich durch das gemeinsame Erleben. Man macht einen Campingausflug und wird dadurch womöglich Freunde fürs Leben. Oder man geht öfter zusammen aus im gemeinsamen Freundeskreis, lernt Leute kennen und verbringt dann so viel Zeit auf der Tanzfläche, dass auch das dann womöglich trägt für eine lange, lange Zeit. Und heute ist es so, das ändert sich dann womöglich Dann mit irgendwann 30, wann auch immer, führt man mehr Gesprächsfreundschaften, wie du sie ja auch genannt hast. Also man trifft sich zum Kaffee, man geht mal was essen, man tauscht sich aus über das, was man woanders erlebt hat, ohne einander und führt das dann da zusammen. Ist das vielleicht so die große Unterscheidung, die man da machen kann?
Brigitte Huber 25:04
Ich bin nicht sicher, ob man das dann ganz stark am Alter oder so was festmacht. Aber tatsächlich ja die Freundschaften, die ich aus der Jugendzeit habe, das waren auch die zwei Freundinnen, mit denen ich dann mit 23 mit dem VW Bus und vierjährigen Kind in die Türkei gefahren bin und die größten Abenteuer meines Lebens erlebt haben.
Stephan Seiler 25:22
Das verbindet uns natürlich
Brigitte Huber 25:27
in einem VW Bus, der, jetzt wird es spannend, den gleichen Jahrgang hatte wie Wir, nämlich Jahrgang 64, wir waren für dieses Alter noch relativ jung, aber man hat dann gemerkt während der Fahrt, dass ein jährige VW Bus schon mal ziemlich ins Keuch kommt, wenn er auf dem Wurzelpass nach oben fahren muss und dann abstirbt. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.
Stephan Seiler 25:50
Das kann freundlich sein.
Brigitte Huber 25:51
Genau diese Geschichten verbinden natürlich ewig, ewig. Und das habe ich mit all diesen Freundschaften, die ich dann ab der Uni und so kennengelernt habe, weniger. Zum Teil gibt es dann noch die, die man im Job kennenlernt und wo sich dann auch tatsächlich danach Wer ist denn jetzt Freundin oder Freund und wer nicht? Weil man da ja teilweise auch Dinge zusammen erlebt, schwierige und schöne und Erfolge und Misserfolge und so weiter und so fort. Und da hat man das dann schon noch mal. Aber ansonsten sind der Großteil meiner Freundschaften dann so entstanden. Wie gesagt, man lernt sich kennen, man spricht übereinander, hat vielleicht eine Gemeinsamkeit und man findet im Gespräch zueinander.
Stephan Seiler 26:33
Wie ging es dir denn in der Spezialform Freundschaft mit Kolleginnen und Kollegen? Wie hast du da ausgewählt, wer zu dir passt und wer nicht? Denn da gibt es ja noch mal, ob man will oder nicht. Ja, tatsächlich dann auch noch mal andere Dinge, die damit schwingen können, Vielleicht Hierarchie, vielleicht auch das ganze Teamgefüge etc. Vielleicht gibt es auch einfach ganz äußere Faktoren, die einen vielleicht eher zurückhalten im Sinne Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist. Du hast eben ja gesagt, bei anderen Freundschaften hast du erst mal auch was Persönliches erzählt, dich verletzlich gezeigt. Das kann ja im beruflichen Umfeld womöglich dann auch ein Eigentor sein, dass das dann am Ende durch die Kaffeeküche geht und zum Kantinengespräch wird.
Brigitte Huber 27:17
Ja, also ich würde mal sagen, in der Zeit, als ich Redakteurin war und mich mit anderen Frauen da befreundet habe, da ist tatsächlich auch was daraus entstanden. Da war das auf einer Ebene. Und jetzt sagen wir mal, die letzten 15, 20 Jahre, die ich dann als Chefredakteurin war, habe ich mich da wirklich zurückgezogen, zurückgehalten und Freundschaften innerhalb der Redaktion so eins zu eins zu führen, weil genau aus diesen Gründen, ich wollte auch nicht oder man will dann auch nicht, dass irgendjemand dann das Gefühl hat, ich würde Leute dann deswegen bevorzugen oder so. Und da finde ich es aber ganz schön, dass man dann zwei Jahre danach sagen okay, und tatsächlich sind da auch Freundschaften übrig geblieben, die tatsächlich jetzt Freundschaften sein können, während man früher, ich sag mal, eine freundschaftliche Kollegin oder so war. Aber ansonsten würde ich da auch sagen, das ist nicht so einfach dann zu trennen.
Stephan Seiler 28:14
Würdest du das auch anderen empfehlen, so einen härteren Cut zu machen, wenn man Chefin oder Chef ist?
Brigitte Huber 28:20
Na, ich habe da schon viel darüber mit anderen Menschen auch gesprochen und es gibt Leute, die kriegen das gut hin. Zum Beispiel auch wenn du jemand bist, der aus dem Team befördert wird und du bist aber vorher mit Leuten aus dem Team befreundet. Soll denn das dann bedeuten, dass du nicht mehr befreundet sein kannst? Nein, das nicht. Also das finde ich, das klappt auch ganz gut, wenn du so eine strikte Linie da dann ziehen kannst oder wenn das einfach auch offen ausgespielt wird. Bei mir war es ja ein bisschen anders. Ich bin ja quasi von München nach Hamburg gekommen und da in eine Redaktion rein, wo ich niemanden kannte. Und das heißt, erst im Laufe der Jahre, letztlich Jahrzehnte, zwei Jahrzehnte, hat man dann manche Menschen immer besser kennengelernt und war dann tatsächlich in einigen Jahren einem freundesähnlichen Zustand. Aber ich wäre jetzt da nicht so weit gekommen, dass ich dann abends mein Herz ausgeschüttet hätte über irgendeine private Geschichte. Das konnte ich dann tatsächlich erst danach verstehe.
Stephan Seiler 29:18
Ich war da auch etwas offener. Ich habe auch Freundschaften in verschiedene Hierarchieformen aufgebaut und ausgetestet. Aber ich muss auch ehrlicherweise sagen, dass das den Freundschaften auch teilweise anzumerken war. Das war dann eben dann doch nicht die volle Offenheit von mir, sondern da gab es sicherlich mehr Dinge, die noch unter Verschluss waren als bei anderen Freunden. Ich denke jetzt an meine ältesten Freundinnen, Carina Liebe Grüße, die unfassbar viel über mich weiß. Und auch wenn wir uns nur dreimal oder viermal im Jahr sehen, wäre sie meine erste Ansprechperson. Es wäre für mich eigentlich unvorstellbar, dass ich dieses Maß an Offenheit zeigen würde gegenüber Freundinnen und Freunden. Die mit mir beruflich verbandelt sind, da habe ich dann irgendwie so eine eingebaute Scheu am Ende.
Brigitte Huber 30:07
Ich glaube schon auch, ja, das kann ich total gut nachvollziehen. Also ich glaube auch, dass man sensibel damit umgehen kann. Ich glaube allerdings, also ich habe auch eine Freundin, die ich tatsächlich seit 40 Jahren kenne, mit der ich auch das Buch geschrieben habe mit Anne Bärbel. Hallo. Also da ist es tatsächlich so, wir haben uns in den unterschiedlichen beruflichen Konstellationen immer wieder getroffen und wir hätten uns nicht dazu entschieden, ein Buch zusammenzuschreiben, wenn das nicht in den unterschiedlichsten Konstellationen immer gut gegangen wäre. Und ja, das geht. Aber das finde ich jetzt, um das auch noch mal zum Abschluss zu bringen, später Freundschaften anzuschieben, wenn es eigentlich kein gemeinsames Erleben mehr gibt, ist eine andere Herausforderung als als die, die sich jetzt als Selbstläufer in der Schule, an der Uni, vielleicht auch im Sport, wenn es gut funktioniert, oder im Job ergeben. Und das ist, finde ich, wenn es ums Älterwerden geht, ich glaube, da ist dann auch Qualität vor Quantität. Also die Frage ist, wie viele Freundschaften brauche ich denn überhaupt, um mich da gut versorgt zu fühlen? Und da ist dann, glaube ich, tatsächlich schon so der Wie pflege ich die richtig? Und wie gelingt es mir tatsächlich in jeder Lebensphase so viele Freundschaften zu haben, dass ich immer das Gefühl habe, ich kann mich austauschen, ich kann mich zumuten, ich kann selber auch umgekehrt auffangen. Das ist ja auch wichtig. Es hat ja auch was mit Selbstwirksamkeit zu tun. Ich will ja nicht eine Freundschaft nur immer, um mich zuzumuten, sondern auch, um mal gebraucht zu werden.
Stephan Seiler 31:44
Kannst du das quantifizieren? Eben hast du die Frage gestellt, wie viele Fragen, wie viele Freundinnen und Freunde braucht man im Leben? Hast du das mal für dich beantwortet wird? Manche Leute sagen, ich brauche nur 5 oder 6 und ich weiß auch nicht,
Brigitte Huber 31:56
ob ich, es ist eine hohe einstellige Zahl, aber ich bin jetzt nicht so der Sitz und sagt, das ist und das und das und das und das und das. Aber ja, ich bin da eigentlich sehr, sehr glücklich, weil ich wirklich etliche sehr, sehr gute Freundschaften habe. Und ja, bis auf diese Durststrecke, von der ich erzählt habe, auch, also mit Ende 30, Anfang 40, da fand ich das schon schwierig, tatsächlich auch nie das Gefühl gehabt habe, an der Stelle einsam zu sein, weil ich glaube, das wäre für mich auch die Stelle, wo ich mich am schnellsten einsam fühlen würde, keine guten Freundschaften zu haben.
Stephan Seiler 32:35
Ja, total. Das würde bei mir ein ähnliches auslösen. Vielleicht neige ich auch deshalb dazu, sehr viele Verbindungen aufrechtzuerhalten. Manche schauen mich da auch mal kritisch an und fragen Kann man wirklich so viele gute Freunde haben? Ich bin der Meinung ja. Aber ich merke auch, dass man sich, dass ich mich dafür auch manchmal rechtfertigen muss. Und es führt mich auch zu einem großen Themenblock Freundschaft heute, zu einer Frage, die ja auch hinter vielem so durchschimmert. Was sind wir wirklich bereit zu investieren für Freundschaft? Denn Freundschaft ist ja freiwillig. Und genau deshalb ist auch eine Freundschaft anspruchsvoll, Denn es müssen zwei Menschen bereit sein, einander immer und immer wieder zu treffen, immer und immer wieder zum Telefonhörer zu greifen, wenn die andere Person anruft und zu Du hast Priorität vor all dem anderen Kram oder vor vielem anderen, was mich gerade beschäftigt. Und da möchte ich mit dir über eine Geschichte sprechen, die mir vor kurzem passiert ist. Da hatte ich richtig Kopfschmerzen. Eine Freundin von mir wurde 40 Jahre alt und war eine minütige U Bahn Fahrt von mir entfernt, hat gefeiert in der Kneipe. 40. Geburtstag ist keine kleine Sache. Ich bin aber nicht hingegangen und ich hatte Kopfschmerzen. Mir ging es nicht so gut und ich habe am Ende abgesagt und habe aber nachdem ab dem Moment, wo ich abgesagt habe, ein unfassbar schlechtes Gewissen gehabt und dachte, wäre ich nicht Früher mit Anfang 20, mit Mitte 20 oder wann auch immer leidensbereiter gewesen, hätte ich da nicht quasi bereit gewesen, mehr zu investieren. Meine Kopfschmerzen inklusive, damit ich bei dem Fest dabei sein kann. Wie viel Einsatz schulden wir unseren Freundinnen und Freunden?
Brigitte Huber 34:17
Brigitte Also ich glaube, dass du dich wahrscheinlich ganz intuitiv richtig entschieden hast, weil sie wollte ja den 40. Geburtstag wahrscheinlich nicht. Mit dir allein da verbringen. Dann hätte ich Stephan schmeiß 3 Aspirin rein und reiß dich zusammen und fahr dahin. Aber es war ein Fest, Es waren mehrere Leute und du wärst eine bestimmt wichtige Person von vielen gewesen. Aber ich kann nur immer Ich bin dann immer so, dass ich mir okay, wie würde ich jetzt umgekehrt entscheiden oder das sehen? Und ich weiß, wenn Menschen dann gesagt Ich kann dann und dann zu deinem Geburtstag nicht kommen, weil war es kein einziges Mal so, dass ich mir gedacht oh, der ist einfach zu faul oder die ist einfach zu faul, um diese 40 Minuten Fahrt auf sich zu nehmen. Also insofern, das kann man einer Freundschaft schon zum. Ich habe das letztes Jahr erlebt, das war ganz interessant, dass eine Freundin, wir waren schon lange verabredet zu einem Konzert zusammen zu gehen, zwei Tage vorher gesagt hat, sie geht da jetzt doch nicht mit, weil sie lieber was anderes macht, was sie aus der Stadt rausführt. Und dann denke ich wow, puh, jetzt gehe ich da allein hin, weil es war zu kurzfristig, um jemand anderen noch zu finden. Ich habe es versucht, aber es hat nicht geklappt. Und dann habe ich mir noch gedacht, ob ich das jetzt OK finde oder so. Dann fand ich es aber okay. Und es hat mir gleichzeitig auch wieder, Wir haben da letztes Mal, glaube ich, auch schon drüber gesprochen, die Freiheit gegeben, an einer anderen Stelle zu Stopp jetzt. Und das ist für mich dann schon immer so der Punkt, bevor jemand sich mir zuliebe zwingt, A oder B zu machen oder irgendwo hinzukommen, ist es mir lieber, sie fühlt sich so frei oder er fühlt sich so frei, dass er auch absagt. Umgekehrt, wenn jetzt jemand sagt, er hat hat ein Problem und er möchte sich mit mir treffen oder sie, dann würde ich fast alles unternehmen, um das tatsächlich auch zu machen. Also ich sehe einen Unterschied zwischen Geburtstagsfeier und Problemgespräch an der Stelle.
Stephan Seiler 36:16
Bist du okay? Vielen Dank für diese für diese emotionale Entlastung. Ich komme gerade noch auf einen Gedanken, der so ein bisschen daran anschließt. Stichwort investieren klingt natürlich rechts wieder so böse, kapitalistisch hart. Aber wenn wir unsere Zeit für die Freunde hergeben, dann ist das eine. Aber manchmal müssen wir ja quasi noch ein größeres Risiko eingehen, weil wir vielleicht für eine Freundschaft uns richtig unangenehme Fragen stellen müssen, weil wir vielleicht dann auch von anderen gebrandmarkt werden, was auch immer. Ich denke jetzt an Freundschaften Mitmenschen aus ganz anderen Schichten, wo es dann die eigene Bubble dann sagt die Nase rümpfen würde oder so. Also vielleicht jetzt ganz hypothetische Beispiele. Wenn man mit dem Clochard der Stadt eine enge Freundschaft pflegt als Bürgermeister, würde der das dann wirklich machen oder würde er dann am Ende riskieren, dass er dann irgendwie auch einen Ansehensverlust bekommt etc. Gab es bei dir mal etwas Freundschaften? Bist du mal für eine Freundschaft ein echtes Risiko eingegangen, beruflich, emotional oder sozial? Bei mir gab es da eine Geschichte als Kind, die kann ich noch zum Besten geben.
Brigitte Huber 37:27
Ja, erzähl die doch mal erst. Also weil ich würde jetzt spontan Es gibt tatsächlich Momente, wo du weiß, du hast zwei enge Freundschaften und die zwei Menschen können aber aus welchen Gründen auch immer gar nicht miteinander, weil sie eine schwierige Vergangenheit haben miteinander, vielleicht beruflich. Und da gibt es für mich keine einfache Lösung, sondern da ist die Lösung dann, ich habe diese beiden Freundschaften und ich kann vielleicht auch die eine Person verstehen, warum sie mit der anderen irgendwie nicht mehr so gut klarkommt. Aber das ist das Einzige, was mir dazu einfällt und das finde ich keine einfache Situation. Das sehe ich auch ganz genau so. Und da gibt es für mich auch kein Patentrezept, weil es kann ja, wir müssen da jetzt gar nicht so in die Tiefe gehen, weil es kann ja auch sein, dass die eine Person der anderen so was Schwieriges angetan hat, dass du wirklich in die Bredouille kommst. Also so war es bei mir bis jetzt noch nicht. Aber ich weiß, dass es wirklich ein paar Leute untereinander gibt, die du dann auch fast schwierig zusammen auf eine Veranstaltung einladen könntest oder so, weil sie eben eine Geschichte haben, die nicht so toll ist. Das kann ich mir vorstellen. Aber ansonsten kam ich zum Glück noch nie in so eine richtig schwierige, schwierige Zwickmühle. Wie war deine Zwickmühle?
Stephan Seiler 38:53
Meine ist ganz schnell erzählt. Während der Schulzeit habe ich mich quasi freundschaftlich in einen Mitschüler verliebt. Wir waren echt engste Freunde und super close, aber meine Eltern fanden das gar nicht gut und hätten das gerne unterbunden. Und ich habe mich darüber hinweggesetzt, musste dann aber quasi auch einen Preisdefit zahlen. Mich hatte natürlich diverse Konflikte dann auch eine Zeit lang mit meinen Eltern. Später hat sich das dann alles aufgelöst. Nichtsdestotrotz ist das eine schmerzhafte Phase, wenn man denkt, ich tue jetzt hier was für meinen Freund und damit automatisch verletze ich andere. Diese Erfahrung hätte ich mir gerne erspart.
Brigitte Huber 39:34
Ja, das kann ich gut verstehen, weil normalerweise finde ich, was bei der Freundschaft ja ist auch in der Abgrenzung zur Liebesbeziehung, es gibt kein Entweder oder. Also ich kann ja mit dem Menschen befreundet sein und mit dem auch bei den meisten Beziehungsmodellen, die ich so kenne, gibt es ein Ausschlussmodell. Das heißt dann entweder bin ich mit der Person zusammen oder eben nicht. Und ich finde es deswegen immer auch ganz komisch. Ich habe schon mehrfach auch gelesen, dass Freundschaft ist auch irgendwie so ein Versuchsmodell für Liebe. Das finde ich immer so ganz komisch, weil ich finde eigentlich ist Freundschaft, Man kann von der Freundschaft für eine Liebesbeziehung was lernen, nämlich genau das, zum Beispiel den Vertrauensvorschuss oder die Generosität. Also das fand ich mal total spannend. Das habe ich vor 20 30 Jahren schon mal durchgeholt, vorher auch was gelesen darüber Wenn eine Freundin zu einer Verabredung zu spät kommt, dann denke ich mir in aller Regel außer sie macht es ständig oh Mann, die Arme, die hat bestimmt Stress gehabt und steht jetzt im Stau. Wenn der Partner zu spät kommt, dann denkt Ich glaube es nicht, jetzt ist er wieder zu spät losgefahren und so weiter und so fort. Und das ist mir irgendwann schon vor 30 Jahren so aufgefallen, dass man diesen Vertrauensvorschuss, den man Freunden gegenüber hat, dass man den auch manchmal auf die Partnerschaft überträgt. Ich versuche das dann manchmal, aber tatsächlich merke ich, das ist dann ganz, ganz häufig der Fall. Und es muss schon tatsächlich jemand sein, der das häufig macht, dass ich zu einer Freundin sag du pass auf, jedes Mal warte ich da 10, 15 Minuten, dann sag halt gleich, dass du es nicht auf die und die Zeit schaffst. Aber insofern finde ich auch immer diese Parallelen zwischen Freundschaft und Liebe nur so wenig zutreffend, weil gerade bei der Liebe ist ja häufig dieses One and only Prinzip und das finde ich eher gefährlich, wenn ich meine, in meinem ganzen Leben kann ich auf eine Person bauen. Ich mein, das ist tatsächlich auch noch mal mit dem Hintergedanken älter werden. Und da habe ich mich relativ viel damit auch auseinandergesetzt für das Buch und dass es tatsächlich Menschen gibt, die okay, ich habe ja diese Partnerschaft und damit ist alles gut. Und diese Sache ist natürlich dann extrem bedrohlich, weil wir wissen, dass Partnerschaften aus welchen Gründen auch immer unter Umständen nicht immer halten und dass es sich dann sehr rächen kann, wenn man sich nicht rechtzeitig um einen Freundeskreis bemüht hat und wenn das dann nur gemeinsame Freunde waren des Paares, dass das dann oft nicht reicht. Also das war für mich schon noch mal so ein Learning, dass das einfach wirklich ganz, ganz wichtig ist, sich rechtzeitig auch um einen guten Freundeskreis zu bemühen. Und heute dürfen wir Frauen das auch. Früher waren ja starke Frauenfreundschaften auch gar nicht so erwünscht historisch, weil sie irgendwann. Ja, es ist dann schon tatsächlich so, ich habe da auch immer wieder ein bisschen drüber gelesen, Es war dann eher so die Freundschaften, dass tatsächlich Freundschaften von Frauen als unter Umständen zu ausgrenzend einer Beziehung gegenüber gesehen wurden und historisch häufig gar nicht so gerne gesehen worden.
Stephan Seiler 42:57
Also das in Rivalität zur Liebesbeziehung mit dem Mann.
Brigitte Huber 43:01
Ja, und generell auch gesellschaftlich. Ich glaube, das hat auch da mit diesem starke Frauen verbünden sich untereinander und so weiter und so fort. Also das sprengt jetzt den Rahmen. Aber tatsächlich würde ich eben das eine tun und das andere nicht lassen. Das heißt, wenn ich in einer glücklichen Beziehung bin oder in einer guten Beziehung, glücklich ist ja immer so ein extremes Wort schön, aber trotzdem trotzdem nicht vergessen, dass es einfach Menschen um mich herum geben sollte, die vielleicht auch noch ganz, ganz andere Teile meines Selbst auch abdecken. Und wie gesagt, ich habe schon auch das Gefühl, das sehe ich ganz, ganz häufig, vor allem bei Frauen wirklich so ab 50, dass die auch wirklich mit einem soliden, guten Freundeskreis sehr, sehr gut auch ohne Beziehung klarkommen.
Stephan Seiler 43:49
Du hast eben gesagt, dass eine Freundin, die zu spät kommen würde, jetzt nicht dazu führen würde, dass du die Freundschaft been oder in Frage stellst. Aber es gibt ja durchaus Dinge, die eine Freundschaft dann doch zum Erschüttern bringen. Wie lange hält man eine Freundschaft aus, wenn man merkt, sie zieht mich runter?
Brigitte Huber 44:08
Also ich bin ja eine Frau der offenen Sprache und tatsächlich, wenn ich das Gefühl hätte, das ist immer einseitig oder das gibt es ja auch manchmal, eine Person kommt immer mit den gleichen Negativthemen, ohne dass bei ihr eine Entwicklung ist, dann würde ich ihr das schon spiegeln und Hey, wir reden jetzt die ganze Zeit schon darüber, dass jetzt bin ich wieder beim Thema Liebe in deiner Ehe, so gar nicht glücklich bist. Aber ehrlicherweise, ich habe nicht das Gefühl, dass sich da was nach vorne gibt. Oder wenn jemand sehr, sehr negativ immer und immer wieder ist, dann wäre es für mich tatsächlich schon ein Punkt, das anzusprechen. Ich überlege gerade, ob ich das tatsächlich schon so erlebt habe. Also ich spiegel dann schon in der Regel, wenn mir was nicht gefällt. Aber das ist jetzt ehrlicherweise auch schon lange her und bei mir ist es eher so, dass Freundschaften einschlafen aufgrund dessen, was wir vorher gesagt haben, die Abstände sind zu lang oder man hat dann doch gemerkt, dass der Abend nicht so spannend wird, nicht so spannend interessant war, wo man sich getroffen hat. Und dann geht das ja meistens beiden so und dann unternimmt keiner so schnell mehr einen Versuch, zusammen was zu machen. Wie ist das bei dir?
Stephan Seiler 45:22
Ja, bei mir ist das durchaus ein Thema. Ich habe den Eindruck, dass mit Mitte 40 die große Inventur im Freundeskreis ansteht, die Lebensmittelinventur. Und ich habe es doppelt erlebt. Ich habe einmal erlebt, dass ein Freund tatsächlich mit mir Schluss gemacht hat im Sinne müssen wir jetzt nicht mehr so fortführen. Das war eine interessante Erfahrung, die ich dann aber auch quasi erwidern konnte. Ja, stimmt, geht mir ähnlich. Das fand ich eigentlich fast erwachsen und gut am Ende so auseinanderzugehen, weil man begegnet einem ja doch immer mal wieder und befreit einen auch so ein bisschen. Das fand ich gut. Ich habe jetzt aber auch noch tatsächlich Gedanken an einen bestimmten Freund, den ich auch schon ganz, ganz lange kenne. Und immer wenn ich ihn treffe, dann geht es mir so. Seit einigen Jahren muss man schon sagen, dass ich so einen Energieabfluss spüre. Ich fühle mich danach leerer als vorher und auf dem Weg nach Hause ist es, merke ich, dass es in mir rattert und ich Arbeit habe, quasi mich dann wieder mit Dopamin zu fluten, mit Glückshormonen zu fluten, dass ich wieder zurück auf normal 0 komme. Und das ist jetzt so oft passiert, dass ich auch die Anzahl der Treffen schon reduziert habe. Man findet dann doch was anderes, was dann vielleicht wichtiger und dringlicher ist zu tun. Und das ist mir so ein Zeichen, dass da was im Argen liegt. Und ich frage mich, kommuniziere ich das? Spreche ich das an oder lasse ich das, wie du eben gesagt hast, auch einfach so auslaufen? Dann ist man vielleicht irgendwann nur noch gut bekannt miteinander, aber ich habe nicht diesen Energieabfluss. Brigitte was rätst du da?
Brigitte Huber 46:56
Da würde ich dich wirklich auf dem Wege unterstützen. Also wenn du das Gefühl hast, du hast jedes Mal einen Energieabfluss und du hast umgekehrt nichts, was dich wirklich nach vorne bringt durch das Gespräch, dann würde ich es vielleicht wirklich einschlafen lassen. Ich finde, wir dürfen auch eins nicht. Es gibt ja unter Umständen auch manchmal Dinge, die wirklich sehr, sehr trennend werden. Man hat es ja bei Corona gesehen, wenn jetzt zum Beispiel ganz, ganz schwierige Überzeugungen aufeinanderprallen oder einfach welche, die nicht zusammenpassen. Ich weiß nicht, wie viel Prozent aller Freundschaften darunter gelitten haben, aber da, glaube ich, macht es ja dann auch keinen Sinn. Entweder pausiert man in so einer Situation und guckt, dass man das Thema, das einen so trennt, wirklich in die Ecke schieben kann oder vielleicht gibt es dann eben dann doch diese Zeit, die eine Freundschaft hat und die an manchen Stellen eben nicht über das ganze Leben hinweggeht.
Stephan Seiler 47:52
Wir haben ja auch hier in diesem Podcast schon gelernt, wie wichtig Freunde und Freundinnen sind, ein Sozialverbund ist, damit wir glücklich und gesund alt werden. Jetzt habe ich daraus aber einen Gedanken gewonnen, den ich fast unsympathisch finde. Nä, sollte ich jetzt mit 45 neue Freundschaften aufbauen, die noch Jahrzehnte tragen oder investiere ich lieber in die, die ich habe? Ist es schlimm, Freundschaften innerlich zu bewerten? Stichwort Inventur mit Mitte 40, so okay, du bist Freundschaft, a level, b level friend. Ich finde das wahnsinnig unsympathisch. Aber auf der anderen Seite, mit Blick auf das größere Ziel, älter zu werden und gesund und glücklich alt zu werden, muss man sich dann irgendwo die Frage stellen, wie siehst du das?
Brigitte Huber 48:43
Also ich habe das gar nicht, diesen Gedanken. Ich habe keine A und B Level Freundschaften und anscheinend auch nicht so viele wie du. Also ich komme mit meinem Zeitkorsett da ganz gut hin damit. Das liegt natürlich auch daran, wie ich vorher schon erzählt habe. Ich habe Freundschaften in Bayern, ich habe Freundschaften in München, ich habe Freundschaften in anderen Städten und die, die ich regelmäßig sehen kann in Hamburg. Das ist nur eine Handvoll. Also es ist ganz, ganz selten, dass ich puh, jetzt weiß ich gar nicht, ob ich jetzt zwei Freunde an einem Abend treffen muss. Es geht durchaus so ganz entspannt. Also insofern, ich fürchte, da musst du selber durch.
Stephan Seiler 49:23
Und wenn du jetzt zurückblickst, hättest du, würdest du jetzt sagen, du hättest vielleicht bei der einen oder anderen Freundschaft mit 45 Jahren anders investieren sollen, als du es getan hast.
Brigitte Huber 49:33
Ne, wie gesagt, ich habe das Gefühl, dass die Freundschaften in meinem Leben, die ich hatte und habe, so tragfähig sind, dass sie auch mal eine längere Zeit mit wenig Kontakt oder so was ausgehalten haben. Ich weiß aber, es gibt eine Situation, immer wenn mein kleiner Sohn verreist war mit seinem Vater, dass ich dann tatsächlich, sagen wir, es war eine Woche, mir jeden Abend etwas vorgenommen habe. Und das war natürlich dann immer mit einem Treffen mit einer Freundin verbunden. Und da habe ich dann immer Das ist wahnsinnig anstrengend dann, weil also zum einen brauche ich immer wieder am Abend irgendwann mal Ruhe und dann du erzählst ja immer wieder ähnliche Sachen. Du erzählst zwar jetzt vielleicht mit einem anderen Fokus, aber ich wusste dann schon gar nicht, habe ich das der jetzt schon erzählt oder sonst was oder wie oder was. Und dann habe ich gemerkt, okay, also wenn ich dann den Anspruch habe, in der Phase, wo ich mehr Zeit habe, tatsächlich jeden Abend eine dieser Freundinnen oder Freunde zu treffen, dann wird es eher anstrengend. Und das hat dann dazu geführt, dass ich mir zwischendrin dann doch immer wieder einen Abend ganz freigegeben habe, weil das merke ich ja dann auch, wenn du dich seltener siehst, du knüpfst ja an einem ganz anderen Punkt an, als wenn du jemanden nahezu wöchentlich siehst, sondern ach so, ne, weißt du gar nicht, stimmt, ich habe mich ja getrennt. Nein, das ist Quatsch, aber du weißt schon, was ich mein. Du bist einfach sehr, sehr viel. Aber das finde ich zeichnet eben auch eine gute Freundschaft aus für mich. Du hast gar nicht so stark so eine Warm Up Phase, sondern du fällst gleich mit der Tür ins Haus. Und das finde ich ein Zeichen für eine sehr intensive und gute Sache, dass man einfach etwas, was einen wahnsinnig freut oder wahnsinnig bel belastet, nicht gleich am Anfang, aber relativ schnell sagen kann.
Stephan Seiler 51:23
Und ich muss auch sagen, ich bin jetzt auch in der Rückschau auch dankbar darum, dass ich bei Freundschaften, die vielleicht zwischendurch auch mal ein bisschen eingeschlafen waren oder der Kontakt gar nicht so eng war, dass ich da dran geblieben bin, dass wir diesen Kontakt nicht haben abreißen lassen, sondern uns immer mal wieder dann doch zum Essen getroffen haben. Und wenn das nur einmal im halben Jahr war, um dann ganz viel zu besprechen und vielleicht auch viel unausgesprochen zu lassen. Aber die Verbindung war da, habe ich gerade in den letzten Wochen wieder verstärkt gemacht in den Wintermonaten. Hat sich gelohnt, kann ich auch jedem empfehlen, auch das zarte Band, auch wenn man sich vielleicht in den letzten 12 Monaten so gut wie gar nicht gesehen hat, trotzdem wieder aufnehmen daran anknüpfen und eine Einladung zum Abendessen oder zum Kaffee und Kuchen ist ja kein Rieseninvestment. Das ist ja, das kriegt man ja noch hin, würde ich mal sagen.
Brigitte Huber 52:15
Insofern sind wir auch bei dem Punkt, genau wie mache ich es denn, wenn ich in fortgeschritteneren Alter mit 40, 50, 60, 70, 80 plus noch Freundschaften knüpfen will, Dann ist mit Sicherheit der erste Blick der, ich sage jetzt mal ins Adressbuch, wen kenne ich denn noch von früher? Und das zweite, glaube ich, ist ganz, ganz wichtig, dass man sagt, OK, welche Beschäftigung hat mich immer interessiert und könnte ich der jetzt mehr nachgehen? Keine Ahnung, wollte ich immer mal in den Schachclub gehen oder in einen Buchkreis oder was auch immer. Und es muss ja gar nicht so kulturell anspruchsvoll sein. Ich möchte bloß nicht jetzt wieder auf dein Fußball oder Handball zu sprechen kommen. Aber genau, weil Gleichgesinnte mit einem ähnlichen Thema, das glaube ich, ist auch eine ganz gute Grundlage. Oder eben auch so eine Reise für Menschen, die eben Single sind oder sonst irgendwas. Das glaube ich ist auch immer ein guter Punkt. Hat uns ja, glaube ich, Stefanie Stahl damals auch noch extrem ans Herz gelegt, die Psychologin. Und insofern, ich glaube, es ist nie zu spät, also sich da nochmal auf die Hinterbeine zu stellen, wenn man das Gefühl hat, man ist da nicht so hundertprozentig gut versorgt. Und es ist tatsächlich auch, das war auch die Auseinandersetzung mit dem Buch, wenn Menschen dann sich auf den Ruhestand zu bewegen, dann merken die ja auch, je nachdem, was sie für ein Arbeitslevel hatten, dass viele Kontakte von jetzt auf gleich einschlafen oder sehr viel weniger werden. Und dann ist das tatsächlich noch mal so ein Punkt, dass man sagen okay, was kann ich denn jetzt für die nächsten Jahre, Jahrzehnte mir noch an neuen Kontakten herbei organisieren, wo dann, wie wir jetzt erfahren haben, nach ungefähr 200 Stunden unter Umständen Invest eine Frage Freundschaft werden kann.
Stephan Seiler 54:06
Es gibt ja wirklich wunderbare Dinge, Events, Maßnahmen, Begegnungsstätten, um es mal so zu Ehrenämter, wo man wirklich einander treffen kann und Freunde treffen kann. Richtig. Mein Vater zum Beispiel spielt Boule seit ein paar Jahren und hat darüber auch neue Menschen in sein Leben gelassen. Super Sport, glaube ich, kann man ja auch in fast jedem Alter machen. Es gibt viele andere Sportarten, die man ja auch im Mit Ü Ü machen kann, weiß nicht, Tontaubenschießen und Curling oder so, fällt mir jetzt gerade ein. Und die Buchclubs, die du eben genannt hast, auch sehr, sehr spannend. Ich kenne einige Freundinnen von die einige bekannte um die 60 oder Mitte 50 waren und darüber noch mal ganz, ganz viele Freundinnen kennengelernt haben über den Buchclub. Wunderbar. Man trifft sich unter.
Brigitte Huber 54:54
Das ist ja auch total logisch, weil du da von vornherein schon auf eine ganz andere Ebene runterschaltest, weil ich meine, wenn du über ein Buch sprichst, was dir an dem gefällt, welche Gedanken dich angesprochen haben und so weiter, dann fängst du schon auch aus deine Seele so ein bisschen aufzublättern. Ich glaube, das Einzige, was ich mir vorstellen kann, das richtig schlecht ist, um Freundschaften zu knüpfen, ist so was wie ein Schweigekloster. Aber da habe ich auch keine Erfahrungen. Ich weiß es nicht, aber vielleicht spürt man dann auch ähnliche Schwingungen.
Stephan Seiler 55:23
Man weiß, das war ein sehr guter Joke. Ich kichere noch. Viele lernen ja auch ihre neuen Freunde, Freundin über andere Freunde und Freundinnen kennen. Wie oft ist dir das so gegangen? Wie viel Prozent deiner Freundschaften rekrutieren sich aus dem Freundeskreis?
Brigitte Huber 55:41
Also ich würde mal sagen, eine meiner engsten Hamburger Freundinnen habe ich kennengelernt auf einem Fest von Freunden, mit denen ich jetzt gar nicht mehr so eng befreundet bin. Also die würden mich heute wahrscheinlich, die würden mich heute wahrscheinlich gar nicht mehr einladen. Das ist dann so, Aber die habe ich da eben kennengelernt. Und deswegen sage ja durchaus und finde ich ist ja dann auch immer ganz spannend, weil man befindet sich ja dann in der Regel schon auf so positiv konnotierten Terrain, weil man ah, wenn das Freunde meiner Freunde sind oder Freundinnen meiner Freundinnen, dann wird die irgendwas haben, was ich bestimmt auch interessant finde. Und so ist das ja auch ganz, ganz häufig.
Stephan Seiler 56:28
Ich habe auch einige Freunde in den letzten Jahren genauso kennengelernt und muss man aber auch dann wieder pflegen im Sinne verlasst das Haus, geht essen, trefft euch, spielt Boule, spielt Minigolf, spielt irgendwas mit euren Freunden, ladet sie ein, auch noch andere Freunde mitzubringen oder aber veranstaltet ein Essen zu Hause zum Abendessen. Und auch da könnt ihr ja die Möglichkeit bieten, dass dann die eingeladenen Freundinnen und Freunde jeweils jemanden mitbringen, den sie sehr mögen, den man aber vielleicht selbst als Gastgeber noch gar nicht kennt. Auch das kann dann ja noch mal ganz neue Impulse setzen. Oder aber Freunde auch komplett neu zu kombinieren und die einzuladen in der Konstellation, dass die einander noch gar nicht kannten. Und dann ist man quasi so ein bisschen Matchmaker, dann ist man Verkuppler für vielleicht die beiden. Und am Ende kann man dann auch noch Karma Punkte sammeln, weil man andere Freundschaften miterlebt.
Brigitte Huber 57:24
Klingt doch gut.
Stephan Seiler 57:25
Ist doch nicht so schlecht. Brigitte wollen wir noch ganz schnell zum Ende dieser Folge uns auf die großen Fragen, kleinen Fragen?
Brigitte Huber 57:32
Ja, selbstverständlich. Sehr gerne.
Stephan Seiler 57:34
Wunderbar. Damit machen wir einen Strich unter das große Thema Freundschaft. Wenn ihr Meinungen, Gedanken, Fragen dazu haben solltet, wenn ihr sagt Brigitte und oder Stephan, was redet ihr denn da? Dann lasst es uns wissen. Schreibt uns auf Instagram oder eine E Mail. Die E Mail Adresse findet ihr in der Zusammenfassung, also textlichen Zusammenfassung. Manche Menschen nennen es auch Shownotes. Und jetzt ist Zeit für kleine Fragen, große Fragen. Brigitte 1. Bei welcher Gelegenheit warst du zu zuletzt aufgeregt wie ein kleines Kind.
Brigitte Huber 58:07
Puh, aufgeregt wie ein kleines Kind. Heiß Ich kann an nichts anderes mehr denken. Ich freue mich nur über dieses Eis, das du mir geschenkt hast oder was auch immer. Und ich achte nicht darauf, wie andere Leute. Also wo ich mir sicher bin, dass ich mich darauf gefreut habe wie ein kleines Kind, das aber schon zwei Jahre her das ist, wo ich vor dieser großen Reise war. Das weiß ich tatsächlich. Und dass ich da dann am Flughafen stand und dass ich mir gedacht Ich glaube es nicht, dass ich irgendetwas seit quasi 40 Jahren mehr oder weniger in meinem Herzen trage, dass ich nämlich länger mal als 2 oder maximal 3 Wochen verreise. Und eben auch ich habe ja nie jetzt ausführlich Interrail oder sowas machen können durch meine frühe Mutterschaft. Und dass ich jetzt dieses Land Land verlassen werde für ungefähr acht Wochen. Das war so ein Moment, wo so richtig so mein Puls nach oben ging bei dir.
Stephan Seiler 59:05
Bei mir war es gerade Olympia. Wenn ich Olympische Spiele gucke, dann habe ich solche Gefühle, wie ich sie hatte. Als acht oder Zehnjähriger habe ich vorm Fernseher gesessen und mich begeistert für alles Mögliche, egal ob Biathlon oder Skispringen. Und hab dann also damals wie heute, das mache ich heute genauso. Ich sehe mich dann vorm Fernseher sitzen und mir eigentlich wildfremden Athleten und Athletinnen zu jubeln, einfach nur in diesem Olympia Patriotismus. Ja, wenn sie Deutsche sind, dann bin ich jetzt auch dafür, dass sie jetzt gewinnen und bin dann wahnsinnig enttäuscht, wenn sie beim Slalom einfädeln und ausscheiden oder was ich mit den Curling-Spielern mitgelitten habe, bei. Den ganzen Spielen Erst gucke ich mir an und gehe da völlig mit, obwohl ich bis vor vier Wochen gar keine Ahnung hatte, wie die Rede.
Brigitte Huber 59:55
Das kann ich total nachvollziehen, muss ich sagen. Das ist dieses Sportding so ein bisschen. Ich kenne das ja sogar vom Fußball. Ich bin ja noch tatsächlich Fußballfan geworden eines Sportclubs, eines Fußballvereins. Und da ist es auch so, da kann ich das teilweise, wenn es jetzt nur mehr drei Minuten Nachspielzeit und dann schießen die noch ein Tor. Das ist so irre. Aber ich glaube, da ist Sport so eine andere Kategorie oder diese Art.
Stephan Seiler 60:22
2. Auf welche vermeintlich typische Seniorenbeschäftigung oder Seniorinnenbeschäftigung freust du dich jetzt schon?
Brigitte Huber 60:31
Seniorinnenbeschäftigung? Also ist das so, ich habe jetzt dann den Vorgarten und pflegt den oder was machen denn Seniorinnen so? Ich kenne dann gibt es ja viele Seniorinnen, die dann ganz viel beschäftigt sind und in Ehrenämtern, da warte ich noch ein bisschen. Was ja Senioren angeblich so gerne und oft machen, ist Reisen. Das würde ich gerne noch sehr viel mehr machen. Mal gucken. Also Reisen ist doch eine schöne Seniorenbeschäftigung, oder? Und ich glaube, als Seniorin darf man Belletristik Romane, also tagsüber lesen. Und das ist etwas, was ich mir nur erlaube im Urlaub. Und das wäre dann auch etwas. Ich darf einfach mein Buch weiter lesen morgens um 11.
Stephan Seiler 61:13
Maximal.
Brigitte Huber 61:14
Also kein Sachbuch.
Stephan Seiler 61:15
Du liest momentan also niemals mittags einen Roman würdest du niemals mittags.
Brigitte Huber 61:21
Ich bin jetzt aber auch jemand, das mache ich so gerne manchmal, Aber da kann man von dir da noch lernen.
Stephan Seiler 61:25
Ich beschenke mich dann mit zwei Seiten,
Brigitte Huber 61:28
finde ich auch total Gefühl. Ich glaube, das ist in meinem Disziplinkopf anders abgespeichert. Man guckt nicht tagsüber fern und man liest auch keine belletristischen Bücher. Ich lese selbstverständlich lese ich auch ein belletristisches Buch, wenn ich es für die Arbeit brauche, was was ich meine, weil ich darüber eine Kritik oder was schreiben würde, dann ja. Dann geht das. Aber sonst nur Sachbücher, die zu irgendwelchen schlauen Interviews hoffentlich führen.
Stephan Seiler 61:52
Und du Ich freue mich aufs Puzzeln. Ich würde gerne puzzeln und ich beneide manchmal Menschen, die dann wirklich über ein Puzzle gebeugt sind, vier Stunden, und sich dafür nicht vertiefen können. Und ich habe dafür einfach keine Zeit und vielleicht auch keinen Nerv, nicht die Ruhe momentan. Aber wenn ich eines Tages mal die Ruhe haben sollte in einem gewissen Seniorenalter, dann freue ich mich aufs puzzeln gerne 1000 bis zeile und drunter mache ich es nicht. Mal gucken. Aber muss ich sagen, bisher habe ich wirklich mein Puzzlerfahrung selber begrenzt. Ich habe, glaube ich, in meinem Leben noch kein einziges 1000 Puzzleteile zu Ende. Gepuzzelt. Das mache ich dann, wenn ich Also
Brigitte Huber 62:31
ist es da egal, was da auf diesem Puzzle drauf ist, Oder würdest du eher schöne Landschaften oder irgendwelche Wimmelbilder oder was? Was soll man dir dann zum 50. Für ein Puzzle schenken, damit du dich da schon mal eingrooven kannst?
Stephan Seiler 62:45
Natürlich dann die Porträts von Familienangehörigen und von den Nichten und Neffen und Patenkindern. Nein, nein, ich mach Scherze. Das weiß ich gar nicht. Also im Zweifelsfall einfach schöne Bilder vielleicht schöne Bilder. Ich weiß gar nicht, wie es um meinen Augen dann so bestellt ist. Vielleicht bin ich froh, wenn ich einfach noch die Konturen der Puzzleteile ertasten kann. Und da ist mir vielleicht auch egal, was da drin drauf ist. Aber darauf freue ich mich tatsächlich. 3. Wir machen nochmal einen Zeitsprung. Eben waren wir im Seniorenalter, jetzt geht es wieder zurück. Angenommen, du wärst 18, würdest jetzt heute 18 Jahre alt werden und würdest eine Geburtstagsparty veranstalten. Wie lange dürften deine Eltern und dein Patenonkel auf der Party bleiben?
Brigitte Huber 63:26
Also mein Patenonkel gar nicht. Nein, Quatsch. Natürlich, da ich ja.
Stephan Seiler 63:32
Oh nein.
Brigitte Huber 63:34
Also ich glaube, ich habe eher immer dazu geneigt, dass ich die Veranstaltungen mit der Familie und den Freunden trenne. Ich weiß, das wirst du jetzt nicht hören, aber das wäre so gewesen. Heute ist ja noch dazu Montag, heute Abend mit meinen Eltern, meinem Patenonkel und noch ein paar anderen Leuten vielleicht essen gegangen und hätte mich beschenken lassen und hätte am Samstag die Väter nachgeholt. Aber Das müsste wahrscheinlich nicht hören. Du willst eine allgemeine Väter. Ich habe das jetzt ein paar Mal auch mitgekriegt, wenn auch so Leute in den Ern gefeiert haben und dann eben Tanten oder wen auch immer dazu eingeladen haben. Und dann war eher so die innere Benchmark, vor Mitternacht sollen dann die Oldies gehen.
Stephan Seiler 64:18
Aber verstehe. Und da wurde das auch quasi.
Brigitte Huber 64:21
Ja genau. Und ich weiß dann eine Freundin, die hat dann ihren etwas schon, ich sage jetzt mal angeheiterten Mann irgendwann mal gesagt, du, ich glaube, es wird jetzt Zeit, dass wir gehen, weil der wäre noch geblieben, weil er fand, dass die Kinder ganzen jungen Leute doch eh so gute Stimmung haben und er passt da gut dazu. Aber da hat die das dann in die Hand genommen. Aber im Großen und Ganzen kam das für mich so als Benchmark rüber. Aber da gibt es auch keine Regeln. Vielleicht bist du der Patenonkel, der um 5 Uhr morgens zu den letzten Gästinnen und Gästen Tschüss sagt. I don't know. Wie ist dein Gefühl?
Stephan Seiler 64:53
Das wäre ich gerne. Ich bin ganz gespannt, nämlich in ein paar Tagen steht das an. Emma und K. Liebe Grüße werden 18 Jahre alt. Unglaublich, dass ihr schon so groß geworden seid und die machen eine Party und die Frage ist, wie lange bin ich da geduldet? Darf ich dabei sein und wenn ja, für wie viele Kaltgetränke? Fragt mich, sollte ich von mir aus schon von Beginn an eigentlich absagen und sagen, ich komme einfach mittags vorbei?
Brigitte Huber 65:20
Meine Eitelkeit, ich möchte unbedingt bis zum Schluss bleiben.
Stephan Seiler 65:23
Ich glaube, es ist offensichtlich, ich will unbedingt mitfeiern. Unbedingt mitfeiern, aber sagt mir ruhig irgendwie dann Bescheid, wenn ich gehen soll oder macht mich einfach so betrunken, dass ich einfach schon um 22 Uhr nach Hause will. Auch das wäre eine Möglichkeit.
Brigitte Huber 65:38
Na, bevor sie so tun müssen, als wäre um 12 Uhr die Fete vorbei und alle gehen schon vermeintlich und du gehst dann auch und dabei geht es dann einfach nach einer Viertelstunde weiter. Das wollen wir doch auch nicht. Du könntest dich allerdings als Patenonkel gerne auch nützlich machen, dass du entweder DJ, weiß ich nicht, ob du den Musikgeschmack
Stephan Seiler 65:56
triffst oder ich glaube nicht so ganz. Ich glaube, da wäre ich auch nicht für vollgenommen mehr. Ich bin für die einfach,
Brigitte Huber 66:03
also könntest höchstens die Getränke für den Getränke Nachschub bringen, also irgendwie sich nützlich zu machen. Das glaube ich, mag man am Patenonkel auch.
Stephan Seiler 66:12
Ja, womöglich. Womöglich. Ich werde mal gucken, wie ich mich da einfinden kann. Das wollen wir wirklich nicht. Also ich leide mit allen Jährigen mit, die vor ähnlichen Fragen stehen. Ich nehme jetzt mal raus, als Patenonkel erstmal davon auszugehen, dass ich eingeladen bin, bis zu dem Punkt, wenn ich nicht, wenn mir die Ausladung übermittelt, Ich sag dazu nichts mehr. Okay, Brigitte Da werden wir schauen, zu welchen familiären Verwerfungen das führen wird. Brigitte Wollen wir uns noch auf die Premieren stützen?
Brigitte Huber 66:43
Aber selbstverständlich meine Premiere. Deine Premiere.
Stephan Seiler 66:49
Ja, liebe Brigitte, Premieren. Du hast beim letzten Mal gesagt, dass du ja einige Premieren haben wirst auf deiner Urlaubsreise. Wir haben uns jetzt eine Weile nicht gesehen und nicht gehört, denn du warst unterwegs. Welche Premieren fanden da statt auf deiner Februarreise?
Brigitte Huber 67:06
Also ich war zwei Wochen auf den Kapverdischen Inseln, sogar auf vier Inseln. Und was ich total gespürt habe wieder da, das, was wir auch immer wieder bei dem Thema Premieren besprechen, wie sich vor allem am Anfang die Zeit dehnt, wenn du lauter neue Eindrücke aufnimmst. Und das fand ich wirklich dadurch, dass ich jetzt auch irgendwie so viel darüber gesprochen und erlebt habe, ist es mir noch mal richtig aufgefallen, dass du irgendwann Wow, wir sind erst seit 24 Stunden da. Und im positiven Sinne wirkt es jetzt so, als wären wir schon viel länger da. Also tatsächlich Reisen sind in meinen Augen ein ganz, ganz guter Premiere Booster, also ein idealer Premiere Booster. Und gleichzeitig, finde ich, freut man sich dann auch wieder auf Dinge, die man zu Hause hat, die man da nicht hat. Also du erlebst mich jetzt hier. Ich bin froh, dass jetzt der Schnee sich verabschiedet hat und ich hoffe, dass er auch nicht noch mal kommt. Und insofern, dann habe ich, glaube ich, sehr, sehr viele kleine und große Premieren da eingesammelt und die müssten jetzt eigentlich reichen wieder für eine Zeit lang. Und bei dir hoffe ich doch.
Stephan Seiler 68:19
Ich war ja hier, ich war nicht auf Reisen und habe aber versucht, in den vergangenen Wochen einige kulturelle Premieren mir zu gönnen. Ich war auf der Berlinale und habe mich da auf Filme eingelassen, von denen ich vielleicht vorher gar nicht gesagt hatte, dass die mich interessieren und wurde meistens belohnt. Nicht immer, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt, sich auf etwas völlig Unerwartetes einzulassen. Auch im Sinne, ich kannte nur den Titel und mehr wusste ich gar nicht über den Film und bin hingefahren oder hab dann vielleicht noch einen Satz dazu gelesen und das war es auch schon. Und das ist natürlich wunderbar bei solchen Filmfestivals. Viele unserer Zuhörerinnen und Zuhörer haben vielleicht nicht die Gelegenheit, zur Berlinale nach Berlin zu fahren, aber vielleicht gibt es auch bei euch vor Ort Filmfestivals auf lokaler Ebene. Ich kenne von einem Doku Filmfestival in Schleswig Holstein oder auch in München und in Mainz und Frankfurt gibt es welche. Schaut euch diese Filme an, da seht ihr auch noch mal Dinge, die ganz abseitig sind, auch noch mal eine Tür öffnen in eine ganz andere Welt. Das kann ich nur empfehlen. Und ich habe auch eine App ausprobiert, mit der man Kultur Highlights sich angucken kann. Gibt es so ein Flatrate System in Hamburg und Berlin. Vielleicht hast du da davon auch mal gehört, dass man so eine App sich runterlädt und bezahlt im Monat ein paar Euro und kriegt dazu dadurch aber Zugang zu allen möglichen kulturellen Events, zum Beispiel zu Theatern, auch Kino, Varieté etc. Kabarett ist dabei und kriegt dann immer quasi die Karten, die so übrig geblieben sind, kann drei Tage vorher sich dann dafür dann anmelden und kann dann kostenlos sich, also kostenlos in Anführungszeichen, einmal muss man ja so eine monatliche Gebühr bezahlen, kann sich diese kulturelle Highlights und auch Lowlights gönnen, die man vielleicht sonst niemals sehen würde. Und dann muss ich sagen, auch wenn es sich nicht, aber nicht alles mega war, aber das erweitert den Horizont, ersetzt dann vielleicht auch so eine kleine Reise, weil es ganz viele kleine erste Male gibt.
Brigitte Huber 70:17
Steckst du in die Show Notes rein?
Stephan Seiler 70:19
Ja, den Link kann ich reinstecken. Ist keine bezahlte Werbung für die App, aber ich werde die App dann trotzdem nennen in den Shownotes. Also guckt gerne rein. Ja, das zu den Premieren. Mal gucken, was wir nächstes Mal berichten können. Was hast du vor aus dem Land des Älterwerdens? Das kann ich dir noch gar nicht sagen, weil das nämlich davon abhängig ist, welche Geschichte, welche Reportage jetzt in den nächsten Wochen sich entfalten wird. Bin sehr gespannt. Deine nächste Premiere hast du eben ja so ein bisschen.
Brigitte Huber 70:51
Ich habe mir jetzt vorgenommen, in meiner in meinem jugendlichen Übermut, weil ich mich so gefreut habe, dass der Schnee jetzt weg ist, dass ich, wenn nichts Wirkliches dagegen springt, Klammer auf Dauerregen, Klammer zu, jeden Tag mit dem Fahrrad fahren möchte. Ich weiß, dass ich mich da am Tag 3 verfluchen werde, weil ich schon auch dazu neige, auch für kleinere Strecken gerne mein Auto zu nehmen, wo gar nicht wirklich was dagegen spricht. Aber ich weiß, wenn ich mir das vornehme, dann vielleicht dreht sich das noch mal in die Richtung, dass ich auch kleine einkäufe oder jetzt auch, wenn es mal ein paar Kilometer sind, zu einer Verabredung mit dem Fahrrad fahr. Aber ich muss wirklich einschränken, wenn es richtig pritscht, wie wir Bayern sagen, also aus Kübeln regnet, dann würde ich, glaube ich freikriegen an dem Tag, oder?
Stephan Seiler 71:41
Ja, ich würde dir frei kriegen, aber
Brigitte Huber 71:43
das ist für mich sowas von wegen, das probiere ich jetzt mal aus, um irgendwie so meine eigene Bequemlichkeit so ein bisschen auch auszutricksen.
Stephan Seiler 71:51
Ich wünsche dir viel Erfolg bei dieser Premiere. Ich bin gespannt, ob es klappen wird und deine Bequemlichkeit dann am Ende klein beigeben wird.
Brigitte Huber 71:59
Und wie immer wird es ja nicht überprüft von irgendjemandem. Ich kann dir auch viel erzählen, wenn der Tag lang ist.
Stephan Seiler 72:04
Ja, ja. Vielleicht sollten wir noch mal mit Unterstützung unserer Zuhörerinnen und Zuhörer so einen Beirat einrichten, die dann alles überprüfen, was wir hier machen. Könnt euch gerne bewerben. Die Auswahl übernimmt Brigitte.
Brigitte Huber 72:18
Das mache ich.
Stephan Seiler 72:19
Genau. Brigitte, das war heute eine Folge über das Thema Freundschaft. Wir haben viel gelernt, wie man neue Freunde kennenlernen kann. Vielen Dank für deinen Input dazu und wie man vielleicht auch sich Gedanken machen kann, ob man an der einen oder anderen Freundschaft wirklich noch festhalten möchte. Sehr viel mitgenommen. Nächste Woche möchten wir über ein anderes Thema sprechen mit einem prominenten Gast. Wollen wir ihn schon lüften oder wollen wir es diesmal geheim halten?
Brigitte Huber 72:44
Wir können es ja lüften, oder?
Stephan Seiler 72:46
Ja, dann machen wir das. Magst du es verraten?
Brigitte Huber 72:49
Es geht um ein Thema, das glaube ich jeden irgendwann manchmal berührt, und zwar, dass man eben nicht gern Fahrrad fahren möchte, um sich zu bewegen und nicht den ganzen Tag gesund ernähren würde, sondern das Ganze lieber durch eine Pille erledigen soll. Und wir sind voll in einem Markt in einer Thematik, die riesig ist inzwischen in Deutschland und in vielen anderen Ländern auch, und zwar Nahrungsergänzungsmittel. Und wir sprechen damit mit einem Wissenschaftsjournalisten, der sich da wahnsinnig gut auskennt. Und möchtest du verraten, wer es ist?
Stephan Seiler 73:21
Ja, es ist der Bestsellerautor Baskast. Der wird den Vitaminkompass herausbringen, Gab schon einige Bücher zu Themen, die auch mit unserem Themenfeld älter werden zu tun hat. Auch darüber möchten wir mit ihm reden. Ernährungskompass gab es ja mal und korrigiere mich, es gab wahrscheinlich Kompasse. Kompass Wasser, Blural von Kompass. Auch darüber können wir nächste Woche sprechen mit Baskast. Wir freuen uns drauf, Brigitte. Bis dahin, liebe Zuhörerinnen, liebe Zuhörer, ja,
Brigitte Huber 73:52
eine schöne Zeit und bis zum nächsten Mal. Tschüss.
Stephan Seiler 73:57
Das war die Sache mit dem Älterwerden, der Podcast mit Brigitte Huber und Stephan
Brigitte Huber 74:01
Sa Vielen Dank an Leo Ebert-Glang für die Titelmelodie, das Sounddesign und den
Stephan Seiler 74:06
Schnitt und an Alina Sawalis für die Covergestaltung.
Brigitte Huber 74:11
Die Sache mit dem Älterwerden erscheint mittwochs auf allen gängigen Podcast Plattformen.
Stephan Seiler 74:15
Folgt uns, abonniert uns, dann verpasst ihr
Brigitte Huber 74:18
keine Folge und empfehlt uns bitte weiter. Das würde uns sehr freuen.
Stephan Seiler 74:24
Wenn ihr uns Feedback schicken möchtet, egal ob positiv oder negativ oder wenn ihr Themenvorschläge für uns habt, schreibt uns eine E Mail, eine Textnachricht oder Sprachnachricht auf unserem Instagram oder Facebook Kanal.
Brigitte Huber 74:37
Alle Infos findet ihr auch schriftlich zu dieser Folge in der Zusammenfassung in eurem Podcast Player.
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Folge
47
·
96 Min.
Mit
Stefanie Stahl
Wie werden wir nie einsam? Warum haben Männer größere Probleme, über Gefühle zu sprechen?
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