Folge
Neue Folgen immer mittwochs
Folge
10
·
·
60 Min.
Warum gilt die Vorfreude als schönste Freude? Welche Kraft steckt wirklich in ihr? Wie können wir sie täglich wecken? Und wann ist Zweckpessimismus doch die bessere Wahl?
Brigitte zitiert gleich zu Beginn die polnische Dichterin Mascha Kaléko: „Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn. Ich freue mich vor allem, dass ich bin."
Sinn

Nach der Folge mit Stefanie Stahl zum Thema Einsamkeit (#9) will Brigitte auf die helle Seite wechseln. Sie zitiert Studien, nach denen Vorfreude so starke Glücksgefühle wie kaum eine andere Tätigkeit ausschütten.
Stephan hingegen: Lebt lieber im Hier und Jetzt als auf der Wartebank des Glücks. Er sagt: Vorfreude und er seien seit drei Jahrzehnten keine Freunde mehr.
So wird das Loblied auf die Vorfreude zu einem Gespräch darüber, wann sie sinnvoll ist und wann sie mehr schadet als nützt.
Wie Erwartungen enttäuschen, warum Dopamin uns blenden kann und wann Franz Beckenbauers Zweckpessimismus doch die klügere Wahl ist.
Wie kann die Vorfreude die Sache mit dem Alter erleichtern?
Wieso freuen sich ältere Menschen gezielter als jüngere?
Und wie schafft man es, sich immer wieder auf ein Date zu freuen, ohne hinterher enttäuscht zu sein?
Außerdem: Stephans erste Botox-Erfahrung (270 Euro, null Reaktionen), Brigittes Donnerstagabende im Stau und die Frage, ob Münzwurf unterschätzt werden.
Kapitelmarken
00:00 Dopamin, der gute Stoff
04:07 War als Kind die Vorfreude wichtiger als das Geschenk?
05:53 Heimliche Glücksmomente im Stau
07:37 Reiseführer: Euphorie oder Mahnmal?
15:04 Training für mehr Vorfreude
18:33 Fußball und worauf sich Männer sonst noch freuen
22:15 Schadet Vorfreude bei Dates?
33:53 Hausaufgabenkontrolle: 30-Pflanzen, Zeitgefühl und Dashboard
47:18 Stephans Botox-Erlebnis und ein Tipp für eine Weihnachtsfeier mit Tiefgang
56:10 Vorfreude auf Oliver Kalkofe
Transkript zur Folge
Brigitte Huber 0:00
Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn.
Stephan Seiler 0:04
Ach, wie schön.
Brigitte Huber 0:05
Ja, ich habe mir dieses Zitat ganz gezielt rausgesucht. Bei der letzten Folge, die wir mit Steffi Stahl hatten, der Psychologin und Bestsellerautorin, ging es ja sehr viel und sehr tief um das Thema Einsamkeit auch. Wir haben auch sehr, sehr viel Feedback gekriegt dazu. Später mehr. Und dann habe ich mir aber gedacht, jetzt, wo auch der Advent beginnt, wechsle ich mal rüber auf die schöne Seite des Lebens und habe mir eben dieses Zitat ausgesucht. Ich lese es dir noch mal vor, damit du es so richtig aufnehmen kannst.
Stephan Seiler 0:37
Gerne. Wechseln wir auf die gute Seite der Macht. Das begrüße ich sehr.
Brigitte Huber 0:40
Ganz genau. Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn. Stephan, was macht das mit dir?
Stephan Seiler 0:46
Für mich als Glücksrausch suchenden Menschen ist das großartig. Das ist genau richtig. Ich freue mich an der Freude. Jedes Glücksgefühl, das ich spüren kann, ist herzlich willkommen und Und von daher keine Ansprüche erst mal bis hierhin.
Brigitte Huber 1:01
Super. Also das Zitat stammt von Masha Kalecko, der Lyrikerin. Und wahrscheinlich ist dann das ganze Gedicht, aus dem ich das rausgeklaut habe, für dich gut, weil das Gedicht heißt sozusagen grundlos vergnügt. Das finde ich schon ein herrliches Versprechen. Ich möchte mich da aber jetzt ein bisschen eingrenzen, weil die Freude und das Glück an sich, ich meine, da können wir Bücherbände füllen. Ich wollte mich eben, ich habe es ja gesagt, wir sind im Advent, auf die Vorfreude konzentrieren. Da gibt es ein Zitat, das glaube ich jeder kennt: Vorfreude ist die schönste Freude.
Stephan Seiler 1:35
Ja, fürchterliches Zitat. Fürchterlich.
Brigitte Huber 1:37
Ja, wo man auch immer. Ich habe auch immer gedacht, das ist so ein Trostpflaster, so von wegen, wenn das dann nicht so schön wird danach. Aber muss ich ganz ehrlich sagen, ich bin jetzt ein bisschen am Umdenken. Ob ich dieses sogenannte Erwartungsglück nicht einfach unterschätzt habe. Ich habe mich ein bisschen beschäftigt mit dem Thema, habe Podcast gehört, unter anderem auch den von Professor Volker Busch gehört. Und da spricht er auch übers Glück. Und da sagt er halt, dass bei der Vorfreude das stärkste Glückshormon, also der stärkste Botenstoff, wirklich zum Zug kommt, den wir in diesem ganzen Glücksareal haben. Und das ist Dopamin. Und in dem Moment, wo wir uns auf etwas freuen, wird der ausgestoßen und er motiviert uns, der macht uns wach und er schafft es auch. Guter Stoff.
Stephan Seiler 2:26
Guter Stoff. Wer noch mehr will.
Brigitte Huber 2:28
Genau. Und er trägt uns auch manchmal dann über den ganzen Tag. Und bloß weil wir uns abends auf irgend so ein ganz spezielles Gericht freuen. Und er hat gesagt, in dem Moment, wo dann quasi unser Lieblingsessen vor uns steht, könnte man es uns auch schon wieder wegnehmen. Weil in dem Moment, wo es da steht, wird auch weniger Dopamin ausgeschüttet. Also die Vorfreude ist tatsächlich die stärkste Psychodroge, die wir haben können. Heißt in Wahrheit, und das ist ja schon ganz irre: Erwarten macht uns glücklicher als Bekommen.
Stephan Seiler 3:00
Ja, da bin ich nicht mit ganz einverstanden. Also das kann natürlich— womöglich ist es so, wenn ich mich morgens auf ein Abendessen in einem schönen, netten Lokal am Abend freue, mit einer netten Gesellschaft. Natürlich. Weckt das bei mir Vorfreude. Vielleicht ist es dann auch wirklich dieses Glücksgefühl, was ich morgen spüre. Das trägt mich auch wirklich durch den Tag. Aber diesem grundsätzlichen Konzept der Vorfreude, das über Tage, Wochen, Monate aufgebaut wird, stehe ich sehr, sehr skeptisch gegenüber. Vielleicht können wir darüber gleich noch mal genauer sprechen. Ich habe ein sehr skeptisches Verhältnis zur Vorfreude, um das gleich mal hier am Anfang zu droppen und damit einen kleinen Downer vielleicht einzubauen. Brigitte, ich glaube, wir müssen uns mal vorstellen, wer wir sind und was wir machen. Wir reden schon so viel.
Brigitte Huber 3:43
Stimmt. Also ich kann schon mal von mir aus verraten: Ich bin Brigitte Huber.
Stephan Seiler 3:48
Ich bin Stephan Seiler. Und das ist die Sache mit dem Älterwerden. Die Vorfreude und ich sind seit ungefähr 3 Jahrzehnten nicht die besten Freunde.
Brigitte Huber 4:07
Hat das damit zu tun, dass du schlechte Erfahrungen gemacht hast dann letztlich? Also dass du dich einfach zu viel gefreut hast, so wie ein Kind, das dann sagt: Mensch, jetzt habe ich mich immer auf Geburtstag gefreut und jetzt kriege ich wieder das falsche Geschenk.
Stephan Seiler 4:20
Als Kind war die Vorfreude wirklich mein zweiter Vorname. Als Kind, das kennen ja viele, habe ich mich gefreut auf die Geburtstage, auf die Geschenke, auf den ersten Schultag, auf alles Mögliche. Und Weihnachten natürlich. Richtig tagelang, wochenlang, die ganzen Adventstage habe ich Maria und Josef auf Playmobil-Figuren durch mein Zimmer getragen und konnte es kaum erwarten, dass sie irgendwann mal die 24. Stelle erreichen. Adventskalender, klassisches Vorfreude-Instrument. Habe ich geliebt. Habe ich auch teilweise gebastelt und erstellt für Partnerinnen und Partner und war wahnsinnig stolz darauf, das Ganze zu basteln. Das war für mich auch Ausdruck der Vorfreude. Aber Hat es am Ende garantiert, dass das eigentliche Ereignis auch wirklich toll wurde? Nee, muss ich ganz einfach konstatieren. Ich hatte eher so den Eindruck schon als Kind gewonnen, je größer meine Vorfreude war, desto kleiner war am Ende das Geschenk. Dann gab es doch nur den kratzigen Pulli statt der neuen Carrera-Bahn oder dem Piratenschiff von Playmobil.
Brigitte Huber 5:20
Also da sind wir voll mitten im Thema drin, weil unser Verhältnis zur Vorfreude ändert sich auch mit dem Älterwerden. Und wir wollen ja auch hier übers Älterwerden sprechen. Und selbstverständlich, je jünger wir sind, umso überschäumender ist oft unsere Vorfreude. Und manchmal gehen die Sachen auch nicht so aus, wie wir uns das wünschen. Aber ich möchte noch mal eine Sache sagen, die mich einfach auch noch mal dazu gebracht hat, das Thema ein bisschen anders anzuschauen. Wer sich gut vorfreuen kann, hat psychische und physische Vorteile. Also das ist wirklich interessant. Du kannst Studien finden.
Stephan Seiler 5:52
Christian Frack.
Brigitte Huber 5:53
Ja, genau, ist dann so, musst du dich damit auseinandersetzen. Wer sich gut vorfreuen kann, hat weniger Stress, ist resilienter, kann positive Emotionen in der Regel dann auch besser aufnehmen. Und ich habe dann überlegt, wie es mit mir und der Vorfreude ist. Und dann ist mir was eingefallen. Und zwar: Ich bin viele Jahre am Donnerstagabend aus dem Verlag zurückgefahren und stand im Stau. Wo du sagst, das ist eigentlich keine tolle Situation, aber Ich glaube, im Nachhinein, das war manchmal der herrlichste Moment des Wochenendes, weil man hatte den Großteil der Woche schon hinter sich. Man wusste, jetzt kommt noch der Freitag. Der Freitag war in der Regel nicht so intensiv wie der Rest der Woche und man hat sich aufs Wochenende gefreut. Und heute würde ich fast sagen, da war bei mir der Dopaminausstoß sehr, sehr hoch. Ich wusste, ich fahre jetzt nach Hause, dann wird noch was gegessen und so weiter und so fort. Und das Wochenende selber ist halt so, wie Wochenenden oft sind. Du musst einkaufen, du musst vielleicht irgendwie sauber machen, du gehst zum Sport, weil du hattest unter der Woche keine Zeit. Du hast schon ein paar schöne Verabredungen, aber spätestens am Sonntagnachmittag ist von Euphorie manchmal nicht mehr so viel zu spüren. Und dann habe ich, glaube ich, verstanden, dass dieser Donnerstagabend aber auch schon ein sehr schöner, positiver Vorschuss ist. Zum Thema insgesamte Freude und dass ich den da vielleicht schon immer abgegriffen habe. So wie zweites Beispiel: Der Kauf des Reiseführers. Wenn ich weiß, in welches Land ich in 5 Monaten verreise oder so, manchmal schon so viel Euphorie bei mir auslöst, wie, ich sage jetzt mal, das Betreten des Zugs oder des Flugzeugs dann am Tag X. Weißt du, was ich meine?
Stephan Seiler 7:37
In der Theorie verstehe ich, was du meinst. Ich fühle es nur überhaupt nicht.
Brigitte Huber 7:41
Ach, du hast diese Vorfreude dann nicht?
Stephan Seiler 7:44
Ich habe die Vorfreude, in der Theorie habe ich sie, aber ich lebe so sehr im Jetzt und im Heute, dass es mir manchmal schwerfällt, mich da reinzufühlen, wie es mir vielleicht dann in 4 Monaten geht, wenn ich dann zum Flughafen fahre und dann wirklich aufbreche in den Urlaub oder auf die Reise. Vielleicht kaufe ich mir auch jetzt schon den guten Reiseführer und blättere dann einmal rein. Dann liegt der Reiseführer aber meistens einfach da, wochenlang, monatelang. War unangetastet von mir, wird immer mehr zu so einer Art Mahnmal. Er schreit mich an im Sinne von: Beschäftige dich mit mir, komm zu mir, blättere in mir, bereite dich auf die große Reise vor, du musst dich doch freuen. Und dann führt all das bei mir zu eher negativen Gefühlen, weil ich dann Stress spüre. Ich spüre einen Druck, mich vorfreuen zu müssen. Ich spüre einen Druck, jetzt schon in die Planung reingehen zu müssen. Das will ich alles nicht. Ich möchte mich dann freuen, wenn es soweit ist. Und das ist bei Reisen Und bei Dates und bei großen Events meistens 24 Stunden vorher, da beginnt bei mir dann vielleicht der Dopaminausstoß, die Ausschüttung. Dann spüre ich die Vorfreude, dann werde ich aufgeregt, dann bin ich da. Aber Vorfreude auf was zu empfinden, Vorfreude für etwas zu empfinden, das in einem Jahr stattfindet oder wann auch immer. Boah, bis dahin kann noch so viel passieren. Will ich nicht.
Brigitte Huber 9:01
Also Ja, da sind wir auf jeden Fall, glaube ich, schon mal unterschiedlich. Ich kann mich sehr gut erinnern, als ich für meine große lange Reise, die ich nach 35 Jahren Berufstätigkeit geplant habe, wo es dann eben wirklich auf die andere Seite der Welt ging. Ich werde nie diesen Samstagnachmittag vergessen, wo ich in einer Buchhandlung war und mir 5 Reiseführer dazu gekauft habe. Und wir haben danach auch Fotos gemacht, wo wir dann schon da standen mit den Reiseführern. Und da begann bei mir innerlich schon die Reise. Und auch, und da bin ich anders, glaube ich auch, die Planung der Reise ist für mich Teil der Vorfreude. Dann ist es draußen neblig und grau und ich guck doch schon mal, welche Route könnte man nehmen? Was gibt es da für Unterkünfte und so? Und dann beame ich mich tatsächlich schon ein bisschen weg. Aber trotzdem möchte ich dir recht geben, und da gibt es ja auch die Wissenschaft recht, ein Ziel, das länger weg ist als ein paar Tage oder so was, Das schafft in der Regel nur selten diesen Dopaminausschuss. Es macht sehr viel Sinn, wenn man sich auf Dinge freut, die heute oder zumindest in sehr, sehr greifbarer Nähe sind, dass das wirklich gut funktioniert. Aber ich sage jetzt mal, wenn du ein Konzert hast am Samstagabend, dann kannst du dich jetzt schon anfangen, allmählich zu freuen. Die Enttäuschung ist in der Regel überschaubar. Und das fand ich auch ganz interessant. Ich bin vor 3 Jahren, habe ich geplant, mit meinem Sohn auf ein Konzert zu gehen in Lyon. Und es war zufällig ein Künstler, auf den wir uns beide, also ein Mitzwanziger und ich, einigen konnten. Und der war halt zufällig in Lyon. In Lyon war ich noch nicht. Ich habe die Reise geplant und so weiter. Und 4 Wochen vorher sagt er ab. Also das Konzert fiel aus. Es war trotzdem ein ganz, ganz tolles Wochenende in Lyon. Also wir sind da trotzdem hingefahren nach Überlegung. Und ich habe mir einfach die Vorfreude oder dann tatsächlich nicht wegknallen lassen davon, dass der den Anlass der Reise absagt.
Stephan Seiler 10:59
Kann ich nachvollziehen. Manche Reisen entwickeln sich anders als gedacht und das ist auch völlig okay so. Und darin kann ja auch eine richtig große Kraft und Schönheit stecken. Sehe ich ganz genauso. Ich war vor einem Jahr, vor 2 Jahren mal bei einem Billie Eilish Konzert, bin mit einem Freund und dessen Kindern dahin gefahren nach Paris. Großer Aufwand, Freilichtkonzert. Auch da habe ich Vorfreude gespürt. Mehr als ich mir sonst zubilligen möchte. Und bin hingekommen und war mega enttäuscht von der ganzen Produktion. Das war so glattgebügeltes Popprodukt. Völlig seelenlos. Ich schätze Billie Eilish, die Sängerin, sehr. Ich mag ihre Musik, finde es großartig, was sie macht. Aber das kam mir dann zu kommerziell vor und das war ein richtiger Abturner. Also da war die Vorfreude, die ich dann ein paar Tage vorher gespürt hatte, tatsächlich viel, viel besser. Am Ende war auch das eine gute Reise. Aber noch mal: Die Vorfreude kann einen in die Irre führen. Mich zumindest. Vorfreude hat ja so einen garstigen Vetter, der da heißt Erwartung. Und Erwartungen haben immer was damit zu tun, dass Erwartungen auch enttäuscht werden können. Erwartungen sind so groß. Ich kann mir was wünschen. Ich kann mir wünschen, dass es schön wird. Ich kann mir wünschen, dass ich dieses Jahr zu Weihnachten die Pirateninsel bekomme oder was auch immer. Aber sobald daraus eine Erwartung wird, Und sobald es quasi so eine Art von was Krampfiges hat, im Sinne von: Das muss doch jetzt gut werden, weil ich habe schon so viel investiert, so viel Freude investiert, so viel Dopamin investiert.
Brigitte Huber 12:24
Aber das Dopamin und die Freude, die nimmt dir keiner mehr weg. Das ist mein Erkenntnishorizont. Die Vorfreude ist tatsächlich ein Teil des Glücksmoments. Und was du sagst, und das fand ich ganz interessant, deswegen, wir reden ja übers Älterwerden. Wir sollten unterscheiden zwischen diesem jugendlichen sich Vorfreuen und dann eben enttäuscht sein von vielen Dingen, die wir nicht beeinflussen können. Und dem Erwachseneren und Älterwerdenden Vorfreuen über Dinge, die wir sehr viel stärker in der Hand haben. Und das zeigt die Wissenschaft auch. Ältere Menschen, die kennen sich, kennen das Leben und die würden vielleicht auch nach Paris fahren zu Billie Eilish. Aber vielleicht würden sie es noch mit irgendwas anderem verbinden, was sie auch schon immer sehen wollten. Und dann sagen sie: War ein toller Trip nach Paris. Und das, wenn es vor allem um Kleinere— es muss ja nicht immer um Reisen gehen— um kleinere Dinge geht, Dann planen die gezielt und freuen sich auch gezielt auf diese Dinge. Das kann ein Treffen mit Freunden sein, ein schönes Essen. Es kann aber auch, dass wir in die Sauna am Abend gehen und uns den ganzen Tag freuen. Die Absturzgefahr mit enttäuschten Erwartungen ist nicht groß. Und trotzdem können wir die ganzen psychischen und physischen Benefits, die uns die Vorfreude, wenn wir es richtig einbringen, schenken. Die können wir mitnehmen. Und das war für mich schon was. Und das ist tatsächlich etwas. Man kann tatsächlich es lernen, besser dann zu genießen. Es geht um ein Vorgenießen von Dingen. Und wenn es nicht so funktioniert, das Genießen, dann hat man zumindest das Vorgenießen genossen.
Stephan Seiler 13:59
Ich habe mich gerade daran erinnert an das, was Marc Wittmann vor einigen Wochen zu uns gesagt hat.
Brigitte Huber 14:03
Der Zeitforscher.
Stephan Seiler 14:05
Könnt ihr da mal nachhören. War glaube ich Folge Nummer 6 oder 7. Er meinte doch, es gibt verschiedene Typen. Manche Typen leben mehr in der Zukunft und manche Typen leben mehr im Hier und Jetzt. Und manche leben vielleicht auch eher in der Vergangenheit. Ich glaube, ich weiß es für mich selbst. Ich lebe im Hier und Jetzt. Ich freue mich auf das, was heute passiert. Auf dieses Gespräch heute zum Beispiel, auf diesen Podcast, auf das Gespräch über die Vorfreude. Habe ich mich gefreut, schon seit 24 Stunden ungefähr. Aber ich freue mich jetzt nicht auf das kommende Weihnachtsfest oder auf das, was nächstes Jahr passiert. Da gibt es so ein paar Dinge, die so etwas heller leuchten am Firmament. Aber vielleicht bin ich einfach nicht der Typ. Ich lebe heute im Hier und Jetzt und dadurch glaube ich, ist jeder Tag so reich an Glücksgefühlen, weil ich versuche, mich jeden Tag mit irgendwelchen Dingen zu beschenken, eine kleine schöne Sache mir zu gönnen, die Spaß macht, die Dopamin, Endorphine, all das Zeug, all das gute Zeug, den guten Stoff ausschüttet. Und was dann in einem Jahr ist, in 2 Jahren, in 3 Jahren, das steht auf einem ganz anderen Papier für mich. Das hat Zeit.
Brigitte Huber 15:04
In Wahrheit machst du es ja dann. Wenn du sagst, du planst oder machst immer kleine, schöne Dinge, dann entwickelst du die ja im Kopf und sagst: Ich gönne mir das jetzt oder ich mache das jetzt. Und das ist ja wirklich, ich sage jetzt mal, ein großer Teil der Vorfreude, weil das sagen auch die Expertinnen und Experten. Es wird wenig oder gar kein Dopamin ausgeschüttet, wenn du über Ereignisse nachdenkst, die eventuell in 3 bis 6 Monaten passieren. Es sollte zeitnah sein und deswegen ist am besten, das möchtest du denn hören, wie man das überhaupt üben kann? Ich hoffe, du sagst jetzt ja.
Stephan Seiler 15:41
Ja, bitte. Ja, bitte.
Brigitte Huber 15:42
Ja, bitte. Genau das.
Stephan Seiler 15:43
Genau. Aber noch danach auch noch ein Gedanke, der uns alle wieder runterziehen wird.
Brigitte Huber 15:47
Okay, genau das darfst du. Und zwar, da geht es teilweise um so 1- bis 3-Minuten-Übungen, dass du morgens nach dem Aufstehen oder Aufwachen dir überlegst, auf was du dich heute freuen kannst. Oder was du dir sogar noch einfallen lassen kannst, wenn es so ein ganz, ganz grauer Donnerstag ist und du sagst: Oh, puh, und dann das und irgendwie und so. Und dass du dir denkst: Oh, wo baue ich mir jetzt meinen kleinen Lichtschimmer ein? Und dann ist entscheidend, vielleicht Augen schließen oder so, dass du dir den auch wirklich vorstellst. Es ist wichtig, dass du dir das Gefühl am besten mit allen Sinnen und so weiter vorstellst. Und dann kommt unsere Psychotroge, und Dopamin und sagt: Ja, komm, das ist jetzt Grund genug, um rauszugehen in diese Welt, um ein paar schwierige Gespräche hinter uns zu kriegen oder was auch immer. Und dann habe ich heute Abend diese kleine Mohrrübe, die da schon am Ende des Horizonts funkelt. Können wir uns darauf verständigen?
Stephan Seiler 16:42
Nachfrage: Also du möchtest, dass ich visualisiere, wie ich dann abends bei der Mohrrübe in meinem Lieblingslokal sitze, oder was?
Brigitte Huber 16:49
Du musst dir vorher was einfallen lassen. Genau, das ist so der Punkt. Genau das ist so der— oder wenn es ganz dumm läuft, ist es ein Buch oder eine Netflix-Serie, auf die du dich freust. Dann sagst du: Okay, und heute Abend mache ich es mir total gemütlich, hole mir mein Lieblingsgetränk und dann kommt eigentlich so der Lohn und so was. Das hat dann was mit Anspannung, Entspannung zu tun, aber eine Vorfreude auf etwas, was du komplett kalkulieren kannst. Außer du hast, wie ich jetzt gerade gestern, einen Wasserrohrbruch in der Wohnung. Dann könnte es sein, dass du umdisponieren musst.
Stephan Seiler 17:17
Auf die Handwerker kannst du dich freuen.
Brigitte Huber 17:19
Genau, dann kann ich mich freuen, wenn es wieder läuft.
Stephan Seiler 17:23
Ich bin bei einem Punkt bei dir. Ich schreibe ja Dankbarkeitstagebuch jeden Tag, jeden Morgen, jeden Abend. Das ist eine große Freude, abends aufzuschreiben, wofür ich am Tag dankbar war, was es Tolles gab, aber auch morgens aufzuschreiben, was ich dafür tun kann, dass der Tag toll wird. Die Frage ist so ähnlich gestellt in meinem Dankbarkeitstagebuch. Da gehe ich das auch schon mal ein Stück weit durch. Ich gebe mir jetzt noch nicht die Mühe, das mir komplett vorzustellen, wie ich dann abends bei der Mohrrübe, die du eben zitiert hast, sitzen werde. So richtig visualisiere ich das dann nicht. Vielleicht auch aus so einer Scheu davor, dass es dann doch wieder schiefgehen könnte bzw. umterminiert werden könnte. Du bist ja Journalistin, ich bin Journalist. Wir wissen beide, unsere Tagesabläufe können über den Haufen geworfen werden. Meiner wird es zumindest immer mal wieder aufgrund von äußeren Begebenheiten, irgendwelche Lagen, und dann gibt es hier eine weltpolitische Lage, die mich dann wieder dazu bringt, irgendwie ein halbes Jahr über Nacht an einem oder dem anderen Projekt zu arbeiten. Das kann durchaus passieren. Deshalb sind auch zum Leidwesen vieler Freunde und Bekannten von mir auch immer wieder Termine, die dran glauben müssen.
Brigitte Huber 18:33
Ich verstehe das komplett und ich habe auch ein bisschen was darüber gelesen. Und wenn es dann heißt, vielleicht freuen wir uns dann auf die Tasse Kaffee, die man ganz entspannt bringt, dann muss ich wiederum sagen, denke mir, puh, wenn das die Moorrübe des Tages ist, dann muss ich mich schon extrem anstrengen, dass mich das wirklich in Wallung bringt und nach vorne bringt. Also in Wahrheit, man muss dann auch irgendwie was Nettes finden. Ich beneide übrigens Männer, die wirklich so enthusiastische Fußballfans sind, wie die sich freuen, wenn die Bundesliga wieder anfängt, wenn man zu einem Spiel gehen kann. Ich habe mich jetzt auch anstecken lassen. Ich gehe jetzt auch manchmal mit auf so Spiele. Und zum Thema Erwartungsmanagement und Enttäuschung, da ist natürlich auch viel Spiel drin, außer du bist Bayern München Fan. Aber im Großen und Ganzen, was dafür für Dopamin, glaube ich, ausgeschüttet wird. Also ich glaube, damit kannst du ganze Tauchbecken füllen.
Stephan Seiler 19:30
Welche Mannschaft schaut euch an?
Brigitte Huber 19:31
Also in unserem Fall, ich bin ja zwangshamburgerin, ist es der HSV geworden. Das ist ja alles Zufall, weil dein Kind irgendwann mal in eine Vorschule geht und dann irgendwann mal nach Hause kommt und sagt: Wir sind aus München hergezogen. Mama, ich will ab jetzt keine Bayern München Bettwäsche mehr. Ich brauche HSV Bettwäsche. Und dann weißt du: Aha, das Kind scheint in Hamburg angekommen zu sein und hat nicht nur seine leichte dialektische Färbung, die er eh kaum hatte, abgelegt, sondern auch seine Vereinszugehörigkeit. Und das ist schon irre, was das dann teilweise für Vorfreude ausdrückt. Und das finde ich, ist tatsächlich etwas, was bei mir nur funktioniert, vielleicht bei Konzerten. Oder bei irgendeinem Theaterstück, auf was ich mich wirklich, wirklich freue, dass ich sage: So, am Wochenende in die Richtung geht es und ich freue mich drauf. Oder halt einfach eine Party oder ein Essen mit Freunden.
Stephan Seiler 20:21
Apropos Fußball: Wusstest du, dass der deutsche Kaiser Franz Beckenbauer zu Lebzeiten sich als Zweckpessimisten bezeichnet hat? Ja. Er wollte sich gar nicht erst enttäuschen lassen, wenn es dann schiefgeht, ein Pokal nicht gewonnen wurde, ein Spiel verloren wurde etc. Und deshalb hat er sich zu Zweckpessimismus verpflichtet, und ich konnte dem immer was abgewinnen. Ich meine, Franz Beckenbauer ist ja quasi auch nicht nur Fußballstar, Fußballtrainer etc. gewesen, sondern war ja auch quasi der Philosoph der Deutschen, muss man jetzt mal ehrlich sagen, in den letzten 50 Jahren. Es gab ja eigentlich keinen größeren Denker außer Franz Beckenbauer, dicht gefolgt von Richard David Precht. Und ich konnte dem tatsächlich etwas abgewinnen. Und Warren Buffett, der Investmentbanker, High, wie auch immer, Guru aus Amerika, sagte mal: The secret to happiness is having low expectations. Also geringe Erwartungen und auch damit eine kleinere Vorfreude zu haben, das schützt davor, am Ende enttäuscht zu werden. Und es ist am Ende auch der Schlüssel zum Glück, zur Freude. Widerspricht aber ein bisschen dem, was du eben zitiert hast.
Brigitte Huber 21:25
Nee, gar nicht. Ich würde auf jeden Fall unterscheiden zwischen Vorfreude und Optimismus. Und da gibt es auch einen ganz klaren— Ich bin auch Zweckoptimistin, Zweckpessimistin bei vielen Dingen, weil ich mir denke, wenn ich mich jetzt bei Dingen, die ich überhaupt nicht beeinflussen kann, Wenn ich mich da schon, aber vielleicht, wenn das und das läuft, dann passiert das und das, da sage ich immer Stopp, ich bremse mich da auch, um mich auch vor Enttäuschungen zu schützen. Vorfreude ist aber ein Ereignis, das kommen wird, aller Wahrscheinlichkeit nach, das ich auch sehr viel mehr steuern kann. Also so würde ich die Unterscheidung machen. So wie wir gesagt haben, ein Abendessen kannst du steuern, ein Treffen mit Freunden kannst du steuern, auch einen Kurztrip am Wochenende kannst du steuern. Ob der HSV jemals Meister wird oder nicht, jetzt gleich wieder absteigt, das liegt null Komma null in meiner Hand. Und da bin ich Zweckpessimistin.
Stephan Seiler 22:15
Ich würde gerne noch was nachschieben, und zwar eine Frage: Wie war das bei dir beim Dating? Ich weiß, du lebst in einer Partnerschaft und spielt es vielleicht momentan keine aktuelle Rolle, aber gerade beim Dating habe ich die Erfahrung gemacht, wenn ich mich so richtig auf jemanden gefreut habe vorher, wenn das Schreiben vielleicht war über die Dating-App oder wo man auch immer dann geschrieben hat, dann kam das oftmals auch dazu, dass das Treffen mit der Person eher enttäuschend war. Ich habe auch da eine bessere Erfahrung gemacht, wenn ich möglichst meine Erwartungen fast auf null geschraubt habe. Selbst wenn das Schreiben vorher toll war, vorher gedacht, okay, es kann alles Mögliche auch wieder jetzt mir nicht passen, weil sie nicht eine komische Stimme, die mich abgetörnt hat, oder es kam wieder dazu, dass die Person keine Fragen stellt oder einfach nur von sich geredet hat. Das kennen viele von uns vermutlich. Oder sonst einen anderen Ick gezeigt hat. Man nennt das ja, die jungen Leute nennen das ja Ick, diese Dinge, die man zeigen kann und dann einen richtig abtörnen und es dann eigentlich auch kein Zurück mehr gibt. Und vor diesem Hintergrund hatte ich auch beim Dating keine große Lust mehr auf die Vorfreude. Fand das auch manchmal richtig schade, weil ich mochte ja auch diese Vorfreude. Aber gerade da, wenn es dann noch so emotional aufgeladen ist, das ist ja ein emotionales Umfeld, das wir also ohnehin mit voller Hoffnung und Wünsche und Da geht es ja vielleicht um das große Ganze, um den Rest des Lebens. Der könnte sich an diesem Abend des Dates entscheiden. Und all das denke ich heute nicht mehr. Dachte ich manchmal. Das habe ich dann versucht runterzuschrauben und zu sagen: Ja, ich treffe jetzt eine Person, die ich noch nicht kenne, mit der ich ungefähr ein paar Tage geschrieben habe, ein paar Dinge ausgetauscht habe, ein paar Dinge weiß. Aber viel mehr ist es auch nicht. Stephan, calm down, beruhig dich. Morgen gehst du wieder zur Arbeit. Morgen nimmst du wieder einen Podcast auf mit der Brigitte oder machst was anderes. Das Leben geht weiter, egal wie dieses Date, dieser Abend oder auch dieses Weihnachtsfest verlaufen wird. Es wird wieder ein Zurück zum normalen Leben geben.
Brigitte Huber 24:05
Ich kann dazu sagen, vielleicht, dass ich weder als Zweckpessimistin noch als Optimistin noch als überschwängliche Vorfreuerin dahingegangen bin, sondern dass ich sehr schnell gemerkt habe, dass ich mit einem realistischen Blick da am weitesten komme. Ich bin sehr, sehr schnell dazu übergegangen, nur mehr sich auf einen Kaffee zu verabreden, weil ich nicht einen ganzen Samstagabend mit jemandem verbringen wollte, den ich vielleicht noch nicht einschätzen kann und wo ich eigentlich aber schon in Minute 3 merke, das wird zwischen uns wahrscheinlich nicht so funktionieren. Ich habe nicht die Überzeugung, dass meine Vorfreude oder Nicht-Vorfreude das Ergebnis letztlich beeinflusst hätte. Ich habe von, ich sage jetzt mal, von den 10 oder 12 Dates, die ich in meinem Leben auf die Art und Weise gemacht habe, bei 2 bis 3 Menschen das Gefühl gehabt, das könnte passen. Mit einem von denen bin ich jetzt auch zusammen seit 16 Jahren. Aber bei den anderen hätte weder eine große Vorfreude noch irgendwie was anderes was verändert. Weißt du, was ich meine? Es hätte einfach nicht— es reicht vielleicht für eine Freundschaft oder was auch immer, aber der Funke sprang nicht über. Und für mich war dann der Moment einfach das Beste, dass man sagt, okay, man trifft sich, Für eine halbe Stunde auf einen Kaffee, ergebnisoffen. Aber da war jetzt weder groß Vorfreude drin noch groß Zweckpessimismus, sondern ergebnisoffen. Ich gehe da rein und habe mir dann gedacht: Mein Gott, was verlierst du schon mehr als eine Stunde deiner Zeit? Und die Wahrscheinlichkeit, dass du mit einem interessanten Gedanken oder so was rauskommst, ist größer, als dass da gar nichts Positives passiert. Reicht dir das? Sonst müssen wir eine Dating-Extrafolge machen.
Stephan Seiler 25:45
Ja, lass uns das auch gerne noch mal machen. Dating in den verschiedenen Altersklassen, das finde ich auch ein super spannendes Thema.
Brigitte Huber 25:50
Das finde ich gut, da holen wir uns aber jemand, der sich auskennt. Weil wir gehen jetzt schnell über zu unseren schnellen Fragen. Kleine Fragen, große Fragen. Erzähl mir mal, was war denn deine größte Weihnachtsenttäuschung, Stephan? Da scheint ja einiges unterm Weihnachtsbaum schiefgelaufen zu sein.
Stephan Seiler 26:08
Weihnachten ist ein komplexes Thema. Weihnachten ist ja in vielen Familien emotionsüberfrachtet, auch mit Erwartungen und so weiter. Wenn dann noch Großeltern mit im Spiel waren etc., war es dann einfach manchmal kompliziert. Die ganze Vorfreude schützt ja nicht davor, dann unterm Weihnachtsbaum zu sitzen und vielleicht doch das falsche Spielzeug zu bekommen. Falsch in Anführungszeichen als verwöhntes Kind der 90er Jahre. Das Feuerwehrauto war nicht von der Marke, die man bekommen hat, oder es gab dann doch nicht das Fahrrad, was man sich erwünscht hat, was aber auch viel zu teuer gewesen wäre, was man dann auch Jahre später noch nicht bekommen hat. Sprich, da hat sich vielleicht auch was verschoben. Ich habe den Eindruck, dass heute noch schneller—
Brigitte Huber 26:47
Es geht nur um deine schlimmste Weihnachtsenttäuschung, keinen generellen Exkurs.
Stephan Seiler 26:54
Okay, die schlimmsten Weihnachtsenttäuschungen waren eigentlich die Feiern, bei denen es dann zum Streit kam. Zum Streit nach der Bescherung unter den Geschwistern oder wer auch immer. Irgendjemand ist aufgesprungen und dann hat gerufen: Das war das schlimmste Weihnachten aller Zeiten. Und wenn man sich dann vorher wochenlang emotional engagiert und sich wirklich freut auf diese Tage, dann ist das so ein extra tiefer Fall von der Klippe der Vorfreude. Vielleicht habe ich es mir auch deshalb ein bisschen abgewöhnt.
Brigitte Huber 27:23
Ich glaube, meine größte Weihnachtsenttäuschung war, Als ich mir, wie ganz viele Mädchen in meinem Alter, vielleicht so mit, weiß ich nicht, 10 eine Barbie-Puppe gewünscht habe und ich bekam eine Skipper. Und die Mädchen in meinem Alter, also die Frauen, die damals in meinem Alter waren, wissen, Skipper war die kleine Schwester von Barbie. Die war aber nicht so eine erwachsene, amerikanische, kurvige Puppe, sondern eben flachbrüstig und so weiter und so fort. Das hat mich damals enttäuscht. Leider ein bisschen. Aber heute kann ich es eigentlich verstehen. Oh, ist aber sehr nett. Ja, genau. Aber ich habe mich trotzdem im Jahr drauf wieder auf Weihnachten gefreut. Wir haben immer so Briefe geschrieben, was wir uns wünschen, und meistens hat das Christkind da gebracht, was da draufstand, oder ein Teil davon.
Stephan Seiler 28:14
Aber ist es nicht auch spannend, bei mir war es ja ähnlich mit Playmobil und Lego, wenn das dann irgendwelche andere Hersteller waren, die so Billighersteller waren, wo es eben auch Klötzchen gab, die man zusammensteckte. Ich war richtig enttäuscht. Ist das nicht aber auch absurd, dass man quasi als Kind schon von der Industrie, von der Spielzeugindustrie quasi so verführt wird und dann auf einem Gleis ist und dann denkt, ich muss in dieser Welt bleiben. Das waren bei mir wirklich 3 Marken: LEGO, Siku, diese Siku-Modellautos und die Playmobil-Geschichten. Und das musste alles von diesen Marken sein, damit ich es überhaupt als wertlich akzeptiert habe. Und ich meine, am Ende war es ja Plastik, Plastik oder Plastik mit ein bisschen Metall. Warum eigentlich? Wir werden manipuliert.
Brigitte Huber 28:51
Ja, aber Marken sind heute ja nicht weniger wichtig. Ich sage nur Apple und Co. oder Nike, Adidas, whatever. Manchmal, wenn es ganz gut läuft, bei der Freude weint man. Bist du jemand, der vor Freude weinen kann?
Stephan Seiler 29:06
Ja, das ist mir auch schon passiert.
Brigitte Huber 29:07
Und weißt du noch, wann zuletzt?
Stephan Seiler 29:10
Fällt mir spontan nicht ein, müsste ich nachliefern. Ich weine aber auch manchmal eher so aus völlig skurrilen Situation. Ich freue mich, ich weine manchmal, muss ich zugeben, wenn ich in den Nachrichten sehe, dass irgendwelche Sportlerinnen und Sportler große Triumphe erreicht haben oder bei Olympia oder so. Und ich merke, wow, da fällt so ein Druck von dieser Person ab, die ist so erleichtert und so freudig. Und da steckt ja jahrelange Arbeit drin, und jetzt ist sie Weltmeister. Oder es kann auch sein in einer völlig anderen Disziplin, die mir gar nichts sagt, irgendwie beim Bobfahren oder Biathlon oder Speerwerfen, was auch immer. Es kann alles möglich sein. Wenn ich sehe, das sind echte Emotionen, die brechen aus den Menschen heraus, die jubeln, die freuen sich, dann fließt mir schon mal eine Träne über die Wange. Aber viel mehr ist es auch nicht.
Brigitte Huber 29:52
Ja, ich kenne das. Also ja, bei mir ist es teilweise dann bei Filmen oder so. Also ich bin jetzt jemand, der ins Kino mit Taschentücher gehen muss. Das muss ich ganz ehrlich sagen. Und es kann sein, dass es traurig ist, weil ich weine. Aber es kann auch sein, obwohl es absehbar war, dass es gut ausgehen wird, dass ich mich trotzdem so freue, dass es gut ausgegangen ist, dass mir die Tränen kommen. Wir haben auch darüber geredet bei der Vorfreude, dass sich das mit dem Alter ändern kann und dass wir Dinge als positiv sehen können, die wir früher vielleicht als neutral gesehen haben. Wie stehst du denn heute mit Mitte 40? Weil wir sind jetzt mitten in der dunkelsten Jahreszeit und es wird noch ein bisschen dunkler. Wie stehst du denn zum Winter? Gibt es irgendwas am Winter, was du heute magst, was du früher nicht mochtest?
Stephan Seiler 30:39
Was ich auf jeden Fall zu schätzen weiß und was mich als Kind wahrscheinlich gar nicht groß begeistert hätte, das sind diese Abende, wenn man sich einmummelt und unter ganz viel Kissen und Decken verkrümelt. Und ja, dieses Cocooning hat man das doch mal früher in Frauenzeitschriften genannt, die du auch mal geleitet hast, glaube ich. Ja, und hügelig war da auch so ein Wort. Man zieht sich zurück und bereitet sich eine gute Zeit. Das habe ich zu schätzen gelernt, inklusive Teezeremonien. Das klingt immer so hochtrabend, fast esoterisch, aber sich einfach einen ganz, ganz köstlichen Tee zu machen an einem Nachmittag, sich mit einer guten Zeitung oder mit einem Film auf die Couch zu verkrümeln, das genieße ich sehr im Winter. Und das mache ich nämlich im Sommer so gut wie gar nicht. Da gönne ich mir kaum eine Zeit. Das sinkt auch wirklich meine Fernsehnutzung. Und das mache ich jetzt gerne im Winter. Mir dann Lieblingsserien angucken, Neues anzuschauen, zu lesen und zu verkrümeln, kuscheln. All das gerne im Winter. Im Sommer habe ich Besseres zu tun. Und du?
Brigitte Huber 31:39
Das merke ich schon auch. Also das kann ich jetzt auch viel besser als noch früher. Klar, auch dieses— da bin ich jetzt schon länger raus aus dem Alter— keine Angst mehr, was zu verpassen. Aber ich finde, der Winter entspannt. Die Sonne geht unter und du hast draußen eh kaum mehr was zu verlieren. Man muss sich sogar richtig aufraffen, um noch mal rauszukommen. Ich war jetzt am Samstag gerade wieder und dann denkst du dir: Puh, jetzt muss ich, obwohl es schon seit 3 Stunden dunkel ist, mich irgendwie noch mal irgendwie hübsch machen und aus dem Haus gehen. Und das ist im Sommer natürlich völlig anders, zumal in Hamburg die Sonne ja ewig nicht untergeht. Und auch mit dem Zubettgehen. Also ich kann früher zu Bett gehen im Winter als im Sommer, weil wenn es hell ist, gehe ich nicht ins Bett.
Stephan Seiler 32:20
Das verstehe ich ein Stück weit. Ich kann ja nicht immer schlafen, egal zu welcher Uhrzeit, aber Aber ich kann eine Sache total unterschreiben. Immer so ab Ende August, Anfang September beginnt bei mir tatsächlich so was, Stichwort Vorfreude auf die Zeit, wenn ich mich dann zurückziehen kann und auch frei bin von diesen ganzen sommerlichen Freilichtveranstaltungsgeschichten, die ganzen Termine. Und dann immer so ab Ende Oktober, so bis Mitte November, bevor dann die Weihnachtsfeiern beginnen, ist so eine Zeit, wo es gar nicht so viele soziale Events gibt, wo man gar nicht so viel raus muss, wo ich dann richtig feiere, mir ein ganzes Wochenende Termin frei zu geben und mich dann zurückzuziehen. Das finde ich wirklich großartig. Da muss ich ein bisschen mein Urteil von eben mit der Vorfreude revidieren, weil da spüre ich das schon. Vor allem auch deshalb, glaube ich, weil ich es unter Kontrolle habe, weil ich ja selbst sagen kann, ich gönne mir das. Da gibt es jetzt gar nicht so viel, was dazwischenkommen kann. Aber sobald ich das Gefühl habe, mein Glück hängt davon ab, dass andere Menschen oder Ereignisse irgendwie auf mich einwirken, mich in eine ganz andere Richtung treiben, drängen oder beordern, dann spare ich mir die Vorfreude. Um da zum Thema vom Anfang der Sendung noch mal zurückzukommen. Und beim Thema Einmurmeln im Winter habe ich das selbst unter Kontrolle. Ich kann es selbst entscheiden. Großartig, danke. Jetzt macht das alles Sinn.
Brigitte Huber 33:40
Jetzt hast du es verstanden, gell? Vorfreude ist tatsächlich etwas, was man, glaube ich, zelebrieren sollte und könnte am meisten. Wenn man viel Einflussmöglichkeiten drauf hat.
Stephan Seiler 33:52
Meine Premiere.
Brigitte Huber 33:53
Deine Premiere. Aber wir gehen jetzt weiter zu unserer nächsten Rubrik, würde ich mal sagen. Dann würde ich sagen, ich komme mal zu unseren Hausaufgaben. Wir haben doch auch uns gegenseitig Hausaufgaben auferlegt oder uns selber vorgenommen. Ich kann mich erinnern, hattest du nicht dieses hehre Vorhaben, ein Dashboard oder so was anzufertigen?
Stephan Seiler 34:15
Ja, also angefertigt habe ich es nicht, ich habe es erworben. Ich halte es mal hier in die Kamera. Vielleicht. Na gut, wir haben ja nur ein Foto.
Brigitte Huber 34:21
Also es sieht auf jeden Fall, ich kann euch Zuhörenden versichern, es sieht magisch aus, sehr bunt und sehr technisch.
Stephan Seiler 34:30
Ja, Regenbogenfarben-Knöpfe. Wunderbar. Ich richte mich da ein. Es macht wahnsinnig viel Spaß. Ich werde jetzt so ein kleiner Technik-Nerd vielleicht noch. Mal schauen, vielleicht bringt mich dieser Podcast auch noch dazu. Lerne auf jeden Fall sehr viel dazu, kann das nur empfehlen. Aber ich erspare euch jetzt die Details, weil über Technik zu sprechen ist, glaube ich, mega langweilig. Aber es läuft. Und wenn irgendwann mal hier Störgeräusche zu hören sind, dann kann ich da jetzt gar nicht schuld sein mehr dran, weil das Dashboard ist natürlich jetzt perfekt.
Brigitte Huber 34:59
Okay, super. Hattest du noch was? Ja, was du anfangen wolltest?
Stephan Seiler 35:03
Jede Menge. Also erst mal eine Sache, muss ich noch mal vermelden: Die Geißigpflanzen-Politik geht weiter. Machst du ja vielleicht auch seit Wochen. Ja, Adler, vielen, vielen Dank. Kann man sich noch mal anhören. Die Dermatologin und Ernährungsspezialisten hatten sie empfohlen, jede Woche 30 verschiedene Pflanzen zu uns zu nehmen. Das sei gut fürs Mikrobiom, was wiederum sich gut auswirkt auf unsere Lebensvitalität, auf die Lebensdauer, auf all das. Jeden Tag 30 Gramm Ballaststoffe und so gehört auch noch dazu. Da folge ich wirklich ganz eisern. Ich teile es ja auch immer wieder auf Social Media und schreibe auf, was ich alles zu mir nehme, von den Akazienfasern die sie uns empfohlen hat. Aber auch viele andere Dinge. Kaffee kann man ja weiter trinken, verzichte ich jetzt drauf. Aber es gibt so viele andere wunderbare Dinge. Das geht auch überall. Das macht wirklich Spaß. Und manchmal komme ich schon auf die 30 Pflanzen mittwochs und donnerstags. Ist fast ein bisschen manisch. Ich nerve jetzt auch alle möglichen Leute um mich herum. Ist aber ein super Thema.
Brigitte Huber 35:56
Wann fängst du denn an? Am Montag?
Stephan Seiler 35:58
Montags fange ich an. Montags bis sonntags geht immer meine Woche und ich erzähle auch jedem darüber. Wie lange brauchst du?
Brigitte Huber 36:04
Ich habe streberhaft schon mich sehr weit nach vorne gewagt. Ich fange immer am Samstag an und das letzte Mal hatte ich tatsächlich schon am Spätnachmittag. Aber das liegt zum einen an dem Müsli, das jetzt nach Jael's Inspirationen schon mit irgendwie 5 verschiedenen Stoffen und ohnehin schon immer 7 oder 6 Obstsorten und so was versorgt ist. Und dann, wenn ich dann nachmittags noch so ein paar verschiedene Salate oder sonst irgendwas esse, dann hat man das schnell zusammen. Also ich glaube, dass ich selten auf mehr als 50 verschiedene pro Woche komme. Aber wow, das ist viel. Aber ja, weil man dann doch, es wiederholt sich ja dann am nächsten Tag, isst du das Gleiche mit den gleichen Inhaltsstoffen, kommt dann nichts mehr dazu. Also, aber die 30 würde ich sagen, es ist tatsächlich, wenn man sich so ein bisschen eingerichtet hat, ist es locker zu schaffen. Ja, gute Nachricht.
Stephan Seiler 36:54
Und es gab auch tolle Infos zwischendurch. Zum Beispiel Milchreis mit Zimt und Zucker zählt auch wieder als 2 Pflanzenpunkte, weil Reis drin ist und der Zimt hat mir ja Al-Ardla auf Nachfrage zugerufen. Toll. Und da war noch so eine kleine Lychee oben. Drauf, da hatte ich schon 3 und dann noch ein bisschen Minze, da waren schon 4.
Brigitte Huber 37:13
Also ich habe Abzüge gemacht wegen des Zuckers vermutlich.
Stephan Seiler 37:16
Gibt es Abzüge wegen des Zuckers? Pflanze ist Pflanze.
Brigitte Huber 37:19
Ja, Pflanze ist Pflanze. Vollkommen klar. Ja, super. Noch eine Premiere?
Stephan Seiler 37:23
Das läuft auf jeden Fall. Ja, jede Menge Premieren hatte ich. Ich habe mich wirklich gefreut. Ich hatte Vorfreude, dir das alles heute mitzuteilen. Ich habe an meinem Zeitgefühl gearbeitet. An meinem Zeitoptimismus. Marc Wittmann, der Zeitforscher, von dem eben schon mal die Rede war, hat uns ja vor einigen Wochen aufgetragen, mit unserem Zeitgefühl ein bisschen bewusster umzugehen, bisschen achtsamer umzugehen. Und ich muss sagen, das gelingt mir immer besser. Ich war jetzt die Tage im Disneyland, wie ich eben schon gesagt habe, und da habe ich auch immer versucht, die zwischen den ganzen beruflichen Terminen— ich war beruflich da, ja, das geht, danke der Nachfrage, man kann auch da arbeiten. Als Journalistin. Und zwischendurch bin ich natürlich Achterbahn gefahren, habe das innere Kind noch mal rausgeholt und auf die Achterbahn gesetzt und habe dann trotzdem alle Ereignisse einigermaßen pünktlich erwischt und erreicht. Ich arbeite dran, auch bei meinen anderen Planungen im echten normalen Leben, abseits von der Achterbahn, außerhalb vom Disneyland, habe ich den Eindruck, dass ich meine Zeiteinschätzung etwas realistischer jetzt treffe. Hier und da gibt es immer noch mal einen kleinen zeitlichen Unfall, aber es wirkt nach. Allein dadurch, dass ich es reflektiere und frage: Bin ich wieder zu zeitoptimistisch? Dauert der Gang zum Bäcker jetzt wirklich nur 3 Minuten, wie ich denke, oder sind es am Ende dann doch wieder 15 aufgrund der Warteschlangen? Bei den kleinen Dingen fängt es ja schon an.
Brigitte Huber 38:47
Ich kann dich an der Stelle auch loben. Du bist auch in den letzten Wochen fast immer pünktlich in den Calls gewesen, was mir schon wichtig ist. Wir haben voll Terminkalender und da ist hier mal 10 Minuten, da mal eine Viertelstunde. Kann man machen, muss man nicht. Und deswegen muss ich sagen: Chapeau! Und ich habe auch aus der Folge einiges mitgenommen. Bei mir ist ja eher immer dieses im Jetzt und Hier bleiben und das versuche ich dann.
Stephan Seiler 39:13
Das ist dein Problem?
Brigitte Huber 39:15
Dass ich zu wenig im Jetzt und Hier bin, sondern nach vorne galoppiere.
Stephan Seiler 39:18
Ja, das geht mir ja nie so.
Brigitte Huber 39:20
Ja, und dann denke ich mir aber dann manchmal, wenn ich jetzt so eine kleine Runde durchmache, bin ich ja im Jetzt und Hier. Und wie viel bringt mir das jetzt, im Jetzt und Hier zu sein? Ist es nicht schöner, an irgendwas zu denken, was einem Spaß macht? Also es passiert momentan einiges in meinem Gehirn, aber ich glaube, ich bin auf einem guten Weg. Dann hattest du nicht auch noch eine Premiere mit, ich sage mal Stichwort Handball?
Stephan Seiler 39:43
Richtig, Handball ist auch eine Sache. Vor einer Woche hatten wir ja Stefanie Stahl zu Gast. Psychologin, Bestsellerautorin, Das Kind in dir muss Heimat finden, kennen ja wahrscheinlich viele, haben vielleicht auch viele zu Hause stehen. Sie hat mir empfohlen, im Umgang mit meiner Handballmannschaft kommunikativ etwas anders aufzutreten. Vielleicht noch mal für alle, die es verpasst haben: Ich habe geschildert, dass ich das Gefühl habe, dass da keine großen tiefen Gespräche stattfinden, dass wir immer nur in der Handballmannschaft, in der ich jetzt seit einem Jahr, seit anderthalb Jahren dabei bin, und wir trainieren einmal die Woche, dass wir meistens über Handball reden und über Oberflächlichkeiten, dass es selten so richtig in die Tiefe geht. Und habe jetzt zwei Erfahrungen gemacht. Erstens: Ich stelle mehr Fragen, frage bewusst nach dem Leben von den anderen, versuche auch mehr in Einzelgesprächen zu sein als so in Gruppenrunden, wo man dann doch wieder hö hö sich auf die Schenkel klopft. Typisch Männer halt, wenn ich das so sagen darf. Ich möchte nicht pauschalisieren, aber typisch Männer. Und in den Einzelgesprächen kriegt man natürlich viel, viel mehr raus. Und ich merke, dass das jetzt auch tatsächlich gefruchtet hat. Ich habe beim letzten Mal dann auch mehr Interesse meiner Person gespürt. Das wird immer mehr zum Pingpong. Ich halte euch auf dem Laufenden. Mal gucken, wie das weitergeht. Ich habe noch eine andere Anknüpfung dazu. Und zwar ist es auch eine kleine Premiere, die wir im Freundeskreis gemacht haben. Wir haben jetzt ja die ganzen Weihnachtsfeiern. Wir treffen uns wieder und setzen uns zusammen. Und statt sich einfach nur dabei zu betrinken und Quatsch zu machen, haben wir uns jetzt dazu verpflichtet, ein kleines Ritual einzubauen. Bei dem einen Ritual handelt es sich um die 3 Highlights des Jahres, die wir uns erzählt haben, unsere ganz persönlichen Dinge. Reihum haben wir uns erzählt, was denn alles so toll war. Und in der anderen Gruppe zeigen wir uns 10 Fotos des Jahres und schildern dann die Geschichten dazu, warum die uns wichtig waren, warum die uns bewegt haben. Weißt du, der eine zeigt ein Foto von dem Rohling des Neubaus, oder von der Geburt des Kindes. Aber auch teilweise sind es einfach, jemand hat eine Kuh fotografiert, weil die Kuh ihm einen lustigen Nachmittag in den Bayerischen Alpen beschert hat.
Brigitte Huber 41:51
Ja, schön.
Stephan Seiler 41:52
Beim Spazierengehen und irgendwie sich erinnert hat an schöne Momente. Also es können ganz niedrigschwellige Dinge sein. Und das hat dieses Zusammentreffen für mich wieder neu aufgeladen, mit einer besonderen Kraft. Da war sofort wieder eine Nähe da. Vor allem in Freundesgruppen, wo man sich nicht so regelmäßig sieht. Und da wäre es ja wirklich Zeitverschwendung, wenn man wirklich nur auf der Oberfläche bleiben würde, ohne Tiefgang. Und nach dem dritten Wodka-Shot ist dann auch nicht mehr viel Tiefgang zu erwarten. Der kam dann später auch noch, aber zunächst mal hat es sich wirklich gelohnt. Genau, der Wodka-Shot kam dann natürlich auch noch, aber es hat sich erstmal gelohnt, innezuhalten und das Jahr zu reflektieren. Das hätte ich früher nie gemacht, und das kann ich wirklich sehr empfehlen. Kleine Rituale einbauen bei diesen ganzen Weihnachtsfeiern, bei diesen Jahresendtreffen, die wir jetzt haben. Kennst du so was?
Brigitte Huber 42:40
Also ich glaube, wir sind da wieder bei dem Thema Zeit dehnen in dem Fall, dass du dir, weil gerade am Ende des Jahres hat man ja häufig das Gefühl, das Jahr ist wieder so rumgerauscht, die Zeit ist so schnell vergangen und da noch mal nachzugucken, was war denn vielleicht in diesem Jahr tatsächlich anders als in den Jahren davor? Das finde ich schon sehr schön. Aber bei mir ist das ohnehin ein bisschen, glaube ich, auch anders. Ich habe sehr viele Freundschaften, die auch in anderen Städten, Ländern, Bundesländern, Ländern nicht, aber Bundesländern sind. Und wenn ich zum Beispiel meine Freundinnen aus Bayern treffe und die treffe ich bloß zweimal im Jahr, dann müssen wir gar keine großen Bilder zeigen, sondern wir erzählen, was ist passiert und so weiter und so fort. Also da glaube ich, passiert es dann automatisch, wenn man sich seltener sieht.
Stephan Seiler 43:29
Wie war denn jetzt aber eigentlich deine Premiere? Du hattest doch eine ganz besondere Aufgabe in den vergangenen Tagen und Wochen. Du warst quasi, kann man das sagen, Pflegekraft, Reha-Kraft?
Brigitte Huber 43:39
Ich war so eine Art Florence Nightingale und Threadwife in einer Person. Ich habe es erzählt, mein Partner, der normalerweise nicht bei mir wohnt, ist am Knie operiert worden und hat beschlossen, dass er die Reha nicht außerhalb von Hamburg in irgendeiner Pflegeeinrichtung macht, sondern eben ambulant. Und das bedeutete, dass er nach der OP zu mir ziehen musste. Und ja, ich hatte so ein bisschen Bammel davor. Ich glaube, man hat es gemerkt. Zum einen, wie ist das, wenn du auf einmal 24/7 dann doch zusammen bist? Wir kennen das nur aus dem Urlaub und das ist ja schon eine andere Situation. Und zum anderen allein, ich sage jetzt mal, Kochen ist jetzt nicht meine Hauptdisziplin. Man kann auch mal was bestellen. Das haben wir dann auch mal gemacht. Aber ich bin zwar seit ich 19 bin Mutter, aber Ich war jetzt nie die große Köchin und meine Kinder haben auch irgendwann mal gesagt: Mama, du kochst nicht wirklich, du wärmst auf. Das ist schon eine ziemliche Unverschämtheit, weil man muss ja auch. Ja, also du weißt, was ich meine. Und ein bisschen gekocht habe ich auch immer.
Stephan Seiler 44:40
Welches Gericht wärmst du am besten auf? Nach Meinung deiner Kinder?
Brigitte Huber 44:43
Nein, ich kann schon wirklich auch Nudeln und so was kann ich auch frisch machen mit Zutaten zur Pesto oder so was. Also in dem Fall habe ich mir jetzt auch ein bisschen geholfen, dass ich so einen Lieferservice der quasi nach Rezepten schon die Zutaten liefert und du musst es nur mehr nachkochen, dass ich mich da quasi unterstützen ließ. Zum einen kriegst du die Inspiration, was willst du kochen, kannst es auch aussuchen und zum anderen hast du das Zeug halt zu Hause und so ein bisschen kochen kann ich ja auch. Aber was vielleicht interessant war und da hatten wir wirklich auch Glück. Die OP ist gut verlaufen und auch der Genesungsverlauf ist ganz gut. Und es ist so, wir reden jetzt von einem Zeitfenster von knapp 2 Wochen, dass wir auch wahrscheinlich sehr, sehr bald wieder mal getrennt wohnen können, ohne dass der Patient auf Hilfe— Aber es ist wirklich gut gelaufen und hat auch Spaß gemacht und ist, glaube ich, auch im Winter finde ich es auch noch schöner, weil es dann ja auch irgendwie noch mal eine andere Behaglichkeit an der einen oder anderen Stelle hat. Also diese Premiere ist gut gelaufen.
Stephan Seiler 45:47
Aber ich finde das wirklich beeindruckend. Ihr habt jahrelang nicht zusammen gewohnt. Ihr seid seit vielen Jahren zusammen, wenn man das verraten darf, habt nicht zusammengewohnt. Jetzt wart ihr zusammen für 2 Wochen mittlerweile und dadurch können sich auch ganz neue Dynamiken, denke ich mal, ergeben. Im Guten wie im Negativen. Hast du da von irgendwas mitbekommen? Ist dir dein Partner jetzt noch bekannter geworden? Hast du neue Seiten an ihm kennengelernt oder ist er dir fremder geworden?
Brigitte Huber 46:12
Nein, also ich wusste vorher, dass er gern mal abends Fußball guckt, wenn Champions League ist oder so was. Aber das wusste ich vorher. Jetzt ist vielleicht eher der Punkt, dass er das dann zu Hause bei mir in der Wohnung guckt und nicht bei sich dann. Und dass ich dann vielleicht in ein anderes Zimmer gehe. Aber das haben wir früher auch schon manchmal gemacht. Ich habe immer selber für mich genug zu tun. Das ist nicht der Punkt.
Stephan Seiler 46:32
Schön, das freut mich. Also erst mal freut es mich, ihr seid noch zusammen. Hurra! Es freut mich, dass dein Freund das gesundheitlich gut überstanden hat und dass du jede Menge Essen aufgewärmt hast. Offenbar auch. So schlecht wird es ja dann ja offenbar nicht gewesen sein, oder?
Brigitte Huber 46:47
Nein. Nein, ich glaube, das wäre jetzt auch nicht der Grund, warum er wieder zurückzieht zu sich selber. Ich glaube, das ist aber— Ich glaube aber auch, bei so was ist auch immer die Begrenztheit der Zeit, die was ausmacht. Wenn es hieße, ab jetzt ist es immer so, dann wird man sich wahrscheinlich noch mal ein bisschen anders fühlen. Aber insofern war ich einfach froh und dankbar, dass es gut gelaufen ist. Allein auch schon mit der OP und so weiter und dass die Schmerzen eher geringer sind, als man gedacht hat. Und so weiter und so fort. Also insofern toi, toi, toi. Was ist deine nächste Premiere?
Stephan Seiler 47:18
Schön. Eine Sache muss ich auch noch verraten. Fällt dir was an mir auf? Stichwort Premiere. Vor 2 Wochen hatten wir das Thema Schönheits—
Brigitte Huber 47:25
Schönheits— Du wolltest was an dir machen lassen. Stimmt.
Stephan Seiler 47:29
Siehst du irgendwas?
Brigitte Huber 47:31
Für alle Leute, die das jetzt mitgefangen haben. Also es kommen wieder 2 Sachen. Das eine, das eine: Wir kommunizieren über Bildschirm. Ja, und so richtig gut kann man das nicht sehen. Zumal da irgendwo, glaube ich, ein Weichzeichner im Spiel ist. Aber so genau. Also es sieht sehr weich gezeichnet aus. Aber was denkst du, was ich raus haben könnte? Ich kann nicht zählen. Also ich würde jetzt einfach auf gut Glück sagen noch glatter. Hast du dir was reinspritzen lassen? Irgendwie Botox oder Hyaluron oder?
Stephan Seiler 47:59
Liegst nicht ganz falsch. Ich kann ja mal kurz ausholen. Ich habe ja jetzt keinen richtigen Schönheits-Doc oder so, sondern ein Bekannter von mir ist Dermatologe in Hamburg und der bietet das auch an. In seiner Praxis unweit von der Alster bietet er diverse Behandlungen an. Ich glaube, Klammer auf, mittlerweile macht er wahrscheinlich mehr Umsatz damit als mit seinen Hautarztbehandlungen. Vermute ich. Ich weiß es nicht. Und ihn habe ich gefragt, ob er was machen kann. Und er hat erst mal gesagt: Ja, Stephan, hier, hier, bei dir würden noch gut Filler passen, bei deinem Gesicht, bei deinem kantigen Gesicht. Und ich sage: What? Keine Ahnung, Filler? Ich will jetzt ja nicht so aufgepumpt aussehen und so weiter. Aber ich bin hingegangen und dann haben wir uns am Ende drauf geeinigt, mir Botox in die Stirn und unter die Augen zu spritzen. Und guck mal, ich kräusle gerade die Stirn, man sieht noch ein paar Falten, aber ist auch wirklich ein bisschen weichgezeichnet. Also wer sich das jetzt auf Instagram angucken möchte, macht das gerne. Das ist aber sowieso bei diesem Programm, mit dem wir aufzeichnen, Riverside, ist immer so ein komischer Weichzeichner drauf, dass ich so quasi sowieso immer irgendwie behandelt und gebotoxt aussehe, auch wenn gar nichts ist. Und jetzt habe ich das und so, und jetzt frag mich mal. Also erst mal, wie findest du es, wenn du jetzt die Brille aufhast? Siehst du?
Brigitte Huber 49:10
Also ich sehe, dass du dir richtig Mühe geben musst, um zwei so halbschräge Querfalten zu erzeugen.
Stephan Seiler 49:18
Dafür fallen jetzt umso mehr die Falten unter den Augen auf.
Brigitte Huber 49:21
Stimmt. Das ist ja immer die Gefahr, wenn man mit irgendwas anfängt, nicht wahr? Ja, dass der restliche Körper dann dagegen abfällt.
Stephan Seiler 49:29
Richtig. Und wer weiß, wo wir jetzt mal laufen würden, wenn ich dann mal richtige faltige Hals hätte. Und da müssen wir wirklich alles machen.
Brigitte Huber 49:37
Also bist du jetzt angefixt oder hast du das Gefühl, das war's schon?
Stephan Seiler 49:43
Also ich habe ein bisschen Sorge. Ich habe Sorge, dass ich jetzt in diesen Strudel reingerate. Ich bin ein bisschen angefixt, wie so nach der ersten Dosis, die man vom Dealer kostenlos bekommt. Übrigens, die Botox-Behandlung kostet 350 €.
Brigitte Huber 49:53
Wie mich mein Podcast in die Sucht trieb, oder was ist das dann?
Stephan Seiler 49:56
Hui, 270 € kostet so eine Botox-Behandlung.
Brigitte Huber 49:59
Ja, das hätte ich dich schon noch gefragt.
Stephan Seiler 50:01
Es ist richtig, richtig teuer. Aber das beiseite. Was macht man nicht alles für einen Test? Kann man ja mal ausprobieren. Kann man ja mal das Geld aus dem Fenster werfen. Ich habe nur die Sorge, dass ich jetzt wirklich angefixt bin wie so ein neuer Kunde eines Drogendealers. Im Sinne von: Jetzt habe ich es einmal gemacht. Was ist, wenn das jetzt irgendeine Wirkung erzielt und ich danach dann, sobald die Falten in 4, 5, 6 Monaten dann wiederkommen, in ihrer ganzen Perf. Was mache ich dann? Da renne ich dann wieder dahin, weil ich denke, das geht ja nicht, weil dann ist in 6 Monaten, dann ist ja Sommer. Oh mein Gott, dann laufe ich draußen rum und fühle mich dann noch älter und noch schrumpeliger. Davor habe ich Sorge, vor diesem psychologischen Effekt.
Brigitte Huber 50:41
Was ist denn das Gegenteil von Vorfreude? Ist das Vorfurcht? Ich glaube, du steigerst dich gerade in eine Vorfurcht rein. Das kann ich sehr gut.
Stephan Seiler 50:49
Ich kann sehr gut kommunizieren, wenn die Angst ist. Warum wundert mich das nicht?
Brigitte Huber 50:55
Okay, also hör auf, dich— also wenn du dich schon nicht richtig vorfreust, hör auf, dich vorzufürchten. Lass es laufen.
Stephan Seiler 51:03
Okay, versuch's. Ich schreib's mir ins Buch, in mein Dankbarkeitstagebuch, dass ich es auch nicht vergesse. Aber jetzt eine Frage: Rate mal, wie viele Menschen mich bisher darauf angesprochen haben, mich gefragt haben, ob ich was gemacht habe?
Brigitte Huber 51:15
Niemand.
Stephan Seiler 51:16
Richtig. Es fällt niemandem auf. Niemand, niemand, niemand sagt was. Also abgesehen von meinem Partner. Aber sonst niemand.
Brigitte Huber 51:24
Er wusste es.
Stephan Seiler 51:25
Aber sonst sagt niemand etwas zu mir. Vielleicht, weil sie sich nicht trauen. Ich habe auch nicht den Eindruck, wenn ich jetzt über die Straße laufe, dass ich mehr Blicke erhasche, dass mehr Menschen auf mich gucken, dass ich irgendwie der Blickfang der Straße bin.
Brigitte Huber 51:40
Überhaupt nicht. Schade eigentlich.
Stephan Seiler 51:42
Bisher zumindest. Könnt ihr da draußen einfach mal so tun, als wäre es eine ganz tolle Sache und mir gern per Instagram Nachrichten schreiben, wie toll das aussieht mit der Stirn. Dann habe ich wenigstens eine kleine Art der Bestätigung. Fishing for compliments auf einer ganz billigen Art und Weise.
Brigitte Huber 51:58
Aber man muss auch ganz ehrlich sein. Grübeln wirkt ja auch intelligent und sexy. Wenn du jetzt nicht mehr grübeln kannst, dann wirkt das ja vielleicht eben gerade nicht. Aber wir wollen das nicht weiter vertiefen. Hast du denn eine neue Premiere, die du—
Stephan Seiler 52:15
Genau, ein Hinweis noch dazu. Das soll auch hier kein Beauty-Podcast werden. Ich möchte, das weißt du, Das war jetzt ein kleiner Ausflug in die Beauty-Welt und wir werden bestimmt auch irgendwann noch mal dahin kommen. Aber das ist jetzt nicht, Stichwort Erwartungsmanagement, nicht davon ausgehen, dass wir jetzt ständig irgendwelche neuen Sachen testen, die die Verschönerung betreffen. Das ist nicht meine Absicht. Das nur als kleiner Zusatz.
Brigitte Huber 52:36
Ich verspreche euch das auf jeden Fall auch.
Stephan Seiler 52:38
Du sorgst dafür.
Brigitte Huber 52:40
Ja, ich sorge dafür. Neue Premiere, hast du was noch? In petto?
Stephan Seiler 52:46
Ja, ich habe ein paar Premieren in petto, und zwar ich möchte mich zum Jahresende von meinem schlechten Gewissen befreien. Ich würde gerne bis zum Jahresende mich bei einigen Menschen entschuldigen bzw. um Entschuldigung bitten, die es vielleicht verdient hätten, und somit mit einem reinen Gefühl ins neue Jahr starten. Ich habe jetzt noch ein paar Tage Zeit, Alle da draußen, die der Meinung sind, dass ich sie dieses Jahr verletzt habe, bitte schickt mir, schreibt mir. Brigitte meldet sich. Brigitte, okay, ich rufe bei dir an und dann werde ich Abbitte leisten in den nächsten Wochen. Mal gucken, ob mir das gelingt. Auch das soll sich ja positiv auswirken. Irgendein Hormon wird doch da bestimmt auch ausgeschüttet, oder Brigitte? Was hältst du davon?
Brigitte Huber 53:32
Ja, selbstverständlich. Da könnten wir natürlich auch wieder ganze Podcastfolgen zu diesem Thema Fühlen, Vergeben, Entschuldigen, einfach zu Entscheidungen noch mal sich neu positionieren, zu Reaktionen. Also gibt es viel zu sagen.
Stephan Seiler 53:49
Und was wird deine nächste Premiere?
Brigitte Huber 53:51
Also bei mir geht es darum, dass ich wahrscheinlich jetzt bald mal zu einer Stimmtrainerin gehen werde. Wow, jetzt überrasche ich dich mal wirklich. Der Punkt ist der: Stimme, also Sprechstimme, wie auch immer. Der Punkt ist, ich habe ja mit meiner Kollegin Anfang Oktober unser Buch präsentiert in verschiedenen Städten und wir haben da auch gelesen. Alle haben es gelesen. Alle haben es gelesen. Und sowohl ein befreundeter Moderator, der bei einem dabei war, als auch eine Moderatorin, die mich interviewt hat, haben danach gesagt, ich würde beim Lesen vor allem zu schnell sprechen und in meiner Stimme wäre da einfach dann zu wenig Atem und so weiter und so fort. Und der befreundete Moderator hat gesagt: Mensch, Brigitte, ich glaube, du solltest mal zu so einer Stimmtrainerin gehen. Und dann habe ich mir gedacht, hier lese ich ja weniger vor, aber ich spreche ja auch. Und vielleicht, vielleicht, also vielleicht Merkt man meiner Stimme dann mehr an, nachdem ich bei der Stimmtrainerin war, als deiner Stirn, dass du beim Dermatologen warst? Wir werden sehen, was ich da mitbringe. Aber wir wollen ja nicht ins Battle gehen. Aber interessant wäre einfach, ich werde vielleicht beim nächsten Mal gar nicht sagen, ob ich da war, sondern du musst es einfach erraten, ob sich irgendwas an meiner Stimme oder meinem Sprechtempo oder sonst irgendwas verändert hat.
Stephan Seiler 55:20
Olaf Scholz hat mir noch nachgesagt, dass er die Aufmerksamkeit seiner der umstehenden Politiker immer auf sich gezogen hat, indem er— und Journalisten auf sich gezogen hat, indem er ganz leise wurde, hat immer leiser geredet. Und dann haben die Leute noch aufmerksamer zugehört und dachten, das muss jetzt ganz, ganz doll wichtig sein, wenn Olaf so ruhig und langsam spricht.
Brigitte Huber 55:38
Also ich werde mich da mal so ein bisschen reinverkrümeln in dieses Thema, finde das ganz spannend, zumal das relativ geschlechtsspezifisch ist, dass Frauen häufiger schneller sprechen, weil sie gar nicht so viel Raum einnehmen wollen, während Männer kein Problem haben, lange und viel zu sprechen. Aber wie gesagt, da werde ich mir dann so ein paar Informationen zusammensammeln und auch tatsächlich in die Praxis gehen und bei einem der nächsten Male darüber berichten. Und ich würde sagen, wir sind am Ende angelangt und wir gucken nach vorne.
Stephan Seiler 56:10
Sehr gut.
Brigitte Huber 56:10
Was kommt denn in der nächsten Folge? Und nächstes Mal?
Stephan Seiler 56:15
Nächste Woche haben wir jemanden am Start, der mich in meiner Jugend wirklich jede Woche begleitet hat. Oliver Kalkofe. 90er Jahre war er jede Woche zu sehen in Kalkofes Mattscheibe. Darin hat er alle möglichen Fernsehleute parodiert, und zwar so bissig und lustig, dass ich wirklich kaum eine Folge verpasst habe. Er hat ein Buch geschrieben. Brigitte, du weißt es ja schon, das Buch dreht sich genau um unser Thema, nämlich um Das Älterwerden und hat eine Zielgruppe im Auge, die dir auch nicht ganz fremd ist.
Brigitte Huber 56:50
Wenn ich das so fragen darf.
Stephan Seiler 56:51
Genau, die Boomer.
Brigitte Huber 56:52
Es geht um die Boomer, also um die Leute, die in den geburtenstarken Jahrgängen geboren sind. Und ich spoiler schon mal, ihr werdet bei dieser Gelegenheit auch den jüngsten Boomer Deutschlands kennenlernen. Wer das wohl sein könnte in unserer Runde?
Stephan Seiler 57:09
Ja, wer das wohl sein könnte? Ich freue mich auf jeden Fall sehr auf diesen Austausch mit Oliver Kalkofe, dem nicht jüngsten Boomer des Landes, der aber genau mit der Boomer-Generation sich auseinandersetzt, unter anderem in einem neuen Buch. Alles Weitere werden wir nächste Woche hören. Ich freue mich sehr darauf. Das bringt noch mal eine ganz andere Farbe hier rein, neben den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, neben den Experten Steffi Stahl, Marc Wittmann, Professor Volker Limroth. Und Yael Adler jetzt mal die humorvolle Seite des Älterwerdens zu beleuchten.
Brigitte Huber 57:43
Und er kann ja beides, glaube ich, humorvoll und trotzdem tief.
Stephan Seiler 57:46
Dann freuen wir uns beide. Übrigens habe ich die Woche gehört, dass dieser Satz, ich freue mich drauf, oder schreibe ich auch manchmal in E-Mails manchmal am Ende rein, wenn ich mich richtig auch auf so Termine manchmal freue, wieder Stichwort Vorfreude, dass das so als Boomer-Cringe gilt. Cringe ist auch so ein Ding. Letzte Woche habe ich ja Cringe gesagt, dann habe ich es offenbar falsch ausgesprochen. Worauf jetzt von unserem Social-Media-Beauftragten belehrt wurde, dass das nicht so ausgesprochen wird wie der Weihnachtsgrinch, sondern Grinch irgendwie anders. Ihr wisst schon, was ich meine. Ich tappe weiterhin erfolgreich ins Fettnäpfchen und wird wahrscheinlich nächste Woche auch weitergehen. In jedem Falle sollte man nicht mehr sagen, habe ich gehört, ich freue mich drauf, weil das offenbar junge Leute als Floskel entlarvt haben. Wie stehst du dazu? Sagst du weiterhin, ich freue mich drauf, am Ende von E-Mails oder von Texten oder von Korrespondenzen?
Brigitte Huber 58:35
Wenn ich mich drauf freue, würde ich sagen, mache ich es. Und da ich ja weiß jetzt, dass Vorfreude die schönste Freude ist und manches danach einfach überhaupt nicht mehr mit dem Erwartungsglück mithalten kann, werde ich mir das nicht nehmen lassen.
Stephan Seiler 58:49
Dem schließe ich mich vollumfänglich an. Brigitte, wir sind endlich einer Meinung.
Brigitte Huber 58:53
Ja, dann lass uns jetzt hier den Cut machen. Ich freue mich. Ich freue mich auf die Zeit danach.
Stephan Seiler 58:59
Bis nächste Woche mit Oliver Kalkofe. Tschüss, ciao, tschüss. Das war Die Sache mit dem Älterwerden, der Podcast mit Brigitte Huber und Stephan Seiler.
Brigitte Huber 59:13
Vielen Dank an Leo Ebert-Glang für die Titelmelodie, das Sounddesign und den Schnitt, und an Alina Zawalisch für die Covergestaltung. Die Sache mit dem Älterwerden erscheint mittwochs auf allen gängigen Podcastplattformen.
Stephan Seiler 59:26
Folgt uns, abonniert uns, dann verpasst ihr keine Folge.
Brigitte Huber 59:30
Und empfehlt uns bitte weiter, das würde uns sehr freuen.
Stephan Seiler 59:35
Wenn ihr uns Feedback schicken möchtet, egal ob positiv oder negativ, oder wenn ihr Themenvorschläge für uns habt, schreibt uns eine E-Mail, eine Textnachricht oder Sprachnachricht auf unserem Instagram- oder Facebook-Kanal.
Brigitte Huber 59:48
Alle Infos findet ihr auch schriftlich zu dieser Folge in der Zusammenfassung in eurem Podcast Player.
WEITERHÖREN

Folge
40
·
75 Min.
Mit
Brigitte & Stephan
Warum ist Stand-up-Sockenanziehen die ultimative Fitnessprüfung?
Alle Folgen