Folge

Neue Folgen immer mittwochs

Folge

15

·

·

70 Min.

Gehen oder bleiben? Warum trennen sich immer mehr Menschen in der zweiten Lebenshälfte, Dorothea Behrmann? Und wie gelingt ein guter Neuanfang?

Schluss jetzt?! Ausgerechnet am Anfang des Jahres steht für viele ein Ende: das Ende einer oft langjährigen Beziehung. Trennung tut weh. Immer. Aber wie gelingt es, Drama, Schmerz und Verletzung nicht unnötig groß werden zu lassen?

Beziehungen

▶ Jetzt reinhören

Folge abspielen

Überall, wo es Podcasts gibt:

Aus einer der sensibelsten Phasen des Lebens mit heilem Herz herauszugehen?

Das weiß Dorothea Behrmann, Trennungscoach und Paartherapeutin. Sie begleitet Menschen durch die “Sieben Phasen des Loslassens“, so auch der Titel ihres Buches. In dieser Folge spricht sie mit Brigitte und Stephan darüber, warum Trennung kein Scheitern ist, wieso die Zahl der späten Scheidungen Ü50/Ü60 rapide steigt und wie wir ausgerechnet mit zwei Zetteln auf dem Fußboden herausfinden können, ob wir gehen oder vielleicht doch bleiben sollen. Sind die Würfel bereits gefallen, weiß.die Expertin, welche Schritte wir unternehmen – und welche wir tunlichst vermeiden sollten.

Eine Folge für alle, die an Trennung denken, mittendrin stecken, verlassen wurden - und am Horizont den mutigen Neuanfang sehen wollen.

Kapitelmarken

  • 00:00 Warum der Jahresstart Trennungshochsaison ist

  • 04:38 „Gescheiterte“ Beziehung – fatales Etikett und gesellschaftliches Stigma

  • 09:36 Die Biologie der Trennung – warum uns Loslassen existentiell bedroht

  • 10:36 Die Bedeutung der ersten Liebe und der Trend zur „Grey divorce“ 60+

  • 14:55 Warum Trennung so oft Frauensache ist

  • 21:47 Was Körper und Kopf verraten: Typische Alarmsignale

  • 24:12 Krise oder mehr? Letzte Hoffnung Paartherapie

  • 27:39 Gehen oder bleiben? die Zettel-Methode hilft

  • 30:14 Wegen der Kinder zusammenbleiben - gute Idee?

  • 32:16 Das Trennungsgespräch und warum weniger oft mehr ist

  • 39:50 Hart, aber heilsam: die No-Contact-Regel

  • 42:47 Täter-Opfer-Dynamiken und das quälende „Warum?“

  • 54:09 Der Neuanfang: wie lange dauert es, bis das Herz heilt?

  • 58:26 Lass uns Freunde bleiben?

  • 1:02:49 Rubriken und ein letzter Mutmacher-Tipp

Transkript zur Folge

Dorothea Behrmann 0:00
Ja, ich glaube, der Faktor, der wichtige Faktor ist, wie bedeutsam war die Beziehung für mich? Also die erste Liebe ist, glaube ich, für jeden Menschen was ganz Besonderes. Und das ist ja auch ein Phänomen, was mir immer wieder begegnet, dass manche dann zu dieser ersten Liebe wieder zurück wollen oder zurückkehren. No Contact, mindestens 30 Tage no Contact. Also das ist auf jeden Fall etwas, was man herausgefunden hat, dass die Distanz, und zwar also wenn du jetzt keine Kinder hast und dich nicht ständig austauschen musst mit deinem Partner, Partnerin über wer holt wen wann ab, dann ist das wirklich, das ist das Härteste, aber das Heilsamste, weil eine Trennung braucht Zeit. Also wir sind ja Freunde, kann aber auch heißen, naja, vielleicht sind wir ja Freunde plus oder vielleicht entsteht ja wieder was. Oder man möchte die Person nicht loslassen, also bleibt man befreundet.

Stephan Seiler 0:59
Heute zu Gast in der Sache mit dem Älterwerden Dorothea Behrmann. Sie ist Paartherapeutin und Trennungscoach und eine Frau, die wie kaum eine andere in Deutschland darüber spricht, wie wir Beziehungen gut beenden können. In ihrer Praxis in Hamburg berät sie Menschen, die sich von ihren Partnerinnen oder Partnern trennen wollen oder zumindest mit ihrer Partnerschaft hadern. Sie hat mit ihrem Buch Die 7 Phasen des Loslassens. Eine Art Landkarte geschaffen für Menschen, die sich trennen wollen, mitten in der Trennung stecken oder eine vergangene Beziehung endlich befrieden wollen. Im Gespräch mit Brigitte und mir erklärt sie, warum Trennungsschmerz uns so radikal erschüttert und warum es manchmal nicht reicht, einfach weiterzumachen, egal wie alt man ist. Brigitte was hast du mitgenommen aus dem Gespräch?

Brigitte Huber 1:46
Ich habe erfahren, warum uns das Loslassen und die Trennung so wahnsinnig schwer fällt, und zwar auch, wenn ich die bin, die geht. Also nicht nur, wenn ich die bin, die verlassen wird. Ich fand es spannend, dass Dorothea bei ihren Trennungscoachings immer nach der ersten Liebe fragt. Sehr Interessant auch, warum zwei Zettel helfen bei der großen Soll ich bleiben oder gehen? Und dass mit Mitte 40 die meisten Trennungen passieren, aber auch neuerdings Viele Menschen mit 60 diesen Schritt wagen. Was hast du mitgenommen, Stephan?

Stephan Seiler 2:22
Ich habe gelernt, dass unsere Biologie zwar auf Bindung ausgelegt ist, aber wir es trotzdem lernen können, Abschiede würdevoll zu gestalten, Dass es typische Alarmsignale gibt, die einer Trennung vorausgehen, denen ich Beachtung schenken sollte. Dass das Leiden, das mit einer Trennung einhergeht, aber weder am Alter noch an der Länge der Beziehung hängt, dass Loslassen eben kein Versagen bedeutet, sondern einen mutigen Schritt hinein in ein neues, neues Leben. Und nun geht's los. Ich bin Stephan Seiler.

Brigitte Huber 2:53
Ich bin Brigitte Huber und das ist die Sache mit dem Älterwerden.

Stephan Seiler 3:09
Schönes neues Jahr, Dorothea Behrmann und natürlich auch Brigitte.

Brigitte Huber 3:12
Schönes neues Jahr, liebe Dorothea.

Dorothea Behrmann 3:15
Schönes neues Jahr euch beiden und vielen Dank für die tolle Einladung in euren Podcast.

Stephan Seiler 3:20
Sehr gerne. Es gibt ja auch offenbar Handlungsbedarf. Gerade jetzt am Jahresanfang entscheiden sich viele Menschen, ihre Beziehung zu beenden oder sie denken zumindest intensiv darüber nach. Beobachtest du das auch in deiner Praxis? Und wenn ja, welche psychologischen Gründe stecken denn hinter dieser Trennungshochsaison?

Dorothea Behrmann 3:38
Ja, das kann ich nur bestätigen. Also aus meiner Praxis ist es so, dass ich vor Weihnachten fast gar keine Anfragen mehr bekomme und dann plötzlich Anfang Januar glühen alle Drähte und plötzlich kommen sehr viele Menschen, die sich zumindest mit dem Gedanken tragen, ihre Beziehung zu beenden. Und die Gründe dafür liegen meines Erachtens darin, oder das ist das, was mir meine Klienten auch erzählen, dass Weihnachten möchte sich niemand trennen. Also vor allen Dingen die Paare, die Kinder haben. Und da finde ich es immer erstaunlich, also egal, Ob die jetzt 5, 6, 16 oder 26 sind, die Kinder wollen alle zu Hause Weihnachten feiern und um das nicht kaputtzumachen, wartet man lieber ab. Und dann im neuen Jahr gibt es einen Neuanfang und Neustart. Viele denken über ihr Leben nach und was sie vielleicht ändern möchten. Und insofern passt das, was du sagst.

Stephan Seiler 4:31
Betrifft das alle Altersgruppen oder sind da gewisse besonders prädestiniert dafür?

Dorothea Behrmann 4:36
Also das trifft eigentlich alle Altersgruppen.

Brigitte Huber 4:38
Ja, ein Grund, warum wir uns vielleicht ungern trennen, ist ja, dass der Trennung auch ein Makel anhaftet. Das heißt ja dann oft, die Beziehung sei gescheiter. Also es ist ein bisschen fatales Wort. Wie stehst du da dazu? Und warum ist es so, dass Trennungen in unserer Gesellschaft als etwas so Negatives angesehen werden, wobei ja da viel Chance immer drin liegt.

Dorothea Behrmann 5:01
Das sehe ich absolut genauso. Du sprichst mir aus dem Herzen und das Wort die Beziehung ist gescheitert halte ich für absolut verkehrt. Warum ist die Beziehung gescheitert, Wenn man merkt, nach einiger Zeit dass man sich nicht mehr gut fühlt miteinander, wenn man sich auseinandergelebt hat, wenn man vielleicht jemand anders kennengelernt hat. Also eine Beziehung, wir haben ja heutzutage mehrere Beziehungen im Leben, nicht nur eine. Also das ist ja unsere Lebensrealität. Und da jedes Mal von Scheitern zu sprechen, finde ich total verkehrt.

Brigitte Huber 5:32
Ja, absolut. Und was du ja auch sagst in Wahrheit, man hat ja eine gute Zeit gehabt, eventuell hoffentlich die meiste Zeit. Ja, und da kommen wir aber später auch noch mal drauf. Aber tatsächlich, es war, glaube ich, früher noch viel schlimmer. Also da war ja eine Trennung noch unausdenkbarer. Also wir sind auf dem Weg, sie als etwas Neutraleres, Positiveres zu sehen. Oder wie siehst du das?

Dorothea Behrmann 5:57
Das sehe ich genauso. Also ich bin immer noch etwas geschockt und überrascht, wie sehr die Menschen, die sich auch trennen wollen, also die das vorhaben, die merken, sie sind nicht mehr glücklich, wie sehr sie das selber als Makel empfinden und als Scheitern. Und ich muss dann immer ganz viel gegensteuern und naja, sie wollen ja nichts zerstören, sie wollen es ja eigentlich besser machen für sich und letzten Endes für die Partnerschaft und auch für die Familie.

Brigitte Huber 6:25
Heißt dann Scheitern für die Ich war nicht gut genug, ich habe es nicht.

Dorothea Behrmann 6:29
Gut genug gemacht, ich habe es nicht hinbekommen.

Brigitte Huber 6:32
Okay.

Dorothea Behrmann 6:33
Also da sind ganz viel von diesen Glaubenssätzen letzten Endes, von denen du sprichst für die Person selber, die denkt oft, ich habe es wirklich nicht hingekriegt. Alle anderen, es sieht ja immer so aus, als wären alle glücklich und es gibt nur heile Familien und Paare. Aber dieser Gedanke, dass man es nicht geschafft hat, vielleicht ist diese Person auch selber Scheidungskind gewesen und bloß nicht. Also das ist das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann. Und dieses Gefühl, es irgendwie mit persönlichem Scheitern und Versagen in Zusammenhang zu bringen, das begeht mit mir ganz oft.

Brigitte Huber 7:10
Das fand ich ganz spannend, weil ich auch gelesen habe, es gab auch durchaus Studien, dass Menschen, die aus Scheidungsfamilien kommen, häufig sogar sich eher trennen können, als welche, die in dieser sogenannten heilen Welt aufgewachsen sind, wo Scheidung tabuisiert wurde oder wo es vielleicht auch wirklich nicht nötig war. Es gibt ja einfach auch gute Beziehungen. Erfährst du das auch so? Bei dir in der Praxis eher das Gegenteil.

Dorothea Behrmann 7:35
Also ich weiß, dass die Zahlen das sagen, auch dass Kinder von Scheidungs also dass Scheidungskinder sich auch eher trennen, also dass Wahrscheinlichkeit für Scheidung größer ist. Aber ich höre ganz oft ja, meine Eltern haben sich getrennt und also ich möchte es zumindest um Gottes Willen nicht so machen, wie die beiden das gemacht haben. Aber ich höre ganz Meine Kinder sollen doch in einer heilen Familie aufwachsen und die sollen das nicht erleben. Also ich habe es selber erlebt. Insofern weiß ich auch, wovon ich spreche.

Stephan Seiler 8:06
Dazu kommen wir bestimmt auch gleich nochmal. Dein Buch beleuchtet ja die sieben Phasen des Loslassens. Du bist Trennungscoach, betrifft all das, was da drinsteht, aber auch, worüber wir heute reden, ausschließlich die Liebesbeziehung oder ist das Konzept auch noch in anderen Lebenssituationen anwendbar? Ich denke jetzt mal an berufliche Trennung oder Freundschaften, die auseinandergehen oder bis hin zu transatlantischen Beziehungen. Man hört jetzt ja immer, dass die USA, Europa die Scheidungspapiere geschickt hätten. Also könnte Merz heute zuhören und dann lernen, wie er es besser hinbekommt mit der Scheidung von den USA oder wie kann ich das verstehen?

Dorothea Behrmann 8:41
Ich glaube schon, denn was uns alle eint, dass wir Menschen, also egal ob jetzt im beruflichen Kontext oder auch bei Freundschaften und erst recht bei Beziehungen, wir Menschen sind Rudelwesen und wir sind auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen. Sich loszulösen bedeutet der Regel immer, zumindest wenn die andere Seite das nicht möchte, jemandem wehzutun und jemanden zu verletzen. Und wenn ich meinem Chef, der mich viele Jahre gut behandelt hat und wenn ich ein nettes Team hatte und denen sagen muss, ich kündige jetzt, dann weiß oh, habe ich auch selber erlebt, ihr vielleicht auch. Also das ist schmerzhaft und deswegen versuchen wir das zu vermeiden. Und auch bei Freundschaften. Ich glaube, diese sieben Phasen lassen sich auf sehr viele Lebenssituationen übertragen, eben weil wir so schlecht sind im Loslassen, weil wir dafür einfach nicht gemacht sind.

Stephan Seiler 9:36
Warum fallen uns Trennungen denn so wahnsinnig schwer? Wieso wirken sie auf uns oft so wie eine existenzielle Bedrohung? Was passiert da biologisch und emotional?

Dorothea Behrmann 9:45
Das ist was ganz Archaisches. Wir sind ja, wie gesagt, aufeinander angewiesen und wenn wir nicht im Rudel in der Herde sind, dann ausgestoßen werden. Dann gibt es bei uns Regionen im Gehirn, die dann oh, es geht hier um Leben und Tod. Und so eine Trennung ist dann eine existenzielle Krise für viele Menschen und auch ein Trauma, was oft unterschätzt wird, weil eben diese Biologie des Zugehörigkeitsgefühls, des Zusammenhalts, des Zusammenbleibens auch so stark in uns verankert ist. Und ich bin jedes Mal so berührt, auch wenn ich sehe, wie schwer sich jemand tut zu lösen, sich zu lösen aus einer Beziehung, weil es eben tatsächlich unsere Biologie ist, zusammenzubleiben.

Brigitte Huber 10:36
Es heißt nicht nur in Songs the first cut is the deepest. Ich glaube, fast jeder erinnert sich an seinen ersten Liebeskummer. Ist denn das erste Mal wirklich das Schlimmste oder hängt das an anderen Kriterien? Wir haben ja schon gesagt, wir haben mehrere Trennungen in aller Regel im Leben. Werden wir da geübter oder liegt es an anderen Faktoren, welche Trennungen uns schwerfallen und welche weniger schwer ist zum Beispiel eine jährige Ehe zu verlassen, schwerer als eine zweijährige Beziehung?

Dorothea Behrmann 11:10
Ja, ich glaube, der Faktor, der wichtige Faktor ist, wie bedeutsam war die Beziehung für mich? Also die erste Liebe ist, glaube ich, für jeden Menschen was ganz Besonderes. Und das ist ja auch ein Phänomen, was mir immer wieder begegnet, dass manche dann zu dieser ersten Liebe wieder zurück wollen oder zurückkehren. Aber tatsächlich, je länger die Beziehung dauert und du hast von einer jährigen Beziehung gesprochen oder von einer jährigen Beziehung, da kommen wir vielleicht gleich auch noch zu diesem Trend, dass sich immer mehr Paare nach sehr, sehr langen Ehejahren scheiden lassen. Je länger man zusammen ist, desto mehr ist man zusammengeschweißt. Hat man zusammen erlebt, hat man zusammen aufgebaut, da gibt es vielleicht eine Familie, ein Haus, ein Projekt, ein Geschäft, Haustiere auch immer. Und das dann zu verlassen. Ich glaube nicht, dass wir mit der Zeit sozusagen abgebrühter werden, so nach dem ach, ich weiß ja, wie das geht mit der Trennung. Also jede bedeutsame Beziehung mit einer Person, die ich wirklich geliebt habe und wo ich mich verletzlich gezeigt habe und investiert habe, ist immer wieder schlimm. Aber der Song hat natürlich auch recht. Also die erste Liebe und ich frage immer danach, was war denn mit der ersten? Die ersten Lieben spielen oft eine große Bedeutung, das finde ich ja spannend, Ja, Tatsäch. Und oft ist es so dass die ersten Lieben auch viel intensiver waren und wo ich so hö die große Liebe und danach kommt so die ah ja, mit der mache ich dann die Familiengründung. Und das ist zwar nicht mehr so die große Liebe und da sind nicht mehr die ganz großen Gefühle, aber das passt so zum Hausbau und zur Familiengründung.

Brigitte Huber 12:53
Also ich habe noch mal nachgeschaut, das Durchschnittsalter bei einer Scheidung heute, Das liegt bei 44 bis 48, hat sich nach hinten verschoben im Laufe der Jahre. Aber tatsächlich ist auch die Zahl derer, die sich mit 50 plus und 60 plus trennen, in den letzten Jahren und Jahrzehnten rapide nach oben gegangen.

Dorothea Behrmann 13:13
Absolut.

Brigitte Huber 13:14
Woran liegt das? Glaubst du, dass die Menschen sich das jetzt trauen im Gegensatz zu früher?

Dorothea Behrmann 13:20
Also das scheint ein Trend, Also bei uns ist es auf jeden Fall ein Trend und auch ein internationaler Trend. Also in den USA heißt es, dass die Anzahl der über Jährigen, die sich scheiden lassen, sich verdoppelt hat und die über JährigEN verdreifacht. Und Audra Winfrey hat einen ganzen Podcast zu dem Thema Great Divorce aufgenommen. Also man sieht die Brisanz des Themas und ich glaube, es hat verschiedene Gründe. Also sicher zum einen, das, was wir vorhin schon hatten, Trennungen werden nicht mehr so stigmatisiert. Für die Person selber ist es vielleicht ein Scheitern, aber von außen werden jetzt Geschiedene oder Getrennte ja jetzt nicht mehr diskriminiert. Das war ja früher mal anders von der Familie, von der Religion, von der Kirche, von der Gesellschaft. Das ist heute ja nicht mehr so. Und diese Idee der lebenslangen Gemeinschaft, der Versorgungsgemeinschaft ist ja auch nicht mehr da. Wir wollen ja glücklich sein in Beziehungen und wir haben ja das Recht auf ich will eine romantische Liebe, ich will was erleben, ich will mich gut fühlen. Also die Werte, es ist weg von dieser Versorgungsgemeinschaft hin zu der Selbsterfüllung oder der glücklichen Beziehung. Und wir Frauen, das ist ja auch ein ganz wichtiger Faktor, die wir früher ja vom Mann abhängig waren. Finanziell sind es in der Regel nicht mehr. Die meisten arbeiten, die können sich eine Trennung leisten. Und das ist ja auch bei Trennung immer ein wichtiger Faktor.

Brigitte Huber 14:55
Es sind ja in der Regel auch die Frauen, die sich trennen. Also zu 70 Prozent sind es die, die die Scheidungen einreichen. Und wenn die beiden gleich viel Geld verdienen, ist sogar die Quote noch höher, habe ich gehört. Also spannend. Das auf jeden Fall. Finde ich sehr, sehr spannend. Woran glaubst du liegt das, dass Frauen sehr viel trennungswilliger sind?

Dorothea Behrmann 15:16
Ja, also nach meinem Beobachten ist es so, dass die Wechseljahre bei der Frau auch sehr viel ausmachen. Also ich erlebe so, dass die Frauen so ein bisschen, man sagt es so weniger lieb, so ein bisschen krawalliger werden, so im Sinne von im guten Sinne krawallig. So was kann ich jetzt noch ändern? Was will ich machen? Also die ganze Care Arbeit, die in der Regel geleistet wurde für die Kinder, für die Familie, für den Partner, das ändert sich ein bisschen nach den Wechseljahren. Und wir haben ja auch als Frau natürlich auch die Männer, Wenn ich jetzt 65 bin, dann weiß ich, wenn also das Thema Longevity, ich habe noch 20 Jahre vor mir und Frau überlegt, dann man auch. Aber vor allen Dingen, wo die Frauen die Ja, will ich das jetzt mit der Person? Ist das jetzt alles gewesen oder kann da noch was anderes kommen?

Brigitte Huber 16:11
Wenn wir Glück haben mit 60 können wir auch noch 30 Jahre vor uns haben. Und was du auch gesagt Wir haben einen höheren Anspruch an unser Leben, an die Lebensqualität, als das in den Generationen vorher war, wo man die Zähne zusammengebissen hat und das bis zu Ende quasi noch geführt hat, durchgezogen. Was ich aber auch spannend fand, ist, dass zum Thema, warum Frauen sich dann mehr trennen, Ich glaube, sie investieren vorher auch mehr. Also die sind ja häufig die, die lass uns zur Paarberatung gehen, so geht das nicht mehr weiter. Aber was also neben diesem Investieren bei den Frauen tatsächlich, finde ich, schon auch immer wieder auffällt, ist, dass die Männer sich schwerer tun, allein zu sein. Ich habe gestern sogar gelesen, dass sie emotional stärker auf Beziehungen angewiesen sind. Man merkt es auf jeden Fall an ihrem Verhaltensmuster und dass sie auch viel länger leben, wenn sie in der Partnerschaft ist. Also irgendwie gibt ihnen ihr Instinkt recht, dass sie sich möglichst schnell dann wieder verpartnern. Ist das auch deine Erfahrung?

Dorothea Behrmann 17:14
Ja, absolut. Also man weiß ja tatsächlich aus diesen Studien, dass eben gerade Männer von langjährigen Beziehungen profitieren. Und also wenn die Männer überhaupt zum Coaching kommen und sich überlegen, sich zu trennen, weil sie entweder wirklich unglücklich sind oder eine neue Liebe getroffen haben oder wie auch immer. Dieser Gedanke, erst mal allein zu sein, auszuziehen in der eigenen Wohnung. Und ich glaube, diese Angst vorm Alleinsein, das hat jeder Mensch, der sich aus einer Beziehung löst, das ist auch total menschlich, Aber dass Männer sich noch schwerer damit tun, weil die Frauen in der Regel noch andere soziale Netzwerke haben und Männer sich ganz oft, also wenn sie etwas auf dem Herzen haben, die Frau oder die Partnerin als Bezugsperson nehmen und Frauen sind in der Regel etwas, also gesagt, es gibt natürlich auch Unterschiede, aber so in der Regel sind besser vernetzt und haben mehr Schutzfaktoren in Form von sozialen Netzwerken. Und die Einsamkeit ist etwas, was Männer sehr stark fürchten, was ja auch dazu führt, dass sie sich sehr schnell in eine neue Beziehung begeben oder erst Schluss machen, wenn die neue Frau denn schon da ist. Also es tut mir leid, mit diesen Studien kommen die Männer immer so schlecht bei weg. Da muss ich, glaube ich, noch einiges tun.

Brigitte Huber 18:40
Genau, es ist auch, wenn man auf die junge Generation guckt, kann man da schon Hoffnung schöpfen. Wir sprechen jetzt schon von den Männern 40, 50 plus, die auch sich schwerer tun, den Zugang zur eigenen Gefühlswelt zu haben, mit Menschen drüber zu sprechen, wenn es ihnen schlecht geht, wenn die Beziehung schlecht läuft. Also insofern glaube ich, sind wir vorsichtig optimistisch nach vorne gerichtet.

Dorothea Behrmann 19:04
Erlebe ich auch so bei meinem Stieftochter und Stiefsohn, die sind Anfang 30 und die sind sehr, sehr viel, viel offener für alle möglichen Gespräche über ihre Gefühle und überlegen sogar, ob sie jetzt präventiv eine Paartherapie machen, sind so in der Nestgründungsphase, die gehen ganz anders miteinander um.

Brigitte Huber 19:23
Ja, klasse.

Stephan Seiler 19:24
Auch in meinem Alter kenne ich Paare, ich bin jetzt Mitte 40, Paare, die sichtbar unglücklich sind, wo eigentlich alle nur auf die Nachricht der Trennung warten. Themen haben da oft was auch mit den Kindern und mit Überforderung zu tun, auch mit der Care Arbeit, mit der sogenannten Aufteilung der Arbeitsbelastung, aber auch mit Öffnen der Beziehung. Die eine Person und in den Beispielen, an die ich jetzt gerade denke, sind es vor allem die Frauen, die dann die Beziehung öffnen wollen und ihre Männer wollen das nicht in meinem Alter. Das erlebe ich. Und dann erlebe ich auch Paare, die seit mehr als 50 Jahren zusammen sind, aber eher wie eine WG zusammenleben. Sie kocht für ihn, er steuert die Rente bei. Zärtlichkeit ist da eigentlich nicht mehr groß vorhanden. Was rätst du Paaren, die aus reiner Gewohnheit zusammenbleiben? Und sich vor dem Alleinsein fürchten. Es gibt ja diesen alten Spruch, lieber bekanntes Unglück als unbekanntes Glück. Was ist dran an diesem Satz?

Dorothea Behrmann 20:18
Also daran ist ja erstmal nichts Schlechtes. Wenn die beiden sich einig sind, dann können sie auch aus Gewohnheit zusammenbleiben.

Stephan Seiler 20:26
Es gibt keine Verpflichtung, sich zu trennen.

Dorothea Behrmann 20:28
Überhaupt nicht. Gar nicht. Also ich finde, zu bewerten, ob eine Beziehung noch Sinn hat oder nicht, das können immer nur die beiden Menschen selbst. Und du hast ja vorhin auch so von Beziehungen gesprochen, wo man sich Warum sind die eigentlich noch zusammen? Die Entweder schweigen sie sich an oder sie schreien sich an oder sie reden schlecht übereinander und dann plötzlich gibt es eine Trennung und man erlebt, wie die sich wahnsinnig vermissen. Also auch ein negatives Band, negative Beziehungen haben eine starke Verbindung und man unterschätzt das, wie sehr wir so aufeinander eingespielt sind und Rituale zusammen haben, Gewohnheiten zusammen haben. Und wenn, dass quasi, wenn beide einverstanden sind, ich übernehme die Rolle, ich koche, du lässt dich bekochen, ich bin die Kümmerin, du nimmst, ich gebe. Meistens ist es aber so, oder oft ist es Einer steigt aus aus diesen festgefahrenen Rollen und dann funktioniert das nicht mehr. Oder die Beziehung soll geöffnet werden, was ich auch eher von Frauen kenne als von Männern tatsächlich.

Stephan Seiler 21:38
Überraschend, oder wieder die bösen Frauen.

Dorothea Behrmann 21:40
Jetzt haben wir es Die Krawalligen. Die Krawalligen, genau. Die wollen plötzlich einen Lover haben, die.

Stephan Seiler 21:47
Lebenslust, 20 Jahre jüngerin, sei allen gegönnt. Sei allen gegönnt. Ich gönn das jedem. Der Prozess des Loslassens beginnt erfahrungsgemäß oft innerlich, bevor die Trennung überhaupt ausgesprochen wird. Korrigiere mich, wenn du das anders siehst. Woran merke ich denn, dass ich emotional bereits auf Abstand gegangen bin? Welche Indikatoren sind das?

Dorothea Behrmann 22:08
So ein sicheres Zeichen ist es tatsächlich bei den meisten Menschen Längerer oder sehr langer oder Prozess, der über Jahre dauert. Also ein sicheres Zeichen finde ich immer so ein körperlicher Rückzug, als wenn ich die andere Person nicht mehr umarmen mag. Wenn ich eigentlich lieber im Nachbarzimmer schlafe oder jetzt habe ich gerade gehört, ja, wenn meine Frau auf Geschäftsreise geht, dann dann bin ich immer so froh und wenn sie wiederkommt, dann denke ich mir, okay, jetzt ist sie wieder da. Also vielleicht so Der Körper weiß ja manchmal eher was los ist, als hier unser Verstand, der immer denkt, das ist doch alles in Ordnung und wir schreien uns nicht an, uns geht es doch gut und den Kindern geht es gut. Aber so ein körperlicher Rückzug, aber vielleicht auch erstmal so eine diffuse Unzufriedenheit. Fragt Kann es das gewesen sein? Dann hast du vielleicht Kolleginnen im Büro, wo du denkst, mit der kann ich mich so gut unterhalten und da kann ich ganz ich selber sein. Ich fühle mich viel besser gehört. Also dieses Vergleichen mit anderen ist auch immer so ein bisschen gefährlich. Und ich glaube, was man so macht, weil man eben nicht diese böse Person sein möchte, die diese Beziehung beendet, dann sammelt man langsam so die Negativpunkte des Partners. Das ist gar nicht bewusst, wo du denkst ach ja, das und überhaupt ist er auch nicht mehr so toll, sieht er auch nicht mehr aus und guck mal, wie er da mit der anderen Person umgeht. Das geht ja gar nicht. Also man sammelt so für sich so Negativ Punkte, damit man vielleicht irgendwann sagen Es geht wirklich nicht. Also es geht wirklich nicht wie die andere Person. Es gibt diese sehr selbstreflektierten Menschen, die dann irgendwann sagen nee, also ich finde, es reicht schon zu merken irgendwie ich bin nicht mehr glücklich, ich fühle mich nicht mehr wohl, ich bin die meiste Zeit angespannt, gestresst, ich mag die Person nicht mehr anfassen, nicht mehr, wie gesagt, nicht mehr umarmen, die ist mir irgendwie fremd, ich mag der nichts mehr erzählen. So das ist so ein Prozess, der sich manchmal so schleichend einstellt oder ganz plötzlich.

Brigitte Huber 24:12
JULIA ROTHERBL Was ich ganz spannend finde immer bei dem Thema jetzt gehen oder bleiben? Wie kann ich unterscheiden? Also ich fand alles, was du gesagt hast, sind komplett gute Indikatoren. Wie kann ich entscheiden? Ist das nur eine Krise oder ist das ein fortlaufender Prozess? Ist das dann einfach die Länge des Zweifelns, Sammelns, Vergleichens?

Dorothea Behrmann 24:33
Ja, also ich glaube, wenn ich schon anfange, so zu zweifeln und das ist, glaube ich, so ein Moment, wo viele Paare auch verpassen, dann erstmal sich selbst zu fragen, was in meinem Leben eigentlich los Das würde ich auch mich mal fragen, in welchen Bereichen bin ich noch unzufrieden? Manchmal sind es auch andere Stressoren. Also wenn wir jetzt gerade von älteren Paaren sprechen, dann kommen vielleicht Krankheiten dazu, dann werden die Eltern pflegebedürftig, da sind die Kinder plötzlich aus dem Haus. Also es kann ganz viele andere Faktoren geben, die da auch mit eine Rolle spielen. Aber letzten Endes, ja, ich würde schon sagen, der Zeitfaktor, also wenn ich mich länger als jetzt, wenn das nicht vorbeigeht und ich reflektiert was ist denn das, was mir hier fehlt? Oder was ist das, was ich brauche? Was ist in unserer Beziehung los? Und das ist ja der Moment, wo eine Paartherapie noch Sinn macht. Also viele gehen ja viel zu spät zum Paartherapeuten, wenn dann schon, wenn du, Brigitte, wie du vorhin sagtest, irgendwann zu dem Schluss nee, ich will einfach gehen, ich mag nicht mehr so und dann geht man noch zum Paartherapeut, ich bin ja selber eine. Und dann sitzt du da vor einem Paar, denkst okay, was mache ich jetzt noch mit hin? Die sind doch eigentlich schon weg oder zumindest einer. Ja, also wenn diese Unzufriedenheit nicht geht.

Brigitte Huber 25:55
Ist es dann oft so, dass das so als letzter Moment noch mal versucht wird, weil man eigentlich schon nur noch auf eine gute Fee wartet, die vielleicht wieder die Gefühle herbeizaubert, aber eigentlich schon ahnt, das wird nichts mehr. Und weil wir vorher über die Altersgruppe auch so 60 plus auch gesprochen haben. Ich habe das auch viel mitgekriegt von Frauen so in den Ern Ern. Die haben dann dieses Projekt Ehe und Familie gelebt und haben auch zum Teil auch den Entwurf mitgelebt, den vielleicht der Ehemann auch mitgebracht hat. Und dann war dieses Projekt abgearbeitet und das Häusl ist vielleicht abbezahlt und die Kinder sind aus dem Haus und in Wahrheit merkt okay, ich möchte eine Neuanfang und eigentlich alleine, also tatsächlich noch mal so richtig durchgehen, durchstarten, durchstarten und vielleicht gönnt man sich da noch mal eine Paartherapie, weil man auch keine Fehler machen will oder so.

Dorothea Behrmann 26:53
Ja, ich glaube auch so, das ist wirklich so für viele die letzte Chance noch mal wirklich. Ich weiß nicht, ob es dann so eine richtige Bereitschaft, eine innerliche Bereitschaft noch gibt. Viele erwarten auch so indirekt vom Paartherapeuten zu Naja, also bei ihnen ist wirklich nichts mehr zu machen.

Brigitte Huber 27:09
Okay, so die Absolution da die Diagnose.

Dorothea Behrmann 27:12
Trennung, das machen gute Paartherapeuten natürlich, ne? Darf man ja nicht. Insofern bin ich ganz gerne Trennungscoach, weil die Phase ist dann schon vorbei. Also da gibt es vielleicht ambivalenz also dieses Gehen oder Bleiben Thema, das ist ja bei mir auch in der Arbeit sehr stark. Aber das ist noch mal so, ja, wir haben ja alles versucht. Diese Paartherapeute Sessions sind oft sehr frustrierend für alle Beteiligten.

Stephan Seiler 27:39
Du empfiehlst dir auch einen Selbstcheck vorzunehmen mit Ja Nein Fragen zum Beispiel, aber auch sich auf so ein Din A Blatt oder DIN A Blatt zu stellen und auf zwei, glaube ich, kannst du ja vielleicht gerne noch mal erklären, wie das funktioniert mit Gehen und Bleiben und da, wo der Körper hinkippt, das soll man dann machen. Kannst du das mal etwas elaborierter noch mal ausführen? Gibt es da vielleicht so ein, zwei Kniffe, die man sofort umsetzen kann, wenn man jetzt gerade in der Situation ist?

Dorothea Behrmann 28:07
Gehen oder Trennung ist ja eben ein sehr, sehr starker emotionaler Prozess. Also da kann man jetzt nicht viel, vielleicht Job ist es auch Jobwechsel, aber da kann man vielleicht mehr mit diesen Pro Contra Listen arbeiten. Diesen Selbstcheck, den würde ich auf jeden Fall machen, um zu gucken, wo stehe ich eigentlich. Man kann sich auch noch mal angucken, was ist eigentlich das, was uns ausmacht als Paar, Wofür bin ich dankbar, was ist wertschätzend? Aber man geht vielleicht trotzdem, man hat erlebt diese innerliche Zerrissenheit. Und um dann an die Intuition, an das Bauchgefühl zu kommen, kann man auf zwei Zettel, jeweils zwei DIN A Zettel, auf den einen gehen und auf den anderen bleiben schreiben, die beiden auf den Boden legen und sich dann erst auf den Zettel meinetwegen gehen, also Schluss machen, sich trennen zu stellen und mal die Augen zu schließen und wirklich mal zu gucken, was dann im Körper passiert. Wie geht es mir da? Was spüre ich? Habe ich ein Kloß im Hals? Kriege ich Beklemmung in der Brust Oder gibt es vielleicht auch so einen Teil in mir, dem plötzlich so Flügel wachsen und man kriegt so ein Freiheitsgefühl und man kann so tief durchatmen und wirklich die Körpersensation wahrzunehmen und die Gefühle sich dann rüberzustellen, auf den Teil bleiben und das Gleiche wieder noch mal zu machen? Dann kann man sich nachher, also ohne das zu bewerten. Und das soll einfach ein zusätzliches Tool sein, weil viele Menschen wissen, und das ist zumindest so meine Erfahrung jetzt auch aus der Arbeit, sehr intuitiv, sehr genau, was sie möchten. Aber das ist so eine schlimme Schuld, die sie auf sich laden. Also so empfinden das viele, dass sie eben dann im Kopf natürlich auch alles Gute aufzählen, damit sie irgendwie ja vielleicht dann doch bleiben können, also damit sie es rechtfertigen können. Und diese Gehen oder bleiben Übung mit den Zetteln dient dazu, wirklich mal den Kopf auszuschalten und den Körper zu befragen, weil der ist sehr intelligent.

Brigitte Huber 30:14
Wenn der Zettel und der Körper mir dann geh besser. Sind dann Kinder ein Grund doch zu bleiben? Wir hören so oft immer und immer, wir bleiben ja nur noch zusammen wegen der Kinder. Ist das klug?

Dorothea Behrmann 30:31
Ich finde das überhaupt nicht klug. Also ich kann es nachvollziehen und das erlebe ich in meinen Coachings auch immer wieder, dass die Eltern dann in so einer Art, die vielleicht untereinander wissen, okay, wir sind getrennt, aber dass sie in so einer Eltern WG, das Stichwort ist ja auch schon gefallen bleiben, weil sie denken, dass sie. Also da kommen so Glaubenssätze über Trennung und Scheidung. Nach einer Trennung traumatisieren wir die Kinder. Die Kinder werden beziehungsgestört, die Kinder werden krank. Das können wir denen nicht zumuten. Und ich finde es nicht klug, weil die Kinder lernen ja an den Eltern, wie Beziehung funktioniert. Und sie spüren ja auch, wenn sie schon sehr klein sind und jung sind, aber Ältere natürlich erst recht, dass da was nicht stimmt. Und die Energie, die ist im Raum. Und die kriegen mit oder sie lernen von ihren Eltern dann angenommen, es ist überhaupt keine liebevolle, kein liebevoller Blick, keine Umarmung mehr, nichts. Ah, okay, so funktioniert Beziehung. Oder die Eltern gucken sich fast nicht mehr an oder schreien sich sogar an. Das sind dann so die Kinder, die bei Trennung dann Manche Kinder sagen ja auch zu ihren Mein Gott, trennt euch jetzt. Also da bin ich selber immer ganz schockiert. Aber ich glaube, Kinder sozusagen zusammen, wenn man feststellt, dass die Beziehung keine Grundlage mehr hat, dann ist die Trennung die bessere Option. Und der entscheidende Faktor, ob die Kinder nachher Schäden davontragen oder nicht, ist, wie die Eltern damit umgehen und wie die ihre eigenen Wunden lecken und ihre Verletzungen heilen. Das ist der entscheidende Faktor. Nicht, ob sie zusammenbleiben. Kinder brauchen immer beide Eltern, das ist ganz klar, Aber es hängt von den Eltern ab, wie es läuft.

Brigitte Huber 32:16
Dann gehen wir doch da mal rein in die Trennung. Ich bin mir jetzt sicher, ich möchte gehen. Du empfiehlst vor der Trennung das Gespräch mit dem Partner zu suchen. Wie soll ich mir das vorstellen.

Dorothea Behrmann 32:29
Ja, dieses Gespräch, das bereite ich teilweise meinen Klientinnen auch im Coaching vor, weil das ist für viele so eine absolute Horrorvorstellung. Man weiß auch nicht, wie der andere oder die andere reagiert. Also weiß man einfach nicht. Und ich würde mir vorher ein paar Notizen machen und mir ein paar Sachen zurechtlegen. Aber letzten Endes ist das Wichtige die klare Aussprache, dass jetzt, dass ich mich trennen möchte und keine Halbsätze von wegen Beziehungspause und wir lassen es mal einen Moment ruhen. Das hilft der anderen Person nicht, sondern ich muss das aussprechen, dass ich mich trennen möchte. Dann ist je nachdem, wie überraschend das kommt. Bei der anderen Person geht erst mal wie so ein Rollo runter und es gibt alle möglichen Reaktionen darauf. Aber zu Ich möchte mich trennen. Ich würde auch vorschlagen, dass man sich vorher Gedanken macht, ob man vielleicht auszieht, ob man sich eine kleine Wohnung gemietet Und übrigens, ich denke, es ist besser, ich ziehe aus. Ich habe da auch schon was in Aussicht. Und wenn es gemeinsame Kinder gibt zu Und ich möchte unbedingt, dass wir beide das gut hinkriegen. Ich bin für dich da und ich bin für die Kinder da. Und das sind so die Sätze, wo ich denke, das sind die Basics. Also viele machen dann so einen riesen Speech. Die Dankbarkeit, von der du meinst, das ist wie beim beim Bachelor, wenn der eine rausschmeißt, also wie toll die ist, super sie aussieht. Ja, und Heidi auch. Genau, das kann man sich sparen, weil in dem Moment ist es, wie gesagt, es kommt natürlich auch darauf an, wie vorbereitet ist die andere Person auf die Trennung. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, selbst wenn sie vorbereitet ist, ist der Moment, wo jemand einem sagt, ich trenne mich von dir immer in Schock. Also insofern mach es kurz und alles andere kann man später besprechen, weil dann kommt ja meistens noch das Gespräch mit den Kindern.

Brigitte Huber 34:27
Absolut.

Stephan Seiler 34:27
Oder mehrere weitere Gespräche habe ich auch erlebt, dass es gar nicht bei einem Gespräch bleibt, sondern nachdem der Schock einmal da ist, muss man das noch mal irgendwie nachverhandeln.

Dorothea Behrmann 34:38
Ja, viele machen das, aber zu viel die reden. Genau. Wolltest du vielleicht gerade fragen? Ja, Entschuldigung.

Stephan Seiler 34:44
Das ist auch mal eine Frage. Was sind die größten Fehler, die man beim Schlussmachen vermeiden sollte? Also zu viel reden ist das dann der Hauptfehler?

Dorothea Behrmann 34:51
Zu viel reden. Also natürlich Schluss machen. Irgendwie per WhatsApp oder irgendwie so über Social Media. Wir haben ja nun mal diese digitalen Zeiten. Gut, ich schätze mal, dass Paare, die lange zusammen sind, das habe ich noch nie erlebt, oder die eine bedeutungsvolle Beziehung hatten. Aber leider gibt es ja sowas wie Ghosting auch und so weiter. Also auf jeden Fall einen persönlichen Sprint nicht melden. Genau, das ist ganz, ganz schlimm. Und wenn dann die Trennung ausgesprochen ist, dann, das ist vielleicht das Härteste für den Partner, die Partnerin, aber dann ist der Auszug tatsächlich das Beste, wenn man vorher zusammengelebt hat. Weil ab dem Zeitpunkt hat die Person, die andere die Möglichkeit, das Ganze zu verarbeiten und auch als Realität anzusehen. Weil wir kommen dann ja auch in diese Trauerphasen, wo wir Dinge dann verleugnen und sagen, das kann nicht sein, das kann er nicht gemeint haben. Und auch wenn es vorhersehbar war, Trennungen werfen uns in eine existenzielle Krise. Und dann gibt es eben auch so eine Entzugssymptomatik, die viele auch unterschätzen, wenn man sozusagen abgelehnt wird, wenn der Partner sich abwendet, dann hat man plötzlich so Sehnsucht und Liebesgefühle und das ist ganz furchtbar. Das kann man sich überhaupt nicht logisch erklären. Und insofern ist es besser, wenn es irgendwie geht, möglichst schnell die räumliche Trennung zu vollziehen und dann nicht anzufangen. Das machen viele auch falsch, dass sie dann anfangen, ihre Beziehung miteinander noch mal aufzurollen und aufzuarbeiten. Und du und damals und das und wenn du das nicht und das reißt immer nur alte Wunden auf. Diese Arbeit kann man immer noch machen. Aber ich glaube, diesen emotionalen Ausnahmezustand, die diese Trennung auslöst, den unterschätzen wir oft. Also insofern damit lieber noch warten.

Brigitte Huber 36:41
Also das heißt, in dem Moment, wo mir klar ist, ich möchte mich trennen, suche ich einen guten Moment, wo ich es dem anderen sage.

Dorothea Behrmann 36:49
Den gibt es aber nicht. Brigitte, frag mich nicht, welchen Moment, weil der gute Moment gibt es nicht.

Brigitte Huber 36:56
Es kann ja auch sein, dass dann doch wieder irgendetwas passiert, was mich so geärgert hat, dass ich in dem Moment die Reißleine ziehe und dann habe ich noch keine neue Wohnung gemietet. Aber für mich persönlich ist klar, jetzt will ich nicht mehr und der andere kapiert es noch gar nicht, weil er denkt, das war jetzt wieder so ein Streit und Gepackte Kofferinnere und tatsächliche kennen wir ja alle. Und für mich ist aber klar. Genau. Und dann kann ich ja mich nicht mehr vorbereiten mit der Wohnung, sondern dann muss ich quasi nachholen.

Dorothea Behrmann 37:26
Ja, da kann man sich erst mal innerhalb der Wohnung trennen. Aber ich erlebe auch viele Eltern, die dann in der Wohnung oder im gemeinsamen Haus, weil es eben ein gemeinsames Thema zu Hause ist, für die Kinder, die das auf Gedeih und Verderb erhalten wollen und die das auch eine Zeit lang versuchen in Form von Eltern WG. Meine Erfahrung ist, das geht nicht lange gut, weil irgendjemand verliebt sich neu oder da gibt es dann doch einen, der gekränkter ist als der andere.

Brigitte Huber 37:53
Es ist eine sehr belastende Situation. Also nach außen wirkt es so, als wäre alles wie immer, aber man kommt nach Hause und nichts ist eigentlich wie immer, weil bei allen ein anderer Film abläuft. Also ich kenne das vor allen Dingen.

Dorothea Behrmann 38:07
Wenn eine Person die Trennung wollte und die andere nicht. Das ist ja die Realität, die mir meistens begegnet. Also wo ich denke, das ist auch die Realität. Also die Paare, die sich abends beim Candlelight Dinner, beim Glas Rotwein tief in die Augen schauen und Schatz, ich glaube, die Trennung wäre jetzt ein guter Moment. Ach ja, du hast recht, stimmt. Wie machen wir denn das? Ja, kein Problem. Ja, natürlich. Also das ist Illusion. Das wäre ja schön. Aber die Realität ist meistens, eine Person will gehen und die andere hält fest, ob die Beziehung gut ist oder wahr oder das sei dahingestellt. Aber Und dann in einem Haus zu leben und die Person, die man noch liebt, wo man auf Entzug ist, weil die sich getrennt hat, jeden Tag zu sehen, zu riechen, das ist die H****. Das ist wirklich die H****. Insofern, wenn das gerade nicht geht, auszuziehen, kommen natürlich immer die Finanzen ins Spiel. Also das ist immer so ein Thema. Da kann man vielleicht erst mal zu einer Freundin gehen. Genau, dann geht man vielleicht zu einem Freund oder einer Freundin, nimmt sich erstmal ein Zimmer, irgendwas Möbliertes und es muss nicht gleich die perfekte Lösung da sein. Das sage ich meinen Leuten auch immer. Aber dieses Zusammen noch eigentlich ist man getrennt und man ist dann noch zusammen in diesem Haus. Das ist für viele, auch für Kinder, wenn die noch im Haus sind, auch für Teenager, das erlebe ich auch oft. Das ist für die total überfordernd. Die wissen gar nicht, was los ist. Also die können das gar nicht einordnen und die gucken die ganze Zeit, wem geht es eigentlich schlechter? Mama, Papa, fangen an sich zu solidarisieren. Das ist schon echt kompliziert.

Stephan Seiler 39:50
Was rätst du mir denn, wenn mit mir Schluss gemacht wird? Stichwort Droge, Entzugserscheinung. Wie komme ich am besten aus diesem Cold Turkey oder wie man es dann nennen will, raus?

Dorothea Behrmann 40:02
No Contact mindestens 30 Tage no Contact. Also das ist auf jeden Fall etwas, was man herausgefunden hat, dass diese, die Distanz, und zwar, also wenn ihr jetzt, wenn du jetzt keine Kinder hast und dich nicht ständig austauschen muss mit deinem Partner, Partnerin über wer holt wen wann ab, dann ist das wirklich, das ist das Härteste, aber das Heilsamste, weil eine Trennung braucht Zeit. Also es ist immer ein Trauerprozess und ein Abschiedsprozess, aber wie lange der dauert, da haben wir, glaube ich, schon ganz schön viel Einfluss. Und wenn du es schaffst, dich vor allen Dingen von Social Media und sonstigen Dingen. Fernzuhalten, was macht er jetzt? Mit wem ist er zusammen? Ach guck mal, der guckt total traurig vielleicht, vielleicht möchte sie doch wieder zurück oder es gibt jemand Neues. Das ist ja der absolute super gau. 30 tage mindestens und so wenig Kontakt wie möglich, weil das gibt dein Nervensystem muss ja erstmal lernen, dass die andere Person nicht mehr da ist. Das ist ja alles total gewohnt ritualisiert im guten, also für den Körper im guten Sinne. Und plötzlich ist man alleine und es ist irgendwie wie als hätte einem jemand einen Arm abgeschnitten und man ist völlig auf sich gestellt. Da ist Distanz schon, aber es ist eben nicht immer möglich.

Brigitte Huber 41:26
Das ist das Problem, vor allem mit den Kindern. Das ist ja dann noch eine nicht lebenslange, aber sehr, sehr lange Aufgabe, unter anderem ein getrenntes Paar zu sein und trotzdem gute Eltern zu bleiben und wie man das anstellt. Aber für den Anfang wäre es einfach wichtig, dass man das mit ihnen, dass man es ihnen kommuniziert. Wenn sie kleiner sind, natürlich anders. Genau, möglichst beide. Also das ist auch noch mal ein guter Punkt.

Dorothea Behrmann 41:50
Beide und nicht so deine Mama ist gegangen, weil die hat einen neuen Freund und Papa will uns nicht mehr, sondern möglichst den Kindern versuchen, das neutral zu sagen. Und wenn es eben schon eine neue Freundin gibt oder neuen Freund, was bei vielen ja der Fall ist, so ist das Leben einfach, dann sagt man das idealerweise, dann müssen die den nicht gleich kennenlernen. Aber ich bin immer dafür, wirklich die Karten auf den Tisch zu legen, weil gerade wenn die älter sind, dann können die was damit anfangen. Papa hat sich verliebt. Also das müsste er denen selber sagen, nicht die Mutter. Also wie gesagt, wir kommen da, also könnten wir lange drüber sprechen. Aber ich sag mal, dieses Gemeinsame, dass man denen Wir sind trotzdem eure Eltern, wir sind beide für euch da und das nicht nur sagen, sondern es auch machen. Und ja, dann lassen wir das mal so stehen an der Stelle, weil du.

Brigitte Huber 42:47
Das auch gerade so sagst. Ich hätte ja noch an der Beziehung festgehalten, aber Mama wollte nicht mehr oder umgekehrt. Da sind wir sehr schnell dann in einer so Täter Opfer Situation.

Dorothea Behrmann 42:57
Genau.

Brigitte Huber 42:57
Wird die immer dem zugeschrieben? Also das Opfer ist immer die oder der, der verlassen wird. Ja, oder Und die Täterin und der Täter ist der, der gegangen ist.

Dorothea Behrmann 43:07
Wobei die Person die Beziehung beendet sich oft als Täter, als Opfer fühlt auch. Also es gibt auch die Menschen.

Brigitte Huber 43:15
Also du bist da beides, Täter und Opfer in einer Person.

Dorothea Behrmann 43:18
Genau. Wobei klassischerweise ist es so wie du Ich verlasse die Beziehung. Wobei verlassen finde ich auch immer schon schwierig. Das ganze Trennungsvokabular ist ja sehr stark polarisierend auf Ich bin der böse Täter und ich verlasse die Beziehung und ich bin das arme Opfer, weil ich wurde verlassen. Da gibt es ja ganz andere Geschichten, die dahinter stecken. Aber letzten Endes wird es ja sprachlich so veranlagt und ich finde das total problematisch und deswegen arbeite ich ja auch mit Menschen, dass ich dieses Opfer sein oder dieses Tätergefühl versuche abzulegen peu à peu, damit ich mich wieder in meiner Kraft befinde. Und ja, ich habe es entschieden, auch wenn ich nur sage, es ging mir nicht mehr gut in der Beziehung. Das ist doch auch ein Grund.

Brigitte Huber 44:08
Ja, also das ist eben ganz wichtig, dass ich mich selber aus dieser Opferrolle wieder raushole und auch aus der, ich sag mal, Opferrolle eine Täterin zu sein, weil das kann ja auch durchaus sein. Ich fühle mich verantwortlich, dass ich nicht mehr mit denen zusammen alle Urlaube mache, Weihnachten und so weiter. So ein bisschen auch dieses Zielbild heile Familie gesprengt habe. Also du rätst ganz stark dazu, dass man das wirklich aktiv angreift und aus diesen Rollen raustritt. Wie mache ich das?

Dorothea Behrmann 44:40
Ja, das ist erstmal, ich glaube, das ist erstmal menschlich. Ja, also auf jeden Fall dieses bewusste sich mit Trennung auseinandersetzen. Also viele denken ja nur, man darf trauern und sich so schlimm fühlen wenn jemand verstorben ist. Aber wenn sich jemand trennt, dann hat man ja auch das Thema mit der Kränkung. Also ich glaube, es ist sehr menschlich, sich als Opfer oder auch als Täter zu fühlen und dem erstmal auch Raum zu geben, sich Mitgefühl dafür zu geben, eine Zeit lang. Also wirklich zu Ich weiß, das ist jetzt wirklich schwer und ich habe es nicht gewollt. Also wenn mein Partner gegangen ist, sich da liebevolle Zuwendung zu geben und nicht gleich zu jetzt, jetzt mal. Das ist dann der nächste Schritt. Also man braucht erst mal so eine emotionale Stabilität und dann kann man so jetzt reicht's, Weil dieses Narrativ, die Geschichte, die man sich selbst erzählt, ich wurde verlassen, die erzählt man ja auch Freunden, Familienangehörigen, Kollegen, die können das dann irgendwann nicht mehr hören und man fühlt sich dann auch so schwach, hilflos, verzweifelt. Es ist ja alles in Ordnung. Aber dann nachher zu sagen, naja, also wenn ich ganz genau, wenn ich ehrlich bin, ging das wirklich schon länger, dass es uns beiden, dass wir einfach auf keinen grünen Zweig mehr gekommen sind oder dass wir uns immer wieder Wir konnten überhaupt nicht miteinander sprechen. Diese Perspektive von diesem Opfer sein oder Täter sein Weg, weil das sind beides falsche Optionen, die Dinge zu sehen, weil niemand ist nur Opfer. Also es gibt natürlich Fälle von Gewalt, von denen sprechen wir jetzt nicht, wo es ganz klar ist, da gibt es einen Tee, sondern in der Regel ist es das Paar, was verantwortlich ist für das, was miteinander passiert ist.

Stephan Seiler 46:25
Die Frage nach dem Warum hat mich früher nach Trennung ganz massiv gequält, Egal, ob ich getrennt habe oder getrennt wurde. Muss ich denn alle Gründe verstehen, um Frieden zu finden oder sollte ich das Grübeln irgendwann loslassen und einstellen?

Dorothea Behrmann 46:41
Ja, also das ist total wichtig, was du ansprichst. Ich glaube, dieses Warum, dass wir immer so Wir wollen das alles oder unser Gehirn will einen Sinn haben, der will das verstehen. Und ich glaube, das ist so ein Mechanismus, dass man immer wieder so darüber nachgrübelt, der auch dafür sorgt, dass man die andere Person nicht loslässt, weil man überlegt immer wieder und man diskutiert auch mit sich, ob man vielleicht an der einen oder Stelle, an der anderen Stelle anders hätte reagieren können. Aber das letzten Endes braucht es eine Erklärung, die kannst du dir auch selber geben. Letzten Endes, wenn der Partner dir keine sagt, oft tun sie es ja nicht. Also die sagen irgendwas, ja, ich habe mich irgendwie entfernt, aber irgendwie kann man damit auch nicht so wirklich was anfangen. Dann sage ich such dir ja, bye, ciao, such dir eine Erklärung, die für dich stimmig erscheint und bleib dabei. Und man kann nicht alles erklären, weil wir sind ja Menschen, wir sind ja völlig mysteriöse Wesen, die auch ständig irgendwelchen Wandel und Entwicklungen, altersmäßig, hormonell, was auch immer wieder. Wir wissen es manchmal auch wirklich nicht. Und ich glaube, die andere Person weiß es vielleicht, wenn man selber mal Schluss gemacht hat, okay, dann kennt man das ja, ich weiß auch nicht so genau, aber irgendwie stimmt das nicht mehr. Und wenn man sich dann eine Erklärung hinlegt und okay, das ist das, was bei uns passiert ist möglich aus dieser bei uns wir, weil das ist wieder so ein bisschen dieses Vermeiden von Täter Opfer, weil er hat mich verlassen, weil er hat das und das gemacht oder sie hat mich betrogen. Und das ist ja dann in der Regel auch nicht der Grund. Der Trennungsgrund.

Stephan Seiler 48:30
Ein Psychologe hat mal Frauen verarbeiten die Beziehung während der Beziehung Männer danach. Stimmt das so pauschal?

Dorothea Behrmann 48:41
Ich muss da jetzt erst mal drüber nachdenken. Also ich glaube, die Verarbeitung meinst du damit. Was ist denn damit gemeint? Verarbeiten?

Brigitte Huber 48:48
Also er meinte, also es war in einem Brigitte Dossier, da haben wir das, dass in Wahrheit tatsächlich es in der Regel die Frauen sind, die schon sehr viele Anläufe gemacht haben, Also klischeehaft, es gibt andere, aber die dann gesagt Lass uns eine Therapie machen, lass uns das ändern, lass uns da noch mal drüber reden und dass du dann irgendwo dann auch am Ende deines Lateins bist. Und der Mann hat aber sämtliche Warnschüsse überhört. Dieser Satz, der ist auch ungefähr schon 15 Jahre her. Ich kann mich noch gut daran erinnern, weil ich das da dann im Dossier auch gelesen habe. Und ich glaube, tatsächlich haben wir es jetzt schon wieder ein bisschen vielleicht mit anderen Männern zu tun, Aber ich konnte das da gut nachvollziehen, dass ich oft mitgekriegt habe, auch so im Freundeskreis, dass Frauen wirklich viel an der Beziehung arbeiten und die Männer sagen komm, jetzt gibt es nichts Wichtigeres, als ich sage jetzt mal deine Befindlichkeiten oder was auch immer. Und dass dann aber tatsächlich die Entscheidung auch gereift ist und gar nicht mehr so viele Tränen fließen.

Dorothea Behrmann 49:54
Bei der Frau, bei der Frau, die.

Brigitte Huber 49:55
Dann gehen und der Mann aber irgendwie komplett konsterniert vor der Kiste steht und so weiter. Daher kam dieser Satz Ah, okay, jetzt.

Dorothea Behrmann 50:04
Habe ich das verstanden und das erlebe ich auch so. Das sind eher die Frauen, die dann Komm, lass uns zur Therapie, lass uns an uns arbeiten Und die Männer, ne? Wieso? Das brauchen wir. Dieses ganze Thema Therapie machen, ist zumindest diese Generation, über die wir sprechen, immer noch weird. Das klingt immer noch ein bisschen gestört und ein bisschen krank. Also wir was habe ich neulich von einem Mann gehört? So schlimm ist es mit uns, dass wir zur Paartherapie gehen müssen. Und heute sagt die Generation vielleicht ja, das ist was Normales. Und dann, wenn die Frau okay, jetzt Schluss. Dann sagt der okay, wir gehen zur Paartherapie, wir fliegen auf die Malediven, wir fliegen nach Paris, du kriegst einen Shopping Gutschein. Das ist dann dieses Klammern und dann plötzlich noch Stimmt, ich glaube, also ich habe das neulich auch von einem Mann jetzt mal ernsthaft gesprochen, wirklich gehört so der hat gesagt, ich habe die ganzen Warnschüsse, die meine Frau also wirklich Schüsse, man hat es gehört die ganze Zeit, Ich habe mir so die Ohren zugehalten, ich wollte es nicht hören, ich wusste auch nicht, wie ich damit umgehen sollte. Also es war dann irgendwann zu spät. Aber der Satz hat sicher seine Berechtigung immer noch.

Brigitte Huber 51:15
Absolut. Gehen wir noch mal zurück in die Trennung. Es ist jetzt ein paar Monate oder sowas, vielleicht sind schon vergangen. Was sind denn Alarmsignale? Würdest du sagen, dass ich nicht auf dem richtigen Weg bin, um das emotional irgendwie in den Griff zu kriegen und abzuschließen? Oder ist es noch zu früh nach ein paar Monaten?

Dorothea Behrmann 51:35
Ja, also jeder, wie lange so was dauert, ist halt sehr individuell verschieden. Also wenn jetzt eine Beziehung 20 Jahre gedauert hat, dann kann ich nicht erwarten. Und ich habe vor allem wie ist das Szenario? Also haben wir uns schon lange gestritten? War Trennung im Raum oder habe ich mit gar nichts gerechnet? Und plötzlich kommt die Trennung? Und die dritte schlimmste Stufe, wo ich immer Verkehrsunfall mit Toten und Verletzten ist, ich verlasse dich und ich habe jemand Neues. Ja, also das sind alles Emotionale, da muss man noch mal Unterschiede machen. Aber ich glaube so, wenn ich versuche, diese Emotionen, also Ich muss einfach kennen, dass es eben ein Trauerprozess ist und ein Abschied. Und wenn ich versuche, das zu umgehen, indem ich das einfach zur Seite schiebe und sage, oder ich mache extreme Sachen, erlebe ich auch oft, also Frauen, die vielleicht dann nichts mehr essen oder zu viel essen oder Extremsport oder sich in die Arbeit. Wenn ich immer versuche, die Trauer und den Schmerz wegzuschieben, dann bin ich nicht auf dem richtigen Weg. Wenn ich immer wieder, und das hatte vorhin Stephan auch gesagt, ich immer wieder grübeln Was ist passiert? Wer hat wem was angetan? Wie konnte er mich verlassen? Oder wenn ich mich, also Trennungen machen ja immer was mit dem Selbstwert. Ich glaube, der reflektierteste Mensch, egal. Also das ist immer eine Beleidigung für den Selbstwert. Und man fühlt sich irgendwie denkt, oh ne, ich bin wohl dann doch nicht gut genug, nicht hübsch genug, nicht schlank genug, nicht sonst intellektuell genug. Wenn ich mir selber, wenn ich mich nicht mehr brappe, wenn ich merke, ich bin da so in diesem, mein Selbstbewusstsein, das kauert immer noch so in der Ecke nach ein paar Monaten und ich merke, ich kann auch über nichts anderes mehr sprechen, dann sollte ich mir Hilfe holen. Oder wenn ich tatsächlich nicht mehr schlafen kann, nicht mehr essen kann, das kann alles passieren, wenn ich mich nicht mehr konzentrieren kann. Man weiß, dieser Liebeskummer, der wirkt sich auch. Es werden Chefs von Arbeitgebern. Ich finde, man müsste für Liebeskummer viel mehr Krankheitstage auch oder Möglichkeiten zur Verfügung stellen. Also wenn ich einfach merke, ich bin irgendwie nicht mehr ich selbst, ich komme nicht mehr auf die Füße, ich habe an nichts mehr Spaß, wenn ich mich mit Freunden treffe. Wir reden immer nur über das Thema. Das sind dann so Momente, wo ich denke, Hilfe holen. Und das ist ja auch etwas, was es gibt und was man sich in so einer Situation ja auch mal gönnen kann, dass man sich jemanden zur Seite holt.

Stephan Seiler 54:09
Ich habe mal von einer Regel gehört, dass eine normale innere Trennung, Loslösung von der Partner vom Partner ungefähr halb so lange dauert, wie die eigentliche Beziehung gedauert hat, halb so lange wie die eigentliche Beziehung. Das höre ich immer wieder. Dann habe ich jetzt aber auch Studien gefunden, Langzeitstudien, nach denen etwa zwei bis vier Jahre nach einer Trennung, nach einer Jahre zehntelangen Ehe dann doch die meisten sich mit der neuen Lebenssituation angefreundet haben. Was stimmt denn jetzt? Mit wie viel Leidenszeit muss ich realistisch rechnen?

Dorothea Behrmann 54:40
Profit. Also ich kann es tatsächlich auch so aus meiner Erfahrung gar nicht so festmachen. Ich glaube, dass viele Menschen unterschätzen, was Trennung mit ihnen macht. Also Trennung ist Verarbeitung als aktiven Prozess. Also wenn du dir ein beIN gebrochen hast, sagst du auch nicht, naja, es wächst schon wieder irgendwie zusammen, gehst ja auch zum Arzt und lässt dir Physio und machst eine OP. Und wenn das Herz gebrochen ist, dann braucht es Tools und es braucht Unterstützung. Und es braucht, man kann eben vieles falsch machen, wie vorhin dieses den Partner immer wieder stalken und gucken, was er oder sie macht. Und ich glaube, dass es irgendwie jeder Mensch für sich selber, also das ist auch typbedingt ist natürlich auch, welche Erfahrungen habe ich schon mit Trennung und Abschieden gemacht? Also von einem halben Jahr bis einem Jahr, das ist so das, was ich so erfahre, sind die meisten wieder so, dass sie ach ja, jetzt die Trennungs Jogginghose, die ziehe ich mir jetzt mal wieder aus. Ich glaube, ich ziehe jetzt mal mein Kleid wieder an, lege den Lippenstift aus, gehe mal wieder raus. Also ich würde aber nie Ach was, du bist nach zwei Jahren noch nicht drüber hinweg. Also wenn man nach drei Monaten nicht vom Bett wieder aufgestanden ist, dann hat man wirklich, dann braucht es Hilfe. Und man kennt ja auch dieses Broken Heart Syndrom und die verlängerte Trauer. Das sind Dinge, die passieren können, aber dann braucht es Hilfe, therapeutische Hilfe, ärztliche Hilfe, medikamentöse Hilfe. Aber ich glaube, man kann eben viel Alkohol trinken, hilft auch manchmal. Das hatte mir Lisa so nett erzählt von einem Freund, der sich einschloss, mit drei Flaschen Wein über. Nacht und am nächsten Tag geheilt war. Also Alkohol hilft vielleicht für den Moment. Aber letzten Endes, also was man nicht machen kann, das erlebe ich auch manchmal bei Klienten, die machen alles, alles, was in meinem Buch steht, jede Übung, haben jede Studie gelesen, machen alles richtig und sind immer noch traurig. Sag ich ja, es ist ein Prozess und der dauert seine Zeit. Ich glaube nur, wie lange es dauert, kann man ein Stück weit selber auch beeinflussen. Und ich glaube, diese Entscheidung, jemand gehen zu lassen, ist auch wirklich eine der größten Lebensleistungen die wir machen können.

Brigitte Huber 57:04
Ja, was da wirklich hilft, sind ja Freundinnen und Freunde. Jetzt ist es ja so, dass sich der Freundeskreis auch manchmal dadurch neu sortiert. Was hast du da für Erfahrungen? Und wie gelingt denn da jetzt entweder ein Neuanfang auch mit denen oder muss ich mich entscheiden zwischen unterschiedlichen Freundinnen und Freunden?

Dorothea Behrmann 57:25
Ja, was blöd ist immer, wenn die Freunde dann plötzlich die verlassene Person ausgrenzt und dann tatsächlich sich entscheidet für einen oder anderen. Idealerweise machen das die Trennenden so, dass sie ihren Freunden genauso wie den Kindern Hey, ihr müsst euch nicht entscheiden zwischen einem von uns. Wir sind jetzt gerade, wir haben jetzt keinen B*** zusammen auf Party zu gehen, aber ihr müsst jetzt nicht entweder zu ihr oder zu er. Die Realität ist allerdings anders. Da nimmt man die Freundin oder den Freund. Also ich glaube, man braucht auch den oder die Freundin, der man wirklich die ganzen Taschentücher voll weint und sich beschwert und sich eben als Opfer fühlt. Dazu sind Freunde ja auch da. Aber der Freundeskreis, der sortiert sich in der Regel nach einer Weile neu. Dann gibt es der neue Partner und das ruckelt sich dann so wieder zurecht. Also wenn das Paar einigermaßen weise und reif mit dieser Trennung auch umgeht. Aber Freunde machen eigentlich das, dass sie sich solidarisieren, Du Arme. Und ich habe dir ja eh schon gesagt, das passt nicht mit dem oder mit der.

Brigitte Huber 58:26
Ja, in Wahrheit hat man ja häufig schon seine Freundinnen oder von früher, die begleiten ihn dann und klar kommt der Partner irgendwo dazu, aber es gibt eine stärkere Nähe in der Regel zu einer Person und meistens kristallisiert sich das später dann auch wieder so aus. Also so waren meine Erfahrungen und ja, also es war dann auch gar nicht so schwer jetzt wir gehen noch mal ein Stück weiter nach vorne, lasst uns Freunde bleiben. Ist ja ein sehr, sehr schöner Anspruch. Es ist, glaube ich, aber für die allermeisten am Anfang sehr viel zu früh. Wann glaubst du, ist man so weit, dass man mit dem Ex Partner, der Ex Partnerin auch befreundet sein kann? Oder vielleicht magst du mal von deinen Erfahrungen erzählen.

Dorothea Behrmann 59:10
Also viele wollen das viel zu früh. Ich halte da gar nichts von. Und ich glaube, das ist oft auch eine Ausrede, sich nicht richtig lösen zu müssen. Also wir sind ja Freunde. Kann aber auch heiß Naja, vielleicht sind wir ja Freunde plus oder vielleicht entsteht ja wieder was Oder man möchte die Person nicht loslassen, also bleibt man befreundet. Und ich glaube, dass man erst die innere Arbeit machen muss, sich zu lösen. Also selbst wenn es nur einer ist, der besonders leidet. Und ich glaube, so eine Freundschaft kann dann gelingen, wenn man sich wirklich, also Freundschaft muss ja auch verdient werden. Also man muss sich irgendwie noch mögen und man müsste vielleicht, also idealerweise, wenn man Kinder hat, also so ist es bei mir tatsächlich in meiner Patchwork Familie jetzt, wir mögen uns, wir sind zusammen, wir feiern Feste zusammen, das hat gedauert. Also wann ist ein richtiger Zeitpunkt? Das Finanzielle muss gelöst sein, alles aus dem Gröbsten raus. Idealerweise haben beide neue Partner oder eben keinen neuen Partner, aber trotzdem happy in life. So und dann geht es. Also wenn es da noch eine Basis gibt, befreundet sein zu wollen, also für die Kinder ist das mega. Also mein Stiefsohn sagte neulich zu mir, ihr seid jetzt auch echt schrullig geworden, weil wir treffen uns auch ohne die Kinder.

Brigitte Huber 60:30
Also.

Dorothea Behrmann 60:33
Aber eigentlich freuen die sich. Und das sind zum Beispiel so Sachen, die Trennungskinder, da kann man denen echt richtig viele, also selbst wenn sie dann, wie jetzt meine angeheirateten Mitte dreiig sind, echt einen riesen Gefallen tun. Aber es ist keine Bedingung für eine gute Trennung und bloß nicht zu früh, weil wenn die Emotionen noch, wenn es noch Liebe gibt, das ist ja bei vielen so, obwohl sie sich trennen, gibt es noch irgendwo so eine Liebe, die ist nicht plötzlich weg und dann sich dauernd sehen und das macht wieder diesen Entzugsprozess, den zerstört es wieder. Also ich würde damit ruhig warten, bis alles geregelt ist und das Herz wieder geheilt ist.

Brigitte Huber 61:14
Zumal du sprichst es ja ein bisschen an, auch das Thema Patchwork, wir wissen alle Patchwork, wenn die Kinder noch klein oder gar im Teenageralter sind, also da kann ich sagen, das finde ich schon eine extreme Belastungsprobe. Und dass diese Sachen dann, aber wenn die Kinder dann älter sind und mit den neuen Partnern und Partnerinnen gut klarkommen, das finde ich dann, das ist so richtig, wo du dankbar sein kannst, wie im Quadrat. Also insofern, aber auch das, auch das sind drei bis vier Einzelfolgen, drei bis vier Folgen.

Dorothea Behrmann 61:47
Ich kann nur selber vielleicht sagen, dass es also meine eigenen Wunden als Scheidung sehr schlecht getrennten Eltern wirklich gut noch mal nachheilt, das jetzt zu leben. Und nicht, weil ich jetzt Trennungscoach bin oder irgendwas, sondern weil es sich einfach richtig anfühlt.

Stephan Seiler 62:04
Wie siehst du denn das im Prinzip Sex mit dem Ex oder mit der Ex? Was ist gut daran? Und wann kann das vielleicht doch Sinn ergeben unter dem Aspekt, vielleicht hat das ja immer super geklappt, auch wenn die Partnerschaft nicht funktioniert hat. Why not?

Dorothea Behrmann 62:19
Why not? Ja, wenn die Verletzungen und die Kränkungen, die aus der Trennung entstanden sind, die es ja unweigerlich immer gibt, wenn die geheilt sind, warum nicht? Also die Gefahr, rückfällig zu werden, ist ja doch beim Sex relativ groß, vor allen Dingen, wenn der gut ist. Aber wenn beide das gut überwunden haben und dann Spaß daran haben und nicht wieder, wie gesagt, der eine wieder Kummer hat, Liebeskummer. Why not? Habe ich noch nicht erlebt. Allerdings.

Brigitte Huber 62:49
DOROTHEA wir haben in unserem Podcast auch immer zwei Rubriken, da könnten wir jetzt mal ein Auge drauf werfen. Meine Premiere, Deine Premiere, finde ich, passt ja auch zum Thema Neuanfang und Loslassen. Wir haben immer ein Thema, das heißt deine letzte Premiere oder deine nächste Premiere. Also ein erstes Mal, das ich mir ins Leben hole, was ich vorher nicht gemacht habe. Grundlage des Ganzen. Je älter wir werden, in aller Regel haben wir nicht mehr so viele Premieren wie am Anfang unseres Lebens oder dann eher schwierigere, wie ich sage jetzt mal erste Scheidung oder sonst irgendwas. Und wir möchten schon immer wieder anregen Mensch Leute, holt euch doch auch irgendwie spannende, intelligente, witzige, kleine und große Premieren ins Leben, wenn du darüber nachdenkst. Was war denn deine letzte Premiere? Oder planst du gerade was für dieses jahr? Jetzt Anfang 2026?

Dorothea Behrmann 63:48
Muss ich mal überlegen. Also mir fällt jetzt meine letzte Premiere ein von Ende letzten Jahres. Da bin ich alleine in ein Wochenende gefahren mit lauter Frauen, 47 plus. Das war also ein Frauennetzwerk. Und wir haben da zusammen in einem Seminarhaus ein Wochenende verbracht, wo wir uns auch gegenseitig bekocht haben, wo ich zum Beispiel total schlecht bin. Also da habe ich schon oh Gott, wenn ich kochen muss, dann schmeißen die mich gleich raus. Ich wusste überhaupt nicht, was da auf mich zukommt, weil ich kannte die Frauen alle nicht. Und das war eine Premiere, das mal zu machen.

Brigitte Huber 64:25
JULIA ROTHERBL Und fandst du es gut?

Dorothea Behrmann 64:28
Ich fand es super. Ich würde es wieder tun. Also gerade dieser Zusammenhalt, auch unter Frauen und das war eine ganz tolle Erfahrung.

Stephan Seiler 64:35
Hast du noch irgendwas, was du dir vornimmst für das neue Jahr?

Dorothea Behrmann 64:38
Ja, das ist auch eine Premiere. Wenn ich so überlege, ich habe mich tatsächlich getraut, mich anzumelden für einen Gestalttherapie Kongress als Speakerin. Und ich halte da einen Vortrag, einen richtigen Vortrag, also eine Stunde lang, Nicht nur so 10 Minuten oder so. Und da kommen alle, die mich ausgebildet haben oder viele, die mich ausgebildet haben vor 20, also meine großen Meister. Und ich darf da eine Stunde reden und ich habe mich getraut. Ich hoffe, das klappt.

Brigitte Huber 65:08
Aber ganz bestimmt.

Stephan Seiler 65:10
Viel Erfolg dabei.

Dorothea Behrmann 65:11
Vielen, vielen Dank. Lass mich mal verschreiben.

Stephan Seiler 65:17
Jetzt kommen wir zur nächsten Rubrik. Damit haben wir es auch in Sachen Rubriken. Entweder oder, Entweder oder. Dorothea, wir möchten jetzt gerne Begriffspaare und zwei Zitate vorstellen. Du kannst dich mal entscheiden. Musste ich nicht auch groß erklären dazu ohne Begründung einfach nur sagen, hopp oder top. Bist du bereit? Ja, Ehevertrag, ja oder nein?

Dorothea Behrmann 65:42
Ja, heiraten oder wilde Ehe? Beides.

Stephan Seiler 65:46
Monogamie oder Poly?

Dorothea Behrmann 65:49
Auch beides. Gut.

Stephan Seiler 65:51
Am besten im Wechsel.

Brigitte Huber 65:53
Nach der Trennung es krachen lassen oder still trauern?

Dorothea Behrmann 65:59
Erst still trauern und es dann krachen lassen.

Stephan Seiler 66:02
Viel reden oder Sport machen?

Dorothea Behrmann 66:05
Nach der Trennung Sport machen ist oft effektiver als viel reden.

Brigitte Huber 66:09
Sekt oder Selters? So ein bisschen hatten wir das Thema ja schon.

Dorothea Behrmann 66:14
Sekt.

Stephan Seiler 66:17
Gibt es die eine große Liebe im Leben oder siehst du Liebe als Projekt für ein paar Jahre, das dann abgelöst.

Dorothea Behrmann 66:25
Wird vom nächsten Projekt, Die eine große Liebe.

Brigitte Huber 66:29
Romantisch hoffen oder bangen?

Dorothea Behrmann 66:32
Zuversicht.

Stephan Seiler 66:34
Nach vorne oder nach hinten schauen?

Dorothea Behrmann 66:37
Nach vorne.

Brigitte Huber 66:38
Romeo und Julia oder Kramer gegen Kramer? Romeo und Julia, die große Liebe, auch wenn es tragisch endet.

Stephan Seiler 66:48
Ja, schön. Jetzt haben wir noch zwei Zitate. Brigitte, Max starten.

Brigitte Huber 66:52
Ja, man wird nicht durch das, was man loslässt, kleiner, sondern durch das, woran man sich klammert. Das ist mein Zitat von Simone de Beauvoir.

Stephan Seiler 67:06
Ich hätte noch eins von Charlie Chaplin. Nichts in diesem Leben ist von Dauer. Nicht einmal unsere Sorgen, Oh, wie schön.

Dorothea Behrmann 67:15
Die nehme ich Beide kaufe ich beide finde ich auch sehr, sehr schön.

Brigitte Huber 67:21
Selten zwei so schöne Zitate auf einmal gehabt.

Dorothea Behrmann 67:23
Wunderbar.

Brigitte Huber 67:25
Wir sind jetzt am Ende des Podcasts, aber am Anfang des Jahres. Am Anfang des Jahres. Liebe Dorothea, wenn du jetzt den einen ultimativen Tipp oder Ratschlag oder was auch immer Wunsch unseren Hörenden mitgeben möchtest, die sich in diesem Jahr trennen. Was wär das?

Dorothea Behrmann 67:43
Trennung ist immer ein schmerzhafter Prozess, aber habt keine Angst davor, denn es gibt immer auch die Chance auf einen kraftvollen Neuanfang.

Brigitte Huber 67:53
Sehr, sehr schön. Fällt uns schwer loszulassen. Jetzt an der Stelle müssen wir aber.

Stephan Seiler 68:01
Wir müssen jetzt Schluss machen.

Dorothea Behrmann 68:02
Das hat mir gut gefallen mit euch. Nein, ich habe doch Trennungsangst.

Stephan Seiler 68:06
Nein, ich glaube, du kommst auch ohne uns ganz gut zurecht. Da habe ich gute Zuversicht.

Brigitte Huber 68:12
Naja, außerdem, es gibt ja auch durchaus Fortsetzung folgt.

Stephan Seiler 68:17
Genau.

Dorothea Behrmann 68:17
Das wäre toll. Ich glaube, der Gesprächsstoff würde uns nicht so schnell ausgehen. Sehr schön mit euch. Vielen Dank für die tolle Einladung.

Stephan Seiler 68:25
Ebenso.

Dorothea Behrmann 68:25
Dankeschön.

Stephan Seiler 68:26
Bis zum nächsten Mal. Ciao. Das war die Sache mit dem Älterwerden, der Podcast mit Brigitte Huber und Stephan Seiler.

Brigitte Huber 68:36
Vielen Dank an Leo Ebert-Glang für die Titelmelodie, das Sounddesign und den Schnitt.

Stephan Seiler 68:41
Und an Alina Sawalis für die Covergestaltung.

Brigitte Huber 68:44
Die Sache mit dem Älterwerden erscheint mittwochs auf allen gängigen Podcast Plattformen.

Stephan Seiler 68:49
Folgt uns, abonniert uns, dann verpasst ihr.

Brigitte Huber 68:52
Keine Folge und empfehlt uns bitte weiter. Das würde uns sehr freuen.

Stephan Seiler 68:57
Wenn ihr uns Feedback schicken möchtet, egal ob positiv oder negativ oder wenn ihr Themenvorschläge für uns habt, schreibt uns eine E Mail, eine Textnachricht oder Sprachnachricht auf unserem Instagram oder Facebook Kanal.

Brigitte Huber 69:10
Alle Infos findet ihr auch schriftlich zu dieser Folge in der Zusammenfassung in eurem Podcast Player.

WEITERHÖREN

Folge

23

·

75 Min.

Mit

Brigitte & Stephan

Wann ist es Zeit für eine Freundschaftsinventur? Sind Freunde im Job ein Risiko oder eine Bereicherung?

Impulse aus dieser Folge

💡

Zum Ausprobieren

Nach dem Verlassenwerden rät Dorothea Behrmann zu Funkstille: mindestens 30 Tage so wenig Kontakt wie möglich, vor allem kein Nachschauen in den sozialen Netzen des Ex. Mit gemeinsamen Kindern ist das schwierig. Das Nervensystem muss erst lernen, dass die vertraute Bindung nicht mehr da ist.

💡

Zum Ausprobieren

Nach einer ausgesprochenen Trennung ist der räumliche Auszug meist das Beste. Erst dann kann die andere Seite die Realität verarbeiten.

💡

Zum Ausprobieren

Woran man merkt, dass man Hilfe braucht: wenn der Schmerz dauerhaft weggeschoben wird, über Nichtessen, zu viel Essen, Extremsport oder Flucht in die Arbeit. Und wenn man nach Monaten nicht auf die Füße kommt.

💡

Zum Ausprobieren

Nach dem Verlassenwerden rät Dorothea Behrmann zu Funkstille: mindestens 30 Tage so wenig Kontakt wie möglich, vor allem kein Nachschauen in den sozialen Netzen des Ex. Mit gemeinsamen Kindern ist das schwierig. Das Nervensystem muss erst lernen, dass die vertraute Bindung nicht mehr da ist.

💡

Zum Ausprobieren

Woran man merkt, dass man Hilfe braucht: wenn der Schmerz dauerhaft weggeschoben wird, über Nichtessen, zu viel Essen, Extremsport oder Flucht in die Arbeit. Und wenn man nach Monaten nicht auf die Füße kommt.

💡

Zum Ausprobieren

Nach einer ausgesprochenen Trennung ist der räumliche Auszug meist das Beste. Erst dann kann die andere Seite die Realität verarbeiten.

💡

Zum Ausprobieren

Nach dem Verlassenwerden rät Dorothea Behrmann zu Funkstille: mindestens 30 Tage so wenig Kontakt wie möglich, vor allem kein Nachschauen in den sozialen Netzen des Ex. Mit gemeinsamen Kindern ist das schwierig. Das Nervensystem muss erst lernen, dass die vertraute Bindung nicht mehr da ist.

💡

Zum Ausprobieren

Nach einer ausgesprochenen Trennung ist der räumliche Auszug meist das Beste. Erst dann kann die andere Seite die Realität verarbeiten.

💡

Zum Ausprobieren

Woran man merkt, dass man Hilfe braucht: wenn der Schmerz dauerhaft weggeschoben wird, über Nichtessen, zu viel Essen, Extremsport oder Flucht in die Arbeit. Und wenn man nach Monaten nicht auf die Füße kommt.

Empfohlen in dieser Folge

📕

buch

Dorothea Behrmann

🎬

film

Filmklassiker

🎵

musik

Song – als Einstieg zur Frage, ob die erste Trennung die schlimmste ist

📕

buch

Drama – als Gegenpol in der Rubrik „Entweder oder“

🎧

podcast

Eine ganze Podcast-Folge zu Trennungen im höheren Alter

📕

buch

Dorothea Behrmann

🎧

podcast

Eine ganze Podcast-Folge zu Trennungen im höheren Alter

📕

buch

Drama – als Gegenpol in der Rubrik „Entweder oder“

🎵

musik

Song – als Einstieg zur Frage, ob die erste Trennung die schlimmste ist

🎬

film

Filmklassiker

📕

buch

Dorothea Behrmann

🎵

musik

Song – als Einstieg zur Frage, ob die erste Trennung die schlimmste ist

🎧

podcast

Eine ganze Podcast-Folge zu Trennungen im höheren Alter

🎬

film

Filmklassiker

📕

buch

Drama – als Gegenpol in der Rubrik „Entweder oder“

Zitate aus dieser Folge

Das Wort die Beziehung ist gescheitert halte ich für absolut verkehrt.

Dorothea Behrmann

Folge

15

·

Ich finde, man müsste für Liebeskummer viel mehr Krankheitstage auch oder Möglichkeiten zur Verfügung stellen.

Dorothea Behrmann

Folge

15

·

Diese Gehen oder bleiben Übung mit den Zetteln dient dazu, wirklich mal den Kopf auszuschalten und den Körper zu befragen, weil der ist sehr intelligent.

Dorothea Behrmann

Folge

15

·

Jetzt die Trennungs Jogginghose, die ziehe ich mir jetzt mal wieder aus. Ich glaube, ich ziehe jetzt mal mein Kleid wieder an, lege den Lippenstift aus, gehe mal wieder raus.

Dorothea Behrmann

Folge

15

·

Und plötzlich ist man alleine und es ist irgendwie wie als hätte einem jemand einen Arm abgeschnitten und man ist völlig auf sich gestellt.

Dorothea Behrmann

Folge

15

·

Ich habe mich tatsächlich getraut, mich anzumelden für einen Gestalttherapie Kongress als Speakerin. Und ich halte da einen Vortrag, einen richtigen Vortrag, also eine Stunde lang.

Dorothea Behrmann

Folge

15

·

Das Wort die Beziehung ist gescheitert halte ich für absolut verkehrt.

Dorothea Behrmann

Folge

15

·

Und plötzlich ist man alleine und es ist irgendwie wie als hätte einem jemand einen Arm abgeschnitten und man ist völlig auf sich gestellt.

Dorothea Behrmann

Folge

15

·

Jetzt die Trennungs Jogginghose, die ziehe ich mir jetzt mal wieder aus. Ich glaube, ich ziehe jetzt mal mein Kleid wieder an, lege den Lippenstift aus, gehe mal wieder raus.

Dorothea Behrmann

Folge

15

·

Diese Gehen oder bleiben Übung mit den Zetteln dient dazu, wirklich mal den Kopf auszuschalten und den Körper zu befragen, weil der ist sehr intelligent.

Dorothea Behrmann

Folge

15

·

Ich finde, man müsste für Liebeskummer viel mehr Krankheitstage auch oder Möglichkeiten zur Verfügung stellen.

Dorothea Behrmann

Folge

15

·

Ich habe mich tatsächlich getraut, mich anzumelden für einen Gestalttherapie Kongress als Speakerin. Und ich halte da einen Vortrag, einen richtigen Vortrag, also eine Stunde lang.

Dorothea Behrmann

Folge

15

·

Das Wort die Beziehung ist gescheitert halte ich für absolut verkehrt.

Dorothea Behrmann

Folge

15

·

Diese Gehen oder bleiben Übung mit den Zetteln dient dazu, wirklich mal den Kopf auszuschalten und den Körper zu befragen, weil der ist sehr intelligent.

Dorothea Behrmann

Folge

15

·

Und plötzlich ist man alleine und es ist irgendwie wie als hätte einem jemand einen Arm abgeschnitten und man ist völlig auf sich gestellt.

Dorothea Behrmann

Folge

15

·

Ich finde, man müsste für Liebeskummer viel mehr Krankheitstage auch oder Möglichkeiten zur Verfügung stellen.

Dorothea Behrmann

Folge

15

·

Jetzt die Trennungs Jogginghose, die ziehe ich mir jetzt mal wieder aus. Ich glaube, ich ziehe jetzt mal mein Kleid wieder an, lege den Lippenstift aus, gehe mal wieder raus.

Dorothea Behrmann

Folge

15

·

Ich habe mich tatsächlich getraut, mich anzumelden für einen Gestalttherapie Kongress als Speakerin. Und ich halte da einen Vortrag, einen richtigen Vortrag, also eine Stunde lang.

Dorothea Behrmann

Folge

15

·

Huber & Seiler

Die Sache mit dem Älterwerden.

Klüger älter werden, ohne sich jünger machen zu müssen.

Ein unabhängiger Podcast von Brigitte Huber & Stephan Seiler.

Huber & Seiler

Die Sache mit dem Älterwerden.

Klüger älter werden, ohne sich jünger machen zu müssen.

Ein unabhängiger Podcast von Brigitte Huber & Stephan Seiler.

Huber & Seiler

Die Sache mit dem Älterwerden.

Klüger älter werden, ohne sich jünger machen zu müssen.

Ein unabhängiger Podcast von Brigitte Huber & Stephan Seiler.