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100 Min.

Was würdest Du gerne Deinen Vater fragen? Was aus der Kindheit wird mit dem Alter blasser? Und wie gelingt echtes Zuhören? Mit Hubertus Meyer-Burckhardt

„Eine Freundschaft verfolgt kein Ziel – sie genügt sich selbst.“ Mit dieser klaren Ansage nimmt uns NDR-Talkshow-Legende, TV-Produzent und Bestsellerautor Hubertus Meyer-Burckhardt mit auf eine Reise durch das Leben.

Beziehungen

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Überall, wo es Podcasts gibt:

Im Gespräch mit Brigitte und Stephan zerlegt er mit gewohntem Witz und Scharfsinn diverse verstaubte Alters-Mythen.

Ein Gespräch über Verbindungen – aus dem sich durchaus ein Plädoyer für radikale Neugier herauslesen lässt.

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  • 0:00 Intro: Talkshows, ein Format für alle Generationen?

  • 3:08 Unser Gast: Hubertus Meyer-Burckhardt

  • 9:59 Mit 70: „Ich stürze mich ins Leben“

  • 16:52 „Wenn Mut sich lohnen würde, dann wären alle Menschen mutig“

  • 21:00 Therapie und warum so viele Männer zögern

  • 26:55 Warum die kürzeste Frage die präziseste ist

  • 28:24 Funktion oder Person: worüber Männer und Frauen beim Kennenlernen reden

  • 31:54 „Eine Freundschaft verfolgt kein Ziel“: vom Zuhören und Hinhören

  • 43:22 Raus aus der eigenen Blase

  • 53:10 Was aus der Kindheit mit 70 blasser wird und was schärfer

  • 56:54 Die eine Frage an den Vater

  • 1:02:05 Nicht weiser, sondern dankbarer

  • 1:09:00 Ein Buch über Lebenszeit und die Diagnose beim Check-up

  • 1:16:32 Kleine Fragen, große Fragen

  • 1:25:13 Fazit: Therapie für alle und warum kurze Fragen so schwer sind

Transkript zur Folge

Hubertus Meyer-Burckhardt 0:00
Also ein Geschäft verfolgt ein Ziel, aber eine Freundschaft genügt sich selbst. Eine Freundschaft verfolgt kein Ziel. Ich fühle mich deutlich jünger. Ein Blick in den Spiegel verrät, dass das ein Irrtum ist. Aber ich mache das, was ich immer schon ganz gut konnte. Ich stürze mich ins Leben. Alle, die zögern, mögen sich mit folgendem Satz, es kommt ein Zitat, auseinandersetzen, das ich ein kluges Zitat finde, das da heißt: Wenn mehr Menschen Therapie machen würden, müssten weniger Menschen Therapie machen. Das ist, finde ich, ein sehr kluger Satz, weil du bist irgendwann mal Vater unter Umständen, und wenn du selber Traumata mit dir rumträgst, bist du vermutlich auch kein sehr guter Vater oder vielleicht auch kein sehr guter Ehemann.

Stephan Seiler 0:50
Herzlich willkommen zur Sache mit dem Älterwerden. Wir werden hier gemeinsam älter. Brigitte, Schaust du gerne Talkshows?

Brigitte Huber 0:57
So mittel. Ich würde jetzt mal sagen, ich bin jetzt nicht so die Typische: Oh, es ist jetzt Freitagabend und jetzt muss ich unbedingt die oder jene Talkshow sehen. Aber manchmal stolpere ich gern rein und wenn ich dann zum Beispiel Barbara sehe, Schöneberger, die ich ja von früher kenne oder so, dann freue ich mich und dann bleibe ich da auch hängen.

Stephan Seiler 1:17
Ja, das muss man sagen. Ihr habt ja ein Magazin zusammen mal gemacht, Barbara Schöneberger und du. Jeden Monat Barbara hieß das. Und Barbara Schöneberger ist überraschenderweise der präsentesten Talkshow-Hosts, würde ich mal so sagen. Ich habe mal nachgeschaut, im deutschen Fernsehen laufen aktuell etwa zwei Dutzend regelmäßig ausgestrahlte Talkshows pro Woche. Wahnsinn! Eine exakte Gesamtzahl lässt sich wirklich schwer festlegen, da ständig auch wieder was neu dazukommt oder abgesetzt wird. 289 Talkshow-Episoden sollen allein in der ARD und ZDF und den anderen öffentlich-rechtlichen Sendern im vergangenen Jahr gelaufen sein. Fast 300 Talkshow-Episoden pro Jahr, immer mit verschiedenen Gästen. Irre, oder?

Brigitte Huber 1:59
Das ist schon eine irre Zahl. Das heißt ja, man könnte eigentlich den ganzen Tag auch nur Talkshow gucken, oder?

Stephan Seiler 2:04
Könnte man auch. Ich habe auch den Eindruck, auf manchen dritten Programmen werden die auch quasi die ganze Nacht dann wiederholt. Weiß nicht, wer sich das alles dann noch mal anguckt.

Brigitte Huber 2:11
Ja, aber dann hört man irgendwann, glaube ich, Stimmen im Kopf, wenn man zu viel guckt.

Stephan Seiler 2:15
Aber glaubst du nicht auch, dass es ein Format ist, die Talkshow, das generationenübergreifend funktioniert? Ich habe Häufig meinen Eltern auch geschaut, früher schon.

Brigitte Huber 2:23
Ich kann es jetzt von den jungen Leuten nicht bestätigen, die in meinem Umkreis sind, dass die Talkshows hören. Aber im Großen und Ganzen, ich glaube, das liegt ja auch an der Wahl der Gäste, oder? Und wahrscheinlich auch an den Moderator:innen.

Stephan Seiler 2:36
Richtig. Bist du eher so eine Lanz-Guckerin oder eher eine NDR Talkshow-Guckerin in den dritten Programmen? Oder guckst du Maischberger gerne?

Brigitte Huber 2:46
Ja, ich guck dann schon ganz gern auch so zu politischen und gesellschaftlichen Themen. Tatsächlich, also dann auch durchaus Lanz oder so. Find aber dann auch das ganz spannend, wenn man sich mal auf diesen Cocktail Buntes da einlässt, der in den Talkshows so gezeigt wird. Also auf jeden Fall, da bin ich auch dabei. Aber du hast glaube ich auch einen Gast, der durchaus in dieses Ambiente passt, oder?

Stephan Seiler 3:08
Richtig, Hubertus Meyer-Burckhardt ist heute unser Gast. Er ist ja einer der Fragesteller im deutschen Fernsehen, der schon am längsten im Dienst ist.

Brigitte Huber 3:17
Ach, tatsächlich?

Stephan Seiler 3:18
Ja, ich habe irgendwo gelesen, so um die 400 NDR Talkshows hat er schon moderiert. Irre.

Brigitte Huber 3:24
Was für ein Wahnsinn. Seit wie vielen Jahren ist er dann dabei?

Stephan Seiler 3:27
Schon in zwei Etappen. Seit den 90er Jahren moderiert er in wechselnden Besetzungen die NDR Talkshow und gehört, glaube ich, damit zu den Gesichtern, die auch in meinem Leben zu den festesten Konstanten gehören. Mit ihm bin ich auch ein Stück weit aufgewachsen.

Brigitte Huber 3:42
Ja, und ich finde, er macht das auch richtig gut.

Stephan Seiler 3:45
Richtig. Hast du so ein Lieblingsgespann bei den Talkshows? Für alle, die es nicht kennen, in den öffentlich-rechtlichen Sendern NDR, RBB, WDR gibt es ja freitagsabends so einen festen Talkshowplatz. Hat sich über die Jahrzehnte etabliert, gehört zur festen Gewohnheit und das ist auch ein großer Konkurrenzkampf da zwischen den Shows. Micky Beisenherz moderiert glaube ich freitagsabends im WDR, im Riverboat moderiert glaube ich mal Kachelmann und andere, NDR Barbara Schöneberger und Hubertus Meyer-Burckhardt. Aber auch da ein Wechsel in der Besetzung. Auch Steven Gäthien ist da ja manchmal zu Gast. Als Gastgeber aktiv?

Brigitte Huber 4:18
Also so würde ich mich jetzt nicht festlegen, ganz diplomatisch. Aber tatsächlich mag ich Barbara und Hubertus natürlich schon ganz gern, weil es auch immer ganz spannend ist, wenn man jemand selber auch ein bisschen kennt. Also in dem Fall Barbara. Und ich finde, die beiden sind schon ein sehr gutes Gespann.

Stephan Seiler 4:34
Ist Barbara Schöneberger denn, wenn du sie so kennst im persönlichen Umgang, genauso redselig, genauso wirbelig, wuselig wie vor der Kamera? Wie kann ich mir das vorstellen?

Brigitte Huber 4:44
Also ich finde tatsächlich, dass Barbara absolut authentisch ist in dem, was sie macht und tut. So habe ich sie immer erlebt. Die ist vor der Kamera so wie hinter der Kamera. Sie hat diese wahnsinnige Dynamik. Sie kann sich wahnsinnig gut Gesichter und Menschen merken und geht dann auf die Leute zu. Und also tatsächlich, also weil es ja manchmal heißt, Prominente haben dann zwei Gesichter oder so was. Bei Barbara überhaupt gar nicht. Und auch wenn du morgens um 5:30 neben ihr, was Gott sei Dank nicht häufig passiert ist, im Taxi schon sitzt, weil irgendwie eine Veranstaltung oder sonst was war, oder du bist dann früh aufgebrochen, dann ist sie auch schon munter und fröhlich und Barbara.

Stephan Seiler 5:25
Irre. Also on fire ab Sekunde eins, nach dem Aufstehen oder zumindest dann, wenn du sie wieder getroffen hast.

Brigitte Huber 5:32
Ja, und wie gesagt, ich habe sie eben immer als absolut authentisch, ist das Wort schon. Also da gibt es kein, also Ich habe sie als absolut authentisch wahrgenommen.

Stephan Seiler 5:43
Das Wort, das man ständig hört, authentisch. Aber bei ihr trifft es, stimmt dann auch das Wort authentisch, was man ja sonst so inflationär benutzt.

Brigitte Huber 5:49
Ja, wie gesagt, ich habe einfach nie das Gefühl gehabt. Also ich habe, bevor ich Barbara kennengelernt habe, ich sie halt häufiger schon mal auf der Bühne gesehen und so weiter und so fort. Und als dann klar war, dass wir auf der Ebene für das Magazin zusammenarbeiten werden, habe ich mir natürlich schon im Vorfeld Gedanken gemacht, wie ist sie dann quasi so hinter den Kulissen? Und ich fand das schon eine ganz, ganz tolle, schöne Erfahrung, dass sie vor der Kamera einfach genauso ist wie hinter der Kamera.

Stephan Seiler 6:18
Barbara hat übrigens was Wunderschönes gesagt über unseren heutigen Gast, über Hubertus Meyer-Burckhardt. Die beiden moderieren ja gemeinsam und sie sagte, mit keinem anderen lässt es sich über Leichtes so gehaltvoll sprechen und über Gehaltvolles so leicht sprechen wie mit Hubertus Meyer-Burckhardt. Hubertus Meyer-Burckhardt, Anfang der 60er Jahre in Kassel geboren, Hatte keine leichte Kindheit. Vater Kriegsheimkehrer, Alkoholiker. Wurde dann irgendwann von Hubertus Meyer-Burckhardt vor die Tür gesetzt, wie er auch in seinem Buch beschrieben hat, sehr eindrucksvoll. Und es folgte dann eine Jugend mit der Mutter gemeinsam. Später dann ist er durchs ganze Land getingelt. Hamburg, Berlin, München. Und war erfolgreich als Filmproduzent, als Zitatesammler. Er hat kürzlich ein Buch herausgegeben mit den gesammelten Zitaten aus den ganzen Lebensjahrzehnten. Ist gerade 70 Jahre alt geworden und wie gesagt einer der schillerndsten Figuren im deutschen Talkshow-Geschäft, kann man so sagen. Damit gewissermaßen auch ein kleiner Lehrmeister für mich immer gewesen. Ich habe dann durchaus zugeguckt ab und zu mal und mir in Sachen Fragestellung die ein oder andere Lektion abgeschaut.

Brigitte Huber 7:30
Ja, das wäre ehrlicherweise auch meine erste Frage an dich gewesen. Bist du in dieses Interview anders reingegangen? Fühlt sich das für dich jetzt besonders an, wenn du einen Menschen befragst, der professionell und sehr gut Fragen stellt?

Stephan Seiler 7:45
Also ganz ehrlich, wir sind ja unter uns, ich hatte davor richtig Bammel. Das hatte ich so nicht, als ich, weiß ich nicht, Thomas Gottschalk interviewt habe oder Angela Merkel. Das war irgendwie ein anderes Gefühl, weil hier habe ich den Eindruck gehabt, wenn ich die falschen Fragen stelle, dann zieht er mich am Nasenring durch die sprichwörtliche Manege. Fühlte mich ein bisschen wie auf einer Journalistenschule im Interviewtraining. Es gab auch eine kritische Anmerkung, werden wir uns ja gleich anhören, zu meiner Fragestellung.

Brigitte Huber 8:13
Dann bin ich mal kurz Ich bin kurz um ein paar Zentimeter geschrumpft.

Stephan Seiler 8:16
Ich hoffe, das merkt man da draußen nicht so doll. Aber wir werden es ja danach dann noch mal nachbesprechen können. Wirst du gleich hören.

Brigitte Huber 8:21
Ja, super.

Stephan Seiler 8:23
Es ist ein Gespräch über den Wert von Verbindung, um vielleicht noch ein bisschen was zu verraten im Vorhinein. Wert von Verbindung, wie man Gespräche führt, wie man vielleicht auch mehr aus dem Gegenüber nicht herausbekommt. Klingt so investigativ. Ich meine, wie man ein angenehmeres Gespräch führt, das sich für alle angenehm fühlt. Egal ob jung, egal ob alt, auch wenn es vielleicht Menschen sind mit ganz anderen Hintergründen, wo man vielleicht erst mal eine Brücke schlagen muss, um Zugang zu bekommen. Da gibt es einige Tipps und Tricks, die man, glaube ich, rausziehen kann, obwohl der Hubertus, so viel darf ich schon mal verraten, sich nicht als Ratgeber sieht. Auch da hat er mit die Ohren langgezogen, aber am Ende hat er dann natürlich doch ein paar Tipps mitgegeben.

Brigitte Huber 9:03
Ja, sehr gut. Also wir lernen, wie man gute Gespräche führt. Nehme ich schon mal mit.

Stephan Seiler 9:08
Ja, hoffentlich.

Brigitte Huber 9:08
Ja, also was mich schon auch noch interessiert, ist schon so ein bisschen auch der Mensch. Hinter dieser Moderatorenrolle. Ich meine, der hat ja auch schon so ein paar Prüfungen auch vom Schicksal mitgekriegt. Kind mit Behinderung, selber Krebserkrankung. Wie geht er damit um? Wie sieht er das Älterwerden als Prozess jetzt so im Angesicht des 70. Geburtstags? Also das finde ich schon immer ganz spannend. Was kann man von ihm positiv übers Älterwerden lernen? Sprecht ihr darüber auch?

Stephan Seiler 9:40
Ja, Brigitte, darüber reden wir auch natürlich über seinen Umgang mit dem Älterwerden, mit dieser seltsamen Geschichte des Älterwerdens, die uns ja alle betrifft. Deshalb machen wir diesen Podcast. Wir werden alle gemeinsam älter. Heute mit Hubertus Meyer-Burckhardt ein Stück weit. Wollen wir loslegen?

Brigitte Huber 9:57
Dann würde ich sagen, wir legen los.

Stephan Seiler 9:59
Mein Name ist Brigitte Huber und meiner ist Stephan Seiler. Und das ist Die Sache mit dem Älterwerden. Hallo, herzlich willkommen Hubertus Meyer-Burckhardt und happy birthday noch nachträglich. Du bist vor kurzem 70 Jahre alt geworden. Sind wir gleich bei der ersten Frage: Was hat die Zahl mit dir gemacht?

Hubertus Meyer-Burckhardt 10:25
Nichts.

Stephan Seiler 10:26
Was hat sie anders gemacht, als sie 69 gemacht hat?

Hubertus Meyer-Burckhardt 10:29
Ne, ich denke darüber nicht viel nach, ehrlich gestanden. Ich habe das Gefühl schon länger, dass es eine weise Entscheidung wäre, wenn man die Lebenszeit genießen würde. Und ich denke darüber wirklich nicht viel nach. Ich fühle mich deutlich jünger. Ein Blick in den Spiegel verrät, dass das ein Irrtum ist. Aber ich mache das, was ich immer schon ganz gut konnte. Ich stürze mich ins Leben.

Stephan Seiler 10:56
Wie kann ich mir denn deinen Geburtstag vorstellen? Den 70. Geburtstag eines Filmproduzenten, eines Talkshow-Hosts, der die ganze Welt gesehen hat, der unfassbar viele Menschen kennt, der, wie ich gelesen habe, aber trotzdem nur wenig, ganz, ganz enge Freunde hat. So habe ich es zumindest mal einem Interview entnommen. Wie kann ich mir da die Sause zum 70. vorstellen?

Hubertus Meyer-Burckhardt 11:15
Also die Sause wird noch kommen. Ich werde in, weiß ich nicht, so im Mai werde ich ein Fest feiern mit meinen Freunden. Das heißt 70 im Rückspiegel. Ich habe an meinem Geburtstag meine Frau Dorothee genommen und habe sie in ein Flugzeug gesetzt. Und wir sind nach Warschau geflogen, weil ich, als ich für Springer gearbeitet habe, für Axel Springer, war ich relativ häufig in Warschau, war aber immer Busy, busy, busy. Und hatte mich aber so unterschwellig in die Stadt verliebt und dachte, jetzt möchte ich einmal ein paar Tage in Warschau verbringen und auch Zeit für die Stadt haben. Und das war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Also, ich war in Warschau mit meiner Frau und wir waren ziemlich gut essen abends in einem polnischen Restaurant, was der Michelin empfohlen hatte. War super.

Stephan Seiler 12:03
Was gab es zu essen?

Hubertus Meyer-Burckhardt 12:04
Ach du liebes Lieschen, das war so eine, das wurde betrieben, das Restaurant, von Leuten deiner Generation, was man immer daran erkennt, dass sie von oben bis unten tätowiert sind und extrem freundlich, extrem freundlich auch zu älteren Leuten, wie meine Frau und ich es nun mal sind. Und es gab so eine Menüfolge von polnischen Gerichten, neu interpretiert, so nennt man das glaube ich heute, und es waren Also ich kann dir jetzt gar nicht— also es war zum Beispiel ein Lammragout, aber in ganz kleinen Tellern. Und das Ganze war so gewürzt, dass ich verstehe, dass der Michelin das empfohlen hat. Aber ich habe es nicht in Erinnerung. Ich bin jetzt nicht so ein Connaisseur, dass der das alles sich aufschreibt. Aber ich habe es unheimlich gemocht. Und ich fand Warschau so toll. Ich kann nur jedem Zuhörerin und jedem Zuhörer empfehlen, da mal hinzufahren. Es ist eine wahnsinnig junge Stadt. Und was mich sehr beeindruckt hat: Die Nazis haben ja da gewütet, wie die Tiere nicht wüten könnten, und haben die Stadt im Grunde vollkommen zerstört. Und sie ist so wieder aufgebaut, als ob dort nie ein Krieg oder eine Vernichtung stattgefunden hätte, was ich eine wahnsinnig respektable Leistung finde. Also Warschau ist lebensfroh. Nachdenklich, vital, jung.

Stephan Seiler 13:26
Ja, das sind wunderschöne Attribute. Da buche ich sofort das nächste Ticket. Von Berlin aus ist es ja nicht so weit. Aber auch mit dem, was du gerade gesagt hast, viele deutsche Städte hätten sich ja mal womöglich jetzt im Nachhinein gefreut, wenn sie so originalgetreu wieder aufgebaut worden wären nach dem Krieg. Stattdessen gab es da die eine oder andere Bausünde, die wir heute noch zu sehen bekommen.

Hubertus Meyer-Burckhardt 13:43
Ja, meine Frau ist da anderer Meinung. Meine Frau ist da anderer Meinung. Meine Frau sagt, es ist historisierend. Aber ich finde, das ist ja diese Stadtschloss-Debatte auch in Berlin, ja, wo auch viele Leute sagen, das ist nicht wahr, das ist nicht aufrichtig, man hätte da die Wunde lassen müssen. Aber ich bin da anderer Meinung. Warum? Weil ich mir immer sage, warum sollen denn die Zerstörer das letzte Wort haben? Es ist doch viel schöner, dass die Wiederaufbauer das letzte Wort haben, also die Gestalter. Und aber da kann man unterschiedlicher Meinung sein. Ich weiß, gerade in meinem Freundeskreis ist ein Architekt, Der sieht das alles sehr kritisch, wenn etwas wiederhergestellt wird. Ich bin da nicht seiner Meinung. Ich bin immer auf der Seite der Wiederhersteller und nie auf der Seite der Zerstörer.

Stephan Seiler 14:29
Könnte ein Zitat sein, mit dem man dich eines Tages noch mal konfrontieren wird? Ohnehin habe ich den Eindruck, dass du unfassbar viele Zitate von dir gibst, die quasi nicht nur druckreif sind, sendefertig sind. Wie hast du das gelernt, so druckreif, spruchreif zu sprechen? Ist das eine Naturgabe oder ist das ein Handwerk am Ende auch?

Hubertus Meyer-Burckhardt 14:48
Nein, ich habe schon als Schüler ein erotisches Verhältnis zur deutschen Sprache gehabt. Ich fand die deutsche Sprache nicht zwingend elegant, aber ich fand sie immer sehr präzise. Also die französische Sprache ist viel eleganter, ist gar keine Frage. Aber die deutsche Sprache ist sehr präzise und ich habe schon in meiner wildesten Zeit, als ich noch Haare bis hier hatte und Motorrad gefahren bin, habe ich deutsche Literatur in mich aufgesogen. Ich habe wahnsinnig gerne gelesen und Das ist einfach eine Gabe. Das habe ich mir nicht erarbeitet. Und dann, ich bin ohne Vater aufgewachsen und das ist, glaube ich, heute ein Grund, warum ich in der Literatur so einen väterlichen Freund gesehen habe. Also ich hatte so andere Freunde, die hatten Väter, die immer erzählt haben, wie das Leben geht. Und wenn du eines Tages 19 bist, dann rufe ich jemanden an in der Stadt, wo du studierst, dass der dir erst mal hilft. Das hatte ich alles nicht. Aber ich hatte relativ früh so ein Gefühl. Du hattest Bücher. Ich hatte Bücher. Und die Bücher waren väterliche Freunde. Und ich habe auch nicht Zitate gesammelt, weil ich damit irgendeine drittklassige Rede aufpeppen wollte mit dem Beginn: Wie Cicero schon sagte. Sondern ich dachte, hinter einem guten Zitat steht immer ein genialer Gedanke. Ja, sonst wäre es ja auch— hinter einem guten Gedicht steckt ja erst mal ein genialer Gedanke. Und diese Gedanken habe ich in mich aufgesogen. Weniger jetzt das Zitat, sondern der Gedanke, den finde ich. Also Rainer Maria Rilke: Du musst das Leben nicht verstehen, nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest. Das ist ein, wie ich finde, genialer Gedanke, weil wir immer alles durchdringen und verstehen wollen.

Stephan Seiler 16:35
Wunderschöner Gedanke. Richtig. Und auch zu Ende analysieren und dann aber auch glauben, auch wenn Wenn wir nicht viel verstanden haben, trotzdem behaupten, alles zu wissen und beurteilen zu können. Das sind ja so viele menschliche Fehlannahmen zusammen, oder? Das finde ich ein sehr schönes Zitat.

Hubertus Meyer-Burckhardt 16:52
Ja, oder meine Großmutter war, über die ich ja ein Buch geschrieben habe. Meine Großmutter hat den schönen Satz mal gesagt: Wenn Mut sich lohnen würde, dann wären alle Menschen mutig. Das finde ich auch einen genialen Gedanken, weil wir eigentlich immer, wenn wir mutig oder wenn wir zivilcouragiert sind, Dann wollen wir ja eigentlich dafür belohnt werden.

Stephan Seiler 17:12
Richtig, Applaus haben, Belohnung haben.

Hubertus Meyer-Burckhardt 17:14
Applaus, oder jemand legt seine Hand auf deine Schulter und sagt: Also Stephan, das hast du wirklich, also da muss ich echt sagen: Respekt. Nee, aber Mut lohnt sich eben nicht zwingend. Die Menschen, die im Dritten Reich Juden versteckt haben, sind teilweise selber ins KZ gekommen. Also Mut lohnt sich nicht. Es ist ein Eigenwert, so wie Freundschaft auch einen Eigenwert hat.

Stephan Seiler 17:36
Wie mutig bist du auf einer Skala von 1 bis 10?

Hubertus Meyer-Burckhardt 17:39
Da muss ich dir eine Geschichte erzählen, die das Thema Mut für mich ein Leben lang bebildert hat. Wir hatten einen, als ich im Gymnasium war, in der Unterstufe, da war ich so 12 oder 11, hatten wir einen Schwimmlehrer, Fritz Möller. Und der Schwimmlehrer, mit dem gingen wir ins Hallenbad und ich sprang immer vom 5- oder vom 7,5-Meter-Brett und andere nur vom dritten und vom ersten. Und irgendwann am Ende der Schwimmstunde sagte, er möchte heute einen Schüler besonders loben, weil der heute der Mutigste war. Und ich bearbeitete mich langsam so in die erste Reihe nach vorne, weil ich dachte, das kann ja nur mir gelten. Oder zumindest ein, zwei Leute, die auch von ganz oben sprangen. Und dann nannte er einen Jungen, einen Klassenkameraden, der das erste Mal vom 1-Meter-Brett gesprungen ist und es geschafft hat. Und dann waren wir erst mal sehr enttäuscht. Und dann sagte er aber etwas, was mein Leben lang geprägt hat. Und es war insofern ein toller Pädagoge. Er sagte: Vom Siebenhalber zu springen, wenn du gar keine Angst überwinden musst, das ist ja nicht mutig. Aber vom Einer zu springen, wenn du Angst überwinden musstest, das ist Mut. Und das hat mich vollkommen überzeugt. Also ich wurde jetzt auf mein Leben übertragen immer mal wieder bewundert, Dass es mir so leicht fiel, meine Heimat Nordhessen, also Kassel, zu verlassen und so oft umzuziehen und immer wieder neue Städte. Aber das bedarf keiner Bewunderung, weil es ist eher ein Lebensgefühl, was ich damit verbinde. Ich mache das gern.

Stephan Seiler 19:11
Also du brauchtest keinen Mut dafür, um umzuziehen. Du bist deinen Impulsen gefolgt. Aber jetzt bist du meiner Frage ausgewichen. Auf einer Skala von 1 bis 10, wie würdest du dich da einsortieren? Wie mutig bist du?

Hubertus Meyer-Burckhardt 19:25
Ehrlich gestanden, 8. Ich bin ziemlich— ich meine das jetzt nicht so im Sinne des Westernheldes. Ja, ich bin mutig. Also das meine ich nicht. Aber ich bin schon ein ziemlich— also ich kann das nur sehr offen und ehrlich beantworten. Also ich kann es persönlich beantworten, werde es aber nicht privat beantworten. Aber persönlich beantworten kann ich es dergestalt, dass ich sage, immer wenn ich eine Angst überwinden musste, bin ich froh gewesen, einen guten Therapeuten zu haben. Ich glaube, ein Ehepartner, eine Ehepartnerin ist nicht dafür da, dass sie die eigenen neurotischen Traumata ausgleicht, die wir alle haben. Wir alle haben eine Erziehung genossen oder auch nicht so genossen. Meine Kindheit war nicht so toll. Wir alle haben Wunden geschlagen bekommen und wir haben auch anderen Menschen Wunden geschlagen. Das sollte man auch nicht vergessen. Aber die beste Möglichkeit, damit umzugehen, ist eine heitere, kluge Distanz zu bekommen von sich selbst. Und das kann nur ein Therapeut oder eine Therapeutin leisten. Und insofern glaube ich, bin ich schon relativ mutig, weil der größte Mut, den du ja brauchst, ist ja, dich mit dir selber zu konfrontieren. Ich glaube, das ist ja häufig das, was die größte Überwindung kostet, und das nicht zu verdrängen. Was dich plagt oder piesackt. Nee, also insofern, Stephan, klingt ein bisschen unbescheiden, aber ich habe so manche Klippe in meinem Leben offensiv umschifft, indem ich entweder therapeutisch betreut war oder dahin gegangen bin, wo die Angst ist.

Stephan Seiler 21:00
Aber wie kamst du dahin zu diesem Erkenntnisgewinn und auch zu der Bereitschaft, dann therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen? Wie viele Jahre des stillen Verhandelns, des Leidens, des in sich Reinfressens waren da bereits vergangen, bis du dahin gekommen bist?

Hubertus Meyer-Burckhardt 21:14
Das ist jetzt etwas, was ein, wenn du so willst, ein himmlisches Geschenk ist. Oder das habe ich mir nicht erarbeitet, was jetzt kommt. Ich habe relativ früh, also ich würde sagen schon mit Mitte, Ende 20 gedacht: Na ja, du hast so als Kind einiges erlebt, was ich jetzt nicht gern vertiefen würde. Das kannst du nicht ein Leben lang mit dir rumschleppen. Das ist eine Zumutung für eventuelle Freundinnen oder Ehepartnerinnen oder Das muss irgendwie in eine professionelle Hand. Das habe ich, und da haben väterliche Freunde eine Rolle gespielt. Ich hatte einen ganz tollen, der auch in einem Buch erwähnt wird, einen ganz tollen Deutsch- und Geschichtslehrer, Hermann Balkenhol. Viele kennen seinen Sohn Stephan Balkenhol, der ein berühmter bildender Künstler ist. Und Stephan Balkenhol war mein Klassenkamerad und Hermann Balkenhol war sein Vater und mein Geschichts- und Deutschlehrer in Kassel. Das war jemand, der das auch erkannt hat. Und mit dem habe ich abends auch ein Bier getrunken, so mit 17, 18. Und der kam aus Wuppertal und hatte so einen leicht rheinischen Dialekt und hat gesagt: Jürgen, eines Tages kann ich dir nur empfehlen, da musst du mal einen Therapeuten besuchen. Da gebe ich dir auch das Geld für, wenn du willst. Und das habe ich dann damals noch nicht gemacht. Aber nee, ich habe das früh erkannt.

Stephan Seiler 22:32
Also das ist ja tatsächlich ein Geschenk. Ich kenne ja viele Menschen auch in meinem Alter, ich bin jetzt Mitte 40, die das komplett ablehnen würden. Und ich glaube, da ist schon eine andere Bereitschaft da, sich da auch therapeutisch behandeln zu lassen. Aber auch da, gerade bei Männern, bei einem gewissen Typ heterosexueller Mann merke ich immer noch eine große Abwehrhaltung. Und in der Generation meiner Eltern, die so Ende 70, Anfang auf die 80 zugehen, da erkenne ich keine große Bereitschaft. Eher so eine Überzeugung: Ja, ich bin jetzt alt genug, ich habe das Leben gemeistert. Es muss mir auch niemand mehr sagen, wer ich bin oder was ich zu ändern habe. Es reicht auch mal.

Hubertus Meyer-Burckhardt 23:14
Stephan, unhöflich, ich gebe mit einem Satz, würde ich dir gerne in die Parade fahren, weil alle, die zögern, mögen sich mit folgendem Satz, es kommt ein Zitat, auseinandersetzen, das ich ein kluges Zitat finde, das da heißt: Wenn mehr Menschen Therapie machen würden, müssten weniger Menschen Therapie machen. Das ist, finde ich, ein sehr kluger Satz, weil Du bist irgendwann mal Vater unter Umständen oder Großvater. Und wenn du selber Traumata mit dir rumträgst, bist du vermutlich auch kein sehr guter Vater oder vielleicht auch kein sehr guter Ehemann. Und weil du so auf die heterosexuelle Ebene eben abhobst, findest du denn, dass homosexuelle Männer da offener sind?

Stephan Seiler 23:59
Ich glaube nicht per se und nicht alle. So würde ich es nicht verallgemeinern. Der homosexuelle Mann oder der nicht-heterosexuelle Mann, der muss mindestens an einem Punkt in seinem frühen Leben sich selbst hinterfragen und alles infrage stellen, was ihn ausmacht und das Bild in der Gesellschaft. Und ich glaube, so wie ich einige Freunde von mir erlebe, die jetzt nicht Minderheiten angehören, bei denen relativ klar war, wie das Leben so laufen könnte, zumindest die Autobahn Richtung Zukunft war sechsspurig ausgebaut gewissermaßen. Da stand erst mal keine Notwendigkeit, An bis zur ersten Lebenskrise. Die kam dann irgendwann sicherlich auch, aber nicht so früh und so essenziell wie bei einem Menschen, der seine sexuelle Identität und damit auch seine Position in der Gesellschaft verhandeln, verorten muss. So ist mein Eindruck.

Hubertus Meyer-Burckhardt 24:53
Überzeugt mich total, was du sagst. Überzeugt mich total. Habe ich so noch nie gesehen. Aber ich habe in einem anderen Zusammenhang mal mit Michelle Friedman diskutiert, den ich sehr schätze. Und habe auch gesagt, der Zufall will es, dass ich keiner Minderheit angehöre. Ich bin weder jüdisch, ich bin nicht homosexuell, aber es ist ein Zufall, dass ich überall—

Stephan Seiler 25:15
Schade.

Hubertus Meyer-Burckhardt 25:16
Ja, vielleicht bin ich im nächsten Leben homosexuell, man weiß es nicht. Also ich würde das nicht ausschließen, aber in diesem Leben bin ich ziemlich heterosexuell und finde es aber gerade als ein Repräsentant der Mehrheit so unglaublich wichtig, dass wir Dass wir gerade jetzt, wo die Demokratie, Stichwort Sachsen-Anhalt, so in Gefahr ist, dass wir ein wachsames Auge darauf haben, dass Minderheiten bei uns gerne leben. Das ist so unglaublich wichtig. Aber lass uns das nicht vertiefen.

Stephan Seiler 25:46
Bin ich aber ganz— Ich finde es so wunderbar, mit dir zu reden, weil ich habe jetzt schon mein Interviewkonzept komplett verlassen. Weiß nicht, ob das vielleicht auch deine Absicht war, mich auf andere Fährten zu führen. In jedem Falle Finde ich, man kann sich mit dir unfassbar gut unterhalten. Ich werde von dir gerne unterhalten im Fernsehen. Ich glaube, du bist auch einer der Fragesteller in Deutschland, der am nachhaltigsten einen Eindruck auf mich gemacht hat in meiner journalistischen Karriere. Danke. Du warst irgendwie auch fast immer da, auch in den Neunzigern, in den Nullerjahren. Ich glaube, du hast mal eine Pause gemacht mit der NDR Talkshow, aber dann kamst du irgendwann wieder zurück an der Seite von Barbara Schöneberger. Ja. Und du hast quasi auch tausende Menschen wie ich finde, beruflich zum Reden gebracht. Was ist denn der schnellste Weg für mich als Novizen, als Fragesteller-Novizen im Vergleich zu dir? Was ist der schnellste Weg, zu einem völlig fremden Menschen eine echte Verbindung herzustellen?

Hubertus Meyer-Burckhardt 26:37
Naja, wir müssen unterscheiden: Treffen wir uns vor einer Kamera, das ist ja eine inszenierte Privatheit, ja, darf man nicht vergessen. Oder würden wir uns jetzt treffen, würden einander vorgestellt in einer Kneipe von einer dritten Person, die wir beide kennen, gemeinsamer Freund, dann würden wir uns anders unterhalten als in der Talkshow.

Brigitte Huber 26:55
Das muss man erst mal sagen.

Hubertus Meyer-Burckhardt 26:55
Kommen wir zur Talkshow. Ich glaube, der entscheidende Punkt ist kurze Fragen. Wenn ich dich jetzt fragen würde: Bist du glücklich? Und dann eine lange Pause machen würde, dann würdest du auch erst mal ins Rudern kommen. Also bist du— die kürzeste Frage ist immer die präziseste. Das ist das eine. Und dann in der NDR Talkshow ist es sehr wichtig. Die Sendung heißt nicht bei Barbara und Hubertus zu Hause oder bei Steven Gäthchen und Bettina Tietjen zu Hause. Die Sendung heißt die NDR Talkshow. Das heißt, du musst dich selber sehr im Hintergrund halten. Das ist zumindest meine Überzeugung. Du musst tatsächlich, dem Gast ist es egal, ob ich mal Fernsehspiele produziert habe oder einen Grimme-Preis gewonnen habe, oder ich spiele als Person überhaupt gar keine Rolle. Manchmal lasse ich ein bisschen Erfahrung einfließen in eine Frage, aber im Regelfall halte ich mich sehr zurück. Und Barbara und ich haben eine Devise, der der wir auch immer wieder versuchen zu folgen, nämlich: Nimm den Gast ernst, aber dich nicht wichtig. Und ich glaube, ohnehin wäre die Welt deutlich angenehmer, wenn sich ein paar Menschen weniger wichtig nehmen würden.

Stephan Seiler 28:09
Kann man denn diesen Ansatz auch übertragen auf private Situationen? Eine Tafel mit Gästen, vielleicht auch mit Menschen, die man noch nicht so gut kennt. Würdest du sagen, auch da sollte man dieser Maxime folgen.

Hubertus Meyer-Burckhardt 28:24
Ich habe eine Beobachtung gemacht, die ich zur Diskussion stelle. Ich weiß nicht, ob du die teilst, und bin gespannt, ob du sie teilst. Wenn ich mit bei einer Tafel, also wenn ich, wobei ich relativ Eigenbrötler bin, ich bin relativ wenig in größeren Gesellschaften, aber wenn es denn doch mal so ist, dann erfahre ich von Frauen, die ich neu kennenlerne, unterschiedlichen Alters, meist mehr über die Person. Und von Männern, die ich neu kennenlerne, erfahre ich zunächst mal meist mehr über die Funktion. Nun mag das auch wieder ein Unterschied sein, heterosexueller Mann und homosexueller Mann, das würde ich jetzt mal aber trotzdem hintanstellen. Aber bei Männern, Männer gehen relativ schnell auf die Funktion, was sie schon geleistet haben, was sie— ich meine, wie viele Männer gibt es so mit Sakkos, und dann haben sie am Sacko so einen ganz kleinen Anstecker, und dann fragt man, was ist denn das? Ach ja, das ist nur, das ist die und so. Also Männer wollen schon in der Gesellschaft zeigen, was sie geleistet haben. Und Frauen reden meist mehr über menschliche Beziehungen, wenn man sie neu kennenlernt. Was ich deutlich spannender finde. Was ich deutlich spannender finde, weil wenn man sich bei manchem Mann dann durch die Funktion durchgekämpft hat und hofft, nun dann eine spannende Person zu finden, wird man auch gelegentlich enttäuscht. Ja, weil der Mann von der Funktion entkleidet ist, immer mal wieder auch recht trostlos.

Stephan Seiler 29:57
Immer wieder auch recht trostlos. Ja, ja. Sind dann Männer, die am Ende die Besseren, wie soll ich sagen, können die den Bummenschanz besser?

Hubertus Meyer-Burckhardt 30:05
Was meinst du mit Bummenschanz?

Stephan Seiler 30:07
In eine Rolle zu schlüpfen, erst mal quasi sich unangreifbar zu machen, weniger verletzlich zu zeigen, mit der Funktion aufzuwarten, damit man über was sprechen kann, was dann nicht ganz so einem nicht ganz so nahe geht.

Hubertus Meyer-Burckhardt 30:21
Ich weiß es nicht.

Stephan Seiler 30:22
Also du willst es jetzt so psychologisieren?

Hubertus Meyer-Burckhardt 30:23
Ja klar, ich meine, das ist jetzt wirklich eine Plattitüde, aber manche Plattitüde stimmt ja. Ich gehe wahnsinnig gerne alleine essen, mit der Süddeutschen Zeitung oder der FAZ oder Spiegel, aber Zeitung ist besser, weil hinter der kann man sich verstecken. Und wenn ich alleine essen gehe, frage ich zwar immer in den Restaurants, in die ich gerne gehe, gibt mir einen Platz, der ein bisschen separiert ist, weil Wenn neben mir dann zwei Leute sitzen, haben die immer das Gefühl, ich höre zu. Das ist ja für beide Seiten nicht angenehm. Aber was mir auffällt, ist, wenn ich hinter meiner Süddeutschen Zeitung sitze und dann natürlich doch mal Gesprächsfetzen höre und es treffen sich Männer, dann reden sie sehr, sehr schnell und fast ausschließlich über berufliche Dinge oder politische Dinge. Und wenn es ganz schlecht läuft, Fußball. So, und wenn Frauen sich treffen, irgendwie beim Italiener, vier Freundinnen oder was auch immer, dann reden sie eher über Dinge, die ich wesentlich spannender finde, nämlich über Beziehungen zu anderen Personen. Und das wird zwar von heterosexuellen Männern manchmal belächelt, dass Frauen dann sehr viel über Beziehungen sprechen, aber ich finde diese Diese spöttische Haltung nicht gerechtfertigt, weil ich finde eine menschliche Beziehung, wie immer sie sei, immer spannender als: Welche Funktion hast du gerade in deiner Firma erarbeitet und ist der Chef auf dich stolz? Und ich finde das wahnsinnig langweilig.

Stephan Seiler 31:54
Ja, das kann ich total nachvollziehen. Wir haben auch im Freundeskreis Maßnahmen eingeführt, in meinem Hamburger Freundeskreis, dass wir eben nicht mehr so oberflächlich nur abklopfen, Wie steht es gerade im Job und wie geht es weiter? Und hier und da und vielleicht noch ein bisschen Fußball, sondern dass wir mehr tiefgründige Gespräche führen. Da gibt es ja auch verschiedene Möglichkeiten, das zu machen. Wie ist denn dein Angang, wenn du Freunde triffst und merkst, wir tapsen jetzt zu sehr auf der Oberfläche? Also sprichst du das offensiv an und sagst: Wie geht es dir denn wirklich? Was treibt dich gerade um? Oder gibt es so eine Knallerfrage, die du vielleicht unseren Zuhörenden mitgeben kannst? Die vielleicht manchmal gar nicht wissen, wie sie auf ihren etwas verschlossenen Freund dann einwirken können, dass der sich vielleicht doch ein bisschen öffnet?

Hubertus Meyer-Burckhardt 32:37
Also ich sag relativ schnell, wenn ich gelangweilt bin, ehrlich gestanden. Und nichts langweilt mich mehr, als wenn Leute sich gegenseitig ihre Erfolgsbilanz vorbeten.

Stephan Seiler 32:48
Also sagst du dann so: Das langweilt mich, was du gerade erzählst.

Hubertus Meyer-Burckhardt 32:52
Ja, aber ich komme auch nicht in die Verlegenheit, das zu sagen, warum. Lieber Stephan, komme ich nicht in die Verlegenheit, weil ich habe tatsächlich so, würde ich jetzt mal sagen, 10 enge Freunde. Ja, also ich will mich jetzt nicht auf die Zahl festlegen, aber— und die haben mich über die Jahre so durchgetragen durch mein Leben. Und wir kommen gar nicht auf die Idee, jetzt sehr viel über Berufliches zu sprechen, weil das, was uns privat, persönlich Freunde sein lässt, ist so spannend und so liebevoll und so intensiv. Und da ich ja nun in vielen Städten gewohnt habe, sehe ich manche Freunde auch nicht so häufig. Manche wohnen in Frankfurt, der andere wohnt in München, der dritte wohnt in Bochum, der vierte wohnt in Wien und so. Und wenn man sich dann trifft, dann würden wir gar nicht auf die Idee kommen, jetzt zu erzählen: Hallo, das ist aber toll, dass du beruflich das gemacht hast. Also Donnerwetter. Vielleicht eine Ausnahme, einer meiner ganz alten Freunde, Freunde ist der Theaterschauspieler in Bochum, Stefan Hunstein, und der macht so interessante Sachen in Bochum und vorher an den Kammerspielen in München, dass ich einfach sage, ich habe neulich ihn in Bochum besucht und habe ein Ein-Personen-Stück mit ihm gesehen auf der Bühne im Schauspielhaus dort. Das fand ich so spannend, dann redet man natürlich danach. Also wenn man selber 30 Spielfilme produziert hat, interessiert einen natürlich dann, Wie hast du das erarbeitet? Wie war die Regie? Wie reagiert das Publikum? Aber das ist eher die Ausnahme.

Stephan Seiler 34:27
Aber kennst du es auch, dass man dann irgendwann fast unter Anstrengung das Private, Persönliche aufgreifen muss? Im Sinne von: Jetzt haben wir irgendwie 3, 4 Stunden über das Berufliche, vielleicht in dem Fall über das neue Bühnenstück gesprochen. Und jetzt erzähl doch mal, wie geht es dir denn wirklich? Was treibt dich wirklich gerade um?

Hubertus Meyer-Burckhardt 34:44
Kenne ich nicht.

Stephan Seiler 34:46
Das ist— das kommt auch gar nicht vor.

Hubertus Meyer-Burckhardt 34:48
Ich habe gesagt, das kenne ich nicht, das kenne ich vielleicht. Weißt du, ich will es mal so sagen, ich mag das Wort Geschäftsfreund nicht. Warum mag ich das Wort Geschäftsfreund nicht? Wenn wir beide eine Verabredung treffen über ein Geschäft, über eine berufliche Vereinbarung, dann hast du ein Interesse und habe ich ein Interesse. Und am Ende haben wir einen Abgleich. Kommt unser beider Interesse zur Geltung? War das ein guter Deal? War das eine gute Verabredung? Also ein Geschäft verfolgt einen hat kein Ziel. Aber eine Freundschaft genügt sich selbst. Eine Freundschaft verfolgt kein Ziel. Das Einzige, was ich— freue mich manchmal darüber, ich habe auch einige wenige Freunde, die deutlich jünger sind als ich. Und jetzt würde ich mal selbstkritisch sagen, was ich da unglaublich toll finde: Ich mag es nicht, wenn man so in der eigenen Blase schwimmt permanent. Und wenn ich einfach ganz andere Anregungen kriege, ganz andere Inspirationen kriege, Durch Menschen, die dein Alter sind. Das genieße ich wahnsinnig. Ich habe mir zum Beispiel eins geschworen: Ich werde nie aus der Perspektive des jetzt Älteren Jüngeren sagen, wie ich etwas sehe. Es sei denn, ich werde aktiv gefragt. Also häufig gefragt wurde ich: Bist du für Gendern oder nicht für Gendern? Und dann habe ich immer gesagt, ehrlich gestanden, es ist nicht meine Aufgabe, mit 70 40-Jährigen zu sagen, wie sie mit der deutschen Sprache umgehen. Wollen. Das ist jetzt ihre Zeit und ihre Sprache, die sie zu verwalten haben und weiterzuentwickeln haben. Und ob das jetzt ich als Irrweg empfinde oder nicht als Irrweg, finde ich völlig unerheblich. Ich finde es spannend, dass diese Diskussion es gibt. Ich würde persönlich sagen, jeder soll so machen, wie er möchte. Ich finde, dass jetzt erste Landesregierungen sagen, wir wollen das nicht mehr, wir verbieten das, finde ich genauso absurd, wie es zu befehlen. Weil Sprache ist was Lebendiges. Aber generell finde ich an Freundschaft toll das Zuhören. Und das finde ich auch an einer Talkshow toll. Eigentlich müsste eine Talkshow Listen Show heißen, also listen, das englische Zuhören, to listen. Weil ich glaube, ein guter Fragesteller hört auch sehr gut zu. So wie du. Darf ich jetzt mal ein Kompliment zurückgeben? Man muss zuhören. Dankeschön. Es gibt auch in der deutschen Sprache die Differenz zwischen zuhören und hinhören. Wenn du mit einem Freund dich triffst, den du lange nicht getroffen hast und wo du nicht genau weißt, wie geht's dem, wirst du wahrscheinlich mehr erfahren, wenn du auf die Zwischentöne, wenn du da hinhörst. Welche Pausen er setzt, wo er um ein Wort ringt. Wo du merkst, das fällt ihm schwer zu erzählen. Also oft erfährst du ja mehr über einen Menschen dadurch, dass du fühlst, was er im Moment noch nicht erzählt. Und Hinhören ist so unheimlich wichtig.

Stephan Seiler 37:48
Ja, diese Gabe ist vielleicht auch ungleich verteilt in der Gesellschaft. Kann man das lernen? Würdest du sagen, das kann man lernen, auch noch mit 40, 50, 60, 70, 80? Und wenn ja, wie?

Hubertus Meyer-Burckhardt 38:00
Also wenn du Wenn du eine Dumpfbacke bist, dann lernst du gar nichts. Also das gibt ja den Satz, ich weiß nicht von wem der ist, das Schlimme ist, das Schlimme ist, dass die Dummen so ohne jeden Selbstzweifel sind und die Klugen so voller Zweifel. Der Satz ist ein bisschen besser im Original, als ich ihn jetzt gesagt habe. Ich glaube, das Schöne ist doch, hast, bist du ein Mensch? Und die Frage kann sich ja jeder selber stellen. Der an anderen Menschen ein wirkliches Interesse hat. Ja, also ein wirkliches Interesse. Wer bist du? Also kein simuliertes. Es gibt auch viele Menschen, an denen ich null Interesse habe. Ja, die sollen machen, was sie wollen. Aber wenn ich mich auf einen Menschen einlasse im Privaten, dann kann der oder die doch voraussetzen, wir treffen uns jetzt beim Italiener und Hubertus hört jetzt mal zu, wie es mir so geht. Und das setzt ein wirkliches Interesse am Menschen voraus. Voraus.

Brigitte Huber 38:59
Punkt.

Stephan Seiler 38:59
Also ergibt jetzt erst mal total Sinn, wenn ich dir jetzt mal so frech, was man auch nicht als Moderator machen sollte, gleich die Antwort des Interviewpartners bewerten. Entschuldige dafür. Aber wenn ich mir das vorstelle, wie das ist mit Situationen mit völlig Fremden an einem Tisch. Wie gehst du da vor? Scannst du da, wer wirklich interessant ist, wer wirklich vielleicht auch was zu erzählen hat, wer auch wirklich bereit ist, was zu erzählen? Ohne jetzt vielleicht nur auf den Status und die Bekanntheit hereinzufallen. In die Falle tappt man ja vielleicht auch manchmal. Wie findest du heraus, an einem Tisch voller Fremder, mit wem du reden willst und mit wem nicht?

Hubertus Meyer-Burckhardt 39:35
Meinst du jetzt Talkshow oder privat?

Stephan Seiler 39:37
Ich meine privat, aber du kannst auch gerne auf die Talkshow verweisen. Vielleicht gibt es da ja Analogien. Ich meine vor allem im Privaten, weil wir sind ja auch ein Ratgeber-Podcast hier. Wir wollen ja auch was lernen für zu Hause.

Hubertus Meyer-Burckhardt 39:48
Na ja, es sind völlig unterschiedliche Situationen. Also in einer Talkshow, fangen wir mal damit an, weil es einfacher ist, kommt ein Gast mit einem Interesse. Mit einem Film, mit einer Tournee, mit einem Buch. Ich habe vorher 7 Seiten Dossier gelesen, ich weiß, wer das ist, und dann kann man in etwa das Gespräch so führen, dass der Gast, wenn man ganz ehrlich ist, auch noch mal auf sein Buch hinweisen kann. Und das heißt, der Gast kommt mit einem Interesse. Das darf man ja nicht vergessen. Der findet es auch schön, in der NDR Talkshow eingeladen zu sein. Der freut sich auf Frau Schöneberger, auf Frau Tietjen, auf Herrn Gaethjen oder auf mich. Der freut sich darauf und sagt: Ach toll, der hat seiner Familie Bescheid gesagt, ich bin im Fernsehen und guck mal zu. Und außerdem wird meine neue Tournee oder mein neuer Song oder mein neues Buch, mein Film wird lobend erwähnt. Ja, so, das ist ja eine völlig andere Situation, als wenn ich es privat mache. Und privat, das kann ich wirklich abkürzen, Stephan. Ich bin ein Mensch, der sehr viel gerne alleine ist. Ich bin früher sehr oft und sehr regelmäßig alleine durch Irland gefahren. Ich brauche, ich meide gesellschaftliche Anlässe ziemlich. Also wenn du die Bunte Illustrierte durchguckst, wirst du mich da selten bis nie finden, was an zwei Dingen liegt. A) mag ich die Bunte Illustrierte nicht und B) gehe ich nicht zu solchen Anlässen, wo die mit ihren Kameraleuten stehen oder Fotografen stehen. Ich respektiere aber jeden, der das gerne macht. Ja, also ich bin es halt nicht. Ich bin nicht Kitzbühel, ich bin nicht Kampen auf Sylt. Aber ich freue mich über jeden, der das schön findet, weil jeder Jeck ist anders, sagt man in Köln. Also insofern, die Situation, auf die du abhebst, wie gehe ich auf Menschen zu, ist sehr einfach. Ich treffe mich oft mit engen Freunden. Ich treffe mich manchmal mit Bekannten. Da habe ich aber dann meistens ein Interesse. Du, pass mal auf, ich brauche ein Drehbuch von dir für einen Film. Das ist ja alles bei uns so, wenn du Filme produzierst, moderierst, Bücher schreibst, da gibt es ja Grauzonen. Also mit vielen Leuten, mit denen ich gearbeitet habe, duze ich mich und ich weiß ein bisschen was über deren Privatleben. Es sind Menschen in meinem Leben, aber ich würde sie nicht notwendigerweise als Freunde bezeichnen und die würden mich ihrerseits auch nicht als Freund bezeichnen. Trotzdem haben wir ja, wir sind ja nicht im Vorstand der Deutschen Bank, wo man sich sieht, sondern oder—

Stephan Seiler 42:16
Oder bei ProSiebenSat.1, wo du mal im Vorstand saßt.

Hubertus Meyer-Burckhardt 42:18
Da haben wir uns geduzt. Ja, aber natürlich ist was anderes, als wenn du im Vorstand von Axel Springer sitzt oder von ProSieben, was bei mir der Fall war, hast du natürlich eine vollkommen andere Tonalität, weil es um andere Dinge auch geht. Also es geht um viel nüchternere Dinge, wenn du in einem Vorstand eines damals börsennotierten Unternehmens sitzt, als wenn du ein Drehbuch entwickelst. Das kann man überhaupt nicht vergleichen. Und also ich glaube, den Acker haben wir abgegrast jetzt.

Stephan Seiler 42:50
Mir wird manchmal, sagen wir so, von Bekannten zugeschrieben, wenn ich dann ganz viele Fragen stelle, weil ich einfach neugierig bin, dann sagen die: Führst du gerade ein Interview mit mir? Dann fühle ich mich manchmal peinlich ertappt und denke so: Oh nein. Gehe ich jetzt zu forsch heran? War ich nicht langsam genug? Vielleicht auch nicht empathisch genug? Kennst du das auch oder bist du dann wirklich komplett zwei verschiedene Hubertus gewissermaßen?

Hubertus Meyer-Burckhardt 43:18
Ja, Gott sei Dank.

Stephan Seiler 43:19
Ja, ich bin beeindruckt.

Brigitte Huber 43:21
Schön.

Stephan Seiler 43:22
Gut, dass du das so gut hinbekommst. Also du hast auch nie gehört von privaten Kontakten, von Freunden, von Bekannten, sondern du bist dann ein anderer Fragesteller oder ein anderer Gesprächspartner als in der Talkshow, wenn ich dich richtig verstanden habe. Du hast auch mal gesagt, in deinem Alter würdest du manchmal bei gewissen Gästen denken: Ja, weiß ich gar nicht, was ich jetzt mit denen besprechen soll. Und ich paraphrasiere jetzt sehr frei. Und da hättest du manchmal von jüngeren Kolleg:innen aus der Redaktion den Hinweis bekommen, das ist total wichtig, mit denen zu reden. Da würdest du dich manchmal sagtest du mal in einem Gespräch mit Barbara Schöneberger, hättest du so eine Art anderes Selbstvertrauen, ein anderes Selbstvertrauen, wenn es um Menschen gehen würde, die jetzt nicht so viel sofort sagen würden. Kannst du das ein bisschen ausführen? Ist das immer noch so? Wie ist es, wenn du heute mit Menschen, Menschen interviewen musst, auch Menschen begegnest, die aus einer ganz anderen popkulturellen, gesellschaftlichen Ecke kommen? Wo du allein auch aufgrund dessen, wie du aufgewachsen bist, jetzt vielleicht gar nicht so viele Berührungspunkte hast oder weil du vielleicht auch einfach deren Musik nicht kennst. Verunsichert dich das immer noch so wie damals? 2020, glaube ich, war das, als du das gesagt hast. Oder hast du da mittlerweile eine ganz andere Gelassenheit entwickeln können?

Hubertus Meyer-Burckhardt 44:43
Lange Frage. Ich kann mich überhaupt nicht daran erinnern, das gesagt zu haben. Komischerweise. Aber ich mag es gesagt haben. Also insofern, ich bin völlig verblüfft, wenn ich das gesagt habe, dann du wirst es gut recherchiert haben, habe ich einfach Schwachsinn erzählt. Weil das ist ja gerade das Wesen des Journalisten. Das Wesen des Journalisten ist doch, dass er Fragen stellt, Fragen richtet an Menschen, die nicht in der eigenen Blase sind, die einer anderen Generation angehören, im anderen Beruf sind, die andere Überzeugungen haben. Das ist ja das Salz in der Suppe. Als ich früher als Student auf der Filmhochschule in München, auf der HFF, Und da haben wir auch gelernt, wie man gute Drehbücher schreibt. Woran erkennt man ein schlechtes Drehbuch? Dass alle Figuren genau dieselbe Sprache haben wie der Autor. Also wenn der— oder Doris Dörrie beispielsweise, die geniale Filmemacherin und Autorin, die macht an dieser Filmhochschule, heute lehrt sie Drehbuch. Und was macht sie mit den Drehbuchstudenten? Das hat sie bei uns mal erzählt. Sie schickt sie außerhalb des Milieus. Sie schickt sie ins Hofbräuhaus und sagt: Schaut mal nach, ihr akademisch gebildeten, sozialisierten Filmstudenten, wie redet ein Bayer morgens um 11 im Hofbräuhaus. Das ist doch das Salz in der Suppe des Journalismus, dass du rausgehst und verlässt deine Blase. Also sonst wüsste ich gar nicht, warum man Journalist werden sollte. Die Neugier an anderen Welten. Ich habe neulich eine Lesung gemacht in Dessau im Theater von Dieter Hallervorden und habe mich danach mit Menschen aus Sachsen-Anhalt unterhalten. Das war ein völlig anderes Klima, ein völlig anderer Austausch, bloß ein sehr schöner und sehr toller Austausch, als wenn ich mich mit Menschen unterhalte, wenn ich einen Spielfilm produziert habe und rede mit Oberbeleuchtern, die solche Oberarme haben und sagen: und höre deren Themen. Also insofern, die Frage kann ich nur so beantworten: Ich bin dankbar, dass ich mit jüngeren Leuten reden kann, mit Leuten, die nicht aus meinem Milieu kommen, die nicht aus meiner Berufsgruppe kommen. Nichts macht mir so viel Spaß wie das und nichts langweilt mich so, wie mich mit Leuten zu treffen, die genau, wo ich schon vorher weiß, die sind meiner Meinung. Also meine Großmutter, ich weise noch mal auf das Buch hin, auf das ich wirklich ein bisschen stolz bin, Meine Großmutter, das Buch heißt: Die Sonne scheint immer, für die Wolken kann ich nichts. Und meine Großmutter hat zwei Weltkriege überlebt und ist jeden Abend in dieselbe Weinstube gegangen, die Weinstube Boos in Kassel. Und die hat sich wirklich verabredet mit Menschen zur politischen Debatte. Die wussten, um 19 Uhr kommt Christel Vollbrecht, dann gab es ein Bier und vielleicht auch zwei und ein, was es so gibt in der Weinstube, Weinbergschnecken oder keine Ahnung. Und dann haben die sich gefetzt, demokratisch gefetzt. Meine Großmutter hat das geliebt. Hättest du dich gekämpft? Ja, politisch gestritten. Und deshalb, was ich heute so wahnsinnig ermüdend finde, ist, und das ist glaube ich eine der negativen Folgen der Digitalisierung, dass jeder so in seiner Blase sitzt und sich auch permanent selber bestätigt fühlt, dadurch, dass ich mich mit ausschließlich Menschen treffe, die der eigenen Blase entsprechen. Ich rede auch mit AfD-Unterstützern. Höchst ungern, aber ich tue es, weil ich will was verstehen und ich will sie natürlich auch davon überzeugen, dass es vielleicht eine bessere Idee gibt, eine andere Partei zu wählen. Aber ich finde, wir müssen in den Austausch. Ich finde das Leben sonst gähnend langweilig.

Stephan Seiler 48:22
Und wie stellst du das her in deinem Umfeld? Also hast du auch vor, irgendwann mal so einen Kneipenabend wie deine Oma zu starten? Oder es gibt ja alle möglichen Formen, Die Buchclubs kehren jetzt ja angeblich zurück. Also wie stellst du Kontakt zu Menschen her? Aus völlig unterschiedlichen—

Hubertus Meyer-Burckhardt 48:40
Aber du fragst mal dasselbe, nur anders formuliert. Wenn ich das mal sagen darf, wie stelle ich Kontakt zu Menschen her? Ich sage: Guten Tag, wer bist du? Ich bin Hubertus. Es ist doch eigentlich keine— Also ich wundere mich über die Frage, lieber Stephan.

Stephan Seiler 48:51
Ich meinte nicht die Technik, sondern quasi die Räume. Wie?

Hubertus Meyer-Burckhardt 48:57
Also die Räume. Ich gehe auf die Straße. Also ich gebe dir ein Beispiel. Ich kümmere mich. Es gibt ein Dorf, das heißt Currency. Das Dorf Karenzin liegt auf der halben Strecke zwischen Hamburg und Berlin. Und ich habe mich mal, also Mecklenburg-Vorpommern, angefangen, um das Dorf zu kümmern. Da wird gerade die Kirche renoviert. Ich habe das ein bisschen mit angestoßen, mit einem genialen Landrat dort, Stephan Schäfer, Stephan Schäfer, das ist ein Autor, Stefan Sternberg, der dort für die SPD aktiv ist. Und natürlich trifft man in Karenzin Menschen, Die, nicht jetzt nur im Sinne der AfD, die ein völlig anderes, in einem völlig anderen Mindset, Neudeutsch: Bewusstsein, leben, wie ich, der 4, 5 Großstädte hinter sich hat. Es gibt in Karensien Menschen, die das Dorf nie verlassen haben, ihr Leben lang nicht ein Dorf verlassen. Und es gibt andere, die pendeln nach Berlin oder nach Parchim oder nach— Ich finde das wahnsinnig spannend. Und ich gehe da auch nicht hin mit einem großen Plakat. Das da heißt, ich beurteile Menschen oder ihr richtet euch nach meinem Milieu oder nach mir, sondern ich gehe dahin, esse mit denen eine Bratwurst mit Senf drauf, setze mich auf die Bierbänke und dann unterhalten wir uns. So wie es eigentlich immer war. Also, und ich gehe auch hier in Hamburg viel in Kneipen, also unten im Hafen zum Beispiel gehe ich ab und zu in eine Kneipe, wo wo Arbeiter sind. Und die kennen mich natürlich, sagen: Oh, bist doch der vom Fernsehen. Ja, und dann setze ich mich dazu mal eine Weile. Aber ich mag das. Ich bin auch in der Schulzeit in Kassel, bin ich immer mit der Straßenbahn in die Stadtteile gefahren von Kassel. Das war damals so mit 16 mein Kosmos, wo die Arbeiter gewohnt haben. Wo es auch anders roch. Ich habe da so eine ganz große Liebe für. Für Düfte und Parfums, also für Nischendüfte. Und ich habe, glaube ich, meine Nase geschult sehr früh, indem ich irgendwie immer so eine Grammatik der Gerüche versucht habe mal zu erstellen. Also was heißt das? Mein erster Wagen war ein Peugeot 204, dritte Hand, der war natürlich nur kaputt und den habe ich in eine Werkstatt geschoben in Kassel, die gehörte einer einem türkischen Ehepaar, und die haben in der Werkstatt auch gekocht. Und zwar Maggi, diese Maggi, nee, nicht Maggi, wie heißt das, Knorr oder so was, wo man so eine Konservendose, und dann war da so ein Schaschlik, es roch furchtbar. Aber die Mischung zwischen dem kochenden Souvlaki oder was das war, oder Stroganoff oder irgendwie so einem Dosengericht und Motoröl. Ja, das war etwas, was ich aber nicht sehr anziehend fand, aber es war für mich eine andere Welt. Ja, ich kannte das nicht. Oder damals war es auch so, dass die Leute wahnsinnig viel Knoblauch da unten aßen, in den Arbeiterquartieren, und das kannte ich nicht in der Schule, in dem Gymnasium, in dem ich war. Ich fand jetzt Knoblauch, wenn er so aus der Körpermitte kommt, auch nicht immer sehr attraktiv. Aber ich habe so gedacht, das ist eine andere Welt. Und diese Welt muss ich ja nicht schön finden. Ich komme ja gleich zu einem Punkt, wo, als ich aus Warschau zurückkam, ich habe ja am Anfang erzählt, ich war in Warschau.

Stephan Seiler 52:23
Ja.

Hubertus Meyer-Burckhardt 52:23
Und da haben mich manche Menschen gefragt: Ist denn Warschau schön? Ja. Und da habe ich immer gesagt: Ich finde es völlig unerheblich, ob etwas schön ist oder ob es mir gefällt. Ich finde wichtig, dass es interessant ist. Also ich fahre in Städte oder gehe in Milieus, weil sie interessant sind. Ob ich sie jetzt schön finde oder ob es mir gefällt, ist vollkommen irrelevant.

Stephan Seiler 52:47
Ja, ja, kann ich total nachvollziehen. Ich ärgere mich manchmal auch über die Frage, die ich dann nach Reisen höre, so was wie: Ja, und wie war's? Ja, soll ich jetzt irgendwie meine 3-monatige Weltreise in einem Satz zusammenfassen? Und dann sage ich: Ja, war schön, war aufregend. Ist total schwierig. Und dann kommt meistens auch wenig wenig Interesse danach. Also wenn man dann sagt, ja, war aufregend, dann—

Hubertus Meyer-Burckhardt 53:08
Dann klopfst du die falsche Frau.

Stephan Seiler 53:10
Womöglich. Du hast eben schon immer mal wieder über deine Kindheit gesprochen, über deine Jugend gesprochen. Auch in deinen Büchern gehst du darauf ein. Die Scheiße mit der Zeit ist ein Buch, das ich mit Freuden gelesen habe. Da steckt wahnsinnig viel drin, auch wenn man dich als Person kennenlernen, näher kennenlernen möchte. Da glaube ich, kann man ein Stück weit in deine Seele blicken, wenn ich das so behaupten darf. So kam es mir zumindest vor. Du hast öffentlich auch über deinen alkoholkranken Vater gesprochen und geschrieben, darüber, wie stark deine Mutter und deine Großmutter dich geprägt haben. Was aus deiner Kindheit wird mit 70 deutlich blasser und was wird irgendwie umso schärfer?

Hubertus Meyer-Burckhardt 53:54
Gute Frage. Also was ich glaube, deswegen ist das letzte Buch auch über meine Großmutter gewesen, weil ich habe mich gefragt, Was hat dich so gut durchs Leben gehen lassen? Mit auch Problemen und was auch immer natürlich. Aber, und das war glaube ich, dass meine Großmutter mir etwas, meine Mutter auch, aber ich habe mich mal auf meine Großmutter konzentriert, Optimismus vorgelebt hat. Optimismus im Sinne der Tatkraft. Und bei Optimismus, das steht ja immer so, wenn du optimistisch bist, das ist also der erste Punkt, wo ich sage, das wird stärker in meiner Noch stärker in meinem Alter. Optimismus steht ja immer so unter dem Verdacht des Bruder-Leichtfußes. Ja, der taucht thematisch nicht tief. Das ist so einer, der so durchs Leben hüpft. Ich finde nur, Optimismus ist ein Gestaltungswille. Der Pessimist sagt, man kann eh nichts machen. Und das ist irgendwie das Katastrophalste, was ich mir vorstellen kann. Der Optimist gestaltet, der Optimist ist, sieht die Lösung oder versucht der Lösung nahezukommen. Und meine Großmutter, ich bin immer mal wieder gefragt worden, so jetzt gerade im Zuge der Lesereisen, die bei mir ja lange sind und viele Städte berühren: Kann man denn heute überhaupt noch optimistisch sein? Man will gar nicht mehr die Tagesschau angucken und so. Und dann sage ich: Meine Großmutter hat zwei Weltkriege überlebt, hat den Hitlerfaschismus überlebt, hat die leider misslungene Weimarer Republik überlebt, hat den den Aufbau der Bundesrepublik überlebt, der ja auch kein Vergnügen war. Trümmerfrauen und so. Und meine Großmutter war die Lebensfreude in Person, also die Dynamik in Person und also der Optimismus im Sinne von Gestaltungswillen. Das ist bei mir sicherlich sehr ausgeprägt. Was schwächer geworden ist, ist der Zorn auf meinen Vater, der alkoholkrank war. Also ein 12-Jähriger fragt nicht, warum er verprügelt wird. Weil ein 12-Jähriger möchte einen liebevollen Vater haben. Aber wenn ich heute mit meinem Vater noch mal reden könnte, dann würde ich natürlich jetzt, wissend, was der erlebt hat— also ich bin aufgewachsen mit einem Großvater, der im Ersten Weltkrieg ein Auge verloren hat, und mit einem Vater, der im Zweiten Weltkrieg ein Bein verloren hat. Also ich bin zwischen zwei Schwerstversehrten groß geworden, die natürlich beide traumatisiert waren. Meinen Großvater, den ich immer nur erlebt habe, bis zum 16. Lebensjahr, dann ist er gestorben. Der war eher sehr in sich gekehrt und wollte über nichts reden. Aber man muss jetzt sagen, der war im Ersten Weltkrieg Soldat, nicht im Zweiten, was einen Unterschied macht. Aber der war sehr introvertiert, aber sehr liebevoll. Und mein Vater war sicherlich traumatisiert von dem, was er erlebt hat. Ja, und also das war schon grauenhaft. Und also wenn ich heute mit meinem Vater noch mal reden dürfte, würde mich jetzt auch nicht die große Liebe überfallen. Dafür ist zu viel Problematisches passiert. Aber ich würde doch zumindest mit Interesse zuhören. Also stärker geworden ist der Optimismus und schwächer geworden ist der Zorn.

Stephan Seiler 56:54
Gibt es eine Frage, die du deinem Vater gerne stellen würdest?

Hubertus Meyer-Burckhardt 56:58
Ja, ganz einfach: Warum bist du nicht zum Therapeuten gegangen? Warum bist du nicht zum Therapeuten gegangen? Das ist die einzige Frage, die— Weil mein Vater war, ich muss mal sagen, in den 70er Jahren, oder das war ja nun sogar noch Ende der 60er, Anfang der 70er. Da war natürlich, wahrscheinlich gab es in Kassel gar keinen Therapeuten. Die hießen Nervenärzte, weil das besser klang. Aber da muss man sagen, aber natürlich wäre es nötig gewesen. Es gibt ja auch Pfarrer, es gibt, mein Vater hatte einen Freund, der auch Soldat war, also auch jetzt nicht der Inbegriff des Widerstandes gegen Hitler, aber der danach sehr reflektiert über seine Rolle gesprochen hat, der begriffen hat, Dass er in einem verbrecherischen System Soldat war, der begriffen hat, dass Deutschlands Segen in der Demokratie liegt, dass man am besten, wenn man Dinge erlebt hat, die man nicht verarbeiten kann alleine, dann geht man vielleicht zu einem Pfarrer oder geht zu jemandem. Es gab ja auch damals Möglichkeiten. Aber dass du deinen eigenen Sohn verprügelst, weil du selber nicht deiner Vision Herr wirst. Ist wahrscheinlich keine gute Idee. Und ich nutze auch diesen Podcast, dieses Gespräch, Stephan, jeder Zuhörerin und jedem Zuhörer deutlich zu sagen: Wenn ihr in der Nachbarschaft Geräusche aus anderen Wohnungen und anderen Häusern hört, die auf Missbrauch oder Gewalt in der Familie hindeuten könnten, dann bitte schweigt nicht. Geht irgendwohin, sei es zur Polizei oder zu einer entsprechenden Behörde. Dass die mal nachschaut. Ich wäre, ich bin, also ich muss deutlich sagen, ich bin sexuell nie misshandelt worden. Das nicht. Aber rituell verprügelt. Und ich wäre dankbar gewesen, wenn meine, wenn die Nachbarn meiner Eltern etwas aufmerksamer gewesen wären. Aber also das hätte ich, würde ich meinem Vater sagen. Du extremer Hornochse, stell dich deiner selbst und empfinde dich nicht als Opfer. Ich glaube, das ist auch ein ganz großes Problem. Wenn Menschen sich als Opfer empfinden, haben sie immer eine Ausrede für alles. Ja, und das ist das Grausamste.

Stephan Seiler 59:07
Und dadurch wird ja quasi auch wieder das Leid vergrößert, weil wenn sich eine Person in so eine Opferposition einrichtet, wie geht dann die eigene Familie damit um? Wir haben ein Interview geführt mit einer Traumaexpertin, die sagt, dass genau dieses Verhalten von Menschen der Nachkriegsgeneration, die den Krieg erlebt haben und danach dann emotional nicht richtig zugänglich waren zu sich selbst, zu ihren eigenen Emotionen, aber auch dann mit einer gewissen emotionalen Kälte oder mit Kompensationsverhalten wie Alkoholismus dann gearbeitet haben, dass das dann ja auch immer weitergetragen wird. Also dass quasi in der heutigen Urenkelgeneration oder Urenkelgeneration immer noch was davon drinsteckt, von den Kriegstraumata der Urgroßeltern.

Hubertus Meyer-Burckhardt 59:47
Epigenetik, das nennt man Epigenetik. Wir leben das fort und ich glaube, ich habe auch eine, ich weiß nicht, es gab mal eine Finde ich eine Frage, die mich sehr zum Nachdenken gebracht hat, von einem Kollegen von dir: Wärst du auch Filmproduzent oder Autor oder hättest du dich in die Medien auch dann geschmissen, wenn du jetzt ein ganz liebevolles Elternhaus gehabt hättest, wo der Vater Arzt war und wo Geld gewesen wäre und alle hätten liebevoll über deinen Hinterkopf gestreichelt? Und das war eine Frage, die mich sehr zum Nachdenken gebracht hat, weil ich habe in meinen Spielfilmen, also vor allem die, die ich mit Oliver Hirschspiegel gemacht macht habe, schon sehr auch Dinge verarbeitet, die ich früher erlebt habe. Das wusste von den Zuschauern kein Mensch. Also ich habe sehr viele Filme gemacht, 2 an der Zahl, wo das Thema Antisemitismus eine Rolle spielt. Ein Film mit Ben Becker und ein Film mit Matthias Habich und Klaus Löwitsch. Ich habe einen anderen Film gemacht, wo es auch um— mein letzter Film, den ich gemacht habe als Produzent vor ungefähr 8, 9 Jahren, ging über einen depressiven Menschen mit Barbara Auer in der Hauptrolle. Also ich habe relativ viel verarbeitet und ich habe mit meinen Büchern natürlich auch das verarbeitet. Also du hast die ganze Scheiße mit der Zeit angesprochen. Da habe ich das Thema Krankheit verarbeitet und Optimismus. Ich habe in dem Buch Die Sonne scheint immer, für die Wolken kann ich nichts den Optimismus meiner Großmutter verarbeitet. Ich habe glaube ich auch irgendwie eine Begabung entwickelt, aus dem, was ich so in mir trage, auch irgendwie eine kreative Idee zu entwickeln, wie kann man das in Unterhaltung, in gute Unterhaltung übersetzen. Und das war mir auch wichtig. Also wahrscheinlich wäre ich was ganz anderes geworden, wäre meine Kindheit finanziell gut ausgestattet gewesen und der Vater wäre liebevoll. Weiß ich nicht, vielleicht wäre ich heute Internist in Bad Pyrmont, keine Ahnung.

Stephan Seiler 61:46
Hast du dir die Was-wäre-wenn-Fragen manchmal gestellt in deinem Leben? Ja, klar. Eher in den starken oder in den schwachen Momenten?

Hubertus Meyer-Burckhardt 61:53
Klar gab es schon, also gab es, aber die führen ja zu gar nichts, weil eine Entscheidung für etwas ist immer 100 Entscheidungen gegen etwas. Das führt ja zu nichts.

Stephan Seiler 62:05
Was können denn Ältere von Jüngeren lernen, das sie wirklich noch nicht wissen? Ganz pauschal gefragt. Was können wir von Ihnen lernen? Auch gerade übers Älterwerden? Gerade übers Älterwerden? Hast du vielleicht auch was von deinen eigenen Nachkömmlingen mitgenommen, wie das eigene Älterwerden anders ausschauen kann?

Hubertus Meyer-Burckhardt 62:24
Na Gott, vergiss alles mit Weisheit. Also das kannst du knicken, also dass man irgendwie im Alter weise wird oder so. Ich bin nicht weise geworden. Ich bin dankbarer geworden. Ich bin sehr dankbar für das, was ist. Ich bin dankbar für die beste Ehefrau der Welt. Ich bin dankbar dafür, dass der NDR sagt, wir finden es echt gut, dass du noch mal die Talkshow ein Jahr machst oder vielleicht auch noch zwei. Keine Ahnung. Ist ja alles nicht selbstverständlich. Ich bin dankbar, dass meine letzten beiden Bücher Spiegel-Bestseller geworden sind. Ich bin dankbar für meine Freunde, die ich habe, die ich, wie man so schön sagt, nachts um 3 oder um 4 anrufen kann. Bin für wahnsinnig viele Dinge sehr, sehr dankbar, weil es steht dir ja nicht zu. Ich finde immer so albern, wenn man sagt, ja immer das Leben ist ungerecht, wenn einem irgendwas Schlechtes passiert ist. Aber das Leben ist auch dann ungerecht, wenn dir was Gutes passiert, weil wir beide könnten auch auch in der Ukraine uns jetzt unterhalten und müssen dauernd unterbrechen, weil Putin das A******** ist, was er ist, ja, und Bomben auf uns wirft. Also es ist ja auch ein unglaubliches Privileg, in einem hoffentlich noch lange friedlichen Europa zu sein und Deutschland zu sein. Also ich bin für vieles sehr, sehr dankbar und bin immer etwas irritiert, wenn Menschen sagen, so von der Politik, da gehe ich auch immer in die offene Diskussion, ja, mich holt das nicht ab, ich werde nicht abgeholt von der Politik. Da denke ich immer, ja gut, die Politik ist ja kein Nahverkehrssystem, was dich irgendwie an der Haltestelle auflädt und dann bringt es dich da irgendwohin, wo du hin willst. Also wenn das, wenn dich niemand abholt, dann könnte es daran liegen, dass du selber nicht aufgebrochen bist, ja. Dann geh halt dahin, wo du Sinnhaftigkeit hast. Und wenn du, ich habe neulich mit jemanden unterhalten, der der jung ist, ja in meinem Alter, also nicht in meinem Alter, das ist auch ein schöner freudscher Versprecher, also der, wo ich jung war, in deinem Alter, das wollte ich eigentlich sagen, in deinem Alter, und der eine große Heimatverbundenheit mit Mecklenburg und sagte, hier ist aber nichts los und hier gibt es keinen Job. Da habe ich gesagt, ehrlich gestanden, mit 40, Hase, dann pack die Koffer und geh ins Rheinland oder nach Hamburg oder nach München und da kannst du ja in 20 Jahren zurückkommen. Nach Mecklenburg gehen, das ist ja gar kein Problem. Und am Wochenende kannst du da auch hinfahren. Aber nur da zu stehen und zu sagen, hier ist nichts los, glaube ich, keine gute Idee. Also ja.

Stephan Seiler 64:51
Ja, es deckt sich gerade mit einer Recherche, die ich gemacht habe für die Zeit, genau über das Thema: Warum sind Menschen bereit, aus Usbekistan in einem Freizeitpark in Baden bei Freiburg im Europapark zu arbeiten, aber warum sind nicht Menschen bereit, dafür mal umzuziehen aus, weiß ich nicht, aus Hase-Muckel und Gelsenkirchen, wo auch immer. Das ist für mich eine große Frage. Aber dann stellen sich ja gleich wieder so ganz andere Fragen. Wie geht es uns dann vielleicht am Ende doch zu gut? Sind wir zu bequem? Sind wir zu verwöhnt? Und dann kriegt man gleich richtig schlechte Laune, finde ich.

Hubertus Meyer-Burckhardt 65:22
Na ja, ich habe neulich mit einem Gastronomen mich unterhalten, der wirklich über jeden Zweifel erhaben ist. Ein Mann, den ich sehr, sehr schätze. Der, ich will das wirklich jetzt anonymisieren, der in Mecklenburg-Vorpommern ein ganz tolles Hotel hat mit Restaurant. Und in dem Hotel wirst du ausschließlich, und zwar vorzüglich, auch in dem Restaurant, bedient von Vietnamesen, einem Usbeken, witzig, was du erzählst, stimmt, und ich glaube, es waren noch, ich krieg's nicht mehr genau hin, zwei weitere aus Borneo, glaube ich. Die haben Die haben sehr gut Deutsch gesprochen, die haben hervorragend bedient und hatten auch noch Humor. Und ich fragte ihn und sagte: „Sag mal, wir sind hier in Mecklenburg-Vorpommern mit einer relativ hohen Arbeitslosenquote." Sagt: „Hubertus, ich würde liebend gerne Leute auch von hier einstellen, aber sie sind bei Weitem nicht so ambitioniert, nicht so gut." Und jetzt sage ich manchem, der am rechten Rand gerade wählt: Stellen wir uns doch mal vor, wir müssten nach Borneo, Indonesien oder Vietnam gehen, die Sprache lernen. Fahren und dann dort Menschen im Restaurant bedienen, die sehr spezielle Vorstellungen haben, wie eine— also das wären wir doch gar nicht in der Lage. Und ich glaube, ich bin ja Historiker, ich habe ja, bevor ich auf die Filmhochschule ging, lange in Hamburg und Berlin Geschichte und Philosophie studiert. Es gibt auch in jeder Gesellschaft, solange die Welt sich dreht, einen Niedergang. Und ich glaube, wir sind zumindest ist, das spüren wir ja auch alle wirtschaftlich in der Situation, wo wir sagen, so gut wie es mal war, wird es wahrscheinlich nicht noch mal sein. Also wir merken, andere Nationen kommen wirtschaftlich massiv hoch und das spüren wir ja auch. Und ich glaube auch, das kennst du doch selber, wenn du, ich sehe es an meiner Schulklasse, die Jungs und Mädels, die zu Hause kein Geld hatten, sind ziemlich weit gekommen. Wenn du irgendwo raus willst, wo eine gewisse Knappheit ist, dann brauchst du einen Leidensdruck. Ja, dann hast du mehr Motivation. Also du kommst aus Rheinland-Pfalz, ja. Deine Talkshow-Partnerin Frau Huber kommt, glaube ich, aus Oberbayern, wenn ich das richtig erinnere.

Stephan Seiler 67:38
Richtig.

Hubertus Meyer-Burckhardt 67:38
Ich komme aus Nordhessen. Was? Wir alle drei kennen uns jetzt so gut wie gar nicht. Aber was hat uns drei denn? Was ist uns drei gemeinsam? Du musstest irgendwann mal aus Rheinland-Pfalz raus. Aus deiner Heimat und dich irgendwo in Hamburg oder Berlin wieder einfinden. Das war sicherlich auch nicht immer nur toll. Brigitte Huber hat diesen selben Weg gegangen, aus Oberbayern, und hat sich hier in Hamburg durchgesetzt, in beeindruckender Weise. Und ich bin aus Nordhessen irgendwann mal los und weiß noch, ich bin mit meiner Frau gerade diese Autobahn, wenn man die Autobahn von, sagen wir jetzt mal, von Frankfurt nach Hamburg fährt und fährt an Kassel vorbei, gibt es hinter der Auffahrt Kassel-Ost so einen Berg hoch und dann geht's Richtung Göttingen weiter. Und ich weiß noch, als ich Kassel verlassen habe mit meinem Peugeot, habe ich mich noch einmal umgedreht nach dem Abitur und habe geheult. Ich weiß es noch, ich habe geweint, aber weil ich wusste, du wirst nie wieder— das ist der erste große Bruch in deinem Leben. Du wirst nie wieder zurückgehen. Aber ich wollte unbedingt nach Berlin. Damals war das Westberlin. Ich wollte raus. Also die sagt, du musst da jetzt durch, Hubert. Hat es. Und das ist, wenn du aus einer gewissen Knappheit kommst und irgendwohin aufbrichst, bist du immer stärker. Und das betrifft natürlich auch Menschen aus Ländern, wo nicht so viel Wohlstand ist wie bei uns. Die sind einfach häufig engagierter.

Stephan Seiler 69:00
Ich würde gerne auch noch mit dir über einen Moment in deinem Leben sprechen. In deinem Buch hast du es ja geschrieben, die Scheiße mit der Zeit, die dir das Leben in irgendeiner Form danach geteilt hat. Bei dir wurden 2017 bei einer Routineuntersuchung zwei Karzinome entdeckt. Du hast aber auch mal gesagt, deine Lebensfreude sei nach der Erkrankung sogar noch größer geworden als zuvor. Hast du diese Lebensfreude bis heute beibehalten? Was verschiebst du seitdem überhaupt nicht mehr und was machst du trotzdem immer noch viel zu selten? Drei Fragen in einer, um noch einen Fehler zu wiederholen. Das ist eine Fragestellung.

Hubertus Meyer-Burckhardt 69:35
Ich habe, also ich muss erst mal sagen, ich habe das Buch, was ganz wichtig ist. Nachdem ich vorher ein paar ganz erfolgreiche Romane geschrieben habe, sagte der Verlag dann: Schreib doch mal ein Sachbuch. Und da habe ich gesagt: Ich würde gerne ein Buch schreiben über das Vergehen von Lebenszeit. Und der Zufall, ich hatte ungefähr 100 Seiten geschrieben und machte dann, was ein Mann meines Alters machen sollte, einen Check-up. Das war aber Zufall. Und den Check-up habe ich gemacht, während ich das Buch geschrieben habe. Und da kamen eben die beiden von dir erwähnten Karzinome zum Vorschein. Und plötzlich hatte ich die Situation, dass ich ein Buch über Lebenszeit schrieb. 100 Seiten waren fertig. Und da habe ich das Buch erst mal ruhen lassen, weil ich dachte: Ups, jetzt, was machst du denn jetzt? Natürlich kriegst du erst mal einen Riesenschreck, weil ich bin zu dieser, das muss man deutlich sagen, zu dieser Vorbeugung gegangen, ohne dass der Anlass zu irgendeinem, also das war einfach Checker, es war einfach Mal gucken. Routine. Ich hatte keine Beschwerden, um es deutlich zu sagen. Und dann kommst du natürlich zurück und kriegst einen Riesenschreck. Und das habe ich dann, insofern ist dieses Buch, diese ganze Scheiße mit der Zeit, kein Buch über Krebs, sondern es ist ein Buch über das Verwalten, das optimistische Verwalten von Lebenszeit. Auch wenn man eine Krankheit hat, das ist natürlich da noch reingeflossen, aber es war nicht der Anlass, das Buch zu schreiben. So, um jetzt mal deine Frage zu beantworten, kurz und bündig. Der erste Punkt ist: Ich habe mich nicht gefragt, warum ich, sondern ich habe mich eher gefragt, warum ich nicht. Also ich glaube, es sind 5, 6 Millionen Menschen haben die Krankheit und warum soll ausgerechnet Hubertus Meyer-Burckhardt der sein, der davon verschont ist? Das ist das eine. Das zweite ist: Ich habe danach mein Leben umgestellt und ich esse kaum noch Zucker und ich esse kein rotes Fleisch mehr. Also Schwein, Rind, ab und zu mal eine Bratwurst, wenn es mich überkommt, aber Mein Fleischkonsum, ich esse ab und zu ein Bio-Hühnchen, aber mein Fleischkonsum ist relativ niedrig, was die Fische nicht so gut finden, weil seitdem esse ich wahnsinnig viel Fisch. So, also ich habe ein paar Sachen umgestellt und ein paar Sachen so, also aber ich kann dir, es ist relativ trivial leider, ich habe das Leben vorher schon sehr genossen und sehr bewusst gelebt. Ich habe Freunde verloren, sehr früh, an Motorradunfällen und so. Mir war immer die Fragilität der Qualität des Lebens bewusst. Also ich bin mit dem Tod in vielfältiger Hinsicht konfrontiert worden, relativ früh im Freundeskreis, durch Unfälle. Ein Freund von mir, der sehr, sehr nah an meinem Herzen war, ist an Schilddrüsenkrebs gestorben, schon mit 40. Also ich habe immer gewusst, dass das Leben— ich habe es wirklich immer gewusst, das Leben ist eine fragile Geschichte. Und insofern hätte es eigentlich dieser Lektion gar nicht mehr bedurft. Und verschieben— Was, was, das ist sowieso, also weißt du, ich habe eine große Leidenschaft und die Leidenschaft ist Reisen. Ich interessiere mich nicht sonderlich für Autos, ich interessiere mich auch nicht sonderlich für Immobilien, für Besitz und so. Ich bin wahnsinnig gerne unterwegs und ich, das habe ich intensiviert. Also ich war in diesem Jahr schon auf den Kapverden, ich war in Namibia.

Stephan Seiler 72:47
Fußball-WM-Teilnehmer, sehr schön.

Hubertus Meyer-Burckhardt 72:49
Ja, das war toll zu sehen, dass ich war vor der WM da und du konntest auf den Kapverden wirklich in jeder Hütte, jedem Haus war. Und die haben ja immerhin, ich glaube, gegen die Spanier unentschieden gespielt. Das war ja vollkommen irre.

Stephan Seiler 73:02
Die waren positive Überraschung.

Hubertus Meyer-Burckhardt 73:03
Das war irre. Nein, aber ich liebe es zu verreisen und ich bin auch kein Tourist. Ich bin ein Reisender, was ein großer Unterschied ist. Ich fahre gerne in Städte. Ich war Ich war mit meiner Frau in Bulgarien, aber nicht irgendwie am Strand, sondern wir haben uns Bulgarien im Inneren angeguckt. Ich kann das nur jedem empfehlen. Plovdiv ist zum Beispiel eine griechische, eine thrakische, und die Thraker waren eine Gründung. Wahnsinnig schöne Orte gibt es in Bulgarien. Also ich bin, ich muss nicht, also wenn morgen Schluss ist, Stephan, wäre es zwar traurig für alle Beteiligten und für mich auch, aber eins muss ich mir wirklich nicht vorwerfen. Dass ich nicht das gemacht habe in meinem Leben, was ich machen wollte.

Stephan Seiler 73:48
Ja, wer kann das schon sagen? Ist doch eine traumhafte Zwischenbilanz. Kann man das so sagen? Fazit möchtest du es nicht nennen?

Hubertus Meyer-Burckhardt 73:56
Nee, aber es ist so. Ich bin wirklich, ich habe mich durchgekämpft, auch mit Dingen, die jetzt nicht thematisiert werden sollten. Es gab auch schon heftige Schicksalsschläge. Das will ich nicht verhehlen. Aber ehrlich gestanden, bei wie vielen Leuten, die uns zuhören, ist das auch so. Natürlich. Also das Leben ist Kampf. Kampf, das Leben ist Genuss, das Leben ist Niederlage, ist Euphorie. Du enttäuschst Menschen, aber du wirst enttäuscht. Das Leben, was ich führen wollte, ich habe das in dem Film, den der NDR mir geschenkt hat, jetzt zum Geburtstag, habe ich so einen Schluss, das ist der Schlusssatz geworden. Weißt du, ich bin bei Kai Pflaume im Panel von Kaum zu glauben. Ich bin bei Immer wieder bei Sandra Maischberger im Panel bei Maischbergers Woche. Ich habe Spielfilme produziert, die Preise bekommen haben. Ich habe Bücher geschrieben. Ich war in Vorständen von zwei großen Unternehmen. Und das sage ich alles nicht mit Stolz, sondern das sage ich mit unglaublicher Dankbarkeit, dass ich dieses bunte Leben haben, habe führen dürfen. Und was, also ich gerne noch weiter. Statistisch habe ich bis vor kurzem nachgeguckt. Jemand, der heute 70 ist, wird im Schnitt 85. Weil, also ich habe noch 15 Jahre und die fangen heute an. Ja, also ich bin total glücklich über das Leben, was ich führe. Total glücklich.

Stephan Seiler 75:26
Das passt super in unsere Rubrik: Meine Premiere, deine Premiere. Meine Premiere, deine Premiere. Lieber Hubertus, was war deine letzte Premiere, dein letztes erstes Mal und was wird dein nächstes erstes Mal? Erstes Mal sein? Irgendetwas, was du noch nie zuvor gemacht hast?

Hubertus Meyer-Burckhardt 75:43
Bleiben wir gleich bei den Kapverden. Ich war das erste Mal auf den Kapverden und ich genieße es jetzt, Länder zu bereisen, in denen ich noch nie gewesen bin. Und die Kapverden waren ein Traum. Das war das erste Mal, dass ich dort war. Und was ich als Nächstes das erste Mal mache, weiß ich nicht. Ich habe so— das ist auch wieder eine Reise. Ich würde wahnsinnig gerne nach Tiflis nach Georgien. Als Freund des Weines freut mich da, dass die die längste Weinanbaukultur haben der Welt.

Stephan Seiler 76:16
Oder ist die älteste? Hab ich mal gehört.

Hubertus Meyer-Burckhardt 76:20
Ich vermeide ja, die haben es erfunden und der Wein wird da nicht in Fässern, sondern in Amphoren gelagert, was sonst hier in Europa nur in Apulien der Fall ist. Also das nächste erste Mal ist, glaube ich, Tiflis.

Stephan Seiler 76:32
Okay, vielen Dank für diesen Einblick in deine primären Vorhaben der nächsten Monate. Lust auf noch eine Schnellfragerunde zum Abschluss?

Hubertus Meyer-Burckhardt 76:41
Hau rein!

Brigitte Huber 76:42
Kleine Fragen, große Fragen.

Stephan Seiler 76:45
Was ist dein bester Begleiter beim Älterwerden?

Hubertus Meyer-Burckhardt 76:47
Meine Frau.

Stephan Seiler 76:48
Dein liebster Ernährungstipp, Lieblingslebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel? Mit welchem Nahrungsmittel möchtest du bis zum Schluss dich ernähren?

Hubertus Meyer-Burckhardt 76:58
Spaghetti aglio e olio, also mit Knoblauch und Olivenöl. Spaghetti aglio e olio ist Ein Gericht, auf das ich ungern verzichten würde.

Stephan Seiler 77:08
Dein SOS-Tipp für mehr Lebensfreude?

Hubertus Meyer-Burckhardt 77:12
Sei dankbar. Sei einfach v******* noch mal dankbar und vergiss nie: Es steht dir nichts zu.

Stephan Seiler 77:21
Dein Buch deines Herzens, das du in jedem Alter gerne liest?

Hubertus Meyer-Burckhardt 77:25
Die kürzeste Geschichte Deutschlands von James Horace. James Horace Harvess geschrieben. Der lehrt, wenn ich das richtig erinnere, deutsche Geschichte in Oxford. Und James Horst hat das Buch geschrieben, gibt es bei Goldman als Taschenbuch, Die kürzeste Geschichte Deutschlands. Und das ist für jeden auch, ich empfehle es wirklich mit heißem Herzen, weil jeder, der jetzt auch sagt, ich müsste mal die deutsche Geschichte vom Mittelalter mal auf unterhaltsame Weise begreifen, ja, und habe eigentlich so ein bisschen schlechtes Gewissen, weil ich weiß gar nicht so richtig, wie das in der deutschen Geschichte so war, von Anfang an bis heute, dem kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen.

Stephan Seiler 78:05
Schließt mich total an. Ich war absolut kein Fan. Aber man lernt ja, man lernt so viel ja auch über die Mentalitätsunterschiede in den verschiedenen Regionen Deutschlands.

Hubertus Meyer-Burckhardt 78:14
Römisches Polisch.

Stephan Seiler 78:15
Teilweise Jahrhunderte bis Jahrtausende zurückliegen. Das finde ich wirklich spannend. Wie alt fühlst du dich genau heute?

Hubertus Meyer-Burckhardt 78:25
50. Wie 50?

Stephan Seiler 78:27
Jetzt noch entweder oder.

Brigitte Huber 78:29
Entweder oder.

Stephan Seiler 78:31
Notizbuch oder Notizen-App?

Hubertus Meyer-Burckhardt 78:33
Notizbuch.

Stephan Seiler 78:34
Du hast ja eins seit deiner Jugend, aus dem auch das Buch hervorgegangen ist, das jetzt gerade erschienen ist, richtig?

Hubertus Meyer-Burckhardt 78:40
Ja, ja. Das ist Giovanni Di Lorenzo und Stephan Schäfer zu verdanken. Stephan Schäfer, der seinerseits das Buch geschrieben hat, 25, Letzter Sommer, der hat das hier liegen sehen. Das ist so ein altes, ich habe es jetzt nicht irgendwie in der Nähe hier, das ist so ein altes Buch, wo ich seit seit 50 Jahren Zitate reinschreiben. Und das ist der Anlass gewesen, das Buch rauszugeben, was jetzt kommt, nämlich das Buch meines Lebens haben Klügere geschrieben. Natürlich diejenigen, die ich da zitiert habe. Aber es ist wie ein Tagebuch, ein Tagebuch von mir, ohne dass ich selber was reingeschrieben habe von mir, sondern ich habe nur die Gedanken und Zitate reingeschrieben von anderen. Und das ist ganz schön geworden.

Stephan Seiler 79:20
Wie fühlt sich das an im Vergleich zu einem zu einem Roman und im Vergleich zu dem biografischen Buch, das vor 8 Jahren erschienen ist oder 9 Jahren erschienen ist?

Hubertus Meyer-Burckhardt 79:30
Naja, es war eine Reise zurück, weil ich habe das geschrieben auf dem Kreuzfahrtschiff Queen Anne, als wir eben einmal fast um die Welt gefahren sind. Und im Grunde reist du ja zurück, weil natürlich habe ich vor 50 Jahren oder vor über 50 Jahren andere Gedanken und Worte und Zitate erwähnenswert gefunden, als ich es heute finden würde. Ja, und das war schon eine Reise zurück in meine Jugend, war dieses Buch. Teilweise habe ich auch gelächelt, dass ich das und das Zitat gut fand. Aber ich habe es natürlich kommentiert. Ich habe das Buch kuratiert, die Zitate, und habe mich natürlich auch von manchem Zitat humorvoll und entschieden distanziert, was ich mit 17 toll fand. Aber das bleibt ja nicht aus.

Stephan Seiler 80:19
Wahrscheinlich wirst du es tausendmal gefragt gerade, aber ich muss es trotzdem machen. Gibt es das eine Lieblingszitat, das dich immer noch beschäftigt? Ich kenne noch das von vor ungefähr 9 Jahren, das mit dem: Das Leben teilt sich in zwei Hälften. Das finde ich unfassbar stark. Aber gibt es irgendeins, das jetzt alle anderen Zitate überschrieben hat und vielleicht dein Leben auch noch mal neu überschreiben würde?

Hubertus Meyer-Burckhardt 80:42
Na ja, weißt du, es gibt— also du meinst ja das Zitat: Du hast zwei Leben. Das zweite beginnt, wenn du begriffen hast, dass du nur eins hast.

Stephan Seiler 80:50
Ja, und das berührt mich so sehr, weil ich das—

Hubertus Meyer-Burckhardt 80:53
ja, das ist auch schön, dass du hast zwei Leben. Das zweite beginnt, wenn du begriffen hast, dass du nur eins hast. Das ist auch ein Wort. Dann, was mich wirklich— ein Zitat, das mich wirklich— ich hatte es erwähnt, von Rainer Maria Rilke: Du musst das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest. Also lass dich ins Leben fallen, da kann man noch hinterher die große Die deutsch-jüdische Dichterin Hilde Domin hat den Satz gesagt: Ich setzte meinen Fuß in die Luft und sie trug. Ist auch schön, aber um es ein bisschen humorvoll auszudrücken. Richtig stark. Ja, ich habe ja lange und auch gerne in Bayern gelebt, in München, 11 Jahre insgesamt. Und ich habe unheimlich geschätzt den bayerischen Humoristen Karl Valentin. Und Karl Valentin hat den Satz gesagt, der aber der jetzt für viele Zuhörer nicht neu ist, aber ich mag ihn trotzdem: Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch. Das ist so die Aufforderung: Nimm das Leben so, wie es ist. Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch. Das ist herrlich. Also im Grunde ist ja alles derselbe Gedanke. Und da wir ja hier auch übers Älterwerden reden. Meine Mutter hat einen Satz gesagt, Satz, mit dem ich mich immer wieder auseinandersetze. Das ist jetzt kein Zitat. Doch, es ist ein Zitat meiner Mutter, aber jetzt nicht literarisch. Die hat mir mal gesagt, da war sie so 50, und da hat sie mir gesagt: Junge, eines Tages wirst du merken, ob du alt bist, entscheiden andere. Und das ist ein sehr kluger Satz, weil ich kann mich noch so jung fühlen, wenn deine Generation sagt: Schieb den alten Sack weg. Kann ich noch so mir eine gelbe Jeans anziehen und einen Hütchen aufsetzen. Deine Generation wird entscheiden. Nee, der gehört nicht mehr zu uns. Und das ist auch richtig so, sage ich jetzt, weil das Oberhausener Manifest, das war ja die große, das große Pamphlet der jungen deutschen Filmemacher in den 60er Jahren. Das Oberhausener Manifest hatte den Untertitel Opas Kino ist tot. Und da wurde auch mancher Regie-Opa schon damals die Klospülung runtergesetzt, der vielleicht noch ganz gut war. Irgendwann setzen sich Jüngere, es ist archaisch, irgendwann setzen sich Jüngere durch. Was ist die Möglichkeit, dem ein bisschen zu entgehen? Indem man sich für Junge interessiert und nicht denen permanent vorhält: Ich weiß, wie es geht. Denn das ist die Quintessenz. Alter heißt nicht, zu wissen, wie es geht. Und vergiss den ganzen Blödsinn mit Weisheit. Ich bin immer noch ziemlich auf dem Weg, erwachsen zu werden. Alt werden wir später.

Stephan Seiler 83:34
Wunderbar. Vielen, vielen Dank, Hubertus. Ich könnte jetzt noch Stunden mit dir weiterreden und unfassbar viele Themenbereiche noch abklopfen mit dir. Aber gleichzeitig bedanke ich mich für diese Vielfalt an Zitaten. Ich finde es auch sehr charmant, dass du viele, viele Menschen zitierst, aber im Gegensatz zu vielen anderen Menschen, die ich so kenne, nicht dich selbst, sondern Das schafft auch nicht jeder. Finde ich sehr, sehr inspirierend. Und ich glaube, also um dieses schlimme Wort von eben aufzugreifen: Ich wurde abgeholt von dir heute.

Hubertus Meyer-Burckhardt 84:04
Dankeschön. Und ich habe es wirklich schön gefunden, mit dir zu reden und musste mich immer noch dran gewöhnen an Podcasts, wo man— also ich hätte lieber mit dir im selben Studio gesessen mit zwei Mikrofonen. Dann hätte man jetzt auch noch einen Kaffee trinken können oder wenn es später gewesen wäre, Wein. Aber remote ist deswegen auf die Frage lieber über Notizbuch. Ich bin ein haptischer Mensch. Ich lese die Süddeutsche auch immer noch als Papier und manchmal als online.

Stephan Seiler 84:35
Kann ich total nachvollziehen. Hat eine ganz andere Aura, würden die jungen Leute jetzt sagen. Das geht mir ganz genauso. Daran merke ich auch, dass auch ich älter werde. Ich lese nach wie vor auch gerne Papier und ja, aber das Digitale ist dann trotzdem ist noch irgendwo mit dabei. Dem entkommt man ja nicht. Und das ist ja auch gut so. Podcast ist ja das beste Beispiel dafür. Hubertus, vielen, vielen Dank. Vielen Dank. Hab einen wunderschönen Tag und bis zum nächsten Mal, egal wo.

Hubertus Meyer-Burckhardt 85:07
Du auch.

Stephan Seiler 85:07
Würde mich sehr freuen.

Hubertus Meyer-Burckhardt 85:09
Mach's gut. Sehr gerne. Mach's gut. Vielen Dank fürs Interesse.

Brigitte Huber 85:13
Ja, sehr spannend. Stephan, erste Frage: Hat das Interview an manchen Stellen auch wehgetan?

Stephan Seiler 85:21
Ja, hat hier und da wehgetan.

Brigitte Huber 85:22
Du weißt, worauf ich anspiele?

Stephan Seiler 85:24
Ja, ein Stück weit. Ich habe nur einen Puff.

Brigitte Huber 85:26
Als er dich dann doch 1, 2, 3 Mal darauf hinweisen musste, dass Talkshow und Privatleben zweierlei sind?

Stephan Seiler 85:33
Ja, genau, das hat tatsächlich wehgetan. Ein Stück weit. Aber schlimm ist ja, er hat ja recht. Das macht es nicht immer besser.

Brigitte Huber 85:42
Besser als nichts.

Stephan Seiler 85:43
Aber er hat ja völlig recht. Und ich hatte ja mir diese wunderschöne Theorie vorbereitet. Hubertus Meyer-Burckhardt ist ein toller Gastgeber. Im Fernsehen, also bringe ich jetzt von ihm 5 Tricks mit, wie wir alle auf einer Party bessere Gespräche führen. Das war meine Illusion. Und Hubertus sagte: Nö, so funktioniert das nicht. Fernsehen ist Fernsehen, privat ist privat. Anderes Spiel.

Brigitte Huber 86:06
Sowas geht vielleicht bei Fitnessübungen, dass man 5 ultimative Fitnessübungen hat, aber in diesem Bereich funktioniert das so nicht.

Stephan Seiler 86:15
Leider, leider. Aber dafür hat er dann ja trotzdem sehr viel Preis gegeben, wie man Gespräche führt. Auch diese Sache, immer kurze Fragen stellen, das hilft, da kriegt man mehr raus. Und das ist schon mal ein guter Punkt. Aber was ich jetzt schon mitgenommen habe aus dem Gespräch, sind viele Anregungen, wie wir bessere, tiefere Verbindungen aufbauen können zu anderen Menschen. Ich weiß nicht, wie es dir gegangen ist. Du hast es jetzt zum ersten Mal gehört, Brigitte, was ist bei dir hängen geblieben?

Brigitte Huber 86:43
Ja, ich fand schon auch eben diesen Punkt, dass man echtes Interesse nicht nur zeigen soll oder mitbringen soll letztlich, dass der sehr entscheidend ist, weil da habe ich innerlich genickt, weil das deckt sich einfach auch so mit dem, was ich in den letzten Jahren recherchiert habe, was so eine Schlüsseleigenschaft fürs positive Älterwerden ist, was ganz, ganz viele Expertinnen und Experten sagen, eben Neugierde und Neugierde, also positive Neugierde. An Menschen, an Dingen, an Sachverhalten ist für mich was ganz, ganz Ähnliches wie echtes Interesse. Und ja, das finde ich klug. Also nahezu weise. Wobei weise findet er ja, das fand ich auch, da musste ich auch lachen, dass er sagt, also vergiss das mit dem Weise werden, da ist er weit davon noch entfernt und hat da auch irgendwie, glaube ich, gar nicht so richtig vor, oder?

Stephan Seiler 87:31
Ja, ja, richtig. Muss man ja auch nicht. Das finde ich ja sogar fast tröstlich, dass man nicht weise werden muss und da wirklich mittig mit sich sein kann.

Brigitte Huber 87:41
Ja, absolut. Zumal Weise, das weiß ich eben auch noch aus der Recherche, das heißt nicht unbedingt der Schlüssel zum Glück für einen selber. Also insofern, aber das ist noch mal ein anderes Thema an anderer Stelle. Aber nachdem ich da die Zusammenhänge—

Stephan Seiler 87:55
Das Glück ist mit dem Dummen, heißt es doch.

Brigitte Huber 87:56
Ach so, ja, das ist noch mal was anderes. Ja klar, das fand ich auch spannend. Klar, Selbstzweifel finden wir, das ist zumindest unsere Überzeugung, eher bei uns klügeren Menschen, während sich die vermeintlich Dümmeren eben nicht so einen Kopf machen. Ja, aber was ich auch noch schön fand, ist eben dann doch klar, das ist ein immer wiederkehrendes Element beim positiven Älterwerden. Aber nichtsdestotrotz ist es halt wichtig, ist diese Dankbarkeit, die er auch wirklich versucht und auch tatsächlich dem Leben gegenüber entwickelt und dann auch sich so ein bisschen aussöhnt im Nachhinein dann auch mit seinem Vater, dass er sagt, der Zorn ist da geschrumpft und das Positive, der Optimismus ist eher gewachsen. Also so was mag ich schon ganz gern. Das finde ich schon sehr positiv motivierend.

Stephan Seiler 88:45
Wie fandest du als Feministin den Aspekt, als er den Männern die Ohren lang gezogen hat und erzählt hat, dass Frauen ihm beim Kennenlernen stets eher etwas über Beziehungen sprechen, erzählen würden und Männer eher, was sie gerade geleistet haben. Und sein Fazit war ja echt vernichtend. So, das hat man sich bei manchen Männern erst durch die Funktion gekämpft und sie sieht ihn gewissermaßen am Titel und Sakko aus, ist das, was übrig bleibt, manchmal, wie er sagte, recht trostlos. Das hat gesessen, oder?

Brigitte Huber 89:13
Ja, wobei ich da ganz, ganz ehrlich sagen muss, ich empfinde das häufig auch als sehr viel differenzierter. Ich kenne zum Glück auch genügend Männer in meinem Umkreis, in meinem Leben, die eben nicht so sind. Aber ich kann mir vorstellen, vor allem für eine gewisse Generation, ist das schon noch tendenziell so, wie er es schildert, oder eher so. Also so ist es ganz bestimmt nicht. Es gibt ganz, ganz viele gute, zuhörende, interessierte, fragende Männer. Und da möchte ich jetzt auch überhaupt nicht zu sehr pauschalisieren.

Stephan Seiler 89:49
Ja, und dann danke, dass du uns noch mal ein bisschen entlastest. Das freut mich. Ich glaube, es wird auch viele Männer da draußen freuen. Liebe Grüße an dieser Stelle. Und da war noch dieser Satz: Satz, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht: Wenn mehr Menschen Therapie machen würden, müssten weniger Menschen Therapie machen. Ach so, hat das ja gemacht, ist früh in Therapie gegangen, in der Zeit, als es noch wirklich nicht en vogue war. Und er appelliert an alle, quasi an fast alle, das auch mal zu tun. Und ich glaube, ich fühle für die ein oder anderen da draußen vielleicht auch noch eine Sache, womit man sich schwertut, vielleicht auch gerade, wenn man älter geworden ist.

Brigitte Huber 90:30
Ja, da kommen bei mir gleich 5 Gedanken gleichzeitig auf. Zum einen fällt mir Helma Sick ein. Du erinnerst dich an die Roma Dame der Finanzwelt, die wir ja auch schon hatten in einer unserer ersten Folgen, die eben auch durch 2 Therapien gesagt hat, das hätte ihr Leben noch mal richtig zurechtgerüttelt. Und gleichzeitig Gleichzeitig fällt mir aber auch unser Interview mit Verena König ein. Da ging es ja um das Thema Trauma und da ist mir auch der Satz im Kopf geblieben: Wir sind unterm Strich sehr resiliente Menschen. Deswegen würde ich sagen, nicht jeder Mensch braucht automatisch eine Therapie. Und wenn man sich im Moment die Gesundheitsversorgung hierzulande anschaut, dann ist das auch überhaupt nicht abbildbar. Und dann sind es dann doch wieder eher die Privilegierten, die es sich leisten können. Und insofern würde ich auch sagen, da hat er einen Punkt. Aber ich würde es trotzdem differenziert auch anschauen. Du?

Stephan Seiler 91:35
Sehe ich auch so ähnlich wie du. Wobei ich schon glaube, dass— Also ich habe früher auch mal gedacht, das wäre vielleicht nicht schlecht, wenn quasi jeder mit 20 mal ein Jahr lang in Therapie gehen muss. Ich glaube, dann wäre die Welt eine friedlichere und dann wäre, würden wahrscheinlich wahrscheinlich auch weniger Menschen im Gefängnis sitzen, weniger Kriminalität insgesamt geschehen, weniger Dramen entstehen, weniger Scheidungen, weniger falsche Beziehungsentscheidungen etc. getroffen werden. Ich kann mir schon vorstellen, wenn man Zugang zu sich selbst findet und wirklich weiß, wer man wirklich ist, was man will, unabhängig von irgendwelchen Coolness-Begriffen oder äußeren Erwartungen. Ich glaube, das könnte schon die Gesellschaft eine bessere werden lassen.

Brigitte Huber 92:16
Also bürden wir aber gleichzeitig den Therapeut:innen eine ganz schön hohe Bürde auf, weil längst nicht jeder Jede Therapie endet so, dass man wahnsinnig viel, also dass man alles über sich selber weiß. Und ich finde es total lustig, dass mir eine Therapeutin, sogar eine Professorin mal gesagt hat, da haben wir uns so unterhalten, wie wichtig Gespräche mit Freunden beispielsweise und Freundinnen sind, dass das manche Therapie einfach ersetzt. Du, wenn du Leute hast, an die du dich wenden kannst, denen du deine tiefsten Gedanken anvertrauen kannst, die auch sagen können, Mensch, Stephan, jetzt kannst du es mal von der Perspektive sehen. Dann kannst du vielleicht nicht jedes Kindheitstrauma aufarbeiten, aber es kann dir schon helfen, mehr über dich selber zu erfahren und vielleicht Dinge in den Griff zu kriegen, die du verändern möchtest. Also, und das fand ich wahnsinnig erhellend, weil sie auch gesagt hat, der Unterschied ist dann da auch von der Wirksamkeit her manchmal gar nicht groß.

Stephan Seiler 93:16
Ja, total. Da sind wir auch wieder bei Hubertus, der ja auch einen Appell formuliert hat, dass wir echte Kommunikation, echte Konversation führen, ins Tiefe bohren und uns nicht mit Smalltalk hier und da, hi, wie geht's dir, ja, alles gut, zufrieden geben. Oder eben, und da sind wir bei den Männern, ist ja auch so, dass Leute, dass so viele dann einfach nur sagen, ja, das Haus ist jetzt fertig und der Rasen ist gemäht, und aber nicht verraten, wie es ihnen wirklich geht, wo sie irgendwas anderes vorschieben. Und lohnt sich einfach dahinter zu gucken.

Brigitte Huber 93:50
Das ist ja dann auch der Punkt. Ein Mann, der zu einer Therapie geht, und da zitiere ich jetzt Oskar Holzberg, den Paartherapeuten und Psychologen, der hat jetzt auch noch nicht nur, dass er den Therapieraum betritt, gelernt, über seine Gefühle zu sprechen, sondern das ist ja trotzdem noch, er ist er selber. Und insofern wird sich das jetzt einfach nur durch sein Gegenüber nicht unbedingt ändern. Und wir haben es dann doch noch manchmal mit vielen Männern vielleicht zu tun, für die das nicht so selbstverständlich und einfach ist, wie wir es gerne hätten. Und wie es in der jungen Generation, wie ich es an vielen Stellen sehe, so bei den Kindern in meiner Umgebung sehe und mir jetzt gerade so auch mein Sohn, der hier in Hamburg wohnt, so vor Augen führe, mit Ende 20, wie oft offen, die über Themen und Probleme reden. Also das ist schon sehr, sehr schön. Also da hätte sich die Generation, meine Generation oder auch die dazwischen schon die eine oder andere Scheibe abschneiden können.

Stephan Seiler 94:51
Wobei ich mich aber auch frage, wobei ich mich aber auch frage, ob genau diese Generation mit einem weiteren Satz von Hubertus was anfangen könnte, der nämlich lautete: Es steht dir gar nichts zu. Nichts steht uns zu. Ich weiß nicht, ob das die junge Generation auch so unterschreiben würde. Was hat so ein Satz mit dir gemacht, als du ihn gehört hast? Wir sollten einfach v******* noch mal dankbar sein und niemals vergessen, es steht dir nichts zu.

Brigitte Huber 95:16
Naja, ein Stück weit kann ich das nachvollziehen. Wie ist es bei dir?

Stephan Seiler 95:22
Ja, so eine recht kühl wirkende Wahrheit, mit der ich mich aber trotzdem schwer anfreunden kann, weil ich natürlich das innere Bedürfnis habe, dass ich wachse und mich entwickle. Und wenn ich jetzt aus meiner Wohnung ausziehen würde und sagen würde, ja, steht mir halt nicht zu, dann schlafe ich jetzt halt im Pappkarton. Wird sich jetzt gefühlsmäßig, kann ich mich diesem vielleicht schlauen Zitat noch nicht ganz so öffnen, wie es mein Kopf—

Brigitte Huber 95:49
Nein, ich habe es auch eher mit einem anderen Zitat, und das ist das, was er von seiner Mutter gebracht hat: Ob du alt bist, oder wie war das, ob du alt bist, entscheiden andere, oder wann du alt bist, entscheiden andere. Und das finde Finde ich ja auch ganz lustig, weil er fühlt sich ja wahnsinnig jung noch, also er fühlt sich ja wie 50 und ist insofern, wissen wir ja, im Schnitt fühlen sich Leute so 11% jünger oder das wären in seinem Fall natürlich dann nur irgendwie so 8 Jahre oder so, 7 bis 8. Und er fühlt sich aber so richtig doll jünger.

Stephan Seiler 96:22
20 Jahre jünger.

Brigitte Huber 96:24
Ja, ja, eben. Also das ist schon, das ist schon eine Welt. Ja, aber ich finde also diesen, diesen Mutterspruch, also von seiner Mutter, den mag ich wirklich gern.

Stephan Seiler 96:31
Ja, aber für mich ist dieser Podcast ja auch quasi immer wieder der Versuch herauszufinden, wie ich selbst sein möchte, wenn ich mal jenseits der 70 bin, um bei Hubertus jetzt zu sein. Und Hubertus hat mir, so viel Schleimerei ist vielleicht erlaubt, schon so ein Zeichen gegeben, wie ich gerne wäre. Also ich möchte, glaube ich, wenn ich älter bin, jenseits der 70 bin, mit einer ähnlichen Lebenseinstellung auf das Leben blicken und auch auf sich selbst blicken, auch mit dieser Gelassenheit, ja, auch über eigene Schwächen, Fehler und so weiter zu reden. Ich hoffe, dass ich das vermag, wenn ich jenseits der 70 bin. Und nicht nur so, wie es ja auch einige machen, sich so selbst feiern und versuchen, die eigene Vergangenheit schönzureden und so was. Da den richtigen Umgang mit zu finden, das fand ich schon sehr inspirierend. Ich weiß nicht, wie es dir gegangen ist und euch da draußen, aber mir ging es so.

Brigitte Huber 97:27
Ist doch auch ein gutes Ziel für dich, Stephan. Und zum Schluss sitzt du dann noch irgendwann in der NDR Talkshow. Man weiß es nicht.

Stephan Seiler 97:36
Genau, aber ich muss erstmal lernen, kurze Fragen zu stellen. Ich muss erstmal lernen, kurze Fragen zu stellen. Deshalb müssen wir hier noch ein paar Folgen produzieren, bis ich das hinbekomme.

Brigitte Huber 97:46
Ja, wir drehen noch ein paar Schleifen. Genau. Ja, aber ich fand es wirklich, hat mir Spaß gemacht zuzuhören. Bleibt einiges hängen.

Stephan Seiler 97:56
Schreibt uns gerne da draußen, wie es euch ergangen ist. Vielen, vielen Dank fürs Zuhören. Wenn euch die Folge gefallen hat, folgt uns, abonniert uns, schreibt uns bitte Nachrichten und Kommentare. Wo ist das möglich, Brigitte? Auch diese Woche frage ich dich: Wo kann man Kommentare und Nachrichten uns schreiben?

Brigitte Huber 98:12
Ja, selbstverständlich kann man das bei Spotify und Apple Podcasts, nicht wahr? Richtig. Ja, aber er könnte es auch gerne auf unserem Instagram-Account machen, nicht wahr?

Stephan Seiler 98:21
Richtig. Und bei Facebook.

Brigitte Huber 98:22
Hervorragend. Und bei YouTube. Und bei YouTube geht es auch, klar.

Stephan Seiler 98:28
Kaum vergessen.

Brigitte Huber 98:29
Ein gutes Jahr habe ich schon drauf.

Stephan Seiler 98:31
Wunderbar. Die E-Mail-Adresse lautet post@huberseiler.de. Schreibt uns gerne eine Nachricht. Das Faxgerät ist leider defekt gerade. Also bitte auf dem digitalen Wege uns kontaktieren.

Brigitte Huber 98:42
Ja, und dann bedanken wir uns natürlich.

Stephan Seiler 98:46
Vielen, vielen Dank an euch da draußen fürs Zuhören zuallererst, aber natürlich auch an Leo Ebert-Klang für Sound und Schnitt. Um unseren Instagram-, YouTube- und Facebook-Kanal kümmert sich Bennet Polenz.

Brigitte Huber 98:58
Danke Bennet. Und um unsere Vermarktung kümmert sich Luisa Abraham von Zebra Lucian.

Stephan Seiler 99:05
Wie ihr sie erreichen könnt, wenn ihr bei uns Werbung schalten möchtet, erfahrt ihr in den Shownotes der Folgenbeschreibung. Da stehen die Kontakte drin. Und Klammer auf: Macht das gerne mal, es ist noch ein Plätzchen frei. Klammer zu.

Brigitte Huber 99:21
Okay, also an dieser Stelle ganz, ganz herzlichen Dank fürs Zuhören und wir freuen uns schon aufs nächste Mal.

Stephan Seiler 99:28
Macht's gut, bis dahin und weiterhin fröhliches Älterwerden.

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Folge

9

·

70 Min.

Mit

Stefanie Stahl

Wie kommen wir in Kontakt – mit anderen und mit uns selbst?

Impulse aus dieser Folge

💡

Zum Ausprobieren

Nicht nur zuhören, sondern hinhören, besonders bei einem Freund, den man lange nicht gesehen hat: auf Pausen achten, auf das Ringen um ein Wort, auf das, was ihm schwerfällt zu erzählen. Oft erfahre man mehr über einen Menschen dadurch, dass man spürt, was er noch nicht erzählt.

💡

Zum Ausprobieren

Mut misst sich an der Angst, die man überwindet, nicht an der Höhe des Bretts: Mit dieser Begründung lobte der Schwimmlehrer, wie sich Hubertus Meyer-Burckhardt erinnert, nicht ihn, der immer vom hohen Brett sprang, sondern einen Klassenkameraden, der zum ersten Mal vom Einmeterbrett gesprungen war.

💡

Zum Ausprobieren

Dankbar sein und nie vergessen, dass einem nichts zusteht. Ungerecht sei das Leben nicht nur, wenn einem etwas Schlechtes passiert, sondern auch, wenn einem etwas Gutes passiert.

💡

Zum Ausprobieren

Raus aus der eigenen Blase: sich zu Menschen aus einem anderen Milieu dazusetzen, eine Bratwurst mitessen und reden, ohne über sie zu urteilen. Nichts langweile ihn so wie Treffen mit Leuten, von denen er vorher weiß, dass sie seiner Meinung sind, sagt Hubertus Meyer-Burckhardt.

💡

Zum Ausprobieren

Als Älterer Jüngeren nicht sagen, wie man etwas sieht, es sei denn, sie fragen ausdrücklich danach. Dem Verdrängtwerden durch Jüngere entgehe man ein bisschen, wenn man sich für sie interessiert, statt ihnen ständig vorzuhalten, man wisse, wie es geht.

💡

Zum Ausprobieren

Nicht fragen, ob eine Stadt schön ist, sondern ob sie interessant ist. Als Hubertus Meyer-Burckhardt aus Warschau zurückkam und gefragt wurde, ob die Stadt denn schön sei, fand er das völlig unerheblich: Er fahre in Städte, weil sie interessant seien.

💡

Zum Ausprobieren

Nicht nur zuhören, sondern hinhören, besonders bei einem Freund, den man lange nicht gesehen hat: auf Pausen achten, auf das Ringen um ein Wort, auf das, was ihm schwerfällt zu erzählen. Oft erfahre man mehr über einen Menschen dadurch, dass man spürt, was er noch nicht erzählt.

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Zum Ausprobieren

Als Älterer Jüngeren nicht sagen, wie man etwas sieht, es sei denn, sie fragen ausdrücklich danach. Dem Verdrängtwerden durch Jüngere entgehe man ein bisschen, wenn man sich für sie interessiert, statt ihnen ständig vorzuhalten, man wisse, wie es geht.

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Raus aus der eigenen Blase: sich zu Menschen aus einem anderen Milieu dazusetzen, eine Bratwurst mitessen und reden, ohne über sie zu urteilen. Nichts langweile ihn so wie Treffen mit Leuten, von denen er vorher weiß, dass sie seiner Meinung sind, sagt Hubertus Meyer-Burckhardt.

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Dankbar sein und nie vergessen, dass einem nichts zusteht. Ungerecht sei das Leben nicht nur, wenn einem etwas Schlechtes passiert, sondern auch, wenn einem etwas Gutes passiert.

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Mut misst sich an der Angst, die man überwindet, nicht an der Höhe des Bretts: Mit dieser Begründung lobte der Schwimmlehrer, wie sich Hubertus Meyer-Burckhardt erinnert, nicht ihn, der immer vom hohen Brett sprang, sondern einen Klassenkameraden, der zum ersten Mal vom Einmeterbrett gesprungen war.

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Nicht fragen, ob eine Stadt schön ist, sondern ob sie interessant ist. Als Hubertus Meyer-Burckhardt aus Warschau zurückkam und gefragt wurde, ob die Stadt denn schön sei, fand er das völlig unerheblich: Er fahre in Städte, weil sie interessant seien.

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Nicht nur zuhören, sondern hinhören, besonders bei einem Freund, den man lange nicht gesehen hat: auf Pausen achten, auf das Ringen um ein Wort, auf das, was ihm schwerfällt zu erzählen. Oft erfahre man mehr über einen Menschen dadurch, dass man spürt, was er noch nicht erzählt.

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Dankbar sein und nie vergessen, dass einem nichts zusteht. Ungerecht sei das Leben nicht nur, wenn einem etwas Schlechtes passiert, sondern auch, wenn einem etwas Gutes passiert.

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Als Älterer Jüngeren nicht sagen, wie man etwas sieht, es sei denn, sie fragen ausdrücklich danach. Dem Verdrängtwerden durch Jüngere entgehe man ein bisschen, wenn man sich für sie interessiert, statt ihnen ständig vorzuhalten, man wisse, wie es geht.

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Mut misst sich an der Angst, die man überwindet, nicht an der Höhe des Bretts: Mit dieser Begründung lobte der Schwimmlehrer, wie sich Hubertus Meyer-Burckhardt erinnert, nicht ihn, der immer vom hohen Brett sprang, sondern einen Klassenkameraden, der zum ersten Mal vom Einmeterbrett gesprungen war.

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Raus aus der eigenen Blase: sich zu Menschen aus einem anderen Milieu dazusetzen, eine Bratwurst mitessen und reden, ohne über sie zu urteilen. Nichts langweile ihn so wie Treffen mit Leuten, von denen er vorher weiß, dass sie seiner Meinung sind, sagt Hubertus Meyer-Burckhardt.

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Nicht fragen, ob eine Stadt schön ist, sondern ob sie interessant ist. Als Hubertus Meyer-Burckhardt aus Warschau zurückkam und gefragt wurde, ob die Stadt denn schön sei, fand er das völlig unerheblich: Er fahre in Städte, weil sie interessant seien.

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James Hawes, 2018. Buchtipp von Hubertus Meyer-Burckhardt

Antworten auf kleine Fragen, große Fragen

Was war dein letztes erstes Mal, und was wird dein nächstes?

Ich war das erste Mal auf den Kapverden und ich genieße es jetzt, Länder zu bereisen, in denen ich noch nie gewesen bin. Und die Kapverden waren ein Traum. […] Also das nächste erste Mal ist, glaube ich, Tiflis.

Was ist dein bester Begleiter beim Älterwerden?

Meine Frau.

Mit welchem Nahrungsmittel möchtest du dich bis zum Schluss ernähren?

Spaghetti aglio e olio, also mit Knoblauch und Olivenöl. […] Ein Gericht, auf das ich ungern verzichten würde.

Dein SOS-Tipp für mehr Lebensfreude?

Sei dankbar. Sei einfach verdammt noch mal dankbar und vergiss nie: Es steht dir nichts zu.

Welches Buch liest du in jedem Alter gern?

„Die kürzeste Geschichte Deutschlands“ […] ich empfehle es wirklich mit heißem Herzen.

Wie alt fühlst du dich heute?

50.

Zitate aus dieser Folge

Wenn mehr Menschen Therapie machen würden, müssten weniger Menschen Therapie machen.

Folge

55

·

Ich setzte meinen Fuß in die Luft und sie trug.

Hilde Domin

Folge

55

·

Ich habe auch nicht Zitate gesammelt, weil ich damit irgendeine drittklassige Rede aufpeppen wollte mit dem Beginn: Wie Cicero schon sagte. Sondern ich dachte, hinter einem guten Zitat steht immer ein genialer Gedanke.

Hubertus Meyer-Burckhardt

Folge

55

·

Ich bin nicht weise geworden. Ich bin dankbarer geworden. Ich bin sehr dankbar für das, was ist.

Hubertus Meyer-Burckhardt

Folge

55

·

Du musst das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest.

Rainer Maria Rilke

Folge

55

·

Ob du alt bist, entscheiden andere.

Mutter-Spruch von Hubertus Meyer-Burckhardt

Folge

55

·

Wir alle haben Wunden geschlagen bekommen und wir haben auch anderen Menschen Wunden geschlagen. Das sollte man auch nicht vergessen.

Hubertus Meyer-Burckhardt

Folge

55

·

Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet’s auch.

Karl Valentin

Folge

55

·

Ich fühle mich deutlich jünger. Ein Blick in den Spiegel verrät, dass das ein Irrtum ist. Aber ich mache das, was ich immer schon ganz gut konnte. Ich stürze mich ins Leben.

Hubertus Meyer-Burckhardt

Folge

55

·

Ich glaube, ohnehin wäre die Welt deutlich angenehmer, wenn sich ein paar Menschen weniger wichtig nehmen würden.

Hubertus Meyer-Burckhardt

Folge

55

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Wenn mehr Menschen Therapie machen würden, müssten weniger Menschen Therapie machen.

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Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet’s auch.

Karl Valentin

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Ob du alt bist, entscheiden andere.

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Ich habe auch nicht Zitate gesammelt, weil ich damit irgendeine drittklassige Rede aufpeppen wollte mit dem Beginn: Wie Cicero schon sagte. Sondern ich dachte, hinter einem guten Zitat steht immer ein genialer Gedanke.

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Huber & Seiler

Die Sache mit dem Älterwerden.

Klüger älter werden, ohne sich jünger machen zu müssen.

Ein unabhängiger Podcast von Brigitte Huber & Stephan Seiler.

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